Der Widerspenstigen Lähmung

Von Ludwig XIV stammt der Spruch, er würde mit jeder Ernennung, die er vornimmt, 100 Verbitterte erschaffen, und einen Undankbaren. Er hatte es einfach.

Ich will das gar nicht auf die Debatten um den ganz harten Feminismus bezogen sehen, aber natürlich ist es so, dass meine persönlichen Präferenzen bei Autorinnen sind; dass bei Rivva vor allem Männer sind, hat mit meinen Vorlieben nichts zu tun. Ich lese mehrheitlich Blogs von Frauen und habe generell den Eindruck, dass sie im Durchschnitt die fähigeren Community Managerinnen sind. Das war früher meine Meinung und ist es auch heute noch, da die Entwicklungen Phänomene hervorgebracht habe, die mich einfach überfordern.



Dazu muss man sagen, dass ich selbst sehr, sehr gute Gründe hätte, Minderheitenschienen zu reiten, und weil ich weiss, wie übel das ausgehen kann, mache ich das nicht. Nie. Unter gar keinen Umständen. Ich kenne auch genug Leute, die sich in meinem Bereich ideologisch im Gefühl einer komplett feindlichen, sie diskriminierenden Umwelt eingraben, und natürlich können sie auch bestens belegen, dass es so ist - aber nach meiner Meinung gibt es in der deutschen Gesellschaft keinen weit verbreiteten, strukturellen Antisemitismus mehr, und auch viele andere früher brutalst unterdrückte Gruppen leben heute in einer vergleichsweise freien Gesellschaft. Wer schwule Freunde seit 25 Jahren hat, der sieht einfach die Unterschiede. Es ist noch nicht perfekt. Und es ist jedesmal, siehe Einwanderung aus Osteuropa, auf's Neue ein G'fred. Aber diese Gesellschaft ist durchaus eine, die gezeigt hat, dass sie auch ohne dem T-34 vor dem Haus und der B-17 über dem Grundstück lernen kann.

Im eigenen Laden rennen genug Überidentifizierte rum, die sich über die Mär eines strukturellen Antisemitismus aber gut Freund machen wollen, und da hebt es mich halt, so wie es mich bei Theorien wie "Critical Whiteness", "Rape Culture", "Klassismus" und "Ableismus" hebt. Zum letzteren Thema könnte ich übrigens auch was sagen, ich wurde nicht umsonst ab der 11. vom Sport berfreit und war für den Barras so untauglich, dass die Kommission, vor die man mich irrigerweise gestellt hatte, bitter weinte, bis ich mich über sie lustig machte. Dass am gleichen Gymnasium, an dem ich war, Fehlverhalten der Lehrer heute für sie Folgen hat, die zu meiner Zeit undenkbar gewesen wären: Das ist der Fortschritt. Und der ist gut und erkämpft gegen die, die sich wirklich extrem mies verhalten haben. Das haben ganz normale Leute gemacht, Elterm, Schüler, Kollegen. Und zwar ohne jeden theoretischen Unterbau.



Es bleibt in einer relativ liberalen Gesellschaft wie der unseren, die sogar CDU und CSU und den Papst zwingt, sich neu zu erfinden, natürlich nicht aus, dass es auch Auswirkungen auf jene hat, die abseits stehen. Und mit der Liberalisierung verändern sich auch manche Problemfelder. Böse gesagt: Wer neben der Spur laufen will und entdeckt, dass alle Spuren zulässig sind, sucht sich halt was besonders Krasses, um auszuticken. Weil es nicht um Probleme geht, sondern um das Ausleben der eigenen Probleme. Ich hatte ein Zeit in meinem Leben recht unvermittelt recht viel mit psychisch labilen Menschen zu tun: Jeder hat seine Geschichte und seine Theorie, warum er so neben den Regeln laufen muss. In sich ist das sehr oft von einer bestechenden Logik, denn die Betroffenen waren alle sehr klug und sehr sensibel. Aber es ist halt nicht gerade schön, und ob einem die Wohnungszertrümmerer und Selbstmörder von 1990 besser gefallen als die Magersüchtigen von 2013, muss jeder selbst entscheiden.

Ich bin wahrlich kein Fan der scheidenden Familienministerin. Ich halte auch das Betreuungsgeld für grundfalsch. ich muss aber irgendwie akzeptieren, auch wenn es mir schwer fällt, dass viele es gern annehmen. Und ich muss auch damit leben, dass eine Bekannte das macht, weil ihr die Kitas in der Region zu katholisch verseucht sind. Ich kann das halbwegs nachvollziehen, und wenn sie lieber die Kinder erzieht, dann habe ich kein Recht, sie dafür zu kritisieren. Sie will das halt so. Das ist noch nicht mal Prägung einer frauenfeindlichen Gesellschaft, sondern einfach das, was sie sich überlegt hat. Sie findet das Betreuungsgeld super. Sie ist damit nicht allein.

Vom Standpunkt der Kritik an der Theorie des Klassismus könnte man sagen: Ist doch super für die Armen, wenn sich hier relativ reiche Doppelverdiener dank einer kleinen Förderung einen hochbezahlten Posten jemandem überlassen, der es vielleicht nötiger braucht. Aber natürlich, für die Ideologie der Frauenquote ist es natürlich Gift, wenn eine führende Mitarbeiterin, in die eine Firma viel Geld gesteckt hat, mit 35 beschliesst, nur noch Mutter zu sein. Damit ist das bei mir daheim trotzdem vertretbar. Aber im Internet müsste man das schon noch formschöner begründen, um nicht als "Masku" angegriffen zu werden.



Ich hatte zwischenzeitlich mal den Fall, dass ich in einer kritischen Lage für eine frisch gewordene Mutter eingesprungen bin, in einer Zeit einer krassen, von ihr vorher mit verursachten Krise. Und ich durfte auch erleben, wie ihr Interesse am Muttersein nachliess, als die Krise vorbei war, und der Job wieder schöner erschien. Das alles ist nicht schön, aber es passiert nun mal. Kein Anlass, da eine Theorie der Diskriminierung daraus zu basteln. Man kennt das, das gibt es unter vielen Vorzeichen. Das ist nicht weiblich oder männlich, es ist menschlich unschön.

