... newer stories
Mittwoch, 21. Januar 2004
Blog aus der Gruft
Morgenlektüre des Jahres 2000: sueddeutsche.de, spiegel.de, salon.com, thestandard.com, danach der Rest. The industry Standard musste man lesen, egal ob man an das Zeug glaubte oder respectfully disagreete, wie ich. ZDnet und Wired schafften den Spin aus Wirtschaft, Technologie und Entertainment nie so rund und glatt wie the Standard. Es schien eine neue, unschlagbare Wirtschaftszeitung zu werden. Was ganz anderes als die drögen Managerverehrer hier in Deutschland. The Standard war die Zukunft.
Dann kam die Krise, die Anzeigenkunden sprangen ab, der frühere 400-Seiten-Wälzer schrumpfte auf knapp 100 Blättchen zusammen. Leute wurden entlassen, nochmal, mehrfach, eine Notmannschaft versuchte es noch eine Weile, aber dann ging The Standard als eine der grössten Pleiten in der jüngeren Verlagsgeschichte in die an Versagen reichen Annalen der New Economy ein...Bis jetzt.
The Standard ist wieder da. Und blogt zurück. In Person von Jimmy Guterman, einem früheren Redakteur. Die Jungs wollen es nochmal wissen. Und nutzen die rebrandete Plattform. Es ist Zeit für einen neuen Hype, für eine neue Barrikade, scheint es.
Und natürlich gesehen bei Ben Schwan von der Netzeitung
Dann kam die Krise, die Anzeigenkunden sprangen ab, der frühere 400-Seiten-Wälzer schrumpfte auf knapp 100 Blättchen zusammen. Leute wurden entlassen, nochmal, mehrfach, eine Notmannschaft versuchte es noch eine Weile, aber dann ging The Standard als eine der grössten Pleiten in der jüngeren Verlagsgeschichte in die an Versagen reichen Annalen der New Economy ein...Bis jetzt.
The Standard ist wieder da. Und blogt zurück. In Person von Jimmy Guterman, einem früheren Redakteur. Die Jungs wollen es nochmal wissen. Und nutzen die rebrandete Plattform. Es ist Zeit für einen neuen Hype, für eine neue Barrikade, scheint es.
Und natürlich gesehen bei Ben Schwan von der Netzeitung
donalphons, 03:02h
... link (2 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 20. Januar 2004
Real Life 20.1.04 - kurz vor der Brunnenstrasse
Neue Räume im Halogenlicht. Schwarze Flatscreens auf den Tischen, ausgerichtet wie eine Kompanie Fascisten beim Abmarsch. Vereinzelt ein paar Männer in dunklen Anzügen, oft mit bürobedingtem Fettbauch. Alles ausser ihnen ist neu, edel und teuer. Sie haben es für viel Geld kreieren lassen, aber jetzt stören sie. Sie sind schon viel zu lange im Geschäft, sie sind faltig und nicht mehr schön. Statt rauszugehen und das Büro in seiner kalten Eleganz allein zu lassen, werden sie es benutzen, herunterwirtschaften, und in ein paar Jahren, selbst erheblich gealtert, auf den Müll kippen. Die Halbwertszeit des Menschen ist noch nicht auf dem Niveau eines Monitors.
Sondern immer noch so hoch wie eines Freischwingers mit Kernlederbezug. Und das wird sich erst ändern, wenn man Menschen schneller steuerlich abschreiben kann.
