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Sonntag, 16. Mai 2004
Angeblich sicheres Geschäftsmodell
und wenn selbst das scheitert;

immer noch ein gutes Coverphoto für eine weitere, trostlose Berlin-Mitte-Erzählungs-Publikation.

immer noch ein gutes Coverphoto für eine weitere, trostlose Berlin-Mitte-Erzählungs-Publikation.
donalphons, 01:25h
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Real Life - Vor ein paar Jahren
war ich mal mit ein paar Leuten auf der Piste. Das war zu den frühen Hochzeiten der New Economy, 1999, in Ingolstadt. Die Jungs und Mädels waren gerade dabei, ihr Studium zu beenden und sortierten schon mal Stellen: Die New Economy ins Töpfchen, die Old Economy ins Kröpfchen - und kräftig gewürgt und ausgespuckt.
Thema des Abends war, wie wohl in Zukunft die Universtität aussehen muss: Möglichst privatwirtschaftlich organisiert und auch finanziert, die einzelnen Institute gern auch als Profitcenter, der Professoer mit Managerqualitäten, und alle Universitäten als Konkurrenten im Markt um die besten Studenten. Dann könnte man sich all das Gerede um Elitenförderung sparen, die Elite würde ganz von alleine entstehen. Und der Rest könnte doch gern in die kostenlosen Massen-Unis.
Als Beispiele kamen an diesem Abend neben WFI, WHU und EBS auch all die kleinen Dinger wie IUB (Bruchsal) und das SIMT, die brandneue Elitestätte der ohnehin schon ziemlich wirtschaftsnahen Uni Hohenheim.
Tatsächlich gingen die meisten dann in die Zukunftsberufe, wo sie scheiterten - nicht, dass ich es genau wüsste, aber die Firmen, in die sie gingen, existieren heute nicht mehr. Die WHU Witten hatte letztes Jahr die grosse krise und musste mit viel gutem Geld gerettet werden, und im Moment ist das SIMT dran, sich das graue Dasein zu erbetteln. 60 Studenten sind dort im Moment. Mit guter Ausbildung, sagt man. Verdammt teuer, das ist jetzt schon klar. Kein Wort mehr vom Profitcenter. Und als Manager haben die Profs so versagt, wie die Startup-Manager, die ihre Schüler waren.
Und die WFI?
Man wiess nie...
Thema des Abends war, wie wohl in Zukunft die Universtität aussehen muss: Möglichst privatwirtschaftlich organisiert und auch finanziert, die einzelnen Institute gern auch als Profitcenter, der Professoer mit Managerqualitäten, und alle Universitäten als Konkurrenten im Markt um die besten Studenten. Dann könnte man sich all das Gerede um Elitenförderung sparen, die Elite würde ganz von alleine entstehen. Und der Rest könnte doch gern in die kostenlosen Massen-Unis.
Als Beispiele kamen an diesem Abend neben WFI, WHU und EBS auch all die kleinen Dinger wie IUB (Bruchsal) und das SIMT, die brandneue Elitestätte der ohnehin schon ziemlich wirtschaftsnahen Uni Hohenheim.
Tatsächlich gingen die meisten dann in die Zukunftsberufe, wo sie scheiterten - nicht, dass ich es genau wüsste, aber die Firmen, in die sie gingen, existieren heute nicht mehr. Die WHU Witten hatte letztes Jahr die grosse krise und musste mit viel gutem Geld gerettet werden, und im Moment ist das SIMT dran, sich das graue Dasein zu erbetteln. 60 Studenten sind dort im Moment. Mit guter Ausbildung, sagt man. Verdammt teuer, das ist jetzt schon klar. Kein Wort mehr vom Profitcenter. Und als Manager haben die Profs so versagt, wie die Startup-Manager, die ihre Schüler waren.
Und die WFI?
Man wiess nie...
donalphons, 01:22h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 15. Mai 2004
Not so
apart from 20six.
donalphons, 01:07h
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Wishful thinking
Wer immer die Sterne auf das Glas gesprayt hat, hatte einen enormen Hass auf den Kapitalismus. Er wünschte ihm den totalen Zusammenbruch.

Nachdem das Ensemble jetzt schon seit einem halben Jahr vergeblich auf einen Käufer wartet, hat sich der Wunsch, zumindest in dieser Ecke der Bundeshauptstadt, teilweise erfüllt.

Nachdem das Ensemble jetzt schon seit einem halben Jahr vergeblich auf einen Käufer wartet, hat sich der Wunsch, zumindest in dieser Ecke der Bundeshauptstadt, teilweise erfüllt.
donalphons, 23:22h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 13. Mai 2004
Ich werde heute mal mit meinem Anwalt reden
und fragen, ob das in der Folge von dem hier nicht ein grober Verstoss gegen mein Persönlichkeitsrecht ist.
donalphons, 17:06h
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Post von der Suma AG
Guten Tag Herr "Don Alfonso"
Erst mal Danke für Ihre bisherige Unterstützung. Wir haben durch Sie sechs Neukunden gefunden.
