: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 15. Februar 2013

Die grosse Katastrophe im Kleinen

Früher waren es 6 oder 8 Ster, und dann zogen sich die Holzstösse am ganzen Haus entlamg, bis vor zur Terrasse. Das war in der Zeit, als zuverlässig jedes Jahr das Land im Schnee versank, Woche für Woche, manchmal von November bis März. Da brauchten wir das Holz, und es war natürlich schön, vom Schlittschuhlaufen heimzukommen, und an der warmen Ofenbank zu sitzen. Einen Tag war man mit dem Holz, halb Buche und halb Fichte, gut beschäftigt, ein Spass für die ganze männliche Familie.







Dann kamen die Winter des späten 20.und frühen 21. Jahrhunderts, und die Klimaerwärmung. Man muss nicht drum herum reden: Es kamen Winter wie Frühling, und manchmal bliesen Stürme am ersten Januar die Eisschicht auf dem See weg, so dass wir surfen gingen. Das waren die Winter, in denen manchmal 1, 2 Ster übrig blieben und dann im nächsten Herbst wie Papier wegbrannten. Man macht das dreimal in Folge mit, und dann bestellt man weniger. Manchmal reicht es, manchmal muss man nachbestellen. 2008 war ein Jahr, in dem von den 4 Ster etwas übrig blieb. Diesmal kommen nochmal zwei Ster dazu.Denn es ist trotz des globalen Temperaturanstiegs ein richtiger Winter, auch im Flachland. Man kann wieder von zu Hause aus losloipen, wenn man will. Ich dagegen habe anderen Sport.







Vielleicht wird das später mal so sein, wie die sinnlosen Pelzmäntel in Italien, die auch bei 20 Grad um Ostern herum noch getragen werden: Eine Tradition, etwas, das man so macht, weil man es gern knistern hört, und weil ein Kachelofen da ist. Aber man braucht es nicht mehr unbedingt, wenn draussen alles matschig braun und feuchtkalt ist. Das wird dann so eine sinnlose Tradition wie die Knöpfe an den Jackenärmeln sein, und die Älteren werden dann erzählen, wie das war, als man hier am Damm noch Schlitten fahren konnte: Damals war dort Schnee und dahinter kein alljährliches Jahrhundertfluthochwasser. Und man wird nicht mehr so entsetzlich viel essen, denn man hat auch nicht mehr so viel zu tun, wenn die Seen nicht gefrieren, und zwei Stern für den ganzen Winter reichen.







Wie all die Ster von Fichte und Buche werden sich dann auch die Erinnerungen auflösen und verschwinden, man wird sich arrangieren und hier, fern der Meere, wird nicht viel passieren. Die Bauern, die heute noch jammern, werden vielleicht gentechnisch verändertes Getreide bekommen, das keinen Schnee als Isolierung vom Frost braucht, die Äpfel blühen eher und sind lange schon reif, überreif, wenn das Restholz kommt. Die alte Welt ächzt in den Fugen und die neue Welt wird sie vermörteln, damit alles wieder gut aussieht. Es gibt keine Gründe, bewusst zu leben, wenn man bewusst Probleme vermeiden und die Folgend es eigenen Handelns anderen aufbürden kann. Für ein paar Euro würde man auch einen Bulgaren finden, der einem das Holz trägt, und auch ohne Apfelstrudel.

Aber wir sind nun einmal so, wie wir sind. Und wenn es doch bis März dauern sollte, kommen eben nochmal zwei Ster. Hauptsache, es brennt im Herbst nicht weg wie Papier.

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