Sondern immer noch so hoch wie eines Freischwingers mit Kernlederbezug. Und das wird sich erst ändern, wenn man Menschen schneller steuerlich abschreiben kann.
donalphons, 22:23h
... link (0 Kommentare) ... comment
Real Life 20.01.2004 - Backfabrik
Am Prenzlauer Berg vorbei, Richtung Norden, auf der linken Seite: Die Backfabrik. Lofts in einer ehemaligen Grossbäckerei für Berlin. 2002 eröffnet, also viel zu spät. Die Wege und Treppen sind hell erleuchtet, aber niemand ist zu sehen.
Die grossartigen Pläne zur Restaurierung stammen aus den Jehren 1999/2000. Der Besitzer hat Geld, aber jeden Tag muss er bluten. Solang der Aufschwung nicht kommt und die Startups die Öffentlichkeit scheuen, wird es so bleiben. Und wohl auch noch länger, denn Berlin ist voller gecrashter Immobilienfonds und leerer Büroflächen. Gründen gilt als uncool und gefährlich für Hab und Gut.
Wahrscheinlich sitzen in Frankfurter Türmen und Müncher Vorstadtglashäusern Menschen in dezenten Anzügen und handgenähten Schuhen. Sie überlegen, wann das Window of Opportunity für die Übernahme des Objekt offen steht. Und ob so eine Fabrik ins Portfolio passt.
Die grossartigen Pläne zur Restaurierung stammen aus den Jehren 1999/2000. Der Besitzer hat Geld, aber jeden Tag muss er bluten. Solang der Aufschwung nicht kommt und die Startups die Öffentlichkeit scheuen, wird es so bleiben. Und wohl auch noch länger, denn Berlin ist voller gecrashter Immobilienfonds und leerer Büroflächen. Gründen gilt als uncool und gefährlich für Hab und Gut.
Wahrscheinlich sitzen in Frankfurter Türmen und Müncher Vorstadtglashäusern Menschen in dezenten Anzügen und handgenähten Schuhen. Sie überlegen, wann das Window of Opportunity für die Übernahme des Objekt offen steht. Und ob so eine Fabrik ins Portfolio passt.
donalphons, 04:23h
... link (3 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 20. Januar 2004
Old teaching young
Damals, Berkeley, muss ihre grosse Zeit gewesen sein. Hey hey, LBJ, how many kids have you killed today. Sie waren ganz vorne mit dabei, und als Kissinger den Schwanz einzog und der Alptraum Vietnam endlich vorbei war, hatten sie ihre Mission erfüllt. Sie gingen in den Beruf, machten Karriere und wurden reich. Manche verliessen auch die USA, bildeten Expat-Gemeinden irgendwo in der Welt und waren mit dem Leben zufrieden. So zufrieden, wie es nur Amerikaner sein können.
George W. Bush stört diese Zufriedenheit. Er ist genau das, wogegen sie in Berkeley angetreten sind: Der Inbegriff des drögen Cowboys aus dem Mittelwesten. Bush stört sie. Bush inszeniert das neue Vietnam.
Und deshalb machen sich die inzwischen angegrauten Damen auf, um nochmal zu mobilisieren. Sie, nicht die jungen Leute, bringen die Expats dazu, sich als Wähler registrieren zu lassen. Die 68er sagen den Twens abroud, wie das geht. Sie machen American Voices Abroad Party. Draussen gibt es noch Bier, drinnen, nach der Registrierung dann Rotwein. Und die Jungen lernen mühsam, wie das geht, aktiv zu werden und sich nichts alles vom reaktionären Klüngel gefallen zu lassen.

