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Freitag, 7. Mai 2004
Real Life 4.5.2004 - Wie es dann weitergeht.
Ich schaue dann noch mal in meiner Ralph-Lauren-Brieftasche nach. Die habe ich aus meiner Heimatstadt, die zwar klein ist, aber einen guten Herrenausstatter hat. Ich würde nie Hemden von Lauren tragen, aber die Brieftasche ist aus schönem Leder und altert nicht. Sie setzt Patina an. Nach etwas Suchen finde ich dann doch noch die sieben Euro Eintritt.
Ich gehe durch das Literaturcafe, als das sich Eggers und Landwehr präsentieren möchte. Rechts an der Wand ist ein Glaskasten mit den Büchern der Autoren, die sie vertreten. Vorne sind die Bestseller, nach hinten kommen die Pleiten oder die, die noch unsicher sind. Das heisst, vorne stehen Illies und Kaminer. Ich frage mich, was ich hier tue. Es ist sehr unangenehm, in einem Cafe zu sein, das sich mit Kaminer und Illies wichtig tut. Beide haben keinen Stil. Illies lässt sich mit Playmobil fotografieren, und Kaminer liest in Uni-Kantinen.
Aber da kommt schon Ingo und begrüsst mich. Er sagt, er muss noch was wegen dem Ablauf der Lesung besprechen, aber Christian ist schon da und sie werden dann bald anfangen. Die Minusvisionäre kommen auch bald. Gut, sage ich, gehe nach hinten und sehe dabei das Publikum.
Ich meine, einer der Gründe, warum ich Faserland wirklich gerne mag, ist, dass Berlin darin nicht auftaucht. In Faserland dreht sich alles um Orte, an denen man angenehm leben kann und kein Problem hat, sich ordentliche Kleidung zu kaufen, wenn man mal kein frisches Hemd mehr hat. Dieser Unterschied wird mir klar, als ich mir einen Platz suche. Überall sitzen Berliner in unmöglicher Bekleidung. Sie jammern nicht über ihre Armut, sie geben damit nicht an, ausser vielleicht so ein paar SED-Stalinisten im Haus gegenüber, aber sie sind einfach arm. Ich habe mich für diesen Abend bewusst downgedresst, aber es hilft nichts.
Ich nehme einen Stuhl und bestelle einen Tee. Der kommt ein paar Minuten später in einer Kanne, mit braunem Kandis, und ist kein Beuteltee. Die Bedienung will gleich kassieren. Ich befürchte, dass das jetzt schon wieder losgeht, dass sie auf den 50-Euro-Schein nicht rausgeben kann, aber sie sagt, 2,20 Euro, und die drei Euro habe ich auch noch klein. Während ich mich frage, wie die es jemals zu was bringen wollen, wenn die für eine Kanne Tee 2,20 Euro verlangen, kommen die Minusvisionäre. Erst Jens, dann Alex, und der bringt auch Kaspar mit, den ich noch nicht kenne. Das heisst, ich kenne ihn natürlich, ich habe bei Dotcomtod viel über ihn geschrieben. aber dass es der Kaspar ist, erfahre ich erst nach der Lesung.
Jens stellt mich Kaspar vor, und Kaspar begeift auch nicht gleich, dass ich der Don Alphonso bin. Kaspar ist Schweizer, und man kann mit ihm gut über das lausige Preisniveau in Berlin reden. Weder in München noch in Zürich würde man für 2,20 Euro einen Tee bekommen, eigentlich noch nicht mal ein Glas Wasser mit Teebeutel. Kaspars Freundin ist auch dabei. Sie ist sehr Berlin Mitte und trägt einen engen, knallroten Mantel mit weissen Streifen, wie die Frauen in Kill Bill, und dazu eine Jeans und rote Turnschuhe.
Dann kommen aber Ingo und Christian und setzen sich nach vorne.

