... newer stories
Mittwoch, 21. Juli 2010
18%
Meine Heimatstadt liegt in einem Flussbecken, flach wie Brandenburg und nur begrenzt das, was man landschaftlich reizvoll nennt. Auf der anderen Seite der Donau war bin zum 18. Jahrhundert ein enormes Sumpfgebiet, und die Architektur, die durch leistungsfähige Industrie geprägt ist, macht es auch nicht schöner. Zum Glück ist die Stadt recht kompakt. In München musste ich mich eine halbe Stunde durch die Stadt schlagen, um in Richtung Berge radeln zu können. An der Donau sind es 5 Minuten.

Letztes Jahr bin ich fast jeden Abend am See auf den Berg marschiert, aber dieses Jahr halten mich die Verpflichtungen hier. Hier kann man nicht einfach auf Berge gehen. Aber man kann in den Jura radeln. Als ob ich es geahnt hätte, habe ich im späten Winter meinen Fuhrpark für nachgerade lächerliche Preise aktualisiert, oder besser gesagt, nicht mehr ganz so enorm alte Räder hinzugefügt, die so einigermassen auf dem Stand der Technik sind. Ich frage mich in Radgeschäften der XXL-Kategorie immer, wer denn all die Tausende von Rädern kauft, die dort ausgestellt sind; es sind wohl diejenigen, die tatsächlich ihre Räder alle 3, 4 Jahre austauschen und die alten Exemplare verkaufen, egal wie gut sie noch sind. Das schafft ein Überangebot an guten Alträdern zu lachhaften Preisen, und nachdem das Müsing, angetan mit leichten Laufrädern, lang genug lockend im Gang wartete, ging es hinaus in die Hügel. Zu den neueren Kollegen.

In meiner Jugend galt es schon als ungewöhnlich, wenn jemand mehr als 3000 Mark für ein Rennrad bezahlte. Das waren dann schon Spitzenmaschinen. Heute kamen mir genug Leute entgegen, deren Untersätze in der 4000-Euro-Kategorie angesiedelt sind, mit Karbonrahmen, grazilen Laufrädern und auf weniger als 7 Kilo heruntergehungert. Überholt hat mich trotzdem keiner, und egal, wie neu das Material ist: Ein Anstieg ist immer noch ein Anstieg, und daran ändern auch meine neuen, extrem leichten Laufräder nichts. Man muss nicht weit fahren, dann kommen die ersten richtigen Anstiege. 6% am Reisberg, 10% hinter Böhmfeld hinunter und hinauf, 7% auf den Juraebenen, und dann mit 18% die Mauer von Schambach. 18% ist hart, egal ob nach oben oder unten.

Ich habe dabei nur wieder festgestellt, dass ich die Shimanoschalthebel nicht mag. Die Idee, mit den sicherheitsrelevanten Bremshebeln zu schalten, mag keine reale Gefährdung auslösen, aber es ist immer wieder unerfreulich, wenn man an den Bremsen zieht und der Hebel schwammig nach innen wegrutscht. Manchmal hakelt es beim Schalten, und auf den ersten 10 Kilometern verschalte ich mich dauernd. Bei Campagnolo ist es einfach besser gelöst, da sind die Hebel deutlich getrennt. Man braucht wenig Kraft, um sich zu verschalten und für die Korrektur, aber die reine Freude ist es nicht, dieses Shimanozeug. Dafür halten die offiziell nur bis 75 Kilo freigegebenen Räder locker mein etwas höheres Gewicht aus, auch beim Sturz hinunter zum Schambachtal.

Dort dann: Die ersten Bremsen. Stechfliegen. Viele davon.So hübsch es aussieht, so wenig kann man verweilen. Schlägt man eine tot, fliegt die nächste an. Und besonders viele sind an der Mauer mit ihren 18%. Nicht nur treten und keuchen, sondern auch wild um sich schlagen ist die Herausforderung an dieser Stelle. Und auch, wenn die 18% vorüber sind, bleiben immer noch 10% bis zur Jurahochebene. Man kann nicht einfach den Viechern davonfahren. Es ist ärgerlich, so ärgerlich wie die verflennten Nachrufde auf den von Beust, der nicht zur Unzeit, sondern zu spät zurückgetreten ist - eigentlich hätte es diese Person nie geben dürfen, man erinnert sich vielleicht an Richter Schill, den er sich ins Koalitionsbett holte. Oder seine unsäglicher Kulturchefin mit ihrer Bild-Biographie. Man sollte froh sein, dass der Mann endlich verschwindet. So wie die Bremsen, wenn man oben ankommt und es wieder laufen lassen kann.

Aber schön ist es trotzdem. Daheim dann gleich wieder Arbeit, Druck, dieses und jenes, um vier Uhr Nachts noch ein Einsatz, es wird noch eine Weile so bleiben, fürchte ich, und es ist nicht sicher, ob ich morgen wieder die zwei Stunden habe, um die 40 Kilometer in den Jura zu fahren.

Letztes Jahr bin ich fast jeden Abend am See auf den Berg marschiert, aber dieses Jahr halten mich die Verpflichtungen hier. Hier kann man nicht einfach auf Berge gehen. Aber man kann in den Jura radeln. Als ob ich es geahnt hätte, habe ich im späten Winter meinen Fuhrpark für nachgerade lächerliche Preise aktualisiert, oder besser gesagt, nicht mehr ganz so enorm alte Räder hinzugefügt, die so einigermassen auf dem Stand der Technik sind. Ich frage mich in Radgeschäften der XXL-Kategorie immer, wer denn all die Tausende von Rädern kauft, die dort ausgestellt sind; es sind wohl diejenigen, die tatsächlich ihre Räder alle 3, 4 Jahre austauschen und die alten Exemplare verkaufen, egal wie gut sie noch sind. Das schafft ein Überangebot an guten Alträdern zu lachhaften Preisen, und nachdem das Müsing, angetan mit leichten Laufrädern, lang genug lockend im Gang wartete, ging es hinaus in die Hügel. Zu den neueren Kollegen.

In meiner Jugend galt es schon als ungewöhnlich, wenn jemand mehr als 3000 Mark für ein Rennrad bezahlte. Das waren dann schon Spitzenmaschinen. Heute kamen mir genug Leute entgegen, deren Untersätze in der 4000-Euro-Kategorie angesiedelt sind, mit Karbonrahmen, grazilen Laufrädern und auf weniger als 7 Kilo heruntergehungert. Überholt hat mich trotzdem keiner, und egal, wie neu das Material ist: Ein Anstieg ist immer noch ein Anstieg, und daran ändern auch meine neuen, extrem leichten Laufräder nichts. Man muss nicht weit fahren, dann kommen die ersten richtigen Anstiege. 6% am Reisberg, 10% hinter Böhmfeld hinunter und hinauf, 7% auf den Juraebenen, und dann mit 18% die Mauer von Schambach. 18% ist hart, egal ob nach oben oder unten.

Ich habe dabei nur wieder festgestellt, dass ich die Shimanoschalthebel nicht mag. Die Idee, mit den sicherheitsrelevanten Bremshebeln zu schalten, mag keine reale Gefährdung auslösen, aber es ist immer wieder unerfreulich, wenn man an den Bremsen zieht und der Hebel schwammig nach innen wegrutscht. Manchmal hakelt es beim Schalten, und auf den ersten 10 Kilometern verschalte ich mich dauernd. Bei Campagnolo ist es einfach besser gelöst, da sind die Hebel deutlich getrennt. Man braucht wenig Kraft, um sich zu verschalten und für die Korrektur, aber die reine Freude ist es nicht, dieses Shimanozeug. Dafür halten die offiziell nur bis 75 Kilo freigegebenen Räder locker mein etwas höheres Gewicht aus, auch beim Sturz hinunter zum Schambachtal.

Dort dann: Die ersten Bremsen. Stechfliegen. Viele davon.So hübsch es aussieht, so wenig kann man verweilen. Schlägt man eine tot, fliegt die nächste an. Und besonders viele sind an der Mauer mit ihren 18%. Nicht nur treten und keuchen, sondern auch wild um sich schlagen ist die Herausforderung an dieser Stelle. Und auch, wenn die 18% vorüber sind, bleiben immer noch 10% bis zur Jurahochebene. Man kann nicht einfach den Viechern davonfahren. Es ist ärgerlich, so ärgerlich wie die verflennten Nachrufde auf den von Beust, der nicht zur Unzeit, sondern zu spät zurückgetreten ist - eigentlich hätte es diese Person nie geben dürfen, man erinnert sich vielleicht an Richter Schill, den er sich ins Koalitionsbett holte. Oder seine unsäglicher Kulturchefin mit ihrer Bild-Biographie. Man sollte froh sein, dass der Mann endlich verschwindet. So wie die Bremsen, wenn man oben ankommt und es wieder laufen lassen kann.

Aber schön ist es trotzdem. Daheim dann gleich wieder Arbeit, Druck, dieses und jenes, um vier Uhr Nachts noch ein Einsatz, es wird noch eine Weile so bleiben, fürchte ich, und es ist nicht sicher, ob ich morgen wieder die zwei Stunden habe, um die 40 Kilometer in den Jura zu fahren.
donalphons, 01:46h
... link (33 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 20. Juli 2010
Den besten Kommentar zur Hamburger Schulstreiterei und zu dem Volksentscheid gab übrigens die Verkäuferin in einem Obstladen in einem Kaff nahe meiner Heimat ab:

Wenn man kein Gschwerl in der Schule haben will, soll man halt nicht ineine Stadt ziehen, wo das Gschwerl ist.
Das kann man natürlich so sehen. Tatsächlich würde ich, wenn ich das Pech hätte, für Kinder verantwortlich zu sein, auch aufpassen, dass sie in einer guten Gegend zur Schule gehen. Wir hatten schliesslich aus Dörfern wie jenem, in dem das Obstgeschäft ist, auch so manchen Kameraden, auf den ich lieber verzichtet hätte. Und deren Kinder wiederum sind bei solchen Vätern nicht allzu viel versprechend. Das kommt alles noch früh genug, da muss man nicht in einer Klasse mit denen sein. Selbst wenn mir die Wohlstandsverwahrlosung am Tegernsee auch nicht gut gefällt.

Wie auch immer: Die Antwort auf die Schulfrage, die wirklich befriedigend ist , besagt einfach keine Kinder zu haben. Kein Kind, kein Problem. Und billiger ist es ausserdem, und man hat mehr Zeit für andere hektische Aktivitäten.

Wenn man kein Gschwerl in der Schule haben will, soll man halt nicht ineine Stadt ziehen, wo das Gschwerl ist.
Das kann man natürlich so sehen. Tatsächlich würde ich, wenn ich das Pech hätte, für Kinder verantwortlich zu sein, auch aufpassen, dass sie in einer guten Gegend zur Schule gehen. Wir hatten schliesslich aus Dörfern wie jenem, in dem das Obstgeschäft ist, auch so manchen Kameraden, auf den ich lieber verzichtet hätte. Und deren Kinder wiederum sind bei solchen Vätern nicht allzu viel versprechend. Das kommt alles noch früh genug, da muss man nicht in einer Klasse mit denen sein. Selbst wenn mir die Wohlstandsverwahrlosung am Tegernsee auch nicht gut gefällt.

Wie auch immer: Die Antwort auf die Schulfrage, die wirklich befriedigend ist , besagt einfach keine Kinder zu haben. Kein Kind, kein Problem. Und billiger ist es ausserdem, und man hat mehr Zeit für andere hektische Aktivitäten.
donalphons, 01:52h
... link (32 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 19. Juli 2010
Abwesenheitsnotiz (eventuell)
Ich werde ein paar Tage vielleicht etwas kürzer treten, zwecks anderer Tätigkeiten; es hat sich in den letzten Tagen so angedeutet, und jetzt gibt es einiges zu tun, angefangen bei Arbieten im Haus bis zu anderen Aufgaben. Ein, zwei Wochen maximal, denke ich. Wir werden sehen. Solange noch ein Beitrag vom Tegernsee, und vom Verdrängen der Verdränger durch internationales Drängertum. In der FAZ.
donalphons, 00:02h
... link (3 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 17. Juli 2010
Früher, als Kind, dachte ich auch, dass, wenn ich die Augen zu mache, mich die Welt nicht mehr sieht. Das ist eine im ersten Moment angenehme Art, dem Schicksal zu entgehen.

Vor vier Wochen vergass ich mein Mobiltelefon bei einer Bekannten, die es für mich eingeschoben hat. Dann schickte sie es mir zu, aber ich schaffte es nicht, es abzuholen. Als ich mich dann doch am letzten Tag auf den Weg machte, legte sich mir ein Missgeschick in den Weg, das jedes Abholen unmöglich machte. Jetzt ist es auf dem Weg zurück zu dieser Freundin, aber die ist gerade unterwegs, und es dauert sicher noch zwei Wochen, bin es bei mir ankommt. Und ob ich es dann abhole...
Ich bin also schlechter erreichbar, als normale Menschen. Oder besserr gesagt, nicht überall erreichbar. Nicht erreichbar am SYtrand, beispielsweise. Die Welt sieht mich natürlich trotzdem, aber sie hat erst mal keinen Zugriff auf mich. Ich finde das recht angenehm, gerade nach der turbulenten letzten Woche.
Manche werden sagen, ich vermisse Chancen, Optionen und Kontakte, aber ich denke, ich bin gerade recht zufrieden und brauche keine Störung. Nur vielleicht ein paar Blätter mehr am Baum über mir, wegen der Sonne.

Vor vier Wochen vergass ich mein Mobiltelefon bei einer Bekannten, die es für mich eingeschoben hat. Dann schickte sie es mir zu, aber ich schaffte es nicht, es abzuholen. Als ich mich dann doch am letzten Tag auf den Weg machte, legte sich mir ein Missgeschick in den Weg, das jedes Abholen unmöglich machte. Jetzt ist es auf dem Weg zurück zu dieser Freundin, aber die ist gerade unterwegs, und es dauert sicher noch zwei Wochen, bin es bei mir ankommt. Und ob ich es dann abhole...
Ich bin also schlechter erreichbar, als normale Menschen. Oder besserr gesagt, nicht überall erreichbar. Nicht erreichbar am SYtrand, beispielsweise. Die Welt sieht mich natürlich trotzdem, aber sie hat erst mal keinen Zugriff auf mich. Ich finde das recht angenehm, gerade nach der turbulenten letzten Woche.
Manche werden sagen, ich vermisse Chancen, Optionen und Kontakte, aber ich denke, ich bin gerade recht zufrieden und brauche keine Störung. Nur vielleicht ein paar Blätter mehr am Baum über mir, wegen der Sonne.
donalphons, 23:00h
... link (9 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 17. Juli 2010
Sommernichtferien
Es ist ja nicht so, dass nichts passieren würde. Hinter den Kulissen passiert enorm viel. Zu viel, als dass ich für das Aufschreiben Zeit hätte (ich bin gerade kaum im Internet), zu spezifisch, als dass es hier Raum finden könnte, und tafebuchtauglich ist es auch nicht. Alles hoch emotional, sehr persönlich, und ich frage mich, wo die Tage hinverschwunden sind, da ich einfach mal eine Stunde die Räder bei ebay anschauen konnte. Manche haben gerade "Urlaub". Ich kann nicht sagen, dass ich gerade viel regulärt arbeiten würde, aber ich habe enorm viel zu tun.

Und das ist bei diesen Temperaturen doppelt unangenehm. Zu gern würde ich dämmern. Tage verplempern und Nachmittage verdösen. Meiner faulen Bestimmung folgen. Statt dessen habe ich eine Reaktionszeit auf Anfragen von maximal 6 Minuten. Ich bin erholungsreif, aber Pläne zerfallen in Augenblicken zu unerfüllten Hoffnungen, Optionen zu törichten Illusionen. Und das ohne jedes Zutun irgendeiner normalen Beschäftigung. Ab und an ein schnelles Gericht, dafür reicht die Zeit.
Es ist die Hitze. Die macht die Menschen verrückt. Alle. Ein Tollhaus, dieses Leben. Morgen dann wieder Tegernsee. Und eine einsame Bucht und ein Buch. Endlich.

Und das ist bei diesen Temperaturen doppelt unangenehm. Zu gern würde ich dämmern. Tage verplempern und Nachmittage verdösen. Meiner faulen Bestimmung folgen. Statt dessen habe ich eine Reaktionszeit auf Anfragen von maximal 6 Minuten. Ich bin erholungsreif, aber Pläne zerfallen in Augenblicken zu unerfüllten Hoffnungen, Optionen zu törichten Illusionen. Und das ohne jedes Zutun irgendeiner normalen Beschäftigung. Ab und an ein schnelles Gericht, dafür reicht die Zeit.
Es ist die Hitze. Die macht die Menschen verrückt. Alle. Ein Tollhaus, dieses Leben. Morgen dann wieder Tegernsee. Und eine einsame Bucht und ein Buch. Endlich.
donalphons, 00:55h
... link (2 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 16. Juli 2010
Das Gerede von gestern und die Fakten von heute
Ich verdöse die Tage, träume viel von Seuchen und Sümpfen, und trödle mich durch die Stunden, fern aller echten Arbeit, und von draussen drängt die Hitze herein. Keine Frage, ich brauche Vorhänge. Aufgrund gewisser familiärer Voreingenommenheiten war es gar nicht so leicht, mir das selbst in der FAZ einzugestehen. Aber meine Grossmutter hatte ohnehin immer recht.
donalphons, 01:35h
... link (13 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 15. Juli 2010
Dinge, die man besser nicht tut.
Unter Sammlern von Abgüssen antiker Bildwerke ist das Phänomen bekannt: Nichts ist leichter, als eine Venus von Milo zu finden, der Apollo von Belvedere ist ebenso immer wieder zu sehen. Der David von Michelangelo stammt zwar nicht aus der griechischen Antike, wird aber dennoch oft als "Gott" angeboten. Ansonsten ist das Angebot wegen qualitaiv minderwertiger Andenken schlimm und - schlechte Abbildungen vorausgesetzt - schwierig zu beurteilen. Man denkt ja immer, dass solche Büsten und Statuen auf allen Flohmärkten sind, aber man täuscht sich. Besonders schwer wird es bei Abgüssen von Bildwerken, die nicht aus der klassischen oder hellenistischen Epoche stammen. Hier besonders: Die Archaik.
Dreimal darf man raten, welcher Blogautor eine besondere Vorliebe für archaische Koren und Kouroi hat.

Und wenn man dann nach all den Jahren vergeblicher Begierden und zu hoher Preise der neuen Abgüsse einen Kouros vom Typ Volomandra findet, dessen Nachahmungen meist nur in Griechenland erhältlich sind, und den man dort bei einem Gewicht von 10 Kilo auf über 70 Zentimeter Höhe nicht mal einfach so ins Handgepäck stopft - dann ist einem auch eine weite Fahrt in den Bayerischen Wald nicht zu weit. Lieber einen Tag in der Hitze reisen, als sich ein paar Jahre weiter ärgern. Denn Büsten gibt es in riesigen Mengen: Kitsch, Comicfiguren, TV-Stars, Komponisten, was man will. Aber nicht das, was ich will. Das Schöne an der Strecke in den Bayerischen Wald ist, dass es entlang des alten Reiseweges an der Donau auch sonst viel zu sehen gibt. So ziemlich alles, was an Kultur bis zum späten Mittelalter nach Bayern kam, kam über diesen Weg.

Und weil es gestern auch bei Tempo 160 - was für mich sehr untypisch ist - heiss blieb und das Licht auf der Haut brannte, trotz offenem Verdeck und Luftwirbel, kam mir Kloster Metten bei Deggendorf gerade recht für einen kurzen Aufenthalt. Kirchen, das muss man ihnen lassen, sind im Sommer sagenhaft angenehm. Selbst an diesem angeblich heissesten Tag des Jahres mit 37 Grad über Null. Draussen schreit die Hitze Krepieren und Verderben, drinnen lümmelt in der Kühle der Tod herum und knackst im Schatten einen Bischofsstab. Netter Kerl. Ich habe ihn gefragt, ob ich auch mal... aber er war so beschäftigt, und antwortete nicht. Wenigstens knackste er mich nicht: Wäre ich durchgefahren, hätte ich nicht etwas Pause gamcht, wäre diese Reise nicht ohne Sonnenstich verlaufen. Leichte Kopfschmerzen blieben, dazu Vorwürfe (Was machst Du auch solche Sachen), aber als ich dann in die schattigen Hügel und unbegrenzten Wälder abgebogen bin, wurde alles erträglicher.

Ich war lange nicht mehr im Bayerischen Wald. Wann immer ich nach Wien oder nach Tschechien gefahren bin, dachte ich, ich müsste hier mal halten und nachschauen, ob es noch wie früher ist. Bei meiner letzten Fahrt in die Region vor vier Jahren regnete es, aber diesmal schien es, als wäre die Zeit stehen geblieben: Immer noch die hässlichen Bauten aus den 60er und 70er Jahren, die Wälder, der harzige Geruch, der so anders als der Geruch der Alpen ist, aber auch gut, würzig, angenehm. Dann der Ort des Kaufs, die Freude - keine billige Replik attischer Betongiesser für den Garten, sondern eine gelungene Nachformung, die den matten Glanz von Marmor sehr gut trifft - das Einpacken, der Rückweg in den schwindenden Tag, erst über die Autobahn, und zum Schluss, am Ende, als es endlich kühler wird, über die gebogenen Strassen und durch goldene Felder hinein in den Donauschulenhimmel nach Altdorfer.

Es war ein schöner Tag, ein Platzerl für den Kouros hat sich auch gefunden, und ein wenig Kopfschmerzen sind ein geringer Preis für all die Pracht und Herrlichkeit des heissesten Tages. Und wieder bin ich mit voller Montur auf dem Sofa eingeschlafen.
Dreimal darf man raten, welcher Blogautor eine besondere Vorliebe für archaische Koren und Kouroi hat.

Und wenn man dann nach all den Jahren vergeblicher Begierden und zu hoher Preise der neuen Abgüsse einen Kouros vom Typ Volomandra findet, dessen Nachahmungen meist nur in Griechenland erhältlich sind, und den man dort bei einem Gewicht von 10 Kilo auf über 70 Zentimeter Höhe nicht mal einfach so ins Handgepäck stopft - dann ist einem auch eine weite Fahrt in den Bayerischen Wald nicht zu weit. Lieber einen Tag in der Hitze reisen, als sich ein paar Jahre weiter ärgern. Denn Büsten gibt es in riesigen Mengen: Kitsch, Comicfiguren, TV-Stars, Komponisten, was man will. Aber nicht das, was ich will. Das Schöne an der Strecke in den Bayerischen Wald ist, dass es entlang des alten Reiseweges an der Donau auch sonst viel zu sehen gibt. So ziemlich alles, was an Kultur bis zum späten Mittelalter nach Bayern kam, kam über diesen Weg.

Und weil es gestern auch bei Tempo 160 - was für mich sehr untypisch ist - heiss blieb und das Licht auf der Haut brannte, trotz offenem Verdeck und Luftwirbel, kam mir Kloster Metten bei Deggendorf gerade recht für einen kurzen Aufenthalt. Kirchen, das muss man ihnen lassen, sind im Sommer sagenhaft angenehm. Selbst an diesem angeblich heissesten Tag des Jahres mit 37 Grad über Null. Draussen schreit die Hitze Krepieren und Verderben, drinnen lümmelt in der Kühle der Tod herum und knackst im Schatten einen Bischofsstab. Netter Kerl. Ich habe ihn gefragt, ob ich auch mal... aber er war so beschäftigt, und antwortete nicht. Wenigstens knackste er mich nicht: Wäre ich durchgefahren, hätte ich nicht etwas Pause gamcht, wäre diese Reise nicht ohne Sonnenstich verlaufen. Leichte Kopfschmerzen blieben, dazu Vorwürfe (Was machst Du auch solche Sachen), aber als ich dann in die schattigen Hügel und unbegrenzten Wälder abgebogen bin, wurde alles erträglicher.

Ich war lange nicht mehr im Bayerischen Wald. Wann immer ich nach Wien oder nach Tschechien gefahren bin, dachte ich, ich müsste hier mal halten und nachschauen, ob es noch wie früher ist. Bei meiner letzten Fahrt in die Region vor vier Jahren regnete es, aber diesmal schien es, als wäre die Zeit stehen geblieben: Immer noch die hässlichen Bauten aus den 60er und 70er Jahren, die Wälder, der harzige Geruch, der so anders als der Geruch der Alpen ist, aber auch gut, würzig, angenehm. Dann der Ort des Kaufs, die Freude - keine billige Replik attischer Betongiesser für den Garten, sondern eine gelungene Nachformung, die den matten Glanz von Marmor sehr gut trifft - das Einpacken, der Rückweg in den schwindenden Tag, erst über die Autobahn, und zum Schluss, am Ende, als es endlich kühler wird, über die gebogenen Strassen und durch goldene Felder hinein in den Donauschulenhimmel nach Altdorfer.

Es war ein schöner Tag, ein Platzerl für den Kouros hat sich auch gefunden, und ein wenig Kopfschmerzen sind ein geringer Preis für all die Pracht und Herrlichkeit des heissesten Tages. Und wieder bin ich mit voller Montur auf dem Sofa eingeschlafen.
donalphons, 01:39h
... link (13 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 14. Juli 2010
Russisches Hitzeroulette
Hitzschlag bei 28 Grad in frischer Luft? Eher nicht.
Hitzschlag bei 36 Grad und Abgasen? Eher schon.
Oft genug sind es die ganz einfachen Fragen, die über fundamentale Ereignisse entscheiden. Und in einer Zeit, da der Sommer tödlich wird, ohne dass dazu Epidemien ausbrechen müssten, kann man sich ja mal Gedanken machen, wer an der Hitze stirbt, und wer überlebt. Und was es kostet. In der FAZ.
Hitzschlag bei 36 Grad und Abgasen? Eher schon.
Oft genug sind es die ganz einfachen Fragen, die über fundamentale Ereignisse entscheiden. Und in einer Zeit, da der Sommer tödlich wird, ohne dass dazu Epidemien ausbrechen müssten, kann man sich ja mal Gedanken machen, wer an der Hitze stirbt, und wer überlebt. Und was es kostet. In der FAZ.
donalphons, 00:53h
... link (0 Kommentare) ... comment
Dumm und vergesslich auf der Autobahn
Manche Dinge muss man empirisch herausfinden.
Andere Dinge hat man empirisch schon herausgefunden, das Ergebnis nicht gemocht, vergessen, und sieht sich somit erneut vor der Option, sein Wissen zu erweitern.
Im Sommer vor dem Erwerb der Wohnung am Tegernsee stolperte ich in Pfaffenhofen über Tapisserien zu einem Preis, bei dem ich nicht Nein sagen konnte. 70 Zentimeter breit, 150 Zentimeter hoch, und dass ich mit dem Kleinwagen unterwegs war, merkte ich erst, als ich davor stand. Sie passten nicht auf den Beifahrersitz, sie passten auch nicht auf den Gepäckträger, und als ich sie dort doch irgendwie notdürftig befestigt hatte, lernte ich auf der Heimfahrt mehr über Aerodynamik als in der Schule. To cut a long story, ich kann durchaus mit einer Hand lenken und mit der anderen unter Schmerzen wüst flatternde Tapisserien festhalten, und das auch über 40 Kilometer, aber Schalten wird dann eine komplexe Sache.
Aber das neue Bild ist ja nur 60 mal 80 Zentimeter und passt auf den Beifahrersitz. Mit Verpackung 70 mal 90. Und passt nicht mehr. Es sind 90 Kilometer von Fürth nach Hause. Und mir ist durchaus bekannt, dass es für Leinwände unschön ist, wenn sie heftig gewackelt und geschüttelt werden, wenn sich darauf alte Ölfarben befinden. Wackeln und schütteln war genau das, was dem Bildauf dem Gepäckträger geschah, wenn ich auf mehr als 60 km/h beschleunigte. Aber das merkt man erst, wenn man auf der Autobahnauffahrt ist.

Also wartet man besser, bis der erste LKW überholt, und hängt sich dann in den Windschatten. Das geht erstaunlich gut, denn man ist eher langsam, und der Fahrtwind nimmt rapide ab. Solange der LKW auf der Spur bleibt und nicht abfährt.
Was ich dabei zusätzlich zum Kunsttransport mit untauglichen Gefährten gelernt habe, ist die Häufigkeit, mit der LKWs von der Autobahn abfahren und einen allein im Fahrtwind zurück lassen. Man kann auf der Autobahn schlecht mit 50 kriechen und warten, bis der nächste passende LKW kommt. Man muss Gas geben und den nächsten erwischen, und das Bild festhalten. Zum Glück muss man nicht schalten. Aber wenn der nächste gute Hirte drei Kilometer weg ist, und man allenfalls 30 km/h schneller fahren kann, weil sonst das Bild zu sehr flattert, dann können es sehr, sehr lange 6 Minuten werden, und man kann sich viele Gedanken über abbröckelnde Farben und Gelenkschmerzen im Sonnenuntergang machen. Der Gepäckträger ist nicht nah beim Sitz.

Aber letztlich: es hat geklappt. Kein Schaden, aus dem ich klug werden müsste. Ich kann es also wieder getrost vergessen.
Andere Dinge hat man empirisch schon herausgefunden, das Ergebnis nicht gemocht, vergessen, und sieht sich somit erneut vor der Option, sein Wissen zu erweitern.
Im Sommer vor dem Erwerb der Wohnung am Tegernsee stolperte ich in Pfaffenhofen über Tapisserien zu einem Preis, bei dem ich nicht Nein sagen konnte. 70 Zentimeter breit, 150 Zentimeter hoch, und dass ich mit dem Kleinwagen unterwegs war, merkte ich erst, als ich davor stand. Sie passten nicht auf den Beifahrersitz, sie passten auch nicht auf den Gepäckträger, und als ich sie dort doch irgendwie notdürftig befestigt hatte, lernte ich auf der Heimfahrt mehr über Aerodynamik als in der Schule. To cut a long story, ich kann durchaus mit einer Hand lenken und mit der anderen unter Schmerzen wüst flatternde Tapisserien festhalten, und das auch über 40 Kilometer, aber Schalten wird dann eine komplexe Sache.
Aber das neue Bild ist ja nur 60 mal 80 Zentimeter und passt auf den Beifahrersitz. Mit Verpackung 70 mal 90. Und passt nicht mehr. Es sind 90 Kilometer von Fürth nach Hause. Und mir ist durchaus bekannt, dass es für Leinwände unschön ist, wenn sie heftig gewackelt und geschüttelt werden, wenn sich darauf alte Ölfarben befinden. Wackeln und schütteln war genau das, was dem Bildauf dem Gepäckträger geschah, wenn ich auf mehr als 60 km/h beschleunigte. Aber das merkt man erst, wenn man auf der Autobahnauffahrt ist.

Also wartet man besser, bis der erste LKW überholt, und hängt sich dann in den Windschatten. Das geht erstaunlich gut, denn man ist eher langsam, und der Fahrtwind nimmt rapide ab. Solange der LKW auf der Spur bleibt und nicht abfährt.
Was ich dabei zusätzlich zum Kunsttransport mit untauglichen Gefährten gelernt habe, ist die Häufigkeit, mit der LKWs von der Autobahn abfahren und einen allein im Fahrtwind zurück lassen. Man kann auf der Autobahn schlecht mit 50 kriechen und warten, bis der nächste passende LKW kommt. Man muss Gas geben und den nächsten erwischen, und das Bild festhalten. Zum Glück muss man nicht schalten. Aber wenn der nächste gute Hirte drei Kilometer weg ist, und man allenfalls 30 km/h schneller fahren kann, weil sonst das Bild zu sehr flattert, dann können es sehr, sehr lange 6 Minuten werden, und man kann sich viele Gedanken über abbröckelnde Farben und Gelenkschmerzen im Sonnenuntergang machen. Der Gepäckträger ist nicht nah beim Sitz.

Aber letztlich: es hat geklappt. Kein Schaden, aus dem ich klug werden müsste. Ich kann es also wieder getrost vergessen.
donalphons, 00:25h
... link (10 Kommentare) ... comment
... older stories