Die 68er machen aus ihren Überzeugungen keinen Hehl. Eine der Frauen trägt unter ihrem alteuropäischen, roten Pashmina-Poncho von Krizia eine Friedenstaube. Aus Silber, handgesschmiedet.
George W. Bush stört diese Zufriedenheit. Er ist genau das, wogegen sie in Berkeley angetreten sind: Der Inbegriff des drögen Cowboys aus dem Mittelwesten. Bush stört sie. Bush inszeniert das neue Vietnam.
Und deshalb machen sich die inzwischen angegrauten Damen auf, um nochmal zu mobilisieren. Sie, nicht die jungen Leute, bringen die Expats dazu, sich als Wähler registrieren zu lassen. Die 68er sagen den Twens abroud, wie das geht. Sie machen American Voices Abroad Party. Draussen gibt es noch Bier, drinnen, nach der Registrierung dann Rotwein. Und die Jungen lernen mühsam, wie das geht, aktiv zu werden und sich nichts alles vom reaktionären Klüngel gefallen zu lassen.

Die 68er machen aus ihren Überzeugungen keinen Hehl. Eine der Frauen trägt unter ihrem alteuropäischen, roten Pashmina-Poncho von Krizia eine Friedenstaube. Aus Silber, handgesschmiedet.
donalphons, 00:51h
... link (0 Kommentare) ... comment
Eigentlich
wollte ich die verblichenen Geister meiner Vergangenheit, die wohlkonserviert in Regalen, Kisten und Hirnzellen schlummerten, schnell und still auf 192 Seiten pressen. Denn es gibt sie längst nicht mehr, sie sind durch die Zeit und die Veränderungen längst verblasen, aufgelöst, zerfallen.
Aber in den letzten Monaten tauchen sie da und dort wieder auf, mischen sich ein, wollen mehr sein als Objekte meines forschenden Interesses. Sie reden mich an, schrauben am Bild, sehen es anders. Hier kracht es, dort horxt wer.
Sie sind überall, und sie sind nah. Ich muss schneller schreiben. Keine Frage, sie sind hinter mir her, die Jungs der "Generation Tempo".
Aber in den letzten Monaten tauchen sie da und dort wieder auf, mischen sich ein, wollen mehr sein als Objekte meines forschenden Interesses. Sie reden mich an, schrauben am Bild, sehen es anders. Hier kracht es, dort horxt wer.
Sie sind überall, und sie sind nah. Ich muss schneller schreiben. Keine Frage, sie sind hinter mir her, die Jungs der "Generation Tempo".
donalphons, 05:30h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 18. Januar 2004
Damals, 2000, Gründertreffen München
a, Absolventin der bayerischen Akademie für Marketing, macht Consulting für Seedphasen, und b, Agenturmensch vom Prenzlauer Berg, auf Besuch in der Munich Area fürs Networking.
a: Hier gibt es nicht mehr mal eine Besenkammer. Der Immobilienmarkt ist platt. Grausam, Maklerin hätte ich werden sollen.
b: In Berlin wird es auch langsam schwierig. Inzwischen werden schon Lofts im alten Stil nachgebaut.
a: Schon etwas degoutant, oder?
b: Mein Ding wär´s nicht, und viele andere weichen von Mitte inzwischen auch nach Norden aus, in den Wedding. Dort gibt es noch echte Art Deco Lofts.
a: Wow, Art Deco, das kommt sicher toll, wenn man da so Bauhausmöbel reinstellt, von dem Marcel Breker oder wie der heisst, so Stahlrohrmöbel halt, alles ganz klassich und gediegen.
b: Da muss man sich aber echt beeilen, weil sonst ist da alles bald weg. Ist aber auch gut für das Viertel weil da gibt es so viel türkisches Zeug und wenn wir da erst mal voll aufbauen, dann müssen die allein schon wegen der Mietpreise weg, cheers.
a: Cheers!

b: Und der erste Coffee Shop ist auch schon in Planung. Das Zeug was es da im Wedding gibt kann man ja nicht essen, noch nicht mal anständige Bagels.
a: Naja, aber ein paar Türken dürften schon bleiben, sonst verliert das Viertel doch seinen Flair.
b: Von mir aus können die alle nach Marzahn, denn wenn es dort erst mal voll abgeht, haben die dort nichts mehr verloren. Wirkt auch nicht gut auf die Kunden. Hier ist jetzt etwas die Luft raus, oder? gehen wir noch wohin?
a: Da gibt´s nur eins: Das Pacha im Media Works Munich. Das sind unsere Lofts aus den 60ies und 70ies, die sind auch nicht schlecht.
a: Hier gibt es nicht mehr mal eine Besenkammer. Der Immobilienmarkt ist platt. Grausam, Maklerin hätte ich werden sollen.
b: In Berlin wird es auch langsam schwierig. Inzwischen werden schon Lofts im alten Stil nachgebaut.
a: Schon etwas degoutant, oder?
b: Mein Ding wär´s nicht, und viele andere weichen von Mitte inzwischen auch nach Norden aus, in den Wedding. Dort gibt es noch echte Art Deco Lofts.
a: Wow, Art Deco, das kommt sicher toll, wenn man da so Bauhausmöbel reinstellt, von dem Marcel Breker oder wie der heisst, so Stahlrohrmöbel halt, alles ganz klassich und gediegen.
b: Da muss man sich aber echt beeilen, weil sonst ist da alles bald weg. Ist aber auch gut für das Viertel weil da gibt es so viel türkisches Zeug und wenn wir da erst mal voll aufbauen, dann müssen die allein schon wegen der Mietpreise weg, cheers.
a: Cheers!