Die Einführung hält einer, dem man den Agenten auch aus 100 Meter Entfernung ansieht. Er trägt ein gestreiftes Fred-Perry-Polo-Shirt, das aussieht wie ein drittklassiges Popliteraturbuch von Rebecca Casati. Ich weiss auch nicht, warum ich immer an Rebecca denken muss, wenn ich ans Scheitern von Literaten denke. Obwohl das Wort Literat da viel zu hoch ist, aber es wäre unhöflich, etwas anderes zu sagen. Ich kenne so viele, die auf die Schnauze gefallen sind. Da oben steht zum Beispiel ein Buch von Karsten, der mir gesagt hat, mein Verleger wäre schlecht. Der hat ja keine Ahnung. Ich lese bald im Roten Salon, was mir eigentlich gar nicht wichtig ist, weil es ja nur so eine Abfeierklitsche in Mitte ist, aber Karsten muss hier drinnen lesen, sein Buch in einem Kasten weiter hinten sehen und wird von einem Agenten vorgestellt, dessen Perry-Shirt ganz furchtbar eingelaufen ist, so, wie es sich um seinen Körper spannt. Eine Fred-Perry-Knackwurst, aber wahrscheinlich ist es Absicht.
Ich fühle mich sofort wieder unwohl und konzentriere mich darauf, sorgsam Kandis für Kandis in meinen Tee gleiten zu lassen, und umzurühren. Ich höre nicht hin. Dann endlich beginnen Ingo und Christian zu lesen. Christian raucht nebenbei. Die Texte sind nicht von ihnen und ergeben keinen Sinn, aber ich bin heute 6 Stunden gefahren, von meiner kleinen Heimatstadt in dieses arme Berlin, durch diese kaputte DDR, die der Kohl kaufen wollte und die wir offensichtlich nur viel zu teuer gemietet haben, und da ist es mir irgendwo egal, was die da vorne lesen, aber es ist gut, dass es um durchgeknallte Bewohner des Pazifik und abgeschnittene Stierhoden geht. Nach der Pause lesen sie die Geschichte über Stylegames aus Minusvisionen, und vorgelesen ist es noch besser als im Original.
Ich gehe durch das Literaturcafe, als das sich Eggers und Landwehr präsentieren möchte. Rechts an der Wand ist ein Glaskasten mit den Büchern der Autoren, die sie vertreten. Vorne sind die Bestseller, nach hinten kommen die Pleiten oder die, die noch unsicher sind. Das heisst, vorne stehen Illies und Kaminer. Ich frage mich, was ich hier tue. Es ist sehr unangenehm, in einem Cafe zu sein, das sich mit Kaminer und Illies wichtig tut. Beide haben keinen Stil. Illies lässt sich mit Playmobil fotografieren, und Kaminer liest in Uni-Kantinen.
Aber da kommt schon Ingo und begrüsst mich. Er sagt, er muss noch was wegen dem Ablauf der Lesung besprechen, aber Christian ist schon da und sie werden dann bald anfangen. Die Minusvisionäre kommen auch bald. Gut, sage ich, gehe nach hinten und sehe dabei das Publikum.
Ich meine, einer der Gründe, warum ich Faserland wirklich gerne mag, ist, dass Berlin darin nicht auftaucht. In Faserland dreht sich alles um Orte, an denen man angenehm leben kann und kein Problem hat, sich ordentliche Kleidung zu kaufen, wenn man mal kein frisches Hemd mehr hat. Dieser Unterschied wird mir klar, als ich mir einen Platz suche. Überall sitzen Berliner in unmöglicher Bekleidung. Sie jammern nicht über ihre Armut, sie geben damit nicht an, ausser vielleicht so ein paar SED-Stalinisten im Haus gegenüber, aber sie sind einfach arm. Ich habe mich für diesen Abend bewusst downgedresst, aber es hilft nichts.
