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Mittwoch, 31. Dezember 2003
Snapshots: 2003 war das Jahr in dem

- ich gefragt wurde, warum ich noch von New Economy rede; die gebe es doch gar nicht mehr und niemand nutzt noch den Begriff.
- mir von verschiedenen Seiten bestätigt wurde, dass niemand mehr davon was hören oder lesen wollte, und schon gar nicht auf 416 Seiten.
- mir verschiedene andere Seiten meinem Treiben dann den Begriff "Schlüsselroman der New Economy" anhefteten, nachdem klar wurde, dass die 416 Seiten über die New Economy doch gelesen werden.
- bei der Premiere die Stühle nicht ausreichten und die Leute am Ende auf eilig herbeigebrachten, goldfarbenen Sitzsäcken lümmelten, was ein sehr surreales Erlebnis war, wie überhaupt das ganze Jahr das Lümmeln auf einem solchen goldenen, immer variablen und zerknautschten Etwas war.
- die Debutanten um mich herum mit ihren Erstlingen nach allen Regeln der Kunst und des Buchhandels scheiterten, ganz gleich, wie aufwendig die PR-Kampagne war, und auch die Etablierten flopten.
- es sowieso so schlimm wie seit der Erfindung der Popliteratur nicht mehr war, weil zwar alle Kritiker das Fräuleinwunder der jungen deutschen Literatur beschworen, es aber letztlich beim Fräuleinplunder blieb, weil die Leser kein Interesse hatten und die Bücher zu der Auslieferung zurückkommen, wo meines immer noch raus geht.
- die Schlappschwänze des Feuilletons eigentlich hätten feiern können, denn nie waren die Neuerscheinungen so sklavisch an den Wünschen der Hirnficker orientiert, die Jungautoren kotzten nachdenklich-stilles Kunstwollen über die Blätter, und der Literaturpreis wurde das Core Asset, das man einfach haben musste.
- die Schlappschwänze aber dann doch noch ein anderes Problem hatten, nämlich den eignenen hirnaufbewahrenden weissen Fettarsch, der von der Medienkrise gegrillt wurde, weshalb sich all ihr Denken um das Überleben drehte, das viele nicht schafften, weshalb sie jetzt versuchen, selbst Autoren kunstwollender Bücher zu werden und Verleger mit ihren Manuskripten quälen.
- die Verleger die Notbremse zogen und junge deutsche Literatur für die nächste Saison so weit wie möglich runterfahren, denn der normale Schund und die alten Säcke und die internationalen Rechte an Dreck für den internationalen Markt laufen ja weiter, nur die Neulinge sind ein viel zu hohes Risiko, und wenn die Verleger das auch nicht offen sagen: Gerade, wenn so ein Knilch aus einer Redaktion gefeuert wurde, kann das ja gar nichts werden.
- die Knilche dann winselten, dass letztlich die völlig überhitzte Hype- und Spassgesellschaft mit all ihren Erscheinungen daran Schuld ist, und wenn sie als Freie doch mal was schreien durften, machten sie die gewesene New Economy verantwortlich, die alle Bereiche des Daseins - diese zeitung ausgenommen, die schon immer für Anstand und Qualität bürgte - korrumpiert hatte.
- die Unterhaltungsindustrie da nur beipflichteten konnte, weil sie diese Artikel teilweise auch bezahlte, und mal wieder versuchte, die bisherige Ordnung der Dinge wiederherzustellen, indem man gegen Musiktauschbörsen und deren Nutzer vorging, Blogs runterputzte und viele Leute freisetzte.
- die bekannte Welt der Popkultur mitsamt der Popökonomie durch diese dauernde Miesmachung und Schimpferei vernichtet wurde, ohne dass es etwas neues geben würde.
- dabei viele Leute übrig blieben, für die es keine Verwendung mehr gibt:
Rebellen ohne Markt.
Inzwischen sind es so viele, dass sie für 2004 selbst ein bedeutender Markt werden.
Das sollte uns zu denken geben.
donalphons, 18:44h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 30. Dezember 2003
Unbegründet
Thomas Kirch ist - angeblich - irgendwo in den Vereinigten Staaten. Wenn man ihn bräuchte, lässt er die Staatsanwaltschaft München wissen, ist er gerne bereit, sich ihren Fragen zu stellen. Man müsse ihn nur entsprechend anfragen, teilten seine Anwälte mit. Also keine Flucht, oder so.
Seine Anwälte halten alle Vorwürfe für unbegründet, von wegen, Thomas Kirch habe bei Pro7/Sat1 unsaubere Geschäfte gemacht und Gelder verschoben. Irgendwelche Zwangsmittel seien unbegründet.
Kein Grund zur Beunruhigung. Nicht für Kirch, und auch nicht für die Leute aus Banken und Politik, die das Geschäftsgebahren eigentlich kennen sollten.
Seine Anwälte halten alle Vorwürfe für unbegründet, von wegen, Thomas Kirch habe bei Pro7/Sat1 unsaubere Geschäfte gemacht und Gelder verschoben. Irgendwelche Zwangsmittel seien unbegründet.
Kein Grund zur Beunruhigung. Nicht für Kirch, und auch nicht für die Leute aus Banken und Politik, die das Geschäftsgebahren eigentlich kennen sollten.
donalphons, 20:09h
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Messe München
Ende der 90er Jahre setzte München alles daran, als internationaler Messestandort ernst genommen zu werden. Das neue Gelände in Riem war schon im ersten Entwurf gigantisch angelegt worden, aber mit der überhitzten Ökonomie der Jahrtausenwende wurde schnell klar, dass es dabei nicht bleiben konnte. Deshalb wurden eilig Erweiterungen auf den Weg gebracht.

Selbst die grössten Messe-Events sind heute nicht mehr in der Lage, auch nur die Hälfte der Fläche zu füllen. Es gibt gigantische Überkapazitäten, und die Konkurrenz in anderen Städten lässt sich auf ein ruinöses Preisdumping ein. Auch München macht da mit.
Und baut nebenher kräftig weiter. Weil es so beschlossen ist. Und die Bauleitung muss sich ja keine Gedanken darüber machen, wer warum mal durch diese leeren Gänge laufen soll.

Selbst die grössten Messe-Events sind heute nicht mehr in der Lage, auch nur die Hälfte der Fläche zu füllen. Es gibt gigantische Überkapazitäten, und die Konkurrenz in anderen Städten lässt sich auf ein ruinöses Preisdumping ein. Auch München macht da mit.
Und baut nebenher kräftig weiter. Weil es so beschlossen ist. Und die Bauleitung muss sich ja keine Gedanken darüber machen, wer warum mal durch diese leeren Gänge laufen soll.
donalphons, 03:26h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 29. Dezember 2003
Müll reloaded
Bei Convers.antville.org zerbricht man sich auch den Kopf darüber.
Hier:
http://convers.antville.org/stories/633868/#comments
Hier:
http://convers.antville.org/stories/633868/#comments
donalphons, 17:09h
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Topmanager on Drugs
100 Topmanager der Mobilfunkgranche kommen zu folgender Einschätzung: Bis 2006 werden "rund 95 Prozent" ihrer Kunden bereit sein, Gelt für mobilen Internetzugang auszugeben. Durchschnittlich 70 Prozent der Kunden würden demzufolge für mobile Info-Dienste, Banking und Verkehr zahlen.
Das steht zumindest in einer "Studie" von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut, beide dringend abhängig von gehübschten Zahlen für ihr eigenes, flaues Business. Sie hatten wohl noch genügend Geld, Forsa dafür "100 Topmanager der Branche" befragen zu lassen.
Allein schon "Rund 95%" ist ein Begriff, für den man Auftraggeber, Institut und Befragte von der Vorstandsetage bis zur Auslieferung peitschen sollte, und wieder zurück.
Das sind über weite Strecken die gleichen Leute, die 2000 für 2003 gut 50 Euro monatlich pro Kunde für zusätzliche UMTS-Dienstleistungen erwartet haben. Manche sagten auch, bis zu 100 Euro wären mittelfristig denkbar.
Wir haben nichts dazugelernt. Warum auch.
Das steht zumindest in einer "Studie" von Mummert Consulting und dem F.A.Z.-Institut, beide dringend abhängig von gehübschten Zahlen für ihr eigenes, flaues Business. Sie hatten wohl noch genügend Geld, Forsa dafür "100 Topmanager der Branche" befragen zu lassen.
Allein schon "Rund 95%" ist ein Begriff, für den man Auftraggeber, Institut und Befragte von der Vorstandsetage bis zur Auslieferung peitschen sollte, und wieder zurück.
Das sind über weite Strecken die gleichen Leute, die 2000 für 2003 gut 50 Euro monatlich pro Kunde für zusätzliche UMTS-Dienstleistungen erwartet haben. Manche sagten auch, bis zu 100 Euro wären mittelfristig denkbar.
Wir haben nichts dazugelernt. Warum auch.
donalphons, 16:39h
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Sonntag, 28. Dezember 2003
Müllschluck
Irgendwie mögen Medien Blogs nicht. Vielleicht haben sie ja Angst um ihr Informationsmonopol? Vielleicht ist es der Hass, den man auch von gehörnten Liebhabern kennt, wenn die Dame des Herzens sagt: Du Schatzi, sei mir nicht bös, aber da draussen sind so viele kleine, nette Blogs, da vernasch ich jetzt ein paar und Du brauchst nicht zu warten, weil es kann später werden.
Falls es so sein sollte, dann steht noch viel Streit ins Haus. Nur dürfte das Problem der Medien sein, ihr Wut zu begründen. Es sind zu viele Blogs; eine amorphe, glitschige Masse, nie zu greifen und überall klebend.
Man darf sich auf eine Debatte mit ziemlich klarem Ausgang freuen. Gewinnen können die Medien jedenfalls nicht.
Falls es so sein sollte, dann steht noch viel Streit ins Haus. Nur dürfte das Problem der Medien sein, ihr Wut zu begründen. Es sind zu viele Blogs; eine amorphe, glitschige Masse, nie zu greifen und überall klebend.
Man darf sich auf eine Debatte mit ziemlich klarem Ausgang freuen. Gewinnen können die Medien jedenfalls nicht.
donalphons, 19:42h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 28. Dezember 2003
Das Denkmal für den unbekannten CEO
Das hier könnte es sein. Man beachte den Symbolgehalt: Eine lässig gekleidete Gestalt, im geistigen Tiefflug viel zu schnell unterwegs, wollte mit seinen sturen Kopf gegen eine Betonwand bestehen - und da klebt er nun, als Warnung und Mahnung an nachfolgende Gründergenerationen.

Leider ist es nur ein Marketing-Gag für eine Skateranlage im bayerischen Abensberg, nahe der Donau zwischen Ingolstadt und Regensburg gelegen. Aber wenn wir mal ein Denkmal für diese gescheiterte, verbrannte, kaputte Generation errichten, sollte es genau so aussehen.
Und am Fuss der Stele sollte eine zerbrochene Brille liegen, so eine schmale, rechteckige wie die, hinter der der Illies immer so hervorschleimt.

Leider ist es nur ein Marketing-Gag für eine Skateranlage im bayerischen Abensberg, nahe der Donau zwischen Ingolstadt und Regensburg gelegen. Aber wenn wir mal ein Denkmal für diese gescheiterte, verbrannte, kaputte Generation errichten, sollte es genau so aussehen.
Und am Fuss der Stele sollte eine zerbrochene Brille liegen, so eine schmale, rechteckige wie die, hinter der der Illies immer so hervorschleimt.
donalphons, 00:33h
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Real Life - 27.12.2003: Wir sind Müll.
Na, ihr Müll-Schreiber?
Ihr, die Ihr Euch Blogger schimpft? Ihr seid nur Dreck im Netz. Sagt die grosse Autorität der kompetenten Berichterstattung, der Spiegel. Das Netz, so ein anonymer "Qualitätsjournalist", sei mit Millionen von Weblogs "zugemüllt". Das Ganze als gossiger Aufreisser für ein ganz anderes Thema, aber mal schnell in die Richtung der digitalen Konkurrenz gekotzt, das macht so einem tollen Schreiber doch alle Ehre, oder? Auch, wenn es ansonsten ein zusammenkompilierter Beitrag aus englichen Quellen ist, he?
Deshalb hier mal ein paar müllige Kleinigkeiten von Dotcomtod. Zuerst mal zur Spiegel-Gruppe, namentlich dem Managermagazin. Hier zum Beispiel wird "Professor" Tobias Kollmann (der an einem Skandalprojekt in Kiel "lehrt" und keine Habilitation hat) wegen eines unsauberen Artikels im Managermagazin als Schlamper und erbärmlicher Schleichwerber enttarnt:
Hier und hier bitte clicken.
Hier haben wir auch den mutmasslichen Anlass für sein Dreinschlagen auf Dotcomtod: Er war dort mal unser Kunde, weil eine seiner Gründung heftig abrauchte - und wir das öffentlich gemacht haben:
Rogator hiess der Kadaver.
Stichwort Spiegel: Bei den wahrhaft korrekt arbeitenden Edelfedern kann es nicht passieren, dass jemand Schleichwerbung für sein eigenes Buch macht - oder?
Ooops - tja: Reinhard Mohr hat da was peinliches gemacht, ts ts...
Und zum Thema kompetente Recherche kann man den Artikel über Mobile Marketing eines gewissen Herrn Froitzheim anbringen, der m. E. von vorn bis hinten nicht mehr ist als ein Stück PR unter massiver Aufhübschung sehr unschöner Tatsachen:
Das sind dann auch die Rechenkünste, mit denen Spiegel online in den roten Zahlen bleibt.
Müll. An alle anonymen, feigen Schweine da draussen (keine konkrete Ansprache!): Das Internet ist wirklich zugemüllt.
Ihr, die Ihr Euch Blogger schimpft? Ihr seid nur Dreck im Netz. Sagt die grosse Autorität der kompetenten Berichterstattung, der Spiegel. Das Netz, so ein anonymer "Qualitätsjournalist", sei mit Millionen von Weblogs "zugemüllt". Das Ganze als gossiger Aufreisser für ein ganz anderes Thema, aber mal schnell in die Richtung der digitalen Konkurrenz gekotzt, das macht so einem tollen Schreiber doch alle Ehre, oder? Auch, wenn es ansonsten ein zusammenkompilierter Beitrag aus englichen Quellen ist, he?
Deshalb hier mal ein paar müllige Kleinigkeiten von Dotcomtod. Zuerst mal zur Spiegel-Gruppe, namentlich dem Managermagazin. Hier zum Beispiel wird "Professor" Tobias Kollmann (der an einem Skandalprojekt in Kiel "lehrt" und keine Habilitation hat) wegen eines unsauberen Artikels im Managermagazin als Schlamper und erbärmlicher Schleichwerber enttarnt:
Hier und hier bitte clicken.
Hier haben wir auch den mutmasslichen Anlass für sein Dreinschlagen auf Dotcomtod: Er war dort mal unser Kunde, weil eine seiner Gründung heftig abrauchte - und wir das öffentlich gemacht haben:
Rogator hiess der Kadaver.
Stichwort Spiegel: Bei den wahrhaft korrekt arbeitenden Edelfedern kann es nicht passieren, dass jemand Schleichwerbung für sein eigenes Buch macht - oder?
Ooops - tja: Reinhard Mohr hat da was peinliches gemacht, ts ts...
Und zum Thema kompetente Recherche kann man den Artikel über Mobile Marketing eines gewissen Herrn Froitzheim anbringen, der m. E. von vorn bis hinten nicht mehr ist als ein Stück PR unter massiver Aufhübschung sehr unschöner Tatsachen:
Das sind dann auch die Rechenkünste, mit denen Spiegel online in den roten Zahlen bleibt.
Müll. An alle anonymen, feigen Schweine da draussen (keine konkrete Ansprache!): Das Internet ist wirklich zugemüllt.
donalphons, 00:29h
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Freitag, 26. Dezember 2003
Auf der Couch?
Ist dieses Land krank? Braucht es einen Psychologen? Sind da verdrängte Erinnerungen, die uns wieder hochkommen, peinlich und schmerzhaft, die uns zum neurotischen Handeln verleiten? Haben sich die jungen Leute ihr Gewinsel ob der Krise bei ihren Grosseltern abgeschaut, die damit den "Betriebsunfall" des Dritten Reiches bewältigen wollten? Ist Illies der Persilscheinausgeber des neuen Jahrtausends?
Keiner ist heute mehr stolz auf den Titel CEO.
Niemand redet darüber, dass er mal im Startup war.
Falls es nicht zu leugnen ist, macht man darüber blöde Witze.
Schuld waren sowieso die anderen.
Und was da wirklich passierte, merkte man erst, als es vorbei war.
Und immerhin hat man es getan, weil man an die Idee geglaubt hat.
Man ist im Studium und im Gymnasium doch so erzogen worden.
Gut, das mit "Morgen die ganze Welt", der global Player, das lief aus dem Ruder.
Sowas, meinte der Chefredakteur, wäre doch mal nett, als Bestandsaufnahme, um den Lesern im Ausland die "deutsche Krankheit" in der Gegenwart zu erklären.
Doch.
Das Thema hat was.
Keiner ist heute mehr stolz auf den Titel CEO.
Niemand redet darüber, dass er mal im Startup war.
Falls es nicht zu leugnen ist, macht man darüber blöde Witze.
Schuld waren sowieso die anderen.
Und was da wirklich passierte, merkte man erst, als es vorbei war.
Und immerhin hat man es getan, weil man an die Idee geglaubt hat.
Man ist im Studium und im Gymnasium doch so erzogen worden.
Gut, das mit "Morgen die ganze Welt", der global Player, das lief aus dem Ruder.
Sowas, meinte der Chefredakteur, wäre doch mal nett, als Bestandsaufnahme, um den Lesern im Ausland die "deutsche Krankheit" in der Gegenwart zu erklären.
Doch.
Das Thema hat was.
donalphons, 18:24h
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Donnerstag, 25. Dezember 2003
Bingo
Die bayerische Staatsregierung setzte grosse Hoffnungen auf das Internet. Die sogenannten Bürgernetze sollten ab 1998 den Bayer vermehrt in Netz locken, um elektronische Post zu lesen, Zukunftsfähigkeiten zu erlernen und auf den virtuellen Marktplätzen, dem anderen Hätschelkind besagter Regierung, einzukaufen.
Also gründeten die Kommunen Initiativen, stellten Räume zur Verfügung, holten Personal an Bord und bereiteten sich auf das grosse E-Zeitalter vor. Sogar offline, in Schaukästen, konnten sich die Kommunikationskrüppel der Neuen Zeit eines Besseren belehren lassen.

Heute spricht niemand mehr von diesen Einrichtungen. Das Internet hat sich ganz anders entwickelt, als die Staatsregierung wollte. Keine der hochgesteckten Erwartungen ist eingetreten. Wäre die Initative ein Startup, wäre sie schon im ersten Jahr Pleite gegangen.
Aber in der Politik denkt man anders. Langfristig. So schnell werden die Mittel nicht auf Null zurückgeführt. Deshalb gibt es sie noch.
Nur auf die Frage nach dem Sinn gibt es keine Antwort.
Also gründeten die Kommunen Initiativen, stellten Räume zur Verfügung, holten Personal an Bord und bereiteten sich auf das grosse E-Zeitalter vor. Sogar offline, in Schaukästen, konnten sich die Kommunikationskrüppel der Neuen Zeit eines Besseren belehren lassen.

Heute spricht niemand mehr von diesen Einrichtungen. Das Internet hat sich ganz anders entwickelt, als die Staatsregierung wollte. Keine der hochgesteckten Erwartungen ist eingetreten. Wäre die Initative ein Startup, wäre sie schon im ersten Jahr Pleite gegangen.
Aber in der Politik denkt man anders. Langfristig. So schnell werden die Mittel nicht auf Null zurückgeführt. Deshalb gibt es sie noch.
Nur auf die Frage nach dem Sinn gibt es keine Antwort.
donalphons, 22:59h
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Time2Market
Es gibt nur einen Aspekt, der beim Buch nicht veraltet ist: Die Möglichkeit, es zu kommerzialisieren und profitabel zu betreiben.
Ansonsten sind die Basistechniken zwischen 100 und 1600 Jahre alt, und die Vertriebsstrukturen basieren auf den Bedürfnissen des frühen Neuzeit. Es gibt 2 Programme, Winter und Sommer, und wenn es nicht gleich klappt, dauert es nochmal 6 Monate. Zwischen Manuskriptabgabe und dem fertigen Text liegen 3 Monate, wenn es schnell geht, und der Autor einen guten Verlag hat.
Davor sollte man schon an ein paar Wettbewerben teilgenommen haben, ein Netzwerk aufbauen, ein paar obligatorische Absagen kassieren. Zwischen Schreiben und Buch liegen eineinhalb, zwei Jahre, und für Internet-Schreiber ist das in etwa das Gefühl einer Kampfjets, der mit Mach 2 in ein stehenden Hindernis einschlägt.
Und oft genug genauso verheerend. Die durch Wettbewerbe generierte Awareness für junge Autoren ist längst verpufft. Der Stil des Jahres 2002 ist heute schon wieder veraltet. Nichtsdestotrotz quetscht man die Innerlichkeitsdudelei in einen Markt, den es nicht gibt.
Niemand käme auf die Idee, einen Blogeintrag 19 Monate rumliegen zu lassen und zu glauben, er könnte dann noch von Interesse sein. Literatur ist nichts anderes, aber weil es alle trifft, ist sie eben ein paar Jahre hinten dran.
Das nennt man dann Kunst.
Ansonsten sind die Basistechniken zwischen 100 und 1600 Jahre alt, und die Vertriebsstrukturen basieren auf den Bedürfnissen des frühen Neuzeit. Es gibt 2 Programme, Winter und Sommer, und wenn es nicht gleich klappt, dauert es nochmal 6 Monate. Zwischen Manuskriptabgabe und dem fertigen Text liegen 3 Monate, wenn es schnell geht, und der Autor einen guten Verlag hat.
Davor sollte man schon an ein paar Wettbewerben teilgenommen haben, ein Netzwerk aufbauen, ein paar obligatorische Absagen kassieren. Zwischen Schreiben und Buch liegen eineinhalb, zwei Jahre, und für Internet-Schreiber ist das in etwa das Gefühl einer Kampfjets, der mit Mach 2 in ein stehenden Hindernis einschlägt.
Und oft genug genauso verheerend. Die durch Wettbewerbe generierte Awareness für junge Autoren ist längst verpufft. Der Stil des Jahres 2002 ist heute schon wieder veraltet. Nichtsdestotrotz quetscht man die Innerlichkeitsdudelei in einen Markt, den es nicht gibt.
Niemand käme auf die Idee, einen Blogeintrag 19 Monate rumliegen zu lassen und zu glauben, er könnte dann noch von Interesse sein. Literatur ist nichts anderes, aber weil es alle trifft, ist sie eben ein paar Jahre hinten dran.
Das nennt man dann Kunst.
donalphons, 02:04h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 25. Dezember 2003
Sushi
Der Siegeszug der japanischen Küche war lange Zeit unaufhaltsam. Wer sich in Kreativkreisen oder New Economy Netzwerken bewegte, bekam es zwangsläufig mit schleimgefüllten Reis zu tun, der in Spülwasser gekocht worden war. Wer das nicht mit Kennermiene genoss, galt schnell als der bayerische Dorfdepp, der niemand sein wollte, aber im Kern immer geblieben ist - ganz gleich, ob er nun den japanischen Namen des Fischzeugs korrekt aussprechen konnte oder das Zeug mit Schnapps runterspülte.
Der Siegeszug endete 2001. Er endete nicht, weil jemand den Mut gehabt hätte, einen japanophilen Veranstalter mit Sushi zu stopfen, bis dieser platzte. Die Ursache war hausgemacht, und im Niedergang der Sushifresser begründet.
Inzwischen bekommen auch die mangafreakigsten Medienmacher Maulsperre, weil die Preise heutzutage astronomisch sind. Das zahlen die Sender nicht mehr, Zeitungen auch nicht, und Produktionsgesellschaften knausern heute was geht. Und so gross ist die Liebe zu Sushi denn doch nicht.

Entsprechend chancenlos ist Sushi dann auch an Orten, wo die New Economy nie Einzug gehalten hat. Auch eine mystische Innenarchitektur hilft da nicht weiter. Vielleicht ist es aber auch gerade dieser modernistische Japan-Abklatsch, der die potentiellen Kunden in den Italiener gegenüber treibt. Dort hat man nicht den Eindruck, in einem Raumschiff zu speisen, auf dessen Klo Alien Teil 6 wartet.
Ein paar Mutige gibt es noch. Als das Photo entstand, waren gerade wieder ein paar Leute drinnen.
Eher die Ausnahme als die Regel. Die halbnackte Frau auf dem Bild links ist übrigens nur gemalt.
Der Siegeszug endete 2001. Er endete nicht, weil jemand den Mut gehabt hätte, einen japanophilen Veranstalter mit Sushi zu stopfen, bis dieser platzte. Die Ursache war hausgemacht, und im Niedergang der Sushifresser begründet.
Inzwischen bekommen auch die mangafreakigsten Medienmacher Maulsperre, weil die Preise heutzutage astronomisch sind. Das zahlen die Sender nicht mehr, Zeitungen auch nicht, und Produktionsgesellschaften knausern heute was geht. Und so gross ist die Liebe zu Sushi denn doch nicht.

Entsprechend chancenlos ist Sushi dann auch an Orten, wo die New Economy nie Einzug gehalten hat. Auch eine mystische Innenarchitektur hilft da nicht weiter. Vielleicht ist es aber auch gerade dieser modernistische Japan-Abklatsch, der die potentiellen Kunden in den Italiener gegenüber treibt. Dort hat man nicht den Eindruck, in einem Raumschiff zu speisen, auf dessen Klo Alien Teil 6 wartet.
Ein paar Mutige gibt es noch. Als das Photo entstand, waren gerade wieder ein paar Leute drinnen.
Eher die Ausnahme als die Regel. Die halbnackte Frau auf dem Bild links ist übrigens nur gemalt.
donalphons, 00:40h
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