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Montag, 24. März 2014

Du hast eine Armee, wir haben einen Gesellschaftsfinger

Zusammen haben sie 30.000 Follower. Und selbst im allerschlimmsten Fall, wenn viele Doubletten dabei sind, und Fake Accounts, sind es mindestens 10.000 Follower. Das ist ganz konservativ geschätzt. Normalerweise würde man in meiner Branche aber sagen: Wahsinn, 30.000 Follower!!11!1!

Die Accounts, die diese scheinbaren Massen lenken können, haben sie auf einen Beitrag in der FAZ gelenkt, bei dem ich die Zugriffe sehe. Dazu kommt noch, dass der Beitrag in etwa dem entspricht, was die Zielgruppe der Twitteraccounts gerne liest. Es ist also homogen, und man kann davon ausgehen, dass der Beitrag der Zielgruppe genau präsentiert wird.

Der Beitrag hat in 2 Stunden etwa 200 Klicks bekommen, und er steht dabei auch auf der normalen Seite. 100 gehen also, freundlich gerechnet, nochmal weg.

Damit stehen 30.000 Follower, bereinigt 10.000, 100 PIs gegenüber. Zwischen o.33 und 1% ist also die Klick Through Rate bei Twitter in diesem Fall. Vielleicht wird es mit der Zeit noch etwas besser, selbst wenn Twitter ein sehr schnelles Medium ist. Und ich weiss noch, wie vor 5 Jahren die Beiträge des Netzökonomen abgingen, der damals über 10.000 Follower hatte. Da musste ich mich jedes Mal ganz lang machen, um da mithalten zu können. Heute verlinkt Berliner Plebs anderes Berliner Plebs und es passiert so gut wie nichts.

Das sollte man bei der Social Media Strategie bedenken: Wie wertlos heute Follower bei Twitter geworden sind. Umgekehrt belohnt das natürlich jene, die konsequent Qualität und nicht nur kurze Twitter-Aufreger liefern. Ich mag das.

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Dienstag, 1. Januar 2013

Das Jahr fängt gut an

Manche machen Katerfrühstück und manche machen Neujahrsschwimmen; beides klingt nicht wirklich angenehm. Ich dagegen sitze im Seehaus, schaue hinaus auf das Wasser in ein Jahr, noch so aufgeräumt wie ein leerer Aschenbecher, und fühle mich eigentlich ganz wohl. Wir reden über Villen am Berg und Kissen für das Sofa und andere Nichtigkeiten, nicht ernst, aber auch nicht ohne Interesse. Dann kommen ein paar Bayern, einer fragt, ob da noch Platz ist, und dann setzen sie sich, es kommen noch mehr, und der letzte lässt sich neben mich fallen, mit den Worten: Ezd weads eng.





Ich kann darüber nur lächeln, denn ich werde auch noch hier sein, wenn andere längst wieder Pflichten des Alltags erfüllen. Es wird hier auch wieder uneng; momentan sind noch alle Hotels ausgebucht, aber das ändert sich Mitte des Monats, und unter der Woche ist der See wie das Internet, eine grosse, freie Fläche, die den eigenen Gedanken gehört, weit und für alle da, die sich an den Rand setzen und schauen. Ich werde weiterhin versuchen, meine Cafeperspektive zu behalten, andere gehen vielleicht auch in eine Kaschemme oder lügen sich was vor, sie würden jetzt mit fünf Sternen bloggen. 2012 war mal wieder ein Jahr der scheiternden Buchprojekte - "gehört zu den meistgelesenen Blogs in Deutschland", verkauft aber nur ein paar hundert Bücher inclusive Belegexemplare - dieses Jahr werden sie sicher bald wieder tröten, wenn andere irrelevante Spammer sie sie verlinken und das Nichts herausheben. Denn nichts ist ihnen zu peinlich.





