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Montag, 12. Januar 2004
Mit dem Terminen ist das so eine Sache.
Ich habe einen Termin. Ein paar Stunden in einem Umfeld, in dem entschieden wird, wie und ob es mit der neuen Wirtschaft weitergeht. Vermutlich würden fast alle Überlebenden und jeder Gescheiterte der New Economy ihre Seele verkaufen, um so einen Termin zu bekommen.
Sie glauben, man könnte dabei alles erreichen, die Zukunft entwickeln, überzeugen, ihren Traum zu retten, nochmal die Märkte zu rocken, und diese irre Geschwindigkeit zu erleben, wieder auf die brennenden Barrikaden unter der ewigen Nacht des Netzes zu gehen und den unveränderlichen Lauf der Geschichte in ihrem Sinn zu beeinflussen. Es ging schon mal, sie würden es wieder schaffen. 3 Minuten würden ihnen reichen. Sie täuschen sich; es gibt keine Chance, aber wenn es auch nur die Nacht davor voller Hoffen und Bangen ist - sie würden es sofort tun.
Ich habe Stunden. Ich werde hingehen, und einfach nur zuhören. Ich habe nichts anzubieten, ich habe keine Geschäftsidee, keine Vision, keinen Traum. Ich habe nur den Luxus der Zeit, und den Luxus, diese einmalige Gelegenheit für alle anderen ungenutzt verstreichen zu lassen.
Sie glauben, man könnte dabei alles erreichen, die Zukunft entwickeln, überzeugen, ihren Traum zu retten, nochmal die Märkte zu rocken, und diese irre Geschwindigkeit zu erleben, wieder auf die brennenden Barrikaden unter der ewigen Nacht des Netzes zu gehen und den unveränderlichen Lauf der Geschichte in ihrem Sinn zu beeinflussen. Es ging schon mal, sie würden es wieder schaffen. 3 Minuten würden ihnen reichen. Sie täuschen sich; es gibt keine Chance, aber wenn es auch nur die Nacht davor voller Hoffen und Bangen ist - sie würden es sofort tun.
Ich habe Stunden. Ich werde hingehen, und einfach nur zuhören. Ich habe nichts anzubieten, ich habe keine Geschäftsidee, keine Vision, keinen Traum. Ich habe nur den Luxus der Zeit, und den Luxus, diese einmalige Gelegenheit für alle anderen ungenutzt verstreichen zu lassen.
donalphons, 18:02h
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Deadlinitis
Als ob es nicht schon genug unaufschiebbare Dates gäbe, und ausserdem noch ein paar Sachen, wo die Luft dünn wird. Jetzt kommt noch eine Deadline dazu. Kein alterthümlicher Termin, nein, eine echte Deadline ohne wenn und aber. Am 20. Februar. Aber nur mit Vorvertrag, meinte der, den ich dafür brauche. Der Vorvertrag muss erst noch gemacht werden, unterzeichnet, gegengezeichnet. Und auch so ein Vorvertrag enthält eine andere Deadline.
Und wenn es mit dem 20. klappt, wird es eine weitere Deadline geben. Eine 40 mm Schnellfeuerkanone für Deadlines ist das einzige, was helfen könnte.
Wahrscheinlich könnte man die auch in grossen Stückzahlen in meiner Generation vertreiben.
Und wenn es mit dem 20. klappt, wird es eine weitere Deadline geben. Eine 40 mm Schnellfeuerkanone für Deadlines ist das einzige, was helfen könnte.
Wahrscheinlich könnte man die auch in grossen Stückzahlen in meiner Generation vertreiben.
donalphons, 17:23h
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Ich war eine Werbeagentur
Nicht nur irgendeine.

Ich war Jung von Matt an der Isar. Ich habe immer noch einen grossen Parkplatz für schicke Wägen, hohe Räume mit viel Licht von oben, ich liege verkehrsgüntig in einem Areal, das mal sehr zukunftsorientiert werden sollte. Viele kleine, kreative Firmen. Leider kam dann das Jahr 2000, die Pleitewelle, und 2002 wurde JvM an der Isar aufgelöst.
Da, wo der Name in weiss an die grüne Metalltüre gemalt wurde, steht jetzt for sale. Und das schon etwas länger.

