: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 14. November 2017

Das war alles nicht immer so.

Natürlich weiss ich auch, wie schlechte Entscheidungen für das Leben entstehen, denn ich habe das in einem Leichtsinn auch gemacht: Ich bin nach Berlin gegangen, wo man mir sagte, wenn du nach einem Jahr noch hier bist, schaffst du den Absprung nicht mehr.

Mit Blick zurück auf die 12 Jahre, seitdem ich weg bin, muss ich den Personen recht geben, denn fast alle sind noch in Berlin, und viele weitere sich dazu gekommen. Natürlich sind Blogs schon lange kein Ausweis des Dazugehörens mehr, Twitter ist wichtiger, und es reicht den meisten auch aus, weil es nichts mehr zu diskutieren gibt. Sie sind sich ohnehin weitgehend einig in ihrer Weltsicht.

Nun lebe ich in einer ganz anderen Welt, und bin wirklich der Letzte, der die Haus-Zwei Kinder-Zwei Autos-Ideologie meiner Klassenkameraden adaptieren wollte, verbunden mit politischen Einschätzungen, die auch nur durch das Verwachsen mit der Scholle erklärbar sind. Auf der anderen Seite kriegt man, sofern man nach draussen kam, auch in linken Zirkeln öfters mal ein Packerl mit, und meine Erfahrungen beim Bürgerfunk unter alten, weissen Männern waren unschön, hart und lehrreich. Relativ dazu waren die Berliner Verhältnisse undogmatisch, offen, entspannt und ziemlich flexibel. Damals, 2004.



Heute frage ich mich eher, ob die alten Bürgerfunker nicht vielleicht auch mal, als sie ihre Mischpulte löteten und Bandmaschinen erwarben, eine lustige Truppe waren, die einfach mal was ausprobieren wollte. So wie die Gründer von Metronaut, die mal Geld mit Lifestyle verdienen wollten. Geld ist immer noch ein Thema, da unterscheiden sie sich nicht von den Bürgerfunkern, und auch ansonsten frage ich mich, wo die sich in, sagen wir mal, 20 Jahren sehen. Der Bürgerfunk sass letztlich in einem gnadenhalber überlassenen, gesichtslosen Büro der AWO. Und es ist absehbar, dass die Mischung aus prekärer Lebensgestaltung und steigenden Kosten in Berlin diese ganze Gruppe sprengen wird: In die, die sich irgendwo einkaufen konnten und die, die verdrängt werden. Ich habe den Besitzer von Schloss Elmau als ausgesprochen generösen und klugen Menschen kennengelernt und würde jederzeit in Berlin in seinem neuen Projekt Orania in Kreuzberg übernachen - für viele Berliner wäre das eine Todsünde, die zu dem passt, was sie sonst von mir denken.

Die letzten Wochen jedenfalls waren wieder ausgeprochen lehrreich in Sachen "wem kann man trauen" und "für wen setzt man sich vielleicht besser doch nicht ein". Metoo hat weder den für seine Angrabbeleien berüchtigten Videomacher noch den übergriffigen Ex-Politiker weggespült, die zwar beide abgehängt sind, aber immer noch so mächtig und einflussreich, dass niemand in Berlin es wagt, den Mund aufzumachen. Ich kann es nachvollziehen, wenn niemand mit Interna der Führungsspitzen der SPD an die Öffentlichkeit geht, aber sogar bei diesen Randfiguren scheint das soziale Gefüge immer noch ein veritabler Schutz zu sein. Ein Schutz, wie ihn letztlich nur die Ansicht verleiht, er sei zwar ein Schwein, aber eben unser Schwein und habe die richtige Einstellung.

Wenn man das toleriert, akzeptiert man auch vieles andere, und rutscht da halt so rein, so wie bei uns zwar klar ist, dass der Pfarrer manchmal komisch ist, aber er hat ja die richtige Einstellungen (und der Russe wäre viel schlimmer). Nur so ist es erklärbar, dass man ideologisch unter früher undogmatischen Leuten wieder an die SED anschliesst, so wie manche Bürgerfunker nicht von der RAF Abstand nehmen wollten. Das alles ist auf seine Weise altersstarrsinnig und reaktionär, privat gut verschränkt, und ein Zurückweichen kann man sich nur leisten, wenn man bereit ist, einen persönlichen Preis zu zahlen. Aber ich glaube, dieser Preis ist klein im Vergleich zu jenem, den man zu bezahlen hat, wenn man in so einem System bleibt. Denn das Altern nimmt einem auch viele Optionen, und da sollte man sich wenigstens geistig frei stellen.