Unschön ist es aber auch, wenn all diejenigen, die mit diesem Gang der Welt und der menschlichen Neigung, Vorteile und Vorurteile auszunutzen, so unzufrieden sind, dass sie darin ein allgemeines System erkennen. Das sind die Wurzeln des Antisemitismus des 19. Jahrhunderts, es ist die Basis der Kommunistenhatz in den USA nach 1945, es ist wie in der Klapse: Man baut sich ein System, das in sich logisch ist, und so konstruiert, dass alle äusserlichen Erscheinungen im Sinne des Systems interpretierbar sind. Zwei der wirklich harten Texte des letzten Jahres (kein Link) sind von Frauen geschrieben, die im normalen Umgang durchaus ihre wichtigen Punkte haben, mit denen man reden könnte - man muss ja nicht einer Meinung sein - aber sich dann zu den Gruppen verabschieden, die solche Theorien bieten. Abweichungen sind nicht möglich. Feinde werden definiert und ausspioniert (ich gehöre natürlich auch dazu) und wer mit dem Feind möglicherweise in Verbindung steht, wird brutal ausgegrenzt. Die kennen nicht mehr wie ich die alten K-Gruppen, aber sie können das aus sich heraus.



Die Ausgrenzung kommt übrigens von Leuten, von denen ich teilweise sehr genau weiss, dass sie absolut nicht so sind, sondern mehr so wie ich, verhuscht, nicht leicht zugänglich und keine Rampensäue. Mir gibt meine Klasse einen gewissen Halt und ihre distanzierten Formen, denen halt ihre neue Gruppe und die Gelegenheit, jetzt etwas zu tun, was früher nicht möglich war. Um sie herum sind die Allys. Das sind Leute, die eine Illusion eines sozialen Umfelds aufbauen, indem sie Andersdenkende runterputzen. Michael S., Johannes P., Aaron J., Hakan T., Leute, die das wirklich auch in ihre Accounts, in die Partei oder als Doppelagent in die Süddeutsche Zeitung tragen. Idealbeispiel ist Julian Assange, der nun mal ein Recht auf Unschuldsvermutung hat, und kein verurteilter Verbrecher ist. Das ist diesen Leuten völlig egal, und wenn der CCC ihnen den Freiraum bietet, zur gezielten Störung einer Veranstaltung aufzurufen und die auch durchzuziehen - dann tun sie es eben. Das kommt dabei raus, wenn man ein eigenes System der Logik hat, dann sieht jedes Problem aus wie ein Stecker, den man ziehen kann. Der eine macht es und Hakan T. berichtet darüber bei Sueddeutsche.de, und man verbucht das intern als Erfolg.

Alles klar?

Nein. Das sind auch Menschen und der Unterschied im Internet ist, dass es jede Menge Verbindungen gibt. Mit zwei der härtesten Vertreterinnen der Szene habe ich schon zusammengearbeitet, und eine, die heute andere bedroht, wenn sie etwas mit mir machen, hätte vor zwei Jahren viel darum gegeben, wenn sie etwas hätte machen können. Es gibt Beispiele wie eine konsequente Berlinerin, die klare Vorbehalte hat, mit der man darüber reden kann, und die es einfach nicht will, egal wie ich sie bitte: Das ist in Ordnung. Mein Risiko, es lohnt sich trotzdem, es einzugehen, denn weder sind die alle doof oder schief gewickelt; für mich in dem Bereich eher unideoligischen Menschen macht es nichts aus, wenn sie an eine Rape Culture glauben, aber vielleicht dennoch etwas über Kunst oder Liebe oder Bücher oder Orte erzählen können. Ich zum Beispiel finde Blogs über sozial bevorzugte Kreise - auch die gibt es - sagenhaft langweilig, inzestuös und verlogen, und lese gern aus anderen Erfahrungswelten.



Aber mit dem Erfolg von #Aufschrei sehe ich eine gewisse Uniformierung und einen Gleichschritt bei einer Gruppe, die mich ziemlich an Adical/Adnation erinnert. Damals ging es darum, die Blogger reich zu machen, jetzt geht es darum, aware zu machen. Für eine Ideologie, die ich kenne und verstehe, denn sie ist logisch und leicht verständlich und nur in bestimmten, reale Erfahrungen ausschliessenden Zirkeln überlebensfähig, weil die reale Welt darauf so viel gibt wie auf den Revoluzzer Häusler, den Startupförderer Lumma, den Vermarkter Lobo, oder den BGE-Freund Ponader. Kurz, es wird, es muss scheitern.

Das ist dann natürlich der Beweis für die Richtigkeit der Rape Culture.

Was an der Sache so amüsant ist: Diese feministische Ideologie ist ja nicht wirklich Teil der Vorstellung, wenn man Fragebögen ausfüllt, um Partnerschaften zu finden. Sie schlägt zwar in den Präferenzen durch, aber diese Präferenzen können auch andere haben. Beruflich habe ich ein paar recht ehrliche, aber nicht aktiv genutze Profile laufen, unter anderem bei einer Seite, bei der recht viele Vertreterinnen dieser Ideologie, teilweise auch noch nach der Heirat, ihre Profile stehen haben. Ungelogen: Unter den 10 deutschen Top Matches sind drei radikale Feministinnen, mein Score schlägt den ihrer Allys, die auch dort sind, um Längen.



Eigentlich sollten wir sofort heiraten. Vermutlich, weil es weitgehend einfach passt. Nur halt nicht in diesem einen Punkt.

Aber die - für sie letztlich - bittere Wahrheit ist wie damals, als in meiner Heimatstadt so viele meinten, sie müssten jetzt Schlaftabletten nehmen oder vom Baugerüst springen. Wir sind jung, liberal, aufgeschlossen, links, reformfreudig, zukunftsorientiert und bitte, ich habe eine von denen getroffen und wusste nicht, wer das ist und fand sie wirklich reizend. Aber da ist halt noch das ideologische Gerüst. Und das wird im Internet entscheidend. Es ist so leicht, sich im Leben ohne diese Ideologie zurecht zu finden. Wer darauf nicht verzichten kann, landet in Seemanns Podcast, ruft die Antifa zu Hilfe, stalkt mich und meine Freunde, und diskutiert die Schüchternheit im Netz in jenen Phasen aus, da keine Kraft da ist, Blockempfehlung zu betreiben.

Das geht mit der Ideologie. Wir werden, das ist mein Eindruck, 2014 im Netz davon noch mehr sehen, denn es bringt in der Filterbubble Erfolg. Und die Filterbubble wird der einzige Bezugsrahmen, so wie es bei der Antifa die Bezugsgruppe und bei den rechten Hohlköpfen die schlagende Verbindung mit Ariernachweis ist. Bei mir ist das halt anders, ich komme und lebe in einem sehr vielschichtigen und intakten Umfeld, das unter einem hohen Veränderungsdruck steht. Meine Klasse geht unter. Wir sterben aus. Wir sind nur noch Spielball des entfesselten Kapitalismus. Ideologien wären da mittelfristig tödlich.



Ich war heute am See, und es war sehr schön. Vielleicht sollte ich mir meine Geschichten wieder mehr dort suchen.

Mittwoch, 1. Januar 2014, 22:37, von donalphons | |comment

 
... mir meine Geschichten wieder mehr dort suchen.

Auf jeden Fall.

