Yücel II

Wir haben hier viele Türken un der Stadt - und nirgendwo ein #freedeniz-Plakat. Das hat mich doch etwas überrascht. Normalerweise bringe ich keine Experten, aber ich kenne seit langen Jahren einen Mann, der als junger Kommunist aus der Türkei floh, bei uns echtes Asyl bekam, hier in der türkischen Gemeinde aufgrund seines wirtschaftlichen Erfolgs recht anerkannt ist, und inzwischen hier CSU-nah wurde. Der sagt, ich paraphrasiere das mal, zum Fall Yücel:

- Er wird seitens vieler in Deutschland lebender Türken nicht als Türke gesehen, der über Probleme in der Türkei berichtet, sondern als von den Deutschen geschickter Nestbeschmutzer, der sich zum Kronzeugen deutscher, antitürkischer Vorurteile macht. Die AKP kommt damit durch, weil kaum jemand weiss, was Yücel wirklich in der Welt geschrieben hat.

- Die Deutschen wissen zu wenig über die Türkei, über die PKK und die Gegner Erdogans wie die Gülen-Bewegung. Deshalb glauben sie Yücel gern, auch wenn in ihren Augen Erdogan oft eher sowas wie das kleinste aller möglichen Übel ist.

- Yücel hätte wissen müssen, dass so etwas in der Art droht, er hat es darauf angelegt und jetzt das gelernt, was hier viele schon wissen: Mit Erdogan und seinen Schergen ist nicht zu spassen.

- Deshalb ist hier auch gerade die Stimmung zwischen Kurden und Türken ganz, ganz unten.

- Es gibt auch hier viele, deren Verwandte von Erdogans Politik betroffen sind und etwas gegen ihn haben - für die allerdings ist Yücel sowas wie ein Luxusfall, während entlassene Staatsbedienstete und ihre Familien vor den Nichts stehen. 2 Wochen unbegründete Haft sind jetzt nicht so ungewähnlich, da haben die Deutschen wohl etwas sensible Vorstellungen.

- Solidarisierung mit Yücel ist gerade nicht wirklich gut, dazu haben Erdogans Leute zu viel Einfluss, und Wanderer zwischen den Welten sind nicht gerade das, was man an allererster Stelle bedauern würde.

- Seines Erachtens wollen viele einfach nicht erkennen, wie schädlich das alles ist, und im radikalen Lager findet man Erdogans Umgang mit den Deutschen und ihrem Helfer ohnehin super.

Er finder das alles ziemlich übel und hat den Eindruck, er sei im freien Fall, und es wird jeden Tag schlimmer, Dass der Justizminister jetzt nicht in Deutschland reden darf, findet er gut. Und es gibt Ängste, dass es in der Türkei zu einem Bürgerkrieg kommt, sollte Erdogan das Referendum verlieren. Was mir doch ganz gut erklärt, warum Deniz Yücel vielleicht nicht so das zentrale Problem der türkischstämmigen Menschen in Deutschland ist.

Mittwoch, 1. März 2017, 16:55, von donalphons | |comment

 
Das hört sich ganz vernünftig an, aber das hätte man schon nach der Erdogan-Reaktion gegen Mitglieder des Deutschen Bundestages aufgrund der Völkermordresolution wissen können.

Ein Bürgerkrieg in der Türkei? Gibt es den denn nicht schon lange?

Die Beziehungen zur Türkei Erdogans sollten auf die Wirtschaftsbeziehungen (ohne EU-Vorteile) reduziert werden, die Nato-Mitgliedschaft der Türkei sollte beendet werden und die Europäer sollten auf andere Urlaubsländer ausweichen. Das würde die Beziehungen klären.

Das würde zwar etwas kosten, der Flüchtlingsdeal wäre auch hinfällig, aber es wäre ehrlich. Doch ja, ich weiß, es wird so nicht kommen. Das wäre ja das erste Mal, daß echte und notwendige Konsequenzen gezogen würden.

Dem Yücel würde das auch nicht helfen, aber, wer sich freiwillig in Gefahr begibt ...

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"er hat es darauf angelegt"
... unbestätigen Gerüchten zu Folge ist das genau das, wofür die Presse da ist ...

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Viel wichtiger ist, ob sich die Clans wie Koc und Sabanci sich den wirtschaftlichen Niedergang der Türkei noch lange ansehen. Übrigens ist man in der Industrie der Meinung, dass E. den Putsch "bestellt" und die CIA die Sache organisiert hat. Nach dem Abschuss des russischen Kampfflugzeuges hatten die Russen den Laden ja zugemacht. Da hing Ford Otosan (Sabanci) mit einer Millioneninvestition in St. Petersburg in der Luft. Tirsan ebenso. Deswegen war E. Wochen später in Moskau und ganz lieb.
Wie Adenauer selig wird E. von den Bauern gewählt. In der Industrie gibt es kaum Blindschleichen (Bezeichnung von E. seine Emine, jene mit dem Kopfttuch. Die Damen, die ich da kennengelernt habe, haben vorzugsweise Maschinenbau, BWL und VWL studiert.
Wenn der Kasper noch lange so weitermacht, ist die Intelligenz bald ins Ausland abgewandert. Dann kann er den Laden zumachen und seinen Bilal zum Ziegen hüten schicken.

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Luxusfall
Ja.

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Eine leider sehr wahre Metapher für die Türkisch-deutschen Beziehungen sind die lautstarken Pfeifkonzerte gegen Mesut Özil, wenn er in deutschem Trikot gegen die Türkei spielt.

