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Montag, 10. Dezember 2012

So ist es richtig

Wirklich zu schätzen weiss man dieses Bild vielleicht erst, wenn ich verrate, wo genau es zu finden ist, und was es mit dem Gerüst auf sich hat:



Dort lagerten in der Bäckerei die Kaffeestollen, die eigentlich Marzipanstollen heissen sollten, so wie sie schmecken. Lagerten, weil das Schild erst sichtbar wurde, als ich die Stollen abräumn liess.

Das sind so die Momente, da liebe ich meine Heimat heiss und innig. Kann sein, dass die Medien untergehen, aber diese Bäckerei gibt es länger als den Buchdruck, und diese Einstellung werde ich mir bewahren.

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Blödsinn der Woche, Nerd Version

Mit ähnlich aussehenden Rokokodamen die eigene Bloglist in Öl und Leinwand ersteigern -> Ich.

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Samstag, 8. Dezember 2012

Also bitte

Es kann keinen Zweifel geben: Die Sonne scheint.







Und es ist auch nicht zu bestreiten, dass der Himmel blau ist. Silbrig kaltblau, aber blau.







Ausserdem ist die Strasse wirklich trocken wie die Verabschiedung eines FTD- und bald auch anderen Redakteurs.







Und obendrein, das muss man sagen, wäre es doch schade, das schöne Rad jetzt, wo alles schnurrt, nicht nochmal auszuführen.







Und ausserdem, wer braucht schon Zehen?

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Samstag, 8. Dezember 2012

Stermann und Grissemann des Wirtschaftsjournalismus

Heroin für das Netzvolk

Pest

Torten, viele Torten

Neoliberalala-Tröten

Man kann nicht sagen, dass ich mir in Text und Bild dieses Beitrags keine Mühe gegeben habe, aber dahinter stehen zwei Kernaussagen:

1. Ich hasse das, was der Neoliberalismus aus meiner Welt, meinem Umfeld und meinen Journalismus machen möchte. Ich hasse es zutiefst. Ich möchte, dass dieser Neoliberalismus gevierteilt wird, und dann will ich darauf spucken. Ich möchte nicht, dass mir meine Freunde in der Oper absagen müssen, weil noch was reingekommen ist, und dass sie nur SPON lesen, weil dazu die Zeit gerade so reicht.

2. Und zu all den Social Media Deppen möchte ich sagen: Es kommt nicht auf das Multi-Channel-Getröte an. Es kommt darauf an, etwas zu liefern, das die Leute an dieser Stelle so haben wollen. Alles andere ist egal. Wenn es gut genug ist, muss es kein RSS und Twitter haben.

Trotzdem habe ich jetzt, haha, einen Tag vor dem Papst und drei Tage vor dem geldgeilen Versager an der SPD-Spitze meinen von der FAZ eingerichteten Twitteraccount übernommen, und bespiele den ein wenig, zum Ausprobieren. Aber irgendwie passt das nicht zu meinem Textauslaufen.

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Die schwarze PesfTd

Ich sage es mal so:

Es gibt Berichte aus den Zeiten der grossen Pest, nach denen sich damals Menschen wünschten, es hätte sie gleich zu Beginn hingerafft, damit sie noch ein anständiges Begräbnis bekämen.

Das waren die, die bleiben mussten und keine Alternativen hatten.

Eine schönere Tätgkeit als die meine kann ich mir kaum vorstellen, aber wie es nun mal so ist: Die einen sterben, aber Dioneo zieht mit 9 anderen in die Berge und erzählt Geschichten, die gern gelesen werden. So wird es bei mir sein und bleiben.

Was bei der FTD passiert, sind meines Erachtens nur Vorboten, mitsamt einem sehr anständigen und gut dotierten Begräbnis. Und eigentlich ist es ja auch kein schlechtes Zeichen, wenn Menschen andere Interessen als Geldscheffeln und scheussliche Anzugträger haben.

