... newer stories
Freitag, 18. Juni 2004
schön blöd
jetzt mal so ein mittiger text in kleinschreibung weil man das wieder so macht wie damals in den bescheuerten raf-pamphleten und rezensenten mögen das weil es dann kunst ist. obwohl es sind zu wenig punkte drin das solltet ihr euch vielleicht noch reindenken. danke.
also es gibt diesen laden. da werden möbel verkauft wie in den seventies, so flache sessel und betten und alles irgendwie in weiss und pastell und braun. das ist recht hip und so weil die siebziger sind stylish wieder echt frisch hier in berlin. nicht bei allen aber bei mareike und ariane die sogar so eine tasche auf ihrem buchcover hat und mareike jedenfalls will jetzt auch so einen sessel in diesem geschäft wo schön auf dem schaufenster steht.

aber mareike sagt dass es ziemlich uncool ist von dem label wo sie gejobt hat dass immer noch kein geld und kein vertrag da ist und deshalb geht das jetzt noch nicht. sie drückt sich aber jeden abend wenn sie auf dem weg zur party vorbeikommt die nase am schaufenster platt.
und am tag sitzt dann eine verkäuferin drin und sieht keinen kunden und kann sich ärgern, weil ja eigentlich alles hier auf die ganz jungen gutverdiener eingestellt ist die wo mit dem style der seventies. die kennen auch den style vom wort schön weil sie die sporties hören und zweiraumwohnung und winson und bei sowas und solchen möbeln nicht das kotzen kriegen wie das noch die tun, die in den achtzigern die tempo gelesen haben und das jetzt noch immer voll scheisse finden dieses hippiezeug das sie zum letzten mal vor diesem laden bei der beat ag in der wohnung von ihrem frauenverstehenden musiklehrer gesehen haben wo sie nur hin sind um margot zu imponieren.
also es gibt diesen laden. da werden möbel verkauft wie in den seventies, so flache sessel und betten und alles irgendwie in weiss und pastell und braun. das ist recht hip und so weil die siebziger sind stylish wieder echt frisch hier in berlin. nicht bei allen aber bei mareike und ariane die sogar so eine tasche auf ihrem buchcover hat und mareike jedenfalls will jetzt auch so einen sessel in diesem geschäft wo schön auf dem schaufenster steht.

aber mareike sagt dass es ziemlich uncool ist von dem label wo sie gejobt hat dass immer noch kein geld und kein vertrag da ist und deshalb geht das jetzt noch nicht. sie drückt sich aber jeden abend wenn sie auf dem weg zur party vorbeikommt die nase am schaufenster platt.
und am tag sitzt dann eine verkäuferin drin und sieht keinen kunden und kann sich ärgern, weil ja eigentlich alles hier auf die ganz jungen gutverdiener eingestellt ist die wo mit dem style der seventies. die kennen auch den style vom wort schön weil sie die sporties hören und zweiraumwohnung und winson und bei sowas und solchen möbeln nicht das kotzen kriegen wie das noch die tun, die in den achtzigern die tempo gelesen haben und das jetzt noch immer voll scheisse finden dieses hippiezeug das sie zum letzten mal vor diesem laden bei der beat ag in der wohnung von ihrem frauenverstehenden musiklehrer gesehen haben wo sie nur hin sind um margot zu imponieren.
donalphons, 22:30h
... link (0 Kommentare) ... comment
Real Life 18.6.04 - Untergrund der nächsten Gener
nein, sagen wir mal lieber, Kohorte.
Ich weiss nicht, ob sie eine PRaline ist, und woher sie meine Nummer bekam. Wahrscheinlich hat sie noch nicht mal auf unsere Website geschaut, sonst hätte sie begriffen, dass mein Medium herzlich wenig mit dem zu tun hat, was man als ihren "kulturellen Horizont" bezeichnen könnte. Seit zwei Monaten erhalte ich Einladungen zu irgendwelchen schrägen Kulturparties, die sie selbst von wem anderes bekommt, und die sie mir dann forwarded. Es ist ziemlich schwer, Journalisten auf solche Krümelevents spät Nachts zu locken, wo es nichts zu Essen gibt und das Bier was kostet. Vielleicht wird sie weiterhin eingeladen, kriegt Bücher umsonst, oder kann angeben, wenn sie einen Typen anschleppt, auf dessen Visitenkarte eine New Yorker, eine Berliner und eine Münchner Adresse stehen. Echte PR ist sie eher nicht.
Es war ein echter Dreckstag in Berlin a. d. Spree. Zwei Termine geplatzt, umsonst gewartet, ein paar Regenschauer und dann auch noch die Dummheit, ans Handy zu gehen. Ob ich heute Abend nicht doch kommen will, ganz toller Event, gerade ich als halber US-Citizen würde es grossartig finden, New Yorker Underground.
Ich dachte mir, das mit meinem Status als banaler Angestellter einer amerikanischen Stiftung erkläre ich ihr lieber dort, mit allem Drum und Dran, damit sie klar sieht - und sagte zu. Ich hätte das Handy besser an die Wand pfeffern sollen.
Ein paar Meter neben einem früheren Schickilokal in der Gipsstrasse war ein Laden ausgeräumt. Jemand hatte sich nicht viel Mühe gegeben, das Ganze authentisch wirken zu lassen: Farbphotos von Sprayern mit Klebestreifen an die Wand gepappt, grellgelbe Halogenstrahler frisch aus dem Baumarkt, und dazu überall die typische Sprayerschrift, quasi die gotische Fraktur unausgelasteter Spiesserzahnarztkinder.