Ich war Jung von Matt an der Isar. Ich habe immer noch einen grossen Parkplatz für schicke Wägen, hohe Räume mit viel Licht von oben, ich liege verkehrsgüntig in einem Areal, das mal sehr zukunftsorientiert werden sollte. Viele kleine, kreative Firmen. Leider kam dann das Jahr 2000, die Pleitewelle, und 2002 wurde JvM an der Isar aufgelöst.
Da, wo der Name in weiss an die grüne Metalltüre gemalt wurde, steht jetzt for sale. Und das schon etwas länger.
donalphons, 04:08h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 11. Januar 2004
Medienstandort
Da hinten, in einer Baracke, die so hellbraun ist wie alle anderen Gebäude hier, ist ein Sender. Immer noch, auch wenn das vor zwei Jahren niemand gedacht hätte. Aber von der Dummheit der Menschen lässt sich gut leben. Warum auch nicht.
Die Chefin hat einen Titel qua Geburt und einen weiteren qua hoher Gebühren einer Akademie, die zu nichts taugt ausser zu überzogenen Lohnforderungen.
Die Mitarbeiter sehen aus wie Kokser, wenn sie mal in der Kantine aufkreuzen, die für viel mehr Menschen gedacht war. Sie haben auch immer diesen nervösen Tick. Wenn man stundenlang schwafeln muss, ohne was sagen zu können, und alles wiederholt sich, dann bleibt nur der Weg zu so einem Zeug.
Es sei denn, man ist naturprall. Vielleicht nehmen sie auch nur Puderzucker und bilden sich ein, gut drauf zu sein. Schwächen kann man sich da nicht leisten. München ist voll von arbeitslosen Medienvölkchen in suizidnah und burnout. Also lieber daran klammern, auch wenn es nicht das ist, was man sich mal gedacht hat, beim KW-Studium.
Oder so. Eigentlich dürfte man niemand mehr für diesen Job ausbilden. Die nächsten 5 Jahre warten, bis die Alten in Pension sind und die jungen in der Psychiatrie. Dann geht wieder was. Vielleicht.
Jetzt nach Hause. Klinkerbrauner Alptraum, das hier.
Die Chefin hat einen Titel qua Geburt und einen weiteren qua hoher Gebühren einer Akademie, die zu nichts taugt ausser zu überzogenen Lohnforderungen.
Die Mitarbeiter sehen aus wie Kokser, wenn sie mal in der Kantine aufkreuzen, die für viel mehr Menschen gedacht war. Sie haben auch immer diesen nervösen Tick. Wenn man stundenlang schwafeln muss, ohne was sagen zu können, und alles wiederholt sich, dann bleibt nur der Weg zu so einem Zeug.
Es sei denn, man ist naturprall. Vielleicht nehmen sie auch nur Puderzucker und bilden sich ein, gut drauf zu sein. Schwächen kann man sich da nicht leisten. München ist voll von arbeitslosen Medienvölkchen in suizidnah und burnout. Also lieber daran klammern, auch wenn es nicht das ist, was man sich mal gedacht hat, beim KW-Studium.
Oder so. Eigentlich dürfte man niemand mehr für diesen Job ausbilden. Die nächsten 5 Jahre warten, bis die Alten in Pension sind und die jungen in der Psychiatrie. Dann geht wieder was. Vielleicht.
Jetzt nach Hause. Klinkerbrauner Alptraum, das hier.
donalphons, 13:49h
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Blau
Draussen vor dem Fenster friert ein Mädchen in einem surreal leuchtendblauen, gesteppten Daunenmantel. Ihr Gesicht hat den fraktalen, ausgedörrten Teint der Drogensüchtigen. Sie ist viel zu dünn. Ihre kinnlangen, blauschwarzen Haar fallen wie tote Raben. Sie ist höchstens 22, 23 Jahre alt, aber in ihren Augen ist die Zeitlosigkeit der enttäuschten Hoffnung.
Hier in der Startup Zone, in diesem gescheiterten New Media Cluster, gibt es viele Gestalten, die so aussehen. Bei ihr sind es wahrscheinlich Pillen, weil sie auch etwas schwankt und hyperventiliert. Vielleicht ist sie auch nur bei einem Casting rausgeflogen. Alles an ihr sagt, dass nichts, wirklich nichts in Ordnung ist. Und dass sie nicht darüber reden kann.