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Donnerstag, 6. Dezember 2012

Schreiben und bleiben

Manchmal denke ich, die Welt wäre eine Bessere, wenn wir alle unsere Entwürfe von Mails auch schicken würden. Zum Beispiel (unteres Mittelunterkantenmanagement, wird in diesem Leben nix mehr, Ende 40, Bart, humolos, Pedant, Abweichungshasser):

Du alter Stinker, schau Dich doch an, Du hochgelutschter Nichtskönner, der Du aussiehst wie ein Tütensuppenpackerl im Mülleimer, wenn es wenigstens eine Herausforderung wärem Dich Quetschkommodenbeinderivat zu überleben aber so wie Du aussschaust, obwohl Du nur ein paar Jahre älter bist, sehe ich mich schon nächstes Jahr mit offener Ho

Na, sowas in der Art. Wir alle haben so etwas in den Entwürfen. Öfters. Das Leben bringt es so mit sich. Mal an eine Plakativfeministin, mal an einen manierenlosen Stümper, mal...

Ab damit. Dann wüsste er Bescheid, aber wir haben ja eine Bremse der guten Manieren. Wir schon.



Trotzdem merke ich, wie mir gewisse Formen der Mittlebenskrise, zumeist bei Menschen mit schlechter Eruiehung, auf die Nerven geht. Und weil viele Menschen halt nicht das tun, was man in diesem Lebens-Abschnitt tun sollte - einen Ferrari kaufen und gegen die Wand fahren - leben die es in einer gewissen Form des Dauerbeleidigtseins, in Verbindung mit einer gewissen, durch nichts begründbaren Arroganz aus: Einerseits müssen sie sich ständig versichern, dass sie bein Rattenrennen was geworden sind; stellvertretender Unterabteilungsleitervize (in Vertretung) zum Beispiel, oder Berater von wichtigen Konzernen, genauer dort irgendwelcher einsparungsbedrohter Exgeliebtenablagefächer des Vorstandes. Auf der anderen Seite ist da die Erkenntnis, dass es zur Karriere nach dem alten Muster nicht mehr reicht, und Kompetenz für die neuen Anforderungen haben sie aber auch nicht: Die Konzerne sind voll mit diesen Typen. Und vielleicht fällt diese spezielle Art auch deshalb so unangenehm auf, weil andere sehr viel mehr Grund zur Frustration hätten. Und auch mehr Grund, auf solchen Posten zu sitzen, denn die schlechte Laune der privilegiert Unzufriedenen ist kein guter Ratgeber für Veränderungen.



Das kommt dann eher im "Wenn es mir schlecht geht soll es Euch auch nicht gut gehen"-Paket der unfrommen Wünsche an, und darauf basiert meines Erachtens auch der ein oder andere Debattenbeitrag zum Medienwandel: Man schaut gar nicht mehr, was bei den anderen gut ist, man weist nur auf das Schlechte hin und hält es noch schlimmer als die eigenen Probleme. Die werden dann gern zurechtgefälscht, kaschiert oder verniedlicht, und was dem einen seine Bordexemplare sind, sind dem anderen seine googleoptimierten Spassangebote. Mir fallen einige Personen ein, bei denen ich wirklich den Eindruk habe: Die Krise sieht so aus wie die. Und damit meine ich beide Seiten.



Due gute Nachricht ist: Das alles spielt sich fern von mir ab, jetzt mal geographisch betrachtet. Ich habe zu solchen Leuten keinen persönlichen Kontakt, meistens zumindest, und alles, was in diese Richtung gehen könnte, sage ich radikal ab. Ich sehe nicht, warum ich mich einen Tag ins Auto setzen sollte, nur um mich auf einem Posium mit Leuten zu streiten, die eher einen Seelenklempner bräuchten, oder irgendein Institut, an dem jeder Professor ist und Napoleon, wenn ihnen der Sinn danach steht: nur die Ärzte, die sind dann weiterhin Doktor. Ich bin mehr so in "Lasst dicke Männer um mich sein"-Laune, und die gibt es ja auch noch. Und dann tritt alles andere zurück, man will gar nicht mehr wirklich böse schreiben, sondern sich nur noch amüsieren, und das geht wirklich trefflich. Wenn man zufrieden ist. Das bin ich fraglos, soweit es eben geht.



In drei Monaten bin ich wieder in Italien. Dazwischen bin ich daheim, was ja auch niccht ganz übel ist. Zur Abwechslung habe ich jetzt mal das Südzimmer bezogen, das mit den vielen Gemälden gar nicht mehr so abartig gross wirkt. Das wird alles mehr so Winterurlaub. Mit ein wenig Lesen und Handarbeit, und einem halbwachen Auge auf das, was da so kommen mag. Ich kann mir die Rosinen aus dem Stollen picken, ich kann die Orangen nehmen und muss nicht in saure Zitronen beissen; das Ganze geht mich durchaus etwas an, aber es betrifft mich nicht. Zwischen mir und dem vergnügten Opa auf dem Berg ist noch ein langer Weg, den ich aber gerade bschreiten möchte, gerne daheim im Schlafanzug und nicht auf Abwegen ohne Wiederkehr.