Und es wird voller werden, denn wie König Johann ohne echtes Land merkte, wurde es mit der Blogwerbeagentur nichts und mit dem Blognetzwerk auch nichts und für Twittern zahlt einem keiner was und das Buch lief nicht und der Verlag wollte auch nicht noch viel mehr zahlen und bei den anderen sieht es auch mau aus und was soll man da machen - ach so, man könnte ja mal wieder bloggen. König Johann ohne Land hat das für ein Buch aufgegeben und nicht mehr eine Band entdeckt, die was von Sonnenlischt singt, und nebenan hat Stefanuns der Nickelige auch nicht gerade den absoluten Traumhafen angelaufen, was man so hört. Aber sie sind nicht doof und sehen ja, was sich so tut im Netz. da sind zum Beispiel all die vom Stamme Kackbratz, die verstehen, wie man mit ungelesenen Blogs den Autoherstellern freies Fressen, freie Reisen und freie Testfahrzeuge abluchst, wenn man sich nur zweimal im Monat reihum verlinkt. Da geht also doch was im Netz mit diesen Blogs.





Also stellte sich König Johann ohne echtes Land hin und sprach zurückkehrend zu den ehemaligen Unterthanen: Facebook Schtonk! Twitter Schtonk! Google Plus Schtonk! Ich will wieder herrschen im Netz vom Sonnenuntergang bis zum Werbewirtschaftsaufgang und Ihr sollt mich auch wieder anjubeln, wenn ich alle zwei, drei Tage wieder Weisheiten von mir in meiner Huld gebe. Ich werde zur Politik sprechen und Ihr werdet das verlinken und dann klappt das sicher auch wieder mit dem Influenzen im Netz, und dann werden auch wieder die Medien vor mir rutschen und sagen: Der Johann ohne echtes Land, der ist echt der King. Das muss man lesen, dann weiss man, was bei den Blogs sein wird. Und vielleicht gibt es auch wieder eine Band, die es bis zu Raab schafft! So also sprach Johann, und die Hofschranzen, die sich schon etwas gelangweilt hatten, jubelten gleich mal nordkoreanisch präventiv. Vielleicht würde der SPON ja auf einen Beitrag des Königs linken, der auf sie linken würde.





Und der Stefanus der Nickelige grub gleich mal einen mann jenseits der Meere aus, der vom Gold seiner Unterthanen überschüttet ward, und schon begann man bei Twitter und in den Kommentaren zu überlegen, ob das nicht vielleicht doch... gut, das mit Adnation/Adical, das war nicht der Hort der Nibeldummen... aber wenn es der Werbung schon zu blöd war, vielleicht sind ja die Leser bereit... wenn die Welt die Nazis an die Paywall stellt, vielleicht lassen sich ja andere im Flattrbergwerk zum Frohnen gewinnen... So also dachte man und bestätigte sich und darob werden wir also 2013 nach den 12er Versuchen mit Büchern wieder Drängelei in den Blogs sehen. Der eine wird die Leser anhauen, der andere sich von der Industrie schmieren lassen, und bei den Medien werden sie auch vorstellig werden. Weil es ja geht, weil andere es können und sie können es auch. Und nichts ist so machhaltig wie die menschliche Dummheit.





Der Sonnenuntergang im Cafe am See war spektakulär, silber, gold, blau, und draussen vor dem Fenster sassen acht junge Männer und starrten alle auf ihre Mobiltelefone. Eine Stunde lang. Nicht auf die Natur, den See oder ihre Freunde. Auf ihre Telefone. Vielleicht ist das auch ein Geschäftsmodell, ich weiss es nicht, aber ich hoffe doch sehr, dass meine Leser wissen, wann es Zeit für eine Plauderei ist, und wann man auf die grossen Dinge achten sollte. Dauerhaftigkeit und Verhältnismässigkeit. Kommen und Gehen, eine gewisse Demut vor den Menschen und die Bereitschaft, etwas zu geben, das, so nehme ich an, kann eine gute Sache sein. Johann ohne echtes Land und Stefan der Nickelige reden nicht darüber, dass andere ihre 10.000 Follower um Hilfe beim Umzug fragen - und kein einziger kommt. Mir gibt das sehr zu denken. Denn ich würde mich schlecht fühlen, käme ich nicht.