Finden Sie nicht auch das schriftliche Aussagen wie:....
So, liebe Sumas, passt mal auf: Und wenn Ihr Euren § 186 Geschäfts- und Rufschädigung in Gusseisen dreimal rektal einführt und auskotzt (was ich Euch wirklich nicht empfehlen würde): Das hilft nichts. Da lacht jeder Anwalt. Man darf sich hierzulande über die Geschäfte einer New Economy Klitsche lustig machen. Auch bei diesen Zeilen. Man darf es kritisieren. Ihr zeigt nur, dass es sich bei der Suma AG meines Erachtens nicht um ein Unternehmen mit seriösem Geschäftsgebahren handelt.
..schlecht zu Leuten passen die ein paar Shirts und Bücher verkaufen wollen, die kein Mensch haben will? Was halten Sie davon, wenn Sie den (für Sie) peinlichen Kram mal endlich einfach löschen? Oder haben Sie Lust mal mit Ihrem eigenen und wirklichen Namen anzutreten und sich einen einzufangen?
Wir haben Goolge Deutschland und Amazon von Ihrer Vorgehensweise infomormiert und hoffen sehr stark Sie bald mal kennenzulernen. Es ist aus unserer nicht gegen solche Sachen einzuwende. Nur! Schreiben Sie doch mal Ihren richtigen Namen drunter. Das wäre sauber.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Jung
Suma-AG Schweiz
Stockerhof
Dreikoenigstrasse 31 A
Zurich, 8002 SWITZERLAND
24 Std. AB to Mail Servicecenter Deutschland Tel: 0511 67685050
Mehr dazu hier:
http://www.lumma.de/eintrag.php?id=217
Auch der Schockwellenreiter hat Post bekommen:
http://blog.schockwellenreiter.de/3412
Natürlich das alles auch bei Dotcomtod:
http://www.dotcomtod.com/modules.php?name=News&file=article&sid=12415&mode=flat&order=1&thold=-1
Erst mal Danke für Ihre bisherige Unterstützung. Wir haben durch Sie sechs Neukunden gefunden.
Finden Sie nicht auch das schriftliche Aussagen wie:....
So, liebe Sumas, passt mal auf: Und wenn Ihr Euren § 186 Geschäfts- und Rufschädigung in Gusseisen dreimal rektal einführt und auskotzt (was ich Euch wirklich nicht empfehlen würde): Das hilft nichts. Da lacht jeder Anwalt. Man darf sich hierzulande über die Geschäfte einer New Economy Klitsche lustig machen. Auch bei diesen Zeilen. Man darf es kritisieren. Ihr zeigt nur, dass es sich bei der Suma AG meines Erachtens nicht um ein Unternehmen mit seriösem Geschäftsgebahren handelt.
..schlecht zu Leuten passen die ein paar Shirts und Bücher verkaufen wollen, die kein Mensch haben will? Was halten Sie davon, wenn Sie den (für Sie) peinlichen Kram mal endlich einfach löschen? Oder haben Sie Lust mal mit Ihrem eigenen und wirklichen Namen anzutreten und sich einen einzufangen?
Wir haben Goolge Deutschland und Amazon von Ihrer Vorgehensweise infomormiert und hoffen sehr stark Sie bald mal kennenzulernen. Es ist aus unserer nicht gegen solche Sachen einzuwende. Nur! Schreiben Sie doch mal Ihren richtigen Namen drunter. Das wäre sauber.
Mit freundlichen Grüßen
Peter Jung
Suma-AG Schweiz
Stockerhof
Dreikoenigstrasse 31 A
Zurich, 8002 SWITZERLAND
24 Std. AB to Mail Servicecenter Deutschland Tel: 0511 67685050
Mehr dazu hier:
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Auch der Schockwellenreiter hat Post bekommen:
http://blog.schockwellenreiter.de/3412
Natürlich das alles auch bei Dotcomtod:
http://www.dotcomtod.com/modules.php?name=News&file=article&sid=12415&mode=flat&order=1&thold=-1
donalphons, 15:56h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 12. Mai 2004
Brunnenstrasse
Ungefähr zu der Zeit, als man auch von "Silicon Wedding" sprach, und der Begriff "Silicon Alley" durch die Gazetten geisterte, herrschte in Berlin die Loft-Manie. Tatsächlich hatte sich dank üppiger Förderung - manche sagen auch Parasitentum - im kalten Krieg auf beiden Seiten der Mauer die gesamtberliner Lebensphilosophie breit gemacht, dass irgendwer die schwangere Auster und die Stalinallee schon zahlt, und man deshalb nicht unbedingt die alten Fabriklofts aus den 20er Jahren mit arbeitenden Menschen füllen muss.
Dadurch rannte die boomende Netzwirtschaft direkt in Bürobauten, die nach langem Leerstand steuergünstig restauriert und vermietet wurden. In der Brunnenstrasse ist so eine Ansammlung von Komplexen irgendwo zwischen Aufbruch und Niedergang.

Rechts wird noch an Bauten gearbeitet, die niemals das an Profit einbringen werden, was man den Investoren versprochen hat. Links, und ein paar Häuser immer so weiter, ist der alte, graue Osten immer noch da. Im Grundstück daneben verottet ein Kleiderständer unter Laub, das wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr entfernt wird, obwohl es sich eigentlich um den Garten einer Wohnanlage handelt.
Aber auch der Loftkomplex hat schon seine ersten Zerfallserscheinungen. In einer Bodenvertiefung wachsen Sträucher, und die mannshohen Plastikpilze, die wohl für eine besondere Form der Kreativität stehen, sind von der Witterung angegriffen. Der Komplex wirkt nur noch halbwegs sauber und modern, weil die Umgebung weitaus schlimmer ist.

Dafür auch billiger. So mancher Jungunternehmer im Loft wird darüber nachdenken, ob es woanders nicht erheblich günstiger ist, den Niedergang der New Economy abzuwarten. Denn diese Ecke der Stadt hat es nicht geschafft, schick zu werden. Wenn man durch den Torbogen auf die Strasse geht, ist direkt gegenüber Leerstand. Auch daneben ist alles zu vermieten. Provisionfrei, und auch 6 Monate mietfrei, was man so hört. Die Strasse rauf gibt es drei muffige Gebrauchtwarenläden, und die Strasse runter kommt ein Trümmergrundstück des zweiten Weltkriegs.
Ihr Loft hätte der Nukleus für etwas Neues in dieser kaputten Stadt werden sollen. Es ist ein Fremdkörper geblieben, wenn auch die Geschäftsideen, die hier zu Hause sind, längst nicht mehr Teil der Lösung sind.
Sondern die Avantgarde der Probleme.
Dadurch rannte die boomende Netzwirtschaft direkt in Bürobauten, die nach langem Leerstand steuergünstig restauriert und vermietet wurden. In der Brunnenstrasse ist so eine Ansammlung von Komplexen irgendwo zwischen Aufbruch und Niedergang.

Rechts wird noch an Bauten gearbeitet, die niemals das an Profit einbringen werden, was man den Investoren versprochen hat. Links, und ein paar Häuser immer so weiter, ist der alte, graue Osten immer noch da. Im Grundstück daneben verottet ein Kleiderständer unter Laub, das wohl schon seit einigen Jahren nicht mehr entfernt wird, obwohl es sich eigentlich um den Garten einer Wohnanlage handelt.
Aber auch der Loftkomplex hat schon seine ersten Zerfallserscheinungen. In einer Bodenvertiefung wachsen Sträucher, und die mannshohen Plastikpilze, die wohl für eine besondere Form der Kreativität stehen, sind von der Witterung angegriffen. Der Komplex wirkt nur noch halbwegs sauber und modern, weil die Umgebung weitaus schlimmer ist.

Dafür auch billiger. So mancher Jungunternehmer im Loft wird darüber nachdenken, ob es woanders nicht erheblich günstiger ist, den Niedergang der New Economy abzuwarten. Denn diese Ecke der Stadt hat es nicht geschafft, schick zu werden. Wenn man durch den Torbogen auf die Strasse geht, ist direkt gegenüber Leerstand. Auch daneben ist alles zu vermieten. Provisionfrei, und auch 6 Monate mietfrei, was man so hört. Die Strasse rauf gibt es drei muffige Gebrauchtwarenläden, und die Strasse runter kommt ein Trümmergrundstück des zweiten Weltkriegs.
Ihr Loft hätte der Nukleus für etwas Neues in dieser kaputten Stadt werden sollen. Es ist ein Fremdkörper geblieben, wenn auch die Geschäftsideen, die hier zu Hause sind, längst nicht mehr Teil der Lösung sind.
Sondern die Avantgarde der Probleme.
donalphons, 19:24h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 12. Mai 2004
Real life 11.5.04 - Ja und nein
Ich muss sie mir anschauen, um über sie schreiben zu können. Eigentlich ist es egal, weil sie schon lange nicht mehr das sind, was sie waren. Mit Michael Jürgs habe ich vor ein paar Wochen telefoniert. Er ist Kulturhistoriker. Sagt eigentlich alles, wenn man als CR von sowas wie Tempo zehrt, um dann als Kulturhistoriker zu enden.
Christian Kracht ist schon noch so wie damals, aber seine Welt existiert nicht mehr. Er beschrieb den Mainstream einer Gesellschaft, die heute andere Werte adaptiert hat. Für die ist Faserland ein historischer Roman.
Maxim Biller habe ich fast drei Jahre nicht mehr gesehen. Das war damals bei einer Lyriklesung von Ira Cohen, der eine ziemlich gute Show abgezogen hat. Biller kam mit einer Freundin und einem Kumpel, sie lachten über den Schweizer Akzent des Vorlesers und benahmen sich so daneben, dass Ira bei der Fahrt durchs regennasse Schwabing in einem Amischlitten mit Schweizer Kennzeichen meinte, wenn das unsere jungen Literaturstars sind, dann sei das ziemlich traurig und er wünsche sich den Thomas Mann zurück. Der Vorleser sagte noch was anderes, was nicht gerade höflich war.
Das war zwischen Billers ersten und zweiten Roman. Inzwischen ist es drei Bücher später; ein verbotener Roman, ein dtv-Aufguss älterer Texte - Stuckrad-Barre lässt grüssen - und seine neuen Erzählungen. Die verdammt gut sind, und jetzt, endlich, 10 Jahre nach dem Ende von 100 Zeilen Hass, einen Ausweg aus seinem Image bieten, das er, egal wie, nicht will, weil er nach guter Intellektuellenart gar kein Image mag. Erzählt er bei der Lesung im, man könnte kotzen, wenn man was zu fressen hätte, hungerleidenden Intellektuellenliteraturviertel Prenzlauer Berg und an seinem Ground Zero, dem Kollwitzplatz. Weshalb dort neben den Billerbüchern auch Nina Jäckle verkauft wird. Auch das sagt einiges.

Man merkt es, da läuft gerade der Kampf um das Vielschichtige, da wird um eine Basis gerungen, von der das Werk in Gesamtschau analysiert werden kann. Später mal. Das Problem bei der Sache ist, dass er einmal der Gesellschaft die Faust in die Fresse gedonnert hat, dann den Hirnfickern vom Feuilleton und zum Schluss dann noch den Popliteraten, dass immer ein Eindruck, ein Image entstand und heute gar niemand anders mehr kann, als in starken Bildern von ihm zu sprechen.
Und das tut seinem aktuellen Buch nicht gut. Ein anderer Biller, sagen sie, und was sind die zuhörenden 30 Leute in einer nicht ganz ausverkauften Buchhandlung, um das Gebrüll der Medien zu übertönen? Selbst, wenn es eigentlich nur ein Rülpsschlucken ist, ach so, der Biller hat ein neues Buch, und Skandal? Nö? Ach ne, dann machen wir mal einen Einspalter darüber und gut ist.
Dagegen rebelliert er. Was daran scheitert, dass es draussen nicht ankommt. Er wird weiterreden, haspeln, Gedanken anfangen, Bögen schlagen, sich in Rage reden und gegenfragen, aber am Ende werden sie ihn wieder so einmachen, so brutal in die Klischees bomben, wie er es früher in seinen 100 Zeilen auch gemacht hat. Es wird freundlicher formuliert sein. Aber der Effekt ist derselbe. Auch wenn er eineinhalb Stunden dagegen strampelt. Für mich spielt das keine Rolle; der historische Biller meines Buches ist ohnehin einer, der nur über seine Kolumne spricht und wirkt, und die Meinung des heutigen Literaten ist da einfach schnurz.
Irgendwann ist dann Schluss. Über der Buchhandlung stehen zwei ältere Leute und beschweren sich über den Lärm und die Zumutungen. Aber die kommen nicht aus der Buchhandlung unter ihnen.
Christian Kracht ist schon noch so wie damals, aber seine Welt existiert nicht mehr. Er beschrieb den Mainstream einer Gesellschaft, die heute andere Werte adaptiert hat. Für die ist Faserland ein historischer Roman.
Maxim Biller habe ich fast drei Jahre nicht mehr gesehen. Das war damals bei einer Lyriklesung von Ira Cohen, der eine ziemlich gute Show abgezogen hat. Biller kam mit einer Freundin und einem Kumpel, sie lachten über den Schweizer Akzent des Vorlesers und benahmen sich so daneben, dass Ira bei der Fahrt durchs regennasse Schwabing in einem Amischlitten mit Schweizer Kennzeichen meinte, wenn das unsere jungen Literaturstars sind, dann sei das ziemlich traurig und er wünsche sich den Thomas Mann zurück. Der Vorleser sagte noch was anderes, was nicht gerade höflich war.
Das war zwischen Billers ersten und zweiten Roman. Inzwischen ist es drei Bücher später; ein verbotener Roman, ein dtv-Aufguss älterer Texte - Stuckrad-Barre lässt grüssen - und seine neuen Erzählungen. Die verdammt gut sind, und jetzt, endlich, 10 Jahre nach dem Ende von 100 Zeilen Hass, einen Ausweg aus seinem Image bieten, das er, egal wie, nicht will, weil er nach guter Intellektuellenart gar kein Image mag. Erzählt er bei der Lesung im, man könnte kotzen, wenn man was zu fressen hätte, hungerleidenden Intellektuellenliteraturviertel Prenzlauer Berg und an seinem Ground Zero, dem Kollwitzplatz. Weshalb dort neben den Billerbüchern auch Nina Jäckle verkauft wird. Auch das sagt einiges.

Man merkt es, da läuft gerade der Kampf um das Vielschichtige, da wird um eine Basis gerungen, von der das Werk in Gesamtschau analysiert werden kann. Später mal. Das Problem bei der Sache ist, dass er einmal der Gesellschaft die Faust in die Fresse gedonnert hat, dann den Hirnfickern vom Feuilleton und zum Schluss dann noch den Popliteraten, dass immer ein Eindruck, ein Image entstand und heute gar niemand anders mehr kann, als in starken Bildern von ihm zu sprechen.
Und das tut seinem aktuellen Buch nicht gut. Ein anderer Biller, sagen sie, und was sind die zuhörenden 30 Leute in einer nicht ganz ausverkauften Buchhandlung, um das Gebrüll der Medien zu übertönen? Selbst, wenn es eigentlich nur ein Rülpsschlucken ist, ach so, der Biller hat ein neues Buch, und Skandal? Nö? Ach ne, dann machen wir mal einen Einspalter darüber und gut ist.
Dagegen rebelliert er. Was daran scheitert, dass es draussen nicht ankommt. Er wird weiterreden, haspeln, Gedanken anfangen, Bögen schlagen, sich in Rage reden und gegenfragen, aber am Ende werden sie ihn wieder so einmachen, so brutal in die Klischees bomben, wie er es früher in seinen 100 Zeilen auch gemacht hat. Es wird freundlicher formuliert sein. Aber der Effekt ist derselbe. Auch wenn er eineinhalb Stunden dagegen strampelt. Für mich spielt das keine Rolle; der historische Biller meines Buches ist ohnehin einer, der nur über seine Kolumne spricht und wirkt, und die Meinung des heutigen Literaten ist da einfach schnurz.
Irgendwann ist dann Schluss. Über der Buchhandlung stehen zwei ältere Leute und beschweren sich über den Lärm und die Zumutungen. Aber die kommen nicht aus der Buchhandlung unter ihnen.
donalphons, 01:47h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 11. Mai 2004
Calderon de la Barca vs. Berlin
Es muss nicht immer online sein. Im Gegenteil, das richtige Produkt am richtigen Ort macht den Deal. Der New Economy folgte ab 2001 der Trend der "schönen Mütter" - anders gesagt, Ex-International-Business-Developerin mit Torschlusspanik genau zum Auslaufen des Arbeitslosengeldes. Die lebten immer noch in Mitte oder Prenzlauer Berg. Papi hatte noch einen Job, der etwas Geld einbrachte, und irgendwie passte auch so ein Kind wunderbar in den leicht noeconservativen Trend, eine Beschäftigung für Mama, die aus der Berufspraxis schon wusste, wie man mit so Scheissern umgeht.
Für solche Mütter und die Scheckkarten ihrer nochverdienenden Ehemänner muss man nur das richtige Angebot machen; hübsche, nicht billige Kinderklamotten, damit die später auch mal Prada kaufen, oder so lustige braune Samtanzüge von P&K, und das natürlich an der Prenzlauer Allee, gleich beim Wasserturm, wo ganze Geschwader von kinderwagenschiebenden, postnatal kinnlanggeschorenen Muttertiere vorbeitraben

reingucken und weitergehen zum Secondhand, weil es da billiger ist, oder das Zeug nachher bei ebay ersteigern, von anderen Müttern, die schon früher das ganze mitgemacht haben.
Denn die neuesten Mütter haben eben keine Gatten mehr, deren Kreditkarte noch von schicken Werbeagenturen gefüttert werden. Und deshalb ist dieser Laden "Living Dead" wie wir in der VC-Branche dazu sagen; er ist nich offen, aber schon zu vermieten, tot und lebendig im gleichen Moment.
Tiefe Nacht hält mich umschlossen,
Wie im Traume steh ich blind
Ohne Schmerz und ohne Wonne.
schrieb Calderon über das - früh verstorbene - Kind.
Für solche Mütter und die Scheckkarten ihrer nochverdienenden Ehemänner muss man nur das richtige Angebot machen; hübsche, nicht billige Kinderklamotten, damit die später auch mal Prada kaufen, oder so lustige braune Samtanzüge von P&K, und das natürlich an der Prenzlauer Allee, gleich beim Wasserturm, wo ganze Geschwader von kinderwagenschiebenden, postnatal kinnlanggeschorenen Muttertiere vorbeitraben

reingucken und weitergehen zum Secondhand, weil es da billiger ist, oder das Zeug nachher bei ebay ersteigern, von anderen Müttern, die schon früher das ganze mitgemacht haben.
Denn die neuesten Mütter haben eben keine Gatten mehr, deren Kreditkarte noch von schicken Werbeagenturen gefüttert werden. Und deshalb ist dieser Laden "Living Dead" wie wir in der VC-Branche dazu sagen; er ist nich offen, aber schon zu vermieten, tot und lebendig im gleichen Moment.
Tiefe Nacht hält mich umschlossen,
Wie im Traume steh ich blind
Ohne Schmerz und ohne Wonne.
schrieb Calderon über das - früh verstorbene - Kind.
donalphons, 01:53h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 8. Mai 2004
Nur mal angenommen
all die Schüler werden weiterhin zu Informatikern ausgebildet, werden damit indokriniert, das hier und besonders das Internet sei "die Zukunft", sie sollen doch bitte unbedingt was mit Software machen -
kann es uns dann wundern, wenn sie in der Krise sich genau dort mit Würmern austoben? Ist der Wurm das Problem, sein Schöpfer, oder die Gesellschaft, die den Schöpfer erschaffen hat?
kann es uns dann wundern, wenn sie in der Krise sich genau dort mit Würmern austoben? Ist der Wurm das Problem, sein Schöpfer, oder die Gesellschaft, die den Schöpfer erschaffen hat?
uceda, 22:52h
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It´s fucking time
"...folgert daraus Stefan Glänzer, Mitgründer des deutschen Marktführers 20six.de."
Sagt die Zeit im Wirtschaftsteil. Dabei ist 20six doch extrem schweigsam, was Umsätze und ihr Geschäftsmodell angeht - wie also kommt der Begriff Marktführer zustande?
Irrsinnig kompetent auch das hier: "Glänzer war Mitgründer des Auktionsportals Ricardo, das er an Ebay verkaufen konnte."
Ricardo? An Ebay? War das nicht eher Alando, he? Na denn noch viel Spass im Finn-Robert Mayer-Kuckuk sheim, Du Qualitätsgossenjournalist.
Sagt die Zeit im Wirtschaftsteil. Dabei ist 20six doch extrem schweigsam, was Umsätze und ihr Geschäftsmodell angeht - wie also kommt der Begriff Marktführer zustande?
Irrsinnig kompetent auch das hier: "Glänzer war Mitgründer des Auktionsportals Ricardo, das er an Ebay verkaufen konnte."
Ricardo? An Ebay? War das nicht eher Alando, he? Na denn noch viel Spass im Finn-Robert Mayer-Kuckuk sheim, Du Qualitätsgossenjournalist.
donalphons, 04:03h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 7. Mai 2004
Real Life 4.5.2004 - Wie es dann weitergeht.
Ich schaue dann noch mal in meiner Ralph-Lauren-Brieftasche nach. Die habe ich aus meiner Heimatstadt, die zwar klein ist, aber einen guten Herrenausstatter hat. Ich würde nie Hemden von Lauren tragen, aber die Brieftasche ist aus schönem Leder und altert nicht. Sie setzt Patina an. Nach etwas Suchen finde ich dann doch noch die sieben Euro Eintritt.
Ich gehe durch das Literaturcafe, als das sich Eggers und Landwehr präsentieren möchte. Rechts an der Wand ist ein Glaskasten mit den Büchern der Autoren, die sie vertreten. Vorne sind die Bestseller, nach hinten kommen die Pleiten oder die, die noch unsicher sind. Das heisst, vorne stehen Illies und Kaminer. Ich frage mich, was ich hier tue. Es ist sehr unangenehm, in einem Cafe zu sein, das sich mit Kaminer und Illies wichtig tut. Beide haben keinen Stil. Illies lässt sich mit Playmobil fotografieren, und Kaminer liest in Uni-Kantinen.
Aber da kommt schon Ingo und begrüsst mich. Er sagt, er muss noch was wegen dem Ablauf der Lesung besprechen, aber Christian ist schon da und sie werden dann bald anfangen. Die Minusvisionäre kommen auch bald. Gut, sage ich, gehe nach hinten und sehe dabei das Publikum.
Ich meine, einer der Gründe, warum ich Faserland wirklich gerne mag, ist, dass Berlin darin nicht auftaucht. In Faserland dreht sich alles um Orte, an denen man angenehm leben kann und kein Problem hat, sich ordentliche Kleidung zu kaufen, wenn man mal kein frisches Hemd mehr hat. Dieser Unterschied wird mir klar, als ich mir einen Platz suche. Überall sitzen Berliner in unmöglicher Bekleidung. Sie jammern nicht über ihre Armut, sie geben damit nicht an, ausser vielleicht so ein paar SED-Stalinisten im Haus gegenüber, aber sie sind einfach arm. Ich habe mich für diesen Abend bewusst downgedresst, aber es hilft nichts.
Ich nehme einen Stuhl und bestelle einen Tee. Der kommt ein paar Minuten später in einer Kanne, mit braunem Kandis, und ist kein Beuteltee. Die Bedienung will gleich kassieren. Ich befürchte, dass das jetzt schon wieder losgeht, dass sie auf den 50-Euro-Schein nicht rausgeben kann, aber sie sagt, 2,20 Euro, und die drei Euro habe ich auch noch klein. Während ich mich frage, wie die es jemals zu was bringen wollen, wenn die für eine Kanne Tee 2,20 Euro verlangen, kommen die Minusvisionäre. Erst Jens, dann Alex, und der bringt auch Kaspar mit, den ich noch nicht kenne. Das heisst, ich kenne ihn natürlich, ich habe bei Dotcomtod viel über ihn geschrieben. aber dass es der Kaspar ist, erfahre ich erst nach der Lesung.
Jens stellt mich Kaspar vor, und Kaspar begeift auch nicht gleich, dass ich der Don Alphonso bin. Kaspar ist Schweizer, und man kann mit ihm gut über das lausige Preisniveau in Berlin reden. Weder in München noch in Zürich würde man für 2,20 Euro einen Tee bekommen, eigentlich noch nicht mal ein Glas Wasser mit Teebeutel. Kaspars Freundin ist auch dabei. Sie ist sehr Berlin Mitte und trägt einen engen, knallroten Mantel mit weissen Streifen, wie die Frauen in Kill Bill, und dazu eine Jeans und rote Turnschuhe.
Dann kommen aber Ingo und Christian und setzen sich nach vorne.

Die Einführung hält einer, dem man den Agenten auch aus 100 Meter Entfernung ansieht. Er trägt ein gestreiftes Fred-Perry-Polo-Shirt, das aussieht wie ein drittklassiges Popliteraturbuch von Rebecca Casati. Ich weiss auch nicht, warum ich immer an Rebecca denken muss, wenn ich ans Scheitern von Literaten denke. Obwohl das Wort Literat da viel zu hoch ist, aber es wäre unhöflich, etwas anderes zu sagen. Ich kenne so viele, die auf die Schnauze gefallen sind. Da oben steht zum Beispiel ein Buch von Karsten, der mir gesagt hat, mein Verleger wäre schlecht. Der hat ja keine Ahnung. Ich lese bald im Roten Salon, was mir eigentlich gar nicht wichtig ist, weil es ja nur so eine Abfeierklitsche in Mitte ist, aber Karsten muss hier drinnen lesen, sein Buch in einem Kasten weiter hinten sehen und wird von einem Agenten vorgestellt, dessen Perry-Shirt ganz furchtbar eingelaufen ist, so, wie es sich um seinen Körper spannt. Eine Fred-Perry-Knackwurst, aber wahrscheinlich ist es Absicht.
Ich fühle mich sofort wieder unwohl und konzentriere mich darauf, sorgsam Kandis für Kandis in meinen Tee gleiten zu lassen, und umzurühren. Ich höre nicht hin. Dann endlich beginnen Ingo und Christian zu lesen. Christian raucht nebenbei. Die Texte sind nicht von ihnen und ergeben keinen Sinn, aber ich bin heute 6 Stunden gefahren, von meiner kleinen Heimatstadt in dieses arme Berlin, durch diese kaputte DDR, die der Kohl kaufen wollte und die wir offensichtlich nur viel zu teuer gemietet haben, und da ist es mir irgendwo egal, was die da vorne lesen, aber es ist gut, dass es um durchgeknallte Bewohner des Pazifik und abgeschnittene Stierhoden geht. Nach der Pause lesen sie die Geschichte über Stylegames aus Minusvisionen, und vorgelesen ist es noch besser als im Original.
Ich gehe durch das Literaturcafe, als das sich Eggers und Landwehr präsentieren möchte. Rechts an der Wand ist ein Glaskasten mit den Büchern der Autoren, die sie vertreten. Vorne sind die Bestseller, nach hinten kommen die Pleiten oder die, die noch unsicher sind. Das heisst, vorne stehen Illies und Kaminer. Ich frage mich, was ich hier tue. Es ist sehr unangenehm, in einem Cafe zu sein, das sich mit Kaminer und Illies wichtig tut. Beide haben keinen Stil. Illies lässt sich mit Playmobil fotografieren, und Kaminer liest in Uni-Kantinen.
Aber da kommt schon Ingo und begrüsst mich. Er sagt, er muss noch was wegen dem Ablauf der Lesung besprechen, aber Christian ist schon da und sie werden dann bald anfangen. Die Minusvisionäre kommen auch bald. Gut, sage ich, gehe nach hinten und sehe dabei das Publikum.
Ich meine, einer der Gründe, warum ich Faserland wirklich gerne mag, ist, dass Berlin darin nicht auftaucht. In Faserland dreht sich alles um Orte, an denen man angenehm leben kann und kein Problem hat, sich ordentliche Kleidung zu kaufen, wenn man mal kein frisches Hemd mehr hat. Dieser Unterschied wird mir klar, als ich mir einen Platz suche. Überall sitzen Berliner in unmöglicher Bekleidung. Sie jammern nicht über ihre Armut, sie geben damit nicht an, ausser vielleicht so ein paar SED-Stalinisten im Haus gegenüber, aber sie sind einfach arm. Ich habe mich für diesen Abend bewusst downgedresst, aber es hilft nichts.
Ich nehme einen Stuhl und bestelle einen Tee. Der kommt ein paar Minuten später in einer Kanne, mit braunem Kandis, und ist kein Beuteltee. Die Bedienung will gleich kassieren. Ich befürchte, dass das jetzt schon wieder losgeht, dass sie auf den 50-Euro-Schein nicht rausgeben kann, aber sie sagt, 2,20 Euro, und die drei Euro habe ich auch noch klein. Während ich mich frage, wie die es jemals zu was bringen wollen, wenn die für eine Kanne Tee 2,20 Euro verlangen, kommen die Minusvisionäre. Erst Jens, dann Alex, und der bringt auch Kaspar mit, den ich noch nicht kenne. Das heisst, ich kenne ihn natürlich, ich habe bei Dotcomtod viel über ihn geschrieben. aber dass es der Kaspar ist, erfahre ich erst nach der Lesung.
Jens stellt mich Kaspar vor, und Kaspar begeift auch nicht gleich, dass ich der Don Alphonso bin. Kaspar ist Schweizer, und man kann mit ihm gut über das lausige Preisniveau in Berlin reden. Weder in München noch in Zürich würde man für 2,20 Euro einen Tee bekommen, eigentlich noch nicht mal ein Glas Wasser mit Teebeutel. Kaspars Freundin ist auch dabei. Sie ist sehr Berlin Mitte und trägt einen engen, knallroten Mantel mit weissen Streifen, wie die Frauen in Kill Bill, und dazu eine Jeans und rote Turnschuhe.
Dann kommen aber Ingo und Christian und setzen sich nach vorne.

Die Einführung hält einer, dem man den Agenten auch aus 100 Meter Entfernung ansieht. Er trägt ein gestreiftes Fred-Perry-Polo-Shirt, das aussieht wie ein drittklassiges Popliteraturbuch von Rebecca Casati. Ich weiss auch nicht, warum ich immer an Rebecca denken muss, wenn ich ans Scheitern von Literaten denke. Obwohl das Wort Literat da viel zu hoch ist, aber es wäre unhöflich, etwas anderes zu sagen. Ich kenne so viele, die auf die Schnauze gefallen sind. Da oben steht zum Beispiel ein Buch von Karsten, der mir gesagt hat, mein Verleger wäre schlecht. Der hat ja keine Ahnung. Ich lese bald im Roten Salon, was mir eigentlich gar nicht wichtig ist, weil es ja nur so eine Abfeierklitsche in Mitte ist, aber Karsten muss hier drinnen lesen, sein Buch in einem Kasten weiter hinten sehen und wird von einem Agenten vorgestellt, dessen Perry-Shirt ganz furchtbar eingelaufen ist, so, wie es sich um seinen Körper spannt. Eine Fred-Perry-Knackwurst, aber wahrscheinlich ist es Absicht.
Ich fühle mich sofort wieder unwohl und konzentriere mich darauf, sorgsam Kandis für Kandis in meinen Tee gleiten zu lassen, und umzurühren. Ich höre nicht hin. Dann endlich beginnen Ingo und Christian zu lesen. Christian raucht nebenbei. Die Texte sind nicht von ihnen und ergeben keinen Sinn, aber ich bin heute 6 Stunden gefahren, von meiner kleinen Heimatstadt in dieses arme Berlin, durch diese kaputte DDR, die der Kohl kaufen wollte und die wir offensichtlich nur viel zu teuer gemietet haben, und da ist es mir irgendwo egal, was die da vorne lesen, aber es ist gut, dass es um durchgeknallte Bewohner des Pazifik und abgeschnittene Stierhoden geht. Nach der Pause lesen sie die Geschichte über Stylegames aus Minusvisionen, und vorgelesen ist es noch besser als im Original.
donalphons, 13:01h
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