Also, das ist der Plan und das ist es, was ich eigentlich zu sagen habe. Das geht auch ohne versendete Drafts, und dass es so ist, wird man schon merken, früher oder später, hier und da,und dann ist da noch das gute Gefühl, dass das Bestehende auch das Bleibende ist. Bleiben ist schon eine Menge in Zeiten wie diesen.

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Mittwoch, 5. Dezember 2012

Rechnen und Schrauben mit Krampus und Nikolaus

Es fehlt in dieser Welt nicht an Schuldzuschreibungen an die Hersteller von Kartoffelchips: Sie wären exakt so entwickelt, dass die Käufer immer weiter essen würden, bis nichts mehr da wäre - der Nachgeschmack würde sie zwingen. Und dann werden die Menschen fett und ungesund und nicht ausreichend ernährt und wir alle müssten dafür zahlen, und zwar sehr viel. Ausserdem sind jede Menge fragwürdiger Stoffe drin. Das erinnert stark an ein anderes Elend, die Zigaretten. Ich habe überhaupt keinen Zweifel, dass Chips in den nächsten Jahren gesellschaftlich massiv verachtet jund ihre Konsumenten sozial ausgegrenzt werden. Ich dagegen bin da anderer Meinung, denn ich kann sehr wohl aufhören. Normalerweise esse ich so etwas ohnehin nicht, aber vor vor etwas mehe als 10 Jahren stellte ich fest, dass ich nicht mehr stundenlang in der Nacht Autofahren konnte. Und es amerikanischer Panzerfahrer erzählte mir, dass sie sich im zweiten Weltkrieg mit Chips wachgehalten haben, denn das langsame Kauen hält das Bewusstsein auf Trab. Ich habe das ausprobiert, und es stimmt. Allerdings erstze ich in Italien die Chips dutch Grissini mit Salz und Rosmarin. In Deutschland gäbe es auch eine Alternative. Aber die hat einen schweren Nachteil:



Ich kann damit offensichtlich nicht aufhören, und schon gar nicht, wenn ich dazu Tee trinke. Ich mag auch eigentlich Plätzchen nicht besonders, mit Ausnahme von einer bestimmten Bäckerei. Normalerweise kaufe ich dort, packe sie weg und bringe sie anderen mit. Aber diesmal hatte ich Besuch, der keinesfalls Torte wollte, und als der Besuch dann weg war... diese Silberschalte ist nicht ganz klein und recht tief und war am Abend gehäuft voll. Ernährungswissenschaftler dieser Welt! Schaut auf diese Schale. Das Übel sind nicht die Chips, das Böse haust in meiner Bäckerei.



Wie es nun mal so ist - der Besuch war nur kurz da, erkannte dann auch, dass ich vielleicht doch nicht ganz das Wahre bin, und ging wieder, was mich auch nicht gerade unglücklich zurückgelassen hat - blieb dann genug Zeit für Einsicht und auch die Erkenntnis, dass mir der Bewegungsmangel in dieser Zwischenzeit nicht wirklich gut tut. Draussen schneit es, aber drinnen, ist mir dann eingefallen, stehen ja noch ein paar Pakete, und wenn ich jetzt wieder direkt auf das Gewicht eines mittelrunden Kalbes zugehe, kann ich ja auch mal etwas zusammenschrauben, was mir im Frühjahr leichter über die Berge hilft. Auch Schrauben ist Bewegung, besonders, wenn man sich den Daumen dabei überdehnt und dann wie ein Gummiball durch die Wohnung zum kalten Wasser hüpft.



Zentrum der Angelegenheit sind jede Menge Teile, die im Laufe der Zeit abgefallen sind; so etwa ein ehemals furchtbar teurer Laufradsatz, den mir mein italiensicher Händler als Ersatz mitgab, falls sich beim originalen Satz meines Specialized Probleme entstehen würden, und an den nur eine bestimmte, extrem teure Art der Ritzel passt. Da habe ich auch noch welche, aber nur in der mörderischen 11-23-Abstufung für Götter, Helden und keinesfalls für Gelehrte, wie ich einer bin. Aber dann kam noch eine XTR-Kurbel für Bergräder meines Weges, die jemand nicht mehr haben wollte, weil sie etwas lädiert war. Für ein Schlammrad. Versteh einer die Leute, aber gut, ich nehme das gerne. Das wären dann 23 Zähne hinten und 24 Zähne vorn, damit kommt man überall hoch, und mit 46 vorn und 11 hinten auch relativ schnell wieder runter.



