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Man muss sich die Leute immer genau anschauen. Ich kenne zum Beispiel eine Journalistin aus dem katholischen Niederbayern, die über Jahre hinweg von sein Seidl-Stiftung gefördert wurde. Sie kam nach München, hat sich das Leben dort angeschaut, und sich im Grossen und Ganzen doch sehr entwickelt, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Da, wo ich es krachen lassen wollte, hat sie sich halt den Gegebenheiten angepasst, und da, wo es nicht nötig war, ist sie halt eine vom Land geblieben - mir ging und geht es auch nicht anders.



So eine Stadt mit 20% Ausländern und gefühlt 95% nicht dort Geborenen ist halt ganz schlecht im Angebot einer dörflichen Heimatstruktur, die einen aufnehmen kann. Das erleben auch die Südtiroler, die es hier in Mengen herverschlägt, und die das Netzwerk nur nutzen, bis sie unter eine Norddeutsche oder Kölnerin geraten. Es ist hier einfach nicht praktikabel, das Schwulenviertel zu meiden, wenn es doch das Ausgehviertel ist, und wer hier eine Schnute zieht, weil die Frau die Frau und der Mann den Mann küsst, ist bald recht einsam. München im mittleren Ring ist halt was ganz anderes als ein Kaff. Damit muss man leben lernen. Oder man wird hier nicht glücklich und geht besser wieder heim.



Seit ein paar Tagen schaue ich mir jetzt eine andere Nachwuchsjournalistin an. Sie ist auch in München und auch bei der besagten Stiftung und auch aus Niederbayern, aber immer noch eien 110%ige Bankerlrutscherin, wie man hier abfällig zu Betschwestern sagt. Bilder mit pinkfarbenem Dirndl und Oktoberfestexzesse wechseln sich ab mit Beschwörungen des einzig richtigen Lebensstiles fern aller Bedenken, dass sie sich bei ihrem pseudokonservativen Leben zwischen Wildbad Kreuth und Wandtattoo auch nur im Herauspicken genehmer Moralbrocken ergeht. Und das alles wird derartig bierernst und verbohrt und unironisch vorgetragen, dass ich ihr genau sagen könnte, warum es nichts mit dem Übertritt in die Medien wurde und beim Studium bleibt: Uncharmant verbohrt geht momentan nicht, und die Stelle für den unterschichtigen Rechtsausleger ist deutschlandweit schon verbrodersteihfleischgarthauert, noch blöder muss es nicht sein. Die Welt wartet einfach nicht aud 20somethimgs aus Niederbayern, die ihr erklären, warum die CSU die Rettung der Welt bedeutet. Auch nicht, wenn sie für sich den Flair einer Weltstadt reklamieren.



Da ist also eine Schraube locker.

Bei meiner Mieterin, das muss noch in dieser an sich schönen und eigentlich den Menschen verbessernden Stadt gemacht werden. Es ist auch noch mehr zu tun, zum Beispiel etwas zu besorgen, und auf dem Rückweg komme ich an dem Maserati vorbei, der im Titel meiner Abrechnung mit der Exzellenz steht; jener Exzellenz, die auch diese Möchtegernjournalistin auszeichnet, wenn sie immer wieder die sie lesende Bruchteilwelt wissen lässt, wie toll sie jenes Ereignis und jene Begegnung dargestellt hätte. Aus Niederbayern über München zu den Reichen und Mächtigen der Welt. Solche Leute gab es auch bei uns in der Schule, aber das ist 25 Jahre her, der Strauss lebte noch und nie hätten sie geglaubt, dass sie mal alleinerziehende Mütter werden, trotz BWL in Passau.



