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Donnerstag, 8. August 2013
Generalprobe für das grosse Sterben
Ja, sicher, natürlich kann man von einem Traumsommer sprechen. Endlich heiss, endlich kühler Bergsee, endlich den ganzen Tag baden, endlich auch Wüstenklima in den Bergen, nachdem hier vor 2 Monaten in den Hochlagen noch Schnee war.

Dabei ist es historisch gesehen so, dass Naturkatastrophen öfters mal nett und spassig daherkommen. Das 13. Jahrhundert zum Beispiel ermunterte die Menschen zu schier endloser Expansion in Europa, man nietete die Wälder um und legte auf Teufel komm raus Äcker an - und dann kam der grosse Umschwung, das Klima drehte sich um, und das 14. Jahrhundert sorgte für das, was man in der Wirtschaft als "Konsolidierung" bezeichnen würde.

2013 liess zweimal Erinnerungen an 2003 hochkommen, einmal während der Flut, als die Tiefdruckgebiete liegen blieben, und eben jetzt, als es so richtig heiss wurde. Diesmal sind wir noch davon gekommen, aber drei oder vier Grad mehr, und die Rentenkassen hätten Überschüsse produziert und die Totengräber hätten den Urlaub absagen müssen. Eigentlich sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Das nächste Mal gibt es hoffentlich am See ein besseres Wehr und Überflutungsflächen im Frühjahr und im Hochsommer die paar Grad weniger, die zwischen Leben und Tod entscheiden.
Selbstverständlich bin auch ich ganz huingerissen, dass ich in diesem Jahr sechs Mal schwinmen gegangen bin, was in etwa so viel wie in den ganzen Jahren am Tegernsee davor ist - Wasser ist nicht so mein Ding. Aber nur, weil hier wie üblich auf Einzelschicksale Rücksicht genommen wird, kann das weiter unten ganz anders und ganz ungut ausgehen. In der irren Welt von Politik und Wirtschaft, von Gesundheitsunwesen und Gesellschaftsoptimierung ist der Klimawandel mit solchen Flachenhälser der Mortalität vielleicht genau das, worauf manche schon hoffen: Denn unter diesen Bedingungen ist das grosse Sterben zuerst mal nur Statistik und kein direktes Versagen der Ärzte.

Es gehört nicht viel dazu, die kommende Ungleichheit vor dem Tod zu sehen: Die einen werden dann hier überleben und einen hohen Preis zahlen, denn alles ist besser als in München oder sonstwo zu sein, und irgendwann wegzukippen. Das geht schnell, aber nur selten finden sie einen in der Hitze, gerade, wenn alle selbst am zerfliessen sind, und sich nicht rühren wollen. Klar ist die Luft hier am See, aber es wird woanders so stickig werden, dass die faulenden Leichen kaum ins Gewicht fallen.
Es heisst nicht umsonst Klimakatastrophe, und nicht "Badesaisonverbesserung für Deutschland". Dieses Jahr war eine Ahnung der Zukunft. Erleben werden wir sie. Aber überleben? Wohl dem, der einen Freund in den Bergen hat.

Dabei ist es historisch gesehen so, dass Naturkatastrophen öfters mal nett und spassig daherkommen. Das 13. Jahrhundert zum Beispiel ermunterte die Menschen zu schier endloser Expansion in Europa, man nietete die Wälder um und legte auf Teufel komm raus Äcker an - und dann kam der grosse Umschwung, das Klima drehte sich um, und das 14. Jahrhundert sorgte für das, was man in der Wirtschaft als "Konsolidierung" bezeichnen würde.

2013 liess zweimal Erinnerungen an 2003 hochkommen, einmal während der Flut, als die Tiefdruckgebiete liegen blieben, und eben jetzt, als es so richtig heiss wurde. Diesmal sind wir noch davon gekommen, aber drei oder vier Grad mehr, und die Rentenkassen hätten Überschüsse produziert und die Totengräber hätten den Urlaub absagen müssen. Eigentlich sind wir mit einem blauen Auge davongekommen. Das nächste Mal gibt es hoffentlich am See ein besseres Wehr und Überflutungsflächen im Frühjahr und im Hochsommer die paar Grad weniger, die zwischen Leben und Tod entscheiden.
Selbstverständlich bin auch ich ganz huingerissen, dass ich in diesem Jahr sechs Mal schwinmen gegangen bin, was in etwa so viel wie in den ganzen Jahren am Tegernsee davor ist - Wasser ist nicht so mein Ding. Aber nur, weil hier wie üblich auf Einzelschicksale Rücksicht genommen wird, kann das weiter unten ganz anders und ganz ungut ausgehen. In der irren Welt von Politik und Wirtschaft, von Gesundheitsunwesen und Gesellschaftsoptimierung ist der Klimawandel mit solchen Flachenhälser der Mortalität vielleicht genau das, worauf manche schon hoffen: Denn unter diesen Bedingungen ist das grosse Sterben zuerst mal nur Statistik und kein direktes Versagen der Ärzte.