Ich bin froh, das nicht ausprobieren zu müssen. Ich möchte autark sein und bleiben, ich möchte das hier nur im Bewusstsein tun, jederzeit aufhören zu können. Alles ist offen und unsicher und ist es immer gewesen; ich mag es, und es ist gut zu mir, auch wenn es so Phasen gibt... das gehört auch dazu. Man muss es aus sich heraus können. Nicht für die Politik oder den Müll aus dem Netz oder auf Vorgabe einer Firma oder beim Lutschen an den Fehlerquellen der Medien. Es muss so leer sein wie der See an einem Wintertag, und sein mit Geschichten füllen. Es muss von Menschen für das Netz sein, und nicht aus dem Netz für das Netz. Man muss erzählen können. Die Grossen heissen Kid37 und Patschbella, Mek und Mareiki. Und solange s sie gibt, werden sich manche immer noch Könige nennen.

Ich nenne sie mitunter Pinscher, aber nicht an Tagen, die so schön sind; da denke ich an ganz andere Dinge.

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Sonntag, 28. Oktober 2012

Einsamer Planet

Vielleicht liegt es ja an Berlin und den besonderen Bedingungen der Stadt. Aber vielleicht liegt es auch daran, dass das Internet und dessen Flüchtigkeit Städten wie Berlin entgegen kommt. Und natürlich habe ich auch andere Erfahrungen gemacht, in diesem Netz. Aber manche Dinge geben mir doch zu denken, selbst wenn ich es nur als Betrachter sehe, und zufällig, nebenbei - ich denke mir das nicht aus, es macht scheinbar nur mir Kopfzerbrechen.



Da ist also eine Person, in deren Onlineaktivitäten ich hin und wieder nicht ganz freiwillig schaue. Ihre Existenz ist mir schon länger bekannt, und dass wir eine Konfronation rutschten, lag nur an ein paar Zufällen, und dass sich das löste, fand ich gar nicht traurig. Privat habe ich sie nie getroffen, und ich fand das, was sie machte, auch nie beonders gut oder ansprechend. Ist kein Problem, generell halte ich mich gern fern von Dingen, die andere vielleicht gern mögen, und der Umstand, dass ihr Twitteraccount fünstellige Followerzahlen hat, spricht durchaus für sie: Das muss man erst mal schaffen. Andere schätzen diese brutale und direkte Distanzlosigkeit, mit der da alles ins Netz gteblasen wird.



Über diesen Twitteraccount lief dann während der letzten Monate so einiges, was menschlich unschön war; mitunter auch in meine Richtung. Das Wort "Sozislneid" finde ich da nicht angemessen, eher würde "Sozialablehnung" passen, denn auch mit meinen Möglichkeiten würde die Person sicher nicht versuchen, meinen - im Übrigen auch nicht üppigen - Lebensstil zu kopieren. Es gab eine Phase, da waren wir auf dem Papier gar nicht so arg weit auseinander, und trotzdem stellte die Person ein ganz anderes Leben in ihr digitales Schaufenster. Generell finde ich es in Ordnung, sich über meine Lebensvorstellungen lustig zu machen; ich habe beim 300. Betrachten eines alten Bildes vermutlich auch weniger Glücksgefühle, als beim 300. Rauchen von Gras, jeder setzt die Distinktion ein, die er bevorzugt. Weil diese Person in einem ansonsten auch nicht gerade freundlichen Umfeld unterwegs war, las ich es halt. Oder es wurde mir gemailt. Hin und wieder. Generell, wie gesagt, habe ich andere Interesssen. Und gerade die letzte Zeit hatte ich auch ganz andere, weitaus wichtigere Dinge zu tun.



Langsam, langsam wird mein Kopf wieder frei, ich arbeite Mails ab und nehme Netzroutinen wieder auf, und weil ich auch mal wieder Thema im Nadines Femibonker war, kam ich auch wieder bei der Person vorbei; das ist so eine Art Nachbarschaft. Grosses Drama, grosse Probleme, schrecklich das alles, es hat sich einiges getan und nun heisst es wenig unfreiwillig Abschied nehmen von Berlin. Vermutlich packt gerade in einem Provinznest jemand den Koffer, um den Platz einzunehmen, den der Inhalt eines Transporters hinterlassen wird: Nicht jeder mag nicht nach Berlin, und nicht jeder geht froh und heiter zurück in die Heimat, wie ich das tat. Mir hat damals jemand geholfen, dem ich bis heute sehr dankbar dafür bin. Dass vieles auseinanderging, das ist nun mal so: Berlin halt. Es macht wenig Sinn, den Gehenden hinterherzurufen, es kommen eh zu viele Neue, und der Gehende kommt meist nicht in ein Umfeld, in dem er sich weiterhin dem Berliner Leben hingeben kann - er verändert sich Das war auch bei mir so. Aber damals waren die Blogs ja auch noch ganz klein, und man hatte keine 10.000 Follower. Und man konnte sie nicht fragen, ob sie nicht vielleicht helfen möchten.



