: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 15. April 2004

Generation Y in 68er Retro

Das Orange, die runden Formen, die quadratischen Hocker sind nur noch Kulisse der teuer bezahlten Andersartigkeit.



Abba war lange vor der Geburt, ist aber cool. Kraftwerk ist Techno 0,981beta. Das Revoltendesign nur noch eine Komponente der Patchwork-Identität. Pacman illustriert den Karriereplan.

Hauptsache blond.

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Real Life 14.4.2004 - Besterwisser

In Ingolstadt gibt es ein Wirtschaftsinstitut, und dort wiederum einen Blogger - http://www.matthias-schlecker.de/. Ein Stück Heimat, gewissermassen. Jahrelang hatte ich ihn und seine Alumnis direkt vor dem Fenster, dann nach dem Beginn der New Economy, auch in den Firmen, mit denen ich zu tun bekam. Oft im Marketing, also dort, wo zuerst geholzt wurde. Manche sah ich nur einmal, bei der Vorstellung, beim ersten ernsten Gespräch waren sie schon weg.

Die meisten Mädchen von früher sind, soweit ich das weiss, verheiratet, die Männer haben ihre Ansprüche nach unten geschraubt und arbeiten, wenn überhaupt, weit unter dem, was sie sich früher als Einstiegsgehalt vorgestellt hatten. Eine Reihe von Ingolstädter Studienangeboten, die 1998 noch State of the Art waren, sind heute überflüssig wie ein Kropf.

Aber davon merkt man nichts, wenn man, abgeschottet von der Realität da draussen, in Ingolstadt studiert, die Brand1 liest und kostenlos w&v bekommt. Es hat fast etwas britisch-antiquiertes, das nicht eines gewissen morbiden Reizes entbehrt. Es ist in sich abgeschlossen wie eine Psychose, die Studenten bleiben unter sich und träumen von einer Zukunft, die längst Vergangenheit ist. An den Wochenenden streben sie in Polo und Golf nach Hause, in die Villen und Vorstädte, und ahnen nichts von dem, was sie erwartet. Reden über das, was sie gelernt haben, und Papa ist stolz.

Nichts hat sich geändert in den Köpfen der kommen wollenden Elite. Sie kennen sich aus in dem, was sie lernen. So liest sich das dann auch, was im Blog steht.

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Dienstag, 13. April 2004

Heldenimport

Es geht ihnen dreckig. Der Nachwuchs bleibt aus. Die Kids in Berlin haben zwar keine Zukunft, aber die wollen sie nutzen. Zumindest halbwegs ordentlich Geld vom Arbeitsamt bekommen. Da sind die Theorien des schwarzen Blocks nicht hilfreich, auch wenn es sich beim Plündern der Hartzgesetze indirekt um klassische Aneignung handelt.



Also kommt der Nachwuchs aus Osteuropa, wo es keine 68er gab, nur die Mär, die man aus der ferne hörte, wie frei das doch alles gewesen sein muss. Das lockt sie an. Sie sind noch nicht so frustriert wie die einheimischen Restbestände. Sie wollen es nochmal wissen.

Gegenüber ruht gerade der Bau. Solange die Immobilienfonds noch bröckeln wie die Mauern in ihrer schwarzen Burg, leben sie sicher. Es lohnt sich noch nicht, sie zu vertreiben.

Aber man wird sie irgendwann wegräumen. Die deutschen Reste der 68er Besetzerszene werden sich verkrümeln, weil es nicht mehr so wichtig ist, und so teuer sind Wohnungen jetzt auch nicht. Die Osteuropäer werden abgeschoben.

Alle werden froh sein, wenn der 1. Mai ruhig bleibt.

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Montag, 12. April 2004

Beruhigend

Gestern Abend mit Bleikristall in der Hand über ein gewisses Buch gesprochen, und den literaturbetriebsbedingten Kretinismus der Autorin. Pack gesellt sich gerne, denn die Dame mit dem Hang zum aufgebrühten Alt-68er-Sprachexperiment fand sich am selben Tag als Interview in der Springerpresse wieder.