Frohes neues Jahr noch!

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Danke, mache ich!

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Beides ist wichtig.
Die Einblicke in die mir völlig fremde Netzwelt schätze ich genauso wie die Berichte über culatello und terremoto!
Die Mischung macht's!
Auguri für 2014!

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Dem kann ich nur zustimmen. "To boldly go where no man has gone before", in jeder Bedeutung des Wortes, und dann Tee und Kuchen und Bilder und Möbel und Teekannen dazu. Das ist eine höchst unterhaltsame Mischung. Vielen Dank dafür.

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Um sie herum sind die Allys.

Sind das die Hardcore-Fans von Ally McBeal und der Unisex-Toilette? ;-))

Nee, im Ernst, danke für diesen sehr nachdenklichen Text. Richtig ist jedenfalls, dass es viele dieser In-group-out-group-Dynamiken außerhalb des Netzes schon immer gegeben hat. Aber ob das Internet (vor allem denke ich da anTwitter) solche Prozesse nicht noch verstärkt, kann man sich schon fragen. Geliked oder geblockt ist schnell, und das stärkt auch nicht gerade die Fähigkeit, es auszuhalten, dass da draußen auch andere Meinungen vertreten werden.

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Ich glaube, die "Allys", die Alliierten, also die Nichtbetroffenen, die helfen, sind wichtig, weil sie den Eindruck vermitteln, man könnte damit wirklich was bewegen: Die Alleys sehen das ja auch, Dass die Allys aber auch eher schwierige Figuren sind, wird dabei übersehen, aber wenn es scheitert, sind sie wiederum der Beweis der Richtigkeit der Theorie: Sie haben Recht, nur wollen es viele nicht erkennen.

Gleichzeitig sind die Allys sowas wie ein Ersatz für das wegbrechende Umfeld der Moderaten, mit denen sie sich zerkriegt haben. Aus ihrer Sicht tauschen sie untreue Helferinnen gegen treue Helfer ein, das ist also ein gutes Geschäft und es beweist ja auch, dass sie mit nicht Diskriminierten kein generelles Problem haben. Nur mit Feinden. Aber nicht mit allen Männern. Es ist also durchaus verlockend und ich kenne das nur zu gut aus Zeiten, da irgendwelche Übergeschnappten der dritten Generation aus Israel (Geboren nach 1980), deren Vorfahren noch nicht mal in Europa waren, für ihre Holocauspsychosen Entschädigungen von Deutschland wollten und dafür auch noch Helfer in Deutschland fanden. Die fanden sie ganz super, weil sich in Israel natürlich keiner darum gekümmert hat.

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Ich kannte in meiner Jugend Feministinnen, die in den 1970er und 1980er aktiv wurden und Frauenhäuser initiiert sowie Bildungseinrichtungen und Beratungsstellen, ein Museum, ein Archiv und ein Gesundheitszentrum für Frauen gegründet haben, die bis heute bestehen (der Buchladen hat meines Wissens nicht überlebt). Manchmal frage ich mich, was diese tatkräftigen Frauen wohl zu den Netzfeministinnen sagen würden - von denen man irgendwie nie hört, dass die 'mal etwas konkret Praktisches auf die Beine stellen, stattdessen nur viel Gelaber und Tam-Tam sowie Grabenkämpfe, Verfolgungswahn und -willen wie auch Pseudo-Opfergeschrei. Dafür haben die Zeit.

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vermutlich das gleiche, was sie auch schon zu den luftpumpen ihrer generation gesagt haben ;)

gab halt immer scho macher und ventilatoren.

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Ich habe den Eindruck, dass sich das Mengenverhältnis verschoben hat und es da heute sehr viel mehr Ventilatoren gibt. Was auch daran liegen könnte, dass die stärker öffentlich wahrgenommen werden. Ohne Internet hatten solche Labertaschen früher meist nur das direkte Umfeld und wurden dadurch auch eher einmal eingenordet.

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Die Filterbubble hats sich verschoben. "Damals" in den 60er- und 70er Jahren, war klar, dass auf dem Weg zur Gleichberechtigung keine breite gesellschaftliche Unterstützung zu erwarten ist. Der Fokus zielte darauf, im eigenen Umfeld die Bedingungen zu verbessern und Strukturen zur etablieren. Mittlerweile erscheinen Gleichberechtigung, Gender-Mainstreaming, Feminismus, usw. als gesellschaftlicher Konsens, der nur noch eingefordert werden muss. Der Konsens, rechtlich und ethisch abgesichert, gibt dann den Freibrief, dabei dann auch etwas härter zur Sache zu gehen. Dazu noch die selektive Wahrnehmung durch die eigene Internet-Community. Die die nicht mitziehen, erscheinen als Minderheit von Ewiggestrigen und konservatievn Spinnern. So hat auch die DDR funktioniert.

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Das wäre doch auch
eine teilweise Erklärung das sich selbige oft überschneiden ;-)

http://www.heise.de/tp/artikel/40/40689/1.html

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Oh ...
... danke für den link.

Das erklärt so einiges. :-)

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Grundsätzlich halte ich es für richtig, auf den Konsum zu achten. Das schliesst auch tierische Produkte ein. Veganismus wäre mir zu viel, aber ich komme zu sehr aus bayern, um nicht zu wissen, dass mies gelaunte Kniebiesler auch Haxen fressen. Und vegetarisch lebe ich jetzt seit über 20 Jahren und es hat mir wirklich nicht geschadet.

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"werbung" On Food and Cooking von Harold McGee ist jetzt auch auf deutsch erschienen. Haxen tauchen nicht auf, Aber gaaanz viele wertvolle Informationen wie und warum grünes Gemüse grün oder olivgrün kocht, wie gelbes Gemüse gelb bleibt. Weshalb Sahne oder Milch gut einzukochen ist, sofern sie nicht gefroren war.....
Das ist von allgemeinem Interesse denke ich, da Franzi eine Art Leckerei seiner Heimat in Rom eingeführt hat und der Don bei der MilleMiglia wohl auf diese dulce de Leche stoßen wird.

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ach, machen Sie doch was Sie wollen. Natürlich wäre es schön, mehr vom See und vom Berg zu lesen. Die Dystopien sind aber auch mal interessant. Don A als John Carpenter! Don A als Wachowski

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Manchmal muss es halt sein, aber ich möchte das vielleicht reduzieren. Ich bin auch mit den Formaten nicht mehr ganz zufrieden.

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Darf ich bitte ganz unverschämt sein? Nach einem einundelfzigten Stück Torte fragen?
Machen Sie mit den dystopischen Artikel weiter wie bisher und rühren Sie die in eine ausreichend große, stabile Matrix von herrlichen Genußtexten ein. Also die von zB Fritz und mir gewünschten Texte verdreifachen und die Piraten/Tröten-Texte halten.