Draufgekommen bin ich übrigens über eine abfällige Bemerkung in meine Richtung einer anderen Dame aus einem ähnlichen, verschwipschwägerten Verein. Die Sorte, die gern Kalif anstelle des Kalifen und bei der FAZ an meiner Stelle wären. Natürlich sind sie der Auffassung, dass sie viel besser passen würden, zum Markenkern und "politischen DNA" - ohne Gentechnik geht heute gar nichts mehr - der Zeitung. Ich weiss nicht, ob es stimmt, ich weiss nur, dass ich mir so eine Seilschaft ebenso wenig heraushängen lassen würde wie den Umstand, dass ich bis heute die Inhalte meiner abgedrehten Nerdfächer immer noch nachlerne, ohne dass ich darüber gross reden würde. Bildung ist wichtig, aber sie ist besser keine Dampfwalze, um andere unterzupflügen: Davon haben mich diese Fächer im normalen Leben geheilt, und ich werde den Teufel tun und glauben, dass man damit beruflich Leser langweilen und verschrecken kann. Kein Mensch liet einen, weil man bei so einer Stiftungsklitsche oder bei einem berühmten Trottelfessor war.



Aber das Material dafür bekomme ich nun mal nur in München, und allein deshalb ist es wichtig, mindestens einmal im Monat dort zu sein und die Antiquariate zu besuchen. Ich hänge in manchen Bereichen immer noch am Tropf dieser Stadt, und so fremd sie mir heute ist, so fremd ist mir auch das Buchangebot am Tegernsee. Das Dorf ist nett, aber das Abseitige, das Andere, das Anregende, das wächst nun mal - bayerisch betrachtet - vor allem in München nach, selbst wenn in meinen Augen manches typisch hirnbefreite FCBPRDienstleistungskarriereoktoberfestding schwer erträglich ist. Es ist mir vollkommen unbegreiflich, wie man sich gerade als Journalist den anderen Möglichkeiten verschliessen kann, wenn sie schon mal da sind. Statt dessen mieten sie später vielleicht mal ein Haus in Neuaubing oder Weyarn und setzen einen Säulenportikus davor und kaufen jede Saison ein neues Rad in den Modefarben.



München ist übrigens auch gut, um Räder an den See zu bringen, denn bei uns wird so etwas nicht kaputt missbraucht und dann für ein paar Euro vertickt, bei uns wird das genutzt und gefahren. Der Gegensatz zwischen See und Stadt ist ja kein absoluter, unter der Woche nehme ich den Münchnern die Buchgelegenheiten und Konzertkarten weg und am Wochenende parken sie meinen See zu. Da ist es angenehm, wenn sie ihre Räder abgeben und ich daraus etwas baue, das Gäste benutzen können, wenn es sich wieder von der Autobahn bis nach Rottach staut; unter anderem mit dieser verbiesterten Dame, die gar nicht versteht, warum man sie in Wildbad hinein lässt und nicht an meiner Stelle Karriere machen lässt. Wo es ihr ihre Ausbilder doch versprochen haben. Aber irgendwann kommt sie dann schon in eine PR-Abteilung und betreut den Twitterfeed des FCB oder die Reservierungen für Firmen in einem Zelt bei dem Fest, auf das angeblich ganz München wartet, abgesehen von der Million, die dann lieber eigentlich woanders wären. Da passt sie dann auch hin. Ich mag sie nicht, aber besoffene Australier finden pinkfarbene Dirndl sicher toll.

Freitag, 8. Februar 2013, 23:03, von donalphons | |comment

 
es wird frühling und der woatschnbaum wird reif...

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Dieses Platzdajetztkommich-Sendungsbewusstsein geht mir, der ich eigentlich schüchtern und zurückhaltend bin, wahnsinnig auf die Nerven. Nichts können, nichts leisten, der CSU in den Anus kriechen und glauben, dass dafür viel Geld rüberkommt.

