11

Das ist der offizielle Beitrag zum 11. Geburtstag der Stützen. Aber wie so oft gibt es auch inoffizielle Anmerkungen bei all dem Tollen, das so passiert ist, und die will ich hier als Erkenntnisse niederschreiben. Ich habe natürlich in den letzten 11 Jahren auch viel gelernt. Weniger über das Schreiben als vielmehr über Medien und Menschen.



1. Auf den Chef kommt es an

Entweder er ist jemand, der Treue belohnt, oder er ist es nicht. Wenn da auch nur kleine Zweifel bestehen: Besser nach Alternativen umsehen. Man will so etwas nicht herausfinden, wenn es mal wirklich auf etwas ankommt. Dabei können Chefs durchaus selektiv sein, keine Frage, und manchmal kämpfen, und manchmal fallen lassen. Das ist so. Es lohnt sich nicht, das zu bewerten.

2. Beim nächsten Chef ist alles anders

Und jede Hoffnung, es könnte dadurch etwas besser werden, ist ziemlich fahrlässig. Tatsächlich gibt es gerade beim Onlinebereich eine unendlich grosse Menge von Vollversagern, die sich nur halten können, weil deren Chefs von der Sache nichts verstehen, oder weil es ein Eingeständnis des Versagens wäre, sie zu feuern. Das ist teilweise auch der Grund für ewig langes Mitschleppen erfolgloser Projekte und die Wiederholung alter Fehler. Wenn sich so etwas abzeichnet: Rechtzeitig gehen. Das wird nichts mehr.

3. Leistung zählt sogar manchmal

Aber nicht immer. Viel wichtiger ist, was den Verantwortlichen in ihrer Gesamtstrategie gefällt. Oder was der externe Freund des CvDs an Ideen hat. Oder warum sich der Technikchef vor vier Jahren angepisst fühlte, weil er in einem Meeting Müll vorgeschlagen hat, und jemand das offen ansprach. Es ist ein totaler Irrglaube, alle würden in diesen schweren Zeiten an optimalen Lösungen arbeiten. Die meisten Journalisten auf den warmen Stühlen haben gar nichts kapiert. Langfristiges Denken ist auch oft nicht erwünscht.



4. Wähle Deine Gegner weise

Etliche Leute sind unter Schirrmacher ratzfatz über die Klippe gegangen, weil sie dachten, den blöden Blogger da machen sie fertig. Wenn man diese Degradierungen direkt mitbekommt, lernt man auch, dass man seine Verbesserungsvorschläge idealerweise konziliant vorträgt. Speziell, wenn man Einzelkämpfer ist. Bei Netzwerken mag das anders aussehen.

5. Netzwerke können angeblich helfen

Aber ich habe das auch anders erlebt und habe nicht den Eindruck, dass das System „Gegenseitige Hilfe“ wirklich gut angenommen wird. Der Grund: Es gibt in Medien haufenweise alte Netzwerke, die eine bequemere Position als neue Netzwerke versprechen. Da ist es nur normal, wenn sich kurze Hirne entwickeln, die dann ganz schnell die Seiten wechseln, und als Willkommensgeschenk auch noch Wissen über andere mitbringen. Man gewinnt herzlich wenig.

6. Nichts mit Freunden

Ausser man will nach ein paar Jahren ohne Kontakt, und nachdem man ihnen in einer Krise geholfen hat, im Netz lesen, dass sie gern ein Buch über alle üblen Typen schreiben wollen, die ihnen begegnet sind, und damit Leute meinen, deren Hilfen sie sich jahrelang bedienten (Mein Titelvorschlag wäre da „Ich bekam, was ich verdiente“). Es geht da um Leute, deren anständiges Benehmen betrügerisches „Charme“ sein soll, dem die armen Hascherl erlegen seien. Natürlich sind nicht alle so, aber irgendwann fliegen sie auf die Schnauze, sind unzufrieden, und dann lassen sie es nach Jahren wieder an einem raus, in einer Mischung aus Wut und „warum habe ich das und jenes erzählt, als ich bekifft war“. Obendrein: Man wird nie in der Lage sein, Geschichten so zu schreiben, dass sie es nicht auf sich beziehen. Ich mein,ich kenne aus Radiozeiten eine mediokre Journalistin, die sich ihr ganzes Dasein von Männern auf die warmen Zwangsgebührenpositionen hat tragen lassen, und jetzt über Benachteiligung von Frauen schreibt. Finger weg.