Es gehört nicht viel dazu, die kommende Ungleichheit vor dem Tod zu sehen: Die einen werden dann hier überleben und einen hohen Preis zahlen, denn alles ist besser als in München oder sonstwo zu sein, und irgendwann wegzukippen. Das geht schnell, aber nur selten finden sie einen in der Hitze, gerade, wenn alle selbst am zerfliessen sind, und sich nicht rühren wollen. Klar ist die Luft hier am See, aber es wird woanders so stickig werden, dass die faulenden Leichen kaum ins Gewicht fallen.
Es heisst nicht umsonst Klimakatastrophe, und nicht "Badesaisonverbesserung für Deutschland". Dieses Jahr war eine Ahnung der Zukunft. Erleben werden wir sie. Aber überleben? Wohl dem, der einen Freund in den Bergen hat.
donalphons, 15:50h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 7. August 2013
Deutscher Sommer
Bei uns daheim an der Donau hat es sich irgendwie eingebürgert, dass alle, fast alle ins Freibad gehen. Kostet natürlich, und bedeutet auf der anderen Seite, dass die Seen praktisch frei sind. Als ich klein war, war das noch ganz anders, da hatte man eben den Stadortvorteil des Hauses am See und war dort, bevor die anderen kamen. Vielleicht ist es der Umstand, dass gar nicht so viele Leute hier in den Bädern und eigentlich alle am See sind, der dem Umfeld hier diesen Charme der 70er Jahre verleiht.
Man kann viel Böses über diese Gegend sagen, aber zumindest der Kelch der Gaudiparks und Erlebnisbäder ist weit an uns vorübergegangen: In Bad Tölz gibt es Pläne, das Alpa Mare mehr in Richtung Wellness unzubauen, was angesichts der alternden Gesellschaft und einer gewissen Riusikoscheu, die beim SUV zur Schulabholung beginnt und Rutschverboten endet, sicher keine dumme Idee ist. Das hier ist extrem "basic", würde man sagen: Wasser, Strand, Wiesen, und wer nicht schwimmt, segelt, oder rudert, bleibt halt liegen.
Sogar die Pommes am Strandbad sind enorm retro, zum Glück auch in der Menge, in der sie auf dem Papierteller serviert werden. Und wer weiss, vielleicht überlebt das alles auch so lang, dass es noch so ist, wenn die Menschen, leicht angeekelt vom Stress der Freizeitangebote und obendrein frustriert von den Fehlentwicklungen der Moderne, das wieder bevorzugen.
Internet gibt es hier nicht, Strom auch nicht und auch Mobiltelefone sieht man sehr selten. Es könnte auch 77 sein. Nicht erklärter Ausnahmezustand. Geheimdienstkontrollen an jedem Rechenzentrum. Da freut man sich über jede kleine Flucht aus der Überwachung.
Man kann viel Böses über diese Gegend sagen, aber zumindest der Kelch der Gaudiparks und Erlebnisbäder ist weit an uns vorübergegangen: In Bad Tölz gibt es Pläne, das Alpa Mare mehr in Richtung Wellness unzubauen, was angesichts der alternden Gesellschaft und einer gewissen Riusikoscheu, die beim SUV zur Schulabholung beginnt und Rutschverboten endet, sicher keine dumme Idee ist. Das hier ist extrem "basic", würde man sagen: Wasser, Strand, Wiesen, und wer nicht schwimmt, segelt, oder rudert, bleibt halt liegen.
Sogar die Pommes am Strandbad sind enorm retro, zum Glück auch in der Menge, in der sie auf dem Papierteller serviert werden. Und wer weiss, vielleicht überlebt das alles auch so lang, dass es noch so ist, wenn die Menschen, leicht angeekelt vom Stress der Freizeitangebote und obendrein frustriert von den Fehlentwicklungen der Moderne, das wieder bevorzugen.
Internet gibt es hier nicht, Strom auch nicht und auch Mobiltelefone sieht man sehr selten. Es könnte auch 77 sein. Nicht erklärter Ausnahmezustand. Geheimdienstkontrollen an jedem Rechenzentrum. Da freut man sich über jede kleine Flucht aus der Überwachung.
donalphons, 20:18h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 6. August 2013
Der Wert von Zeitungen
Man muss das ganz klar sehen:
The Boston Globe: Gekauft für 1,1 Milliarden Dollar im Jahr 1993, verkauft jetzt für 70 Millionen. Preisverfall wie bei einem zu Schanden gefahrenen Chevy Pickup. Mit dabei ist ie Onlinestrategie"The Big Picture", ein Format, für das ich gern trommle und das letzte Mal, als ich viele Bilder der Mille Miglia hatte, zur Antwort bekam, das ginge nicht, das sei zu viel Arbeit.
Die Washington Post: Verkauft mitsamt Paystrategie Online für 250 Millionen an einen Wallstreet-Mann, der Journalisten auch nicht anders als jeden anderen Kistenschieder in seinem kundenorientierten Imperium des Preisdrucks und der Kaputtmacherei behandeln wird. Wenn ich auf diese Figur jetzt Lobeshymnen lese, frage ich mich, in welchem Rektum die Autoren eigentlich während der New Economy gesteckt haben, wenn sie das nicht besser wissen.
Tumblr, eine mittelgrosse Blogplattform mit Katzenbildern und viel Pr0no: 1,1 Milliarden Dollar an Yahoo. Das sind halt so die Preise für Geschäftsmodelle, die die Zukunft noch nicht hunter sich haben.
Vielleicht ist Tumblr dann in 20 Jahren auch grandios wertlos, aber das hilft heute keinem.
Journalismus steht nicht am Abgrund, sondern ungefähr gerade hier:

Der Fluch des Journalismus sind die Leute, die ihn betreiben. Beim Guardian hat man mal deutlich gesagt, dass, wer auf dem neuen Kurs nicht mitmachen will, bitte gehen soll. Vielleicht rettet das den Guardian nicht, aber er fährt zumindest nicht mit Vollgas vor die Wand, wie man das in Deutschland gerne tut - bis man eben ein Anhängsel von Systemfirmen wie Amazon geworden ist, die dann das tun, was ihnen gefällt, und nicht mehr das, was als "vierte Gewalt" eigentlich wichtig wäre. Wie wahrscheinlich es ist, dass ein Herr Bezos eine Snowden-Geschichte fahren dürfte, wenn seine Cloud NSA-durchwanzt ist, kann sich jeder selbst denken.
Wir haben hier vielleicht 5 oder 10 Jahre, in denen man noch etwas tun kann. Ob es etwas bringt, kann niemand sagen (und schon gar nicht das bei SPONschleim gastschreibende Pack). Schon heute würde ich den Marktwert von Fefe höher als den von, sagen wir mal, Focus Online und Stern Online einschätzen. Das sind dann halt die neuen Leuchttürme, auf die man nicht verzichten möchte.
Aber die angeblich so vielfältige Presselandschaft mit dem allgemeinen Meinungsbrei und den neuesten Uhrenmodellen und den Autotests... nun ja. Also, ich habe meine Zweifel.
The Boston Globe: Gekauft für 1,1 Milliarden Dollar im Jahr 1993, verkauft jetzt für 70 Millionen. Preisverfall wie bei einem zu Schanden gefahrenen Chevy Pickup. Mit dabei ist ie Onlinestrategie"The Big Picture", ein Format, für das ich gern trommle und das letzte Mal, als ich viele Bilder der Mille Miglia hatte, zur Antwort bekam, das ginge nicht, das sei zu viel Arbeit.
Die Washington Post: Verkauft mitsamt Paystrategie Online für 250 Millionen an einen Wallstreet-Mann, der Journalisten auch nicht anders als jeden anderen Kistenschieder in seinem kundenorientierten Imperium des Preisdrucks und der Kaputtmacherei behandeln wird. Wenn ich auf diese Figur jetzt Lobeshymnen lese, frage ich mich, in welchem Rektum die Autoren eigentlich während der New Economy gesteckt haben, wenn sie das nicht besser wissen.
Tumblr, eine mittelgrosse Blogplattform mit Katzenbildern und viel Pr0no: 1,1 Milliarden Dollar an Yahoo. Das sind halt so die Preise für Geschäftsmodelle, die die Zukunft noch nicht hunter sich haben.
Vielleicht ist Tumblr dann in 20 Jahren auch grandios wertlos, aber das hilft heute keinem.
Journalismus steht nicht am Abgrund, sondern ungefähr gerade hier:

Der Fluch des Journalismus sind die Leute, die ihn betreiben. Beim Guardian hat man mal deutlich gesagt, dass, wer auf dem neuen Kurs nicht mitmachen will, bitte gehen soll. Vielleicht rettet das den Guardian nicht, aber er fährt zumindest nicht mit Vollgas vor die Wand, wie man das in Deutschland gerne tut - bis man eben ein Anhängsel von Systemfirmen wie Amazon geworden ist, die dann das tun, was ihnen gefällt, und nicht mehr das, was als "vierte Gewalt" eigentlich wichtig wäre. Wie wahrscheinlich es ist, dass ein Herr Bezos eine Snowden-Geschichte fahren dürfte, wenn seine Cloud NSA-durchwanzt ist, kann sich jeder selbst denken.
Wir haben hier vielleicht 5 oder 10 Jahre, in denen man noch etwas tun kann. Ob es etwas bringt, kann niemand sagen (und schon gar nicht das bei SPONschleim gastschreibende Pack). Schon heute würde ich den Marktwert von Fefe höher als den von, sagen wir mal, Focus Online und Stern Online einschätzen. Das sind dann halt die neuen Leuchttürme, auf die man nicht verzichten möchte.
Aber die angeblich so vielfältige Presselandschaft mit dem allgemeinen Meinungsbrei und den neuesten Uhrenmodellen und den Autotests... nun ja. Also, ich habe meine Zweifel.
donalphons, 20:59h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 6. August 2013
Hoppla
Am Morgen hiess es noch: Arbeit, Verpflichtungen, Termine, lang Versäumtes erledigen und keine Chance, dem zu entgehen. Aber dann nahm der Tag eine Wende und eh ich es überhaupt merkte, sass ich wieder auf der Bank mit Blick auf die Berge, die Kellnerin servierte Bergkäsnockerl, und zufriedene Menschen waren guter Laune.

Erst der Mensch, dann das Problem. So soll das sein, finde ich.

Erst der Mensch, dann das Problem. So soll das sein, finde ich.
donalphons, 00:39h
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Zusammen lesen, was zusammen gehört
Da sind zwei fluffige Sommergeschichten bei der FAZ, die irgendwie zusammen gehören, denn die I.(mt der ich die Pläne für ein Ministerium für Singles, Sex und gute Stimmung entwickelt hate) war auch schon im Parkcafe und den Grünwalder Festen dabei.
Edit: Jetzt mit richtigen Links! (Sorry, die Hitze.)
Edit: Jetzt mit richtigen Links! (Sorry, die Hitze.)
donalphons, 21:15h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 4. August 2013
In schlechten und in ganz schlechten Tagen
Irgendwo muss ja all das Wasser hin, das in den letzten Wochen die Niederungen und die Luft so stickig gemacht hat, und dann ist es eben schlagartig Frühherbst, die offenen Fenster klappern im Wind, und die Regenrinnen können all das Grau, was sich vom Himmel ergiesst, gar nicht mehr fassen. Und mit dem Himmel trübt sich die Stimmung ein, die Gedanken gehen zu alten Fehlern und Versäumnissen, die ihre giftigen Stachel in die Gegenwart recken. Da wäre es schön, eine Ablenkung zu haben, aber das Buch von Attilio Brilli, das so vergnüglich klang, ist zäh und ungeniessbar wie altes, speckiges Leder. Überhaupt, wie man über so ein saftiges Thema wie das Reisen in Italien ein derartig verkopftes Buch schreiben kann, mit einer Einleitung wie aus den schlimmsten Autorenfedern des Feuilletons, so überzogen besserwiseriscch, schwer und angebend - das verstehe ich nicht.


Doch statt aschfahl am Fenster zu sitzen, ist mir beim Denken an meine vielen Irrungen eine eingefallen, die seit Monaten im Abstellraum wartet. Gekauft im bitterkalten Februar aufgrund einer Laune und des günstigen Preises, das Interesse verloren wegen anderer Projekte und des ersten kleinen Problems, weggeräumt mit dem Gefühl, dass diese kleine Sache teuer würde - so kam das. Aber beim Regen ist mir dann die Lösung beim Öffnen eines Schubladens entgegen gefallen, das kleine Teil, das damals verloren schien, und bei genauerer Betrachtung fehlt gar nicht so viel Arbeit, um es zu vollenden. Und kaum eine schönere Arbeit gibt es, in Finsternis die nächste Rakete zu bauen, um mit ihr dann in der kommenden Hitzewelle über das Land zu jagen. Es ist eine Versprechung einer besseren Zukunft, und so viel besser als das Grübeln über Dinge, die so schlecht waren, obwohl das Beste getan wurde.


