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Freitag, 6. Februar 2004
Rosa Haare
Er ist ein Restbestand. Ein Fragment einer zertrümmerten Kultur. Herabgeschlunzt wie die meisten in dieser Stadt, in diesem Viertel, das sie hier "Kiez" nennen, weil es so heimatlich klingen soll, wie es garantiert nicht ist, mit den Drogendealern an den Telefonzellen, den Gebrauchtmärkten, bei denen es keine Rechnungen gibt, und den strategisch verstreuten Thai-Bordellen.
Inmitten dieses unspektakulären Dauerniedergangs steht also der Typ an der Kasse, gebückt, in den frühen 60ern, vielleicht auch jünger und durch den Lebenswandel vorzeitig gealtert. Er dreht Zigaretten selbst, wie damals vor dem Springer-Hochhaus. Und die Haare sind rosa gefärbt. Bis heute.
Er hat es nicht rausgeschafft zu den noblen Vororten, wo seine Mitkämpfer von damals heute residieren. Er hat den Zeitpunkt verpasst, zu dem man sich am Besten eingliedert und von der Reaktion gut bezahlen vulgo kaufen lässt. Seine Haare sind so fettig wie die der meisten älteren Männer in Berlin a. d. Spree, wo Körperpflege wenig gilt, aber die Haare sind rosa, und das macht den Unterschied zu den Kotzfressen der Blockwartclone, die sonst in diesem Viertel den Ton angeben.
Hin und wieder schnieft er die Nase bewusst proletarisch und laut hoch. Die alte Schachtel vor ihm im falschen Lammfell schaut angedisst. Den Wodkaflaschen nach zu schliessen, hat er ein erhebliches Alkoholproblem. Vielleicht ist das dafür verantwortlich, dass er den Marsch durch die Institutionen nicht geschafft hat. Und weiter an die Revolte glauben muss, bis das Vergessen im Wodka einsetzt.
Inmitten dieses unspektakulären Dauerniedergangs steht also der Typ an der Kasse, gebückt, in den frühen 60ern, vielleicht auch jünger und durch den Lebenswandel vorzeitig gealtert. Er dreht Zigaretten selbst, wie damals vor dem Springer-Hochhaus. Und die Haare sind rosa gefärbt. Bis heute.
Er hat es nicht rausgeschafft zu den noblen Vororten, wo seine Mitkämpfer von damals heute residieren. Er hat den Zeitpunkt verpasst, zu dem man sich am Besten eingliedert und von der Reaktion gut bezahlen vulgo kaufen lässt. Seine Haare sind so fettig wie die der meisten älteren Männer in Berlin a. d. Spree, wo Körperpflege wenig gilt, aber die Haare sind rosa, und das macht den Unterschied zu den Kotzfressen der Blockwartclone, die sonst in diesem Viertel den Ton angeben.
Hin und wieder schnieft er die Nase bewusst proletarisch und laut hoch. Die alte Schachtel vor ihm im falschen Lammfell schaut angedisst. Den Wodkaflaschen nach zu schliessen, hat er ein erhebliches Alkoholproblem. Vielleicht ist das dafür verantwortlich, dass er den Marsch durch die Institutionen nicht geschafft hat. Und weiter an die Revolte glauben muss, bis das Vergessen im Wodka einsetzt.
donalphons, 00:32h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 3. Februar 2004
Saniert
Manche Leute sind sich zu nichts zu schade: Ungeachtet des offensichtlichen Zustands wird aufgehübscht, aufgesext und gelogen, was das Zeug hält, bei Branchen wie Maklern und Gebrauchtwagenhändlern. Hier ein besonders krasses Beispiel, gesehen an der bevorzugten Wohnlage Tübinger Zahnarzttöchter, der Kastanienallee:

