: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 24. Februar 2013

Die richtige Inszenierung

Ich mochte diese ganz besonderen Applaus, wenn Sawallisch zum Dirigentenpult schritt. Das war anders als bei den eingeflogenen Stars und auch ein wenig anders als der Apllaus, den Everding von seinen Anhängern bekam. Manche sagen, Sawallisch wäre ein Reaktionär gewesen. Aber ich denke, er hat einfach nur die Musik geliebt und verhindert, dass sie zum modischen Spektakel wurde.



Das war ein guter Mann, der Sawallisch. Und er passte auch zur Stadt und ihren Menschen, was in der weiteren Folge dann zu vielleicht doch etwas zu schrägen Experimenten führte. Man wurde nicht belästigt und gut behandelt, und das liess man ihn auch spüren: Du gehörst zu uns und wir gehören zu Dir. Heute ist die Staatsoper nur noch eine Stufe in der Karriereleiter. Sawallisch und Everding konnten nicht miteinander, und es ist schade, welche sinnlosen Streitereien da geführt wurden, angesichts dessen, was wirklich drohte.



Es verschwinden die Restaurants und die Antiquariate, es gehen die Inszenierungen dahin, und die knallenge Lederhose des Don Giovanni wird beim Kostümverkauf verramscht. Es gibt Oper für Alle. Und das System kennt die glühenden Wangen der wartenden Studenten in der Form nicht mehr. Man musste aufpassen, manchmal hat ein Versetzter die verbleibenden Karten einfach oben aus dem Fenster geworfen; das war immer sehr lustig und führte zu Überraschungen. Ich glaube, Sawallisch tat gut daran, dorthin zu gehen, wo wir alle zum Sterben hingehen: In den Münchner Süden. Da ist man abgeschnitten von den Veränderungen.



Ja. So war das früher. So etwas wird nicht mehr kommen, man glaubt nämlich, nur das Ausländische sei gut genug und wenn der Leiter nicht auf drei Kontinenten war, dann ist er nicht metropolitan genug. Und englisch können wir doch auch alle. Es ist ein wenig traurig, an so einem Tag nach München zu fahren, und 30 Anfragen für eine Wohnung in Erwägung zu ziehen, jetzt mal formal, die anderen, die Makler, die Geschäftemacher lässt man besser raus, und 5 davon sind auf Englisch und die Hälfte davon definitiv nur auf der Durchreise. Das gehört zur Weltstadt mit dazu und wenn man sich fragt, wer sich eigentlich noch die teuren Karten leisten kann: Die gleichen internationalen Wanderer, die auch die Logen draussen im Stadion besuchen. Das gehört einfach mit dazu.



Der Rest ist im Münchner Süden und macht sein eigenes Ding. es gibt hier Nachwuchshoffnungen und alte Meister und Klassen und Schlösser, man braucht München gar nicht mehr so sehr wie früher. Den donnernden Applaus bekommen auch die alten Knochen vom Tegernsee noch hin, wenn sie im Barocksaal des Schlosses zufrieden sind, dass es kein Spätwerk von Hindemith gab. Hier bleibt man, hier stirbt man, hier geht man unter, die einen an diesem See und die anderen am Chiemsee. Und mit uns verschwinden all die alten Geschichten und Erinnerungen, und auch die Hoffnung, dass diese ganzen Manager den See nicht finden werden. Sie haben aus dem Gärtnerplatzviertel eine Partywüste gemacht, das Morizz hat auf immer seine Pforten geschlossen, niemand wird hier nach der Oper noch sein, und wenn diese Leute das können, dann finden sie auch den See.



Ich hatte so viel Glück in München. Ich habe nichts ausgelassen. ich habe nicht nachgedacht und trotzdem das Richtige getan, und die Wehmut hält sich deshalb in Grenzen: Da sind keine Versäumnisse, und in mir wird sich immer der Vorhang zu den grossen, alten Freuden heben, und den Stunden, da der kleine, quietschgelbe Uno Turbo in den Sonnenaufgang fuhr und alles erfüllt war von Mozart, Parkcafe und Nachtcafe, alles in einer einzigen Nacht. Das waren gute Zeiten.

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Der neue Beitrag der Stützen

Es geht um korrekte Mimosenforschung.

Einmal komplett bei der FAZ im neuen Kommentarlayout.

Und einmal mit dem gewohnten Laout bei Wordpress, aber ohne Schlusspointe.

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