: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 5. April 2004

Hinrichtung 1. Klasse

für BvBS in der FAZ.

Das hat er nun davon, dass er seine Platten nicht über die FAZ verkaufte und kein Buch über die Altersfalle der Gesellschaft schreibt, oder zumindest einen Artikel über die Berliner Galeristenszene in Monopol.

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Samstag, 3. April 2004

Alexoholkrank

Alles andere ist schon irgendwie weg und matschig. Dann lassen die Augen nach. Alles dreht sich. Farben zerfliessen in der Dunkelheit, mitten auf dem Platz. Schritte, geradeaus, schräg, immer wieder knapp am straucheln, weiter, die Drehung wird schneller. Zu schnell. Sein Kopf kommt nicht mit.



Irgendwie schafft er es, sich an einem Pfosten festzuhalten. Er atmet schnell und stossweise, senkt den Kopf und wartet. Es kommt nicht. Erst, als er den nächsten Schritt machen will, schiesst die gelbe Brühe aus seinem Mund und klatscht auf die Pflastersteine.

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Donnerstag, 1. April 2004

Leid macht weich. Zu weich.

(langer Eintrag, sorry. Some don´t like that)

Ende der 80er war ich in Amerika. Was mir die Städte und das Land gründlich vermieste, war das Elend, das für einen Mitteleuropäer unglaubliche Elend in den Städten. So ähnlich geht es mir heute in Berlin, ich sehe all den Schmutz, das Leid und den Zerfall. Es gibt in Berlin keine Professorentöchter, die sich neckisch downdressen. Wer in Berlin arm aussieht, ist auch arm. 17% der Bewohner von Mitte beziehen Sozialhilfe.

Als ich vorgestern beruflich, freiwillig, unbedingt zum Luftholen nach den Berliner Wochen nach München fuhr, hielt ich kurz hinter der Stadt an einem Rastplatz an, um Cola für die lange Fahrt zu kaufen.Vor der Tanke sass ein Mädchen auf dem Rasen, dünn, kurze blonde Haare, leicht slawische Gesichtszüge, wie sie bei den Preussen üblich sind, mit einem Rucksack, und fragte mich, ob ich sie in Richtung Leipzig mitnehmen könnte. Ich fahre am liebsten allein, aber nach drei Wochen Elend, dem dauernden Ablehnen von Beiträgen und den traurigen Geschichten solcher Mädchen fehlte mir irgendwo die Kraft zum Lügen.

Sie machte sich auf dem Beifahrersitz ganz klein, spielte nur manchmal am Radio rum und summte bei Blumfeld mit. Sie wollte nicht glauben, dass man als Münchner Journalist nach Berlin versetzt werden kann, wo es doch keine Jobs gibt, wie die, die sie selbst auch nicht hat. Studieren macht sie auch nicht mehr. Es ist alles sehr schwer geworden in Berlin. Bis 2002 hatte sie Arbeit, erst bei einem Startup als Mädchen für alles, dann noch eine Weile in einer Bar, und jetzt weiss sie auch nicht, sie bewirbt sich für Praktikas, aber sie bräuchte eines mit Bezahlung, denn sonst ... ich sagte nicht viel, stopfte sie mit Tropi Frutti, und log viel von dem Blau herunter, das sich über uns im Himmel in die Unendlichkeit spannte - das wird schon wieder, spätestens 2005, oder so.

Ich fuhr dann noch den Umweg, um sie direkt in Leipzig abzusetzen, wo sie mir gerne ihre Handynummer gegeben hätte, aber ihres ist gerade kaputt, sagte sie, aber sie würde mich gern anrufen, wenn sie wieder in Berlin ist, und anschauen, wie das so in der Redaktion ist. Dann ging es weiter, immer nach Süden, über den Harz hinein in die Berge Frankens, wo die Luft sauber ist und die Häuser wie aus dem Bestellkatalog für Gemütlichkeitsprodukte sind.

Die kleinen namenlosen Opfer des Untergangs der New Economy, meine Opfer, wenn man so will, wenn ich daran denke, was ich 2 Leben vorher alles getan habe, diese Opfer waren unnötig und sinnlos. Niemand hat sich damals darüber Gedanken gemacht, es war nur ein fucking Spiel, Doomen mit Companies, wir glaubten, die Gefeuerten würden halt was anderes machen, aber als ich ausgestiegen bin, lag alles in Trümmern und alle Alternativen waren tot.

Im ersten Moment hatte ich damals genug eigene Probleme, ein verdammtes Netzwerk am Hals, ich war eine lebende Bombe und musste hoffen, dass es denen einfach zu riskant war, sich nochmal mit mir anzulegen. Nach einer Weile sprang mein Antrieb wieder an, und ich ging unbeschadet durch die Vernichtung, die ich zu verantworten hatte. Ich bin ein Gewinner der New Economy, I made my share, und die anderen Gewinner können längst wieder mit mir, aber nicht mit den Versagern, die Pleite sind, und die paar zigtausend zerstörten Bios, die am Ende des Massakers namens New Economy stehen, schreibt niemand auf.

Ich kam in München an. Es wurden zwei Tage voller Arbeit, Meetings, Unterhaltungen, Absprachen, und dann heute noch ein Pressetext für einen Freund, ich kann es noch immer, dieses rasen auf der Überholspur im Pulk mit den anderen, es reicht in München zu sein, und ich werde wieder der, der ich vor zwei Leben war. Man wird das nicht los, es steckt in einem drin wie ein ätzendes Gift, dieser New Economy Spirit.

Ist aber auch egal, denkt man sich nach den zwei Tagen, man muss wieder aufbauen, es muss wieder was entstehen, jede verlogene PM, jeder hingedrehte Quote, jedes Hoffnungsprojekt ist vielleicht doch wieder der Hauch, der die Glut wieder zu Feuer macht, und wenn wir erst mal wieder die Welt in Brand setzen, dann schaffen wir es diesmal vielleicht, die alten, verlogenen Säcke der Reaktion in Notwehr zu verbrennen, so wie sie uns seit 2001 auslöschen wollten. Dieses Mal dürfen wir keine Gefangenen machen, dürfen uns nicht belügen lassen von den Alt-68ern, die uns von hinten bekrochen und beim ersten Anzeichen der Krise fallen liessen. Nicht der Hype war der Fehler, sindern die mangelnde Konsequenz in der Umsetzung, und die falschen Freunde in unserem Rücken.



Das war der Stand der Dinge, als ich die Theresienstrasse runter ging. Das Odeon, wo ich das letzte Telefonat mit einer Frau hatte, die bald danach den falschen Cocktail, den definitiv falschen, letzten Cocktail nahm, und die nie erfahren wird, dass unser Dasein damals nicht die einzige Alternative war, auch wenn wir das damals genau so empfunden haben, dieses Odeon liegt schon um 14 Uhr im tiefen Schatten, und ist ausgestorben, eine leere Hülle, tot, zurecht tot, und es ist gut, dass es so leer ist, denn da drinnen geschah damals nichts Gutes. Bestenfalls, später, nach allem, noch ein paar ironische Nachklänge, Interviews am Originalschauplatz der einzigartigen Munich Area

Vielleicht ist das der richtige Moment, um Frieden zu machen. Es muss irgendwann Schluss sein, der Krieg ist vorbei, nur noch nicht in manchen Köpfen, aber es bringt nichts. Man muss sein eigenes Ding tun, Schlussstriche ziehen, und wer kämpfen will: Auch die Zukunft braucht Auseinandersetzungen. Aber hier ist nichts mehr zu gewinnen, das System von damals ist tot, aus, vorbei....



Und dann kommt, die Strasse weiter runter auf der rechten Seite, ein Süssigkeitengeschäft.Oder besser, es kam, bis vor ein paar Wochen. Jetzt ist es weg, Statt dessen expandiert dort der Japaner, der 2 Leben zuvor schon mal in mein Leben trat, mit einer astronomischen Rechnung, die damals in unseren Händen zur Waffe wurde.

Vor dem neuen Laden stehen zwei Typen wie früher, klassische Berateranzüge, so wie ich eigentlich auch, aber das dummdreiste Grinsen im Gesicht, das nur Idioten haben, die Schmerz und Leid nicht kennen wollen und immer irgendwie oben sind oder einen ihrer Clone finden, um sie wieder nach oben zu bringem, ganz gleich, was sie angerichtet haben. Im Vorbeigehen höre ich, wie sie über Spesenrechnungen reden. Einer hat das neue Monopol in der Hand.

Es gab so viele Opfer. Aber ausgerechnet dieser Menschenschlag hat irgendwo überlebt. Der Krieg in den Areas muss weitergehen.

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Sonntag, 28. März 2004

Dieser Begriff ist neu.