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Freitag, 3. November 2017

Loden in cold climate

Mein Gefühl sagt mir, dass es dieses Jahr wieder einen halbwegs richtigen Bergwinter geben wird, mit Schnee vor dem Haus und eisigen Rodelpisten. Vielleicht gibt es sogar ein Wallbergrodeln? Dann könnte es sein, dass ich dort den Janker mit Eichenlaubstickerei trage. Ja, Eichenlaub. Ganz böse.



Wie auch immer, es ist keine ganz schlechte Idee, für das Kommende vorzusorgen, und ausserdem kann man ohnehin nicht genug Loden haben. Der Sommer und seine Gäste brachten es so mit sich, dass ich zuerst hörte: Das ziehe ich NIE an. Dann ein: Na gut, für das Platzkonzert. Dann ein: Also so für das Wandern ist das schon gut. Und über ein: Ich schau mal selber. Gelangre man zu einem: Schön wäre es schon. Und letztlich zum gerne Annehmen und Mitnehmen. Ich habe beim Trachtenmarkt der Neureuther ohnehin mehr gekauft, als ich tragen und unterbringen konnte. Und man kann sagen, was man will:



Einreihige, kurze Trachenjanler mit Kellerfalte hinten sind nicht nur Gesellschaftskleidung am See, sie sind auch extem praktisch auf dem Rad, weil sich dabei die Falte öffnet und einen nichts einengt. Gleichzeitig ist es aber winddicht und warm. Und obwohl ich alles mit dem Auto fahren könnte, fahre ich hier alles mit dem Rad. Demnächst auch wieder zum Rodeln. Ich brauche das hier einfach. Und im Winter werde ich sicher lange hier sein.

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Sonntag, 22. Oktober 2017

Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes schreiben

und das verschiebe ich nun zum zweiten Mal - aber egal. Das hier hat sich so ergeben..

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Mittwoch, 18. Oktober 2017

Komplimente, aber richtig

Frau Chebli, die ich natürlich nie öffentlich als jung und schön bezeichnen würde, fügt sich mit ihrer ganzen Art sehr harmonisch in die R2G-Koalition zu Berlin ein.

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Dienstag, 17. Oktober 2017

Durchatmen

Zugegeben, der Ort ist alles andere als ein Geheimnis. Wer hierher kommt, kommt irgendwann auch so hier herauf. Der Berg steht nachgerade im Weg und bietet sich ideal an. Ich war mit vielen Leuten schon hier oben, und es war eigemtlich immer eine Gaudi. Es ist noch nicht mal sonderlich intim, mit mir hier hoch zu gehen.



Es gab so einige Dinge, die ich mir vor 3, 4 Jahren nicht vorstellen konnte. Die Vehemenz, mit der mir nach der beruflichen Existenz getrachtet wird, die unverholenen Gewaltaufrufe, oder der Typ, der sich als knallharter AfDler in den Kommentaren ausgab, den ich aber aussortierte und sich mittlerweile als Linksextremist herausgestellt hat, der versuchte, in meinen Kommentaren strafbare Dinge zu äussern. Auch Anschläge juristischer Natur, vorgetragen unter anderem von einem Feigling, der sich hinter Rockschürzen verkriecht, sind eine eher neue Erfahrung, aber ich komme schon gut klar.

Man wächst mit den Aufgaben. Hier die einen, dort die anderen. Dachte ich.

Aber tatsächlich gibt es eine, mit der ich hier oben mehrfach war, und die jetzt die Sache eines Abmahners fördert. Nicht dass mir das den Berg vergällen würde, nicht dass ich vorsichtiger werde und misstrauisch. Ich bin noch nicht mal empört oder betroffen. Ich habe auch nicht wirklich einen Schaden, denn ich kann immer hier hoch, und sie eher nicht mehr.

Aber ich habe die letzten Jahre doch einiges über Menschen auf die eher harte Tour gelernt, und manche Entwicklungen lassen mich völlig ratlos zurück. Dieser Hass, der diese Leute antreibt. Dass sie heute Dinge tun und mit Leuten paktieren, die vor 4 Jahren noch weltenfern und lächerlich waren.

Das ist doch nicht gesund. Das ist doch keine frische Bergluft. Warum gehen die nicht einfach auf einen schönen Berg und artmen durch?

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Notwehr

Weil es sonst keiner macht, schreibe ich jetzt die Ösibeiträge, die ich in den deutschen Medien gern lesen würde. Erst einmal zum Untergang der Grünen.

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Montag, 16. Oktober 2017

Geschenkte Tage

Momentan ist es hier so: Die Nacht ist sternenklar, dann, so gegen 6 Uhr, zieht der Nebel aus den Flussniederungen in die Stadt. Bis 10 ist es grau, um 12 ist es dann wieder sonnig, ausser draussen am Fluss und an meiner Radstrecke: Da bleibt es bis 14 Uhr grau, und wird dann auch nicht mehr wirklich warm. Das ist schade. Aber ich habe ja noch einen anderen Wohnsitz.