Heute ist das problemlos möglich. Und selbst, wenn die 10.000 über das ganze Land verstreut sind, leben davon in Berlin vielleicht doch ein paar Tausend. Oder Tausend. Oder ein paar Dutzend, mit denen man auch schon mehr Kontakt hatte. Es gibt so viele Möglichkeiten, und Berlin ist wie das Internet sehr locker. Ich habe damals auch einigen Leuten geholfen, die mitunter schnell umziehen mussten; da gab es zum Beispiel eine Mitarbeiterin einer Stiftung aus Frankreich, die sehr schnell alles räumen musste, weil der Bund die Zahlungen an ihren Arbeitgeber eingestellt hatte. Manche, auch das habe ich in Berlin gesehen, lassen einfach den halben Haushalt auf der Strasse zurück, und alles ist, wenn man umziehen muss und unter Druck steht, irgendwo nachvollziehbar.

Aber von den 10.000, die da gefragt wurden, kam kein einziger, um zu helfen.

Ich glaube nicht an Gott, aber wenn es ihn gibt, so schütze er unsere Familien und uns vor dem Glauben an die Leute, die im Internet ein Kästchen anklicken und sich unsere Freunde nennen.

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Dienstag, 16. Oktober 2012

Blau macht Bunz

Überschriften, die man liebt.

Wie auch immer, Wolfgang Blau geht von der Zeit Online zum Guardian, wie Mercedes Bunz von Tagesspiegel.de ebenfalls dorthin gewechselt ist. Für eine nicht allzu lange Zeit. Laut wurde darüber geredet, als sie ging, leise wurde es dann. Bei aller Begeisterung für den Guardian: Die sind nur so gut, weil sie eine Knochenmühle und die Mitarbeiter voller Existenzangst sind.



In diesem Interview bezieht Blau Stellung, und ich denke, wie er es beschreibt, ist es nur folgerichtig: Die Zeit hat viel beim Guardian und bei der NYT gelernt, und was Blau thematisch anspricht, geht in Deutschland eher schlecht. Die Zeit hat die FAZ mehr mt besser gemachten Allgemeinthemen überholt, denn mit Debatten oder Spezialangeboten. Allein die Personalstärke ist beeindruckend, und da sitzen Leute, die wirklich gern Internet machen. Die Blogs der Zeit sind trotzdem fast immer eine schwere Enttäuschung, und nicht umsonst sind viele schnell wieder verschwunden.

Momentan verucht man es mit einem Radlblog, und da muss ich gar nicht Wochen abwarten um zu wissen, dass hier der nächste Fehlschlag kommt: Blutleer, viel zu sehr aufs Netz fixiert, keine eigenen Themen, öde Schreibe, es passiert nichts, keine Erlebnisse, und eine Autorin ohne jeden Charakter.



Dabei könnte genau das ziehen, eine Frau in einer Männersparte, was macht sie anders, wie ist ihr Blick, kann sie Frauen das Thema erschliessen, wie sieht ein guter Damensattel aus, und das alles auf einem liebenswerten, allgemein verständlichen Niveau. Sonst ist das nur wieder bunter Nerdkram. Und das gibt es schon zuhauf, dazu braucht man nicht die Zeit und auch nicht die FAZ oder den SPON, die sowas auch mal probierten.

