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Sonntag, 27. Juni 2004
Nachts auf der Brücke
Da hinten liegen die spiessigen Zellen aus den 70er Jahren, gleich neben der alten Grenze. Unten durchtrennt ein Zug die Stille und erschwert dort oben die Einführung schlechter Serien, billiger Chips und gereizter Primärgenitalien zum Wochenhöhepunkt.

Alles ist denkbar in diesem tagsüber dunkelgrauen Klotz, der so trostlos ist wie seine Nachbarschaft, die monotonen Schienenwege irgendwo ins Nichts der unbegrenzten Zusammenrottung von Gebäuden, die an anderen Orten der Welt vielleicht "urban" genannt wird. Es ist eine dicke Scharte in einer zerhakten Fresse, und das da drüben ist der zeklüftete Grat einer eitrigen Wunde, die Banalität heisst und nie austrocknen oder verheilen wird.
Selbstmorde sind hier trotzdem selten, sagt man. Die Brücke ist so niedrig, dass man gute Chancen hat, zu überleben - und nach dem Sprung stundenlang, vielleicht die ganze Nacht, mit gebrochenen Beinen auf stillgelegten Schienensträngen liegt, während die erlösenden ICEs alle paar Minuten zwei Gleise weiter links vorbeidonnern. Und niemand hört den Schrei nach Hilfe, bis zum nächsten Morgen.
Unschöner kann man nicht überleben. Noch nicht mal in dem Klotz da hinten.

Alles ist denkbar in diesem tagsüber dunkelgrauen Klotz, der so trostlos ist wie seine Nachbarschaft, die monotonen Schienenwege irgendwo ins Nichts der unbegrenzten Zusammenrottung von Gebäuden, die an anderen Orten der Welt vielleicht "urban" genannt wird. Es ist eine dicke Scharte in einer zerhakten Fresse, und das da drüben ist der zeklüftete Grat einer eitrigen Wunde, die Banalität heisst und nie austrocknen oder verheilen wird.
Selbstmorde sind hier trotzdem selten, sagt man. Die Brücke ist so niedrig, dass man gute Chancen hat, zu überleben - und nach dem Sprung stundenlang, vielleicht die ganze Nacht, mit gebrochenen Beinen auf stillgelegten Schienensträngen liegt, während die erlösenden ICEs alle paar Minuten zwei Gleise weiter links vorbeidonnern. Und niemand hört den Schrei nach Hilfe, bis zum nächsten Morgen.
Unschöner kann man nicht überleben. Noch nicht mal in dem Klotz da hinten.
donalphons, 01:36h
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Erstens kommt es anders.
Es ist immer das gleiche, ob Blogeintrag, Artikel bei Dotcomtod oder bei Liquide: Am Anfang denke ich, das wird nie für einen richtigen Text reichen. Es ist so ein Berg von Text, der da aufzuschichten ist, das wird nie gehen.
Und am Ende muss ich dann kürzen, damit es überhaupt noch lesbar ist. 60 Seiten wurden bei Liquide abgespeckt - zum Glück aber keine Sexszene. Bei Blogs! dachten wir, wir müssen es irgendwie schaffen 250 übergrosse Seiten zu füllen. Jetzt sind es rund 350, und wir haben schon erheblich rumgeschoben, zusammengestaucht und gekürzt. 450 wären kein Problem gewesen, die 350 sind fast schon Kunst.
Mein nächstes Buch ist mit 200 Seiten angekündigt. Das kann ja heiter werden. Und hier wollte ich 1 Absatz schreiben, aber wie das bei Tucholsky so schön heisst: Ich laufe aus. Und weiche ab.
Schluss jetzt. Aus. Echt, unmöglich...
Und am Ende muss ich dann kürzen, damit es überhaupt noch lesbar ist. 60 Seiten wurden bei Liquide abgespeckt - zum Glück aber keine Sexszene. Bei Blogs! dachten wir, wir müssen es irgendwie schaffen 250 übergrosse Seiten zu füllen. Jetzt sind es rund 350, und wir haben schon erheblich rumgeschoben, zusammengestaucht und gekürzt. 450 wären kein Problem gewesen, die 350 sind fast schon Kunst.
Mein nächstes Buch ist mit 200 Seiten angekündigt. Das kann ja heiter werden. Und hier wollte ich 1 Absatz schreiben, aber wie das bei Tucholsky so schön heisst: Ich laufe aus. Und weiche ab.
Schluss jetzt. Aus. Echt, unmöglich...
donalphons, 01:14h
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Geilster Verleger wo gibt,
hab ich. Will ich hier nur mal sagen. Hat alles gut gefunden. Solche Verleger gibt´s eigentlich gar nicht mehr. Müsste man unter Denkmalschutz stellen, oder ins Museum gleich neben Rowohlt, Kotta und Fischer.
donalphons, 10:49h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 25. Juni 2004
Here we go.
Try for once in your life do something about it! But you know what, you better do it now and you better do it fast because the world doesn’t owe you any favors. - Lelaina im einzigartigen Film Reality bites, eine Erinnerung an ein anderes Leben, bevor der Regen über Europa kam. Damals war alles noch anders, kein Netz, keine Blogs, Medien nur eine Option unter vielen ... Unschuld, könnte man sagen. Das Zitat nur eine Erinnerung an etwas, das nicht mehr existiert, was einem einfällt, wenn es im Sturzflug durch die Suchscheinwerfer geht. Do it fast. Was ist Lelaina heute? Arbeitslos? Ein Rad im System? Verheiratet? Zugekokst in irgendeinem Vorstandsvorzimmer? Egal. Keine Zeit zum denken. Denken können wir, wenn wir tot sind.
Denn jetzt es geht auf einmal rasend schnell. Nein, es war schon schnell, aber hier tief unten im Zielanflug knapp über der Erde fühlt man das Zerschmelzen von Zeit und Distanz, die Bomben schimmern unter den Flügeln und die Propeller zerfetzen den Äther, und alles dröhnt wieder von der Gewalt der Motoren, der Bombenschütze gibt die Entfernung durch, es sind nur noch ein paar Meilen, und plötzlich ist noch viel zu tun, die Zünder scharf machen, Kompressoren zuschalten, die Funksperre wird aufgehoben, die Nachricht geht raus, und alle an Bord wissen: Wir kommen rein. Auf 12 Uhr. They won´t owe us any favors. Egal.
Denn jetzt es geht auf einmal rasend schnell. Nein, es war schon schnell, aber hier tief unten im Zielanflug knapp über der Erde fühlt man das Zerschmelzen von Zeit und Distanz, die Bomben schimmern unter den Flügeln und die Propeller zerfetzen den Äther, und alles dröhnt wieder von der Gewalt der Motoren, der Bombenschütze gibt die Entfernung durch, es sind nur noch ein paar Meilen, und plötzlich ist noch viel zu tun, die Zünder scharf machen, Kompressoren zuschalten, die Funksperre wird aufgehoben, die Nachricht geht raus, und alle an Bord wissen: Wir kommen rein. Auf 12 Uhr. They won´t owe us any favors. Egal.
donalphons, 22:37h
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Real Life 24.6.04 - NE-Schönling
Es ist irgendwann zwischen Medienkritik und Literaturdiskurs, als erst NE-Schönling1 den Raum betritt, mit zu langen Koteletten, viel Gel und einer Pseudokreativen, die aussieht wie Franziska Gerstenberg nach 90°-Wäsche - ausgebleicht, ungebügelt und aufgequollen, was sich auf den 2. Blick aber als Babyspeck herausstellt. Ich richte meinen Kopf so, dass ein paar seiner Worte zu mir durch den Lärm dringen, vorbei am Gekreische der Blondinen, die den ersten Schweiss ihrer Volljährigkeit mit Taschen unter den Achseln aufsaugen, und hindurch zwischen dem Rumdidldum der zünftigen Volksmusik dieses Berliner Stadtteils, in dem Prostitution in Drinks und nicht in Euro entlohnt wird.
Es ist mir wohlvertraut, diese Sprache der Ahnungslosen, die sich auf das Business freuen wie der fanatisierte Rekrut auf den Krieg. Das Mädchen hört ihm zu und zeigt nackte Schultern, den Preis für seinen verbalen Heldenmut in der rethorischen Schlacht um den Markt. Man sollte aufstehen, hinübergehen und ihm sagen, dass er mit diesen Phrasen noch nicht mal Sachbearbeiter wird, aber das andere Ohr meldet, dass meine Begleiter gerade über Selbstmord als Marketinggag für Berliner Jungautoren sinnieren, wozu ich gleich auf die hohe Selbstmordrate im Februar verweise und mir dabei denke, dass sich die beste Awareness im Juli erzielen lassen würde. Wir einigen uns gerade auf eine Favoritin, die heute klagengefurzt hat, da kommt auch noch NE-Schönling2, der zwar die diskrete Eleganz eines Volksbank-Azubis verstrahlt, aber wohl auch BWL studiert. Er rumpelt beim schlecht nachgeäfften Munich-Area-Style-Bussi-Bussi an unseren Tisch, wo die Becks-Flaschen wackeln und mein Tee schwappt, setzt sich, und wendet uns den mit Schuppen bestäubten Rücken zu. Vielleicht hat es aufgrund der neuen Hose für die Wohnung mit Bad nicht gereicht?

Während ich noch darüber nachsinne, dass dieser Menschenschlag immer gleich bleiben wird, ausser auf dem Oktoberfest und im Sexkino, wo sie Sau rauslassen, kommt NE-Schönling3, ohne Gel, Koteletten und Haare, redet knieend eine Weile auf NE-Schönling2 ein. Ich mache einige nicht in den Zusammenhang passende Bemerkungen über die geistige und finanzielle Armut dieser Stadt, und ich sage es so LAUT dass sie es hören müssen.
Sie haben was anderes zu tun. NE-Schönling3 geht zwischen NE-Schönling2 und unserem Tisch hindurch, auf der Jagd nach einem Sessel, und weil die Achselschweisstäschchen-Girls gegangen sind, findet er auch eine Sitzgelegenheit. Inzwischen schiebt sich NE-Schönling2 mitsamt Stuhl ganz weit nach hinten an unseren Tisch mitsamt nun wieder wackelnden Flaschen und dem schappenden Tee, um möglichst langgestreckt der anwesenden Crowd einen freien Blick auch auf seine Leistengegend zu gestatten. Aus dieser Lage brüllt er NE-Schönling1 weitere Phrasen zu.
NE-Schönling3 kommt wieder, muss hindurch, aber statt NE-Schönling2 aufzufordern, Platz zu machen, weist er uns an, unseren Tisch zurückzuschieben. Ich tue ihm den Gefallen, und als er zwischen Stuhl von NE-Schönling2 und unserem Tisch vorbeigeht, verzichte ich darauf, ihm den Tisch ruckartig in die Kniekehlen zu stossen. Obwohl er uns beim Vorbeigehen den Rücken und das verlängerte Rückgrat zugewandt hat.
Er war wahrscheinlich als Kind nicht in der Oper, vermute ich, denn dort hätte er gelernt, wie man Menschen an einer engen Stelle passiert - Antlitz zu Antlitz. Oder eine alte Dame hätte ihm so den Stock zwischen die Beine gerammt, dass er bis heute Haltungsschäden hätte. Und bessere Manieren.
Es ist mir wohlvertraut, diese Sprache der Ahnungslosen, die sich auf das Business freuen wie der fanatisierte Rekrut auf den Krieg. Das Mädchen hört ihm zu und zeigt nackte Schultern, den Preis für seinen verbalen Heldenmut in der rethorischen Schlacht um den Markt. Man sollte aufstehen, hinübergehen und ihm sagen, dass er mit diesen Phrasen noch nicht mal Sachbearbeiter wird, aber das andere Ohr meldet, dass meine Begleiter gerade über Selbstmord als Marketinggag für Berliner Jungautoren sinnieren, wozu ich gleich auf die hohe Selbstmordrate im Februar verweise und mir dabei denke, dass sich die beste Awareness im Juli erzielen lassen würde. Wir einigen uns gerade auf eine Favoritin, die heute klagengefurzt hat, da kommt auch noch NE-Schönling2, der zwar die diskrete Eleganz eines Volksbank-Azubis verstrahlt, aber wohl auch BWL studiert. Er rumpelt beim schlecht nachgeäfften Munich-Area-Style-Bussi-Bussi an unseren Tisch, wo die Becks-Flaschen wackeln und mein Tee schwappt, setzt sich, und wendet uns den mit Schuppen bestäubten Rücken zu. Vielleicht hat es aufgrund der neuen Hose für die Wohnung mit Bad nicht gereicht?

Während ich noch darüber nachsinne, dass dieser Menschenschlag immer gleich bleiben wird, ausser auf dem Oktoberfest und im Sexkino, wo sie Sau rauslassen, kommt NE-Schönling3, ohne Gel, Koteletten und Haare, redet knieend eine Weile auf NE-Schönling2 ein. Ich mache einige nicht in den Zusammenhang passende Bemerkungen über die geistige und finanzielle Armut dieser Stadt, und ich sage es so LAUT dass sie es hören müssen.
Sie haben was anderes zu tun. NE-Schönling3 geht zwischen NE-Schönling2 und unserem Tisch hindurch, auf der Jagd nach einem Sessel, und weil die Achselschweisstäschchen-Girls gegangen sind, findet er auch eine Sitzgelegenheit. Inzwischen schiebt sich NE-Schönling2 mitsamt Stuhl ganz weit nach hinten an unseren Tisch mitsamt nun wieder wackelnden Flaschen und dem schappenden Tee, um möglichst langgestreckt der anwesenden Crowd einen freien Blick auch auf seine Leistengegend zu gestatten. Aus dieser Lage brüllt er NE-Schönling1 weitere Phrasen zu.
NE-Schönling3 kommt wieder, muss hindurch, aber statt NE-Schönling2 aufzufordern, Platz zu machen, weist er uns an, unseren Tisch zurückzuschieben. Ich tue ihm den Gefallen, und als er zwischen Stuhl von NE-Schönling2 und unserem Tisch vorbeigeht, verzichte ich darauf, ihm den Tisch ruckartig in die Kniekehlen zu stossen. Obwohl er uns beim Vorbeigehen den Rücken und das verlängerte Rückgrat zugewandt hat.
Er war wahrscheinlich als Kind nicht in der Oper, vermute ich, denn dort hätte er gelernt, wie man Menschen an einer engen Stelle passiert - Antlitz zu Antlitz. Oder eine alte Dame hätte ihm so den Stock zwischen die Beine gerammt, dass er bis heute Haltungsschäden hätte. Und bessere Manieren.
donalphons, 06:18h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 24. Juni 2004
Fuck sind die HÄSSLICH!
Ich sitze im Büro. Ich kann hier die „Ästhetik der Entleerung“-Klagenfurze nicht hören. Nur sehen, auf der Website des ORFs zu einem Auftrieb, der Literaturbetrieb heisst und den die Welt so sehr braucht wie den Haider Jörg.Aber ich kann sie über das Netz sehen, die Faltenwerfer, die Pusteln und Wärzchen, die Altersflecke und verkniffenen Kritikerfressen, die schiefen, gelben Zähne und die kauernde Haltung, gelernt beim Kriechen in den Redaktionen, die professoralen Spitzbärte und Tränensäcken, die letzten nennenswerten Säcke, die sie haben, aber die sind dann gigantisch.
Es ist die Frakshow des Literaturbetriebs, was da auf der Kritikerbank schimmelt, es riecht sicher nach leichtem Schimmel, Gott es ist scheusslich, und jetzt so ein paar GZSZ-Mädchen wären eine optische Erlösung.
Ich wünsche mir Rainald Goetz zurück. Ich will ihn nicht bluten sehen, sondern die alten, verbiesterten Betriebsprodukthaftungsergebnisse, und er soll ihnen nochmal in die Fresse kotzen:
Ich brauche keinen Frieden, denn ich trage den Krieg in mir.
donalphons, 18:39h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 24. Juni 2004
Munich Area Competence
Ich liebe Pressemitteilungen. Besonders, wenn sie von Medieneinrichtungen kommen, die mir von Medienkompetenz für junge Leute berichten. Verfasser sind in der Regel Leute, deren E-Mail-Programme von den Praktikanten bedient werden muss, weil der Chef nicht zu alt für Alfa, aber auch nicht mehr jung genug für nochmal was lernen ist.
Heute war so ein Prachtexemplar in der Mailbox, über 1000 Besucher einer Schnuppermesse, von denen, die sie ausbilden wollen. Kam per E-Mail. Als RTF-Attachment. Leider war der Text der Meldung 4 Zeilen zu lang für den Rahmen, so dass man das grosskotzige Staement des Veranstalters nicht lesen konnte. Und die angegebene Domain ist noch nicht fertig. Seit Wochen.
Heute war so ein Prachtexemplar in der Mailbox, über 1000 Besucher einer Schnuppermesse, von denen, die sie ausbilden wollen. Kam per E-Mail. Als RTF-Attachment. Leider war der Text der Meldung 4 Zeilen zu lang für den Rahmen, so dass man das grosskotzige Staement des Veranstalters nicht lesen konnte. Und die angegebene Domain ist noch nicht fertig. Seit Wochen.
donalphons, 00:34h
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Sommer in Berlin
Jetzt. Gerade.

Ein angenehmer Sommerabend. Eine mässige Sintflut, mit einem lauen Lüftchen von etwa 7 Beaufort. Blitze machen schön hell, und wer schneller als 30 fährt, riskiert sein Erdendasein.
Sommer in Berlin halt. Ich wundere mich, wozu es in dieser Stadt Strandbäder gibt.

Ein angenehmer Sommerabend. Eine mässige Sintflut, mit einem lauen Lüftchen von etwa 7 Beaufort. Blitze machen schön hell, und wer schneller als 30 fährt, riskiert sein Erdendasein.
Sommer in Berlin halt. Ich wundere mich, wozu es in dieser Stadt Strandbäder gibt.
donalphons, 22:20h
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Die Rache der Provinz-Grattler.
Österreichische Städte wie Wien, die die gleichen Betrugsskandale und ihre New Economy Windbeutel in Braun-blau hatten, die ähnlich abstruse Börsen und Medienideen hervorgebracht haben, zeigen inzwischen mit dem Finger auf Berlin. Ob bei Politik, Arbeitslosen, Übermütterung oder BvSB, die Berliner Seiten oder soziale Not: Berlin ist schuld, sagen Kurier und Standard, Profil und Krone, Presse und Zur Zeit.

Dabei ist Wien nur ein besser lackiertes Zerfallsprodukt und einer korrupten Politikerkaste, die der New Economy zu wenig zum Verteilen gelassen hat. Aber wenn es dem Piefke schlecht geht, fühlt sich der herzensgute Wiener Jungredakteur gleich viel besser.

Dabei ist Wien nur ein besser lackiertes Zerfallsprodukt und einer korrupten Politikerkaste, die der New Economy zu wenig zum Verteilen gelassen hat. Aber wenn es dem Piefke schlecht geht, fühlt sich der herzensgute Wiener Jungredakteur gleich viel besser.
donalphons, 02:12h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 22. Juni 2004
Real Life 21.6.04 - Ecke Veteranenstrasse
Man hat ihr gesagt, dass sie vorne aussteigen soll. Egal, sie muss sowieso vorne raus, weil dort die Wohnung ist. Trotzdem, keinesfalls hinten. Hinten hat sich die Drogenszene breit gemacht. Sie fand das alles etwas irritierend, denn daheim ist es alles ganz anders. Dort ist es egal, wann und wo man aus der U-Bahn aussteigt.
Inzwischen ist sie wieder zu Hause, und hier ist es auch kein Problem der U-Bahn mehr. Denn im Sommer haben diese Locations keine Bedeutung. Die Szene treibt hinaus auf die Strassen, weg von den Sicheheitsbeamten der verkehrdsbetriebe mit ihren schwarzen Hunden, hinauf an die Ecken, am besten an Häuser, die enteignet, geraubt, zerstört und aufgegeben wurden. Da gibt es keine Geschäftsinhaber, die die Polizei rufen. Im Verkehr, in den beweglichen Menschenmengen fallen sie und ihre Geschäftspartner nicht auf. Sie warten auf das Nichts bis zum letzten Kick oder den nächsten Kunden, und es ist irgendwie tragisch, aber das erste, was mir auffällt, ist die manchmal immer noch sorgsam aplizierte Schminke, und wie wenig sie gegen die eingefallenen Wangen und Augen hilft, zumal, wenn sie blond sind und ohnehin schon dünne Haut haben.
Das hier ist nur ambulant, vorrübergehend, zeit- und wetterbedingt. Der erste Regen wird sie wieder hinnunterspülen in den warmen Bauch der Erde und der ratternden Eisenzüge, wo es süsslich nach Erbrochenem und Pisse riecht.
Aber noch ist Sommer in der Stadt.
Inzwischen ist sie wieder zu Hause, und hier ist es auch kein Problem der U-Bahn mehr. Denn im Sommer haben diese Locations keine Bedeutung. Die Szene treibt hinaus auf die Strassen, weg von den Sicheheitsbeamten der verkehrdsbetriebe mit ihren schwarzen Hunden, hinauf an die Ecken, am besten an Häuser, die enteignet, geraubt, zerstört und aufgegeben wurden. Da gibt es keine Geschäftsinhaber, die die Polizei rufen. Im Verkehr, in den beweglichen Menschenmengen fallen sie und ihre Geschäftspartner nicht auf. Sie warten auf das Nichts bis zum letzten Kick oder den nächsten Kunden, und es ist irgendwie tragisch, aber das erste, was mir auffällt, ist die manchmal immer noch sorgsam aplizierte Schminke, und wie wenig sie gegen die eingefallenen Wangen und Augen hilft, zumal, wenn sie blond sind und ohnehin schon dünne Haut haben.
Das hier ist nur ambulant, vorrübergehend, zeit- und wetterbedingt. Der erste Regen wird sie wieder hinnunterspülen in den warmen Bauch der Erde und der ratternden Eisenzüge, wo es süsslich nach Erbrochenem und Pisse riecht.
Aber noch ist Sommer in der Stadt.
donalphons, 16:19h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 21. Juni 2004
Der Claim entscheidet
Irgendwann, vor gut 4 Jahren, entschied ein alter Münchner Grosskonzern, dass er jetzt auch einen einzigen Claim für alle seine Aktivitäten bräuchte. Es gab einen Pitch, zu dem Kraut und Rüben, grosse Agenthurenhäuser und kleine, aufdringliche Ratten eingeladen wurden. Es gab viele Vorschläge, Worte wie entrepreneurially, successfull, und leadership flimmerten zwischen Beamer umd teuren, hässlichen Vorhängen herum.
Letztlich verzichtete der Konzern dann bald wieder auf den Siegesentwurf, der dann auch auf Bitten der Corporate Communication von vielen Medien aus alten Online-Berichten getilgt wurde - zu peinlich war es den alten grauen Herren, sich mit diesem flippgen new-eco-english zitieren zu lassen.
Es geht also auch ohne, noch dazu englischen Claim - aber zumindest die Linke dieses Landes stolpert dieser Erkenntnis bis heute hinterher.

Ohne dabei zu bedenken, dass ein guter Claim nicht nur die Forderung, sondern auch ein potenzielles Ergebnis beinhalten sollte. Auf eine Firma wie Daimler-Chrysler würde dieser Reclaim-Claim heissen: Liefert uns das Metall! Und wenn sie die Strasse haben, was machen Sie damit? Seifenkistenrennen?
Aber wenigstens klingt damit der übliche, von Jahr zu Jahr kleiner werdende Ritualaufmarsch nach einer hippen Veranstaltung mit viel Energy und einem ordentlichen Kick off, der durch den dynamischen Claim gebrandet wird. Hier geht es um Action, um Leadership, um die Willingness2Success, hey, wir ziehen das GANZ GROSS AUF und niemand wird merken, dass es im Kern nur noch Brauchtumspflege ist, die sich eigentlich längst um Zuschüsse für Trachtenvereine bemühen könnte.
Und vielleicht auch um eine ordentliche Agentur, die den Claim in seiner Message broaded, damit die Zielgruppe schon mal eine Vision und eine Mission hat.
Letztlich verzichtete der Konzern dann bald wieder auf den Siegesentwurf, der dann auch auf Bitten der Corporate Communication von vielen Medien aus alten Online-Berichten getilgt wurde - zu peinlich war es den alten grauen Herren, sich mit diesem flippgen new-eco-english zitieren zu lassen.
Es geht also auch ohne, noch dazu englischen Claim - aber zumindest die Linke dieses Landes stolpert dieser Erkenntnis bis heute hinterher.

Ohne dabei zu bedenken, dass ein guter Claim nicht nur die Forderung, sondern auch ein potenzielles Ergebnis beinhalten sollte. Auf eine Firma wie Daimler-Chrysler würde dieser Reclaim-Claim heissen: Liefert uns das Metall! Und wenn sie die Strasse haben, was machen Sie damit? Seifenkistenrennen?
Aber wenigstens klingt damit der übliche, von Jahr zu Jahr kleiner werdende Ritualaufmarsch nach einer hippen Veranstaltung mit viel Energy und einem ordentlichen Kick off, der durch den dynamischen Claim gebrandet wird. Hier geht es um Action, um Leadership, um die Willingness2Success, hey, wir ziehen das GANZ GROSS AUF und niemand wird merken, dass es im Kern nur noch Brauchtumspflege ist, die sich eigentlich längst um Zuschüsse für Trachtenvereine bemühen könnte.
Und vielleicht auch um eine ordentliche Agentur, die den Claim in seiner Message broaded, damit die Zielgruppe schon mal eine Vision und eine Mission hat.
donalphons, 23:07h
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Business Model Handtasche
Da steht ein Name an der Tür. Inhaberin. Der Name ist mir bekannt, von früher. Glaube ich. Einmal nachgoogeln. Tatsächlich, eine Gründerin aus der damaligen Hochzeit. Als es keine Limits gab. Ihr Laden war einer von denen, die "brick and mortar" für tot hielten - nur wussten es diese Saurier noch nicht.

Es gibt hier in Berlin gerade einen Boom an deratigen Handtaschenläden. Vermutlich ist das der Standard-Vorschlag des Arbeitsamts für eine Geschäftsidee, wenn es um die Wiedereingliederung von Marketing und Business Development der New Economy Era in das sogenannte "Berufsleben" geht.
Öffnungszeiten: 12 bis 18 Uhr. Um vier Uhr, Proseccozeit, war der Laden geschlossen.

Es gibt hier in Berlin gerade einen Boom an deratigen Handtaschenläden. Vermutlich ist das der Standard-Vorschlag des Arbeitsamts für eine Geschäftsidee, wenn es um die Wiedereingliederung von Marketing und Business Development der New Economy Era in das sogenannte "Berufsleben" geht.
Öffnungszeiten: 12 bis 18 Uhr. Um vier Uhr, Proseccozeit, war der Laden geschlossen.
donalphons, 15:34h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 20. Juni 2004
Das Grauen, das aus den Referrern kam
Wenn man solche Fragen an Google richten muss, sollte man das mit der Ich-AG bleibenlassen, auch wenn man bei Google die Antwort findet.
Auch nicht schlecht: WAs soll ich studieren. Kleiner Tip: Keinesfalls Diplomjournalistik.
Auch nicht schlecht: WAs soll ich studieren. Kleiner Tip: Keinesfalls Diplomjournalistik.
donalphons, 21:50h
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Abgehende Journalisten
kann man betrachten, wenn es um Blogs und die "Untersuchung" des Software-Herstellers Perseus Development Corp. geht. Die hat sich über das Blogverhalten eher negativ geäussert - zu viele Kids, zu viele stillgelegte Seiten, zu wenig Inhalt, und so weiter. Alles natürlich Dinge, die den professionellen Journalisten runtergehen wie Öl. Letztes Beispiel dafür ist Telepolis von Heise.de, genauer, von einem gewissen Thomas Pany.
Statt selbst mal nachzuzählen, was es zum Beispiel in Deutschland gibt, beruft er sich also auf das Report-Dingens einer Firma, die eigentlich in einem ganz anderen Bereich zu Hause ist: Der eCRM-Software, auch bekannt unter automatischer, netzbasierter Kundenpflege und -betreuung. Das alleine sollte schon stutzig machen - eCRM versucht im Kern, die Kritik etwa an Produkten, für die Blogs bekannt sind, schon frühzeitig zu erkennen und zu besänftigen. Ein Schelm vielleicht, der da Böses denkt? Kann es sein, dass Perseus diese Ergebnisse selbst gut brauchen kann? Sollte man soclhe Ergebnisse dann nicht vielleicht mal kritisch durchleuchten, als angeblich unabhängiger Journalist?
Aber so weit kam der Autor Thomas Pany offensichtlich nicht. Er hat, da bin ich mir ziemlich sicher, die Studie nie gelesen. Sonst hätte sich nämlich nicht dieser Fehler in seinem Text ereignet, der eigentlich nur durch Abschreiben einer älteren Heise-Meldung erklärbar ist, die dabei auch schon neben den Fakten der Studie lag: "Der Software-Hersteller Perseus Development Corp. hat die Zahl der Weblogs in den USA auf 4,12 Millionen geschätzt."
Das ist falsch. Perseus hat etwas anderes gesagt: Auf acht von ihnen untersuchten Webloghostern schätzen sie die Zahl der Blogs auf 4,12 Millionen. Es ist also weder die Gesamtzahl noch auf Amerika begrenzt - Blogger.com und Lifejournal haben ja auch eine Menge User ausserhalb der USA.
Ich würde Herrn Pany dringend raten, erst mal das Recherchieren zu lernen, bevor er das nächste Mal einen Artikel über die Problematik des Bloggens verfasst. Sonst könnte man schnell behaupten, dass er auch nir einer von den Zeilenkrepierer ist, der sich seine Studien zurechterfindet. Und wenn man eine Studie schon zitiert, sollte man sie zumindest gelesen haben. Grundkurs Publizistik, Herr Pany.
von hier.
Statt selbst mal nachzuzählen, was es zum Beispiel in Deutschland gibt, beruft er sich also auf das Report-Dingens einer Firma, die eigentlich in einem ganz anderen Bereich zu Hause ist: Der eCRM-Software, auch bekannt unter automatischer, netzbasierter Kundenpflege und -betreuung. Das alleine sollte schon stutzig machen - eCRM versucht im Kern, die Kritik etwa an Produkten, für die Blogs bekannt sind, schon frühzeitig zu erkennen und zu besänftigen. Ein Schelm vielleicht, der da Böses denkt? Kann es sein, dass Perseus diese Ergebnisse selbst gut brauchen kann? Sollte man soclhe Ergebnisse dann nicht vielleicht mal kritisch durchleuchten, als angeblich unabhängiger Journalist?
Aber so weit kam der Autor Thomas Pany offensichtlich nicht. Er hat, da bin ich mir ziemlich sicher, die Studie nie gelesen. Sonst hätte sich nämlich nicht dieser Fehler in seinem Text ereignet, der eigentlich nur durch Abschreiben einer älteren Heise-Meldung erklärbar ist, die dabei auch schon neben den Fakten der Studie lag: "Der Software-Hersteller Perseus Development Corp. hat die Zahl der Weblogs in den USA auf 4,12 Millionen geschätzt."Das ist falsch. Perseus hat etwas anderes gesagt: Auf acht von ihnen untersuchten Webloghostern schätzen sie die Zahl der Blogs auf 4,12 Millionen. Es ist also weder die Gesamtzahl noch auf Amerika begrenzt - Blogger.com und Lifejournal haben ja auch eine Menge User ausserhalb der USA.
Ich würde Herrn Pany dringend raten, erst mal das Recherchieren zu lernen, bevor er das nächste Mal einen Artikel über die Problematik des Bloggens verfasst. Sonst könnte man schnell behaupten, dass er auch nir einer von den Zeilenkrepierer ist, der sich seine Studien zurechterfindet. Und wenn man eine Studie schon zitiert, sollte man sie zumindest gelesen haben. Grundkurs Publizistik, Herr Pany.
von hier.
donalphons, 02:58h
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Samstag, 19. Juni 2004
Die Wahrheit
Der Park gehört allen. Den russischen Pennern, die ein Dutzend leere Bierflaschen im Kreis um sich herum aufstellen, dem Dealer an der Telefonzelle, der Patchwork-Familie mit Sonnenzelt und Digicam, die Bratwixe von Meika grillt, dem wackligen Psycho auf der Bank, der alle anstarrtt, sonstigen typischen Berlinern - und mir.
Die soziale Revolution wird kommen, grölt ein an die Mauer geklatschter Lenin. Wahrheit an die Wand, steht drunter. Die Wahrheit ist: Die soziale Revolution wird nie kommen, dafür ist die asoziale Revolte längst im Gang. Nicht mehr ein Staat für alle, sondern ein schmutziger, zugesprayter Park für den Plebs bis zu denen, die aus der Mittelschicht in die Niederungen der Cappuccino-Jobber gestürzt sind, Spiessergärten für die Spiesser und Vorstädte für die Reichen. Jedem das, wo er sich wohlfühlt. Wo ich hinschaue, Penner oder Fondverwalter: Glückliche Gesichter. Ich bin ein Wanderer zwischen diesen Welten; ich habe bei der Fahrt den Beschluss gefasst, mal wieder einen Empfang zu schwänzen, statt dessen zu knipsen und bin hier gut angezogen unter Hyänen. *
Ich photographiere den Tümpel, das Cafe und Schmierereien in der Dämmerung, und verlasse den Park. Kurz vor der Strasse sitzt immer noch der Psycho auf der Bank. Als ich vorbeigehe, steht er auf und kommt mir nach. Er ist nur ein paar Schritte hinter mir, und lallt undeutlich mit Berliner Akzent: He Du, wat machste mit der Kamera Bilder von mir oder wat det jeht nich gib mir det Ding...
Ich drehe mich um. Ich bin jetzt seit beinahe 2 Wochen wieder in diesem Slum. Ich habe Gewissensbisse bei jeder Bewerbung, die ich ablehne, ich habe so viel Dreck gesehen, soviel Müll und Kaputtheit zwischen den runtergekommenen Strassenzügen und den 13. Stockwerken der Ministerialbürokratie, ich habe einen Moloch gesehen, wo Opfer sein nur bedeutet, dass der eigene Betrug nicht funktioniert hat, ich bin angelogen, angeschleimt und angedisst worden, und ich habe die Schnauze voll von einem System, wo jeder meint, er braucht bloss kommen und nehmen, und schon bricht für ihn das Goldene Zeitalter an. Mein ganzer Hass auf 68er Eiterbeulen im Judentumanmassungsrausch, Mittepinscher, Linkesockenlöcher, Neoliberalfaschos, Kotzbrocken in den Einfahrten und in Anzügen, Hundescheisse auf dem Gehweg und in Hirnen, ich habe es so satt, das alles liegt in meinem Blick.
Ich sage nichts. Es ist vielleicht nur eine Folge des Systems, in dem wir leben, es ist eine logische Konsequenz, dann soll es eben so sein. Ich schaue ihm nur in seine mickigen, wasserblauen Augen, und er begreift, dass ich einen halben Kopf grösser und 10 Jahre jünger bin und meinen gut geschnittenen Anzug ausfülle. Wir stehen uns gegenüber. Er müsste nur seine Hand ausstrecken...
Er dreht sich weg, grummelt etwas und geht zurück auf seine Parkbank.
Zumindest dieser Park gehört uns allen. Das ist die Wahrheit, die auch der letzte Psycho begreifen muss.
*DCT-Leser verstehen diese Anspielung
Die soziale Revolution wird kommen, grölt ein an die Mauer geklatschter Lenin. Wahrheit an die Wand, steht drunter. Die Wahrheit ist: Die soziale Revolution wird nie kommen, dafür ist die asoziale Revolte längst im Gang. Nicht mehr ein Staat für alle, sondern ein schmutziger, zugesprayter Park für den Plebs bis zu denen, die aus der Mittelschicht in die Niederungen der Cappuccino-Jobber gestürzt sind, Spiessergärten für die Spiesser und Vorstädte für die Reichen. Jedem das, wo er sich wohlfühlt. Wo ich hinschaue, Penner oder Fondverwalter: Glückliche Gesichter. Ich bin ein Wanderer zwischen diesen Welten; ich habe bei der Fahrt den Beschluss gefasst, mal wieder einen Empfang zu schwänzen, statt dessen zu knipsen und bin hier gut angezogen unter Hyänen. *Ich photographiere den Tümpel, das Cafe und Schmierereien in der Dämmerung, und verlasse den Park. Kurz vor der Strasse sitzt immer noch der Psycho auf der Bank. Als ich vorbeigehe, steht er auf und kommt mir nach. Er ist nur ein paar Schritte hinter mir, und lallt undeutlich mit Berliner Akzent: He Du, wat machste mit der Kamera Bilder von mir oder wat det jeht nich gib mir det Ding...
Ich drehe mich um. Ich bin jetzt seit beinahe 2 Wochen wieder in diesem Slum. Ich habe Gewissensbisse bei jeder Bewerbung, die ich ablehne, ich habe so viel Dreck gesehen, soviel Müll und Kaputtheit zwischen den runtergekommenen Strassenzügen und den 13. Stockwerken der Ministerialbürokratie, ich habe einen Moloch gesehen, wo Opfer sein nur bedeutet, dass der eigene Betrug nicht funktioniert hat, ich bin angelogen, angeschleimt und angedisst worden, und ich habe die Schnauze voll von einem System, wo jeder meint, er braucht bloss kommen und nehmen, und schon bricht für ihn das Goldene Zeitalter an. Mein ganzer Hass auf 68er Eiterbeulen im Judentumanmassungsrausch, Mittepinscher, Linkesockenlöcher, Neoliberalfaschos, Kotzbrocken in den Einfahrten und in Anzügen, Hundescheisse auf dem Gehweg und in Hirnen, ich habe es so satt, das alles liegt in meinem Blick.
Ich sage nichts. Es ist vielleicht nur eine Folge des Systems, in dem wir leben, es ist eine logische Konsequenz, dann soll es eben so sein. Ich schaue ihm nur in seine mickigen, wasserblauen Augen, und er begreift, dass ich einen halben Kopf grösser und 10 Jahre jünger bin und meinen gut geschnittenen Anzug ausfülle. Wir stehen uns gegenüber. Er müsste nur seine Hand ausstrecken...Er dreht sich weg, grummelt etwas und geht zurück auf seine Parkbank.
Zumindest dieser Park gehört uns allen. Das ist die Wahrheit, die auch der letzte Psycho begreifen muss.
*DCT-Leser verstehen diese Anspielung
donalphons, 03:23h
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