Freitag, 16. Juli 2004
the media will not blog the revolution
Sie sind jung. Sie haben das Studium begonnen, als wir Top Dogs der New Economy die Zukunft vernichtet haben, mit Worten über das grenzenlose Internet, falschen Zahlen und dem Glauben an die Richtigkeit und die glatte Rechtfertigung unserer Ideale. Es klang so gut, und auch, wenn wir selbst nicht mehr daran geglaubt haben - sie glauben noch irgendwo dran, sonst sässen sie hier nicht auf den Holzstuhlen dieses Kommunikationswissenschafts-Seminars und würden sich anhören, was ich zu sagen habe.
Sie sehen es nicht. Blogs sind ziemlich neu für sie, selber eines schreiben ist nicht auf ihrem Radar. Tamagotchi im Internet, sagt eine, das ist es, wenn man sich täglich das Leben einer 28-jährigen Bürokauffrau antut, wenn es witzig ist. Ich sage ihr, dass es ein ziemlich klasse Begriff ist, ganz anders als die akademische Journalismus-Auffassung, die hier voherrscht, die ich selbst als Lehrer vertrete. Das soll sie so schreiben im Netz, dann ist es bloggen, dann ist es griffig, nicht dieses
kranke, verstaubte, hirnfickrige Old-Media-Zeug.
Sie sollen es tun, weil sie und all die anderen da drinnen jung sind. Weil man sich, wenn man schon in ihrer privilegierten Situation ist, nie damit zufrieden geben darf, dass etwas so ist und deshalb so geschrieben werden muss, wie es in den Lehrbüchern steht. Die Lehrbücher vertreten die Medien, wie sie in den 60er Jahren waren, but this is 2004, fuck it, also weg mit dem Unsinn, schon die Fernbedienung ist die Krankheit der Medienmonopole gewesen, und im Internet wird mit dem Maus getötet, da scheren sich die User einen Dreck um unsere Theorien, die wissen nicht mal, dass sie Rezipienten sind und wenn doch, dann klicken sie einfach weiter.
Wer nicht geklickt wird, stirbt. Wer seine Audience verliert, wird arbeitslos. Wer nicht genug Werbung bekommt, weil er zu wenige User hat, ist kein Journalist mehr, sondern nur noch eine Zahl in der Nürnberger Statistik. Das ist schlimm für sie, das wird darüber entscheiden, ob sie mal das tun, was sie sich erträumen, oder ob sie eben nochmal eine weitere abgelehnte Initiativbewerbung in meinem Account werden.
Ich erkläre es. Blogs sind bei Google auf der ersten Seite, und Google ist das Internet. Blogs kopieren Inhalte und stellen sie kostenfrei ins Netz, wenn andere schon längst Firstgates davor gesetzt haben. Jeder Click im Blog ist einer weniger bei ihnen. Sie leben später mal nicht von der Theorie oder den Lehrbüchern, sie leben von der Wirtschaft, die ihre Inhalte verwertet, und wenn die Käufer lieber bei den Blogs sind, dann haben sie keinen
Markt
mehr, der Markt, dieses alles aufsaugende und verzehrende Irrsinnsgebilde, das unser Leben dominiert, der Kern, der unsere Welt im Innersten zusammenhält, aber sie kennen den Markt nicht, und schon gar nicht seine Mechanismen.
Denn sie sagen, dass kopierte Inhalte ja wohl geklaut ist. Na und? Information ist nicht einsperrbar, sie will raus, sie muss es auch, denn Information ist der Grundbaustein jeder Kultur, und der Gedanke, dass man sie besitzen kann, ist Vor-Internet, Vor-Napster und damit so tot und so prähistorisch wie der Dinosaurier. Vergesst es einfach.

Und sie sagen: Es sagt mir nichts. Sie sind Journalisten. Sie müssen sich reindenken können in den anderen. Sie müssen wissen: Was will mein Leser? Was will der Politiker wirklich sagen? Was ist der Kern der Botschaft? Das ist ihre Kernkompetenz, die Fähigkeit, sich 24 Stunden am Tag anpassen und verstehen zu können, was Information ist - und dann sagen sie: Blogs sagen mir nichts. Ihre Kunden sehen das aber ganz anders. Jeden Tag mehr.
Ist da keine Neugier? Keine Lust an Informationen, die sie sonst nicht bekommen?
Und ist da keine Lust an der Carte Blanche, an der weissen Fläche, das das Internet ihnen gibt? Ihr Publikum, ihr Markt liegt nur drei Clicks von ihnen entfernt, wenn sie Träume haben, müssen sie sie nach draussen tragen. Sind sie nicht angekotzt von den Regeln, die man ihnen eintrichtert? Haben sie nicht Lust auf den Tabubruch, es mal ganz anders zu machen, neu, alles Bekannte hinter sich zu lassen, den quälenden, trockenen Stil, die erlogene Objektivität, und mal das zu erzählen, was sie sind und was sie wollen? Oder wollen die wirklich nur einem alten Politikersack das Mikro unter die Fresse halten und das dann rauspusten?
Ist das das Leben?
Ich rede eineinhalb Stunden an Wände hin. The revolution will not be blogged. Klar. Aber der Niedergang der Medien wird dortselbst schön analysiert, und die wissen am Ende theoretisch und laut Lehrbuch genau, warum sie draufgegangen sind. Weil die Information den Markt nicht mehr durch sie erreicht, sondern durch jeden, der kann und will.
Weil wir es dürfen. Wir dürfen alles. Wir dürfen über das schreiben, was wir in ihnen sehen, was wir ihnen unterstellen, wo wir ihr Versagen sehen.
Sie sind Monopolisten ohne Monopol. Sie haben keinen Markt, und sie wissen auch nicht, wie man rebelliert.
Und in ihnen ist etwas, steinalt, unbeweglich, agnostisch, tot,
wahrscheinlich bringt man ihnen das hier bei,
ich kann es nicht beschreiben,
aber hey, es ist auch egal,
hier draussen im
Internet.
Sie sehen es nicht. Blogs sind ziemlich neu für sie, selber eines schreiben ist nicht auf ihrem Radar. Tamagotchi im Internet, sagt eine, das ist es, wenn man sich täglich das Leben einer 28-jährigen Bürokauffrau antut, wenn es witzig ist. Ich sage ihr, dass es ein ziemlich klasse Begriff ist, ganz anders als die akademische Journalismus-Auffassung, die hier voherrscht, die ich selbst als Lehrer vertrete. Das soll sie so schreiben im Netz, dann ist es bloggen, dann ist es griffig, nicht dieses
kranke, verstaubte, hirnfickrige Old-Media-Zeug.
Sie sollen es tun, weil sie und all die anderen da drinnen jung sind. Weil man sich, wenn man schon in ihrer privilegierten Situation ist, nie damit zufrieden geben darf, dass etwas so ist und deshalb so geschrieben werden muss, wie es in den Lehrbüchern steht. Die Lehrbücher vertreten die Medien, wie sie in den 60er Jahren waren, but this is 2004, fuck it, also weg mit dem Unsinn, schon die Fernbedienung ist die Krankheit der Medienmonopole gewesen, und im Internet wird mit dem Maus getötet, da scheren sich die User einen Dreck um unsere Theorien, die wissen nicht mal, dass sie Rezipienten sind und wenn doch, dann klicken sie einfach weiter.
Wer nicht geklickt wird, stirbt. Wer seine Audience verliert, wird arbeitslos. Wer nicht genug Werbung bekommt, weil er zu wenige User hat, ist kein Journalist mehr, sondern nur noch eine Zahl in der Nürnberger Statistik. Das ist schlimm für sie, das wird darüber entscheiden, ob sie mal das tun, was sie sich erträumen, oder ob sie eben nochmal eine weitere abgelehnte Initiativbewerbung in meinem Account werden.
Ich erkläre es. Blogs sind bei Google auf der ersten Seite, und Google ist das Internet. Blogs kopieren Inhalte und stellen sie kostenfrei ins Netz, wenn andere schon längst Firstgates davor gesetzt haben. Jeder Click im Blog ist einer weniger bei ihnen. Sie leben später mal nicht von der Theorie oder den Lehrbüchern, sie leben von der Wirtschaft, die ihre Inhalte verwertet, und wenn die Käufer lieber bei den Blogs sind, dann haben sie keinen
Markt
mehr, der Markt, dieses alles aufsaugende und verzehrende Irrsinnsgebilde, das unser Leben dominiert, der Kern, der unsere Welt im Innersten zusammenhält, aber sie kennen den Markt nicht, und schon gar nicht seine Mechanismen.
Denn sie sagen, dass kopierte Inhalte ja wohl geklaut ist. Na und? Information ist nicht einsperrbar, sie will raus, sie muss es auch, denn Information ist der Grundbaustein jeder Kultur, und der Gedanke, dass man sie besitzen kann, ist Vor-Internet, Vor-Napster und damit so tot und so prähistorisch wie der Dinosaurier. Vergesst es einfach.

Und sie sagen: Es sagt mir nichts. Sie sind Journalisten. Sie müssen sich reindenken können in den anderen. Sie müssen wissen: Was will mein Leser? Was will der Politiker wirklich sagen? Was ist der Kern der Botschaft? Das ist ihre Kernkompetenz, die Fähigkeit, sich 24 Stunden am Tag anpassen und verstehen zu können, was Information ist - und dann sagen sie: Blogs sagen mir nichts. Ihre Kunden sehen das aber ganz anders. Jeden Tag mehr.
Ist da keine Neugier? Keine Lust an Informationen, die sie sonst nicht bekommen?
Und ist da keine Lust an der Carte Blanche, an der weissen Fläche, das das Internet ihnen gibt? Ihr Publikum, ihr Markt liegt nur drei Clicks von ihnen entfernt, wenn sie Träume haben, müssen sie sie nach draussen tragen. Sind sie nicht angekotzt von den Regeln, die man ihnen eintrichtert? Haben sie nicht Lust auf den Tabubruch, es mal ganz anders zu machen, neu, alles Bekannte hinter sich zu lassen, den quälenden, trockenen Stil, die erlogene Objektivität, und mal das zu erzählen, was sie sind und was sie wollen? Oder wollen die wirklich nur einem alten Politikersack das Mikro unter die Fresse halten und das dann rauspusten?
Ist das das Leben?
Ich rede eineinhalb Stunden an Wände hin. The revolution will not be blogged. Klar. Aber der Niedergang der Medien wird dortselbst schön analysiert, und die wissen am Ende theoretisch und laut Lehrbuch genau, warum sie draufgegangen sind. Weil die Information den Markt nicht mehr durch sie erreicht, sondern durch jeden, der kann und will.
Weil wir es dürfen. Wir dürfen alles. Wir dürfen über das schreiben, was wir in ihnen sehen, was wir ihnen unterstellen, wo wir ihr Versagen sehen.
Sie sind Monopolisten ohne Monopol. Sie haben keinen Markt, und sie wissen auch nicht, wie man rebelliert.
Und in ihnen ist etwas, steinalt, unbeweglich, agnostisch, tot,
wahrscheinlich bringt man ihnen das hier bei,
ich kann es nicht beschreiben,
aber hey, es ist auch egal,
hier draussen im
Internet.
donalphons, 19:51h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 14. Juli 2004
Nacht nicht nur zum Schlafen
Das Team tötet den Schlaf. Das Team wird zur Maschine, zum System, das automatisch voranschreitet, durch die Existenzangst der Computerarbeiter, ein mechanischer Kadaver, der sich nicht an Zeiten orientiert, sondern nur an Milestones. Niemand zählt die Stunden, niemand überwacht den anderen, und alle wissen, dass jeder alles gibt.

Jetzt zu sagen, dass man heim will, auf den Futon und eine Fertiglasagne in den Ofen, wäre innerhalb des Systems falsch und unlogisch. Es würde den Rythmus der Menschteammaschine stören. Alle haben Hunger. Aber der Druck ist grösser. Die anderen essen auch nichts. Und da sind andere Frauen im Team, die noch dünner, noch sportlicher sind, also weiter.
Und selbst der Milestone reicht nicht, es muss ein Polster da sein, also setzt man sich und die anderen noch etwas unterDruck. Nur wer überfordert wird, wird besser, sagen sie sich, und hängen noch eine Stunde dran. Zu viel Koffein im Blut, zu viele Zigaretten, der Magen hebt ab, und die Müdigkeit, die die Augen schwer macht, macht das Hirn angenehm leicht.
Noch eine Stunde heute. Oder vielleicht zwei. Wenn sie das die ganze Woche über durchhalten, müssen sie Sonntags nicht ins Büro.
Oder zumindest nur ganz kur, 6 Stunden, oder so.

Jetzt zu sagen, dass man heim will, auf den Futon und eine Fertiglasagne in den Ofen, wäre innerhalb des Systems falsch und unlogisch. Es würde den Rythmus der Menschteammaschine stören. Alle haben Hunger. Aber der Druck ist grösser. Die anderen essen auch nichts. Und da sind andere Frauen im Team, die noch dünner, noch sportlicher sind, also weiter.
Und selbst der Milestone reicht nicht, es muss ein Polster da sein, also setzt man sich und die anderen noch etwas unterDruck. Nur wer überfordert wird, wird besser, sagen sie sich, und hängen noch eine Stunde dran. Zu viel Koffein im Blut, zu viele Zigaretten, der Magen hebt ab, und die Müdigkeit, die die Augen schwer macht, macht das Hirn angenehm leicht.
Noch eine Stunde heute. Oder vielleicht zwei. Wenn sie das die ganze Woche über durchhalten, müssen sie Sonntags nicht ins Büro.
Oder zumindest nur ganz kur, 6 Stunden, oder so.
donalphons, 01:57h
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Sonntag, 11. Juli 2004
Revolutionsarchitektur
der 70er Jahre

Sie haben Zeichen hinterlassen. Hässlich, laut, dauerhaft. Die lichtgrauen Trennwänder der Cubicles der New Economy wird man aus den Lofts herausreissen und auf den Müll werfen.

Sie haben Zeichen hinterlassen. Hässlich, laut, dauerhaft. Die lichtgrauen Trennwänder der Cubicles der New Economy wird man aus den Lofts herausreissen und auf den Müll werfen.
donalphons, 00:13h
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Donnerstag, 8. Juli 2004
Soziopathenlogik
Das Leben ist nur ein soziales Experiment mit ungewissem Ausgang.
donalphons, 06:59h
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Montag, 5. Juli 2004
Sonntagsruhe der Elite
Ihre Eltern haben sich wahrscheinlich noch vom Chef und den Gewerkschaften beknien lassen, doch bitte ein mal im Monat eine Samstagsschicht zu machen. Wenn der Betriebsrat zustimmte, und es klar war, dass es ein ruhiger Tag wird. Neben den 25% Zuschlägen kam meistens noch eine Brotzeit auf Kosten des Hauses dazu. Dadurch stieg die Maschinenauslastung an, immerhin.
Das waren noch die Zeiten, als man noch für jeden einen Arbeitsplatz hat. Eine völlig veraltete Idee von Betriebsorganisation, dagt man, und deshalb hat man das in den Grossraumbüros der Kreativberufe aufgelöst. Und weil Krise ist, sind die Räume fast immer zu klein, und es gibt zu wenig Work Stations.

Also kommt sie am Wochenende rein. Freiwillig. Macht in acht Stunden das, was unter der Woche durch die engen Kapazitäten nicht ging. Macht den Papierkram. Wenn es nicht so verdammt viel Arbeit wäre, würde sie sich ärgern, weil der Tag so vergeudet wird, aber sie hat gar nicht die Zeit dazu. Sie wechselt von einem provisorischen Platz zum anderen, sie betreibt es in Multitasking und hat noch nicht mal die Zeit, sich richtig hinzusetzen.
Aber sie hat eine CD mit Soulmusik aus den 70ern dabei, ganz langsam und smooooth, und dazu gleitet sie durch den Raum, zufrieden mit dem Job, von dem sie glaubt, dass es die Zukunft ist.
Dann ruft mal Mami ab. Nein, heute nicht mehr, sagt sie, nächste Woche. Aber auch nächsten Sonntag wird die hier sein, sich auf Bürostühlen verbiegen und sich den ganzen Tag nur von Mineralwasser ernähren. Marke Elitess.
Das waren noch die Zeiten, als man noch für jeden einen Arbeitsplatz hat. Eine völlig veraltete Idee von Betriebsorganisation, dagt man, und deshalb hat man das in den Grossraumbüros der Kreativberufe aufgelöst. Und weil Krise ist, sind die Räume fast immer zu klein, und es gibt zu wenig Work Stations.

Also kommt sie am Wochenende rein. Freiwillig. Macht in acht Stunden das, was unter der Woche durch die engen Kapazitäten nicht ging. Macht den Papierkram. Wenn es nicht so verdammt viel Arbeit wäre, würde sie sich ärgern, weil der Tag so vergeudet wird, aber sie hat gar nicht die Zeit dazu. Sie wechselt von einem provisorischen Platz zum anderen, sie betreibt es in Multitasking und hat noch nicht mal die Zeit, sich richtig hinzusetzen.
Aber sie hat eine CD mit Soulmusik aus den 70ern dabei, ganz langsam und smooooth, und dazu gleitet sie durch den Raum, zufrieden mit dem Job, von dem sie glaubt, dass es die Zukunft ist.
Dann ruft mal Mami ab. Nein, heute nicht mehr, sagt sie, nächste Woche. Aber auch nächsten Sonntag wird die hier sein, sich auf Bürostühlen verbiegen und sich den ganzen Tag nur von Mineralwasser ernähren. Marke Elitess.
donalphons, 01:44h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 25. Juni 2004
Here we go.
Try for once in your life do something about it! But you know what, you better do it now and you better do it fast because the world doesn’t owe you any favors. - Lelaina im einzigartigen Film Reality bites, eine Erinnerung an ein anderes Leben, bevor der Regen über Europa kam. Damals war alles noch anders, kein Netz, keine Blogs, Medien nur eine Option unter vielen ... Unschuld, könnte man sagen. Das Zitat nur eine Erinnerung an etwas, das nicht mehr existiert, was einem einfällt, wenn es im Sturzflug durch die Suchscheinwerfer geht. Do it fast. Was ist Lelaina heute? Arbeitslos? Ein Rad im System? Verheiratet? Zugekokst in irgendeinem Vorstandsvorzimmer? Egal. Keine Zeit zum denken. Denken können wir, wenn wir tot sind.
Denn jetzt es geht auf einmal rasend schnell. Nein, es war schon schnell, aber hier tief unten im Zielanflug knapp über der Erde fühlt man das Zerschmelzen von Zeit und Distanz, die Bomben schimmern unter den Flügeln und die Propeller zerfetzen den Äther, und alles dröhnt wieder von der Gewalt der Motoren, der Bombenschütze gibt die Entfernung durch, es sind nur noch ein paar Meilen, und plötzlich ist noch viel zu tun, die Zünder scharf machen, Kompressoren zuschalten, die Funksperre wird aufgehoben, die Nachricht geht raus, und alle an Bord wissen: Wir kommen rein. Auf 12 Uhr. They won´t owe us any favors. Egal.
Denn jetzt es geht auf einmal rasend schnell. Nein, es war schon schnell, aber hier tief unten im Zielanflug knapp über der Erde fühlt man das Zerschmelzen von Zeit und Distanz, die Bomben schimmern unter den Flügeln und die Propeller zerfetzen den Äther, und alles dröhnt wieder von der Gewalt der Motoren, der Bombenschütze gibt die Entfernung durch, es sind nur noch ein paar Meilen, und plötzlich ist noch viel zu tun, die Zünder scharf machen, Kompressoren zuschalten, die Funksperre wird aufgehoben, die Nachricht geht raus, und alle an Bord wissen: Wir kommen rein. Auf 12 Uhr. They won´t owe us any favors. Egal.
donalphons, 22:37h
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Donnerstag, 24. Juni 2004
Fuck sind die HÄSSLICH!
Ich sitze im Büro. Ich kann hier die „Ästhetik der Entleerung“-Klagenfurze nicht hören. Nur sehen, auf der Website des ORFs zu einem Auftrieb, der Literaturbetrieb heisst und den die Welt so sehr braucht wie den Haider Jörg.Aber ich kann sie über das Netz sehen, die Faltenwerfer, die Pusteln und Wärzchen, die Altersflecke und verkniffenen Kritikerfressen, die schiefen, gelben Zähne und die kauernde Haltung, gelernt beim Kriechen in den Redaktionen, die professoralen Spitzbärte und Tränensäcken, die letzten nennenswerten Säcke, die sie haben, aber die sind dann gigantisch.
Es ist die Frakshow des Literaturbetriebs, was da auf der Kritikerbank schimmelt, es riecht sicher nach leichtem Schimmel, Gott es ist scheusslich, und jetzt so ein paar GZSZ-Mädchen wären eine optische Erlösung.
Ich wünsche mir Rainald Goetz zurück. Ich will ihn nicht bluten sehen, sondern die alten, verbiesterten Betriebsprodukthaftungsergebnisse, und er soll ihnen nochmal in die Fresse kotzen:
Ich brauche keinen Frieden, denn ich trage den Krieg in mir.
donalphons, 18:39h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 23. Juni 2004
Die Rache der Provinz-Grattler.
Österreichische Städte wie Wien, die die gleichen Betrugsskandale und ihre New Economy Windbeutel in Braun-blau hatten, die ähnlich abstruse Börsen und Medienideen hervorgebracht haben, zeigen inzwischen mit dem Finger auf Berlin. Ob bei Politik, Arbeitslosen, Übermütterung oder BvSB, die Berliner Seiten oder soziale Not: Berlin ist schuld, sagen Kurier und Standard, Profil und Krone, Presse und Zur Zeit.

Dabei ist Wien nur ein besser lackiertes Zerfallsprodukt und einer korrupten Politikerkaste, die der New Economy zu wenig zum Verteilen gelassen hat. Aber wenn es dem Piefke schlecht geht, fühlt sich der herzensgute Wiener Jungredakteur gleich viel besser.

Dabei ist Wien nur ein besser lackiertes Zerfallsprodukt und einer korrupten Politikerkaste, die der New Economy zu wenig zum Verteilen gelassen hat. Aber wenn es dem Piefke schlecht geht, fühlt sich der herzensgute Wiener Jungredakteur gleich viel besser.
donalphons, 02:12h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 20. Juni 2004
Abgehende Journalisten
kann man betrachten, wenn es um Blogs und die "Untersuchung" des Software-Herstellers Perseus Development Corp. geht. Die hat sich über das Blogverhalten eher negativ geäussert - zu viele Kids, zu viele stillgelegte Seiten, zu wenig Inhalt, und so weiter. Alles natürlich Dinge, die den professionellen Journalisten runtergehen wie Öl. Letztes Beispiel dafür ist Telepolis von Heise.de, genauer, von einem gewissen Thomas Pany.
Statt selbst mal nachzuzählen, was es zum Beispiel in Deutschland gibt, beruft er sich also auf das Report-Dingens einer Firma, die eigentlich in einem ganz anderen Bereich zu Hause ist: Der eCRM-Software, auch bekannt unter automatischer, netzbasierter Kundenpflege und -betreuung. Das alleine sollte schon stutzig machen - eCRM versucht im Kern, die Kritik etwa an Produkten, für die Blogs bekannt sind, schon frühzeitig zu erkennen und zu besänftigen. Ein Schelm vielleicht, der da Böses denkt? Kann es sein, dass Perseus diese Ergebnisse selbst gut brauchen kann? Sollte man soclhe Ergebnisse dann nicht vielleicht mal kritisch durchleuchten, als angeblich unabhängiger Journalist?
Aber so weit kam der Autor Thomas Pany offensichtlich nicht. Er hat, da bin ich mir ziemlich sicher, die Studie nie gelesen. Sonst hätte sich nämlich nicht dieser Fehler in seinem Text ereignet, der eigentlich nur durch Abschreiben einer älteren Heise-Meldung erklärbar ist, die dabei auch schon neben den Fakten der Studie lag: "Der Software-Hersteller Perseus Development Corp. hat die Zahl der Weblogs in den USA auf 4,12 Millionen geschätzt."
Das ist falsch. Perseus hat etwas anderes gesagt: Auf acht von ihnen untersuchten Webloghostern schätzen sie die Zahl der Blogs auf 4,12 Millionen. Es ist also weder die Gesamtzahl noch auf Amerika begrenzt - Blogger.com und Lifejournal haben ja auch eine Menge User ausserhalb der USA.
Ich würde Herrn Pany dringend raten, erst mal das Recherchieren zu lernen, bevor er das nächste Mal einen Artikel über die Problematik des Bloggens verfasst. Sonst könnte man schnell behaupten, dass er auch nir einer von den Zeilenkrepierer ist, der sich seine Studien zurechterfindet. Und wenn man eine Studie schon zitiert, sollte man sie zumindest gelesen haben. Grundkurs Publizistik, Herr Pany.
von hier.
Statt selbst mal nachzuzählen, was es zum Beispiel in Deutschland gibt, beruft er sich also auf das Report-Dingens einer Firma, die eigentlich in einem ganz anderen Bereich zu Hause ist: Der eCRM-Software, auch bekannt unter automatischer, netzbasierter Kundenpflege und -betreuung. Das alleine sollte schon stutzig machen - eCRM versucht im Kern, die Kritik etwa an Produkten, für die Blogs bekannt sind, schon frühzeitig zu erkennen und zu besänftigen. Ein Schelm vielleicht, der da Böses denkt? Kann es sein, dass Perseus diese Ergebnisse selbst gut brauchen kann? Sollte man soclhe Ergebnisse dann nicht vielleicht mal kritisch durchleuchten, als angeblich unabhängiger Journalist?
Aber so weit kam der Autor Thomas Pany offensichtlich nicht. Er hat, da bin ich mir ziemlich sicher, die Studie nie gelesen. Sonst hätte sich nämlich nicht dieser Fehler in seinem Text ereignet, der eigentlich nur durch Abschreiben einer älteren Heise-Meldung erklärbar ist, die dabei auch schon neben den Fakten der Studie lag: "Der Software-Hersteller Perseus Development Corp. hat die Zahl der Weblogs in den USA auf 4,12 Millionen geschätzt."Das ist falsch. Perseus hat etwas anderes gesagt: Auf acht von ihnen untersuchten Webloghostern schätzen sie die Zahl der Blogs auf 4,12 Millionen. Es ist also weder die Gesamtzahl noch auf Amerika begrenzt - Blogger.com und Lifejournal haben ja auch eine Menge User ausserhalb der USA.
Ich würde Herrn Pany dringend raten, erst mal das Recherchieren zu lernen, bevor er das nächste Mal einen Artikel über die Problematik des Bloggens verfasst. Sonst könnte man schnell behaupten, dass er auch nir einer von den Zeilenkrepierer ist, der sich seine Studien zurechterfindet. Und wenn man eine Studie schon zitiert, sollte man sie zumindest gelesen haben. Grundkurs Publizistik, Herr Pany.
von hier.
donalphons, 02:58h
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Donnerstag, 17. Juni 2004
Spearhead
Offenheit, Transparenz und grenzenloser Austausch zwischen innen und aussen war die architektonische Maxime, Glas und Stahlbetonrahmen ersetzten den Stein, denn "brick and mortar" waren verpönt, veraltet, überflüssig. Der neue Stil der späten 90er griff zurück auf die Neue Sachlichkeit. In den öffentlichen Raum bohrten sich die Kristallkanten mit schonungsloser Luminiszenz. Jeder sieht jeden. Container und Webcam waren nur mediale Folgen der schimmernden Avantgarde über den Städten.
Die grenzenlose Öffentlichkeit des Internets als architektonische Metapher. Mobilität, Flüchtigkeit und Flexibilität durch wenige, ausgesuchte Möbel. Auch hier der Glanz des Chroms und das grünliche Funkeln geschliffener Gläser. Powerbook-Area, 24/7.

Manche klammern sich an diese Räume fest. Bis heute. Denken nicht daran, sie aufzugeben. Auch wenn sie im Winter ringsum nur das ganze matschige Elend der Umgebung zeigen, und im Sommer die Klimaanlage die Hitze mühsam wegsurrt.
In diesem Glaskasten wird sich niemand ausziehen. Niemand wird auf dem Boden ficken, nach dem schnellen Aufriss unten im angesagten Viertel. Deshalb auch keine Freundin, falls es gut war. Die dann sagen könnte, dass sie doch lieber was mit Garten hätte. Und normalen Mauern. Und Vorhängen. Zum Beispiel in der westlichen Vorstadt.
Mit dem Volvo wären es auch nur 20 Minuten in die Stadt. Welcher Volvo? Na der, den er sich kaufen soll. Der alte SLK ist einfach hässlich, seitdem es den neuen gibt.
Die grenzenlose Öffentlichkeit des Internets als architektonische Metapher. Mobilität, Flüchtigkeit und Flexibilität durch wenige, ausgesuchte Möbel. Auch hier der Glanz des Chroms und das grünliche Funkeln geschliffener Gläser. Powerbook-Area, 24/7.

Manche klammern sich an diese Räume fest. Bis heute. Denken nicht daran, sie aufzugeben. Auch wenn sie im Winter ringsum nur das ganze matschige Elend der Umgebung zeigen, und im Sommer die Klimaanlage die Hitze mühsam wegsurrt.
In diesem Glaskasten wird sich niemand ausziehen. Niemand wird auf dem Boden ficken, nach dem schnellen Aufriss unten im angesagten Viertel. Deshalb auch keine Freundin, falls es gut war. Die dann sagen könnte, dass sie doch lieber was mit Garten hätte. Und normalen Mauern. Und Vorhängen. Zum Beispiel in der westlichen Vorstadt.
Mit dem Volvo wären es auch nur 20 Minuten in die Stadt. Welcher Volvo? Na der, den er sich kaufen soll. Der alte SLK ist einfach hässlich, seitdem es den neuen gibt.
donalphons, 04:28h
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