Eigentlich, in Zeiten wie diesen, müsste man eine grosse Klammer machen: Zukunft des Individualverkehrs. Und das dann mit hübschen Themen füttern.Zum Start vielleicht einen Tweed Run organisieren, einmal ein Rad nach Leserwünschen aufbauen, und das vielleicht auch als Sondermodell anbieten. Oder ein Eisrad in Valeggio kaufen und dann damit nach Deutschland radeln und schauen, was unterwegs passiert (warum habe ich Idiot das nicht gemacht???). Irre. Charmant. Witzig. Anders. Der Markt und der Trend sind da, nur halt nicht für all die vertrockneten Eisenten, die bei der Zeit vermutlich alle Prügelstrafe kriegen, wenn sie lachen. Die FAZ ist jetzt auch nicht gerade ein Ausbund an Frohsinn und es muss nicht gossig wie SPON sein, aber die Botschaft muss lauten:

RADELN MACHT GLÜCKLICH!



Aber dieser Fail durch trockene Distanz zieht sich durch die ganze Zeitbloggerei, egal ob Berlinkultur oder Grüne Geschäfte. Man muss sich an die Leser ranschmeissen und sie mitziehen, sonst endet man bei den wirklich wichtigen Themen schnell in der Oberlehrerpose. Landlust ist ein prima Beispiel, wie man so einen Lebensstil propagieren kann, ohne so stocksteif hamburgisch daherzukommen, mit schrägen Designerwohnungen und was man sonst noch haben will, um kosmopolitisch zu wirken. Medien brauchen mehr Pron und je lahmer das Thema, desto mehr Pr0n muss drin sein.

Der richtige Riecher und die falsche Umsetzung - das ist es, was bei mir von den Zeitblogs hängen bleibt. Es ist wie Carta, ich weiss nicht, warum ich das lesen soll, es ist alles üblich und normal. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie gelesen werden wollen. Sie wollen senden, aber nicht mit mir reden und auch nicht mich unterhalten. Thematische Brillianz trifft sagenhafte soziale Blödheit. Nicht nur ein Zeitproblem. Aber wie oft muss man diesen Fehler eigentlich noch machen?

Edit: Ich muss mich entschuldigen. Das Ferengiblog der FAZ Wirtschaft, das einfach halbgare Blogeinträge amerikanischer Ayn-Rand-Verehrer (sog. "Wissenschaftler") nachschmiert, ist natürlich nochmal erheblich schlechter.

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Man gewöhnt sich irgendwann daran

Vielleicht sollte ich vorausschicken, dass man auch in anderen Bereichen reichlich exponiert ist, wenn man eine grosse Klappe hat, und nicht die Klugheit, sich mit bigotten Figuren abzufinden. Es gab eine Zeit, da habe ich gleichzeitig an einem delikaten Vorfall bei der Zwangsarbeiterentschädigung in Österreich gearbeitet, als die Blauschwarzen eine der ihren bei einer alternativlosen Opferanwältin installierten, und zu den Umständen eines Kinderurlaubs in Israel und dessen Finanzierung. Nicht alle Ösis können was für ihre Politikmafia, und viele, die an die jüdische Gemeinschaft glauben, tun das aus guten Gründen, aber irgendwie schwappt es dann Figuren hoch, die eine Schande für die theoretischen Ziele ihrer Institutionen sind. Und in solchen Fällen bekommt man es mit der Empörung jener zu tun, die sich moralisch im Recht empfinden.

Ich bin seit dreieinhalb Jahren Profiblogger, was nicht ohne Witz ist, weil ich sage, dass Profibloggen kein Geschäftsmodell ist. Dass es doch funktioniert, und das mit einem wirklich abseitigen Thema, hat mit Glück, Berechnung, Nachdenken und dem Arbeitgeber zu tun, der mich einfach hat machen lassen, und dem ich seitdem die unbedingte Treue halte, auch wenn es immer wieder andere Angebote aus dem nichtjournalistischen Bereich gibt. Gleichzeitig versuche ich so wenig wie möglich, die Karte dieser Zeitung zu spielen: ich habe noch nicht mal mehr einen Journalistenausweis, ich kaufe mir alle Bücher selbst, und als ich letzte Woche die Reiseabrechnung machte und fundamental unter den erwarteten Kosten blieb, fragte mich die Sekretärin, ob ich in einer Ruine übernachtet hätte. Meine Antwort auf die Privilegien des Journalismus ist sie abzulehnen, selbst wenn ich weiss, dass es in besonderen Situationen wie dem Erdbeben in Italien nicht klug ist. Das ist nicht zwingend moralisch, ich tausche das Risiko gegen eine gewisse persönliche Freiheit ein. Oft ist es ja so, dass einen Veranstalter mehr oder weniger sanft in Bahnen zwingen wollen, oder die Privilegien den Menschen verändern: Das möchte ich eher nicht. Weil ich das Gefühl brauche, jederzeit wieder raus zu können, ohne dass mir etwas fehlen würde. Und ich möchte da auch nicht als grossmütig gelten: Ich mache das, weil ich es mir leisten kann und auch leisten könnte, selbst wenn nicht ab und zu PR-Agenturen, Konkurrenz und Verlage anklopfen würden.

