Niemand nimmt gern Ratschläge von Gegnern an.

Aber ich würde mir, wenn ich obendrein gefragt werde, Geld zu geben, und gar nicht lange nachzudenken, vielleicht in einem Moment der Ruhe ein paar Gedanken machen. Nehmen wir einmal an, es gibt kein Internet, Selfies in der Wohnung, Digitalkameras. Alles, was man erfahren kann, ist entweder selbst gesehen oder gehört. So wie in den 80ern.

Nehmen wir weiter an, jemand hasst einen aus tiefster Seele, vielleicht, weil er etwas damit verdrängen will. Soziale Herkunft, sexuelle Vorlieben, Gesundheit, Privilegien, Beziehungen, Stellung, was auch immer. Es gibt da so viel. Immer wieder. Vielleicht ist es die Villa am See oder aber einfach der generelle soziale Druck der Kleinstadt, die man nicht erträgt.

Und das entlädt sich dann in kontinuierlichen Hassausbrüchen. Direkt. Brutal. Hemmungslos. Das gibt es bekanntlich wirklich, früher waren die Brutalitäten ja noch viel direkter als heute. Tatsächlich befördern so etwas kleine Orte ohne soziale Alternativen. Das klingt alles glaubhaft, oder? Für mich selbst übrigens auch, denn als Asthmatiker mit zwei falschen Füssen und JuSo im Bayern der 80er war vielleicht nicht ganz optimal aufgehoben. Aber egal. Es sind harte Zeiten, und man bekämpft sich bis aufs Blut. Wir hatten solche Typen. Das glaube ich jederzeit.

Aber was ich dann nicht begreife. Einfach, weil ich diese Typen kannte und niemals, unter gar keinen Umständen bei denen nach Hause gekommen wäre: Wie soll in so einer Konstellation eine Konfliktpartei in das Haus der anderen zu kommen, von einer Sammelleidenschaft erfahren, Bilder sehen, die man in so einer Gesellschaft nie herumerzählen würde, teilweise mit expliziter Nacktheit, Nagelbilder, Kreise, die andere verlachen, und die dann geschmacklos zu finden?

Denn über solche Bilder spricht man in der Provinz nicht, man bezieht sie in der Galerie und hält den Mund, weil die anderen es eh nicht verstehen würden. Und es gibt kein Medium, kein Facebook, kein Selfie, nichts, um sie zu vermitteln, nur diese eine angebliche Konfrontation. Wie passt genaue Kenntnis eines äusserst privaten Lebensbereiches zu einem gnadenlosen Konflikt?

Wenn es, sagen wir mal, die Bilder wirklich gibt – wenngleich erst deutlich später als den angeblichen Konflikt. Und nachweislich eine angebliche Konfliktpartei, die sie kennt und abwertend einschätzt. Kommen dann niemandem Zweifel, speziell, wenn den Erzähler bis vor 2 Tagen fast niemand kannte? Wenn seine Erzählung ansonsten genau das ist, was man hören will, plus noch mehr, weil es so gut passt. Sieht da niemand die „Red Flag“ bei der Kenntnis der Bilder? Wie kann so ein Gesamtsystem stimmen? Wie kommt man an die Adresse, durch den Garten, ins Haus, die Treppe hinauf? Was, wenn aus der ersten Erzählung weitreichende Folgen erwachsen? Risiken gar für Dritte, die sich darum drängen, Teil des Narrativs zu werden, das da so toxisch vorgetragen wird?

Und, nehmen wir einmal - nur theoretisch - an, der Erzähler wäre doch im Haus gewesen, und rund 30 Jahre später sähe er einfach eine gute Gelegenheit, mit seiner Geschichte Teil einer grossen, besseren Geschichte zu werden - was mag ihm wohl an seinen Zuhörern liegen?

Nun.

Und dann ist da plötzlich eine grosse Rettungsaktion.

Es ist ganz furchtbar, so schlimm, dass man gar nicht sagen kann, was eigentlich los ist, ganz böse rechte, dunkle Mächte sind beteiligt, und Lichtgestalten rufen auf, sie haben schon das eine geglaubt und jetzt glauben sie das andere schon wieder, weil es eben alles passt. Sie brauchen über 10.000 Euro, sie nehmen es auf allen Kanälen, ohne darüber nachzudenken: Wie ein angeblicher Todfeind eine Sammlung kennen kann, die nicht bekannt ist.

Gute Nacht. Morgen ist ein neuer Tag.

Donnerstag, 28. November 2019, 22:31, von donalphons |