Ich kenne einen Verleger, der dieses Organ liebt. Seine Bücher, die nicht eben kritisch mit der Wirtschaft umgehen und Profit verheissen, rauschen bei derartigen Gelegenheiten bei Amazon durch die Decke. Der vorliegende Fall nun bleibt kleben, wo er ist.

Eine Lose-Lose-Situation für die Leser der Zeitung und die Autorin, deren Presseabteilung sich zu solchen Gelegenheiten sicher ärgern wird. Auch, wenn die Autorin selbst so tut, als sei strategisches Marketing, Zielgruppenanalyse und Reichweitenermittlung böses Teufelszeug, das aus Menschen Zombies macht.

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In drei Stunden muss ich mich entscheiden

ob ich meinen kleinen Minusgefühlen Raum lasse, oder ob ich zurückhaltend die Vergangenheit ruhen lasse.

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Real Life 11.4.2004 - Es ist die Gleichzeitigkeit,

das Zappen mit Realitäten, die Parallelität von billigen Töpfen und Bleikristall, von Brut und Saft, das unfertige und nicht perfekte,



das Nebeneinander von Unpassendem, Unversöhnlichem, von abstrakter Freundschaft und konkretem Hintenrum, und über all dem diese hilflose Ironie, gepaart mit einem neurotischen Zwang zur Öffentlichkeit, das die Generation Tempo (c) j.t. ausmacht. Weil eben anything goes.

Hochwertiges Scheitern, zeitweise.

Aber der Kuss war gut.

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Sonntag, 11. April 2004

Andere feiern heute die Auferstehung.

Wir von Dotcomtod feiern heute 3 Jahre Unter-die-erde-bringen von Startups. Und von denen ist noch keines wieder auferstanden. Hoffen wir mal, dass es so bleibt.

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WIR

Wenn jemand ganz gross wir draufschreibt



meint er vor allem sich selbst, seine Firma, seine Immoblilienspekulation, sein Geld, seinen Ruhm, sein Generationenbuch. Aber nicht uns, sobald wir bezahlt haben.

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You gotta face it

The Face is dead. Ein Thema weniger auf Parties mit Werbemenschen, und die Modezeitschriften in Deutschland müssen woanders klauen.

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Samstag, 10. April 2004

Die Skalpe meiner Feinde

Es gab so eine Zeit, rund um das Jahr 2000, da bekam man die Beratungsprojekte nicht auf CD-Roms, sondern auf einem alten Laptop. Auf der einen Seite konnte man so relativ sicher sein, dass nicht sofort die CDs die Runde machten. Und wie der Zufall es haben wollte, waren manchmal die Anschlüsse der Laptops verklebt oder unterbrochen. Einer gewissen Beliebtheit erfreuten sich damals Compaqs der Serie 4220T, ehemals astronomisch teure Teile, 1998 sehr fortschrittlich, nur ohne USB und CD-Laufwerk.

Nach Ende der Arbeit wurden die Daten gelöscht, und man konnte den Laptop behalten - 2000 waren sie mit ihren 12.1-Zoll-Displays und 266er Prozessoren rettungslos veraltet. Zumindest für die Startups, bei denen es nie an Laptops mangelte.

Als mein Buch erschien, fragte mich eine IT-Journalistin im Interview, wieviele Rechner ich eigentlich habe. Damals hatten sich 5 Laptops angesammelt: Neben meinem eigenen Siemens ein Compaq Aero 8000 aus der Zeit, als Compaq zerschlagen wurde, zwei Compaq 4220T, ein HP Omnibook - alle in der grossen Zeit oder kurz danach auf die eine oder andere Art bekommen, als Bonus verdient, oder schlichtweg nicht mehr abgeholt, weil die Firma dahinter nicht mehr existierte.

