Nicht an der Strecke

Es regnet immer auf der Mile Miglia. sie wurde extra um zwei Wochen nach hinten verlegt, damit es weniger regnet, aber auch dann regnet es. Diesmal regnet es also am Freitag und ich bin heilfroh, mir nicht den Stress mit zwei Übernachtungen in Rimini und Rom angetan zu haben, mit der Suche nach WLAN und einem Zimmer, das ich nur in den Momenten vor und nach dem Schlaf sehe. Früher war er Start nochmals erheblich früher, da musste man um fünf Uhr morgens raus. Ich will das nicht. Ausserdem ist man ohnehin dauernd am Rande der Überlastung. Die volle Runde, verbunden mit nassen Strassen un zu wenig schlaf, ist allein einfach zu gefährlich.





Es sind die gleichen Autos wie am Vortag, nur eben im Regen und diesmal, das kommt erschwerend hinzu, fahre sie auf einer anderen Route. Kurven und Berge im Regen mögen noch gehen, aber am Meer entlang im Regen ist langweilig. Es war anders gedacht, Mare, il blu, dipinto di blu, aber so ist es nun mal, und während ich im Internet sehe, wo sich die Autos nach Süden sumpfen, bin ich lieber hier in Mantua und schneide Bilder.





Sie sind gar nicht so schlecht geworden. Früher war es ein unsagbares Geränge, durch das man sich boxen musste, um einen Blick zu erhaschen. Überall waren Menschen. Heute ist es fast ein wenig leer, Jurassic Park halt, und es ist offensichtlich, dass die Mille Miglia überhaupt nicht mehr das Grossereignis ist, das sie einmal war. Nicht mal mehr die Absperrungen am Start sind wirklich nötig. Diese Menschenfreiheit kommt den Bildern zu gute.





Aber an welcher Stelle ist die Begeisterung verschwunden? Ich kann das gebau datieren, der Knacks kam, als einer von der FAZ dort ein Werbeblog für einen Sponsor schrieb, und das war wirklich mies. Meine Meinung zu allem, was sich in dem Beruf mit auto beschäftigt, war damit nicht zu verschlechtern - es war erwartungsgemäss. Aber man bekommt halt reingedrückt, wie gross da das Interesse an Markenbilung ist. Deshalb achte ich auch darauf, dass so wenig wie möglich davon in den Bildern ist.





Bin ich vielleicht etwas kleinlich? Andere sind einfach so verschwunden. Ich weiss noch, was für Karawanen an alten Autos früher über den Brenner fuhren: Das ist vorbei. Haben sich die Leute satt gesehen, liegt es an Italien und daran, dass es zu viele Alternativen gibt? Ich weiss es nicht. Es betrifft aber auch Holländer, Franzosen, Engländer - sie alle fehlen. Die Krise vielleicht? Passt das Spektakel nicht mehr in dieses schwierige Europa? Auch die Russen sind weitgehend fern geblieben. Dafür sind die Preise jetzt sehr hoch.





Es ist seltsam. Es ist anders. Es ist gar nicht schlecht und ich mochte auch die kleinere L Eroica in Buonconvento. Aber da ist das Gefühl, dass sich etwas dem Ende entgegen neigt.

Vielleicht verlieren die Menschen einfach das Interesse an Mobilität, und starren lieber auf ihre Handies. Es gibt noch grosse Kameras wie meine und dann halt noch Handyknipser. Das reicht denen. Wie ihnen vermutlich auch ein Zugticket reicht, solange es nur billig ist. Schon komisch. Alle Bilder werden geklickt gross.

Freitag, 15. Mai 2015, 14:56, von donalphons | |comment

 
Es gibt nichts mehr zu träumen - editiert
Immer gleiches Nervgesülze zusammengestrichen. Jochen Hof und der perfektdepp sollen verschwinden aus meinem Blog - Don

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Dem edit angepasst.