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so a woatschen trifft auch nie die falsche(n)

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Erstaunlich, daß es heutzutage noch so weltanschaulich gefestigte Persönlichkeiten gibt. Die Dame wäre aber bei der FAZ schlecht aufgehoben. Sie muß dort einer Konfrontation mit realexistierendem Donaldismus gewärtig sein.
Das Pergamonpanaroma war übrigens gar nicht übel. Ich hielt das ja vorher für faulen Zauber, war aber recht beeindruckt. Vor allem, weil es clever mit den beiden Ausstellungen (Sonderausstellung und Dauerausstellung) verknüpft war.

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Mit dem Pergamonpanorama ging es mir ähnlich. Wollte es sogar erst weglassen, fand es dann aber seines Geldes wert. Leider habe ich es dadurch wieder nicht geschafft, bis hoch in die Abteilung für islamische Kunst zu gelangen. Meine Aufnahmefähigkeit ist einfach begrenzt.

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Donaldismus? Ist der PaTRICK Bahners nicht weit weg, in New York?

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Es gibt in der FAZ auch noch andere Ecken. Darf ich an der Stelle vielleicht sagen, wie dumm und kindisch ich dieses Anbiedern an einen reaktionären Dreckskonzern finde?

Ich bin, was Rekonstruktionen angeht, ein wenig kritisch, da wurde besonders in Frankreich viel Schlechtes gemacht (Flüge durch ClunyIII etc.), und es gibt ein paar Aspekte, die dagegen sprechen, wie etwa die "fertige" Erscheinung von antiken Städten, die höchst unsentimental bei der Beseitigung alter Strukturen waren. Wichtig ist eher der Wandel denn eine Vorstellung einer "fertigen" Stadt. Es bietet sich bei einem Ruinenfeld wie Pergamon natürlich an, es so zu machen, um den Preis, dass andere Aspekte in den Hintergrund treten.

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ob die progressiven Dreckskonzerne nicht noch schlimmer sind? Die pseudogemeinnützigen Stiftungen?
@1123
Die Anusrose der CSU zu finden, dürfet schwierig sein. Es ist ein breites, vielgestaltes Zelt. Nehmen Sie den evangelischen Münchner Abgeordneten mit Anwaltskanzlei, der es nicht schaffte, in den Vorstand zu kommen. Wenn die Dame in den falschen A kriecht, nützt ihr das nichts. Und der richtige kann wenig später der falsche sein. Falsch für die Karriere.

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Platthaus ist aber noch da. :-)
.
Ja, unkritisch würde ich das auch nicht sehen wollen, Don Alphonso. Aber es hilft doch dem Vorstellungsvermögen auf die Sprünge. Und man muß Asisi zugute halten, daß er immer nur sagt: an genau diesem einen Tag hätte so aussehen können. Gerade bei dem Pergamonpanaroma wurde es eben schön durch die Ausstellungen ergänzt und korrigiert, die ja nur Schritte entfernt waren. Dann paßt das schon. Und links hinten am Tempel wird noch gebaut:
http://www.asisi.de/uploads/tx_asisi/projects/bgimages/BG-Image_01-Projekte_Projekt-005_Pergamon_11.jpg

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Hmm .... die Goderbauer-Marchner ist zwar so blass wie eine Banklrutscherin (Ihre Pressefotos .... der Weisspunkt sollt da dringend jenseits die 6300 Kelvin korrigiert werden) ... die kann er aber nicht meinen?

Ich beende diesen Faschingsdienstag Schnitzellauf ... auch wenns schneit .... ich radle auf den Viktualienmarkt und schau mir die vorgeblichen Närrinnen an.

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Ich verstehe nicht ganz? 6300 Kelvin?

Ich denke, den Humor muss man selber mitbringen. Sich Fremdhumor zwanghaft aneignen und glauben, so etwas sei witzig, wenn es drei Freunde erkennen: Mei. Mir fehlt da klar der Zugang, egal ob Disney, Asterix oder was sonst so als Allgemeinbildung gilt. Irgendwann sollte man auch mal erwachsen werden.