Reifen, Lenker, Sattel, Sattelstütze, Bremsen, Schaltwerk, Umwerfer, das alles lag noch in Kisten und kostete gar nichts; im Milchmädchenrechnen hatte ich stets eine Eins mit Auszeichnung.Und in einer anderen Kiste war noch ein Rahmen einer untergegangenen italienischen Firma, den ausser mir keiner haben wollte: Gekauft zum "Billiger als ein Essatzsteueratz"-Preis. Während Stahlrahmen zunehmend unerschwinglich werden und Plastik teuer bleibt, will niemand mehr Aluminium haben. Auch nicht, wenn so ein 1200-Gramm-Rahmen aus Metall auch nicht schwerer als ein 1200-Gramm-Rahmen aus Carbon ist. Nicht nur ich bin gut im Milchmädchenrechnen.



Fehlen also nur noch die Bremsschaltgriffe. Das ist nicht ganz so einfach, denn mit drei Shimanokettenblättern braucht man spezielle Schalthebel, die auch drei Blätter ansteuern, und bei 10-fach Ritzeln hinten - wir erinnern uns, etwas anderes passt nicht - kann man auch nicht mehr so einfach die unproblematischen Campagnolohebel mit Shimano kreuzen, und zudem sind diese speziellen Hebel auch selten und gesucht und teuer. Auch gebraucht sind sie teurer als alles, was das Rad bisher gekostet hat. Aber dann bot jemand welche für lumpige 40 Euro an. Wegen einiger Sturzschäden. Wenn man will, kann man die beschädigten Zierteile für 10 Euro austauschen. Aber mir macht ein wenig Patina nichts.



Etwas mehr macht mir dann aber der Sturz im Renngeschehen, der zum Verkauf führte; es ist nicht wirklich schön zu hören, dass das Material jetzt verkauft wird, weil das mit dem Rennradeln für den Besitzer nun vorbei ist. Für immer. So ein Rad ist leichter repariert als ein Mensch, und dann schraubt man doch eine Spur bewusster. Was ich damit sagen will: Ich kann das Fahren eines Rennrades uneingeschränkt empfehlen, es ist sicher, die Kompnenten sind exzellent, es ist leicht, und die Geschwindigkeiten sind, verglichen mit dem Auto, lächerlich gering. So ein Rennrad ist eigentlich eine wunderbare Sache, um es ruhig anzugehen. Man muss nicht rasen, man hat ja genug Reserven, wenn es doch mal eilen sollte.Man ist so flink, man kann auch über kleinste Nebenrouten fahren. Riskant wird es erst, wenn man es übertreibt und meint, man müsste auf Teufel komm raus rasen. Ich würde nicht über dicke mittelalte Männer in Lycra auf Colnagos lachen, die tun was für ihre Gesundheit und die italienische Wirtschaft; jeder Chipskäufer im Supermarkt würde die Ächtung mehr verdienen. Das Fimas, das ich gerade aufbaue, hat auch genug Platz für breite Reifen und einen hohen Vorbau; wenn ich die Post-Plätzchen-Panik überwunden habe und begreife, dass ich das gar nicht brauche, um auf den Berg zu kommen, wird es ein Gästerad. Das Ziel heisst ankommen und sich dabei gut fühlen.Dann kann man auch im hohen Alter noch klug milchmädchenrechnen.

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Dienstag, 4. Dezember 2012

Feiern wie 1825

In Gmund auf dem Parkplatz standen zwei Männer vor einem Auto mit Berliner Kennzeichen.

"Oh, a Berlinah, den zind ma oh."

"Naaah, blos ned, sunsd fuidase dahoam und bleibd do."

Bayern, weltoffen und tolerant.



Daheim ist es dann so kalt, dass ich angezogen einschlafe und später eine Geschichte darüber schreiben werde. Die dicken Mauern sind Wärme- oder Kältespeicher, je nachdem, und in dieser Nacht strahlen sie arktisch. Ich behelfe mir mit körperlichen Tätigkeiten, Aufräumen, Putzen, Sortieren, was man halt so tut, wenn man sich bewegen will, und sonst nur ungern nach draussen geht. Kerzen sind das Kaminfeuer des kleinen Mannes.



Auf dem Rückweg vom Obsthändler - der ist zum Glück nur zwei Blocks entfernt - fällt dann ein Neuzugang im Briefkasten auf. Eine an jemanden anders adressierte Postkarte aus Thailand, bei der ich lange überlegen musste, wer zum Teufel in meinem Bekanntenkreis Yolo heisst - seien wir ehrlich, privat bin ich so reaktionär, da kommen die Postkarten meist auch noch per Sie - und ein Lieferschein. Zum Glück über einen Gegenstand, der beim Nachbarn abgegeben wurde, denn die Poststelle für die Innenstadt haben fantastische Kostenschneider inzwischen ausserhalb der Altstadt eingerichtet, ziemlich genau inmitten des grossen Staus an einer radfeindlichen Strasse. Und diesmal, das weiss ich, ist es etwas grösser. Nicht so gross wie ein Rad. Aber gross genug für den Platz über einer Kommode.



Das wird mit etwas Pech das letzte derartige Paket für dieses Jahr sein, denn während andere zumindest davon ausgehen können, dass die Preise bei Industrieprodukten gleich bleiben, weil Nachschub hergestellt wird, sieht bei unsereins die Lage ganz anders aus: Tendenziell steigt zum Jahresende das Interesse an Gegenständen, die nicht mehr hergestellt werden können. Gleichzeitig ist das aber auch nicht die Jahreszeit, in der so etwas besonders oft anfallen würde: Verkauft wird mehr im Frühling, wenn Wohnungen und Häuser neu eingerichtet werden. Anders kann ich mir die Preisentwicklung der letzten Wochen nicht erklären. Warum es dieses eine Mal noch geklappt hat? Ich weiss es auch nicht. Vielleicht, weil kein Rahmen dabei war, vielleicht, weil zu wenig Haut zu sehen ist, oder manche haben es einfach übersehen: Jedenfalls war alles Interessante um Quantensprünge teurer, als ich erwartet hatte. Aber diese Dame von 1825 war eigentlich recht günstig.



Und warum, wo ich doch keinen Platz mehr habe? Ich habe tatsächlich keine neuen Räumlichkeiten, aber was ich habe - und was mich letztlich verleitet hat - ist die Idee einer jahreszeitlich unterschiedlichen Hängung. Wobei diese spezielle Dame sogar eine Ausnahme ist und tatsächlich noch Platz findet, aber das ist nicht so wichtig; statt dessen werde ich Bilder umräumen, wie andere ihre Möbel umstellen. Im Sommer kommen dann die ganzen Nackerten an die Wände und im Winter die Hochgeschlossenen... so in etwa stelle ich mir das vor. Manche werden natürlich bleiben, Aber so kann ich dann Akzente setzen und ausserdem, falls mal konservativere Gäste kommen, es ihnen ersparen, unter "Faun zerrt Nymphe im Gebüsch! Tee trinken zu müssen. Das ist jetzt mal eine von den Anständigen, sogar mit Uhr an der Kette. Die war sicher kein Spass für ihre Angestellten.



Darunter wird der weitere Ausbau der Silbersammlung "leiden", aber obwohl die Briten heute mal wieder einsehen musste, dass gar nichts bergauf geht, und das Tal der Tränen bis hinter den Horizont reicht, obwohl das Land weiter in Bankenmeile und den Rest zerfallen wird, sind die Preise für Kannen immer noch unanständig hoch. Noch so ein Beispiel, wo die Nachfrage klein, aber preistreibend ist. Dann warte ich eben noch, ich habe schliesslich in den frühen Tagen der Krise genug erworben, und spare auf einen grossen Rokokobrocken - am Wochenende können wir dann nochmal die Richtigkeit meiner These überprüfen, während in den Geschenkverpackungen der Wert von iPhone und TV-Gerät Tag für Tag schrumpft.



Es gibt schon Gründe, warum an Aschentonnen Bilder angebracht werden, damit man keine alten Mobiltelefone hineinwirft. Es gibt gute Gründe, so etwas zu tun, aber hier sind klar die Schlechteren gemeint: Veralterung und der Wunsch nach Neuem. Bei Ölgemälden wird man das eher nicht befürchten müssen. Das Bild dürfte von 1825 sein, und kaum ein Gerät, vor dem wir zum 200. Jubiläum sitzen werden, wird noch zu jenen Tagen entstanden sein, da ich dies schreibe. Manche glauben, Zeit sei absolut. Das stimmt nicht. Nichts ist so relativ wie Zeit. Und wir sollten gut aufpassen, dass uns die Zeit behandelt, als seien wir ein Gemälde, und nicht wie ein Datentransfergerät.