Gruss,
Thorsten Haupts

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Über die Altauto-Pest
An jedem Wochenende wird die Öffentlichkeit mit unzähligen brüllenden "Oldtimer"-Events genervt, nämlich mit den immergleichen totrestaurierten Altwagen und den branchenüblichen Fakes. Fahrer sind u.a. Motorjournalisten, denen man für wohlwollende Neuwagenberichterstattung ein Fahrzeug aus dem Werksmuseum geliehen hat, Freiberufler und Berufserben, die das Nenngeld für solche Eitelkeiten (oft fünfstellig und mehr) gerade noch zusammengekratzt haben, um in ihrem belanglosen Leben bewundert zu werden, Figuren aus der Sesamstr., die sich über eine geschenkte Baseball-Kappe mit Schweißband aus Papier freuen oder über eine "Markenuhr", über deren Herkunft und Wert ich hier nicht spekulieren möchte, und schließlich alte Herren, deren Fahrerlaubnis zu Hause in Gefahr ist. In den Seitenstraßen dröhnen die tiefergelegten Fahrzeuge aus ostmitteleuropäischer und asiatischer Fertigung.

Es gibt nur eine Veranstaltung für wirklich originale Fahrzeuge (ich besitze solche), den "Oily Rag Run" in GB, veranstaltet vom Herausgeber des Magazins "The Automobile". Die Teilnehmerzahl ist naturgemäß gering, das Interesse des sonst allgegenwärtigen Altauto-Prekariats glücklicherweise ebenfalls.

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Gratuliere! Wie immer sind die Bilder toll! Vor allem die beiden Damen in rot in ihrem Automobil in rot wären eines Posters würdig! Deren Gesichtsausdruck zeigt die Zufriedenheit, wenn ein Traum wahr wird ...

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Ja, das ist auch eines meiner Lieblingsbilder. Zum Glück ist die Auflösung so gross, dass ich sie auch mit dem Auto habe,

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Erstaunlich, wie klein diese Wägelchen gegenüber heutigen Autos ausfallen. Gerade noch einmal nachgesehen, der Porsche 550 Spyder aus Bild 2 wiegt leer gerade einmal 550kg, ist deutlich kürzer und schmaler als ein VW Polo.

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Abgesehen von einigen ganz alten Kisten sind die meisten nachgerade winzig - ich muss man Bilder von dem Lotus bringen, der sieht aus wie ein Spielzeugauto. Teilweise ist es wohl auch schwierig, da moderne Fahrer hinein zu pferchen,

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Die beiden Damen in Rot sind sowieso schon großartig, und dann noch dieser eine rote Fingernagel...

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Vielleicht verlieren die Menschen einfach das Interesse an Mobilität, und starren lieber auf ihre Handies.

Nicht an Mobilität, aber vielleicht an der überbordenden Eventkultur. Und vielleicht ändert sich auch die Sozialisation gegenüber diversen technischen Geräten.

Mein Neffe hat zum 6. Geburtstag sein 4. Rad (Laufrad, 12"-Kinderrad, 16"-Kinderrad, 20"-Kinderrad) erhalten und freute sich über Nabendynamo, ein "echtes, richtiges Licht" mit heller LED, Gangschaltung und einen ordentlichen Gepäckträger. Weihnachten wird es wohl noch einen Anhänger geben müssen ;) Und als nächstes Rad weiß er schon genau, mag er ein Faltrad, weil "man das im Zug mitnehmen kann und es kostet dann nichts".

Aber zum alte Autos schauen fährt er nicht mit. Der unterscheidet auch nicht Oldtimer, Klassiker, Youngtimer - das sind für ihn einfach alles alte Autos. Komische alte Technik, wie Wählscheibentelefone, Schreibmaschinen oder Nadeldrucker.

Wenn wir irgendwo hinfahren, dann per Zug - da können die Kinder herumhüpfen und sind nicht in einem Kindersitz fünf- bis dreipunktbegurtet eingeklemmt.

Von unseren letzten drei Praktikanten im Alter zwischen 22 und 25 hatte keiner einen Führerschein.

Ich glaube, das System Auto stirbt gerade den langsamen Tod, den das System Motorrad vorgezeichnet hat. Meine Eltern und Großeltern hatten alle einen Motorradschein, bei uns hat ihn noch ein Drittel.

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