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"Kalif anstelle des Kalifen" - na immerhin hat es für Isnogud als Allgemeinbildung gereicht - ist doch schon mal ein Start.

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Ja genau. Irgendwelche Topoi sind doch immer ...

6300 Kelvin -> Farbtemperatur

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Und überhaupt - sollte man wirklich erwachsen werden?
i wois net

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Such die Kalifenmörderin!
Toll ! Man nimmt an einer Schnitzeljagd teil: Such die Kalifenmörderin! Und wird abgewatzscht, weil man nur Communication-Crossmedia-Tanten mit fehlerhaftem Weissabgleich finden konnte. DANKE Herr Alfonso!

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Ich verstehe gar nichts mehr.

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Oh, das geht mir hier so manches Mal.

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Naja ..... Die Möchtegernjournalistin mit Beziehungen zur Stiftungsklitsche und BWL aus Passau. Die hirnbefreite FCB_PR_LERIN die so gar nicht verstehen will, warum Wildbad sie hinein lässt aber man Sie trotzdem anstelle seiner NICHT Karriere machen lässt und sich, ob dessen, wie Rumpelstilzchen Isnogud zerreisst.

Da wird man halt neugierig .... wen er meinen könnte.

Und verdirbt sich den Tag ... avec la recherche .... wenn man so gar kein Insider ist!

Oder ist das allen anderen hier klar ?

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Lieber Scarlatti,
mir geht es im Allgemeinen wie Jeeves und im Besonderen wie Ihnen!
Ob uns der Meister wohl illuminieren wird?

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Lieber Don, wenn Sie mit dem Hinweis auf 6300 Kelvin tatsächlich nichts anfangen konnten, dann ist Ihre "Blaue Phase" am 2. u. 3. Februar ein Zufallsprodukt?

(nicht, daß ich deshalb die schönen Fotos in diesem Blog weniger genießen würde...)

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Wieso können manche nicht einfach hinschreiben, was sie meinen oder fragen oder worauf sie hinweisen wollen?

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Fragen Sie das LG und OLG Hamburg, fragen Sie den untätigen Haufen in Berlin dem kritische Fragen schon immer unangenehm waren, und Sie kommen drauf, weshalb der immer als so rechtfrei beschworene "Raum Internet" bei Diskussionen und MEinungsäußerungen faktisch einer deartig rigiden Inhaltskontrolle unterzogen wird, dass die kein Lokalzeitungsredakteur freiwillig akzeptieren würde (es sei denn, er verkauft grad mal wieder seine Rosette an einen Werbekunden, aber das ist ein anderes Thema).

Ach, der Hausherr sowie manche Mitposter verkryptisieren sich ja auch gerne mal. Aber schön zu sehen hier, wo er mit einem kryptischen Beitrag angefangen hat und die Diskussion dann durch andere so kryptisch gemacht wird, dass er selber nicht mehr mitzukommen scheint - oder uns das glauben lassen will. Nunja, angesichts der Rechtsprechung kann ich das verstehen.

Wenn man frei mitlästern könnte, würde es aber definitiv mehr Spaß machen!

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Wieso können andere nicht einfach "hin"schreiben oder darauf hinweisen, was sie meinen, andere fragen wollen zu müssen? Wenn das so weitergeht, wird hier noch eine gewisse Verwirrung entstehen.

Hat sich der willfährige Pressesenat in HH jetzt sogar schon mit dem Weißabgleich von Pressefotos beschäftigt? (nach dem Motto, unser PG färbt sich sein Haar nicht, der böse Journalist hat nur falsch belichtet)

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Der Geist von Kreuth furzt weht wo er will

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Und man kann ihn auch nicht ausrotten.

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Wo doch der Große Vorsitzende 1978 so schmeichelhafte Vergleiche mit Nagern und Insekten für die Charakterisierung von Journalisten bemüht hat.

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Die4 kann man zum Glück auch nicht ausrotten, zumindest die besseren.

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