Schwarz muss es sein wie die Sünde, und in Tagen wie diesen unamerikanisch; zum Glück wurde Scott, bei denen früher dick USA auf den Rahmen stand, an Leute verkauft, die etwas vom Rennrad verstehen und zudem in Europa bauen. Nur der Name klingt noch amerikanisch, der Rest kommt aus Japan, Frankreich, dr Schweiz und Italien. Es war nicht gerade klug, es zu kaufen, allenfalls entschuldbar, aber es sind dann diese Tage, da alles andere so sinnlos und leer erscheint, diese Tage des nächsten drohenden Winters, da etwas sein muss, das man tun kann, wenn sonst schon alles vergebens scheint. Man macht Fehler, man gibt sich dem Unvermeidlichen hin, und man baut etwas an, um vielleicht später zu ernten. Den Ausgang der Geschichte kennt niemand, aber alles ist manchmal besser als die Erinnerung, und während meine Hände schwarz vom Fett werden, strahlen weiss die Hoffnungen einer noch unbeschmutzten Zukunft.


Doch statt aschfahl am Fenster zu sitzen, ist mir beim Denken an meine vielen Irrungen eine eingefallen, die seit Monaten im Abstellraum wartet. Gekauft im bitterkalten Februar aufgrund einer Laune und des günstigen Preises, das Interesse verloren wegen anderer Projekte und des ersten kleinen Problems, weggeräumt mit dem Gefühl, dass diese kleine Sache teuer würde - so kam das. Aber beim Regen ist mir dann die Lösung beim Öffnen eines Schubladens entgegen gefallen, das kleine Teil, das damals verloren schien, und bei genauerer Betrachtung fehlt gar nicht so viel Arbeit, um es zu vollenden. Und kaum eine schönere Arbeit gibt es, in Finsternis die nächste Rakete zu bauen, um mit ihr dann in der kommenden Hitzewelle über das Land zu jagen. Es ist eine Versprechung einer besseren Zukunft, und so viel besser als das Grübeln über Dinge, die so schlecht waren, obwohl das Beste getan wurde.


Schwarz muss es sein wie die Sünde, und in Tagen wie diesen unamerikanisch; zum Glück wurde Scott, bei denen früher dick USA auf den Rahmen stand, an Leute verkauft, die etwas vom Rennrad verstehen und zudem in Europa bauen. Nur der Name klingt noch amerikanisch, der Rest kommt aus Japan, Frankreich, dr Schweiz und Italien. Es war nicht gerade klug, es zu kaufen, allenfalls entschuldbar, aber es sind dann diese Tage, da alles andere so sinnlos und leer erscheint, diese Tage des nächsten drohenden Winters, da etwas sein muss, das man tun kann, wenn sonst schon alles vergebens scheint. Man macht Fehler, man gibt sich dem Unvermeidlichen hin, und man baut etwas an, um vielleicht später zu ernten. Den Ausgang der Geschichte kennt niemand, aber alles ist manchmal besser als die Erinnerung, und während meine Hände schwarz vom Fett werden, strahlen weiss die Hoffnungen einer noch unbeschmutzten Zukunft.
donalphons, 18:05h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 3. August 2013
Hitzewelle
Es gibt in Zeiten wie diesen andere wünschenswerte Tätigkeiten, als an einem Grill zu stehen, wo es noch etwas heisser als draussen ist. Ich für meinen Teil verrammle um 9 Uhr die Fenster, gehe zügig zum Wochenmarkt und kaufe ein Pfund Pilze. Die werden in der Küche je nach Grösse ganz gelassen, halbiert, geviertelt und dann 5 Minuten gekocht.
Das ist dann schon heiss genug, in einer Schale mit Goldrand mache ich dann Esig, Öl und Zwiebeln an.
Nebenbemerkung: Goldrand wäre auch ein sehr schöner Name für eine Agentur für Texte.
Ausserdem reibe ich den Pecorino. Ich weiss auch nicht, warum ich den im Moment lieber als den Grana Padano mag, es ist halt so. Zumindeus bei eingelegten Pilzen.
Ab in den Kühlschrank! Das alles ist sehr einfach, spottbillig und nährt mit Brot, am besten bei 10 Grad genossen, einen ganzen Tag. Gar kein Vergleich zu dem, was man in Spezialitätenläden dafür zahlt. Und es schmeckt mit frischen Pilzen und einem guten Öl eindeutig besser.
Irgendann kühlt der Tag dann ab. Und ein Anruf von daheim verkündet, dass Blaubeeren da wären. Und iw Jihannesbeeren gezupft werden sollen.
Das ist zwar, zusammengenommen, weder allzu ausgewogene Ennährung noch engagierter Sport, aber es reicht für so einen verdämmerten Tag, an dem es für alles andere zu heiss ist.
Ich schreibe eine Geschichte über Grosstanten für mich selbst. Und darüber, wie schön jetzt eine Sommerfrische wäre. Im Westen ballen sich aber schon Gewitter zusammen, die sich in der Nacht über den Ausgehern krachend entladen, und die Wohnung wieder schön kühlen.
Das ist dann schon heiss genug, in einer Schale mit Goldrand mache ich dann Esig, Öl und Zwiebeln an.
Nebenbemerkung: Goldrand wäre auch ein sehr schöner Name für eine Agentur für Texte.
Ausserdem reibe ich den Pecorino. Ich weiss auch nicht, warum ich den im Moment lieber als den Grana Padano mag, es ist halt so. Zumindeus bei eingelegten Pilzen.
Ab in den Kühlschrank! Das alles ist sehr einfach, spottbillig und nährt mit Brot, am besten bei 10 Grad genossen, einen ganzen Tag. Gar kein Vergleich zu dem, was man in Spezialitätenläden dafür zahlt. Und es schmeckt mit frischen Pilzen und einem guten Öl eindeutig besser.
Irgendann kühlt der Tag dann ab. Und ein Anruf von daheim verkündet, dass Blaubeeren da wären. Und iw Jihannesbeeren gezupft werden sollen.
Das ist zwar, zusammengenommen, weder allzu ausgewogene Ennährung noch engagierter Sport, aber es reicht für so einen verdämmerten Tag, an dem es für alles andere zu heiss ist.
Ich schreibe eine Geschichte über Grosstanten für mich selbst. Und darüber, wie schön jetzt eine Sommerfrische wäre. Im Westen ballen sich aber schon Gewitter zusammen, die sich in der Nacht über den Ausgehern krachend entladen, und die Wohnung wieder schön kühlen.
donalphons, 11:33h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 3. August 2013
Schutzengel
Früher gab es diese urbane Legende, dass der Hubschrauber abends immer die Route über das Ärzteviertel nimmt, damit sie nach Feierabend schon wissen, dass neue Arbeit kommt. Tatsächlich aber fliegen sie in die jeweilige Richtung auf kürzestem Wege; es scheint nur so, weil das Ärzteviertel den Flughafen zur Autobahn hin abdeckt, und um diese Jahreszeit sind die entsprechenden Kräfte sowieso immer im OP-Saal vor Ort. Es herrscht Hochbetrieb auf den Strassen und am Himmel.