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Immer wieder mal erden und aufs Wasser gucken ist nicht verkehrt, sonst verschwindet man noch völlig in der wirrtuellen Blase und verlernt realistische Beobachtung.
So wie die polynesischen GPS-Benutzer, die anders als ihre Vorfahren nicht mehr in der Lage sind, sich auf dem Meer zu orientieren und anhand eigener Beobachtungen die nächste Insel zu finden.
Was da an Ideologieangebot zur Zeit "in den Markt gedrückt" wird, finde ich gräßlich (es ist ein faderer, aber mit noch mehr Fusel versetzter Aufguß dessen, was in meiner Jugend schon im Schwange war), aber daß sie die Kämpfe darum ab und an mal ein wenig beleuchten, ist schon in Ordnung - denn leider besteht Politik zu weiten Teilen im Ausnutzen irgendwelcher Blasen dieser Art.

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr, und nehmen Sie mal Kontakt zu den Nichten und Neffen auf, damit Sie dermaleinst ihr "Zeug" vererben können.
Ob Nachruf oder nicht, darum sich Gedanken zu machen nutzt nichts, denn es liegt nicht mehr an einem selbst, daran dermaleinst etwas zu ändern...

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Ja, dieses Gefühl, dass man das in den guten 80ern schon mal in Grund und Boden getanzt hat und jetzt ist es wieder da, das habe ich auch laufend. Teuls neu lackiert, aber immer noch unerträglich.

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"in Grund und Boden getanzt" ist gut...
ja, die Welt sieht halt anders aus mit 20 oder mit 50, in ersterem Fall ist einem alles noch ziemlich neu, im zweiten bekommt man einen gewissen Ärger, weil man das Gefühl hat, die Platte hängt.
Man möchte sie dann gerne weiterschubsen oder was anderes auflegen.

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is glaub ich nen allgemeines problem der "aktuellen" generation. wenn man so will ist der hipster mit seinem wintätschtick, dem rückgriff auf elemente älterer gegenkulturen und der ironisierenden verwendung spießig-konservativer symbolik (geweihe...DAFUQ ?!) die essenz der generation Z ...

tl:dr -> keiner hat peil wos mal hingehen soll.

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Ich wüßte gern Namen... Wer steckt denn nun hinter "Blockempfehlung"?

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Momentan bestreitet eine bestimmte Frau, die von den jungen Piraten kommt, die Urheberschaft, aber dass an #Aufschrei beteiligte Jungpiraten die Gründer sind, ist bislang unwidersprochen.

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...verstehe! Man möchte niemanden etwas falsches nachsagen. Maike von Wegen urteilt anscheinend auch ein wenig zu unvorsichtig, wenn sie auch sonst recht vernünftig denkt.

Übrigens, wünsche ich der versammelten Mannschaft alles Gute im Neuen Jahr!

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"Beruflich habe ich ein paar recht ehrliche, aber nicht aktiv genutze Profile laufen, unter anderem bei einer Seite, bei der recht viele Vertreterinnen dieser Ideologie, teilweise auch noch nach der Heirat, ihre Profile stehen haben. Ungelogen: Unter den 10 deutschen Top Matches sind drei radikale Feministinnen, mein Score schlägt den ihrer Allys, die auch dort sind, um Längen. "
.
Wahrscheinlich kann der Don das nicht deutlicher ausdrücken, weil... ja, weil?
Ich weiß nicht: gibt es viele, die den Text trotzdem (& richtig?) verstehen?

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Den Ehrgeiz, alle Texte des DA zu verstehen, habe ich zwischenzeitlich aufgegeben. Manche Nebenuniversen möchte ich auch einfach nicht kennen.

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@ baff.

geht um bumms aeh partnerboersen. die matching algos finden offensichtlich das trotz aller offensichtlicher feindseligkeit großes potential für die verbindung aus DA + $radfem besteht, mehr potential in jedem fall als zum "eigentlichen" umfeld der jeweiligen damen ...

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Es ist so: Man beantwortet ein paar hundert Fragen und gewichtet sie. Und wenn dann jemand da ist, der besonders viele wichtige Fragen genauso beantwortet hat, sagt das System, das wäre der ideale Partner, aufgefächert in verschiedenen Bereichen des Lebens. Also z.b. 90% Übereinstimmung bei Kultur, 73% bei Partnerschaft etc. Und man kann sich dann eben im ganzen Land die besten Matches anschauen.

Ich war völlig perplex, wer da an erster Stelle war, und weil ich an einen Fehler glaubte, habe ich nochmal 50 weitere Fragen beantortet. Es blieb gleich gut.

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Ich unterstelle mal, Sie haben ehrlich geantwortet. Der Denkfehler des Betrachters aber auch des Systems ist, zu glauben, die anderen würden das alle ebenfalls tun. Selbstwahrnehmung vs. Außenwahrnehmung.

IMO kennzeichnen sich die ganzen heftig Gestörten durch eine offensichtliche Diskrepanz zwischen Selbstwahrnehmung und Außenwahrnehmung und auch bei milderen Formen wie der narzistischen Persönlichkeitsstörung - die durchaus sehr viel lauter, in jedem Sinne auch lautstärker sein kann - ist das so, auch wenn es nicht sofort gesehen wird. Da werden dann Würstchen zu großartigen Profilen.

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Zwei davon (bei der Dritten weiss ich das nicht) sind Unzufriedene aus dem bürgerlichen/grossbürgerlichen Millieu mit teilweise sehr konträren Einstellungen. Die kann man sich leisten, aber wenn man dann mal an ein komplett abgedrehtes Umfeld gerät, setzen sich doch wieder die normalen Parameter durch. Und das sind ganz, ganz viele, das merkt man erst, wenn sie in Frage gestellt werden. Mir geht das ja auch öfters so. In einigen Bereichen bin ich sehr anders, nur dann sofort wieder voll auf Linie zu sein. Ich hasse Kinder, aber ich würde ohne eine Sekunde Nachdenken heiraten, wenn ein Unglück passiert wäre. Weil sich das so gehört. Ich bin absoluter Freund sexueller Freiheiten und finde dass, wer heiratet und Kinder kriegt, gefälligst zusammen zu bleiben hat. Das geht.

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wie sich das anhört.
Ich lese etwa: sie werden das richtige tun und die Konsequenzen Ihres Handelns so tragen, daß zumindest Mutter und Kind ein ordentliches bis glückliches Leben haben.
Aber die Formulierung ist doch sehr altmodisch und angreifbar: wenn ein Unglück passiert wäre! Sie leben zu lange in der Neuzeit, in der selbst ein Kind erst mal als Netz von Rechtsbeziehungen gesehen wird.
So ein Wurmi ist das höchste Glück. Und -Ihre und die Entscheidung Vieler respektierend - wünsche ich Ihnen dieses Glück viele Male. Eine Horde sollen Sie bekommen.