7. Keine Sonderaufträge mit anderen

Man kann die, mit denen einen – durchaus wohlmeinende – Chefs zusammenbringen wollen, nie einschätzen. Der Chef kann sagen, X., machen sie das mit Y., und dann in Urlaub fahren – und dann lässt Y. den X. auflaufen, während er eine langen Begründung an den Chef schreibt, warum das nicht ging. Man betreue keine anderen Autoren mit, man mache für sie nicht die Gespräche, zu denen ihnen der Mumm fehlt, man gebe sich nicht als Intermediär her, man mache einfach sein Ding. So gut wie möglich. Von den anderen vergessen 9 von 10 am Ende auch nur eine Zeile beim Abschied.

8. Das Ansehen bei den Lesern ist wichtiger

Das ist nicht viel, wenn im Zweifelsfall die Hilfe der Kollegen exakt gleich Null ist, aber langsam setzt sich in den Medien die Erkenntnis durch, dass man Autoren mit Fans haben muss, die das eigene Projekt anders als andere machen. Das kann ein veritabler Fluch werden – Stichwörter sind hier Relotius und all die genderqueeren Brülläff_Innen, die die zahlende Kernzielgruppe alte weisse Männer vertreiben – aber ununterscheidbar sind schon genug andere Medien. Den Unterschied macht wirklich die Beziehung zu den gewünschten Zielgruppen aus. Daran sollte man arbeiten. Und mit den Leuten reden.

9. Nie die gute Laune verlieren

Mit Wut und Ärger schreibt es sich nicht gut. Rechner aus, raus aufs Rad, etwas Schönes, Seichtes lesen, Essen gehen, Bekannte treffen. Bis die Wut verraucht ist. Schlimmstenfalls zwei Nächte darüber schlafen und Katastrophentourismus bei anderen machen. Das ist nicht nett, aber mich zum Beispiel erheitern bombastische und teure Medienprojekte, die brutal auf den Grund der Realität laufen. Anderen geht es auch übel, also weiter.



10. Lächeln, denn man ist einer der happy Few

Ich lese meine Texte, und wenn sie nicht gerade gezwungen ernst sind, achte ich auf meine Mundwinkel. Bleiben sie auch nach dem zweiten Lesen noch oben? Dann raus damit, nicht weiter rumpfuschen, es ist gut und was schlecht ist, versendet sich. Lächeln. Das Leben ist schön und es gibt immer gute Alternativen. Schlechte Zeiten brauchen gute Leute. Messer zwischen die Zähne und los. Man hat nichts zu verlieren, denn das Netz gehört allen. Aber man hat viel zu gewinnen, weil gerade alles neu verteilt wird. Nimm, was Du kriegen kannst. Gib nichts wieder her.

Sonntag, 19. Januar 2020, 23:45, von donalphons | |comment

 
🍰
https://www.youtube.com/watch?v=MEaD77e3ZW4

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Wollte mich in der Schlange der Gratulanten nur nicht in die Polepsition drängen.
Nu aber:
Herzlichen Glühstrumpf!

Was mich interesssieren würde:
Die unter Ziff. 6 genannten sind jdf. nach meiner Wahrnehmung längst alle Geschichte. Oder hat von denen irgend eine(r) bewiesen, auch auf eigenen Füßen stehen zu können?
Lief das nicht eher auf Sitzfederball mit Leo Fischer hinaus?

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Ätsch!

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Das ist alles sehr verwirrend.
In "meiner Zeit" bekamen die Bezeichnung "Torten" gerade diejenigen von denjenigen verliehen, die diejenigen nicht bekamen. Schon gar nicht ins Gesicht.

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11 Jahre Stützen les ich.
Jungs, war das gemütlich.
Ein Filou hat uns zum lachen gebracht,
ein Meier dieses Blog vollgemacht,
TDV wollts nochmal wissen,
das Stimmvieh mußte sich verpissen,
der Tiger mit seiner Manie.

Kommen sie wieder?
Nie!

https://www.youtube.com/watch?v=DOeINceNzqw

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Früher
Ach sylter, daran hat sich wahrscheinlich nicht viel geändert. Aber einmal zur Feier des Tages wenigstens die Tortensprachencodes außer acht lassen dürfen und nur ein bisschen herumsauen, das könnten Sie mir zumindest gönnen:)

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Womit wir ja bei einer geilen Schnitte wären und folglich jede ich*in sich auf das Schärfste (sic!) verwahren muß.

Mein Herr! Sie haben meine Dame fixiert!
Volle Gönnung ;) (und Zack! nen Schmiß)

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sylter, sylter, diesmal stehen SIE auf der Leitung.

