: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 7. Januar 2013

Bekenntnisse des Hochstaplers "Don" Alphonso

Die bittere Wahrheit am Sonntag ist, dass ich meinen Zustand am besten als "abgebrannt" bezeichnen muss. Ich bin ziemlich pleite. Und schuld bin ich selber, weil ich ich die Post von der Bank kaum beachtet, geschweige denn geöffnet habe. Und so entwickelte sich hinter meinem Rücken das ganze Unglück bis zu jenem Moment, da ich mir im schönen Rosenheim dachte: Tanke ich jetzt mit Karte oder schaue ich doch noch, dass ich eine Sparkasse finde? Es ist nämlich auch so, dass ich gern mit leerem Tank fahre: Das diszipliniert nicht nur, es schärft auch die Einschätzungsgabe. Und dann fand ich also eine Bank, hielt an, ging hinein, schob die Karte in den Schlitz und hob etwas Geld ab. Oder versuchte es wenigstens. Der Automat aber sagte mir, die Karte sei ungültig, und ich sollte mit meinem Kundenberater sprechen. Man werde mir jedenfalls kein Geld geben. Weil nämlich meine Karte über das neue Jahr abgelaufen war. Mein famoses Gefühl für den Tankinhalt der Barchetta sagte mir, dass ich auch mit dem erhöhten Luftwiderstand heim kommen würde, knapp, aber kein Ding der Unmöglicheit, selbst wenn der Zeiger schon auf Null stand. Daheim könnte man weiter sehen, was sich so ergäbe.





Im ersten Schreck machte ich mir erst mal kostenneutrale Pfannkuchen mit Marmelade und bastelte ein wenig am Garlatti herum. Das Garlatti ist ein wenig wie der Schaumwein des Vaters von Felix Krull, glänzende und pompöse Verpackung, aber qualitativ nichts Besonderes. Man sieht die verchromten Muffen und nicht die billigen Rohre, man liest auf einem grossen Aufkleber "Campagnolo" und dennoch sind die Bremsen von Galli, die Kettenblätter von Gipiemme und der Rest von einer billigen Linie. Sieht nach etwas aus, ohne etwas zu sein - so ähnlich war es ja auch mit mir. Kein Sprit im Tank und keine Karte, mit der ich abheben kann. Meine Laune besserte sich erst, als ich einem Hoteldieb gleich die Wohnung auf den Kopf stellte: Im Koffer ein 50 Euro Schein, vermutlich in Italien dort verloren gegangen - der Tank nach Hause. Im Trikot 30 zerknitterte Euro - das Essen der nächsten Tage. Im Flickzeug 20 sauber gefaltete Euro - ein wenig Radbedarf. In der Jugendstil-Schminkschatulle 50 Euro, die ich mal zur Sicherheit hinterlassen habe, vor Jahren - ich begann mich wieder reich zu fühlen. Ein Sack Münzen im Schrank. 20 Euro zwischen italienischen Schuhrechnungen im Geldbeutel - heut geh ich in's Maxim.





Es ist ganz erstaunlich, wie dann aus der Notspeise der gefüllten Pfannkuchen wieder ein liebevoll gemachter Omelettauflauf mit viererlei Käse, Zucchini, Champignon, Tomaten undKräuterseitlingen wird. Und wie man den Chrom nicht mehr poliert, um notfalls nach Hause und zum Bankberater zu radeln, sondern das Ganze in Vorfreude auf den Sommer am See macht, denn dieses Rad ist vielleicht nicht gut genug zum Rennen, aber mehr als ausreichend für eine gute Krullfigur beim Baden. Natürlich hätte ich hier auch jemanden fragen können, oder anrufen. Aber dazu bin ich nicht erzogen, ich kann das nicht und würde das auch nie tun. Im Bitten bin ich noch schlechter als im Zahnarztbesuch.





Es wirft kein gutes Licht auf diesen meinen Charakter, wenn ich dann schon wieder beim Abendesssen auf den Lenkerstopfen deute und sage: Kein Kilometer von diesem Baptisterium, da kommt der Scamorza im Kühlschrank her, in Italien auf Buchenholz geröstet und hier, wenn Du möchtest, auf japanischem Porzellan serviert... aber bitte, das ist doch selbstverständlich... wir haben es, wer kann, der kann. Ob nun Reste oder mit Hingabe gekocht, wer vermag das schon zu sagen, und ich sage: Wenn ich nicht auf dem Riff aufsitze, segle ich darüber hinweg. Ausserdem komme ich noch aus einer Zeit, da musste man am Schalter anstehen, um Geld abzuheben, und der Schalterbeamte beobachtete einen, als wäre es ein Verbrechen, der Bank das Geld zu nehmen: Sie wollen wirklich 1200 Mark für so ein Rennrad? Verschwender! Auch damals kam man irgendwie ohne Abheben über den Sonntag.





Das alles sollte mir dennoch eine Lehre sein, aber in vier Jahren, wenn die neue Karte wieder ausgelaufen isr, werde ich das sicher wieder vergessen. Oder vielleicht sind wir dann schon so verdrahtet, dass wir quasi daurnd mit unserem Vermögen herumlaufen und jede Verkehrswidrigkeit sofort per Funkverbindung abgebucht wird. Dieser ganze Computerkram macht das Hochstapeln zunehmend schwierig, man kann sich nicht mehr drei Tage mit angeblichen Überweisungsproblemen erkaufen, und die Identität von einem Graf Venosta kann man auch nicht übernehmen. Nur der Heiratsschwindel geht vielleicht noch, als Heiratsfehlinvestment. Aber dafür bin ich nicht geschaffen. Vielleicht kann ich wenigstens mit meinen Aufläufen, für die es sicher ein mordspompöses Wort der französischen Küche gibt, und meinem chromblitzeden Garlatti beeindrucken. Wenig genug. Aber so ist das eben. Und besser als nichts.

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Und nun zur wichtigsten Meldung des Tages!

+++ EIL! +++

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, Millionäre tanzen auf der Strasse und reissen sich die Kleider vom Leib!



Denn mit dem 6. Januar naht die nättische Jahreszeit, und das bedeutet, dass die Innereien der Petit Fou deutlich modifiziert werden.



Statt Teiglagen kommt jetzt auch eine Lage mit Hmbeercreme zum Einsatz. Tantenmorden extrem, Schwigertochterstopfen brutal, Enkelabfüttern 2 the limit.



(Den braunen Streifen weiter unten, da dachte ich erst, das sei verdünnter Broderschmier, ist aber Schokoladencreme.)

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