: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 9. April 2004

Masseunzulänglichkeit

Wenn sie wenigstens Eames-Tische gekauft hätten, wäre noch eine gewisse Entschädigung für die Schuldner möglich gewesen.

So rotten die Tische vor sich hin, bis sich ein neuer Mieter für die Räume finden wird. Ist aber eher unwahrscheinlich. Es ist zwar Mitte, aber trotzdem keine gute Lage. Nebenan ist nochmal ein halbes Dutzend Büroräume provisionsfrei zu vermieten. Und die Räume sind so trist, dass man darin zwangsläufig depri wird.



Note to the english Readers: Berlin Mitte Office, April 2004, during the great New Economy Depression 2000 -2008.

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Donnerstag, 8. April 2004

H&Mitte

Es ist billig, sieht mässig gut aus, fühlt sich hässlich an und landet nach 3 Monaten im Müll. Es wird nie Vintage H&M geben, wie es heute Vintage Gaultier gibt. Macht nichts. Dazu quäkt es aus den MP3-Playern, oder man schnattert selbst, wenn man aus dem laden kommt und die typischen Tüten mit dem kleinen roten Logo dabei hat.



Hauptsache billig. Bang & Olufsen hat dagegen keine Chance, in einer Zeit, da die Wegwerfbarkeit, das Deinstallieren von Dingen längst zum Verkaufsargument geworden ist. Letztlich sind sie hoffnungslos 80er, Tempo, Marke, und passen vom Design nicht zu 70er Jahre Tapeten.

Qualität ist kein Qualitätsmerkmal, und die Geschichte rennt in Sweatshop-Klamotten aus Indonesien zum nächsten Coffee2go.

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Mittwoch, 31. März 2004

Sonnenuntergang hinter der Welt

wo man schon wieder Geld verdient, aber auch schon nachdenkt, wie man den neuen Stil des Herrn Saban nutzen kann. So ein bisschen Rotation schadet ja nicht, und draussen sind viele, die für weniger Geld neuere Chancen ergreifen wollen.



Und sei es nur, um den Taxifahrerjob los zu werden.

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Donnerstag, 25. März 2004

Blue Skies,

blue mood: Der Himmel über Berlin ist ähnlich leer wie das Gebäude Wilhelm43.



Nicht ganz ohne Ironie: Zumindest ein Einrichtungshaus für Bürointerieur mit gehobenen Preisen hat darin schon Platz gefunden. Und wartet auf Käufer.

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Dienstag, 23. März 2004

Schicksenlokal

sagte das New Economy Ideal, und dass ich dort das zu sehen bekommen würde, was ich in München auch sehen könnte, wenn ich auf dieStrasse ginge: Das typische Gott-was-sind-wir-toll-Publikum mit ihren Projektvorschlägen, dem unfeinen Benehmen beim Bestellen überteuerter Alcoholoci und notorisch überzogenem Konto. Ein Hauch von zuhause inMitten der Stadt, die noch immer nicht richtig aus Ruinen erstanden ist, weil sie sich als Intensivpatient des Landes mit ihrem Gejammer gut eingerichtet hat.



Ich verkniff mir diese Bemerkung und sprach auch nicht davon, dass das Abstellen der Geldinsulininjektionen und der Beatmungsmaschinen eigentlich ein Akt der Menschlichkeit wäre, und ging mit ihr und den beiden anderen DCT-Urgesteinen rein.

Es war sehr dunkl. Es dauerte eine Weile, bis sich die Augen an das schummrig-gelbe Licht gewöhnt hatten. Es spielte keine besondere Rolle, denn mehr als die immer gleichen Lounge Chairs waren nicht zu sehen. Keine Tussis, keine Schicksen. Die Letzte hatte offenbar wenig Spass mit dem Typen an ihrer Seite gehabt und zog sich ziemlich ungraziös an. Wer sich so anzieht, zieht sich nachher sicher nicht aus. Dann waren wir allein, mit drei unaufmerksamen Barleuten.

Das New Economy Ideal rekapitulierte die Geschichte des Lokals. Die Miete sei hoch und hätte schon etlichen Vorgängern das Genick gebrochen. Und die Lage, faktisch am Strassenstrich, sei auch nicht so doll.

Wir blieben eine Weile, und wir blieben allein. Das Mädchen, das draussen auf der Strasse ihre Runden drehte, bekam auch keine weitere Kundschaft. Allerdings muss sie keine überzogene Miete für den Platz zahlen. Mal schaun, wer in einem Monat noch da ist, sie oder der schicksenfreie Schicksenladen.

