: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 14. Mai 2015

Mantua

Ich mag eigentlich das Gewohnte. Ich kaufe gern Colnagos, wenn ich sie günstig finde, weil ich weiss, dass sie gut passen. Ich mag silberne Gruppen, die sich schön polieren lassen, und wenn ich dann unterwegs bin, macht es mir nichts aus, immer die gleichen Strecken zu fahren - ich entdecke jedes Mal etwas Neues, denn für Wunder und Überraschungen ist überall genug Platz.



Ich war letztes Jahr allerdings kaum in Mantua. Nur eine Woche, um genau zu sein. so kurz war ich dort seit 2007 nicht mehr und einiges kam da zusammen: Einerseits ein milder Winter, der die Pollensaison auf ein halbes Jehr verteilte und mich nicht nach Italien zwang. Es gab daheim auch viel zu tun. Ich war dort zur Mille Miglia und wollte ein paar Wochen später wieder kommen, aber dann starb Frank Schirrmacher, und es begann eine lange Zeit des Abwartens. einen Tag, auf der Rückreise von der L eroica war ich dort, und was ich sah, war nicht wirklich schön: Mantua hat wirklich schwer gelitten. Im reichen München tanzen die Kinder im Brunnen und dort unten würden sie gern weg.



Zu Beginn der Krise sagte ich, dass sie sich doch umschauen sollten - sie lebten an einem der schönsten Orte der Welt, und so viel war möglich. Kann es wirklich schlimm in einem Ort sein, der gleich drei Geschäfte für feine Schreibwaren hat? Letzten Herbst war nur noch einer davon übrig. Es gibt einen phantastischen Caccioricotta bei Zapperoni - aber Zapperoni gibt es nach fünf Jahrzehnten nicht mehr. Das alles weiss ich, als ich in den absurd teuren Wagen steige, in dem ich mich angesichts der Krise deplatziert fühle, und hinunter fahre. Es wurde auch manches besser, Gianni und Nina, das weiss ich, haben es vom Corte inzwischen zum Agrotourismo gebracht, und Francesca geht es nach der Arbeitslosigkeit prima. Bei Amazon. In Deutschland. Sie ist jung und flexibel und kommt damit klar. Aber brutal ist es für jene, die noch während der Krise Wohnungen auf Kredit gekauft haben: Die kommen da nicht mehr raus. Und Mantua ist aufgrund der Entwicklung momentan eher eine schrumpfende Stadt.



Campagnolo hat seine Produktion übrigens nach Rumänien verlagert. Lauter solche Geschichten weiss und höre ich. Ich kaufe italienische Rennräder, solange sie es noch gibt - was nachkommt, hat einen italienischen Namen auf fernöstlichem Carbon und Alu vom Balkan oder Malaysia oder China - Weltmarkt halt. Die hiesigen Marken gingen pleite und wurden verkauft und kommen als Namen zurück aus Fernost. Nur ich hätte das aus Gründen des ausgleichs gern wirklich aus Italien. Denn das, was sie erleben, haben sie nicht verdient.

Und all das werde ich jetzt wohl zu sehen bekommen. Das wird nicht einfach.

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