: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 13. Februar 2004

Hallo liebe Besucher von alpha.antville.org,

woelfin.twoday.net und wohinter sonst noch 35jährige arbeitslose Übersetzerinnen mit Pullis aus unfaishionablen Heilsarmee-Quellen sitzen: Nein, ich habe weder was mit dem Don bei Antville von dem Donq bei twoday zu tun,

Jetzt geht bitte wieder und saugt deren schlaffe Zitzen. Wer will: Spendenhotline für einsame Möchtegern-Autisten-LiterarInnen ist 0190-SUSI-Yin. Danke. Und jetzt weiter in meinem kleinen Webprojekt.

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Quotes and Judgements over Berlin

Don Alphonsos kleine Schwester über die Friedrichstrasse:

In der Theatinerstrasse, Perusastrasse und Maximiliansstrasse sieht man an jeder dritten Frau irgendein Gucci- oder Pradatäschchen. Das gehört einfach dazu. Hier in der Friedrichstrasse habe ich nur eine einzige Frau mit Prada gesehen, und die hatte eine Tasche mit dem kleinen Metalldreieck, das Prada schon vor 10 Jahren aufgegeben hat, weil es zu oft kopiert wurde. (überlegt) Wahrscheinlich war es eine Kopie...

über ein schwules Pärchen:

Also an den Schwulen erkennt man echt wie runtergekommen diese Stadt ist. In München würde kein offen Schwuler so underdressed rumlaufen. Zumindest würde er es dann nicht so offen zeigen, dass er schwul ist. Das würde doch seinen Ruf in der Szene ruinieren.

über einen übergrossen Mai Tai:

Das war nicht ein Mai tai, das waren 2 in einem Glas. Wahrscheinlich machen die das für die Gewohnheitssäufer dieser Stadt. Ein Mai Tai, das geht ja noch, aber der zweite ist dann der Eisbecher, und danach betrinken sich die meisten nur noch. Passt zu dieser Stadt.

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Mittwoch, 11. Februar 2004

delafayettelayd

Quartier 206, Friedrichstrasse, Gucci, Prada, ausserdem braucht sie einen Kronleuchter, und Silberbesteck. Kudamm will sie auch nachschauen, aber es ist überhaupt kein Vergleich zur Maxstrasse.

Es war klar, dass es so kommen würde. Als wir an dem halbschicken Pärchen auf Höhe des Sony Centers vorbeifuhren, und sie sagte: "Dolce & Gabbana - aber drittletzte Wintersaison. Sind die hier alle so underdressed?"

This Blog is temporarily delafayettelayd. Don Alphonsos kleine Schwester, der letzte Rest Fashion Victicism des krisengebeutelten Münchens, ist in Berlin a.d. Spree. Und jemand muss sie ja fahren.

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Mittwoch, 11. Februar 2004

Real life 10.2.04 - Das kommt schon wieder,

sagt das Mädchen und ist zuversichtlich. Ihre Kommilitonen haben gerade ihren Streik leise abgesagt; schliesslich stehen jetzt Klausuren an. In der Uni werden AKs gegründet, wie man die Härten auffangen kann, und was die Studis für die Hochschulen tun können. Genaugenommen ist es kaum gelungen, die Voprstellungen der Studenten durchzusetzen. Es gab ein paar publicityträchtige Aktionen, aber das war´s dann auch. Zu mehr reicht es nicht. Und die meisten waren sowieso nicht dabei.

Trotzdem glaubt sie, dass es wieder kommt. Bald. Vielleicht nicht in den nächsten 2, 3 Jahren, aber so kann es eigentlich nicht weitergehen.

Dabei ist das nur der Endpunkt einer langen Entwicklung. Man kann sich mit einer SMS zur Demo verabreden, was manche Jugendfunker ganz toll finden. Aber gewinnen kann man damit nicht.

Schade.

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Dienstag, 10. Februar 2004

Ich, mein Haus, meine Putze

Wahrscheinlich begann es in Frankfurt. Auf den Bürotürmen der Banken sollte alles designed sein, auch die letzte Schraube am hintersten Aufzugträger. Und natürlich auch die Utilities des Bürobetriebs; Installationen wie die Kräne wurden zu durchkonstruierten Details, in denen die Fensterputzer arbeiten und durch ihr Baumeln an der Aussenseite den Mitarbeitern drinnen gleich klarmachen, dass sie eigentlich auch nicht sicherer sind.

Schliesslich ging man bei den Bauherren so weit, dass die Kräne überdeutlich auf dem Dach platziert wurden; von unten wie ein putziges Stück applied arts, eigentlich viel zu schön, um da solche dreckigen Reinigungskräfte rein zu lassen. Das Bespiel machte Schule, mehr oder weniger.



In Berlin sind die Kräne wieder des Designs beraubt, sie sind nackt wie ein Galgen und hässlich wie eines dieser möchtegern Anorexie-Models, die in Mitte kellnern oder Frisuren verhunzen. Man könnte die Teile verstecken, aus der Perspektive des Betrachters drehen, aber man lässt sie. Denn auf ihre Art sind sie ein uneingelöstes versprechen der New Economy: Wer hier arbeitet, bekommt an seinem Arbeitsplatz die Gratisputze, die er auch zuhause haben möchte, wie es ihm Stuckrad-Barre und Illies vorgemacht haben. Hier kann man sich die Putze noch leisten. Das Goldene Zeitalter geht hinter diesen Glasfassaden weiter.

Behaupten sie. Dass es die Linien der Fassade brutal zertrümmert, war beim Bau des Gebäudes kein Thema. Und dass man jetzt, nachdem die Berliner Immobilienfonds zusammengebrochen sind, nicht mehr das Geld hat, um das Grafitti wegzuputzen, ist eine andere Geschichte. Die nichts mehr mit dem Traum von der Putze für alle, die es sich leisten können, zu tun hat.

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Sonntag, 8. Februar 2004

Ach so, ja,

und begrabt mein Herz an der Biegung des Abflusses.

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Deadlined

Irgendwann musste es ja schief gehen, würde Mama sagen. Damals, in den 60ern, in ihrer Jugend, war alles noch so normalspeed, da gab es Puffer und kein Puffdasein für unsereins Medienhuren und kein just in time. Sie hatten beim Marsch durch die Institutionen 1 Job zu tun, und nicht 5, wie sie unsereins to do hat. Konzept Businessplan Text Meeting über 2 Kontinente und natürlich eine Deadline dabei gekillt, mit blöden Konsequenzen. 5 Jobs istgleich 5 Möglichkeiten zum verrecken, und Fuckit ist unser Morgen- und Abendgebet.

Das hätten sich die 68er mit ihren siffigen Joints nicht träumen lassen, diese Welt, die sie da mehr oder weniger erschaffen haben. Aber sie müssen es ja nicht ausbaden.

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Samstag, 7. Februar 2004

Die ungeschriebenen Titel der nie releasten CD

der ungegründeten Musikgruppe Berlin Expats (2004):

Pankow Suizid (Hitsingle)

Marzahnlücken

Thai Bordell Blues

Mein Kühlschrank ist leer

Schlechter Sex in der Aula

the last Popliterat

U-Bahn-Ratten

Ich will ein T-34 sein

Der CEO beim Arbeitsamt

Mitte in die Fresse (Ärzte Remix)

Die Zahnarzttochter, die es nicht tut

Last Exit Tempelhof

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Freitag, 6. Februar 2004

oben / unten

Während oben der Afterwork beginnt, unter denen, die noch eine Vorafterwork-Arbeit haben, während das Leben still steht und es gut ist, weil alle Bewegungen da oben das Rennen durch ein Minenfeld ist, denn es ist Berlin und Abbauen ist das einzige Geschäft, das in Berlin echt gut läuft, besser als Drogenhandel, dem inzwischen auch die Preise kaputt gehen...



rattert unten die Strassenbahn über kantige Gleise, hinterlässt in der engen, ungepflegt-ostdeutschen Strasse eine Kakophonie aus Rumpeln und Kreischen, und in ihr lauter stumpfe, müde Gesichter von denen, die keinen Tiefgaragenplatz und vermutlich auch kein Auto haben. Viele Studenten, die nicht mehr streiken, sondern schon wieder versuchen, das Semester im Krieg jeder gegen jeden gebacken zu bekommen.

Damit sie später auch mal da oben sitzen und runterschauen können, wenn es draussen dunkel und kalt ist, aber es sie nicht weiter betrifft, denn ihr Weg wird sich, so hoffen sie, auf Ledersitzen abspielen, allein, von Tiefgarage zu Tiefgarage, und dann mit dem Lift ins Loft, so leer wie viele Hoffnungen.

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Freitag, 6. Februar 2004

Rosa Haare

Er ist ein Restbestand. Ein Fragment einer zertrümmerten Kultur. Herabgeschlunzt wie die meisten in dieser Stadt, in diesem Viertel, das sie hier "Kiez" nennen, weil es so heimatlich klingen soll, wie es garantiert nicht ist, mit den Drogendealern an den Telefonzellen, den Gebrauchtmärkten, bei denen es keine Rechnungen gibt, und den strategisch verstreuten Thai-Bordellen.

Inmitten dieses unspektakulären Dauerniedergangs steht also der Typ an der Kasse, gebückt, in den frühen 60ern, vielleicht auch jünger und durch den Lebenswandel vorzeitig gealtert. Er dreht Zigaretten selbst, wie damals vor dem Springer-Hochhaus. Und die Haare sind rosa gefärbt. Bis heute.

Er hat es nicht rausgeschafft zu den noblen Vororten, wo seine Mitkämpfer von damals heute residieren. Er hat den Zeitpunkt verpasst, zu dem man sich am Besten eingliedert und von der Reaktion gut bezahlen vulgo kaufen lässt. Seine Haare sind so fettig wie die der meisten älteren Männer in Berlin a. d. Spree, wo Körperpflege wenig gilt, aber die Haare sind rosa, und das macht den Unterschied zu den Kotzfressen der Blockwartclone, die sonst in diesem Viertel den Ton angeben.

Hin und wieder schnieft er die Nase bewusst proletarisch und laut hoch. Die alte Schachtel vor ihm im falschen Lammfell schaut angedisst. Den Wodkaflaschen nach zu schliessen, hat er ein erhebliches Alkoholproblem. Vielleicht ist das dafür verantwortlich, dass er den Marsch durch die Institutionen nicht geschafft hat. Und weiter an die Revolte glauben muss, bis das Vergessen im Wodka einsetzt.

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