Mit jedem Rechner verbindet sich eine Geschichte, und auch ein Schicksal, denn alle, die mir die Laptops gaben, hat es bald danach aus ihrer Lebensbahn geworfen. Manche schlimm, andere total. Das waren damals grossspurige Angeber, phantastische Aufreisser, Lügner, teilweise auch schlicht Kriminelle.

Andere Geschichten haben keine Fragmente in meiner Realität hinterlassen. Die grosse Zeit der New Economy ging 2001 für immer unter, und keiner verschenkte mehr Laptops. Die wurden benutzt, bis sie Schrott waren. Für Neuanschaffungen war kein Geld mehr da.

Einer der Typen, mit denen ich in der Endphase zu tun hatte, ist vor ein paar Monaten endlich pleite gegangen. Der Insolvenzverwalter langt richtig hin, und der frühere leitende Angestellte musste alles abgeben: Firmenwagen, Firmenrechner, Firmenkarten. Was an Assets da ist, wird bei ebay verkauft. Tatsächlich fand ich jetzt die Reste: Die Möbel, die billigen Acers der normalen Mitarbeiter, und die executive Compaqs M700 der Manager. Kosteten damals gut und gerne 6500 Euro, erzählte man mir damals, mit allen Schikanen, aber man leistete sich ja sonst nichts, ausser einem Dienst-Z3.

Jetzt ist sein Laptop von früher zu haben. Nicht dass ich ihn bräuchte. Aber ich werde ihn wahrscheinlich kaufen. Um manchmal, so wie er damals, mit dem Finger über die Magnesiumhülle zu gleiten, und zu überlegen, was jetzt wohl aus ihm geworden ist. Google verrät nichts dazu. Nicht gut, das.

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Samstag, 10. April 2004

Es könnte Kunst sein

zumindest hat die singuläre, blaue Neonröhre etwas dramatisch sinnhaltiges. Was sagen uns die verschlossenen Schränke im Hintergrund? Es ist ein Interieur der Abwesenheit, des Fehlens, der Reduktion auf das Wesentliche: Licht und Raum, und alles andere ist symbolischin teuren Schränkn weggeschlossen, um so den Wert des Nichts zu vergrössern



Es könnte auch nur eines der zigtausenden leerstehenden Immobilienobjekte sein, die früher so begehrt waren, dass man sich die teuren Wandschränke anpassen liess. Bevor man sich das nicht mehr leisten konnte.

Es ist Letzteres. Keine Kunst. Nur lautloser, gegenstandsloser Zerfall.

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Lesenswert

Kai Pahl zeigt den Wirtschaftsjournalisten, wie man Nachrichten macht: Sinner-Schrader, einstmals hochgelobte Internet-Agentur, geht geld- und sinnentleert dem Nichts entgegen, und die Gründer freuen sich. Die Freunde bei der Presse von damals schweigen heute.

In Hamburg werden bald Räume zum Mieten frei. Viele Räume. Und tolle Einrichtung.

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Freitag, 9. April 2004

Masseunzulänglichkeit

Wenn sie wenigstens Eames-Tische gekauft hätten, wäre noch eine gewisse Entschädigung für die Schuldner möglich gewesen.

So rotten die Tische vor sich hin, bis sich ein neuer Mieter für die Räume finden wird. Ist aber eher unwahrscheinlich. Es ist zwar Mitte, aber trotzdem keine gute Lage. Nebenan ist nochmal ein halbes Dutzend Büroräume provisionsfrei zu vermieten. Und die Räume sind so trist, dass man darin zwangsläufig depri wird.



Note to the english Readers: Berlin Mitte Office, April 2004, during the great New Economy Depression 2000 -2008.

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Real Life 4.4.2004 - Hassmangel

"Ohne die 68er könntest Du heute nicht so leben, wir alle nicht, wie wir heute leben können." Der Traum von dem stinkenden Faulsack Dutschke, den verstörten Intellektuellen der Frankfurter Schule, den Barrikaden, irgendwie alles Sachen, die die viel zu junge Dame, die das sagt, nie kennengelernt hat. Und auch nicht mehr kennenlernen wird.

