: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 13. Dezember 2003

Roll out. So fühlt es sich an.

Niemand sieht uns kommen. Dabei sollten sie es ahnen. Der Typ am Steuer hat schon einmal so einen Angriff geflogen. Danach gab es für die anderen keinen Markt mehr, nur noch eine ausgeglühte Hölle, und niemand interessierte sich für die Nachfolger. Nicht der erste gewinnt, nicht der grösste, sondern der, der alle anderen aus der Atmosphäre putzt. Das ist die Regel des Spiels, das wir ab sofort wieder spielen. Denn seit 18.00 Uhr gibt es kein Zurück mehr.



Bald werden wir auf ihrem Radar sein. Wir sind etwas, das diese Welt noch nicht gesehen hat, und wir hatten Monate für die Planung dieses Einsatzes. Sie werden trotzdem ihre Jäger in einem ungleichen Kampf schicken. Sie werden uns den ganzen Weg verfolgen, aber wir sind schneller. Wir kennen ihre Taktik, ihre technischen Möglichkeiten, und wir wissen, wie unendlich langsam sie im Vergleich zu uns sind. Wir haben sie schon mal abgeschossen. Wir werden es wieder tun.

Aber noch durchschneiden wir ungehindert die Atmosphäre der ewigen Nacht des Netzes. An den Spitzen der Propeller glüht die Luft schon jetzt neongelb wie Phosphor. Wir sind noch nicht mal auf halber Angriffsgeschwindigkeit. Noch sind die gewaltigen Kompressoren abgeschaltet. Aber bald werden sich die Walzen drehen, und dann brüllen die Zylinder unter vollem Druck. Statt Kerosin haben wir Nitroglycerin im Tank.

Es ist wieder da, das Startup-Feeling, wenn sich das Leben zum schmalen Abgrund verengt, und die Zeit wird wie Papier verknittern, bis sie sich dann letztlich in flüssig wird. Die Luft wird brennen, wenn wir vorbeifliegen.

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Dienstag, 9. Dezember 2003

Es ist zu spät

Der Anflug hat begonnen. Die Kurve noch, und dann sind wir im Zielgebiet. Neben uns donnern die schweren Motoren und spucken papierweisse Kondensstreifen in das Nichts des Netzes.

Es ist sternenklar, und vor uns auf den Hügeln und in den Gräben scheint das Feuer kleiner Kämpfe und Massaker auf. Sie schauen nicht nach oben, im Erdkampf aller gegen alle. Wir waren wie sie, aber wir haben diesen Nachtjäger entwickelt, die Crew gefunden und uns eine neue Dimension geschaffen. Sie werden das nicht verstehen, und wenn wir über ihnen sind, blicken sie hoch und werden mit Dreck und Steinen werfen.

Doch wir sind zu schnell. Wir werden über sie hinwegbrüllen, ihr blinder, dummer Hass wird uns antreiben, hinein in das eigentliche Ziel, in die verdammte Stadt der Etablierten, wo die grellen Fassaden auf der Vernichtung harren, die bereits ihre Eingeweide verzehrt. Sie erwarten uns nicht, sie wissen noch nicht mal, dass es uns gibt, aber wenn wir kommen, werden unsere Freunde den Weg durch die Flakstellungen weisen.



Das kalte Licht der Abwehrbatterie wird uns nicht blenden. Das Belfern ihrer windigen MGs stört uns nicht. Wenn sie uns sehen, ist es schon zu spät. Wir sind zu schnell.

Bevor sie wissen, was wir sind, werden die Bomben in ihr Zentrum fallen. Und es gibt nichts, was den Brand löschen kann.

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Montag, 8. Dezember 2003

Remastered

In der Schule überlegten Wir, wer welche Platten kaufte. Dann gingen sie Reih um, und es gab immer einen coolen blonden Typen, der seine Platten nie verlieh, aber sich alle auf Kasette überspielte. Dann verlor er die Platte auf einer Party und gab dem früheren Besitzer die Kasette, sie sowieso viel praktischer war. Die Platte tauchte später bei einer Frau auf, mit der der coole Blonde etwas zu haben schien. Damit waren Frau und Platte verloren.

Der Blonde studierte BWL nach dem Wehrdienst und wirkte genervt, wenn er jemanden aus seiner alten Stadt im Dorian Grey sah. Er war früh genug dran, um heute noch einen Posten zu haben, der sicher ist. Halbwegs. Zumindest liegt dort am Montag noch ein Freiexemplar der FASZ.



Er wird das Bild links oben sehen und sich an die Zeit erinnern, wo andere die Platten im Müller kauften, die er dann verschenkte. Sie hat sich zwar nicht deflorieren lassen, weil das schon ein anderer gemacht hatte, und sie wollte nicht als seine Freundin gelten. Aber die Platte brachte ihm zumindest ein vorteilhaftes Gerücht ein. Das Bild gefällt ihm. So aufgeilend hat er sie sich damals gewünscht. Und er kennt den Benefit, den Vinyl verspricht. Er findet es amüsant, dass ihn die FASZ-Redakteure durchschaut haben.

Das Mädchen hat inzwischen geheiratet und wohnt in der Vorstadt. Ihr Mann ist Ingenieur. Die Platten stehen im Speicher, darunter auch die äusserst seltene erste Pressung von Yello.

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Sonntag, 7. Dezember 2003

FASZ

Als ich um 9 Uhr das Haus verliess, um in die alte Pinakothek zu gehen, lag dort, in einer weissen Tüte, die FASZ, eines der letzten Ambitionen habenden Printprodukte der Hype-Ära. Sie liegt eigentlich fast jeden Sonntag hier. Die FAZ glaubt, dadurch Kunden in diesem Haus voller Eigentumswohnungsbesitzer zu gewinnen.

Der langgestreckte Raum mit den kleinen Stilleben ist immer leer. Nur manchmal kommt ein Japaner, schaut irritiert die dunklen Leinwandfetzen an, und geht dann wieder hinaus zu den Schlachtengemälden. Den Sebatsian Stosskopf habe ich für mich allein. Nur noch wenige verstehen den Aufschrei der Abwesenheit.

Als ich drei Stunden später wiederkomme, liegt die FASZ immer noch da, in ihrem Plastikkleid, das ihr jemand hochgeschoben hat, ohne sie zu nehmen. Sie ist am Rand angeknittert, nicht mehr glatt wie die Haut einer Praktikantin aus gutem Hause mit angesehenem Dermatologen. Sie ist schon auf dem halben Weg im Altpapier, und niemand wird zwischen den Zeilen von der Angst der Redakteure um ihren Arbeitsplatz lesen.

Ich nehme sie mit. Seit Illies weg ist und Möllemann keine Interviews mehr gibt, ist sie im dieser Form in Ordnung. Ausserdem brauche ich eine Mülltüte, und die Zeitung nackt liegenzulassen würde von zu wenig Standesbewusstsein Zeugnis ablegen.

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Donnerstag, 4. Dezember 2003

Ich bin´s.

Der böse Don von Dotcomtod. Und in ein paar Wochen ist auch klar, warum auch hier und nicht nur dort

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