Sie tun das in dem Glauben, der Erfolg wäre reduplizierbar. Wenn das mit der FAZ geht, müsste es doch auch mit allem anderen gehen. Die Erfahrung der deutschen Social Media Berater zeigt leider, dass dem überhaupt nicht so ist; es gibt durchaus passable Blogger, die total versagen, wenn sie dauerhaft verifizierbare Leistung bei der Kundenbindung bringen sollen. Meine Begabung ist eine reine Inselbegabung, ich könnte zu gewissen Themenkomplexen sicher viel beitragen, aber die wenigsten Themen würden sich zur Verwertung eignen. Ich habe einiges an Erfahrung im Umgang mit Autokonzernen: Die sind zwar immer bereit, breit zu sponsorn, aber im Kernbereich ihrer Produkte setzen sie auf extrem fokussierte Markenbotschaften. Vorstandsinterviews und Autopräsis sind nicht gerade blogtauglich.

Ich bleibe bei etwas, das ich kann, das funktioniert und läuft. Ich würde es so erklären, dass ich in meiner momentanen Tätigkeit Bestände sichere und vielleicht ein wenig zur Auffächerung des Angebots beitrage, mit einem Ansatz, der zum Produkt generell passt und nicht so leicht zu kopieren ist. Weshalb es auch weitergeht mit den Stützen der Gesellschaft, auch wenn ich hin und wieder Ansgst habe, zu langweilen oder im eigenen Saft zu schmoren.

Nicht allen gefällt das. Es gab einiges an Jubel, als ich vor anderthalb Jahfren dran war, mein Blog zu schliessen, und eigentlich immer wütende Angriffe, wenn andere Blogs eingestellt wurden. Nicht immer direkt, nicht immer sofort, aber die externen Ex-Blogger haben sich teilweise jahrelang an mir abgearbeitet. Und ich frage mich schon, warum sie diese Energie früher nicht in ihre eigenen Projekte gesteckt habem. Als die Stützen begannen, habe ich so lange Kommentare beantwortet, bis ich mit der rechten Hand nicht mehr tippen konnte. Ich hatte elende Fehlschläge ausgerechnet mit Lieblingsthemen, und ich musste völlig neu lernen, wie man Veranstaltungen blogt. Klar ist es eine schöne Vorstellung, dass das Internet jeden Platz hat, aber es ist eine echte Kunst, ein Thema auf drei Beiträge zu verteilen und auszuleuchten, und auch ich beherrsche die nicht immer. Etwas, das man in einem Beitrag sagen kann, auf zwei Beiträge aufzublasen, rächt sich immer. Weniger wegen der Zeilenschinderei, sondern weil die Leser nicht dumm sind. Die Möglichkeiten des Mediums sind zugleich sein Fluch, und man muss lernen, damit umzugehen. Und wenn etwas nicht läuft, muss man es eben ändern und besser werden. Statt dessen haben andere sich branchenweit nicht wirklich ein Bein ausgerissen, sind mitgeschwommen, haben sich nach unten orientiert und wurden erst laut, wenn es nicht weiter ging. Dann auch immer wieder mal gern in meine Richtung, Seemann, Seeliger, Jakubetz.... Gerade zur Zeit muss sich der Niggemeier durch meine Kommentare gewühlt haben.Ich finde sowas nicht scary, sondern nur bescheuert.