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Ja ... liest sich wie aus den 50er/60er-Jahren.
(Aber da steht er ja drauf, der Maître.)

Und wenn Monsieur absolut keine Blagen am stiernackigen Hals haben will, dann soll er auch nicht jetzt noch damit anfangen.
(Man soll ja im Alter doch ein wenig ... äh ... dünnhäutiger werden und das Generve nicht mehr so latent wohlwollend ertragen.)

Wie solche Unglücke zu vermeiden sind, ist wohl sattsam bekannt.

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Ich kann - und will - da nicht aus meiner Haut. So sind wir halt. Keiner bleibt zurück, keiner hat sich zu beschweren.

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So sind wir halt.

‪Pluralis Majestatis‬ oder ‪Pluralis Modestiae‬?


Oder gibt's noch mehr von der Sorte? ;-)

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Upsa!
Hat da jemand, auf dessen Imperativ Sie ausnahmsweise Wert legen, gesagt, "Don, zeig mal so richtig, was Du kannst"?
Wie auch immer: des Lobes ist der Kommentar-Thread voll.
Deshalb von mir ausnahmsweise mal Kritik:

1.
Ein paar Schritte zurück und zur Seite - und das Paar in dem schönen Bild auf dem Steg säße links im Goldenen Schnitt.

2.
Die Gleichsetzung der lächerlichen Psychose "Rape Culture" mit dem realen Phänomen des "strukturellen Antisemitismus" schmerzt.
Der modernste und vom Volk am meisten geliebte BuPrä hat nämlich festgestellt, daß der Derselbige zu Deutscheland gehört.
Nicht nur meine Taxifahrer daheim, sondern auch im übrigen Europa erläutern mir wortreich und ekelerregend "das Problem mit den Juden", wenn ich (hier bitte Augstein oder andere gute deutsche Blogger einsetzen) zitiere.

Ganz ehrlich und großes Indianerehrenwort: es ist erst ein Häuflein Stunden her, dass ich auf dem halben Weg nach Israel (Portocolomb, hmm auch noch untergebracht) Judenquartett gespielt habe:
Kackhaken: Friedman und MRR, typisch!
Ich: wofür?
Kackhaken so: na typische Jodn!
Ich so: wie groß ist eigentlich Arabien und wie groß ist Israel?
Er so: willst du aufs maul haben?

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Naja, ich habe da auich die lange Perspektive und kenne auf der anderen Seite den philosemitischen Betroffenheitsklüngel - das macht auch nicht gerade Spass. Das ist mehr eine Folge der Überhöhung des Themas. Das hat aber nachgelassen und wird noch mehr nachlassen.

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Das ist kein "struktueller Antisemitismus" sondern einfach Antisemitismus pur. "Struktureller Antisemitismus" ist eine Pseudo-Argumentation über Bande. Beispiel: Jemand erklärt, daß er etwas gegen moderne Kunst hat. Dann ist er, aus Sicht interessierter Kreise, ein struktureller Antisemit: Die Nazis waren eine antimodernistische Bewegung; und sie identifizierten die Juden mit der "Moderne". Wer jetzt also etwas gegen moderne Kunst hat, ist auch gegen die "Moderne", damit gegen die Juden und damit ein Nazi. Und wenn der so als Antisemit und Nazi identifizierte Gegner moderner Kunst sich dagegen wehrt, zeigt das nur, wie verstockt antisemitisch er ist. Denn natürlich, nach Auschwitz, zeigt der Antisemit sein Gesicht nicht mehr offen, sondern nur auf die oben geschilderte Art und Weise verbrämt. Und ist damit ein noch perfiderer Antisemit als der offene Antisemit.

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Naja, der Nichtsorichtigarier, den ich am besten kenne, bekommt momentgan mehr Drohmails von Autonomen und Feministinnen als von Nazis und ich habe auch nicht den Eindruck, dass der Judenhass ein besonders wichtiges Thema wäre. Es wird eh schon so viel, manchmal auch zu viel getan.

Als wir in der 11. komplett als Jahrgang nach dachau fahren sollten, hatte der Laden zu. Sind wir halt nach Nymphenburg und haben den Lehrer in einen Brunnen geworfen.

Kein einziger wurde deshalb zum Nazi.

Gelassenheit, wirklich, das ist angemessen.

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"...hatte der Laden zu." Oh oh, wenn das mal nicht Copyright-Ärger mit Broder gibt :-)

"Gelassenheit" ist nach meiner bescheidenen Meinung ein weises Wort in diesem Zusammenhang. Das gilt sowohl für die von alterbolschewik beschriebenen Godwin-Lumpen, wie auch für die, die zum Stichwort "Vertreibung" eine differenzierte Meinung haben. Da gibt es Ruanda, den Balkan, Schlesien, Ostpreussen und vor allem Diego Garcia einerseits und die Vertreibung der Araber aus Palästina andererseits: In den ersten Fällen rülpsen die Kommunazis mir ein "na und!" entgegen, im zweiten Fall jedoch erbricht dieses Pack stundenlang Halbverdautes über die Weisen von Zion.

Gelassenheit? Ja Herr, gib mir Geduld - und zwar schnell!!!

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Der See ist sicher das angenehmere und vielleicht auch dankbarere Motiv. Trotzdem vielen Dank für die zahlreichen Einblicke in Berliner und andere Denkarten. Es ist ja auch eine Art Aufklärungsarbeit für rebellmarkt- und FAZ-Leser die sich sonst nicht mit solchen Dingen konfrontierten.

Zu den ganzen erwähnten 'ismen': ich denke das hinter jedem solchen Wort reale Erlebnisse und Phänomene stecken die ganz verschiedene Ursachen und Wirkungen haben, die aber aus politischen Zwecken vereinfacht, vermischt und zu Emotionsfängern aufgebaut werden.

Klassismus z.B. wäre eine Beschreibung kurioser und oft unangenehmer Erfahrungen von Menschen die neu in eine wohlhabend-bürgerliche oder akademische Umgebung eindringen. Das kann unbeabsichtigtes Missverständnis sein (eine Art Kulturschock), unhinterfragte Vorurteile beiderseits oder gezieltes Mobbing aus einer Konkurrenzsituation heraus.

http://tinyurl.com/kzwgjhq

Die Ursachen können individuell, gesellschaftlich oder sogar biologisch sein, oder alles zusammen mit tausend Wechselwirkungen, Rückkopplungsschleifen oder ohne nachvollziehbare Kausalität bzw. 'irrational' . Es traut sich bloß kaum jemand sein Unwissen zuzugeben, dann doch lieber Modelle, Theorien und weiterer Forschungsbedarf.