b: Und der erste Coffee Shop ist auch schon in Planung. Das Zeug was es da im Wedding gibt kann man ja nicht essen, noch nicht mal anständige Bagels.
a: Naja, aber ein paar Türken dürften schon bleiben, sonst verliert das Viertel doch seinen Flair.
b: Von mir aus können die alle nach Marzahn, denn wenn es dort erst mal voll abgeht, haben die dort nichts mehr verloren. Wirkt auch nicht gut auf die Kunden. Hier ist jetzt etwas die Luft raus, oder? gehen wir noch wohin?
a: Da gibt´s nur eins: Das Pacha im Media Works Munich. Das sind unsere Lofts aus den 60ies und 70ies, die sind auch nicht schlecht.
donalphons, 22:53h
... link (0 Kommentare) ... comment
Alles für die Jugend!
Die modernen Technologien stärken unser wirtschaftliches Potential und bieten zugleich für viele Werktätige ein interessantes Feld schöpferischer Arbeit und persönlicher Entfaltung. Das gilt insbesondere für die junge Generation.
Erich Honecker, 7.10.1989
Jeder soll Zugang zu den Neuen Medien haben, jeder soll ihren Nutzen und ihre Grenzen kennen. Deshalb meinen wir es wörtlich, wenn wir dazu auffordern, unsere Kinder den Umgang mit Computern zu lehren: nicht nur die Technik, sondern mehr noch die Kultur dieser Form der Kommunikation.
Gerhard Schröder, 10.11.1998
Erich Honecker, 7.10.1989
Jeder soll Zugang zu den Neuen Medien haben, jeder soll ihren Nutzen und ihre Grenzen kennen. Deshalb meinen wir es wörtlich, wenn wir dazu auffordern, unsere Kinder den Umgang mit Computern zu lehren: nicht nur die Technik, sondern mehr noch die Kultur dieser Form der Kommunikation.
Gerhard Schröder, 10.11.1998
donalphons, 16:10h
... link (0 Kommentare) ... comment
Mene Tekel Upharsin
Ich gehöre zu den Leuten, die ein modernes Buch nach dem Umschlag beurteilen. Das beruht auf langjährigen Erfahrungen als addicted customer der deutschen Verlagsbranche und ihrer ebenso deutschen Autoren.
Wenn sowas auf dem Cover ist:

dann sieht das im ersten Momentziemlich bombastisch aus, verspricht aber wenig Nachdenken beim Verlag: Es handelt sich um den Bahn Tower am Potsdamer Platz in der Marzahner Vorstadt Berlin a. d. Spree. Eine luftige Architektur, die nicht im Mindesten zu den realen Heizungsdämpfen passt, mit denen dieser Konzern im Winter seine Kunden vergiftet.
Nun hat der Fischerverlag aber genau dieses Gebäude auf den Umschlag von Lukas Hammersteins "Die 120 Tage von Berlin" gesetzt. Und zwar so, dass die DB-Leuchtreklame nicht zu sehen ist. Man war sich wohl des Problems bewusst: Die Bahn passt auch nicht zum Inhalt des Buches, das sich mit dem Scheitern der New Economy Generation auseinandersetzt - ad majorem gloriam des Verlages und der dummdreisten Provinler, die gerne was Schlechtes über Leute lesen, die nicht im Kaff bei des gammligen Zügen geblieben sind.
So unehrlich beginnt also das Buch eines Autors, der dieses Jahr den Bachmanpreis so gerechtfertigt nicht bekam, wie ihn auch sonst alle anderen nicht verdient hätten, inclusive der späteren Siegerin mit ihrer Betroffenheitsprosa. Das Cover soll sagen: Boh, Berlin Mitte - und ist doch nur eine Fassade, ein potemkinsches Dorf eines übersubventionierten Provinzskandals mit stinkender Heizung.
Ich lasse mich nicht gerne anlügen. Weshalb ich mir das Buch nicht gekauft habe, wie viele andere auch. Zumal allein der Titel eine Anmassung ist. Man würde beim Lesen nur Sehnsucht nach De Sade bekommen.
Und so bleit der Hammerstein in den Regalen vor sich hin. Das Buch ist in etwa so erfolgreich wie die Bahnreform, und für den Fischer Verlag ist es ein Debakel, wie ein geplatztes Startup für einen Venture Capitalisten. Das klappte nicht mit dem "Schlüsselroman", als der das Buch angekündigt wurde.
Wenn sowas auf dem Cover ist:

dann sieht das im ersten Momentziemlich bombastisch aus, verspricht aber wenig Nachdenken beim Verlag: Es handelt sich um den Bahn Tower am Potsdamer Platz in der Marzahner Vorstadt Berlin a. d. Spree. Eine luftige Architektur, die nicht im Mindesten zu den realen Heizungsdämpfen passt, mit denen dieser Konzern im Winter seine Kunden vergiftet.
Nun hat der Fischerverlag aber genau dieses Gebäude auf den Umschlag von Lukas Hammersteins "Die 120 Tage von Berlin" gesetzt. Und zwar so, dass die DB-Leuchtreklame nicht zu sehen ist. Man war sich wohl des Problems bewusst: Die Bahn passt auch nicht zum Inhalt des Buches, das sich mit dem Scheitern der New Economy Generation auseinandersetzt - ad majorem gloriam des Verlages und der dummdreisten Provinler, die gerne was Schlechtes über Leute lesen, die nicht im Kaff bei des gammligen Zügen geblieben sind.
So unehrlich beginnt also das Buch eines Autors, der dieses Jahr den Bachmanpreis so gerechtfertigt nicht bekam, wie ihn auch sonst alle anderen nicht verdient hätten, inclusive der späteren Siegerin mit ihrer Betroffenheitsprosa. Das Cover soll sagen: Boh, Berlin Mitte - und ist doch nur eine Fassade, ein potemkinsches Dorf eines übersubventionierten Provinzskandals mit stinkender Heizung.
Ich lasse mich nicht gerne anlügen. Weshalb ich mir das Buch nicht gekauft habe, wie viele andere auch. Zumal allein der Titel eine Anmassung ist. Man würde beim Lesen nur Sehnsucht nach De Sade bekommen.
Und so bleit der Hammerstein in den Regalen vor sich hin. Das Buch ist in etwa so erfolgreich wie die Bahnreform, und für den Fischer Verlag ist es ein Debakel, wie ein geplatztes Startup für einen Venture Capitalisten. Das klappte nicht mit dem "Schlüsselroman", als der das Buch angekündigt wurde.
donalphons, 04:30h
... link (1 Kommentar) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 18. Januar 2004
Mitte,
mitten in der Nacht. Dieses Neubau-Loft orientiert sich an der Neuen Sachlichkeit, an den Entwürfen von Erich Mendelsohn, Ende der 20er Jahre. Die sinnlosen Sprossen in den Fenstern sind reine Showeffekte, wie auch die Beleuchtung. Niemand arbeitet hier.

Die, die hier laut Business Plan arbeiten sollten, nahe der Hackeschen Höfe, gibt es nicht mehr.
Die New Economy war nicht die Hoffnung für Berlin, es war die einzige Hoffnung. Die Lücken soll jetzt das widerstrebende BKA aus Wiesbaden füllen. Kriminalbeamte statt Jungunternehmer. Berlin wird wieder so, wie es schon immer war: Ein Kasernenhof mit einem Wasserkopf aus Beamten.