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bei der Gelegenheit
Ich habe es vor einer Weile in lauterster Absicht schon mal zu sagen versucht, indem ich es gesagt habe, und mich unklar ausgedrückt und bin - ausweislich der Antworten - missinterpretiert worden, so dass manche interessierten Rezipienten an sonstwas für Rückschlüsse dachten.

Ich meine den positiven Beweis, den dystopisch/utopischen: wenn (sobald) auch nur ein, zwei, drei deutsche Mustertürken ihr Kind ohne lange nachzudenken Paul, Jakob oder Max genannt haben, ab dem Moment ist der positive Beweis erbracht, dass die Integration en gros gelungen ist. Vorher nicht. Wir sind bereit zu warten.

Wer nun darüber nachsinnt, wieso das so schwer sein soll, stellt die richtige Frage.

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Was Sie meinen, ist Assimilation, nicht Integration. Und im übrigen haben Sie Recht. Das Einwanderungsland No. 1 auf der Welt - die USA - assimiliert seine Einwanderer ebenso. Nur in einen deutlich anderen Set kultureller Anforderungen als Deutschland.

Die deutsche Integrationsdebatte ist im Kern verlogen - ohne Assimilation keine Integration.

Gruss,
Thorsten Haupts

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"Was Sie meinen, ist Assimilation, nicht Integration."

Nein. Eindeutig nein. Deshalb das Beispiel mit der absurd niedrigschwelligen Bedingung "die ein, zwei oder drei ersten" unter drei Millionen derzeit als hinreichende Bedingung. Wenn man so will, als abstrakter, kalter, technokratischer Sachnachweis. Rein beschreibend.
Wenn Sie wollen, können Sie es auf die relevanten 50 Jahre extrapolieren, damit uns die Zahlen noch absurder anspringen. Unter den Wunschkindern von grob geschätzt 15 Millionen Einzelpersonen in Summe: Null mal Thorsten. :-) 'Die Assimilation greift wild um sich, die Integration hat den Boden durchschlagen'. --> Nix. Null. Niente. Nada. Ich rede übrigens die ganze Zeit von etwas Innertürkischem. Innerdeutschtürkischem.

Von genau dem rede ich und von mehr nicht. Was in strengem Gegensatz dazu alles supertoll läuft, weiß ich selber.

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Lieber Fritz,
warum sollte das passieren? Es gibt keinerlei gesellschaftlichen Druck dieses zu tun. Die Türken wissen durchaus daß sie von der Reaktion niemals als Gleiche angesehen werden und von den Linksklerikalen keine deartigen Forderungen gestellt werden. Dort freut man sich über mehr Buntheit.
Hätte die Assimilierung einen handfesten Vorteil dann wäre das anders. Solange man den deutschen Pass als Zubehör erwerben kann wird das auch taktisch so gehandhabt. Man nimmt gerne die Vorteile mit ohne die Nachteile. Schließlich gibts ja noch die Scholle der Ahnen irgendwo in Anatolien.

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Nein. Eindeutig nein.

Doch :-). Um die Namen des Einwanderungslandes ohne Nachdenken zu übernehmen, muss man entweder vollständig assimiliert sein oder sich aufgrund entsprechenden gesellschaftlichen Druckes Vorteile bzw. das Vermeiden von Nachteilen versprechen.

Ich würde das übrigens bevorzugen. Wie unsicher nicht assimilierte Einwanderergruppen im Konfliktfall werden können, sehen wir ja gerade kommen.

Gruss,
Thorsten Haupts

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Ich wäre auch für "nein". Ich stamme aus Mitteldeutschland und würde nie im Leben meinen Sohn "Sven" oder "Sören" nennen (obwohl ich freundschaftlich mit Menschen verkehre, die so heißen), selbst wenn ich ihm dadurch eine Beamtenkarriere sichern würde. Würden Sie das denn tun, fritz?

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(Mir ist übrigens schnurz, wer wen wie nennt, kam das nicht rüber?)

Dann darf ich mein Poesiealbum unterm Kopfkissen hervorziehen und die Minimalerkenntnis aus der Sicht eines Zaungastes melancholisch hineinmalen: das Maß an Eigenbrödelei der Türken in Deutschland in Prozent taugt womöglich nicht die Bohne, um Integration oder deren Abwesenheit anzuzeigen. Es taugt im besten Fall als Anzeiger, dass eine Assimilation bis heute in die vierte Generation ausgeblieben ist, jenseits einer homöopathischen Dosis, weil.

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wie soll denn erdowahn das referendum verlieren?
hätte stalin oder hitler ein referendum verlogen?

das is doch doch sowas von abstrus

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Solche Diktatoren machen eine "Referendum" nur, wenn sie sicher sind, dass sie als "Sieger" draus hervorgehen werden. Und damit sich das erfüllt, tun sie all das, was uns Außenstehende dazu bringt, sie als "Diktator" zu bezeichnen: Gegenstimmen beseitigen. Er schafft sich seine eigene fulfilling prophecy.
Und wer - von außen - bremst ihn? Denn die Mehrheit, also die schlichte Bevölkerung, findet solch "Stärke" ja immer prima...
...wie man auch in anderen Ländern (und bei uns) in der Vergangenheit und im Heute sah und sieht.

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das wusste
schon Adenauer: Man lässt nicht abstimmen, wenn man nicht vorher weiß, wie es ausgeht.

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