Sie versteht den weissglühenden Hass nicht, den man gegenüber dem reaktionären Pack empfinden muss, das 68 glaubte, die Welt zu ändern. Und zu verbohrt, blöd, egoman war, um zu kapieren, dass es vollkommen normale Wahlen waren, die den Umschwung brachten. Trotzdem haben sie den Wechsel für sich reklamiert. Und Ansprüche daraus abgeleitet. Zum Beispiel, dass Teenager keine Anzüge tragen dürfen. Oder weisse Hemden.

Dabei hielten sie sich 1970 noch für gescheitert. Keine Weltrevolution, oooch. Aber dann setzte die Umdeutung der Geschichte ein. Wer sich selbst so belügen kann, dass er an Mao und Lenin glaubt, der kann sich auch einbilden, dieses Land verändert zu haben.

Dem verdanken wir so tolle Erungenschaften wie den Philosemitismus, die Gedenkkultur, Einewelthäuser, Kirchenvorstände für Kirche von unten statt, was mehr Spass machen könnte, Ficken von hinten, die Grünen, demnächst wieder die lachhaften Reste der Ostermärsche, und zigtausende von Bioläden mit wertvollem Öl aus der Toskana, fussgepresst von Lesben kurz nach der Mens.

Ach so, richtig, und die RAF. Mit der sie damals gegen das Schweinesystem rebellieren wollten. So richtig. Imnmerhin.

Es spricht gegen mich und meine Freunde, dass wir nach dem Scheitern der New Economy nichts Vergleichbares auf die Füsse gestellt haben, um das Schweinesystem der 68er wegzupusten. Das rächt sich. Schirrmacher schreibt über das Älterwerden für sich und seine 68er-Kumpane.

Wieso wollen die? Warum sollen sie? Dürfen sie? Warum wird ihnen das gestattet? Frage ich zurück.

Das findet die junge Dame dann doch etwas zu radikal. Und wechselt zum Thema Kinderkriegen.

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Donnerstag, 8. April 2004

H&Mitte

Es ist billig, sieht mässig gut aus, fühlt sich hässlich an und landet nach 3 Monaten im Müll. Es wird nie Vintage H&M geben, wie es heute Vintage Gaultier gibt. Macht nichts. Dazu quäkt es aus den MP3-Playern, oder man schnattert selbst, wenn man aus dem laden kommt und die typischen Tüten mit dem kleinen roten Logo dabei hat.



Hauptsache billig. Bang & Olufsen hat dagegen keine Chance, in einer Zeit, da die Wegwerfbarkeit, das Deinstallieren von Dingen längst zum Verkaufsargument geworden ist. Letztlich sind sie hoffnungslos 80er, Tempo, Marke, und passen vom Design nicht zu 70er Jahre Tapeten.

Qualität ist kein Qualitätsmerkmal, und die Geschichte rennt in Sweatshop-Klamotten aus Indonesien zum nächsten Coffee2go.

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Real Life 7.4.2004 - Die Uhr tickt

Nur noch drei Wochen. Dann ist das befristete Arbeitsverhältnis in der grossen Stadt vorbei. Niemand hat ihr gesagt, dass sie bleiben soll. Noch nicht mal, dass sie bleiben kann. Alternativen hat sie keine, und die paar Blätter, wo man sie kennt, zahlen zu wenig.

Sie wird sich bundesweit bewerben. Wenn es sein muss, auch in die Provinz gehen. Dort, wo sich auch schon die anderen 6.000 arbeitslosen Berliner Journalisten bewerben.

Dort, wo man eher keine Flottschnellpopschreiber und Medienneuerfinder vom hohen mittigen Ross braucht, sondern Leute, die tun, was man sagt.

Dort, wo man die Fahrtkosten zum Bewerbungsgespräch nicht übernimmt.

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