Selbst ich, der ich das Privileg habe, nicht dann reisen zu müssen, wenn es andere tun, weiss leider nur zu genau, wie es auf den Strassen zugeht. Schlimm ist es besonders von Süd nach Nord, denn dann haben sie viele hundert geschwindigkeitsbegrenzte Kilometer auf zwei Spuren hinter sich. Auf dem Rücksitz quengeln die Kinder, dass sie immer noch Urlaub und keine Schule wollen, nebenan sitzt die Frau, der sie sich etwas entfremdet haben, und deshalb geben sie Gas. Das Benzin ist teuer? Völlig egal. Noch 500 Kilometer nach Wanne-Eickel. Und so kommt es, dass ich bei meinen Touren durch den Auwald selten unter der Flugroure zu den neuralgischen Stellen im Süden vorbeikomme, ohne dass irgendwo ein Rettungshubschrauber in der Luft wäre. Es fällt einfach auf.



Langsam krauche ich dagegen über die Erde, langsam fallen die Halme, die Monate zum wachsen brauchten: Es ist immer noch das Gesetz der Jahreszeiten, nach dem ich mich bewege, während auf dem Asphalt jede Minute zu zählen scheint.Die Strecke an den Tegernsee ist kein Hindernis durch ihre Entfernung, aber manchen halben Tag habe ich schon gewartet, damit ich ohne Gefährdung durchkomme. Mit all den Riesenvehikeln, die von Leuten gefahren werden, die sonst nur das Innere von Städten kennen, die genervt und erschöpft sind, ist die Vorstellung eines Unfalls mit der Barchetta über alle Massen unangenehm. Vor anderhalb Monaten, als es mit dem Urlaub los ging, hatte ich da so ein Erlebnis, bei dem der Hubschrauber beinahe Startfreigabe bekommen hätte. Und dass ich vollkommen nichts dafür gekonnt hätte, wäre auch kein besonderer Trost gewesen.



Urlaub, das war schon in meiner Kindheit so. sollte man erst machen, wenn die Norddeutschen wieder daheim sind. Dann ist auch wieder mehr in den italienischen Städten los, die Preise fallen und die Unfallchirurgen haben wieder Zeit, mir meine Gemälde wegzukaufen. Im September wird es im Süden erst richtig schön, bis dahin überlasse ich die Plätze am Himmel, sei es nun über oder unter den Wolken, gern anderen. Es ist auch ganz nett hier, gerade am Abend. Ruhig. Still. Friedlich. Manchmal höre ich eine halbe Stunde nichts Menschliches, bis dann der nächste Hubschrauber kommt.
Das meiste davon müsste wirklich nicht sein. Auf dem einzigen Strassenstück meiner Tour jedoch hat jemand einen Gullideckel, recht hoch, gusseisern und brandgefährlich, liegen lassen; die Autos wichen aus, und mir blieb es dann vorbehalten. das Ding wegzuschleppen. Aber das sind dann acuh so die Gründe, warum ich froh bin, wenn zur Zeit wenige Mneschen meine Wege kreuten.