Die, die hier laut Business Plan arbeiten sollten, nahe der Hackeschen Höfe, gibt es nicht mehr.
Die New Economy war nicht die Hoffnung für Berlin, es war die einzige Hoffnung. Die Lücken soll jetzt das widerstrebende BKA aus Wiesbaden füllen. Kriminalbeamte statt Jungunternehmer. Berlin wird wieder so, wie es schon immer war: Ein Kasernenhof mit einem Wasserkopf aus Beamten.
donalphons, 00:43h
... link (4 Kommentare) ... comment
Böse.
Ganz böse, das. Nicht nett, zumindest.
Dem Deutschlandbild der Amerikaner nicht eben zuträglich. Aber da ist sowieso alles zu spät.
Dem Deutschlandbild der Amerikaner nicht eben zuträglich. Aber da ist sowieso alles zu spät.
donalphons, 16:31h
... link (1 Kommentar) ... comment
Real Life 17.1.2004 - Kastanienallee
Das ist das Schöne an den ausgebrannten Bunkern der New Economy: Auch nach ein, zwei Jahren kann man sich sicher sein, dass die Ruinen unverändert vor sich hin gammeln.
Der selbe alte 17 Zöller steht noch im Schaufenster. Die Tastatur steckt im Mülleimer, und das Kabel kringelt sich auf dem schmutzigen, früher mal pastellorangen Teppichboden. Zu viele junge Leute sind achtlos darauf rumgetrampelt, ohne sich den Strassenstaub von den Schuhen zu treten - das ist doch spiessig.
Wo früher mal eliptische Designerlampen waren, sind jetzt nur noch Kabel an der Decke. Hinten, im Dunkeln des Raumes, ist das IKEA-Regal zu erkennen, auf dem ein paar bunte, leere Aktenordner vor sich hinschlummern. Der Inhalt ist beim Insolvenzverwalter.
Es gibt noch einen Tisch mit drei Beinen und zwei übereinander gestellten Bierkisten an der Stelle, wo ein wütender Mitarbeiter ein Bein rausgekickt hat. In einer Ecke steht Computerschrott, der 1999 noch das Beste war, was man bekommen konnte. Man muss ganz nah ran ans Fenster, um das zu erkennen, denn die Scheiben sind innen und aussen seit Jahren nicht mehr geputzt worden.
Das "Zu vermieten!"-Schild ist ziemlich vergilbt, seit ich das letzte Mal hier war, im April 2003.
Im Norden von Berlin nichts neues.
Der selbe alte 17 Zöller steht noch im Schaufenster. Die Tastatur steckt im Mülleimer, und das Kabel kringelt sich auf dem schmutzigen, früher mal pastellorangen Teppichboden. Zu viele junge Leute sind achtlos darauf rumgetrampelt, ohne sich den Strassenstaub von den Schuhen zu treten - das ist doch spiessig.
Wo früher mal eliptische Designerlampen waren, sind jetzt nur noch Kabel an der Decke. Hinten, im Dunkeln des Raumes, ist das IKEA-Regal zu erkennen, auf dem ein paar bunte, leere Aktenordner vor sich hinschlummern. Der Inhalt ist beim Insolvenzverwalter.
Es gibt noch einen Tisch mit drei Beinen und zwei übereinander gestellten Bierkisten an der Stelle, wo ein wütender Mitarbeiter ein Bein rausgekickt hat. In einer Ecke steht Computerschrott, der 1999 noch das Beste war, was man bekommen konnte. Man muss ganz nah ran ans Fenster, um das zu erkennen, denn die Scheiben sind innen und aussen seit Jahren nicht mehr geputzt worden.
Das "Zu vermieten!"-Schild ist ziemlich vergilbt, seit ich das letzte Mal hier war, im April 2003.
Im Norden von Berlin nichts neues.
donalphons, 13:03h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 16. Januar 2004
1.500.000 Quadratmeter
sind so viel wie 50.000 grosszügige Studentenwohnungen. Könnten es zumindest sein.

Tatsächlich ist es die Fläche der leer stehenden Büros in München. Gerade eben, heute. Aber es wird witerhin kräftig dazugebaut. Laut Plan, damals im Boom erstelllt.

Tatsächlich ist es die Fläche der leer stehenden Büros in München. Gerade eben, heute. Aber es wird witerhin kräftig dazugebaut. Laut Plan, damals im Boom erstelllt.
donalphons, 04:44h
... link (2 Kommentare) ... comment
Kotzfressenparade
wWOOOSSCCCHHHH
fetzte das Napalm der Krise
handhirngefickte Manuskriptproposals
nuttenschüchtern lächelnder Debutantenblagen
weit weg aus den Sautrögen der Lektoren,
wo sie von der stinkenden Agentenpest
hineingejaucht wurden.