Die Stützen wird es nicht ewig geben. Ich hatte Phasen, in denen es nicht leicht war, und irgendwann sind Themen auch auserzählt. Aber wenn es so weit ist, möchte ich etwas geschaffen haben, und es soll nicht in der immer gleichen Agonie enden, sondern in einer Stretta. Und es sollte den Geist weitergeben. Ich schreibe seit 2000 sowas wie ein Blog, zuerst über MP3, dann Dotcomtod und seit 2003 auch hier, und seit 2008 bei der FAZ. Ich bin ziemlich alt geworden über all diese Erlebnisse, wie andere auch, und ich habe eine gewisse Sehsucht nach anderen, die es besser, klüger und bissiger als die alten Säcke machen. Ich habe mir wenigstens ein Thema gesucht, mit dem man in Würde älter werden kann, aber der Miesepeter Niggemeier, der sein Leben und sein komplett freudloses Blog mit dem Anpissen von Leuten zubringt, deren Job er nicht machen muss, die Vermarktungströte Sascha Lobo, die irgendwann mehr durch ihren Bauch als durch die schlecht geschnittenen Anzüge auffällt, die müssen weg aus der ersten Reihe, wie ich auch, denn unser Weg ist keiner, den man gehen sollte - nur sollte die Zukunft etwas anderes als Cashys Drecksloch oder die von Merceds geschmierten Autovolldeppen sein, die Rivva spammen.

Solange - und solange die FAZ möchte - geht es weiter. Es kommen ein paar vermutlich etwas holprige Tage, das Schmähen meiner Person als Übrigbleibender gehört dazu wie das Steinewerfen auf den Teufel bei Mekka, und irgendwann wird jemand kommen, der Anstand, Biss und Witz hat und mir zeigen wird, was wirklich geht.



Ich glaube, dass man mit einem Sex- und Scheidungsblog die Luft zum Brennen bringen kann, ich glaube an eine deutsche Antwort auf Politico, und ein Societyblog so nett wie Salpetersäure. Niemand (ausser Fefe, Modeste und Kid37 vielleicht) ist unersetzlich, da Neue muss kommen und das Alte hinwegfegen.

Dass es so ist, weiss eigentlich jeder in der Branche und ihren Umwälzungen. In der Medienkrise sind wir alle Einsparpotenziale. Wir überleben nur, wenn wir Zukunftspotenziale sind. Wir sollten bloggen, als seien alle Teufel der Hölle hinter uns her, denn genau das ist es, was droht. Und diese Höllenjagd ist selbst verursacht, wenn wir die schmalen Chancen, die es im Onlinejournalismus gibt, nicht mit aller Kraft nutzen. Es sind nicht die Verlage, die Blogs einstellen, es ist die Krise, deren Teil und Verursacher wir selbst sind, die uns aus den Ritzen der Verlagshäuser pustet. Es kann eigentlich nicht sein, dass man dauernd den Medien den Tod vorhersagt und dann, wenn man an den Fleischtöpfen ist, erst mal ne ruhige Kugel schiebt. Es ist bigottes Mimimi, Entlassungsrunden bei Medien fröhlich als Beleg der Internetthesen zu nehmen, und sich dann aufzuführen, wenn ein Blog aus den gleichen Kostenzwängen geschlossen wird. Wir haben an diesem Sturm mitgebraut, wir sind Teil des Untergangs, des Untergangs der anderen und des eigenen, und kein Shitstorm und kein Fingerzeigen wird daran etwas ändern. Und dass man mit ein wenig blöd twittern und bloggen auf Piratenticket an ein Mandat kommt, ist auch nicht mehr sonderlich wahrscheinlich. Insofern: Macht was Ihr wollt in Euren eigenen Blogs. Aber gebt Euch selbst jeden Tag einen dicken Tritt, wenn jemand dafür bezahlen soll. Eine Profiblog ist kein Ponader-BGE und kein Firmen-Flattr, es ist harte Arbeit.

Und aus meinen Erfahrungen mit Google und PR-Klitschen kann ich auch noch hinzufügen: Die haben mehr Geld. Aber auch nichts zu verschenken. Und es gibt immer einen, der es für weniger macht.

