: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 18. Januar 2004

Mene Tekel Upharsin

Ich gehöre zu den Leuten, die ein modernes Buch nach dem Umschlag beurteilen. Das beruht auf langjährigen Erfahrungen als addicted customer der deutschen Verlagsbranche und ihrer ebenso deutschen Autoren.

Wenn sowas auf dem Cover ist:



dann sieht das im ersten Momentziemlich bombastisch aus, verspricht aber wenig Nachdenken beim Verlag: Es handelt sich um den Bahn Tower am Potsdamer Platz in der Marzahner Vorstadt Berlin a. d. Spree. Eine luftige Architektur, die nicht im Mindesten zu den realen Heizungsdämpfen passt, mit denen dieser Konzern im Winter seine Kunden vergiftet.

Nun hat der Fischerverlag aber genau dieses Gebäude auf den Umschlag von Lukas Hammersteins "Die 120 Tage von Berlin" gesetzt. Und zwar so, dass die DB-Leuchtreklame nicht zu sehen ist. Man war sich wohl des Problems bewusst: Die Bahn passt auch nicht zum Inhalt des Buches, das sich mit dem Scheitern der New Economy Generation auseinandersetzt - ad majorem gloriam des Verlages und der dummdreisten Provinler, die gerne was Schlechtes über Leute lesen, die nicht im Kaff bei des gammligen Zügen geblieben sind.

So unehrlich beginnt also das Buch eines Autors, der dieses Jahr den Bachmanpreis so gerechtfertigt nicht bekam, wie ihn auch sonst alle anderen nicht verdient hätten, inclusive der späteren Siegerin mit ihrer Betroffenheitsprosa. Das Cover soll sagen: Boh, Berlin Mitte - und ist doch nur eine Fassade, ein potemkinsches Dorf eines übersubventionierten Provinzskandals mit stinkender Heizung.

Ich lasse mich nicht gerne anlügen. Weshalb ich mir das Buch nicht gekauft habe, wie viele andere auch. Zumal allein der Titel eine Anmassung ist. Man würde beim Lesen nur Sehnsucht nach De Sade bekommen.

Und so bleit der Hammerstein in den Regalen vor sich hin. Das Buch ist in etwa so erfolgreich wie die Bahnreform, und für den Fischer Verlag ist es ein Debakel, wie ein geplatztes Startup für einen Venture Capitalisten. Das klappte nicht mit dem "Schlüsselroman", als der das Buch angekündigt wurde.

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Montag, 15. Dezember 2003

Fortschritt

Im gesellschaftlichen Kampf haben die Kräfte , die die fortschrittliche Klasse repräsentieren, manchmal Mißerfolg, und zwar nicht etwa, weil ihre Ideen unrichtig wären, sondern weil sie, wenn man die im Kampf stehenden Kräfte miteinander vergleicht, zeitweilig noch nicht so stark sind, wie die reaktionären Kräfte; daher erleiden die vorläufig Niederlagen, doch werden sie früher oder später siegen.
Mao tse Tung, Fünf philosophische Monographien, 1976

Bayern wird als Chancen- und Pionierland aus der gegenwärtigen bundesweiten wirtschaftlichen Schwächephase gestärkt hervorgehen.
Otto Wiesheu, Zukunft der New Economy hat erst begonnen, 2003

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Samstag, 13. Dezember 2003

Damals, in den besten Zeiten

Damals gab es einen Chipkonzern, der ein paar Probleme hatte. Damals, in den besten Zeiten, wollte man wissen, was in der Unternehmenskommunikation falsch läuft. Damals fragte man jemanden an, der sich das mal anschauen sollte. Der jemand war nicht billig, aber gut.

Der jemand begann mit seiner Recherche auf den Seiten diverser Jobbörsen. Der Chiphersteller hatte 3 HR-Abteilungen. Alle drei verwendeten ein unterschiedliches Layout mit entsprechend unterschiedlichen Logos. Ein ganz altes, ein weiteres aus Zeiten des Börsengangs, ein aktuelles.

Das war schon mal schlecht.

Der jemand suchte ein Stellenangebot heraus, der genau auf ihn zugeschnitten war, und bewarb sich online. Sein Auftraggeber sagte ihm, das sei die perfekte Bewerbung für den Posten. Der jemand hörte 6 Wochen nichts und bekam dann eine Absage. Er sei nicht geeignet. Das Schreiben kam von einer anderen HR-Abteilung als der, die die Stelle ausgeschrieben hatte. Noch ein paar Wochen später kam noch ein Brief, diesmal von der dritten HR. Man wolle seine Daten speichern und ihn zu einem exclusiven Recruiting Event einladen. Die Stelle, um die es ging, was damals noch immer nicht besetzt - angeblich gab es keine Bewerber.

Der jemand schrieb einen Bericht und machte Vorschläge. Der Chiphersteller fand das spannend und wollte die Vorschläge umsetzen. Man bedankte sich. Allerdings waren Monate später noch immer die falschen Layouts online. Bekannte des jemand, die als Highpotentials händeringend gesucht wurden, erhielten noch nicht mal Absagen auf ihre Bewerbungen. Und der Mann, der damals etwas verändern wollte, war abgeschoben worden.

Vielleicht sind die Deutschen wirklich faul und technologiefeindlich, wie der Chef des Münchner Chipherstellers Infineon heute im Münchner Merkur sagt. Er selbst ist ja sehr umtriebig; seine Rennergebnisse wurden sogar als Teil der Unternehmensphilosophie im Konzern bekannt gemacht. Da kann nicht jeder mithalten. Kein Wunder, wenn so jemand die Reaktion fordert, zurück zu den Entbehrungen der 50er Jahre. Auch damals gab es schon Leute, die Porsche hatten.

Ob das etwas an der Inkompetenz und Intriganz der leitenden Mitarbeiter von Chipherstellern ändern würde, die Millliarden Verluste verursachen, ist eine andere Frage.

Die Herrn Schuhmacher niemand stellt.

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Donnerstag, 11. Dezember 2003

BOOOOOM

Wachstum und Aufbau neuer Geschäfte sind die großen Herausforderungen aller Unternehmen. Einige besonders erfolgreiche Unternehmen zeigen, wie sie reüssieren, indem sie die Spielregeln neu definieren. Dadurch erzielen sie enorme Wachstumsraten und bringen einzelne Märkte quasi zum Explodieren.
Rainer Lindenau/Thomas Helbig, Klappentext zu "Exploding Markets", Dr. Th. Gabler Verlag, 2000

Wenn verschiedene Entwicklungsstufen der materiellen Produktion Widersprüche erzeugen, wenn überalterte Produktionsverhältnisse in ein unangemessenes Verhältnis zu den Produktivkräften, wenn private Interessen in Gegensatz zu Bedürfnissen und Interessen der Allgemeinheit geraten, dann geschieht es, dass solche Widersprüche auch im Bereich der Organisationsform der gesellschaftlichen Verhältnisse, der Rechtsform aufbrechen.
Götz von Olenhusen/Christa Gnirß, Handbuch der Raubdrucke 2: Theorie und Klassenkampf, 1973

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Montag, 8. Dezember 2003

New revolutionary Economy

Die Wirtschaft hat sich durch die Globalisierung von den Ebenen der Politik gelöst und sich von der Nation verabschiedet.
Lothar Späth, 2000


In vergangenen Epochen machten die Revolutionäre ihre Arbeit im wesentlichen unter nationalstaatlichen Bedingungen. Wir machen unsere Arbeit heute unter weltgeschichtlichen Bedingungen, in einem ganz realen Sinne.
Rudi Dutschke, 1967

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Samstag, 6. Dezember 2003

2 Fehleinschätzungen und 30 Jahre

Es beginnt eine neue Phase einer überaus chancenreichen und interessanten Entwicklung: das Verschmelzen zweier Welten, der Old und der New Economy. Was wir erleben, ist der Strukturwandel zur Netzwerkökonomie, eine digitale Revolution, die praktisch den gesamten Alltag durchdringt.
Werner Schulz, B90/Grüne, 15.02.2001 im Bundestag

Der Autoritätsanspruch der Älteren ist in dieser Lage nur noch eine Waffe zur Verteidigung ihrer materiellen Interessen gegenüber den jüngeren. Diese sind die Träger des für den kapitalistischen Verwertungsprozeß unentbehrlichen aktuellen Wissens und der modernen technologischen Qualifikation und Soziopraktiken, die aus diesem Grunde die Älteren immer schneller aus ihren Positionen im Produktionsprozeß verdrängen, dequalifizieren und schließlich deklassieren.
Rote Armee Fraktion, Über den bewaffneten Kampf in Westeuropa, Mai 1971

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Freitag, 5. Dezember 2003

Wachstum

Die Krise entsteht nicht so sehr durch den Stillstand der Entwicklungsmechanismen als vielmehr durch die Entwicklung selbst.
Rote Armee Fraktion, Das Konzept Stadtguerilla, April 1971

Wir erwarten einen Umsatz für das Gesamtjahr 2000 von über 100 Millionen Euro und werden uns darauf konzentrieren den Umsatzanteil des Kerngeschaft auf über 70 Prozent auszuweiten.
Alexander Falk, Vorstandsvorsitzender ISION AG, AdHoc vom 26. April 2000

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Donnerstag, 4. Dezember 2003

Rebellion

Die Revolution ist kein Festessen, kein literarisches Fest, keine Stickerei, die Revolution ist ein Akt der Gewalt"
Mao Tse-Tung, Untersuchungsbericht über die Bauernbewegung in Hunan 1927

Bunte Blattsalate mit Austernpilzen an Basilikum-Sauerrahm-Dressing
Legiertes Lauchrahmsüppchen mit feinen Lachsstreifen
Brasiertes Maispoulardenbrüschen an Zitronenbuttersosse mit
Marillenknödel auf Fruchtmarksosse
1999 Max Cuvee Blone & Noir Weingut Dr. Unger, Göttweig
Kostenloses Menu beim Founders Forum Elmau 2001

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