Übrig bleiben die par Typen, die aus gutem Grund auf dem Schulhof was in die Fresse bekamen, bei ihrem Gschau. Mogst a Fotzn, sagt man und ich in Bayern, und sie mogsen. Weil so wie sie schauen in den Verlagsvorschauen.
Besonders beim Fischer-Komplex mitsamt Argon und Krüger muss man dreinstieren, als ob man 7 Monate im sunnitischen Dreieck auf christlicher Friedensinitiative war. Oder als Kirchenvorstandssohn. Oder als aufgedunsener Kadaver von Micheal Jackson mit missglückter Geschlechtsumwandlung.
Mageninhaltsquirlend auch Kiepenheuer; vornedrin zigarrerauchend Lunkewitz, danach Leute, die oft dringend einen Frsör bräuchten, und hardcore Tacker-Lifting. Keiner mochte sie damals, da immer schwer komplexbeziehungsgeschädigt und unfickbar. Seitdem hat sich die Angst in die Fazialritzen gefressen wie der Frust in die Zeilen.
Hilfreich wäre Ganzkörperpickelsalbe bei norddeutsch/europäischen Debutkunstwollenden im Berlin VerSlag. Und dann kommt auch so mancher Institutsgeschreibeproduzzer aus der DDR, schön und freudig wie der antiimperialistische Schutzwall.
Autor muss hässlich.
Ich Hass.
fetzte das Napalm der Krise
handhirngefickte Manuskriptproposals
nuttenschüchtern lächelnder Debutantenblagen
weit weg aus den Sautrögen der Lektoren,
wo sie von der stinkenden Agentenpest
hineingejaucht wurden.

Übrig bleiben die par Typen, die aus gutem Grund auf dem Schulhof was in die Fresse bekamen, bei ihrem Gschau. Mogst a Fotzn, sagt man und ich in Bayern, und sie mogsen. Weil so wie sie schauen in den Verlagsvorschauen.
Besonders beim Fischer-Komplex mitsamt Argon und Krüger muss man dreinstieren, als ob man 7 Monate im sunnitischen Dreieck auf christlicher Friedensinitiative war. Oder als Kirchenvorstandssohn. Oder als aufgedunsener Kadaver von Micheal Jackson mit missglückter Geschlechtsumwandlung.
Mageninhaltsquirlend auch Kiepenheuer; vornedrin zigarrerauchend Lunkewitz, danach Leute, die oft dringend einen Frsör bräuchten, und hardcore Tacker-Lifting. Keiner mochte sie damals, da immer schwer komplexbeziehungsgeschädigt und unfickbar. Seitdem hat sich die Angst in die Fazialritzen gefressen wie der Frust in die Zeilen.
Hilfreich wäre Ganzkörperpickelsalbe bei norddeutsch/europäischen Debutkunstwollenden im Berlin VerSlag. Und dann kommt auch so mancher Institutsgeschreibeproduzzer aus der DDR, schön und freudig wie der antiimperialistische Schutzwall.
Autor muss hässlich.
Ich Hass.
donalphons, 03:39h
... link (0 Kommentare) ... comment
Dotcom Babylon
schreibt Berlins Stadtmagazin Tip. Und freut sich über die niedrigen Beweggründe, die ich ausgewalzt habe. "Vorzüglicher Kapitalismuskrimi", sagen sie. Berlin ist dann doch manchmal eine Reise wert. Zumal es das Ding nur hier gibt, und nicht im Netz.
donalphons, 02:51h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 15. Januar 2004
Tempo 60
und einfach die Kamera raushalten. Nicht lang auf das Scharfstellen warten. Einfach abdrücken.

So entstehen vielleicht die Bilder, die dann irgendwo abgedruckt werden. Weil zufällug auch noch ein Schriftzug, ein verwischtes Ambiente zu erkennen ist, das zum Thema passt.
Viva Dilettanti!