Ich nehme einen Stuhl und bestelle einen Tee. Der kommt ein paar Minuten später in einer Kanne, mit braunem Kandis, und ist kein Beuteltee. Die Bedienung will gleich kassieren. Ich befürchte, dass das jetzt schon wieder losgeht, dass sie auf den 50-Euro-Schein nicht rausgeben kann, aber sie sagt, 2,20 Euro, und die drei Euro habe ich auch noch klein. Während ich mich frage, wie die es jemals zu was bringen wollen, wenn die für eine Kanne Tee 2,20 Euro verlangen, kommen die Minusvisionäre. Erst Jens, dann Alex, und der bringt auch Kaspar mit, den ich noch nicht kenne. Das heisst, ich kenne ihn natürlich, ich habe bei Dotcomtod viel über ihn geschrieben. aber dass es der Kaspar ist, erfahre ich erst nach der Lesung.
Jens stellt mich Kaspar vor, und Kaspar begeift auch nicht gleich, dass ich der Don Alphonso bin. Kaspar ist Schweizer, und man kann mit ihm gut über das lausige Preisniveau in Berlin reden. Weder in München noch in Zürich würde man für 2,20 Euro einen Tee bekommen, eigentlich noch nicht mal ein Glas Wasser mit Teebeutel. Kaspars Freundin ist auch dabei. Sie ist sehr Berlin Mitte und trägt einen engen, knallroten Mantel mit weissen Streifen, wie die Frauen in Kill Bill, und dazu eine Jeans und rote Turnschuhe.
Dann kommen aber Ingo und Christian und setzen sich nach vorne.

Die Einführung hält einer, dem man den Agenten auch aus 100 Meter Entfernung ansieht. Er trägt ein gestreiftes Fred-Perry-Polo-Shirt, das aussieht wie ein drittklassiges Popliteraturbuch von Rebecca Casati. Ich weiss auch nicht, warum ich immer an Rebecca denken muss, wenn ich ans Scheitern von Literaten denke. Obwohl das Wort Literat da viel zu hoch ist, aber es wäre unhöflich, etwas anderes zu sagen. Ich kenne so viele, die auf die Schnauze gefallen sind. Da oben steht zum Beispiel ein Buch von Karsten, der mir gesagt hat, mein Verleger wäre schlecht. Der hat ja keine Ahnung. Ich lese bald im Roten Salon, was mir eigentlich gar nicht wichtig ist, weil es ja nur so eine Abfeierklitsche in Mitte ist, aber Karsten muss hier drinnen lesen, sein Buch in einem Kasten weiter hinten sehen und wird von einem Agenten vorgestellt, dessen Perry-Shirt ganz furchtbar eingelaufen ist, so, wie es sich um seinen Körper spannt. Eine Fred-Perry-Knackwurst, aber wahrscheinlich ist es Absicht.
Ich fühle mich sofort wieder unwohl und konzentriere mich darauf, sorgsam Kandis für Kandis in meinen Tee gleiten zu lassen, und umzurühren. Ich höre nicht hin. Dann endlich beginnen Ingo und Christian zu lesen. Christian raucht nebenbei. Die Texte sind nicht von ihnen und ergeben keinen Sinn, aber ich bin heute 6 Stunden gefahren, von meiner kleinen Heimatstadt in dieses arme Berlin, durch diese kaputte DDR, die der Kohl kaufen wollte und die wir offensichtlich nur viel zu teuer gemietet haben, und da ist es mir irgendwo egal, was die da vorne lesen, aber es ist gut, dass es um durchgeknallte Bewohner des Pazifik und abgeschnittene Stierhoden geht. Nach der Pause lesen sie die Geschichte über Stylegames aus Minusvisionen, und vorgelesen ist es noch besser als im Original.
donalphons, 13:01h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 7. Mai 2004
Sie kann auf 50 Euro nicht herausgeben.