Woanders als hier wäre sie wunderschön. Wenn sie ein paar Tage durchschlafen würde, und eine Weile die Finger von dem Zeug, ganz gleich ob die blauen Pillen oder die Fernbedienung, lassen könnte.
Hier in der Startup Zone, in diesem gescheiterten New Media Cluster, gibt es viele Gestalten, die so aussehen. Bei ihr sind es wahrscheinlich Pillen, weil sie auch etwas schwankt und hyperventiliert. Vielleicht ist sie auch nur bei einem Casting rausgeflogen. Alles an ihr sagt, dass nichts, wirklich nichts in Ordnung ist. Und dass sie nicht darüber reden kann.
Woanders als hier wäre sie wunderschön. Wenn sie ein paar Tage durchschlafen würde, und eine Weile die Finger von dem Zeug, ganz gleich ob die blauen Pillen oder die Fernbedienung, lassen könnte.
donalphons, 13:23h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 10. Januar 2004
Gute Rezensionen sind nett.
Trotzdem schreibt man natürlich einen Pressetext mit schön geschliffenen Formulierungen. Man hofft, es möchte die Kollegen in den Medien inspirieren, es so zu empfinden, wie es geschrieben steht. Natürlich schreibt man auch viel über seine Motivation, warum so und nicht anders, und aus welchem Umfeld heraus. Man ist ja selbst Journalist. Man liefert den Kollegen optimale Bedingungen für ein tieferes Verständnis des Textes.
Und wartet dann auf kluge Fragen. Auf ein Gespräch auf Augenhöhe. Das findet in Wirklichkeit selten statt. Meistens schreiben sie irgendwas, das die vorgegebene Länge hat. Unschlüssigkeiten weisen auf die Stellen hin, wo sie mehr gemacht haben, und der Redakteur sie um ein paar Zeilencent gerüpft hat.
Aber dann gibt es noch die, die einfach den vom Autor verfassten PR-Text kopieren und ein, zwei Worte umstellen. Sonst nichts. Ein Fehler, ein Detail verrät dem Kundigen, dass ab Seite 31 nur noch geblättert wurde. Das ist dann eine gute Rezension, sagen die PR-Leute.
Wiegesagt: Gute Rezensionen sind nett. Nette Beleidigungen, manchmal.
Und wartet dann auf kluge Fragen. Auf ein Gespräch auf Augenhöhe. Das findet in Wirklichkeit selten statt. Meistens schreiben sie irgendwas, das die vorgegebene Länge hat. Unschlüssigkeiten weisen auf die Stellen hin, wo sie mehr gemacht haben, und der Redakteur sie um ein paar Zeilencent gerüpft hat.
Aber dann gibt es noch die, die einfach den vom Autor verfassten PR-Text kopieren und ein, zwei Worte umstellen. Sonst nichts. Ein Fehler, ein Detail verrät dem Kundigen, dass ab Seite 31 nur noch geblättert wurde. Das ist dann eine gute Rezension, sagen die PR-Leute.
Wiegesagt: Gute Rezensionen sind nett. Nette Beleidigungen, manchmal.
donalphons, 22:56h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 9. Januar 2004
Berlin im Dunkeln
Suhrkamps Antwort auf die publizistischen Nachwehen des Berlin-Hypes: Berlin im Licht, die Resteverwertung aus dem Kadaver der Berliner Seiten der FAZ. Der von ihrem Freundeskreis in den Edelfedern-Himmel geschriebene Wurmfortsatz des FAZ-Feuilletons darf es nochmal als Buch probieren. Alte Texte werden zu einem virtuellen Tag recycelt.
Der ewige Konkurrent KiWi hat es im Sommer mit seiner billigen Hassanthologie "Hier spricht Berlin" vorgemacht. Auch Mitte, auch Autoren der FAZ, aufgekochter Haferschleim von gestern auf trendy Buchtellern.
Der Neuling ist eine Mischung aus Frankensteins Monster und verkrümmtem Homunculus. Hauptsache, man kriegt es nochmal unter die Leute, die beim Ende der Berliner Seite geheult haben sollen. Die gibt es, angeblich. Ad maiorem gloriam der Herren Illies und Schirrmacher. Wie es der Zufall will, gehören Verlag und Zeitung zum gleichen Holtzbrinck-Konzern.
Das nennt man wohl Value Chain Management.
Der ewige Konkurrent KiWi hat es im Sommer mit seiner billigen Hassanthologie "Hier spricht Berlin" vorgemacht. Auch Mitte, auch Autoren der FAZ, aufgekochter Haferschleim von gestern auf trendy Buchtellern.
Der Neuling ist eine Mischung aus Frankensteins Monster und verkrümmtem Homunculus. Hauptsache, man kriegt es nochmal unter die Leute, die beim Ende der Berliner Seite geheult haben sollen. Die gibt es, angeblich. Ad maiorem gloriam der Herren Illies und Schirrmacher. Wie es der Zufall will, gehören Verlag und Zeitung zum gleichen Holtzbrinck-Konzern.
Das nennt man wohl Value Chain Management.
donalphons, 21:00h
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Donnerstag, 8. Januar 2004
Rebellen per SMS
Am Mittwoch, 14.1. 14h Uni Hgb demonstrieren wir für eine besserer Bildungspolitik, lassen mich die Studenten wissen. Per SMS. Damit es auch ja ankommt. Was es denn auch getan hat.
Und ich werde da wohl hingehen. Muss ja. Wenn schon mal was passiert. Trotz SMS.
Und ich werde da wohl hingehen. Muss ja. Wenn schon mal was passiert. Trotz SMS.
donalphons, 23:20h
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Real life 8.1.04 - Motto für die nächsten Wochen
Neue Boxen gekauft, eingebaut, Bücher wieder aussenrum geschlichtet, den Wedekind draussen gelassen, und wieder dieses wunderbare Gedicht gelesen:
Greife wacker nach der Sünde;
Aus der Sünde wächst Genuß.
Ach, du gleichest einem Kinde,
Dem man alles zeigen muß.
Meide nicht die ird'schen Schätze:
Wo sie liegen, nimm sie mit.
Hat die Welt doch nur Gesetze,
Daß man sie mit Füssen tritt.
Glücklich, wer geschickt und heiter
Über frische Gräber hopst.
Tanzend auf der Galgenleiter
Hat sich keiner noch gemopst.
Frank Wedekind, Erdgeist.
Greife wacker nach der Sünde;
Aus der Sünde wächst Genuß.
Ach, du gleichest einem Kinde,
Dem man alles zeigen muß.
Meide nicht die ird'schen Schätze:
Wo sie liegen, nimm sie mit.
Hat die Welt doch nur Gesetze,
Daß man sie mit Füssen tritt.
Glücklich, wer geschickt und heiter
Über frische Gräber hopst.
Tanzend auf der Galgenleiter
Hat sich keiner noch gemopst.
Frank Wedekind, Erdgeist.
donalphons, 04:29h
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Mittwoch, 7. Januar 2004
Real life 7.1.2004 - elite on the way home
Sie sah ziemlich hübsch aus. Glänzende braune Augen. Und ihr VW Lupo in knallblau wäre sicher auch eine angenehme Erscheinung gewesen, auf dem Weg zum Wohnheim der hiesigen Elite-Universität. Die Beste für BWLer, die es wohl ohne Studiengebühren in Deutschland gibt.
Das Einbahnstrassen-Schild hat sie sicher nicht übersehen. Das war wohl auch der Grund, warum sie, schnell schnell, durch die Strasse preschte, um sich eine Runde um den Stock zu sparen. Dabei hätte sie beinahe einen Radfahrer umgenietet. Sie schaffte es, ihm auf der rutschigen Strasse auszuweichen, und blieb vor dem Eingang zum Wohnheim stehen.
Ein geleckter Typ kam heraus, verstaute sein Gepäck im Lupo. Sie blieb sitzen und liess den Motor laufen. Als er eingestiegen war, raste sie auch noch die letzten paar Meter durch die Strasse, an der Schule vorbei, und dann durch eine Querstrasse in Richtung Elite-Uni.
Besondere Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, das ist eine der Grundvorraussetzungen, um in dieser Hochschule das Assessment Center zu überstehen.
Das Einbahnstrassen-Schild hat sie sicher nicht übersehen. Das war wohl auch der Grund, warum sie, schnell schnell, durch die Strasse preschte, um sich eine Runde um den Stock zu sparen. Dabei hätte sie beinahe einen Radfahrer umgenietet. Sie schaffte es, ihm auf der rutschigen Strasse auszuweichen, und blieb vor dem Eingang zum Wohnheim stehen.
Ein geleckter Typ kam heraus, verstaute sein Gepäck im Lupo. Sie blieb sitzen und liess den Motor laufen. Als er eingestiegen war, raste sie auch noch die letzten paar Meter durch die Strasse, an der Schule vorbei, und dann durch eine Querstrasse in Richtung Elite-Uni.
Besondere Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen, das ist eine der Grundvorraussetzungen, um in dieser Hochschule das Assessment Center zu überstehen.
donalphons, 21:10h
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Eskorte
Danke an alle, die auf dem gleichen Kurs sind.

Irgendwie waren sie ja ziemlich lasch, die Kläffer in ihren Gräben da unten. Gleich den Schwanz eingekniffen, gejault, verpisst. Und auch keine neuen Ideen, nur wieder die alten Keifereien. Die werden es nie aus ihren Löchern raus schaffen.
Wahrscheinlich hätten sie erst ein paar Wochen Vorbereitungszeit gebraucht, wie beim letzten Mal.
Over & out.

Irgendwie waren sie ja ziemlich lasch, die Kläffer in ihren Gräben da unten. Gleich den Schwanz eingekniffen, gejault, verpisst. Und auch keine neuen Ideen, nur wieder die alten Keifereien. Die werden es nie aus ihren Löchern raus schaffen.
Wahrscheinlich hätten sie erst ein paar Wochen Vorbereitungszeit gebraucht, wie beim letzten Mal.
Over & out.
donalphons, 20:46h
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Dienstag, 6. Januar 2004
Das Dissen meiner Freunde
Was soll das, fragen meine Gleichaltrigen die jungen Leute, mit denen ich zu tun habe. Das ist doch kein Streik. Ihr habt kein politisches Bewusstsein. Klemmt Euch lieber mal hinter verfasste Studentenschaften, oder ne ordentliche Bafögzuteilung für Sozial Schwache. Ihr denkt viel zu kurz, wenn ihr gegen Studiengebühren auf die Strasse geht. Und macht Euch nicht für die Professoren krumm, sondern tut was für eine umfassende Systemänderung.
Das Wort Weltrevolution konnten sie sich gerade noch verkneifen. Aber gedacht haben sie es, kurz, als sie sich erinnert haben, wie es damals bei ihnen war.
Jetzt verspielen die Idioten das, was wir damals erreicht haben, denken sie sich, gehen in die Designerküche von der Grösse zweier Studentenbuden, und machen sich leicht angesäuert einen Espresso. Auf der Maschine, die sie als Büromaterial steuerlich abgesetzt haben.
Das Wort Weltrevolution konnten sie sich gerade noch verkneifen. Aber gedacht haben sie es, kurz, als sie sich erinnert haben, wie es damals bei ihnen war.
Jetzt verspielen die Idioten das, was wir damals erreicht haben, denken sie sich, gehen in die Designerküche von der Grösse zweier Studentenbuden, und machen sich leicht angesäuert einen Espresso. Auf der Maschine, die sie als Büromaterial steuerlich abgesetzt haben.
donalphons, 19:35h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 5. Januar 2004
Warum Sie nie ein Buch machen werden.
von hier: http://convers.antville.org/stories/641615/
Seit 2 Tagen geht nun das lustige Treiben wegen unseres Buches. Es macht schon Spass zu sehen, dass viele der Kombattanten schon mal gesagt haben: Mensch, so ein Buch über Blogs, das sollte man doch mal, und so, und ich könnte das doch. Nicht alle, versteht sich, aber manche. Erlauben Sie dazu ein paar Hinweise und Erläuterungen, nur für diejenigen, die sich mit dieser Idee beschäftigen.
Man ist nach meiner Beobachtung recht von oben herab, hier, hält Internet für ein ideales Medium, aber innendrin würden viele doch gern ihren Namen auf dem Rücken eines Buches sehen – was ich sehr gut verstehe... Die Ergebnisse konnte ich auf der Buchmesse in Frankfurt erleben. Der Literat Don Alphonso kennt viele Agenten, Lektoren und PR-Personal, das dort die ganzen Irren mit ihren Manuskripten abfangen muss. Nachdem ich selbst ein Autor aus dem Netz bin, wurde ich sehr oft gefragt, was das mit diesen Blogs auf sich hat, das einige Leute den Verlagen angeboten haben. Ich weiss also von fast einem Dutzend Leuten oder Teams, die Bücher rund um das Thema im Gepäck hatten.
Keiner von denen hatte eine Chance. Der Markt gilt für jeden Aspekt jenseits der Technik als viel zu klein und zu heterogen. Meines Erachtens ist das nicht richtig; es gibt fraglos eine Reihe von Zielgruppen für Bücher aus der "Blogosphäre". Aber das muss man einem Verleger erst mal schlüssig erklären - wer das nicht kann, hat keine Chance. Verleger und Lektorat wiederum müssen es selbst so geil finden, dass auch sie die Vertreter wiederum begeistern können. Es muss ein positiver Flow da sein, sonst geht´s nicht. Gerade die oft anzutreffende Weltentsagungshaltung in Blogs, dass es ja so unwichtig ist, wirkt da höchst bremsend.
Dass es durchaus geht, beweist übrigens jetzt.de: Die bringen ihre Autoren regelmässig in Bücher, ganz normal und ganz ohne den angeblichen Hype. Aber die Blogosphäre? Ausser Lyssa? Fehlanzeige. Und der Grund? Weil die meisten Verlagsmenschen nach einem Blick in die Blogosphäre den Eindruck haben, dass die Hauptbetätigung Flame Wars, Dissen, Beleidigungen, Arroganz und Grössenwahn sind. Qualität, so dass man sie wirklich in die fraglos anderen Bedürfnisse des Medium Buch einpassen kann, muss man dagegen lange suchen. Diese Leute sind, vorsichtig gesagt, einen anderen Umgangston gewöhnt. Und fürs Suchen haben die keine Zeit.
Aber selbst wenn sie Qualität finden, ist in diesem Geschäft Konflikt nur ab einer Auflage von 100.000 lohnend. Erst dann bringt es Publicity. Alles andere, so Flames wie hier, fallen durch den medialen Rost, da mag man die debatte noch so ernst nehmen. Aber es ergibt eine giftige Atmosphäre. Verlage schauen zuerst mal nach, was sich im Umfeld des Buches so tut. Was die Leute sagen, wie es ankommt. In unserem Fall war das so, dass der Verlag die Verantwortlichkeit an uns als Herausgeber abgetreten hat, weil sich dort niemand mit den negativen Erscheinungen des Umfelds abgeben möchte - ich kann es verstehen. Für jede klassische Öffentlichkeitsarbeit wäre das hier im Netz eine Katastrophe, und da braucht es eben Leute vorn dran, die sich ihrer Haut zu erwehren wissen.
Aber das ist nur die eine Seite. Selbstreferenzielle Geschichten wie Blogawards, Blogwart oder diese hier sind ideal, wenn es um das Vergraulen von Interessenten jenseits des Ghettos der selbsternannten Superblogger geht. Ich vermute mal, dass der besonders im Antville-Umfeld gepflegte Stil a la Heise-Flame einer der Gründe ist, warum sich Newbies bei jetzt, blogger, 20six, livejournal und diary-z so wohl fühlen, und dort ihr eigenes Ding machen. Und da kann hier krakeelt werden, bis die Tastatur platzt: Das sind viele. Mehr als antville. Und die wollen wahrscheinlich auch was gutes schreiben. Das sind überraschend aufgeschlossene Leute, mit denen kann man reden, denen kann man vielleicht spielerisch und schön zeigen: Guck mal, es gibt dies und jenes, was Du tust hat eine gewisse Bedeutung, es gibt keine Medienmonopole mehr, mit jedem Posting verändert sich die Wahrnehmung für Dich und Deine Leser. Oder überleg mal, ob nicht auch so eine Schreibe was für Dich wäre. Das ist nämlich etwas, was ich ganz erheblich vermisse, dieses hin und wieder mal ein nettes Wort, oder ein wirklich gut gemeinter Tip.