Außerdem sind verworrene Erklärungen für politischen Aktivismus zu kompliziert, da wird ausgeblendet, reduziert und zugespitzt, sonst bewegt sich (scheinbar) nichts. Da ist dann eine Theorie praktisch (!), am besten mit einem gut-böse Schema, einer Utopie/Vision und Handlungsrichtlinien.

Und dann gibt es Menschen deren Wahrnehmung so abgestumpft ist, dass sie den Manöverplan mit der Landkarte oder die Landkarte mit dem Territorium verwechseln. Die in Abstraktion verloren gehen und sich dann reinsteigern.

Das gibt es sicher überall, wobei die Geistes- und Sozialwissenschaften dazu einladen Denksysteme zu verfeinern und dann entweder zu hinterfragen oder sich noch mehr darin einzumauern. MINTler sind nicht weniger anfällig zur Verbohrtheit, stoßen aber schneller an Grenzen.

Pierre Bourdieu meinte mal in seiner 'soziologischen Autobiographie' dass die in den 68ern maoistischen Studenten (sinngemäß zitiert) behütete Mittelschichtkinder gewesen seien, die über den Umweg der Theorie bzw. Scheinpraxis versuchten sich an die 'gesellschaftliche Realität' anzunähern.

Eine Art fast schon spirituelle Suche nach 'richtigem Leben', 'wahrer Wirklichkeit' und dem eigenen Platz im 'großen Ganzen'.

Vielleicht ist die Identifikation mit Unterdrückten, die Ausmerzung unterdrückender Sprache, die 'Wir nennen es Arbeit' Avantgarde und die herausgestellte Zugehörigkeit zum 'Prekariat' neben allem Idealismus auch eine bürgerliche Gralssuche nach dem sinnvollen Leben in der großen Stadt.

Das Ende einer solchen Suche (falls es denn eine ist) stelle ich mir noch spießiger vor als bei den 68ern, allein schon weil der wirtschaftliche Druck stärker und der Zusammenhalt schwächer sind. Da könnten manche hart aufwachen wenn Mitstreiter*innen zu Konkurrent*innen werden und 'Alliierte' sich als Trittbrettfahrer entpuppen.

Das zu recherchieren macht sicher keine Freude, aber ich bin dem Hausherren dankbar dass er bei aller Tortenverlockung solche Abgründe nicht scheut.

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Mein Problem mit dem Klassismus ist, dass es ein "easy one" ist. Der kleinste gemeinsame Nenner, in der FAZ ist geeade wieder so ein dummer Beitrag von Gumbrecht, der lügt, in keiner anderen Gesellschaft würden sich die Eliten so reproduzieren wie in Deutschland. Der weiss offensichtlich nicht, wie es in Frankreich und Italien zugeht, da wird noch sehr viel mehr auf Klassengrenzen, Vermögen und Herkunft geschaut. Aber es zieht als Thema. Es spricht das gerechtigkeitsempfinden an und jeder kennt doch die Schwellenangst zu Geschäften, die angeblich für die Elite sind. Der Elite kann man das ja zumuten, die hat es, ist das Credo. Das wird mit einer Selbstverständlichkeit geäussert, als ginge es um bulgarische Schwarzarbeiter.

Das ist einer der Gründe, warum ich das von der anderen Seite her beschreibe. Es ist anders, die Strukturen sind anders und die Zwänge auch. Nur geht man damit eben ganz anders und selbstverständlich um. Was dem einen wie ein Zwang erscheint, ist für den anderen ein Orientierungssystem und auch gar nicht so gemeint. Darüber wird zu selten gesprochen.

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völlig klar das der 'Klassismus' begriff zum Anfachen billiger Empörung gegen 'Habende' und 'Privilegierte' geeignet ist und benutzt wird. Genau wie alle anderen solchen 'ismen' sich wunderbar dazu eignen ganze Gruppen als Unterdrücker zu stigmatisieren.

Ich finde es verständlich, das Menschen die so pauschal moralisch angerotzt werden sich zurückziehen oder abgrenzen. Es scheint mir selten dass Themen wie 'Klasse' oder 'Herkunft' offen, ohne Verachtung, Verbitterung und kollektives Anschuldigen besprochen werden.

Die Stützen versuchen das etwas unernst aus der Perspektive der 'besseren Leute', aber nicht jeder Leser scheint es zu verstehen und es kann natürlich eine detaillierte soziologische Forschung nicht ersetzen.

Eine solche scheint mir eher die Ausnahme zu sein (oder sie taucht nicht in Medien auf), lieber wird politische Auftragsarbeit produziert oder in postmarxistischen Elfenbeintürmen und Genderlabyrithen Verstecken gespielt.

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@flederhund und DA Gumbrecht weiß wohl, warum er nicht kommentieren läßt. Ich hätte ihm eine paar Zeilen der Kunstfigur Henry Higgins überlassen.
"Anfachen billiger Empörung" ist eine beliebte Technik der Politiker aller Jahrhunderte. Ob im alten Athen oderim jetzigen, im Rom Caesars oder Berlusconis. Der Meister war wohl stalin. Er hat Kleinbauern zu verhaßten Großgrundbesitzer gemacht.
kulak hieß das.
Und wir hier kennen alle "Zweibeiner schlecht Vierbeiner gut". Dieser Slogan wurde verwendet, bis die Pigs auf den Hinterläufen stolzierten.

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Seien Sie doch ein bisschen umsichtiger betr. Gumbrecht. Sie wissen doch, wer bei ihm studiert hat?

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(Ich meinte den Don, nicht andere Kommentatoren.)

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ach watt, immer feste druff, und andere machen das auch, allerdings viel schlechter und kriegen Volostellen mit sowas. https:// sozial theoristen.de/2010/06/21/sch irrmacher-uber-gute-politiker-statt-schlechte-journalisten/

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@melursus: ja etwas billigeres als Gruppenegoismus und Missgunst gibt es in der politischen Trickkiste nicht. Und wo Sie Stalin erwähnen, der Marxismus fördert das mit dem abstrahieren von Menschen in Klassenstandpunkten. Da können dann Arbeitervertreter und 'Kulak' nichts dafür das ersterer zweiteren ermordet. Reine historische Notwendigkeit. Ich behaupte die Selbstanklagen, Gulags und Massenerschießungen sind kein marxistischer Irrweg sondern die logische Folge des Klassenkampfdenkens.