Ein Sonnenwohnsitz in den Bergen. Die beste anschaffung meines Lebens. Wirklich.

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Sonntag, 15. Oktober 2017

Warum sie nichts sagen

X. ist übergriffig. In einem bestimmten Kreis ist er das aus Sicht der dabei Gewesenen nachweislich. Es waren genug Leute dabei, die Party war gross, er war sturzbesoffen und wie es nun mal so ist: Da kommt dann heraus, wie Leute so sind, wenn die Hemmungen fallen. Schon nüchtern dreht X. gerne mal auf, es hat eine schlechte Impulskontrolle, aber unter Alkohol ist es wirklich übel.



Ich war nicht dabei, ich bin damals gegangen, weil meine Freundin keine Lust mehr hatte, und sich unter all den Fremden unwohl fühlte. Ich war aber am nächsten Morgen mit einer heute bundesweit bekannten Feministin frühstücken, die sich ausgesprochen negativ über X. äusserte. Auch die andere heute bundesweit bekannte Feministin, die mit am Tisch war, hatte das alles erlebt, und dann war da auch noch eune dritte heute weit bekannte, bei Kongressen auftretende Feministin, die sich nachher detailliert darüber ausgelassen hat, wie dem X. auf der Party vieles entglitt. Und das alles war in einer Linie mit dem, was man über X. schon länger wusste. X. hat sich so verhalten, wie es sein Umfeld vorher schon kannte.



X. wurde seit diesem Abend nach hinten durchgereicht. Er hat ziemlich viel an Einfluss verloren, ist nicht mehr sonderlich gefragt, und Medienvertreterinnen, die ihn damals umschwärmten, haben heute ganz andere Themen.
Im Kern ist X. auf ganzer Linie gescheitert, sein Netzwerk ist ihm weggebrochen, und die schrägen Geschichten über ihn gibt es nicht nur in Bezug auf Frauen, sondern auch in Bezug auf seine Beschäftigungsverhältnisse. Er ist einer, der noch nicht so ganz verstanden hat, wie hart er wirklich gelandet ist, aber in meinem Bereich bekommt er keinen Fuss mehr auf den Boden. Vor ihm wird allgemein gewarnt. Was er noch hat, ist seine Netzpräsenz. Da ist er immer noch der Alte.



Und da twittert er jetzt in Folge von Weinstein - feministisch.

Wie gesagt, ich habe an dem Abend nur die erste Hälfte erlebt, meine Nähe hat er gemieden, ich sah alles nur von Ferne und das, was damals Aufsehen erregte, war nach meinem Abschied. Ich muss mich da auf die Feministinnen verlassen, aber die Berichte waren übereinstimmend, und man hat mir das nicht erzählt, damit ich ein Hit Piece schreibe. Und ich frage mich schon, warum wir auf der einen Seite die Forderung haben, Sexual Harassment offen zu legen, und auf der anderen Seite sich niemand gestört fühlt, wenn genau dieser X. heute vorgibt, auf der Seite der Opfer zu stehen. Die Antwort? Vermutlich die direkte und indirekte, persönliche Nähe.



Weil jede jemand kennt, der oder die den X. kennt, und weil niemand vermutlich Lust auf Fragen hat. Fragem zu persönlichen Abhängigkeiten in einer Zeit, als es mit der eigenen Bekanntheit nicht ganz so weit her und vieles etwas, sagen wir mal, obskur war. Fragen, ob das vielleicht damals auch etwas mit Macht und Einfluss zu tun hatte, und dem Versuch, externen Beschmutzern des Nests nicht so leicht zu machen. Fragen, ob man neben dem X. nicht auch gleich noch den Y. und den Z. beschädigen würden, die damals mit dem X. im Geschäft waren. Fragen, warum es reichte, X. klandestin langsam zu isolieren, statt es offen zu tun - es wurde mir schliesslich berichtet, damit ich das an den passenden Stellen erzähle, aber nicht, damit ich das öffentllich verbreite. Es mag gute Gründe geben, warum X. sich heute als Feminist darstellen kann und niemand ihn an die Vergangenheit erinnert, und an das, was zumindest von den Anwesenden als inakzeptables Verhalten aufgefasst wurde.

Aber X. scheibt sich seiner feminsitischen Sache sehr sicher zu sein, während gefordert wird, man sollte doch berichten, was #metoo so passierte. Ich stelle das nur fest. Und ich habe eigentlich keine Ludst auf Fragen, weil ich ohnehin keine ehrlichen Antworten bekäme.

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Samstag, 14. Oktober 2017

Staatszersetzung geht auch ohne offene Grenzen

Etwa, indem man in dem zersetzten Staat neue Grenzen baut. Baracke in die Strasse, Polizei rein, fertig!Die Ösis machen das bei der EU auch schon.

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