Sagt sie zumindest an der Kasse. So beginnt also ein Abend mit Christian Kracht und Ingo Niermann. Nicht zu fassen, dass der schwindelerregende Niedergang noch einmal schneller wird.
donalphons, 00:49h
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Done
Einen Artikel über eine Revolution geschrieben, die nicht so richtig kommen will. Die mit einem unverständlichen Protokoll begann und inzwischen unter dem Kürzel WLAN bekannt ist. Die in den Cafes und Biergärten stecken bleibt und in den Vorstädten der Provinz verendet. Wir machen immer den gleichen Fehler: Wir glauben, wir sind der Massstab. Dabei sind wir noch nicht mal die Avantgarde, sondern nur ein paar Spinner, die überleben, weil andere Spinner dafür ein paar Brosamen geben.

Aber wenigstens war das Branding gut. Und es gibt Photos, die das rüberbringen; insofern darf man schon mal glauben, dass es wirklich sowas wie eine Revolution geben könnte.

Aber wenigstens war das Branding gut. Und es gibt Photos, die das rüberbringen; insofern darf man schon mal glauben, dass es wirklich sowas wie eine Revolution geben könnte.
donalphons, 15:02h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 5. Mai 2004
Sausalitos
Rohe Holzmöbel, latinomusik, eine hohe, verspiegelte Bar und wenig Licht in München, Frankfurt und Ingolstadt und vielen anderen Orten, immer das gleiche. Auch die Leute sind immer die gleichen. Sausalitos ist die immer gleich blondierte "Borderline-Gastronomie"-Kultur mit leicht schriller Stimme und aufgepepptem H&M mit teuren Schuhen dazu, mit Lärm auf der Strasse und Speedsuff zur Happy Hour. In München waren die jüngeren VCAngestellten dort oft anzutreffen, in Ingolstadt vor allem die Studenten der Wirtschaftswissenschaften.

Dort üben sie schon mal für das aufregende Leben in den Metropolen, und tatsächlich ist das Publikum im Lenbach-Afterwork genau das gleiche Klientel, 5 Jahre älter und besser verdienend.
Das hier ist das Larvenstadium, sie reden sie dann darüber, dass die Laptops vom Aldi und Norma so schön billig sind und ja viel mehr als teure "Markengeräte" leisten, obwohl sie alle aus der gleichenFirma in Korea stammen. Ausserdem sind Lidl und Aldi schick, weil sie so erfolgreich sind.

Dort üben sie schon mal für das aufregende Leben in den Metropolen, und tatsächlich ist das Publikum im Lenbach-Afterwork genau das gleiche Klientel, 5 Jahre älter und besser verdienend.
Das hier ist das Larvenstadium, sie reden sie dann darüber, dass die Laptops vom Aldi und Norma so schön billig sind und ja viel mehr als teure "Markengeräte" leisten, obwohl sie alle aus der gleichenFirma in Korea stammen. Ausserdem sind Lidl und Aldi schick, weil sie so erfolgreich sind.
donalphons, 03:35h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 3. Mai 2004
Neues Leben in den Ruinen
Der IT-Branche, Abteilung Consumer, muss es wirklich grässlich gehen. Anders ist es nicht zu verstehen, wenn Computerläden in der Schillerstrasse Münchens verschwinden. Diese Strasse, früher "Schillicon Valley" genannt, wurde für billige Electronic-Shops frei, als die Stadt München die hier ansässige Bordellerie verbot - nur ein paar Animierschuppen haben überlebt.

Jetzt stehen etliche Läden leer. Türkische Lebensmittelgeschäfte gibt es schon zu viele, als dass sich hier noch ein Konkurrent breit machen könnte.
Andererseits suchen die Animierläden dringend neues Personal. Die Geschäfte scheinen gut zu gehen. Wahrscheinlich werden sie die Stellungen der Computerhändler zurückerobern.

Jetzt stehen etliche Läden leer. Türkische Lebensmittelgeschäfte gibt es schon zu viele, als dass sich hier noch ein Konkurrent breit machen könnte.
Andererseits suchen die Animierläden dringend neues Personal. Die Geschäfte scheinen gut zu gehen. Wahrscheinlich werden sie die Stellungen der Computerhändler zurückerobern.
donalphons, 22:41h
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Vor mir liegen 70 Kilometer
und am Ende dann diese eine Stadt, in der man lernt, Bayern zu hassen. Diese Stadt, die noch nicht genug eigene Betonköpfe hat und sich deshalb immer frische Betonköpfe aus anderen Regionen des Landes besorgt hat. Zuerst waren das Soldaten, dann durchgeknallte Theologen, die ihren Juristenfreunden wissenschaftlich belegten, warum Hexenverurteilen wichtig ist, ansonsten aber um Milde für die Verurteilten baten - denn hätte man sie verbrannt, hätte man keine medizinischen Experimente an den Körpern machen können.
Danach kamen wieder Soldaten, dann wurde es eine Zellkern der Ordnungszelle Bayern und ein Hort für Freicorps, danach mit fliegenden Fahnen braun und soldatenbepackt, und zum Ende des grossen Krieges importierte man dann ungarische Pfeilkreuzler, die im Winter 1945 von einer Epedemie hingerafft wurden.
Dann importierte man Flüchtlinge, darunter viele Bräunlinge aus der CSSR, baute weiter lustiges Kriegsgerät, und inzwischen besorgt man sich auch leistungsorientierte BWLer, die nicht Sachbearbeiter werden wollen, sondern Vorstand.
So gesehen ist es fast ein Wunder, dass aus dieser Stadt noch so etwas wie geistiges Leben kommr.
Danach kamen wieder Soldaten, dann wurde es eine Zellkern der Ordnungszelle Bayern und ein Hort für Freicorps, danach mit fliegenden Fahnen braun und soldatenbepackt, und zum Ende des grossen Krieges importierte man dann ungarische Pfeilkreuzler, die im Winter 1945 von einer Epedemie hingerafft wurden.
Dann importierte man Flüchtlinge, darunter viele Bräunlinge aus der CSSR, baute weiter lustiges Kriegsgerät, und inzwischen besorgt man sich auch leistungsorientierte BWLer, die nicht Sachbearbeiter werden wollen, sondern Vorstand.
So gesehen ist es fast ein Wunder, dass aus dieser Stadt noch so etwas wie geistiges Leben kommr.
donalphons, 14:44h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 2. Mai 2004
e-Type
Es gibt zwei mögliche Gründe, warum der Jaguar E-Type trotz seines Namens keine Reliquie der New E-conomy wurde.
Zum einen heisst er im Land der unbegrenzten Vorbildfunktion nicht E-type, sondern XKE, wie jeder weiss, der in seiner Jugend Deadman´s Curve von Jan & Dean gehört hat: "I was cruising in my Stingray late one night, when an XKE pulled up on the right..." Das Lied endet übrigens damit, dass der XKE bei zu hoher Geschwindigkeit aus der Kurve fliegt und zerschellt.
Zum anderen war die New Economy geprägt durch eine totale Geschichtslosigkeit; eine Verweigerung aller historischer Bezüge vor den 90er Jahren, es sei denn, es ging gegen die verhassten 68er. Und deren Inbegriff war nun mal auch der E-Type.

In dem Medienpark, in dem ich manchmal bin, steht ein später E-Type V-12 herum und wartet auf die Restauration. Die grossen Nasen aus den umliegenden Crea-Headquartern, oder dem, was davon nach dem Sturm noch übrig ist, kommen ab und zu vorbei und bewundern die Speichenräder, die eleganten Linien und die lange Motorhaube. Inzwischen wissen sie das Alte wohl zu schätzen.
Aber keiner von denen hat noch das Geld, sich diesen E-Type zu kaufen. Wenn sie Glück haben, kommen sie noch mit der Leasingrate ihrer orangen Barchettas über die Runden.
Zum einen heisst er im Land der unbegrenzten Vorbildfunktion nicht E-type, sondern XKE, wie jeder weiss, der in seiner Jugend Deadman´s Curve von Jan & Dean gehört hat: "I was cruising in my Stingray late one night, when an XKE pulled up on the right..." Das Lied endet übrigens damit, dass der XKE bei zu hoher Geschwindigkeit aus der Kurve fliegt und zerschellt.
Zum anderen war die New Economy geprägt durch eine totale Geschichtslosigkeit; eine Verweigerung aller historischer Bezüge vor den 90er Jahren, es sei denn, es ging gegen die verhassten 68er. Und deren Inbegriff war nun mal auch der E-Type.

In dem Medienpark, in dem ich manchmal bin, steht ein später E-Type V-12 herum und wartet auf die Restauration. Die grossen Nasen aus den umliegenden Crea-Headquartern, oder dem, was davon nach dem Sturm noch übrig ist, kommen ab und zu vorbei und bewundern die Speichenräder, die eleganten Linien und die lange Motorhaube. Inzwischen wissen sie das Alte wohl zu schätzen.
Aber keiner von denen hat noch das Geld, sich diesen E-Type zu kaufen. Wenn sie Glück haben, kommen sie noch mit der Leasingrate ihrer orangen Barchettas über die Runden.
donalphons, 22:14h
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München so mies und gemein wie immer
Früher waren es ganz junge Leute. Heute drängeln die älteren Herrschaften, Anfang bis Mitte 30, in die freie unbezahlte Mitarbeit in diesem Medienprojekt. Ich habe ihnen zufällig eine kleine Einführung in die Technik gegeben, die Regler erklärt und sie beruhigt, dass Anfängerfehler ganz normal sind.
Einer kam später nochmal rein und fragte mich, ob wir uns nicht kennen. Doch, tun wir. 1999, als alles dunkel wurde, als die ewige Nacht anbrach und niemand es sehen wollte, hatten wir miteinander zu tun. Er hatte eine Idee und war dabei, ziemlich viel Geld dafür zu bekommen. Ich war einer derjenigen, die das Ding beurteilen mussten. Meine negative Meinung interessierte damals niemanden, und so wurde aus einem Absolventen ein CFO mit viel Hoffnung und, wie sich bald zeigen sollte, wenig Zukunft.
Aber die Zeit war wie im Rausch, Menschen waren nur Nebelschwaden, schon morgen konnten sie Multimillionäre, pleite oder mit Burnout in der Klappse sein, Bekanntschaften hielten nicht lange, und Sex war irgendwie kein Thema, in dieser vollkommen vrrückten Zeit.
Ich hatte keine Lust, ihm meine ganze Geschichte seit 1999 mit all ihren Wirrungen zu erzählen, und wollte seine auch nicht hören. Klar, wie haben uns mal gesehen. Elmau 2000, stimmt´s?
Stimmt, sagte er, und was machst Du hier?
Nur noch eine alte Liebe, die mich hier hält, im Moment bin ich eher in Berlin.
Hast Du dort einen Job, wollte er wissen.
Ja, sagte ich, und schluckte das "klar" dahinter runter. Heute könnte sowas als Arroganz gegenüber einem Schwachen aufgefasst werden.
Einer kam später nochmal rein und fragte mich, ob wir uns nicht kennen. Doch, tun wir. 1999, als alles dunkel wurde, als die ewige Nacht anbrach und niemand es sehen wollte, hatten wir miteinander zu tun. Er hatte eine Idee und war dabei, ziemlich viel Geld dafür zu bekommen. Ich war einer derjenigen, die das Ding beurteilen mussten. Meine negative Meinung interessierte damals niemanden, und so wurde aus einem Absolventen ein CFO mit viel Hoffnung und, wie sich bald zeigen sollte, wenig Zukunft.
Aber die Zeit war wie im Rausch, Menschen waren nur Nebelschwaden, schon morgen konnten sie Multimillionäre, pleite oder mit Burnout in der Klappse sein, Bekanntschaften hielten nicht lange, und Sex war irgendwie kein Thema, in dieser vollkommen vrrückten Zeit.
Ich hatte keine Lust, ihm meine ganze Geschichte seit 1999 mit all ihren Wirrungen zu erzählen, und wollte seine auch nicht hören. Klar, wie haben uns mal gesehen. Elmau 2000, stimmt´s?
Stimmt, sagte er, und was machst Du hier?
Nur noch eine alte Liebe, die mich hier hält, im Moment bin ich eher in Berlin.
Hast Du dort einen Job, wollte er wissen.
Ja, sagte ich, und schluckte das "klar" dahinter runter. Heute könnte sowas als Arroganz gegenüber einem Schwachen aufgefasst werden.
donalphons, 21:49h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 1. Mai 2004
Change-X: An der Ehre Am Sack gepackt
Nachdem zuerst Dotcomtod und Rebellen ohne Markt und daraufhin heise.de den Fall der getürkten Inspire-Award-Abstimmung hochgebracht haben, kommt jetzt die Zeit der Heuchler. Als "Die Guten" präsentieren sich jetzt ausgerechnet die Auslöser von Change-X, oder auch ChangeX, die letzte Woche mit einer Massenemail zur Manipulation aufgerufen haben:
inspire!award jetzt mit neuem Abstimmungsmodus
Auf hartnäckige Intervention von changeX hin wurde
das Online-Voting für den inspire!award einer ge-
nauen Prüfung unterzogen. Leider wurde unser
Verdacht bestätigt, dass die Abstimmung bisher
von verschiedener Seite manipuliert wurde. Die
Folge: Alle Dauerclicker und Power-Voter wurden
jetzt aus der Statistik eliminiert.
Ab jetzt zählt nur noch das Prinzip:
Eine Stimme pro E-Mail-Adresse! Das ist fair.
Der Wahlkampf ist also eröffnet. Laut korrigierter
Statistik haben wir derzeit 9% der Stimmen. Das ent-
spricht etwa 2.300 Votes. Und deshalb packen wir Sie
jetzt bei der Ehre! Seit über 3 Jahren bieten wir
Woche für Woche Qualitätsjournalismus pur und kosten-
los. Jetzt können auch Sie uns etwas bieten: nämlich
Ihre Unterstützung.
Stimmen Sie für unseren Chefredakteur Peter Felixberger
und empfehlen Sie uns weiter an Kunden, Partner und
Freunde. Gemeinsam können wir es als Netzwerk schaffen!
Unser Versprechen: Das Preisgeld von 50.000 Euro wird
in die englischsprachige Ausgabe von changeX fließen.
Ein Mehrwert für alle!
Stimmen Sie bis 10. Mai mit!
http://www.inspire-award.de
Die Redaktion und Autoren von changeX
Sylvia Englert, Heike Littger, Winfried Kretschmer,
Gundula Englisch, Uwe Aufleger, Anja Dilk
Das wird wohl nichts mehr mit den 50.000 Euro. Immerhin.
inspire!award jetzt mit neuem Abstimmungsmodus
Auf hartnäckige Intervention von changeX hin wurde
das Online-Voting für den inspire!award einer ge-
nauen Prüfung unterzogen. Leider wurde unser
Verdacht bestätigt, dass die Abstimmung bisher
von verschiedener Seite manipuliert wurde. Die
Folge: Alle Dauerclicker und Power-Voter wurden
jetzt aus der Statistik eliminiert.
Ab jetzt zählt nur noch das Prinzip:
Eine Stimme pro E-Mail-Adresse! Das ist fair.
Der Wahlkampf ist also eröffnet. Laut korrigierter
Statistik haben wir derzeit 9% der Stimmen. Das ent-
spricht etwa 2.300 Votes. Und deshalb packen wir Sie
jetzt bei der Ehre! Seit über 3 Jahren bieten wir
Woche für Woche Qualitätsjournalismus pur und kosten-
los. Jetzt können auch Sie uns etwas bieten: nämlich
Ihre Unterstützung.
Stimmen Sie für unseren Chefredakteur Peter Felixberger
und empfehlen Sie uns weiter an Kunden, Partner und
Freunde. Gemeinsam können wir es als Netzwerk schaffen!
Unser Versprechen: Das Preisgeld von 50.000 Euro wird
in die englischsprachige Ausgabe von changeX fließen.