So entstehen vielleicht die Bilder, die dann irgendwo abgedruckt werden. Weil zufällug auch noch ein Schriftzug, ein verwischtes Ambiente zu erkennen ist, das zum Thema passt.
Viva Dilettanti!
donalphons, 00:11h
... link (0 Kommentare) ... comment
Real Life 14.1.2004 - Bayerischblau
Vielleicht ist es der Föhn, der gerade ultramarinblau ein paar Wolken nach Norden peitscht. Dieser Wind, der die Menschen in München durchdrehen lässt. Sie laden wildfremde Frauen zum Essen ein, rasen über drei rote Ampeln, kaufen noch eine Alessi-Espresso-Maschine und gründen Startups in Schwabing. Wenn sie Glück haben und halbwegs resistent sind, fahren sie mit einem Mädchen an den Starnberger See, das ihnen erzählt, dass sie mit ihrem langjährigen Freund Schluss gemacht hat. Und entdecken dabei, dass ihre sonst stechend blauen Augen auch sanft verschleiert sein können, bei Föhn.
Gestern haben wir Themen angerissen, die noch zu besprechen sind. Warum gerade München das Zentrum der neuen Wirtschaft war und ist, und nicht Berlin, Frankfurt, Köln oder Hamburg. Es gibt viele rationale Erklärungen. Es gibt eine Kombination von Standortfaktoren, die diese Stadt einzigartig macht.
Und den Föhn, der die Leute verrückt macht. Diese Erklärung ist vielleicht irrational, aber logisch.
Gestern haben wir Themen angerissen, die noch zu besprechen sind. Warum gerade München das Zentrum der neuen Wirtschaft war und ist, und nicht Berlin, Frankfurt, Köln oder Hamburg. Es gibt viele rationale Erklärungen. Es gibt eine Kombination von Standortfaktoren, die diese Stadt einzigartig macht.
Und den Föhn, der die Leute verrückt macht. Diese Erklärung ist vielleicht irrational, aber logisch.
donalphons, 11:59h
... link (17 Kommentare) ... comment
Oh Lord won´t you buy me
Der Smart läuft nicht schlecht. Aber als dieses Haus geplant wurde, dachten alle, er würde viel besser laufen.

Denn der Smart ist das Auto für Startups. Klein, billig, flippig, macht optisch was her. Ist für jeden Parkplatz kurz genug. Praktikantinnen mit roten Haaren lieben Smarts. Besonders, wenn man das Verdeck aufmachen kann.
Allerdings sind Startup-Smarts selten geworden. So günstig war das Leasing denn doch nicht. Für die drei überlebenden Mitarbeiter tut´s auch Muttis Volvo. Und die Praktikantin ist auch keine Studentin mehr, sondern eine chancenlose Mittdreissigerin, die mal Head of Business Development war. Man hat sie genommen, weil sie saubillig zu kriegen war. Und ihren inzwischen leicht verbeulten Boxter selbst mitbringt. Der macht mehr her, wenn die damit zu den letzten 3 Kunden fährt.
Der Smart ist für die Krise nicht clever genug. Deshalb wird dieses Haus mehr zum Wohnzimmer für Smarts, denn zum Auslass. Ist aber trotzdem nicht schlecht für die Kleinen. Hell, trocken, der Lärm der Züge von nebenan dringt kaum durch die dicken, frisch geputzten Scheiben.
Die Penner unter der Brücke können von solchen Zuständen nur träumen.

Denn der Smart ist das Auto für Startups. Klein, billig, flippig, macht optisch was her. Ist für jeden Parkplatz kurz genug. Praktikantinnen mit roten Haaren lieben Smarts. Besonders, wenn man das Verdeck aufmachen kann.
Allerdings sind Startup-Smarts selten geworden. So günstig war das Leasing denn doch nicht. Für die drei überlebenden Mitarbeiter tut´s auch Muttis Volvo. Und die Praktikantin ist auch keine Studentin mehr, sondern eine chancenlose Mittdreissigerin, die mal Head of Business Development war. Man hat sie genommen, weil sie saubillig zu kriegen war. Und ihren inzwischen leicht verbeulten Boxter selbst mitbringt. Der macht mehr her, wenn die damit zu den letzten 3 Kunden fährt.
Der Smart ist für die Krise nicht clever genug. Deshalb wird dieses Haus mehr zum Wohnzimmer für Smarts, denn zum Auslass. Ist aber trotzdem nicht schlecht für die Kleinen. Hell, trocken, der Lärm der Züge von nebenan dringt kaum durch die dicken, frisch geputzten Scheiben.
Die Penner unter der Brücke können von solchen Zuständen nur träumen.
donalphons, 03:22h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 13. Januar 2004
Gotham City Architectural Guide I
In der New Economy waren sie eher still und zurückhaltend, aber jetzt sind sie die Gewinner.

Marsh Mercer Putnam am Altstadtring in München. Was ganz anderes als KPMG, die im Westend vergeblich hoffen, diesen Slum aufzuwerten.

Marsh Mercer Putnam am Altstadtring in München. Was ganz anderes als KPMG, die im Westend vergeblich hoffen, diesen Slum aufzuwerten.
donalphons, 01:16h
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories



