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Mittwoch, 11. Februar 2004
Real life 10.2.04 - Das kommt schon wieder,
sagt das Mädchen und ist zuversichtlich. Ihre Kommilitonen haben gerade ihren Streik leise abgesagt; schliesslich stehen jetzt Klausuren an. In der Uni werden AKs gegründet, wie man die Härten auffangen kann, und was die Studis für die Hochschulen tun können. Genaugenommen ist es kaum gelungen, die Voprstellungen der Studenten durchzusetzen. Es gab ein paar publicityträchtige Aktionen, aber das war´s dann auch. Zu mehr reicht es nicht. Und die meisten waren sowieso nicht dabei.
Trotzdem glaubt sie, dass es wieder kommt. Bald. Vielleicht nicht in den nächsten 2, 3 Jahren, aber so kann es eigentlich nicht weitergehen.
Dabei ist das nur der Endpunkt einer langen Entwicklung. Man kann sich mit einer SMS zur Demo verabreden, was manche Jugendfunker ganz toll finden. Aber gewinnen kann man damit nicht.
Schade.
Trotzdem glaubt sie, dass es wieder kommt. Bald. Vielleicht nicht in den nächsten 2, 3 Jahren, aber so kann es eigentlich nicht weitergehen.
Dabei ist das nur der Endpunkt einer langen Entwicklung. Man kann sich mit einer SMS zur Demo verabreden, was manche Jugendfunker ganz toll finden. Aber gewinnen kann man damit nicht.
Schade.
donalphons, 00:27h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 10. Februar 2004
Ich, mein Haus, meine Putze
Wahrscheinlich begann es in Frankfurt. Auf den Bürotürmen der Banken sollte alles designed sein, auch die letzte Schraube am hintersten Aufzugträger. Und natürlich auch die Utilities des Bürobetriebs; Installationen wie die Kräne wurden zu durchkonstruierten Details, in denen die Fensterputzer arbeiten und durch ihr Baumeln an der Aussenseite den Mitarbeitern drinnen gleich klarmachen, dass sie eigentlich auch nicht sicherer sind.
Schliesslich ging man bei den Bauherren so weit, dass die Kräne überdeutlich auf dem Dach platziert wurden; von unten wie ein putziges Stück applied arts, eigentlich viel zu schön, um da solche dreckigen Reinigungskräfte rein zu lassen. Das Bespiel machte Schule, mehr oder weniger.

In Berlin sind die Kräne wieder des Designs beraubt, sie sind nackt wie ein Galgen und hässlich wie eines dieser möchtegern Anorexie-Models, die in Mitte kellnern oder Frisuren verhunzen. Man könnte die Teile verstecken, aus der Perspektive des Betrachters drehen, aber man lässt sie. Denn auf ihre Art sind sie ein uneingelöstes versprechen der New Economy: Wer hier arbeitet, bekommt an seinem Arbeitsplatz die Gratisputze, die er auch zuhause haben möchte, wie es ihm Stuckrad-Barre und Illies vorgemacht haben. Hier kann man sich die Putze noch leisten. Das Goldene Zeitalter geht hinter diesen Glasfassaden weiter.
Behaupten sie. Dass es die Linien der Fassade brutal zertrümmert, war beim Bau des Gebäudes kein Thema. Und dass man jetzt, nachdem die Berliner Immobilienfonds zusammengebrochen sind, nicht mehr das Geld hat, um das Grafitti wegzuputzen, ist eine andere Geschichte. Die nichts mehr mit dem Traum von der Putze für alle, die es sich leisten können, zu tun hat.
Schliesslich ging man bei den Bauherren so weit, dass die Kräne überdeutlich auf dem Dach platziert wurden; von unten wie ein putziges Stück applied arts, eigentlich viel zu schön, um da solche dreckigen Reinigungskräfte rein zu lassen. Das Bespiel machte Schule, mehr oder weniger.

In Berlin sind die Kräne wieder des Designs beraubt, sie sind nackt wie ein Galgen und hässlich wie eines dieser möchtegern Anorexie-Models, die in Mitte kellnern oder Frisuren verhunzen. Man könnte die Teile verstecken, aus der Perspektive des Betrachters drehen, aber man lässt sie. Denn auf ihre Art sind sie ein uneingelöstes versprechen der New Economy: Wer hier arbeitet, bekommt an seinem Arbeitsplatz die Gratisputze, die er auch zuhause haben möchte, wie es ihm Stuckrad-Barre und Illies vorgemacht haben. Hier kann man sich die Putze noch leisten. Das Goldene Zeitalter geht hinter diesen Glasfassaden weiter.
Behaupten sie. Dass es die Linien der Fassade brutal zertrümmert, war beim Bau des Gebäudes kein Thema. Und dass man jetzt, nachdem die Berliner Immobilienfonds zusammengebrochen sind, nicht mehr das Geld hat, um das Grafitti wegzuputzen, ist eine andere Geschichte. Die nichts mehr mit dem Traum von der Putze für alle, die es sich leisten können, zu tun hat.
donalphons, 00:52h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 8. Februar 2004
Ach so, ja,
und begrabt mein Herz an der Biegung des Abflusses.
donalphons, 21:57h
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Deadlined
Irgendwann musste es ja schief gehen, würde Mama sagen. Damals, in den 60ern, in ihrer Jugend, war alles noch so normalspeed, da gab es Puffer und kein Puffdasein für unsereins Medienhuren und kein just in time. Sie hatten beim Marsch durch die Institutionen 1 Job zu tun, und nicht 5, wie sie unsereins to do hat. Konzept Businessplan Text Meeting über 2 Kontinente und natürlich eine Deadline dabei gekillt, mit blöden Konsequenzen. 5 Jobs istgleich 5 Möglichkeiten zum verrecken, und Fuckit ist unser Morgen- und Abendgebet.
Das hätten sich die 68er mit ihren siffigen Joints nicht träumen lassen, diese Welt, die sie da mehr oder weniger erschaffen haben. Aber sie müssen es ja nicht ausbaden.
Das hätten sich die 68er mit ihren siffigen Joints nicht träumen lassen, diese Welt, die sie da mehr oder weniger erschaffen haben. Aber sie müssen es ja nicht ausbaden.
donalphons, 21:55h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 7. Februar 2004
Die ungeschriebenen Titel der nie releasten CD
der ungegründeten Musikgruppe Berlin Expats (2004):
Pankow Suizid (Hitsingle)
Marzahnlücken
Thai Bordell Blues
Mein Kühlschrank ist leer
Schlechter Sex in der Aula
the last Popliterat
U-Bahn-Ratten
Ich will ein T-34 sein
Der CEO beim Arbeitsamt
Mitte in die Fresse (Ärzte Remix)
Die Zahnarzttochter, die es nicht tut
Last Exit Tempelhof
Pankow Suizid (Hitsingle)
Marzahnlücken
Thai Bordell Blues
Mein Kühlschrank ist leer
Schlechter Sex in der Aula
the last Popliterat
U-Bahn-Ratten
Ich will ein T-34 sein
Der CEO beim Arbeitsamt
Mitte in die Fresse (Ärzte Remix)
Die Zahnarzttochter, die es nicht tut
Last Exit Tempelhof
uceda, 23:27h
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Freitag, 6. Februar 2004
oben / unten
Während oben der Afterwork beginnt, unter denen, die noch eine Vorafterwork-Arbeit haben, während das Leben still steht und es gut ist, weil alle Bewegungen da oben das Rennen durch ein Minenfeld ist, denn es ist Berlin und Abbauen ist das einzige Geschäft, das in Berlin echt gut läuft, besser als Drogenhandel, dem inzwischen auch die Preise kaputt gehen...

rattert unten die Strassenbahn über kantige Gleise, hinterlässt in der engen, ungepflegt-ostdeutschen Strasse eine Kakophonie aus Rumpeln und Kreischen, und in ihr lauter stumpfe, müde Gesichter von denen, die keinen Tiefgaragenplatz und vermutlich auch kein Auto haben. Viele Studenten, die nicht mehr streiken, sondern schon wieder versuchen, das Semester im Krieg jeder gegen jeden gebacken zu bekommen.
Damit sie später auch mal da oben sitzen und runterschauen können, wenn es draussen dunkel und kalt ist, aber es sie nicht weiter betrifft, denn ihr Weg wird sich, so hoffen sie, auf Ledersitzen abspielen, allein, von Tiefgarage zu Tiefgarage, und dann mit dem Lift ins Loft, so leer wie viele Hoffnungen.

rattert unten die Strassenbahn über kantige Gleise, hinterlässt in der engen, ungepflegt-ostdeutschen Strasse eine Kakophonie aus Rumpeln und Kreischen, und in ihr lauter stumpfe, müde Gesichter von denen, die keinen Tiefgaragenplatz und vermutlich auch kein Auto haben. Viele Studenten, die nicht mehr streiken, sondern schon wieder versuchen, das Semester im Krieg jeder gegen jeden gebacken zu bekommen.
Damit sie später auch mal da oben sitzen und runterschauen können, wenn es draussen dunkel und kalt ist, aber es sie nicht weiter betrifft, denn ihr Weg wird sich, so hoffen sie, auf Ledersitzen abspielen, allein, von Tiefgarage zu Tiefgarage, und dann mit dem Lift ins Loft, so leer wie viele Hoffnungen.
donalphons, 23:13h
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Freitag, 6. Februar 2004
Rosa Haare
Er ist ein Restbestand. Ein Fragment einer zertrümmerten Kultur. Herabgeschlunzt wie die meisten in dieser Stadt, in diesem Viertel, das sie hier "Kiez" nennen, weil es so heimatlich klingen soll, wie es garantiert nicht ist, mit den Drogendealern an den Telefonzellen, den Gebrauchtmärkten, bei denen es keine Rechnungen gibt, und den strategisch verstreuten Thai-Bordellen.
Inmitten dieses unspektakulären Dauerniedergangs steht also der Typ an der Kasse, gebückt, in den frühen 60ern, vielleicht auch jünger und durch den Lebenswandel vorzeitig gealtert. Er dreht Zigaretten selbst, wie damals vor dem Springer-Hochhaus. Und die Haare sind rosa gefärbt. Bis heute.
Er hat es nicht rausgeschafft zu den noblen Vororten, wo seine Mitkämpfer von damals heute residieren. Er hat den Zeitpunkt verpasst, zu dem man sich am Besten eingliedert und von der Reaktion gut bezahlen vulgo kaufen lässt. Seine Haare sind so fettig wie die der meisten älteren Männer in Berlin a. d. Spree, wo Körperpflege wenig gilt, aber die Haare sind rosa, und das macht den Unterschied zu den Kotzfressen der Blockwartclone, die sonst in diesem Viertel den Ton angeben.
Hin und wieder schnieft er die Nase bewusst proletarisch und laut hoch. Die alte Schachtel vor ihm im falschen Lammfell schaut angedisst. Den Wodkaflaschen nach zu schliessen, hat er ein erhebliches Alkoholproblem. Vielleicht ist das dafür verantwortlich, dass er den Marsch durch die Institutionen nicht geschafft hat. Und weiter an die Revolte glauben muss, bis das Vergessen im Wodka einsetzt.
Inmitten dieses unspektakulären Dauerniedergangs steht also der Typ an der Kasse, gebückt, in den frühen 60ern, vielleicht auch jünger und durch den Lebenswandel vorzeitig gealtert. Er dreht Zigaretten selbst, wie damals vor dem Springer-Hochhaus. Und die Haare sind rosa gefärbt. Bis heute.
Er hat es nicht rausgeschafft zu den noblen Vororten, wo seine Mitkämpfer von damals heute residieren. Er hat den Zeitpunkt verpasst, zu dem man sich am Besten eingliedert und von der Reaktion gut bezahlen vulgo kaufen lässt. Seine Haare sind so fettig wie die der meisten älteren Männer in Berlin a. d. Spree, wo Körperpflege wenig gilt, aber die Haare sind rosa, und das macht den Unterschied zu den Kotzfressen der Blockwartclone, die sonst in diesem Viertel den Ton angeben.
Hin und wieder schnieft er die Nase bewusst proletarisch und laut hoch. Die alte Schachtel vor ihm im falschen Lammfell schaut angedisst. Den Wodkaflaschen nach zu schliessen, hat er ein erhebliches Alkoholproblem. Vielleicht ist das dafür verantwortlich, dass er den Marsch durch die Institutionen nicht geschafft hat. Und weiter an die Revolte glauben muss, bis das Vergessen im Wodka einsetzt.
donalphons, 00:32h
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Dienstag, 3. Februar 2004
Saniert
Manche Leute sind sich zu nichts zu schade: Ungeachtet des offensichtlichen Zustands wird aufgehübscht, aufgesext und gelogen, was das Zeug hält, bei Branchen wie Maklern und Gebrauchtwagenhändlern. Hier ein besonders krasses Beispiel, gesehen an der bevorzugten Wohnlage Tübinger Zahnarzttöchter, der Kastanienallee:

Der Putz ist weitgehend ab, der Rest wurde angesichts der Einschussslöcher seit 1939 nicht mehr gepflegt, überall sind Wasserschäden - aber das Plakat ist frisch, rein, peppig.
Das Problem bei der New Economy ist, dass es dort keine erkennbaren Ruinen mehr gibt. Startups werden einfach vom Netz genommen und gammeln deshalb nicht, Ex-CEOs verkriechen sich, oder kommen mit brandbneuen Visitenkarten wieder. Ausgerechnet in unserer von Bildern geprägten Gesellschaft gibt es keine Visualisierung der Katastrophe, selbst so einer wie Alexander Falk schmort ohne aufregenden Bildbericht im Knast.
Und mit dem Thema Social Networking werden auch schon wieder schöne Plakate aus den virtuellen Fenstern gehängt, mit tollen Versprechungen, so viel, dass schon wieder viele nicht mehr auf die Fäulnis daneben sehen. Gerade Journalisten sind da etwas betriebsblind.
Und singen: "Auferstanden aus Ruinen..."

Der Putz ist weitgehend ab, der Rest wurde angesichts der Einschussslöcher seit 1939 nicht mehr gepflegt, überall sind Wasserschäden - aber das Plakat ist frisch, rein, peppig.
Das Problem bei der New Economy ist, dass es dort keine erkennbaren Ruinen mehr gibt. Startups werden einfach vom Netz genommen und gammeln deshalb nicht, Ex-CEOs verkriechen sich, oder kommen mit brandbneuen Visitenkarten wieder. Ausgerechnet in unserer von Bildern geprägten Gesellschaft gibt es keine Visualisierung der Katastrophe, selbst so einer wie Alexander Falk schmort ohne aufregenden Bildbericht im Knast.
Und mit dem Thema Social Networking werden auch schon wieder schöne Plakate aus den virtuellen Fenstern gehängt, mit tollen Versprechungen, so viel, dass schon wieder viele nicht mehr auf die Fäulnis daneben sehen. Gerade Journalisten sind da etwas betriebsblind.
Und singen: "Auferstanden aus Ruinen..."
uceda, 23:57h
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Montag, 2. Februar 2004
Er wird es nicht mögen
Wir haben lange darüber gesprochen, rumgetan, es gibt über ein Dutzend Entwürfe, aber nur einer hat etwas getaugt. Aber auch da - ne, also, hm. Dann das, quasi beim ersten Anflug auf Berlin:

Das isses. So sieht die Welt für diejenigen aus, um die es hier geht. Drinnen alles kühl, abweisend und leer, sie sind draussen und dürfen nicht rein. Es regnet. Und die Nacht will nicht enden.

Das isses. So sieht die Welt für diejenigen aus, um die es hier geht. Drinnen alles kühl, abweisend und leer, sie sind draussen und dürfen nicht rein. Es regnet. Und die Nacht will nicht enden.
donalphons, 01:39h
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