Die waren zur Hälfte drinnen und draussen und ziemlich dürr, von den beiden fetten, kurzhaarigen Kajaltöpfen abgesehen, die zu solchen undergroundigen Events gehören wie der tschechische Gartenzwerg in den Vorgarten des Kleinbürgers. Draussen lehnten sie an ein paar Mittelklassewägen, natürlich vor allem an einem schwarzen, 5-türigen Golf, das Becks in der Hand und ziemlich LAUT, ohne dass es nötig gewesen wäre in diesem verschlafenen Wohnviertel.
Drinnen waren neben den Bildern von wild vermummten N.Y.Kiddies mehr von den typischen Szeneleuten, mit den 70er Taschen und manchmal auch Lackmänteln. Es roch nach zu viel Parfum, fast wie auf einem Wohltätigkeitsbasar, aber nicht süsslich verwesend, sondern eher kalt und stechend. Süsslich roch nur der billige Sekt, den jemand verschüttet hatte und der jetzt den Boden verklebte.
Die Möchtegern-PR-Frau kam mit einer Bekannten auf mich zu, stellte uns vor, und begann zu reden. Es war zu laut, sie sprach mehr in Richtung ihrer Bekannten, die schon etwas zu alt für die kreischenden Kids neben uns war. Ich verstand die Hälfte und hätte einiges darum gegeben, wenn es nur ein Viertel gewesen wäre. Angeblich war das hier sehr wichtig, ein Spit-zen-Event, und ausserdem sind auch viele Jungstars der Szene da, Künstler, Schauspieler, Regisseure, Autoren.
Ein Typ, der mit seiner zerissenen Jeans einen kleinen Tribut 2 the topic machte, zog mit einer teuren Digicam herum und knallte mir den Blitz aus einem halben Meter Entfernung in die Augen, bevor er mir dann, zur Unschärfe inmitten eines schwarzleuchtgelben Flecks gewandelt, als irgendein Jungeventdurchzieher vorgestellt wurde. Sehr unangenehm, pleased to beat you. Gekreische von Rechts, ganz viel, da ging wohl wieder eine Flasche sekt auf, aber ich sah nichts.
Ich sprach dann noch mit einem frisch zurückgekehrten Austauschstudenten über die Probleme bei der Arbeitssuche in New York, mit einer fertigen Journalistin ohne Job über die Krise des Journalismus, und mit einem Kerl, der dachte, ich könnte ihm vielleicht helfen, sein Manuskript an einen Verlag zu bringen. Er war ziemlich frustriert, als ich ihm sagte, dss noch nicht mal ein gut laufendes Buch so viel Geld bringt, dass er sich den Traum vom neuen BMW X-5 leisten kann, geschwiege denn einer Wohnung in Mitte. Gegen ein Uhr drängte die nächste Gruppe in die Galerie, und ich ging, ohne meine einladende Bekannte noch mal zu sehen.
Auf dem Weg zum Auto hupte jemand hinter mir. Es war die Bekannte der PR-Frau. In einem leicht verbeulten Mazda MX-5 mit Koblenzer Kennzeichen. Shakira volle Kanne dröhnte durch das Verdeck.
Ich weiss nicht, ob sie eine PRaline ist, und woher sie meine Nummer bekam. Wahrscheinlich hat sie noch nicht mal auf unsere Website geschaut, sonst hätte sie begriffen, dass mein Medium herzlich wenig mit dem zu tun hat, was man als ihren "kulturellen Horizont" bezeichnen könnte. Seit zwei Monaten erhalte ich Einladungen zu irgendwelchen schrägen Kulturparties, die sie selbst von wem anderes bekommt, und die sie mir dann forwarded. Es ist ziemlich schwer, Journalisten auf solche Krümelevents spät Nachts zu locken, wo es nichts zu Essen gibt und das Bier was kostet. Vielleicht wird sie weiterhin eingeladen, kriegt Bücher umsonst, oder kann angeben, wenn sie einen Typen anschleppt, auf dessen Visitenkarte eine New Yorker, eine Berliner und eine Münchner Adresse stehen. Echte PR ist sie eher nicht.
Es war ein echter Dreckstag in Berlin a. d. Spree. Zwei Termine geplatzt, umsonst gewartet, ein paar Regenschauer und dann auch noch die Dummheit, ans Handy zu gehen. Ob ich heute Abend nicht doch kommen will, ganz toller Event, gerade ich als halber US-Citizen würde es grossartig finden, New Yorker Underground.
Ich dachte mir, das mit meinem Status als banaler Angestellter einer amerikanischen Stiftung erkläre ich ihr lieber dort, mit allem Drum und Dran, damit sie klar sieht - und sagte zu. Ich hätte das Handy besser an die Wand pfeffern sollen.
Ein paar Meter neben einem früheren Schickilokal in der Gipsstrasse war ein Laden ausgeräumt. Jemand hatte sich nicht viel Mühe gegeben, das Ganze authentisch wirken zu lassen: Farbphotos von Sprayern mit Klebestreifen an die Wand gepappt, grellgelbe Halogenstrahler frisch aus dem Baumarkt, und dazu überall die typische Sprayerschrift, quasi die gotische Fraktur unausgelasteter Spiesserzahnarztkinder.