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Montag, 22. März 2004

Twin Towers Treptow

2 sind besser als 1. Das gilt im Abendland seit der Einführung der Kirchtürme. Normale Kirchen haben nur einen Turm, Kathedralen dagegen zwei. Wer sich für wichtig hält, muss zwei haben. Die Twin Towers Treptow haben zwei.



Ausserdem haben sie ein leeres Kirchenschiff. Und ein von Bin Laden & Friends versautes Branding.

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Samstag, 20. März 2004

Liquide in Berlin

Peter nahm Claudia in seinem Wagen mit, brachte sie heim, sie machte es sich selbst. Dann lief MTV. Zwei Tage später lernte sie David kennen, wurde aber gefeuert. Dann sass sie in einem Cafe, trank Latte und dachte darüber nach, Schriftstellerin zu werden.

Peter simste sie aber an und kam vorbei. David war auch gerade um die Ecke. Sie redeten über die Krise. Vielleicht kann man da ein Projekt daraus machen, sagte David. Oder Aktionskunst, sagte Peter. Claudia betrachte den Polo GT, der vor dem Fenster stand und zum Verkaufen war. 950 Euro, stand auf dem Schild.

Als sie rausflogen, erzählte Peter, dass er noch etwas Shit hatte. David zeigte ein paar komische Pillen her. Sie gingen in sein Loft, rauchten und schluckten, und hatten keinen Sex.

Aber am nächsten Tag fand Claudia ein insolventes Lokal am Rosenheimer Platz, und gründete dort eine Lesebühne für Jungautoren. Peter und David arbeiteten da 3 Monate als Kellner, bis die Gewerbeaufsicht den Laden schloss, den Claudia noch nicht mal angemeldet hatte.

Bevor sie wegen Steuerhinterziehung dran war, schnupfte sie das falsche Zeug, lag eine Weile im Koma, und ging dann zu Mama nach Frankfurt zurück.

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Freitag, 12. März 2004

Pailetten

Immer wieder mal werden Pailetten hochgeschwemmt. Immer dann, wenn eine Revolte kommt. Zumindest seit der vorvorletzten Boom. Da machten Pailetten mit den 68ern Furore. Seitdem haftet den Metallplättchen etwas Aufrührerisches an.

Insofern war es kein Wunder, dass die rebellischen Grossmeister des Pret-a-Porter der späten 80er wieder darauf zurückgriffen. Pailetten konnten sich bei Byblos (längst pleite), Gibo (bedeutungslos), Gaultier (Survivor) und Montana (dank Parfum überlebt) neben dem obligatorischen Schwarz behaupten - sonst nichts.



Danach, als Yohi Yamamüde wurde und die Garcons nicht mehr commen, begannen die 90er mit dem Cocooning und schluffiger Mode. Pailetten wurden wieder ein Outfit für den Christopher Street Day und den Jahresempfang der Geiselhartinger CSU. Dann begann die New Economy, und plötzlich waren die Pailetten wieder da. Nicht an den Kleidern, aber an den Wänden der In-Locations, an denen sich das Licht brach und die Pupillen in irren Reflexen funkeln liess.

Ein paar Ecken weiter von diesem Bild war noch ein anderes Beispiel für schimmernde, leise klimpernde Funkelwände. Es hiess Goldrausch. Es sieht seit ein paar Wochen sehr tot aus.



Heute waren die Rolläden kurz oben. Die Pailetten sind rausgerissen.

In der Post lag eine Einladung zu einem Ball von Liz Mohn.

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Donnerstag, 11. März 2004

Nachts unter der eisernen Brücke

Noch unbewohnt.



Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Andererseits, in Berlin gibt es so viel Leerstand, da wird sich immer irgendwo ein Zimmer finden. Wohnen ist billig. Und die mangelhaft ausgestattete Polizei kann wenig gegen den Drogenhandel tun, was die Preise niedrig hält.

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Meredes Volvo Mercedes

Die Barer Strasse in München Schwabing. Ziemlich genau dort, wo Zahnärzte ihren Kindern 34 Quadratmeter für 177.000 Euro kaufen, damit sie in Ruhe studieren können.



Eine übliche Abfolge von Automobilen. Kein Skoda, Twingo oder verrosteter Peugot stört den Anblick. Niemand wundert sich. Schliesslich sind hier die Zeiten noch golden, und vierziggejenseitigte, künstliche Blondinen mit Hermestüchern und cremefarbenen Stiefeln trinken Latte zu 4 Euro mit mittlerem Management.

Nur die Tatsache, dass in der Lücke nicht der früher unvermeidliche Boxter steht, zeigt, dass wir in der Krise sind.

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