Ein Mehrwert für alle!
Stimmen Sie bis 10. Mai mit!
http://www.inspire-award.de
Die Redaktion und Autoren von changeX
Sylvia Englert, Heike Littger, Winfried Kretschmer,
Gundula Englisch, Uwe Aufleger, Anja Dilk
Das wird wohl nichts mehr mit den 50.000 Euro. Immerhin.
donalphons, 11:22h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 1. Mai 2004
Kulturmono
Irgendwo in Sachsen-Anghaltistan, mittelweit hinter Leipzig zwischen zwei Baustellen, die sich die letzten 10 Jahre nicht erkennbar verändert haben. Kilometerweit stinkt der Raps in den Himmel. Aber irgendwann musste ich eben tanken.

Innendrin war vor mir ein Typ mit Onkelz-Käppi. Seine blonden Stoppeln waren so weit ausgewachsen, dass seine Kumpels sicher schon überlegten, ob er nicht die Sache verriet. Die eintättowierte Reichskrigsflagge auf dem Hinterkopf war fast nur zu erraten.
Er bestellte eine Bockwurst, und ein paar Sekunden später auch noch Senf.
Ich zahlte, ging hinaus und sah in das, was man hier irrigerweise als "Landschaft" bezeichnet. In der Mitte war eine einzelne Bauruine, und sonst nur pissgelber, stinkender Raps und hier diese Tankstelle mit einem Nazi, der inzwischen soweit sozialisiert war, dass er genug Geld hatte, um sich eine Bockwurst zu kaufen und ein Käppi aufzusetzen, das die Spuren seiner früheren Überzeugung relativierte.

Innendrin war vor mir ein Typ mit Onkelz-Käppi. Seine blonden Stoppeln waren so weit ausgewachsen, dass seine Kumpels sicher schon überlegten, ob er nicht die Sache verriet. Die eintättowierte Reichskrigsflagge auf dem Hinterkopf war fast nur zu erraten.
Er bestellte eine Bockwurst, und ein paar Sekunden später auch noch Senf.
Ich zahlte, ging hinaus und sah in das, was man hier irrigerweise als "Landschaft" bezeichnet. In der Mitte war eine einzelne Bauruine, und sonst nur pissgelber, stinkender Raps und hier diese Tankstelle mit einem Nazi, der inzwischen soweit sozialisiert war, dass er genug Geld hatte, um sich eine Bockwurst zu kaufen und ein Käppi aufzusetzen, das die Spuren seiner früheren Überzeugung relativierte.
donalphons, 00:56h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 30. April 2004
Unwort des Jahres
"Dotcom-Renaissance"
donalphons, 01:51h
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Cover Update
musste sein. Ist aber auch gut.

Anything goes.

Anything goes.
donalphons, 01:11h
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Real Life 39.4.2004 - Frauenzeitschrift
Manche halten Blog für eine Revolution der Bürgermedien, auch bekannt unter dem Schlagetotwort Gegenöffentlichkeit. Kein Wunder, nachdem Erscheinungen wie Bürgerradio, offene Kanäle und alternative Zeitungen mehr schlecht als recht über die Runden kommen und ihre nutzer dauernd anpumpen - die Blogs kommen mit erheblich mehr Lebensfreude daher. Wenn sie jetzt noch politisch werden könnten, dann würden manche sie lieben.
Und dann kommt so eine Hochglanzzeitschrift und bringt was über das Phänomen. Einfach, nett, freundlich, apolitisch wie ein Gucci-Täschchen. Gut, dass es so tief im Netz versteckt ist. Sonst würden manche jetzt wieder ihren moralischen bekommen,
Und dann kommt so eine Hochglanzzeitschrift und bringt was über das Phänomen. Einfach, nett, freundlich, apolitisch wie ein Gucci-Täschchen. Gut, dass es so tief im Netz versteckt ist. Sonst würden manche jetzt wieder ihren moralischen bekommen,
donalphons, 01:10h
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