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"diesmal"?
Der war nett, Herr schlange!
Mein Sprung von "Torte, Schnitte"
zur "Dame" eines Korpsstudenten war nur so dahingebrabbelt.
Ohne Sinn, Verstand - und vor allem ohne impetus.
Halten zu Gnaden

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Soso, 11 Jahre sind es her, was bedeutet, dass ich Sie hier und dann dort, und bei den anderen älteren Projekten seit, hmm, 15? Jahren lese. Wie die Zeit vergeht...

Schöner Blick unter die Motorhaube übrigens. Eigentlich wirkt das alles nicht so kompliziert, wenn man das so liest. Aber ich weiß um die Arbeit und Beherrschung und Bildung und - hören Sie auf mit der endlosen Tiefstapelei - Disziplin, die es braucht, um seit, tja, 11 Jahren, jede Woche 2 Beiträge schätze ich, und nicht die Kürzesten, zu liefern. Das sind halt ganz ganz viele nicht bereit, zu liefern.

Auf weitere Jahre - auch wenn mir Ihre neugewonnene Springerpresse-Affinität gar nicht gefällt, es ist Ihre Meinung, Ihre Entscheidung, Ihr Erfolg, das ist zu respektieren. Und ab und an kann man ja bei Ihnen was rechts und links davon abgreifen, was auch unterhält.

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Bin ja immer gern (kostenlos) dabei, wenns um Springer-Bashing geht.
Aber es gibt in D doch nur noch die zwei Tageszeitungen. Und die eine kommt eben von Springer. Und selbstverständlich ist die auch außerhalb der Kolumne des Don Alphonso noch lesenswert.
Wir wollen uns doch mal auch nicht zu "wichtig" machen.

Wenn ich mir anschaue, was im Land der Pressefreiheit und der dortigen inoffiziellen Hauptstadt, die ich mit Argumenten noch immer für die Hauptstadt der Menschheit halte, herausgegeben wird, steht Deutschland gar nicht so schlecht dar.
Is bekannt, oder?
NYT vs. NYP? Alter schützt vor Torheit nicht.

Joseph Pulitzer sagte es so treffend (sinngemäß, bzw. so nicht):
"wer nur noch Blogs, aber keine Tageszeitung mehr liest, ist ein Arschloch, Herr Präsident!"

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Die Abneigung gegen Springer sitzt bei mir tiefer, ist auch eher beruflich induziert. Leistungsschutzrecht für Verlage, Urheberrechtsreformen, Ausnahmen beim Mindestlohn für Zeitungszusteller, INSM, überhaupt die ganze fortwährende aktive gestaltende Einmischung in die Politik ist mir zuwider. Wie auch die Springer Grundsätze mit ihrer hündisch-anbiedernden Note.
Wie gesagt, der Hausherr muss das selber wissen, es ist sein Leben, sein Ruf, es sind seine Texte, es ist scheinbar seine Meinung, und sein Erfolg gibt ihm ja recht.
Er hat eine, wie mir scheint, bewusste Entscheidung getroffen, und das ist zu akzeptieren. Ich will muss mich dem aber nicht anschließen und meine, unter Erwachsenen wie hier darf man auch Kritik äußern, ohne gleich zu stänkern.

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Könnte noch ein paar Argumente zufügen.
Kennen aber alle, sind folglich langweilig - und außerdem einem Diskurs abträglich.

Also mal von der anderen Seite: Was Sie da vor- bzw. gegenbringen trifft doch auf jeden Großverlag zu. Nicht nur auf Mördock und Springer und die ganze Dreckspresse aus London und schließlich die NYT, sondern auch auf den Staatsrundfunk.

Das sind folglich keine Argumente gegen Springer, sondern gegen das Zeitunglesen als solches.

Nochmals: das sind nach wie vor im weltweiten Vergleich zwei ganz herausragende Zeitungen.
Ich jdf. muß in meinen seltenen luziden Momenten gestehen, daß mir mein Springerhass etwas lächerlich vorkommt.

Aber vlt. ist das auch Relativieren auf niedrigem Niveau, wenn man ARD oder RT zum Vergleich nimmt...

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Hab ich was übersehen? Springer, namentlich Bild, sind die einzigen, die sich bis jetzt dem Heranwanzen an linke Normalpositionen durch antisemitische Gefälligkeiten ans Klientel verweigert haben.

Hingegen Tagesschau.de for Exempel wählte gestern einen allerliebsten Teaser für ihren Kommentar: "Der Gedenktag in Yad Vashem wurde von den egoistischen Auftritten Israels und Russlands überschattet. Eine vertane Chance im Kampf gegen Antisemitismus." Kattsching!

Es herrscht heißer Wettbewerb, wer das üblere Schundblatt/Schundmedium herausgibt.