Die waren zur Hälfte drinnen und draussen und ziemlich dürr, von den beiden fetten, kurzhaarigen Kajaltöpfen abgesehen, die zu solchen undergroundigen Events gehören wie der tschechische Gartenzwerg in den Vorgarten des Kleinbürgers. Draussen lehnten sie an ein paar Mittelklassewägen, natürlich vor allem an einem schwarzen, 5-türigen Golf, das Becks in der Hand und ziemlich LAUT, ohne dass es nötig gewesen wäre in diesem verschlafenen Wohnviertel.
Drinnen waren neben den Bildern von wild vermummten N.Y.Kiddies mehr von den typischen Szeneleuten, mit den 70er Taschen und manchmal auch Lackmänteln. Es roch nach zu viel Parfum, fast wie auf einem Wohltätigkeitsbasar, aber nicht süsslich verwesend, sondern eher kalt und stechend. Süsslich roch nur der billige Sekt, den jemand verschüttet hatte und der jetzt den Boden verklebte.
Die Möchtegern-PR-Frau kam mit einer Bekannten auf mich zu, stellte uns vor, und begann zu reden. Es war zu laut, sie sprach mehr in Richtung ihrer Bekannten, die schon etwas zu alt für die kreischenden Kids neben uns war. Ich verstand die Hälfte und hätte einiges darum gegeben, wenn es nur ein Viertel gewesen wäre. Angeblich war das hier sehr wichtig, ein Spit-zen-Event, und ausserdem sind auch viele Jungstars der Szene da, Künstler, Schauspieler, Regisseure, Autoren.
Ein Typ, der mit seiner zerissenen Jeans einen kleinen Tribut 2 the topic machte, zog mit einer teuren Digicam herum und knallte mir den Blitz aus einem halben Meter Entfernung in die Augen, bevor er mir dann, zur Unschärfe inmitten eines schwarzleuchtgelben Flecks gewandelt, als irgendein Jungeventdurchzieher vorgestellt wurde. Sehr unangenehm, pleased to beat you. Gekreische von Rechts, ganz viel, da ging wohl wieder eine Flasche sekt auf, aber ich sah nichts.
Ich sprach dann noch mit einem frisch zurückgekehrten Austauschstudenten über die Probleme bei der Arbeitssuche in New York, mit einer fertigen Journalistin ohne Job über die Krise des Journalismus, und mit einem Kerl, der dachte, ich könnte ihm vielleicht helfen, sein Manuskript an einen Verlag zu bringen. Er war ziemlich frustriert, als ich ihm sagte, dss noch nicht mal ein gut laufendes Buch so viel Geld bringt, dass er sich den Traum vom neuen BMW X-5 leisten kann, geschwiege denn einer Wohnung in Mitte. Gegen ein Uhr drängte die nächste Gruppe in die Galerie, und ich ging, ohne meine einladende Bekannte noch mal zu sehen.
Auf dem Weg zum Auto hupte jemand hinter mir. Es war die Bekannte der PR-Frau. In einem leicht verbeulten Mazda MX-5 mit Koblenzer Kennzeichen. Shakira volle Kanne dröhnte durch das Verdeck.
donalphons, 05:17h
... link (20 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 17. Juni 2004
Real Life 16/17.6.2004 - Scholz and Feinds
Ich erzählte ihr eine dieser miesen Geschichten aus der Munich Area, die keine New Economy sind und deshalb nicht bei Dotcomtod landen. Ganz klassisch: Unterschlagung, betrügerische Insovenz, ein Kickback-System, bei dem sich alle bereicherten, ausser den Investoren. Die ganz Miesen hatten ein Netz von 1-Personen-GmbHs um sich herum aufgebaut, die es zuerst erwischt hätte. Durch gezieltes "Risiko-Management", besser bekannt als Umdrehen eines Vertrauten, war das Netz am Ende sinnlos. Die ganz Miesen verlieren gerade ihr gesamtes Vermögen an Investoren, die ebenfalls nicht gerade zu den netten Menschen dieser Republik zählen. Alltag, früher auch mein Alltag in der wachstumsorientierten Munich Area. Die New Economy ist tot, aber die new Economy Deals laufen weiter.
Sie meinte, dass ihr das ziemlich fremd ist. Weiter unten in der Hierarchie bekommt man von diesen Geschichten nichts mit. Und überhaupt, es ist nicht alles so schlimm. Es gibt ja manche, die sich ganz locker gehalten haben. Eine Delle vielleicht, ein paar Jahre etwas Rückgang, aber sonst eigentlich alles ok. Eine Freundin von ihr arbeitet zum Beispiel gleich hier die Strasse runter bei Scholz & Friends. Natürlich sind das stressige Jobs, aber es läuft bei denen im Moment. Ohne solche riskanten Deals. Gute Aufträge.
Dann kamen die Enchilladas, und in der nächsten halben Stunde wurde das Wetter so schön, dass wir es doch ganz gut getroffen hatten, mit dem Platz draussen im Garten.
Heute regnete es wieder. Und sie sagte mir für heute Abend telefonisch ab. Wegen ihrer guten Freundin, die bei Scholz & Friends ist. Die braucht heute Abend jemand zum Quatschen. Es geht ihr nicht so besonders.
Sie meinte, dass ihr das ziemlich fremd ist. Weiter unten in der Hierarchie bekommt man von diesen Geschichten nichts mit. Und überhaupt, es ist nicht alles so schlimm. Es gibt ja manche, die sich ganz locker gehalten haben. Eine Delle vielleicht, ein paar Jahre etwas Rückgang, aber sonst eigentlich alles ok. Eine Freundin von ihr arbeitet zum Beispiel gleich hier die Strasse runter bei Scholz & Friends. Natürlich sind das stressige Jobs, aber es läuft bei denen im Moment. Ohne solche riskanten Deals. Gute Aufträge.
Dann kamen die Enchilladas, und in der nächsten halben Stunde wurde das Wetter so schön, dass wir es doch ganz gut getroffen hatten, mit dem Platz draussen im Garten.
Heute regnete es wieder. Und sie sagte mir für heute Abend telefonisch ab. Wegen ihrer guten Freundin, die bei Scholz & Friends ist. Die braucht heute Abend jemand zum Quatschen. Es geht ihr nicht so besonders.
donalphons, 22:55h
... link (1 Kommentar) ... comment
Spearhead
Offenheit, Transparenz und grenzenloser Austausch zwischen innen und aussen war die architektonische Maxime, Glas und Stahlbetonrahmen ersetzten den Stein, denn "brick and mortar" waren verpönt, veraltet, überflüssig. Der neue Stil der späten 90er griff zurück auf die Neue Sachlichkeit. In den öffentlichen Raum bohrten sich die Kristallkanten mit schonungsloser Luminiszenz. Jeder sieht jeden. Container und Webcam waren nur mediale Folgen der schimmernden Avantgarde über den Städten.
Die grenzenlose Öffentlichkeit des Internets als architektonische Metapher. Mobilität, Flüchtigkeit und Flexibilität durch wenige, ausgesuchte Möbel. Auch hier der Glanz des Chroms und das grünliche Funkeln geschliffener Gläser. Powerbook-Area, 24/7.

Manche klammern sich an diese Räume fest. Bis heute. Denken nicht daran, sie aufzugeben. Auch wenn sie im Winter ringsum nur das ganze matschige Elend der Umgebung zeigen, und im Sommer die Klimaanlage die Hitze mühsam wegsurrt.
In diesem Glaskasten wird sich niemand ausziehen. Niemand wird auf dem Boden ficken, nach dem schnellen Aufriss unten im angesagten Viertel. Deshalb auch keine Freundin, falls es gut war. Die dann sagen könnte, dass sie doch lieber was mit Garten hätte. Und normalen Mauern. Und Vorhängen. Zum Beispiel in der westlichen Vorstadt.
Mit dem Volvo wären es auch nur 20 Minuten in die Stadt. Welcher Volvo? Na der, den er sich kaufen soll. Der alte SLK ist einfach hässlich, seitdem es den neuen gibt.
Die grenzenlose Öffentlichkeit des Internets als architektonische Metapher. Mobilität, Flüchtigkeit und Flexibilität durch wenige, ausgesuchte Möbel. Auch hier der Glanz des Chroms und das grünliche Funkeln geschliffener Gläser. Powerbook-Area, 24/7.