Selbst ich, der ich das Privileg habe, nicht dann reisen zu müssen, wenn es andere tun, weiss leider nur zu genau, wie es auf den Strassen zugeht. Schlimm ist es besonders von Süd nach Nord, denn dann haben sie viele hundert geschwindigkeitsbegrenzte Kilometer auf zwei Spuren hinter sich. Auf dem Rücksitz quengeln die Kinder, dass sie immer noch Urlaub und keine Schule wollen, nebenan sitzt die Frau, der sie sich etwas entfremdet haben, und deshalb geben sie Gas. Das Benzin ist teuer? Völlig egal. Noch 500 Kilometer nach Wanne-Eickel. Und so kommt es, dass ich bei meinen Touren durch den Auwald selten unter der Flugroure zu den neuralgischen Stellen im Süden vorbeikomme, ohne dass irgendwo ein Rettungshubschrauber in der Luft wäre. Es fällt einfach auf.



Langsam krauche ich dagegen über die Erde, langsam fallen die Halme, die Monate zum wachsen brauchten: Es ist immer noch das Gesetz der Jahreszeiten, nach dem ich mich bewege, während auf dem Asphalt jede Minute zu zählen scheint.Die Strecke an den Tegernsee ist kein Hindernis durch ihre Entfernung, aber manchen halben Tag habe ich schon gewartet, damit ich ohne Gefährdung durchkomme. Mit all den Riesenvehikeln, die von Leuten gefahren werden, die sonst nur das Innere von Städten kennen, die genervt und erschöpft sind, ist die Vorstellung eines Unfalls mit der Barchetta über alle Massen unangenehm. Vor anderhalb Monaten, als es mit dem Urlaub los ging, hatte ich da so ein Erlebnis, bei dem der Hubschrauber beinahe Startfreigabe bekommen hätte. Und dass ich vollkommen nichts dafür gekonnt hätte, wäre auch kein besonderer Trost gewesen.



Urlaub, das war schon in meiner Kindheit so. sollte man erst machen, wenn die Norddeutschen wieder daheim sind. Dann ist auch wieder mehr in den italienischen Städten los, die Preise fallen und die Unfallchirurgen haben wieder Zeit, mir meine Gemälde wegzukaufen. Im September wird es im Süden erst richtig schön, bis dahin überlasse ich die Plätze am Himmel, sei es nun über oder unter den Wolken, gern anderen. Es ist auch ganz nett hier, gerade am Abend. Ruhig. Still. Friedlich. Manchmal höre ich eine halbe Stunde nichts Menschliches, bis dann der nächste Hubschrauber kommt.
Das meiste davon müsste wirklich nicht sein. Auf dem einzigen Strassenstück meiner Tour jedoch hat jemand einen Gullideckel, recht hoch, gusseisern und brandgefährlich, liegen lassen; die Autos wichen aus, und mir blieb es dann vorbehalten. das Ding wegzuschleppen. Aber das sind dann acuh so die Gründe, warum ich froh bin, wenn zur Zeit wenige Mneschen meine Wege kreuten.
donalphons, 00:36h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 1. August 2013
Gold tanken
Komsequente Menschen würden vermutlich sagen, dass sie Dinge, die sie nicht nutzen, weggeben, wegwerfen, oder am besten gleich zu Geld machen. Da hat man mit meinen Marotten natürlich einen anderen Zugang, denn Gemälde und Stiche kann man nicht benutzen, und natürlich gibt es Silberkannen, die sind so alt, dass man sie nicht gerne hernimmt. Ein Grenzfall sind Geschichten wie das Specialized.



Gekauft in nicht gerader guter Stimmung - der letzten Heimfahrt aus Italien für längere und nicht unbedingt schöne Zeiten, war es meht so eine Art Verzweiflungstat. Es war schon recht teuer, und es ist etwas Besonderes. Normalerweise sagt man sich, das braucht man weil - und dann kommt eine halbwegs glaubwürdige Bedingung. An dem Tag war es aber mehr so: Ist doch eh alles egal, Was ist schon morgen? Morgen war dann verkatert, denn ich bin dann falsch gefahren, über eine verregnete Bergstrasse ohne Tankstelle mit wenig Benzin, und erst so gegen Mitternacht war ich dann nördlich des Gardasees auf der Autobahn. Es war keine Herzensangelegenheut, sondern mehr La Noia. Und der Wunsch, wieder in Bewegung zu kommen.



Nicht mir jeder Teekanne verbinde ich nur angenehme Stunden, und nicht bei jedem Rad war es die Lebenslust. Es ist etwas ganz anderes, in Italuen ein Rad zu kaufen, damit in endlosen Monaten durch Cremona, Verona oder Mantua zu fahren, sich einzureihen in den Strom der zufriedenen Menschen und zu verschmelzen. Das hier war auf den letzten Drücker, danach wurde es finter, ich verbinde damit bislang eigentlich nur Herbst, Winter und ein nicht stattgefundenes Frühjahr.So viel Zeit, um andere Räder zu basteln. So wenig Möglochkeiten: Wie scheusslich dieses Land wirklich sein kann, das weiss man erst, wenn man so ein Rad hat, das gefahren werden möchte. Und dann fehlt dazu die Möglichkeit.



Vielleicht habe ich auch einfach nur zu viele Räder.
Aber dann kommt so ein Tag, der heiss und golden ist, ein Tag, da sich das funkelnde Metall im Rahmen und auf den Feldern findet, und man möchte immer nur weiter fahren und weiter und gar nicht mehr anhalten, weil alles stimmt. Es ist Dunst von der Ernte in der Luft, wie feiner Goldstaub, es ist Gold im Himmel und Gold auf den leeren Feldern, es ist schon warm, und auch die Haut glänzt golden im Licht.
Und so habe ich meinen Frieden mit dem Rad und der Zeit davor gemacht. Ein wenig, zumindest. Es dauert, bis das Gold wieder durh die Haut einsickert und den Menschen erfüllt.Aber wenn es erst einmal die Knochen wärmt, bleibt es hoffentlich für länger.
Wie das Rad. Brauchen tue ich es nicht, aber ich möchte es behalten,



Gekauft in nicht gerader guter Stimmung - der letzten Heimfahrt aus Italien für längere und nicht unbedingt schöne Zeiten, war es meht so eine Art Verzweiflungstat. Es war schon recht teuer, und es ist etwas Besonderes. Normalerweise sagt man sich, das braucht man weil - und dann kommt eine halbwegs glaubwürdige Bedingung. An dem Tag war es aber mehr so: Ist doch eh alles egal, Was ist schon morgen? Morgen war dann verkatert, denn ich bin dann falsch gefahren, über eine verregnete Bergstrasse ohne Tankstelle mit wenig Benzin, und erst so gegen Mitternacht war ich dann nördlich des Gardasees auf der Autobahn. Es war keine Herzensangelegenheut, sondern mehr La Noia. Und der Wunsch, wieder in Bewegung zu kommen.



Nicht mir jeder Teekanne verbinde ich nur angenehme Stunden, und nicht bei jedem Rad war es die Lebenslust. Es ist etwas ganz anderes, in Italuen ein Rad zu kaufen, damit in endlosen Monaten durch Cremona, Verona oder Mantua zu fahren, sich einzureihen in den Strom der zufriedenen Menschen und zu verschmelzen. Das hier war auf den letzten Drücker, danach wurde es finter, ich verbinde damit bislang eigentlich nur Herbst, Winter und ein nicht stattgefundenes Frühjahr.So viel Zeit, um andere Räder zu basteln. So wenig Möglochkeiten: Wie scheusslich dieses Land wirklich sein kann, das weiss man erst, wenn man so ein Rad hat, das gefahren werden möchte. Und dann fehlt dazu die Möglichkeit.



Vielleicht habe ich auch einfach nur zu viele Räder.
Aber dann kommt so ein Tag, der heiss und golden ist, ein Tag, da sich das funkelnde Metall im Rahmen und auf den Feldern findet, und man möchte immer nur weiter fahren und weiter und gar nicht mehr anhalten, weil alles stimmt. Es ist Dunst von der Ernte in der Luft, wie feiner Goldstaub, es ist Gold im Himmel und Gold auf den leeren Feldern, es ist schon warm, und auch die Haut glänzt golden im Licht.
Und so habe ich meinen Frieden mit dem Rad und der Zeit davor gemacht. Ein wenig, zumindest. Es dauert, bis das Gold wieder durh die Haut einsickert und den Menschen erfüllt.Aber wenn es erst einmal die Knochen wärmt, bleibt es hoffentlich für länger.
Wie das Rad. Brauchen tue ich es nicht, aber ich möchte es behalten,
donalphons, 23:37h
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