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greenbowlerhat Sie bringen gute Argumente. #fiesefriede könnte man ergänzen, die Nähe zu Merkel und die „Haltung“ gegen Kachelmann.
Bringt mich zu Friedrichsen, zu Schröder, Broder, Aust, Alexander, gelegentlich Posener, Poschardt.
Der alte Kutter hat noch Plickert, Goebel
Es gibt nicht das reine gute Blatt und Reichweite.
Auf Twitter hat das Produkt Don Alphonso nur 35000 offene Follower (und mehr auf privsten Listen und private Account)

Im Übrigen meine ich
Instagram wäre der richtige Sender, Don bekannt zu machen und auf seine Texte zu verlinken.

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Streng on topic:
Soros (89) bereitet sich auf seinen Tod vor:
Einer der schlimmsten Manchesterkapitalisten des vergangenen Jahrhunderts wanzt sich plötzlich an ein von ihren Eltern und anderen Geschäftemachern in die Öffentlichkeit gezerrtes geistig behindertes Mädchen ran und kündigt an, eine seiner vielen Milliarden für irgendwas mit Klima zu spenden.

Derzeit der Aufmacher auf Welt online.
Inkl. eines Fotos des in Verwesung begriffenen Spenders.
Nix gegen Klimasorgen. (hätten wir die mal gehabt, bevor die Irre und ihre Wähler die Tsunami-Panik gepackt hat)

Aber wenn ein dem Tod geweihter Scheißkerl, der Zeit seines Lebens noch in das stinkendeste Kohlekraftwerk investiert hat, sagt, "ich geh dann jetzt mal, ihr braucht nur noch aufräumen", dann darf man sich über Wahlerfolge eines Orban doch nicht wundern, oder?

"Ein wenig zuviel Zucker im Urin - und der Freigeist geht zur Messe" (La Bruyere)
Nicht wahr, Soros, du scheißt dich gerade ein vor Angst vor deinem nahenden Tod?

Es erschüttert mich immer ganz besonders, wenn ein Milliardär stirbt.

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On topic: War eine gute Summa. Champagnerkorken schwimmen gut.

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Wie ein Kollege mal sagte „für einen 70 jährigen ist er noch ganz fit und dynamisch“...

Das habe ich über einen 90 jährigen noch nicht gehört. Man kann auch mit 90 noch recht lebendig und guter Dinge sein, aber die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit lässt nun mal nach. Besonders amüsant wird es, wenn der eine über 80 jährige Milliardär dem anderen Senilität und Altersstarrsinn attributiert. Schwer, dabei ernst zu bleiben.

Wie mein Opa sagte: „die müssen sich zum sch... auch hinsetzen“. In diesem Sinne, Reichtum wird in der Öffentlichkeit oft überschätzt, weil nicht immer mit geistiger Überlegenheit -und schon gar nicht in allen Themenbereichen- gleichzusetzen.

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en.wikipedia.org/wiki/Orban
... ohne ein einziges diakritisches Zeichen
-- Orban: Gutmensch (rumänisch)
und mit einem á
-- Orbán: Schlechtmensch (ungarisch);
beide Regierungschefs in neueren EU-Staaten, auch das noch. Wenn schon EU-Erweiterung, dann bitte das Französische wieder zur lingua franca machen! Die Battenbergs melden sich ja eh ab, und, wie wir alle wissen sollten, Macron gut, Trump schlecht. Also: Jetzt oder nie!
Vgl.
https://rebellmarkt.blogger.de/stories/2750592/#2750607

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Wenn ich sowas lese, kann ich nur mit dem Kopf schütteln, weil ich es für eine absolute Unsitte halte, in der Öffentlichkeit mit seinen "guten Taten" anzugeben. Und wenn man kurz vor seinem Tod Geld spendet, dass man sowieso nicht mehr braucht und das öffentlich macht, ist das kein Akt der Nächstenliebe, sondern nur ein Akt der Selbstdarstellung, durch die dieser Mann sich vielleicht sogar einen "angenehmeren" Tod erkaufen oder sich von seinen "Sünden" freikaufen will.

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11. Den Absprung vom untergehenden Kutter rechzeitig schaffen.

Das als Motivation fürs 12 Jahr. Cheers.

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Es sieht nicht so aus, als würde dieser Kutter absaufen.

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Buzzfeed hielt sich auch für Unsinkbar.

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"... Kutter ... absaufen..."
ich wollte ja schlafen
aber dann kamen wieder diese Triggerwörter

schraub schraub, quietsch quietsch, plopp
gluckgluckgluck

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so geht das seit 11 Jahren

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Also Einleitungen, wie *Don Alphonso hätte viel gelernt* treiben mir automatisch Sorgenfalten auf die Stirn.

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