Manche klammern sich an diese Räume fest. Bis heute. Denken nicht daran, sie aufzugeben. Auch wenn sie im Winter ringsum nur das ganze matschige Elend der Umgebung zeigen, und im Sommer die Klimaanlage die Hitze mühsam wegsurrt.
In diesem Glaskasten wird sich niemand ausziehen. Niemand wird auf dem Boden ficken, nach dem schnellen Aufriss unten im angesagten Viertel. Deshalb auch keine Freundin, falls es gut war. Die dann sagen könnte, dass sie doch lieber was mit Garten hätte. Und normalen Mauern. Und Vorhängen. Zum Beispiel in der westlichen Vorstadt.
Mit dem Volvo wären es auch nur 20 Minuten in die Stadt. Welcher Volvo? Na der, den er sich kaufen soll. Der alte SLK ist einfach hässlich, seitdem es den neuen gibt.
donalphons, 04:28h
... link (4 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 16. Juni 2004
Vorbildlich
Irgendwann, mit dem Begriff der Gleitzeit, gingen die sogenannten geregelten Arbeitszeiten über Bord. Den Begriff kannte keiner mehr.

Bei der Gelegenheiten verschwand irgendwann auch die Stechuhr. Während jeder Bandarbeiter jede zusätzliche Viertel Stunde peinlich genau mit 25% Zuschlag und in der Spätschicht nochmal mit 25% Nachtzuschlag versah, war und das alles nicht so wichtig. Mal 10 Stunden, mal 6, manchmal auch 12, denn Projekte kennen keinen Feierabend, nur Deadlines und Echtzeit.
Stunde ist Stunde. Arbeit ist Arbeit. Dafür gab es Obst und Gummibärchen umsonst. Und es war schon somewhat geil, Nachts um eins noch aus dem Glasbeton-Büro auf die Stadt runterzuschauen. Den Puls zu fühlen, und das Brausen im beschleunigten Herz der Metropole, die sich im Digitalen über die Welt und darüber hinaus erstreckte. In NY war es immer erst 6 Stunden früher.
No rules. Scheiss auf die gewerkschaften. Die Welt gehört denen, die was leisten. Oder später denen, die leistungsfähiger waren, oder mit der HR gut konnten. Immerhin wurden dann die Büros schon gross und leer. Die Arbeit blieb bei weniger Leuten. Die fanden es cool, um 6 nach Hause zu kommen. 6 Uhr morgens natürlich.
Und das Essen haben sie bei der Tanke gegenüber gekauft. Sie waren vorbildliche Arbeitnehmer der eigenen Sache.
Sie haben die Nacht zum zusätzlichen Arbeitstag gemacht. Und diese Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins und der sozialen Anforderung wird bleiben.

Bei der Gelegenheiten verschwand irgendwann auch die Stechuhr. Während jeder Bandarbeiter jede zusätzliche Viertel Stunde peinlich genau mit 25% Zuschlag und in der Spätschicht nochmal mit 25% Nachtzuschlag versah, war und das alles nicht so wichtig. Mal 10 Stunden, mal 6, manchmal auch 12, denn Projekte kennen keinen Feierabend, nur Deadlines und Echtzeit.
Stunde ist Stunde. Arbeit ist Arbeit. Dafür gab es Obst und Gummibärchen umsonst. Und es war schon somewhat geil, Nachts um eins noch aus dem Glasbeton-Büro auf die Stadt runterzuschauen. Den Puls zu fühlen, und das Brausen im beschleunigten Herz der Metropole, die sich im Digitalen über die Welt und darüber hinaus erstreckte. In NY war es immer erst 6 Stunden früher.
No rules. Scheiss auf die gewerkschaften. Die Welt gehört denen, die was leisten. Oder später denen, die leistungsfähiger waren, oder mit der HR gut konnten. Immerhin wurden dann die Büros schon gross und leer. Die Arbeit blieb bei weniger Leuten. Die fanden es cool, um 6 nach Hause zu kommen. 6 Uhr morgens natürlich.
Und das Essen haben sie bei der Tanke gegenüber gekauft. Sie waren vorbildliche Arbeitnehmer der eigenen Sache.
Sie haben die Nacht zum zusätzlichen Arbeitstag gemacht. Und diese Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins und der sozialen Anforderung wird bleiben.
donalphons, 21:02h
... link (8 Kommentare) ... comment
Real Life 15.6.04 - Frau zu haben
Der Ukrainer, der Frauenhandel und die Prostitution organisierte, und als dessen Berliner Kunde ein gewisser Michel Friedmann bekannt wurde, muss für fast 5 Jahre in den Knast.

Ob es dann noch diese Galerie gleich neben der Volksbühne gibt, ist eine andere Frage. Kunst ist Luxus, den man sich leisten können muss, genauso wie schlechten Geschmack. Wenn beides zusammenkommt, gibt es keinen Rabatt, und deshalb auch nicht mehr Umsätze.
Keinen Rabatt auch gegenüber, hinter der Tür eines rot bemalten Erdgeschosses. Live Sex Erotic steht in den Fenstern, Frauenbeine zeigen eine Dynamik, die dem Bild in der Galerie gänzlich fremd ist. Zeigt der Hengst die kleinste Schwellung, geht die Stute gleich in Stellung, verkündet ein rotleuchtendes Laufband.
Gleich daneben ist Eggers und Landwehr, die Kneipe der Agenten, die Rechte an kaum volljährigen Mädchen verkaufen. Demnächst tingeltangelt hier Jana Hensel, noch so ein "junges Talent". Eine werbende Umschreibung, die sich der Ukrainer für die Wierderaufnahme seiner Geschäfte merken könnte.
Zwei seiner Landsleute kommen aus demn Cafe Burger, sturzbetrunken und stinkend. Sie torkeln Arm in Arm über die Strasse. Hinter ihnen hat ein Mädchen das Lokal verlassen, aber sie kommt nur ein paar Meter weit. Dann setzt sie sich auf den kaputten Berliner Asphalt, steckt die Beine aus und hält sich den Kopf. Sie hat zuviel. Zuviel Alkohol, schlechte Luft, zuviel Hoffnungen, dass es cool werden könnte und zuviel erlebt, als dass sie sich noch vormachen könnte, das hier wäre das tobende Leben.
Jemand sollte ihr ein Taxi beschaffen, damit sie sicher heim kommt. Ein Pulk grölender Fussballfans zieht achtlos an ihr vorrüber.

Ob es dann noch diese Galerie gleich neben der Volksbühne gibt, ist eine andere Frage. Kunst ist Luxus, den man sich leisten können muss, genauso wie schlechten Geschmack. Wenn beides zusammenkommt, gibt es keinen Rabatt, und deshalb auch nicht mehr Umsätze.
Keinen Rabatt auch gegenüber, hinter der Tür eines rot bemalten Erdgeschosses. Live Sex Erotic steht in den Fenstern, Frauenbeine zeigen eine Dynamik, die dem Bild in der Galerie gänzlich fremd ist. Zeigt der Hengst die kleinste Schwellung, geht die Stute gleich in Stellung, verkündet ein rotleuchtendes Laufband.
Gleich daneben ist Eggers und Landwehr, die Kneipe der Agenten, die Rechte an kaum volljährigen Mädchen verkaufen. Demnächst tingeltangelt hier Jana Hensel, noch so ein "junges Talent". Eine werbende Umschreibung, die sich der Ukrainer für die Wierderaufnahme seiner Geschäfte merken könnte.
Zwei seiner Landsleute kommen aus demn Cafe Burger, sturzbetrunken und stinkend. Sie torkeln Arm in Arm über die Strasse. Hinter ihnen hat ein Mädchen das Lokal verlassen, aber sie kommt nur ein paar Meter weit. Dann setzt sie sich auf den kaputten Berliner Asphalt, steckt die Beine aus und hält sich den Kopf. Sie hat zuviel. Zuviel Alkohol, schlechte Luft, zuviel Hoffnungen, dass es cool werden könnte und zuviel erlebt, als dass sie sich noch vormachen könnte, das hier wäre das tobende Leben.
Jemand sollte ihr ein Taxi beschaffen, damit sie sicher heim kommt. Ein Pulk grölender Fussballfans zieht achtlos an ihr vorrüber.
donalphons, 03:41h
... link (20 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 15. Juni 2004
Auftragsmordbeitrag
Nicht ganz abgekackte Börsenrandexistenzen von Amazon, Ebay, Yahoo und was sie an der Börse von Google unterscheiden wird - also alles. Ausserdem: Was mit Web.de und GMX wird, wenn Google mal anfängt. Beispiel hier. Wenn Google Hustet, kriegen die anderen Keuchhusten, Syphilis und plötzlichen Kindstot.
Ein Beitrag ganz nach meinem Geschmack, der mir da angetragen wurde. 12.000 Zeichen Napalm. Das ist kein Job. Das ist Passion.
Ein Beitrag ganz nach meinem Geschmack, der mir da angetragen wurde. 12.000 Zeichen Napalm. Das ist kein Job. Das ist Passion.
donalphons, 23:35h
... link (3 Kommentare) ... comment
Das Elend der Medienkompetenz
Ich liebe es! Ich bin total hingerissen, wenn hochgejazzte Wunderbubis schon beim kleinsten Stück Internet auf die Fresse fallen! Das beste Stück hat bislang Scholz & Friends abgeliefert, als sie auf ihrer Website als Kontakt eine nicht funktionierende Email-Adresse angaben.

Doch Florian Barbourjacke Illies setzt noch was drauf, das zeigt, dass er Print ist und von diesem Internet da keine Ahnung hat.
mehr

Doch Florian Barbourjacke Illies setzt noch was drauf, das zeigt, dass er Print ist und von diesem Internet da keine Ahnung hat.
mehr
donalphons, 03:54h
... link (5 Kommentare) ... comment
Bevor man die New Economy von der Leine
gelassen hat, hätte man vorher diesen Artikel hier lesen sollen. Die De Lorean Story. Purer New Economy Irrsinn im Geiste der 68er Rebellion. Immerhin kamen dabei ein paar Autos raus, und nicht nur ein Haufen nicht mehr verfügbares HTML oder Flash.
donalphons, 03:19h
... link (1 Kommentar) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 14. Juni 2004
Hinaus in die Nacht
hinweg über die messerscharfen Ruinen der Eisenbahntrasse
auf zerborstenem Asphalt durch Trümmer aus Stahlbeton
wo der Äther nach Ubahn und nach frischem Versagen duftet,
und alte Kriege immer noch den reisszahn in Gebäude schlagen,
wo niemand lebt, weil Leben teuer ist, zu teuer für die Menschen,
und selbst das Vegetieren unendlich schwieriger ist als der Tod.
Der Gram, die Trauer, das Entsetzen und die Lethargie
des Slums durchbricht das schimmernde Kristall der Optik
und glitzert in mir tief an dieser lange kalten Stelle,
wo andere glauben, dass dort die sogenannte Seele sitzt,
die sie nie haben werden, auch wenn sie sich gut täuschen,
denn Lüge ist das Business Model ihrer kranken Geister.
Doch scheint mir, dass dahinter die Gier sich weitet,
die Niedergang und Scheitern als gerechte Strafe schätzt,
ein wütend Tier voll Hass und giftig triefend Wollust,
und mehr als Freude, wahres Glück an anderer Verrecken.
Ich kenne Dich, Du stets verdrängtes, tiefstes Menschenwesen,
sitz nieder, komm, mach Platz, hier soll´s an nichts Dir fehlen.
Sei mir willkommen, Du kaputte, rasende, gequälte Kreatur,
und nage an von Don Alphonsos Nachtmahl aufgesparten Knochen.
klingt doch besser als: Ich hab aus Versehen meine SD-Card formatiert und muss knipsen, denn ich hab kein Bildmaterial für das Blog mehr.
auf zerborstenem Asphalt durch Trümmer aus Stahlbeton
wo der Äther nach Ubahn und nach frischem Versagen duftet,
und alte Kriege immer noch den reisszahn in Gebäude schlagen,
wo niemand lebt, weil Leben teuer ist, zu teuer für die Menschen,
und selbst das Vegetieren unendlich schwieriger ist als der Tod.
Der Gram, die Trauer, das Entsetzen und die Lethargie
des Slums durchbricht das schimmernde Kristall der Optik
und glitzert in mir tief an dieser lange kalten Stelle,
wo andere glauben, dass dort die sogenannte Seele sitzt,
die sie nie haben werden, auch wenn sie sich gut täuschen,
denn Lüge ist das Business Model ihrer kranken Geister.
Doch scheint mir, dass dahinter die Gier sich weitet,
die Niedergang und Scheitern als gerechte Strafe schätzt,
ein wütend Tier voll Hass und giftig triefend Wollust,
und mehr als Freude, wahres Glück an anderer Verrecken.
Ich kenne Dich, Du stets verdrängtes, tiefstes Menschenwesen,
sitz nieder, komm, mach Platz, hier soll´s an nichts Dir fehlen.
Sei mir willkommen, Du kaputte, rasende, gequälte Kreatur,
und nage an von Don Alphonsos Nachtmahl aufgesparten Knochen.
klingt doch besser als: Ich hab aus Versehen meine SD-Card formatiert und muss knipsen, denn ich hab kein Bildmaterial für das Blog mehr.
donalphons, 23:31h
... link (0 Kommentare) ... comment
Real life 14.4.04 - Unschuld update
Im Auto sitzen, Radio an, und dann kommen die Ärzte mit "Zu spät". Jede Zeile mitsingen können. Immer noch. Nach fast 20 Jahren. Von ICH HASSE IHN! bis zu Neinnein geh wg!
Nur bei den Ärzten möglich. Das nenne ich wahre Dichtkunst.
Nur bei den Ärzten möglich. Das nenne ich wahre Dichtkunst.
donalphons, 19:17h
... link (1 Kommentar) ... comment
Werbeagenturen
sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Auch ihr Recruiting nicht. Aber zumindest haben sie begriffen, dass Email-Marketing nicht mehr besonders gefragt ist, die typische Konsumhasfrau offline bevorzugt, und bunte Bildchen ihre Wirkung tun. Zumal für Local Business der Briefkasten immer noch geringere Streuverluste hat. Und ein wirksamer Spamfilter für Briefschlitze ist noch nicht erfunden.Aber immerhin: Das Wort "leistungsbezogen" kennen sie noch. Und in den Leistungen steht das sicher unter Guerilla-Marketing. Wenn sich dann einer meldet und seine Kumpels dabei hat, geht es sogar als Viral Marketing durch.
donalphons, 19:09h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 13. Juni 2004
S-Type
Es gibt in Bayern etliche Arten, Frauen zu umschreiben, die nicht an Magersucht leiden: Pfundig, guad beinand, a richtige Frau, so, wie ses gheart. Der Bayer, und als solcher auch der Autor dieses Blogs, hat also eine ganze Reihe positiver Begriffe, um das Fehlen gemeingefährlicher, spitzer Knochen in Frauenkörpern zu umschreiben.
S. hat sich nichts davon verdient. Bei S. hatte man immer den Eindruck, dass sie für jede ihrer Niedertrachten ein Zusatzgramm richtig üblen Fettes am Leibe hatte, und ich schwöre, sie war gradraus hässlich. Zwei spitze Kegel übereinander, und auch der Kopf vom Doppelkinn bis zu den zusammengeschnürten Haaren passte sich der Linie an. Sie sah so aus, wie die typische böse Schwiegermutter einer Screwballkommödie, und ihr Stimmorgan war zum Keifen geschaffen. Sie war intrigant, hintenrum, und nur deshalb nicht bei allen verhasst, weil es an unserem Gymnasium neben ihr auch einen ganzen Schock rechter bis rechtsextremer Jugendlicher gab, deren natürliche Führerin sie sein wollte. Natürlich war sie auch bei der Jungen Union, und fand Franz-Josef Strauss, der einen ähnlichen Körperbau aufwies, super.
S. war also so ziemlich alles, was man verabscheut, wenn man ein halbwags normaler Jugendlicher mit Tanzkurs, Rennrad, Surfboard, Wackersdorf-Erfahrung und wenig Ehrgeiz in der Schule ist. S. wollte immer hoch hinaus, und zwar nach Passau, um dort BWL zu studieren. Wenn sie von einem Lehrer nicht bekam, was sie wollte, schlug ihre Arschkriecherei blitzschnell in eine Blockadehaltung um. S. war die Erste, an der ich eine Barbourjacke verabscheuen durfte, und noch heute verachte ich diese Ikone weitaus mehr wegen ihres darin befindlichen Körperklotzes denn wegen der Lobreden eines mittlerweile gefloppten Florian Illies. Sie war in meinen Augen immer das Idealbild der dummdreisten BWLerin, die sich in der Hierarchie nach oben mobt, um dann alle unter ihr zu tyrannisieren.
In der New Economy lernte ich viele vom Typ S. kennen, die bei aller wirtschaftlichen Revolte immer nur ihre neoconservative, egomane Reaktion im Kopf hatten. Aus dem Typ S. requirierten sich früher BDM-Scharführerinnen, alte Schachteln, die Falschparker anzeigen, vertrocknete, ungefickte Religions-Lehrerinnen, und in den grandiosen Tagen der New Economy vor allem viele Human-Ressources-Tanten und Marketing-Tussis. Wildgewordene Kleinbürgerinnen, die endlich mal ihre dominanten Träume ausleben durften. Und in jedem Betrieb findet sich eine Rotte, die diesen Typ S. aufs Schild hebt, um eine Frau an der Spitze ihrer schwarzbraunen Bewegung zu haben.
Letzte Woche habe ich S. dann wieder gefunden. Zufällig, beim googeln eines ganz anderen Namens. Den trägt sie jetzt, nach ihrer Heirat, und wohl auch, nachdem sie durch eine Insolvenz aus dem Erwerbsleben gekegelt wurde. Seit etwa 2 Jahren hat sie ein Kind. Weswegen sie ein Geburts- und Kinderforum aufgemacht hat. Dort werden andere Mamas gemobt, die nicht die Meinung von S. und der um sie versammelten Camarilla haben. Auf der "Über uns"-Seite ist S. sehr stolz auf ihre Idee. Sie denkt noch nicht an die Kommerzialisierung des Projekts.
Noch.
S. hat sich nichts davon verdient. Bei S. hatte man immer den Eindruck, dass sie für jede ihrer Niedertrachten ein Zusatzgramm richtig üblen Fettes am Leibe hatte, und ich schwöre, sie war gradraus hässlich. Zwei spitze Kegel übereinander, und auch der Kopf vom Doppelkinn bis zu den zusammengeschnürten Haaren passte sich der Linie an. Sie sah so aus, wie die typische böse Schwiegermutter einer Screwballkommödie, und ihr Stimmorgan war zum Keifen geschaffen. Sie war intrigant, hintenrum, und nur deshalb nicht bei allen verhasst, weil es an unserem Gymnasium neben ihr auch einen ganzen Schock rechter bis rechtsextremer Jugendlicher gab, deren natürliche Führerin sie sein wollte. Natürlich war sie auch bei der Jungen Union, und fand Franz-Josef Strauss, der einen ähnlichen Körperbau aufwies, super.
S. war also so ziemlich alles, was man verabscheut, wenn man ein halbwags normaler Jugendlicher mit Tanzkurs, Rennrad, Surfboard, Wackersdorf-Erfahrung und wenig Ehrgeiz in der Schule ist. S. wollte immer hoch hinaus, und zwar nach Passau, um dort BWL zu studieren. Wenn sie von einem Lehrer nicht bekam, was sie wollte, schlug ihre Arschkriecherei blitzschnell in eine Blockadehaltung um. S. war die Erste, an der ich eine Barbourjacke verabscheuen durfte, und noch heute verachte ich diese Ikone weitaus mehr wegen ihres darin befindlichen Körperklotzes denn wegen der Lobreden eines mittlerweile gefloppten Florian Illies. Sie war in meinen Augen immer das Idealbild der dummdreisten BWLerin, die sich in der Hierarchie nach oben mobt, um dann alle unter ihr zu tyrannisieren.
In der New Economy lernte ich viele vom Typ S. kennen, die bei aller wirtschaftlichen Revolte immer nur ihre neoconservative, egomane Reaktion im Kopf hatten. Aus dem Typ S. requirierten sich früher BDM-Scharführerinnen, alte Schachteln, die Falschparker anzeigen, vertrocknete, ungefickte Religions-Lehrerinnen, und in den grandiosen Tagen der New Economy vor allem viele Human-Ressources-Tanten und Marketing-Tussis. Wildgewordene Kleinbürgerinnen, die endlich mal ihre dominanten Träume ausleben durften. Und in jedem Betrieb findet sich eine Rotte, die diesen Typ S. aufs Schild hebt, um eine Frau an der Spitze ihrer schwarzbraunen Bewegung zu haben.
Letzte Woche habe ich S. dann wieder gefunden. Zufällig, beim googeln eines ganz anderen Namens. Den trägt sie jetzt, nach ihrer Heirat, und wohl auch, nachdem sie durch eine Insolvenz aus dem Erwerbsleben gekegelt wurde. Seit etwa 2 Jahren hat sie ein Kind. Weswegen sie ein Geburts- und Kinderforum aufgemacht hat. Dort werden andere Mamas gemobt, die nicht die Meinung von S. und der um sie versammelten Camarilla haben. Auf der "Über uns"-Seite ist S. sehr stolz auf ihre Idee. Sie denkt noch nicht an die Kommerzialisierung des Projekts.
Noch.
donalphons, 23:42h
... link (5 Kommentare) ... comment
Leerstand
Angeblich gibt es in München ähnlich viel Leerstand wie in Berlin, sagte man mir heute.

Nun wohne ich in einer Ecke, wo es in manchen Strassen mehr geschlossene Läden gibt, als bewirtschaftete. Eine Folge einer nahen Shopping Mall. Heisst es. Obwohl diese beiden gescheiterten Läden Dinge anbieten, die es dort gar nicht gibt.
Ich vermute eher, dass in Berlin der Leerstand erst gar nicht gemeldet wird. Lohnt sich nicht, bei der Lebensdauer der hiesigen Geschäftsmodelle.

Nun wohne ich in einer Ecke, wo es in manchen Strassen mehr geschlossene Läden gibt, als bewirtschaftete. Eine Folge einer nahen Shopping Mall. Heisst es. Obwohl diese beiden gescheiterten Läden Dinge anbieten, die es dort gar nicht gibt.
Ich vermute eher, dass in Berlin der Leerstand erst gar nicht gemeldet wird. Lohnt sich nicht, bei der Lebensdauer der hiesigen Geschäftsmodelle.
donalphons, 23:03h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 13. Juni 2004
A propos Berlincubate
Auch wenn das Startup Berlincubate mit seinem 600qm-Büro in Friedrichshain und seinen 5 zerstrittenen Supergründern grandios gescheitert und tot ist - die grundlegende Website gibt es immer noch. Ein Musterbeispiel für Gründungsförderung in Berlin. Ausdrucken, auswendig lernen, mit der Ich AG durchstarten.
Und immer daran denken: "Trotz größter Sorgfalt beim Überprüfen der Inhalte dieser Websites können Unrichtigkeiten nicht ganz ausgeschlossen werden. Für möglicherweise fehlerhafte Angaben und deren Folgen übernehmen wir keine Haftung."
Und immer daran denken: "Trotz größter Sorgfalt beim Überprüfen der Inhalte dieser Websites können Unrichtigkeiten nicht ganz ausgeschlossen werden. Für möglicherweise fehlerhafte Angaben und deren Folgen übernehmen wir keine Haftung."
donalphons, 01:48h
... link (0 Kommentare) ... comment
Get down on your knees
and beg for forgiveness, New Economy!

Oder spendier wenigstens 1 Tüte Busse, wenn Du in einen Berliner Mülleimer wanderst.
Möchte man den "Heroen" dieses 24-Stunden-Dotcoms zurufen. Sowas kann man sich auch nur in Berlin trauen, ohne geteert und gefedert zu werden: Andere Suchmaschinen abfragen und das dann als "Meta-Suche" verkaufen. Und zwar, wo sonst, bei Ebay anschliessend zu versteigern. Die Macher sind Wirttschaftsinformatiker.
Da fragt man sich, was die Veranstaltung "Wizard of OS", bei der diese Missgeburt fabriziert wurde, eigentlich ist. Etwa eine Neuauflage von Berlincubate, jenes unseeligen Startup-Casting-Wettbewerbs?
Peinlich. Einfach nur peinlich.

Oder spendier wenigstens 1 Tüte Busse, wenn Du in einen Berliner Mülleimer wanderst.
Möchte man den "Heroen" dieses 24-Stunden-Dotcoms zurufen. Sowas kann man sich auch nur in Berlin trauen, ohne geteert und gefedert zu werden: Andere Suchmaschinen abfragen und das dann als "Meta-Suche" verkaufen. Und zwar, wo sonst, bei Ebay anschliessend zu versteigern. Die Macher sind Wirttschaftsinformatiker.
Da fragt man sich, was die Veranstaltung "Wizard of OS", bei der diese Missgeburt fabriziert wurde, eigentlich ist. Etwa eine Neuauflage von Berlincubate, jenes unseeligen Startup-Casting-Wettbewerbs?
Peinlich. Einfach nur peinlich.
donalphons, 01:39h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 12. Juni 2004
Cash and Carry
Wieder in Berlin. Überall Geschmiere an den Wänden, den Rolläden, den Türen. Das hier steht auf dem Hintereingang zu einer ehemaligen New-Economy-Klitsche in der Wolkanstrasse.

Bekommen haben sie es nicht. Die Firma ist längst weggezogen, wahrscheinlich, um dort zu sterben. Das Internet verrät nichts über sie. Verschwunden, ohne jede Spur. So viel Gier, so viele Träume, und nichts ist geblieben ausser einem zusammenhanglosen Grafitti, das vielleicht noch nicht mal dazugehört.
Es ist atemberaubend, wie schnell und total die New Economy aus dem Gedächtnis, aus den Gebäuden und aus der Öffentlichkeit verdrängt wurde. Selbst gepushte Bücher fallen durch, wenn sie auch nur den Anschein erwecken, was mit New Economy zu tun zu haben. Next Economy, von wegen. Und es wird sicher nicht besser, die nächsten 3, 4 Jahre.

Bekommen haben sie es nicht. Die Firma ist längst weggezogen, wahrscheinlich, um dort zu sterben. Das Internet verrät nichts über sie. Verschwunden, ohne jede Spur. So viel Gier, so viele Träume, und nichts ist geblieben ausser einem zusammenhanglosen Grafitti, das vielleicht noch nicht mal dazugehört.
Es ist atemberaubend, wie schnell und total die New Economy aus dem Gedächtnis, aus den Gebäuden und aus der Öffentlichkeit verdrängt wurde. Selbst gepushte Bücher fallen durch, wenn sie auch nur den Anschein erwecken, was mit New Economy zu tun zu haben. Next Economy, von wegen. Und es wird sicher nicht besser, die nächsten 3, 4 Jahre.
donalphons, 00:36h
... link (6 Kommentare) ... comment
Tödliche Gamma-IT-Services-AG-Strahlung
Kaum in der Provinz angekommen, geht das Übel los: Kein Parkplatz. In berlin verlernt man das Parken, denn die Stadt ist kaputt, die Bewohner können sich oft keine Autos mehr leisten, und vor meiner Tür kann ich mir die Parkplätze aussuchen. Hier in der Provinz voller Autonarren ist das was anderes.
Letztlich bleibe ich dann vor dem Eingang eines der typischen Elitessen-Wohnheime stehen. Am späten Ferienabend liegt der grauorange Bau ausgestorben in der lauen Abendluft, durch die Schwalben hoch zum Stadtpalast pfeifen. Es ist ohne Zweifel ein Abend für das Gute im menschen, für Hoffnung und Glaube. Es ist einfach alles so schön...

und deshalb kann man nach vorne schauen. An die Zukunft denken. Das Alte, Kaputte, Abgelebte entsorgen. So wie es die Elitessen tun. Da liegen Tische, an denen die Nächte durchgelernt wurden, und die sie vielleicht besser in den Matratzen daneben verbracht hätten, aber letztlich ist es doch vereint und wartet auf den Abtransport. Der ganze Krempel von Ikea, Roller, von den billigen Baumärkten oder den Eltern wohlmeinend angeschleppt: Weg damit. Manche sind jetzt fertig mit dem Studium, ein neues Leben wartet, statt Ikea gibt es dann Kartell-Möbel und vielleicht auch ein paar hübsche Kolonialmöbel, der Eiche Rustikal für unsere Zeit.
mehr
Letztlich bleibe ich dann vor dem Eingang eines der typischen Elitessen-Wohnheime stehen. Am späten Ferienabend liegt der grauorange Bau ausgestorben in der lauen Abendluft, durch die Schwalben hoch zum Stadtpalast pfeifen. Es ist ohne Zweifel ein Abend für das Gute im menschen, für Hoffnung und Glaube. Es ist einfach alles so schön...

und deshalb kann man nach vorne schauen. An die Zukunft denken. Das Alte, Kaputte, Abgelebte entsorgen. So wie es die Elitessen tun. Da liegen Tische, an denen die Nächte durchgelernt wurden, und die sie vielleicht besser in den Matratzen daneben verbracht hätten, aber letztlich ist es doch vereint und wartet auf den Abtransport. Der ganze Krempel von Ikea, Roller, von den billigen Baumärkten oder den Eltern wohlmeinend angeschleppt: Weg damit. Manche sind jetzt fertig mit dem Studium, ein neues Leben wartet, statt Ikea gibt es dann Kartell-Möbel und vielleicht auch ein paar hübsche Kolonialmöbel, der Eiche Rustikal für unsere Zeit.
mehr
donalphons, 04:50h
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories



