Dienstag, 31. August 2004
Ein Begebnis in Elmau
Oktober 2000 in Schloss Elmau. Auf dem Foundersforum , das längst nicht nehr gibt, glaubte noch niemand so recht an den Downturn. Sie nannten es eine notwendige Bereinigung, eine Verschnaufpause, eine gute Gelegenheit, schnell nochmal Beteiligungen zu kaufen. Ich nannte es den Anfang vom Ende, aber damals wollte keiner so richtig auf mich hören. Das Sterben hatte noch nicht begonnen. Kein Investor wollte damals sein Geld zurück. Sie wollten für den nächsten grossen Aufschwung investieren. Und die Medien wollten weiter an den Börsengängen verdienen. Man verstand sich gut, in Elmau, bei den kostenlosen Longdrinks. Der Freistaat zahlte.
Am zweiten Tag gab es einen Workshop zur PR, draussen vor dem Schlosshotel. Peter Müller von der FAZ war da. Der "Fruchtzwerge"-Maier von der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing. Der Typ, der bei Kothes Klewes die IPOs betreute. Es ging um die Frage, wie man gute Presse macht. 200 Entrepreneure sassen auf dieser Terrasse, hörten gelangweilt zu, und wären wahrscheinlich lieber ihre Vorstandsassistentin in der Sauna ficken gegangen, aber die war damals von den frischen Gründerinnen und so manchem VC besetzt - wie mein Freund, der Herr in Beige entdecken musste. Das waren übrigens noch die Zeiten, als Firmen noch kein Personal ausser den Vorständen, ihren Assisitentinnen und der Pressesprecherin hatten.
Die Sonne lächelte aus einem tiefblauen Himmel mild auf die Torheiten, die da auf dem Podium verbreitet wurden. Der Trip in die Hölle wurde als anregender Spaziergang verkauft, und Probleme gab es kaum. Kein Problem, das sich nicht mit einer Einladung zu einem ordentlichen Mittagessen lösen liesse.
Nur für einen Entrepreneur im Publikum stellte sich eine kritische Frage, und er stellte sie öffentlich: Er habe schon Interviews gegeben, und die Beitrge seien so positiv, dass er sich frage, wie das überhaupt noch besser werden soll, und ob er dem entsprechen könne. Das sei schon etwas belastend. Das schaffen sie schon, kam vom Podium.
Hätte er es tatsächlich geschafft, die nächsten drei Monate zu überleben, hätte man ihm diese Belastung sicher erspart. Sein Online-Shop für Esoterica wäre nicht mehr allzu gut besprochen worden. So aber blieb es bei ein paar sehr lobenden Beiträgen in drittklassigen Bizz-Gazetten, die den nächsten Oktober nicht erreichten, und einer Liquidation nach ein paar Hunderttausend Anlaufkosten und einer Website, die nie ins Internet gelangte.
Das war in etwa die Welt, in der die Windhorste gelebt haben.
Am zweiten Tag gab es einen Workshop zur PR, draussen vor dem Schlosshotel. Peter Müller von der FAZ war da. Der "Fruchtzwerge"-Maier von der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing. Der Typ, der bei Kothes Klewes die IPOs betreute. Es ging um die Frage, wie man gute Presse macht. 200 Entrepreneure sassen auf dieser Terrasse, hörten gelangweilt zu, und wären wahrscheinlich lieber ihre Vorstandsassistentin in der Sauna ficken gegangen, aber die war damals von den frischen Gründerinnen und so manchem VC besetzt - wie mein Freund, der Herr in Beige entdecken musste. Das waren übrigens noch die Zeiten, als Firmen noch kein Personal ausser den Vorständen, ihren Assisitentinnen und der Pressesprecherin hatten.
Die Sonne lächelte aus einem tiefblauen Himmel mild auf die Torheiten, die da auf dem Podium verbreitet wurden. Der Trip in die Hölle wurde als anregender Spaziergang verkauft, und Probleme gab es kaum. Kein Problem, das sich nicht mit einer Einladung zu einem ordentlichen Mittagessen lösen liesse.
Nur für einen Entrepreneur im Publikum stellte sich eine kritische Frage, und er stellte sie öffentlich: Er habe schon Interviews gegeben, und die Beitrge seien so positiv, dass er sich frage, wie das überhaupt noch besser werden soll, und ob er dem entsprechen könne. Das sei schon etwas belastend. Das schaffen sie schon, kam vom Podium.
Hätte er es tatsächlich geschafft, die nächsten drei Monate zu überleben, hätte man ihm diese Belastung sicher erspart. Sein Online-Shop für Esoterica wäre nicht mehr allzu gut besprochen worden. So aber blieb es bei ein paar sehr lobenden Beiträgen in drittklassigen Bizz-Gazetten, die den nächsten Oktober nicht erreichten, und einer Liquidation nach ein paar Hunderttausend Anlaufkosten und einer Website, die nie ins Internet gelangte.
Das war in etwa die Welt, in der die Windhorste gelebt haben.
donalphons, 19:40h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 29. August 2004
Deja Deja Deja vu
Innerhalb von 48 Stunden haben mir drei Leute erzählt, dass kleine Stellen in ihrer Firma zu Profit Centern/Ich AGs/Spin Offs umgebaut werden. Zumindest in zwei Fällen sollen die betreffenden Mitarbeiter begeistert von den dadurch neu entstehenden Chancen und persönlichen Möglichkeiten zur Verwirklichung am Arbeitsplatz gewesen sein. Besonders schön: Ein Fall, in dem drei Leute eine GmbH werden, und die Buchhaltung dann wieder an den Mutterkonzern outsourcen.
Es ist irgendwie beruhigend, dass kein Informant von meinem Gelächter beleidigt war. Es gibt noch Inseln der Vernunft im aufgewühlten Meer des Irrsinns.
Es ist irgendwie beruhigend, dass kein Informant von meinem Gelächter beleidigt war. Es gibt noch Inseln der Vernunft im aufgewühlten Meer des Irrsinns.
donalphons, 00:57h
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Mittwoch, 25. August 2004
Tempo Revival
Herr ichichich vor dem Fehler seines Lebens. In Leipzig hingegen feiert man am 27. August das, was er weggeben will.
donalphons, 20:16h
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Donnerstag, 19. August 2004
Der Traum vom Kapitalismus
Seit Anno 2000 warte ich darauf, dass capitalism21 verschwindet. Die Idee des Berliner Startups war: Mitarbeit gegen Aktien an der Capitalism21 AG. Jetzt sind sie weg. Und ihre Aktionäre? Hatten immerhin 4 Jahre etwas, woran sie glauben konnten. An eine bessere Welt mit einem besseren, schicken Kapitalismus.
Sowas konnte aber auch nur in Berlin entstehen....
Sowas konnte aber auch nur in Berlin entstehen....
donalphons, 00:14h
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Samstag, 14. August 2004
Freitagsdemo
Wenn sie keine Arbeit haben und vor Hartz IV zittern, pfriemeln sie eben mit dem gecrackten Photoshop Aufkleber zusammen, die ein Kumpel dann bei seinem Copyshop-Nebenjob kostenlos ausdruckt, und dann geht´s ab auf die Strasse damit.

Und dann kommt so einer wie ich uund tritt die Botschaft mit Füssen in neuen, rahmengenähten Schuhen, gleich nach dem Shopping. So ist das nun mal. Hart und ungerecht.

Und dann kommt so einer wie ich uund tritt die Botschaft mit Füssen in neuen, rahmengenähten Schuhen, gleich nach dem Shopping. So ist das nun mal. Hart und ungerecht.
donalphons, 00:35h
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Freitag, 6. August 2004
Old Economy
Wenn sie wenigstens nicht so dumm, bewegungslos, monoton und unkreativ wäre.

Wenn es wenigstens Alternativen gäbe. Alles ist gleich, mitmarschieren und verrecken, anpassen oder angepisst werden, und jeder fährt mal zur Hölle, ob er nun langsam verrostet und ausläuft oder mit lautem Knall in die Luft fliegt.
So undendlich borniert - manchmal überkommt mich ein weissblendender Hass gegen diese Statik, ich möchte Feuer sehen und Flammen.

Wenn es wenigstens Alternativen gäbe. Alles ist gleich, mitmarschieren und verrecken, anpassen oder angepisst werden, und jeder fährt mal zur Hölle, ob er nun langsam verrostet und ausläuft oder mit lautem Knall in die Luft fliegt.
So undendlich borniert - manchmal überkommt mich ein weissblendender Hass gegen diese Statik, ich möchte Feuer sehen und Flammen.
donalphons, 20:16h
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Mittwoch, 4. August 2004
Seminar Witschaftsjournalismus
Man hat ihnen gesagt, dass es was bringt, später. Wenn sie in die Medien wollen. Denn Wirtschaftsinformationen sind wichtig, das ist also ein Zukunftsmarkt. Etwas, das jeder Arbeitgeber abfragen wird. Ein Core Asset, ergänze ich in Gedanken und höre weiter zu. ich gehöre nicht hier rein, ich war aber schon da, als sie gekommen sind, und sie haben hier, rund um mich, Platz genommen.
Sie haben Pause. Sie reden, wiederholen das Gelernte und schmeissen mit Fachwortbrocken durch die Gegend, die sich für mich unfassbar schal anhören. Der Unterschied zwischen ihnen und mir ist, dass ich eine Erinnerung und eine Vergangenheit an der Stelle habe, wo bei ihnen die Erwartung und die Ahnungslosigkeit ist. Sie sehen in diesen Begriffen noch einen Inhalt, vielleicht sogar sowas wie "Sinn". In der Theorie ist das alles auch logisch, es gibt Zahlen, Pressemitteilungen, und den Wink aus der Chefredaktion, das einfach abzuschreiben und nicht gross Fragen zu stellen.
In der Praxis werden sie erst gar nicht so weit kommen, von einem Chefredakteur einen Wink zu erleben. Auch nicht die ganzen tollen Partys, die es schon seit Jahren nicht mehr gibt, und die auch nicht mehr kommen werden. In der Wirtschaft regiert die Neue Enthaltsamkeit, und wenn draussen Millionen Arbeitslose stehen, schmeisst man keine Feste, von denen Medien berichten könnten. Es geht alles in Richtung stilles Meeting in Hotels, aber devote Interviews in gemieteten Clubsesseln sind wohl nicht das, was sich die Leute hier unter ihrer Zukunft vorstellen.
Sie sind übrigens keine BWLer. Germanisten, Politologen, Informatiker, die eine weitere Option haben wollen, bevor sie nach dem Ende des Studiums ins Nichts stürzen. Sie basteln an einer Hoffnung, die vor ihnen schon so viele andere hatten. 2000 ging, was schreiben konnte, in die neuen Wirtschaftsgazetten wie Konr@d, Net Investor, Bizz und die Internetseiten, die damals auch das letzte Provinzblatt wie "Die Welt" haben musste. Diese Leute sind immer noch auf dem Markt, und aufgrund der Nachfrage fast kostenlos zu haben. Was soll´s , immer nur rein in das gute Schlammloch, hier ist noch viel Platz, und spätestens 2010 geht es wieder aufwärts, dann braucht man wieder Leute, die Worte wie Success Story kennen.
Und keine Erinnerung haben.

Dann werfen sie die Pizzakartons weg und gehen wieder ins Seminar. Damit eine Zeit kommt, in der sie auch mal am Buffet essen können.
Sie haben Pause. Sie reden, wiederholen das Gelernte und schmeissen mit Fachwortbrocken durch die Gegend, die sich für mich unfassbar schal anhören. Der Unterschied zwischen ihnen und mir ist, dass ich eine Erinnerung und eine Vergangenheit an der Stelle habe, wo bei ihnen die Erwartung und die Ahnungslosigkeit ist. Sie sehen in diesen Begriffen noch einen Inhalt, vielleicht sogar sowas wie "Sinn". In der Theorie ist das alles auch logisch, es gibt Zahlen, Pressemitteilungen, und den Wink aus der Chefredaktion, das einfach abzuschreiben und nicht gross Fragen zu stellen.
In der Praxis werden sie erst gar nicht so weit kommen, von einem Chefredakteur einen Wink zu erleben. Auch nicht die ganzen tollen Partys, die es schon seit Jahren nicht mehr gibt, und die auch nicht mehr kommen werden. In der Wirtschaft regiert die Neue Enthaltsamkeit, und wenn draussen Millionen Arbeitslose stehen, schmeisst man keine Feste, von denen Medien berichten könnten. Es geht alles in Richtung stilles Meeting in Hotels, aber devote Interviews in gemieteten Clubsesseln sind wohl nicht das, was sich die Leute hier unter ihrer Zukunft vorstellen.
Sie sind übrigens keine BWLer. Germanisten, Politologen, Informatiker, die eine weitere Option haben wollen, bevor sie nach dem Ende des Studiums ins Nichts stürzen. Sie basteln an einer Hoffnung, die vor ihnen schon so viele andere hatten. 2000 ging, was schreiben konnte, in die neuen Wirtschaftsgazetten wie Konr@d, Net Investor, Bizz und die Internetseiten, die damals auch das letzte Provinzblatt wie "Die Welt" haben musste. Diese Leute sind immer noch auf dem Markt, und aufgrund der Nachfrage fast kostenlos zu haben. Was soll´s , immer nur rein in das gute Schlammloch, hier ist noch viel Platz, und spätestens 2010 geht es wieder aufwärts, dann braucht man wieder Leute, die Worte wie Success Story kennen.
Und keine Erinnerung haben.

Dann werfen sie die Pizzakartons weg und gehen wieder ins Seminar. Damit eine Zeit kommt, in der sie auch mal am Buffet essen können.
donalphons, 21:47h
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Donnerstag, 29. Juli 2004
denn sie ahnen nicht, was sie damit anrichten
Da sage noch einer, man könne nichts Neues in der Blogosphäre erfinden:

Also, diese internetversaute Jugend heutzutage... wenn die so weitermachen, dann werden sich Blogs wirklich noch durchsetzen....

Also, diese internetversaute Jugend heutzutage... wenn die so weitermachen, dann werden sich Blogs wirklich noch durchsetzen....
donalphons, 06:55h
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Mittwoch, 21. Juli 2004
Hoffnung
Gemeint haben wir alle, die Hoffnung auf ein befreites Leben entwickeln zu können, jenseits von Ausbeutung und Entfremdung.
Ex-RAF-Mitglied Knut Folkerts in der Jungle World
Da trifft er diese jungen Menschen, die so furchtbar gut gelaunt sind und trotzdem viel Geld verdienen, die voller Hoffnung sind und Optimismus, vielleicht auch Naivität, [...]. Die sich selbstständig machen, weil sie wissen, was Ausbeutung ist, und sich lieber selbst ausbeuten, als ausgebeutet zu werden.
Brand1-Redaktionsmitglied Peter Lau, B1 7/2000
Ex-RAF-Mitglied Knut Folkerts in der Jungle World
Da trifft er diese jungen Menschen, die so furchtbar gut gelaunt sind und trotzdem viel Geld verdienen, die voller Hoffnung sind und Optimismus, vielleicht auch Naivität, [...]. Die sich selbstständig machen, weil sie wissen, was Ausbeutung ist, und sich lieber selbst ausbeuten, als ausgebeutet zu werden.
Brand1-Redaktionsmitglied Peter Lau, B1 7/2000
donalphons, 01:56h
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Sonntag, 18. Juli 2004
Täglich wie der Hass
oder halt, es heisst andersrum bei Dino Segre alias Pittigrrilli: Hässlich wie der Tag.

Das Gegenstück zu hier. Weniger die Gebäude, für die einiges an schützenswerter bausubstanz niedergerissen wurde. Aber besonders die Fläche in der Mitte. Wie wär´s mit ein wenig Grün? Es ist alles so praktisch, so sauber. Mehr aber auch nicht.
Der oberste Stock heisst bei mir "Smokers Alley". Sie qualmen nicht ihre Bude voll. Sie gehen raus. Und das sieht dann halbliterarisch so aus.

Das Gegenstück zu hier. Weniger die Gebäude, für die einiges an schützenswerter bausubstanz niedergerissen wurde. Aber besonders die Fläche in der Mitte. Wie wär´s mit ein wenig Grün? Es ist alles so praktisch, so sauber. Mehr aber auch nicht.
Der oberste Stock heisst bei mir "Smokers Alley". Sie qualmen nicht ihre Bude voll. Sie gehen raus. Und das sieht dann halbliterarisch so aus.
donalphons, 01:29h
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