Und nach draussen kann man zeigen: Guckt mal, was es an neuen Gesichtern und Geschichten hier in den Blogs gibt. Sie sind gut, im Netz und im Buch, und Qualität hat mit dem Medium nichts zu tun, aber das Netz ist eine grossartige Sache, diese Qualitäten zu entwickeln. Man kann Menschen nur dort abholen, wo sie sind. So geht das mit dem Buch.
So wie hier in letzter Zeit geht es nicht. Deshalb mag das hier für Sie ja durchaus unterhaltsam sein, aber ich garantiere Ihnen: Kein Verleger, der die letzten Texte hier liest, wird mit Ihnen ein Buch zum Thema Blog machen. Wahrscheinlich noch nicht mal zu irgendwas anderem. Verlagsleute sind ganz scheues Wild. Wieso sollte sich ein Verleger Typen ans Bein hängen, die instinktiv losgeifern und das Thema, um das es geht, augenblicklich schlecht machen? Wer will sich mit solchen, mit Verlaub, nörgelnden Autoren abgeben, die selbst aber nichts konstruktives beizutragen haben, oder sich bestenfalls in ihre Metadiskussionen für 3, 4 Freunde verkrümeln? Und bei dessen Buch jeder andere auch erst mal so einen Zinnober veranstaltet? Wer bitte braucht sowas, noch dazu, wenn es um so ein spezifisches Thema geht?
Und deshalb sage ich Ihnen - mit Verlaub, nicht persönlich zu nehmen und nichts für ungut: Von denen, die sich für die grossen Zampanos halten und denken, das Buch da machen die Falschen und sie wissen, was abgeht - Sie alle werden jenseits eines Book on Demands niemand finden, der Ihnen eine ISBN-Nummer gibt.
Seit 2 Tagen geht nun das lustige Treiben wegen unseres Buches. Es macht schon Spass zu sehen, dass viele der Kombattanten schon mal gesagt haben: Mensch, so ein Buch über Blogs, das sollte man doch mal, und so, und ich könnte das doch. Nicht alle, versteht sich, aber manche. Erlauben Sie dazu ein paar Hinweise und Erläuterungen, nur für diejenigen, die sich mit dieser Idee beschäftigen.
Man ist nach meiner Beobachtung recht von oben herab, hier, hält Internet für ein ideales Medium, aber innendrin würden viele doch gern ihren Namen auf dem Rücken eines Buches sehen – was ich sehr gut verstehe... Die Ergebnisse konnte ich auf der Buchmesse in Frankfurt erleben. Der Literat Don Alphonso kennt viele Agenten, Lektoren und PR-Personal, das dort die ganzen Irren mit ihren Manuskripten abfangen muss. Nachdem ich selbst ein Autor aus dem Netz bin, wurde ich sehr oft gefragt, was das mit diesen Blogs auf sich hat, das einige Leute den Verlagen angeboten haben. Ich weiss also von fast einem Dutzend Leuten oder Teams, die Bücher rund um das Thema im Gepäck hatten.
Keiner von denen hatte eine Chance. Der Markt gilt für jeden Aspekt jenseits der Technik als viel zu klein und zu heterogen. Meines Erachtens ist das nicht richtig; es gibt fraglos eine Reihe von Zielgruppen für Bücher aus der "Blogosphäre". Aber das muss man einem Verleger erst mal schlüssig erklären - wer das nicht kann, hat keine Chance. Verleger und Lektorat wiederum müssen es selbst so geil finden, dass auch sie die Vertreter wiederum begeistern können. Es muss ein positiver Flow da sein, sonst geht´s nicht. Gerade die oft anzutreffende Weltentsagungshaltung in Blogs, dass es ja so unwichtig ist, wirkt da höchst bremsend.
Dass es durchaus geht, beweist übrigens jetzt.de: Die bringen ihre Autoren regelmässig in Bücher, ganz normal und ganz ohne den angeblichen Hype. Aber die Blogosphäre? Ausser Lyssa? Fehlanzeige. Und der Grund? Weil die meisten Verlagsmenschen nach einem Blick in die Blogosphäre den Eindruck haben, dass die Hauptbetätigung Flame Wars, Dissen, Beleidigungen, Arroganz und Grössenwahn sind. Qualität, so dass man sie wirklich in die fraglos anderen Bedürfnisse des Medium Buch einpassen kann, muss man dagegen lange suchen. Diese Leute sind, vorsichtig gesagt, einen anderen Umgangston gewöhnt. Und fürs Suchen haben die keine Zeit.