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Es ist historisch gesehen einfach kompletter Unsinn. Im 20 Jahrhundert gab es nicht weniger als vier grosse Umbrüche in den Eliten: 1918, dann in den Wirtschaftskrisen, 1933-1945 und dann noch einmal total von 1945 bis mindestens 1980. Keine einzige Elite kam da auch nur ansatzweise heil durch. Ausnahmen bestätigen die Regel. Und wenn man es genau betrachtet, war die Zwerschlagung der Deutschland AG nochmal so ein Bruch. Dass momentan untereinander geheratet wird, ist mehr so eine Rückbesinnung auf die Zeit vor 1945, aber das ist ein Witz gegen due Regeln, die in der italienischen Oberschicht gelten, die tatsächlich noch halbarrangierte Hochzeiten und strikte Regeln für die Herkunft der Partner kennt. Da ist "La famiglia" ganzu oben und alles andere wird untergeordnet.

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Geht es denn bei dem "Klassismus" wirklich um die Eliten? Die sind doch relativ klein und haben die Möglichkeit, sich vom Rest abzusetzen.

In meinen Augen ist der Klassismus eher der Konflikt zwischen mittleren und unteren Klassen - und hier hauptsächlich die Ansicht der Mittelklasse, unteren Klassen ihre Ansichten und Ideale (Bildung, Selbstverwirklichung, Unabhängigkeit, Gesundheit) aufzuzwingen.

Und zu Gumbrecht: Hochschullehrer gehören doch schon lange nicht mehr automatisch zur Elite, oder?

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Es sind ja zumindest materiell einige dazugekommen, ob durch Spekulation, Raub/Arisierung, Unternehmertum, Heirat, Karriere oder Samwerei. Der nächste Trend könnten Aufsteiger mit russlanddeutschen, türkischen, iranischen, vietnamesischen u.a. Wurzeln sein. Viele sind zumindest in der Mittelschicht schon angekommen.

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@gux:

Und zu Gumbrecht: Hochschullehrer gehören doch schon lange nicht mehr automatisch zur Elite, oder?

Ganz vorsichtig, ja? Was für eine bizarre Ansicht - natürlich gehören wir automatisch zur Elite. Wenn auch nur mit Lehrauftrag...

Aber mal etwas ernsthafter: Definiert sich nicht jeder den Elitenbegriff ohnehin nach eigenem Gutdünken? Im Bereich der Bildungs- oder Kunstelite finden sich etliche Vertreter, die nicht gerade zur wirtschaftlichen Elite gezielt werden dürften (und natürlich genau so umgekehrt).

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Habe auch den Eindruck, dass Gumbrecht von einem anderen Eliten-Begriff ausgeht als von "Stützen der Gesellschaft" im Don'schen Sinne. Desweiteren erklärt sich Gumbrechts Diagnose wohl zu einem gut Teil aus einem kalifornisch-egalitären Blickwinkel heraus, der den Mythos perpetuiert, da drüben könne im Prinzip jeder Tellerwäscher zum Millionär (oder eben zum Top-Akademiker) werden. Das kann man natürlich schön mit der alten Welt kontrastieren, völlig losgelöst von der Frage, ob diese Holzschnitte dann noch allzuviel mit den gesellschaftlichen Wirklichkeiten hier und dort zu tun haben.

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Je mehr Hochschullehrer man kennt, desto mehr verwundert der angeblich so gute Ruf ...

Elite ist ein schwer zu fassender Begriff - gerade in einer Gesellschaft, in der wirtschaftliche Macht nicht der einzige wichtige Faktor ist. Im englischen Klassensystem ist die Oberklasse eigentlich eher durch Herkunft als durch Vermögen definiert, schließlich gibt es genug sehr verarmten Adel. Aber auch der sozioökonomische Status der Mittelklasse und darunter definiert sich gerade nicht ausschließlich durch Einkommen und Vermögen, sondern auch durch Bildung, Berufswahl, Kultur etc. Wenn wir beim erwähnten Hochschullehrer bleiben: der verdient oft deutlich weniger als z.B. ein guter Klempner, wird aber dennoch in eine erheblich höhere soziale Klasse eingestuft.

In Deutschland ist das System wohl ein wenig unübersichtlicher (oder vielleicht fehlen mir nur die Daten): wen würde man denn zur Oberklasse zählen?

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@gux: Sie machen da einen wichtigen Punkt. Klasse ist gerade nicht durch das Geld definiert. Bildung und Amt/Stand sind ebenso wichtig.
Sicher, Geld ist in der Oberklasse oft vorhanden, manchmal auch recht viel, aber ganz, ganz große Vermögen, die mehr als zwei Generationen überspannen, sind doch eher selten.

Das ist ja auch die eigentliche Tragik des amerikanischen Tellerwäscher-Millionär-Traums - wer so zu viel Geld kommt, meint er sei Oberklasse, aber er hat es mitnichten geschafft. Klar, in dem Land in dem alles käuflich ist bekommt man auch das, grad im Westen. In grotesk übersteigerter Form zu sehen in den HipHop Gangsta-Videos.
Aber deshalb ist einer noch lange nicht Oberklasse, und v.a. die Ostküsten-Familien würden einen das auch sehr deutlich spüren lassen. Die sind den Briten das sehr viel ähnlicher als den Kaliforniern. Und Roederer war es lange Zeit sehr peinlich, dass "Cristal" regelmäßig in solchen Videos auftauchte, bis sich der Geschmack änderte.

Wer sich da in die Strukturen der US Gesellschaft einlesen möchte, dem empfehle ich "Class" und dazu "Bad, or the Dumbing of America" des leider vor einiger Zeit verstorbenen Paul Fussell. Die Grundprinzipien findet man aber auch hier, allein schon deshalb, weil sich die deutsche Gesellschaft in ihrer post-WKII Orientierungslosigkeit stark an den USA orientierte - nicht lange ist es her, dass "amerikanische Methoden" in der Wirtschaft als besonderes Qualitätsmerkmal galt.
Die Bücher sind auf dem Stand der 80er/90er, man kann sie aber auch auf Heute hin abstrahieren, und sie sind viel amüsanter und flüssiger zu lesen als etwa Bourdieu oder Luhmann.