Zumindest wird er laut Google noch nirgends verwendet. Nun denn - bevor es ein anderer tut:

APPLIED TERRORISM

Damit kann man was anfangen. Das werden die Feuilletonisten lieben, weil es ihrem Hirnfick bei der Penetration nachhilft. Damit kann man Klagenfurt töten. Einen Stein aufheben, das Panzerglas zertrümmern und sich über die Splitter freuen. Einen Boulevard in die Ausweglosigkeit sprengen.

Bald. 2006, spätestens, sind die Bedingungen gegeben, wenn es so weitergeht.

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Mittwoch, 24. März 2004

Das kommt davon,

wenn man ein subventionsgepudertes Literaturbetriebsprodukt dritter popliterarischer Qualität in ihrer Neubrandingsuche auf die New Economy loslässt:

"Wir sprechen hier von Zombies!" Pause. "Wenn man nur immer diesen Logiken verbunden ist, kann man gar nicht mehr aussteigen. Und das würde ich mit einem vielleicht merkwürdigen Begriff umschreiben: Man wird unmenschlich."

Das kann einem natürlich nicht passieren, wenn man Hörspiele im öffentlich-rechtlichen Kulturgestaltungsauftrag für 0,003% Einschaltquote produziert, damit die vergreisten Hirnficker ah und oh sagen können, und sich schön vor den bösen Jungmanagern und Beratern ekeln.

Und nachdem die 100%-Burnrate solcher Sender ja auch nicht gemessen wird, leistet man sich eben mal eine Runde Abscheu.

Sorry, man kann die New Economy dissen, aber wer nicht dabei war, kann nicht mitreden. Es war eine absolut geile Zeit. Der Kater danach ist normal. Und schlafen können wir, wenn wir tot und die Rögglas vergessen sind.

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Donnerstag, 18. März 2004

In den nächsten Jahren

wird es solche Szenen auch in den reicheren Städten des Westens geben, sagt der Besucher. Die benutzen Berlin nur als Durchgangsstation und gehen dorthin, wo mehr zu holen ist. Müssen sie ja auch, denn wenn es nicht bald besser wird, gibts hier jar nüscht mehr.

Diese Stadt hier noch weiter von der Krise zerfressen? In den 80ern gab es 3 Kultfilme, die zeigen könnten, wie das dann aussieht.

1. Diva. Schöne Vorstellung, aber keine Chance, mal abgesehen von den Killern - der Rest der Besetzung hatte Charme. Charme, wie erkläre ich das in dieser Stadt ... Charme ist ein anderes Mittel als Geld, Literaturagentenvortäuschung oder Abfüllen, um Geschlechtspartner zu finden.

2. Blade Runner. Schon eher. Problem: Niemand hatte damals die Gentechnik auf der Agenda. Die gestylten 80er Replikanten sind out, die missglückten Kurzhaarclone mit Kinderskijacken sind in. Dolly rules.

3. Die Klapperschlange. Hmja. Wenn, dann das. Mauer um Gesamtberlin, das alles sich selbst überlassen. Neuzugängen den prophylaktischen Suizid anbieten.


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Mittwoch, 17. März 2004

Reichtum


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Armut


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Sonntag, 14. März 2004

Das Ende der Revolte

Es ist ein grosser Steinbrocken, den das Proletariät in Händen hielt.

Auf der anderen Seite war nur das fragile Glas des Kapitalismus.

Aber es war stark genug, um das Proletariat aufzuhalten.



Gewonnen hat niemand. Selbst, wenn das Proletariat aufgespürt, verhaftet, verklagt und zu einer Jugendstrafe verdonnert wird. Das System ist negativ, und es ist so stabil wie Panzerglas. Und dem Proletariat fehlt der Mut, der Hass und die ideologische Verblendung, den ganzen Weg zu gehen.

Was man schon daran sieht, dass sie es bei einer Drogerie haben bewenden lassen. Und die Banken, Parteien und Lobbyorganisationen, die ein paar Kilometer Luftlinie entfernt sind, geschont haben.

Am nächsten Morgen geht eine Mutter geht vorbei und hält ihr Kleinkind davon ab, etwas anzufassen.

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Erster Frühlingsabend

Morgen wird in den Berlinern Krankenhäusern, Polizeistationen und Pathologien Bilanz gezogen, und alle werden vielleicht überrascht feststellen, dass es heute kein einziger junger Mensch für nötig erachtet hat, freiwillig aus dem Dasein abzuhauen.



Was definitiv am Wetter liegt. Nicht an der Stadt.

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