Aber selbst wenn sie Qualität finden, ist in diesem Geschäft Konflikt nur ab einer Auflage von 100.000 lohnend. Erst dann bringt es Publicity. Alles andere, so Flames wie hier, fallen durch den medialen Rost, da mag man die debatte noch so ernst nehmen. Aber es ergibt eine giftige Atmosphäre. Verlage schauen zuerst mal nach, was sich im Umfeld des Buches so tut. Was die Leute sagen, wie es ankommt. In unserem Fall war das so, dass der Verlag die Verantwortlichkeit an uns als Herausgeber abgetreten hat, weil sich dort niemand mit den negativen Erscheinungen des Umfelds abgeben möchte - ich kann es verstehen. Für jede klassische Öffentlichkeitsarbeit wäre das hier im Netz eine Katastrophe, und da braucht es eben Leute vorn dran, die sich ihrer Haut zu erwehren wissen.
Aber das ist nur die eine Seite. Selbstreferenzielle Geschichten wie Blogawards, Blogwart oder diese hier sind ideal, wenn es um das Vergraulen von Interessenten jenseits des Ghettos der selbsternannten Superblogger geht. Ich vermute mal, dass der besonders im Antville-Umfeld gepflegte Stil a la Heise-Flame einer der Gründe ist, warum sich Newbies bei jetzt, blogger, 20six, livejournal und diary-z so wohl fühlen, und dort ihr eigenes Ding machen. Und da kann hier krakeelt werden, bis die Tastatur platzt: Das sind viele. Mehr als antville. Und die wollen wahrscheinlich auch was gutes schreiben. Das sind überraschend aufgeschlossene Leute, mit denen kann man reden, denen kann man vielleicht spielerisch und schön zeigen: Guck mal, es gibt dies und jenes, was Du tust hat eine gewisse Bedeutung, es gibt keine Medienmonopole mehr, mit jedem Posting verändert sich die Wahrnehmung für Dich und Deine Leser. Oder überleg mal, ob nicht auch so eine Schreibe was für Dich wäre. Das ist nämlich etwas, was ich ganz erheblich vermisse, dieses hin und wieder mal ein nettes Wort, oder ein wirklich gut gemeinter Tip.
Und nach draussen kann man zeigen: Guckt mal, was es an neuen Gesichtern und Geschichten hier in den Blogs gibt. Sie sind gut, im Netz und im Buch, und Qualität hat mit dem Medium nichts zu tun, aber das Netz ist eine grossartige Sache, diese Qualitäten zu entwickeln. Man kann Menschen nur dort abholen, wo sie sind. So geht das mit dem Buch.
So wie hier in letzter Zeit geht es nicht. Deshalb mag das hier für Sie ja durchaus unterhaltsam sein, aber ich garantiere Ihnen: Kein Verleger, der die letzten Texte hier liest, wird mit Ihnen ein Buch zum Thema Blog machen. Wahrscheinlich noch nicht mal zu irgendwas anderem. Verlagsleute sind ganz scheues Wild. Wieso sollte sich ein Verleger Typen ans Bein hängen, die instinktiv losgeifern und das Thema, um das es geht, augenblicklich schlecht machen? Wer will sich mit solchen, mit Verlaub, nörgelnden Autoren abgeben, die selbst aber nichts konstruktives beizutragen haben, oder sich bestenfalls in ihre Metadiskussionen für 3, 4 Freunde verkrümeln? Und bei dessen Buch jeder andere auch erst mal so einen Zinnober veranstaltet? Wer bitte braucht sowas, noch dazu, wenn es um so ein spezifisches Thema geht?
Und deshalb sage ich Ihnen - mit Verlaub, nicht persönlich zu nehmen und nichts für ungut: Von denen, die sich für die grossen Zampanos halten und denken, das Buch da machen die Falschen und sie wissen, was abgeht - Sie alle werden jenseits eines Book on Demands niemand finden, der Ihnen eine ISBN-Nummer gibt.
donalphons, 23:38h
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