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Dienstag, 4. Dezember 2012

Standortwechsel

Kleine Welt: In einem australischen Blog lesen, dass er sich jetzt ganz leicht anzieht, wenn er mit seiner Liebsten zum Picnic an den Strand radelt. Der Vergleich spricht gegen mich.



Sengen und Niederbrennen: Beim Wagner gibt es jetzt Kerzen für das Fest und gleichzeitig für Festhasser. Nicht mehr "Burn the witch", sondern "burn Santa down". Oder "Melting the Snowman". Der Tegernsee, where Kitsch meets Voodoo.



Ich meine das nicht so, ich rede mir das nur ein, weil ich eigentlich keine Lust habe, den See und das Vergessen zu verlassen. Ich weiss jetzt schon, daheim werde ich mich nur wieder über "Kollegen" aufregen, die Homoehe schreiben, wenn es um das Recht des Menschen geht, sich einen Partner nach seinen Wünschen zu suchen. Das hat alles mit Liebe und nichts mit sexueller Orientierung zu tun, selbst wenn ich genug Leute kenne, denen das Thema an die Nieren geht: Weil die vollkommene Gleichbereichtigung auch das Ende der Subkultur ist, in der man sich alles erlauben konnte. Man war ja Subkultur, und nicht Westerwelle.



Ich werde mich mit dem Leistungsschutzrecht befassen müssen, und in dessen Folge auch mit Springer, natürlich. Wo immer es ekelhaft wird, findet man diese Firma. Ich habe ja die Hoffnung, dass sie auf Papier wirklich sterben und ihre Zukäufe im Netz den Weg aller StudiVZs gehen werden. Man wird wohl noch hoffen dürfen, an so einem grauen Tag, da man nur darauf wartet, dass ein Tatzelwurm den Berg herabkriecht.



Heim über die schmutzige, volle Autobahn, eingekeilt zwischen Vertrieblerkombis, der ganze Zauber der Bergwelt bleibt unter der Wolkendecke zurück. Am See gab es keine Farben, hier gibt es welche, und man hätte gern darauf verzichtet. Immerhin, ein Stück Tegernsee liegt auf dem Beifahrersitz. Damit es daheim wenigstens ein wenig danach schmeckt.



Daheim kommt die Katze auf mich zu, fällt um, und schliesst, wissend was jetzt zu kommen hat, die Augen, und fährt die Krallen zum Rupfen aus. Ich bürste ihr einen halben Nerzmantel aus dem Fell, und nebenbei linse ich in die Hausabrechnungen. 2011 geht noch, der grosse Schick wird 2012 kommen, aber man muss noch niemanden aufregen: Alles halb so wild, wenn mit der Abrechnung nicht auch gleich die Mietsteigerung kommt. 20,4% in den letzten 5 Jahren war das hier. Das ist viel. Unverschämt viel, aber die Einkommen und die Platzwünsche geben es her.



Und vielleicht kauft auch der ein oder andere von denen die englischen Silbrkannen weg; man kann es nicht verleugnen, aber die Preise sind so, dass ich restlos, komplett ausgestiegen bin. Am Sonntag unterlag ich auch bei einer extrem schrägen nicht wirklich dem aktuellen Schönheitsideal entsprechenden Rokokodame, so etwa im Faktor 10:1 - und da waren so einige im Raum. Man kann das nicht verstehen, allenfalls sich in Kissen vergraben und weinen.



So. Wieder daheim. Aufgeräumt, geputzt, gerechnet, gekocht, geärgert und sehr oft auf Webcams vom See geschaut. Düster und kalt sieht es dort aus, aber auch grandios und faszinierend böse.

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Sonntag, 2. Dezember 2012

Reste aufkochen

Nichts gebrochen. Und das Schöne an den Bergen ist, dass ich gar keine Eiswürfel für das Daumengelenk brauche, das ich mir gestern etwas überdehnt habe. Es reicht, auf die Terrasse zu gehen und den Finger in den Schnee zu stecken, bis die Kälte schmerzt, und dann zuzuschauen, wie die pudrigen Eiskristalle schmelzen.Es ist dies der vorletzte Tag in den Bergen, denn daheim steht viel Arbeit an.



Ein paar letzte Hausabrechnungen, eine Besichtigung im Hinterhaus mit dem Statiker, Entscheidungsprozesse und Papierkram. Es ist nicht so, dass ich die Welt vergessen habe, ich bin ihr nur entflohen und dann, in der Ferne, ist auch noch ein Termin in Frankfurt. Kann sein, dass ich davor nochmal komme, und danach werde ich sicher wieder hier sein: Aber bald beginnt wieder das Wackeln zwischen Orten. Ausserdem, denke ich mir, wäre Ägypten im Moment sicher interessant, wo sich gerade eine Debatte abspielt, die dem Leistungsschutzrecht in der dogmatischen Behandlung nicht unähnlich ist.



Allerdings bin ich immer noch sehr verschlafen, der neue Pjyama ist definitiv zu warm und zu weich, und nach diesem Jahr könnte ich auch eine Weile nur noch schlafen. Aber es hilft nichts, abreisen bedeutet auch aufräumen, und idealerweise macht man das so, dass man so wenig wie möglich hinterlässt, oder mitnehmen muss. Alo kocht man die Reste zusammen; auch so eine Qualifikation, die ich in den Bergen erlernt habe. Das verdanke ich dem Nussbaumer Louis, der als Bergbauer natürlich nie Essen weggeworfen hat: Was die Gäste an einem Tag nicht gegessen haben, wurde am nächsten Tag in neuer Variation neu serviert. Linsen zum Beispiel. Ich hasse Linsen. Aber meistens fand Louis dann einen Weg, das alte Essen irgendwie verdaulich zu machen.



Ob ihm bewusst war, dass die Katzen nicht ganz grundlos nach den wenigen missglückten Aufkochexzessen dicker wurden, weiss ich nicht. Die Katzen kamen immer an die HIntertür, die direkt in die Kuchel führte, und bekamen dort Milch. Für das Essen mussten sie meist selbst sorgen, und wenn ich eine tote Maus oder Linsen... wie gesagt, die Katzen waren unsere Freunde, wenn es ganz schlimm kam. Hier kaufe ich selbst ein, ich muss allenfalls etwas improvisieren, und generell glaube ich, dass man mi guten Zutaten vieles machen kann, was bei grausligen Zutaten furchtbar daneben ginge. St. Ceols hat nun mal einen ganz anderen Geschmack als Frischkäse, man ahnt vor lauter Mentholgefühl im Mund gar nicht das Fett. Hat man also noch süssen Gorgonzola und St. Ceols, kann man mit Tomaten und Zwiebeln viel machen. Und bei der Pasta muss man halt haz die Uhr schauen: Die Casarecci au Apulien brauchen länger als die Vollkornrigatoni aus Meran.



Die Aufkocherei wäre nicht so tragisch, hätte ich nur mehr mitgebracht, als ich in Italien war. Und mehr Tee hätte ich auch einpacken sollen: Selbst ohne Verpflichtungen würde ich es hier bald nicht mehr aushalten, ohne meinen Tee. Man denkt, man kann einfach fahren, es ist ohnehin alles da, nur um festzustellen, dass das wichtigste rapide zur Neige geht. Auch hier ist es ein Aufkochen der Reste und die Frage, wie lang ein Mench ohne Teein überleben kann. Mir macht so ein Bild schon vom Anschauen kopfschmerzen.



Die Reste des Jahres werden auch draussen aufgekocht, denn wie immer hat die Hausverwaltung einen auf weisse Weihnacht gemacht. Ich sage mir: Wenn so einer wie der Ponader bei den Piraten im Sattel bleiben kann, kann ich auch noch dieses Jahr überleben. Zwei Tage, sagt ein polnisches Sprichwort, hält man es auch mit dem Teufel aus, und ich habe exakt Null Termine mit einem Verlag für dieses Jahr, und schon gar nicht mit dem Verlag, dem ich entgangen bin. Es hätte besser, es hätte schlechter sein können, dieses Jahr.



Am Abend schneit es dann wieder, und die Strassen werden glatt. Ich finde in der Küche doch noch eine kleine Menge Tee, genug jedenfalls, um bleiben zu können. Morgen dann endgültig heim. Zumal es hier auch nicht schöner wird, nur noch weisser.

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