: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 2. Februar 2018

Brandenburger Frustration

Ich habe vor ein paar Monaten bei Ebay einen Rahmen gekauft, ohne nachzuschauen, ob der auch verschickt wird. Wurde er nicht. Und er war auch reichlich weit weg, nördlich von Berlin. Es dauerte also jetzt 4 Monate, bis ich die Gelegenheit hatte, ihn abzuholen: Ein Look KG131, mit 3 Rohren aus Carbon und der Rest aus Alu. Im Prinzip wie ein alter, geklebter Alan- oder Vitusrahmen, nur mit Carbon an den Stellen, wo es unkritisch ist. Einen KG 181 aus dieser Zeit habe ich schon, da ist die Carbongabel im Kopf gerissen. Und auch an anderen Stellen schaut es wüst aus. Hier nun sind 200 Gramm mehr auf den Rippen, für deutlich mehr Sicherheit: Alugabeln sind altbewährt und brechen fast nie, und der Rahmen ist in einem recht guten Zustand.



Die Idee war und ist nach dem Erwerb einer Shimano 105 3x9 Gruppe für lachhafte 50€ der Aufbau eines besonders billigen Alpenrades - vor dem Hintergrund, dass der Rahmen so viel gekostet hat, wie normalerweise Steuersatz, Sattelstütze, Cinelli-Lenker und Vorbau zusammen. Lenker und Vorbau gehen in ein anderes Projekt und sorgen dafür, dass diesews Rad unter der 300€-Grenze bleibt, und eigentlich war der Aufbau einfach. Bis ich versuchte, die Aussenhülle durch das Oberrohr zu fädeln. Da habe ich drei Tage immer wieder Züge eingeführt, gestochert, Züge geboben, weiter gestochert - es ging nicht. Letztlich musste ich die verklebte Abdeckkappe herausbrechen und feststellen, dass das Führungsrohr hinten nicht in die Öffnung führte. Man sollte denken, das wäre bei so einem Produkt besser gelöst, aber nein.

Anfänger wären mit solchen Problemen vermtlich völlig überfordert, und das kunstvolle Abbrechen von eigentlich nicht abbrechbaren Klebeteilen auf Carbon sollte man auch schon mal gemacht haben. Kauft euch Rahmen mit offen liegenden Zügen, da weiss man, was man hat, und man sieht, woran es fehlt. Jetzt ist die wilde Mischung mit vielen Teilen aus der Restekiste fast fertig, es fehlt eigentlich nur noch schönes Wetter.

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/Lauer

Als der frühere Piraten- und jetzige SPD-Anhänger Christopher Lauer im letzten Bundestagswahlkampf einen AfD-Wähler geoutet hat und dessen Identität ins Netz stellte, hatte ich ein Hintergrundgespräch mit einem relativ wichtigen, älteren Mann innerhalb der Bayern-SPD - wie es der Zufall will, kenne ich da ein paar Leute. Es war einer von denen, die kommen sahen, was dann tatsächlich bei der Wahl auch passiert ist, und der schon länger weiss, dass die Partei zunehmend den Kontakt zur Realität der Kernwähler verliert - speziell die eher linke, auf München und Nürnberg konzentrierte Bayern-SPD. Der Mann war von Lauers Aktivismus ziemlich entsetzt und meinte damals, der würde mit dieser Art in der Partei ganz sicher nicht nach oben kommen: Es sei ein Kardinalfehler, das Opfernarrativ der AfD zu füttern, indem man auch noch ihre kleinsten Wähler wie Kriminelle verfolge und versuche, sie beruflich zu beschädigen. O-Ton: Der werd bei uns nix meah.

Ich habe damals den geplanten Beitrag aufgrund der Geschwindigkeit der Ereignisse nicht geschrieben, aber nach dem, was man so hörte, hat sich Lauer tatsächlich den Weg zur parteiinternen Förderung verbaut. Wer weiss, vielleicht spielte damals auch der Wunsch mit, sich der Partei als tatkräftiger Macher zu zeigen - falls es so gewesen sein sollte, war es wenig hilfreich. Es sieht übrigens auch nicht so aus, als würde ein geschwächter Schulz irgendwelche GroKo-Wohltaten unter den Lobos dieser Nation mit der Sozispezi-Internetcharta verteilen können. Geld für Brüssel und Familiennachzug für "subsidiär Geschützte" waren der SPD wichtiger als irgendwelche Leute aus dem Netz.

Lauer hätte für die SPD vielleicht was tun können, wenn er nach der Outingnummer einen Rückzieher gemacht hätte, aber er spielte sich zumindest im Netz weiter in den Vordergtund, und gibt erst jetzt, nachdem er die Jugend im Tagesspiegel vergeblich zu einem Streik gegen die Alten aufgerufen hat, von sich aus auf.

Es will lieber studieren und promovieren, und er meint:

"Voraussetzung dafür wäre natürlich, eine entsprechende Förderung für diese Forschung zu erhalten."

Natürlich, aha, soso. Da schau an. Natürlich Förderung. Nun ja. Ausserdem wendet er sich dem Erwerbsleben zu:

"Aber auch mit einer Festanstellung hätte ich momentan kein Problem, wenn Aufgabenbereich und Rahmenbedingungen stimmig sind"

Mir ist das tatsächlich einmal in meinem Leben passiert, bei Frank Schirrmacher, der mir Honig ums Maul schmierte wie allen anderen auch, und mich behielt, weil ich das nicht wollte und bei den Blogs so malocht habe, dass ich nach 6 Monaten eine Mittelhandknochenentzündung vom Kommentieren und Editieren hatte. Ich bin noch da, weil Schirrmacher wusste, dass ich auch um 3 Uhr in der Früh noch erreichbar war und einen Hunger nach Rabatz und Debatten hatte. Ich habe nicht nach stimmigen Rahmenbedingungen gefragt,. sondern geschaut, was die anderen leisten, und versucht, doppelte und dreifache Leistung zu bringen. Lauer durfte auch ein paar Texte bei der FAZ abliefern, wie auch andere Piraten: Inzwischen macht er halt Videokolumnen beim Tagesspiegel.

Und ich habe mir einige Aspekte seines Vortrags, die ähnlich realistisch wie seine Erwartung an die Erwerbsarbeit sind, jetzt einmal genauer angeschaut und mit etwas Erfahrung unterfüttert. Es war nämlich schon immer so, dass man für die Arbeit ein wenig mehr tun musste, als Forderungen zu stellen, und ich hoffe, der alte Bayernsozi liest diesen Beitrag. Leider ist es für die Partei zu spät, es gibt da zu viele, die auf ihren Posten kleben und ähnlich verächtlich über die denken, die wirklich arbeiten und nicht einfach nur erwarten, dass ihnen jemand das Angenehme präsentiert.

Vielleicht war's das von ihm. Aber ich fürchte, spätestens wenn es Die Linke zerlegt, wird er wieder auftauchen.

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