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"An Englishman's way of speaking
Absolutely classifies him
The moment he talks
He makes some other Englishmen despise him"

Hier kommt die Kunstfigur des enry iggins nach Shaws Pygmalion. Speziell für gux und greenbowlerhat

Und im Zusammenhang:

Look at her a prisoner of the gutter
Condemned by every syllable she utters
By rights she should be taken out and hung
For the cold-blooded murder of the English tongue
Aw!
Aw! Heavens what a sound!
This is what the British population
Calls an elementary education
Oh come sir, I think you picked a poor example!
Hear them down in Soho square
Dropping h's everywhere
Speaking English any way they like
You sir, did you go to school?
What do you tike me for, a fool?
No one taught him take instead of tike
Hear a Yorkishman or worse
Hear a Cornishman converse
I'd rather hear a choir singing flat
Chickens cackling in a barn, just like this one
G'on!
G'on! I ask you sir, what sort of word is that?
It's aw and g'on that keep her in her place
Not her wretched clothes and dirty face
Why can't the English
Teach their children how to speak
This verbal class distinction
By now should be antique
If you spoke as she does, sir
Instead of the way you do
Why you might be out selling flowers too
I beg your pardon, sir!
An Englishman's way of speaking
Absolutely classifies him
The moment he talks
He makes some other Englishmen despise him
One common language I'm afraid we'll never get
Oh why can't the English learn to
Set a good example
To people whose English is painful to your ears
The Scots and the Irish leave you close to tears
There even are places where English completely disappears
In America they haven't used it for years Why can't the English
Teach their children how to speak
Norwegians learn Norwegian
The Greeks are taught their Greek
In France every Frenchman
Knows his language from A to Zed
The French don't care what they do actually
As long as they pronounce it properly
Arabians learn Arabian
With the speed of summer lightning
And the Hebrews learn it backwards
Which is absolutely frightening
But use proper English, you're regarded as a freak
Oh why can't the English
Why can't the English
Learn to speak!

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hätte L-14 eben einfach keinen zu nix ernennen sollen

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Melurus - ich stimme voll und ganz zu. Die Sprache ist hier (in England) noch immer ein ganz hervorragender Klassenindikator - nur leider wird es mehr und mehr Mode, in Dialekten (schrecklich) und Slang (noch schrecklicher) zu sprechen. Vom fallengelassenen "h" und "t" oder abominations wie "me and x" ganz zu schweigen. Als Ausländer und nicht-muttersprachler fühlt es sich natürlich immer etwas komisch an, wenn man Muttersprachler kritisiert .... aber bei meinen letzten Aufenthalten in Deutschland ist mir aufgefallen, daß eine gewisse Verwahrlosung der Sprache auftritt.

Greenbowlerhat - die USA sind als Einwanderungsland sicher anders als Länder mit lange gewachsenen Strukturen, insofern ist es verständlicher, daß dort vergleichbarere Statussysmbole (wie Vermögen) verwendet werden. Das ist sicher auch ein Stärke von solchen Ländern, da Klassengrenzen leichter überwunden werden. Im UK wird sehr viel Aufwand betrieben, die unteren Klassen zu fördern - sei es zur Gesundheit (bessere Ernährung, Arztbesuche, Rauchen, Schwangerschaften im Jugendalter) oder Bildung (Universitäten versuchen fast schon verzweifelt Studenten aus den entsprechenden Klassen zu rektrutieren) - aber der Erfolg ist mäßig. Ein Vorteil davon ist jedoch, daß es wohl in kaum einem anderen Land derart detaillierte Informationen zur sozialen Struktur gibt.

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@gux: zumindest ist Briten das Thema 'class' viel bewusster und wohl auch besser definiert. Forschungen dazu gibt es ja schon mindestens seit Friedrich Engels. Allerdings: Ist wirklich nicht das Geld? Haben nicht viele Dynastien als gemeine Piraten oder Geldverleiher begonnen?

@melursus: "Norwegians learn Norwegian.." ganz so einfach ist es laut FAZ interessanterweise nicht:

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/norwegen-du-sollst-den-s-ndag-ehren-und-den-sundag-12730942.html

@greenbowlerhat: Vielen Dank für den Hinweis!

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@flederhund: Das besonders englische i-Tüpfelchen in dieser Hinsicht ist das schnelle Vergessen dieser Herkunft der monetären Mittel und dann die absolute Ignoranz in Geldangelegenheiten. Wie viele aristokratische Familien mussten kicking and screaming wieder in eine ordentliche Bewirtschaftung ihrer Güter gebracht werden (ich denke an die Arbeit, die die Devonshires hier geleistet haben im Hinblick auf Öffnung ihrer Häuser und Vorreitertum in Sachen Gutsvermarktung etc.)?

Das korrekteste (und herrlich veraltete) Englisch hört man übrigens bei gewissen Teilen der indischen Bevölkerung. Ein interessantes Element der schon angesprochenen Einwanderung-Eliten-Frage...

By the way: How many semi-/exile-/temporary-etc. English people are populating this blog's comment section?

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es gibt einen neuen Don
in der Faz zu nicht 100 Jahre und nicht 200 Jahre sondern tricentennial jubilee

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@flederhund: Geld spielt sicher eine Rolle - aber hauptsächlich dann, wenn es "altes" Geld ist; für Neureiche dauert es daher auch immer ein wenig länger, in der Oberklasse anzukommen.

@imber: temporary - aber das schon seit über 10 Jahren

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@ flederhund

halte es da die gux. 2-300 Jahre reichen locker um klassengrenzen und - bewusstsein zu entwickeln. das rein monetäre spielt höchstens in postrevolutionären gesellschaften eine rolle. siehe postsozialistischer raum nach '89. die Zeit des ungezügelten Aufstiegs ist aber selbst da schon vorbei (und das wohl schon ne weile) und das soziale "fencing" derer die sich für was besseres halten ist in vollem gange.

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@imber: plenty I'd guess. 6+ yrs, semi-, and still coming to terms with the subtleties and subtexts ... (passives Vokabular - hinsichtlich des aktiven habe ich die Hoffnung aufgegeben. Dazu muss man mit der Sprache wohl aufwachsen).

@Don - weniger Berlin an sich waere manchmal mehr. Aber die gelegentlichen Exkursionen in Filterbubbles, Soziologisches und Wirrtuelles sind das, was ich als Expat hier schaetze. Ergaenzt das was man ansonsten an News im Netz findet, und der ganze PC-Kram kommt sicher auch in der einen oder anderen Form irgendwann hier bei uns an.

Cheers to 2014!

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Ich gebe Dir in vielen Dingen Recht, Don Alphonso, doch dass es keinen strukturellen Antisemitismus in Deutschland gebe, das nehme ich Dir nicht ab. Ich war zunächst unglaublich entsetzt ( vor etwa dreißig Jahren), als sich Menschen, von denen ich alles erwartete, nur nichts solche Dummheit, sich als übelste Antisemiten outeten. Irgendwann ann habe ich sogar aufgegeben, gegen jene Idioten zu argumentieren (kannst ja nicht, werden einfach viel zu viele, nur, vor drei Jahrzehnten etwa, der Erste, den ich erlebte, dem war nicht allzu wohl zumute, mittlerweile aber ist man so gern "unverkrampft"). Ich denke, irgendwie fast jeder Deutsche ist ein bisschen Antisemit. Sogar ich als Türke, den sie hier so ziemlich als den miesesten Abschaum betrachten, als den dumpfsten Tölpel, komme besser weg. Zumal sie mich oft als Katalysator missbrauchen und meinen, als Türke müsste ich ja per se was gegen Juden haben und schnell loslegen.
Vielleicht ist es hier bei uns so, das glaube ich aber nicht.

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