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Sonntag, 27. Mai 2012

Da kann es nur Verlierer geben.

Das Internet: Ein blöder Mob, der es liebt, andere zu demütigen. Und ein verantwortlicher Redakteur, der einen Hoax n den "Nachrichten" bringt.

Keine schöne Sache in der Blogbar. Fühle mich irgendwie in der Pflicht, das zu schreiben. Eine Art Anstand. Alles andere wäre wohl feige.

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Donnerstag, 8. März 2012

Aus allen Rohren

Die Blogbar ist wieder da.

Und da sind auch einige, die noch eine Ladung abkriegen (Frauentag! Morgen erst wieder Julia Schramm).

Heute mal wieder: Jens Best, der laut Medien u.a. "Deutschlands grösster Streetview-Fan" sein sollte, oder vielleicht doch nur in den Schlamm von SPONschleim tauchen wollte, dem Zenralorgan der Sonderschüler mit Losglück bei der Abilotterie? Wie auch immer.

Das war nichts dem Unverpixeln von Häusern, Jens Best.

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Montag, 5. März 2012

Ich finde ja,

Adenoid Hynkelfasel traf es am besten, als er sagte:

Liberty schtonk! Free Schpecken schtonk! Retwetten schtonk!

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Montag, 27. Februar 2012

Der verständnisvolle Don

Äh - habe ich mich jemals über Postprivacy aufgeregt? Habe ich Leute als Postprifaschisten bezeichnet? Habe ich je laut darüber gelacht, dass sie erzählen, auf 30m² zu hausen und nur Nudeln zu essen? Wie gemein.



Denn am Wochenende habe ich von meiner Gemüsehändlerin ein Pfund Trüffelbutter und 25 Gramm Trüffek geschenkt bekommen. Das ist wirklich hart! Seidem esse ich Tag für Tag frische Nudeln mit Trüffel. und die 30m² des Raumes, in dem ich sie verzehre, riechen schon nach Trüffel, wie bei anderen die Wohnung nach. Also, so weit will ich das glaube ich gar nicht wissen, das reicht schon mit Postprivacy. Aber was ich sagen wollte: Für manche ist es vielleicht auch einfach nur ein Gedankenmodell, um ihre Neigung, alles sofort ohne Nachdenken ins Netz zu tröten, von der Mohrenlampe bis zum Hass auf die Parteikollegen, mit einer philosophischen Erklärung zu bemänteln. Ich mein, jedes AKW hat heute eine Philosophie, jeder Fernsehsender - warum sollten U-Boote der Spackeria sowas nicht auch haben?



Und deshalb habe ich mir mal angeschaut, wie Postprivacy im realen Leben funktioniert, und habe dafür eine hoffnungsfrohe Kandidatin für höchste Parteiämter der Piraten genommen, die sich nach Methode A verkauft und nach Methode PP twittert.

Das ist schon lustig.

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Freitag, 24. Februar 2012

Opportunisten treten

Dieser Blogbareintrag wäre jetzt wirklich nicht nötig gewesen: Fefe ist einer von denen, die sich um gekränkte Seelchen anderer Internetaktivisten keine Gedanken machen müssen, insofern läuft auch jede Verteidigung ins Leere, die sich mit dem Gerede über ihn auseinander setzt. Aber was mich am Versuch der Shitstorms so ärgert ist, dass jene Typen, die sonst das Netz zum besseren Lebenraum besserer Vollchecker erklären, sofort in den CDU-Duktus fallen und meinen, die blöden Nutzer vor dem bösen Fefe retten zu müssen, wenn der den Impact hat, den sie selbst gut brauchen könnten. Dem Nutzer wird dabei nicht der geringste Erkenntnisspielraum zugesprochen.

Nachtrag: Es ist immer noch sehr kalt. Es macht keinen Spass. Das Wetter ist scheusslich, und der Wind eine Qual.



Aber es hilft nichts. Der Bewegungsdrang ist stärker, viel stärker als der Schweinehund, und es ist, so sage ich mir, ja schon wieder viel weniger Eis und Schnee als ketzte Woche.







Und ausserdem möchte ich den Italienerinnen gefallen. Ich alter Lycrasack, ich.

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