Der Putz ist weitgehend ab, der Rest wurde angesichts der Einschussslöcher seit 1939 nicht mehr gepflegt, überall sind Wasserschäden - aber das Plakat ist frisch, rein, peppig.
Das Problem bei der New Economy ist, dass es dort keine erkennbaren Ruinen mehr gibt. Startups werden einfach vom Netz genommen und gammeln deshalb nicht, Ex-CEOs verkriechen sich, oder kommen mit brandbneuen Visitenkarten wieder. Ausgerechnet in unserer von Bildern geprägten Gesellschaft gibt es keine Visualisierung der Katastrophe, selbst so einer wie Alexander Falk schmort ohne aufregenden Bildbericht im Knast.
Und mit dem Thema Social Networking werden auch schon wieder schöne Plakate aus den virtuellen Fenstern gehängt, mit tollen Versprechungen, so viel, dass schon wieder viele nicht mehr auf die Fäulnis daneben sehen. Gerade Journalisten sind da etwas betriebsblind.
Und singen: "Auferstanden aus Ruinen..."

Der Putz ist weitgehend ab, der Rest wurde angesichts der Einschussslöcher seit 1939 nicht mehr gepflegt, überall sind Wasserschäden - aber das Plakat ist frisch, rein, peppig.
Das Problem bei der New Economy ist, dass es dort keine erkennbaren Ruinen mehr gibt. Startups werden einfach vom Netz genommen und gammeln deshalb nicht, Ex-CEOs verkriechen sich, oder kommen mit brandbneuen Visitenkarten wieder. Ausgerechnet in unserer von Bildern geprägten Gesellschaft gibt es keine Visualisierung der Katastrophe, selbst so einer wie Alexander Falk schmort ohne aufregenden Bildbericht im Knast.
Und mit dem Thema Social Networking werden auch schon wieder schöne Plakate aus den virtuellen Fenstern gehängt, mit tollen Versprechungen, so viel, dass schon wieder viele nicht mehr auf die Fäulnis daneben sehen. Gerade Journalisten sind da etwas betriebsblind.
Und singen: "Auferstanden aus Ruinen..."
uceda, 23:57h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 2. Februar 2004
Er wird es nicht mögen
Wir haben lange darüber gesprochen, rumgetan, es gibt über ein Dutzend Entwürfe, aber nur einer hat etwas getaugt. Aber auch da - ne, also, hm. Dann das, quasi beim ersten Anflug auf Berlin:

Das isses. So sieht die Welt für diejenigen aus, um die es hier geht. Drinnen alles kühl, abweisend und leer, sie sind draussen und dürfen nicht rein. Es regnet. Und die Nacht will nicht enden.

Das isses. So sieht die Welt für diejenigen aus, um die es hier geht. Drinnen alles kühl, abweisend und leer, sie sind draussen und dürfen nicht rein. Es regnet. Und die Nacht will nicht enden.
donalphons, 01:39h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 1. Februar 2004
Real life 30.01.2004 - Agentenjagd
In der Pause gehe ich vor aufs Podium und frage, ob ein bestimmter Typ da ist. Ne, meint eine der Semiglatzen, der ist heute nicht da, aber morgen im Kaffee Burger. Und schreibt mir die Adresse auf. Ich beschaffe mir was mittenüberteuertes zum Trinken und warte, bis das Lesen weitergeht.

Dann geht es weiter, einer nach dem anderen kommt vor, liest, haspelt, performed, und das Mädchen in der Runde sprudelt Mikrophonangst und Lampenfieber, bleibt an ihren Worten hängen und rudert mit der Stimme. "Unverbraucht" nannte man das früher in den späten 60ern, heute heisst sowas "authentisch".
Dann sind sie fertig, viel netter Applaus für houseliche Gemütskrankenpflege hier in Mitte, es war auch sehr nicht.comerziell, finden manche.
Besonders die Sparausgabe von Jana Pallaske, die sich den Hinterkopf an der Wand während der Lesung ordentlich verstrubbelt hat. Das sollten die Verlage doch mal bringen, statt dem ganzen blöden Scheiss, gellt sie in die Runde von Leuten, die sich alle nicht kennen, und die Töne zerbersten an den dicken Backsteinmauern, die wohl lieber die Fickgeschichten der Bierbrauer hören würden, die früher hier arbeiteten.
Von allen Seiten wird die Stille ein paar Sekunden zugebrabbelt, dann sage ich: Sorry, aber sowas lese ich jeden Tag ein paar Dutzend mal. Das wäre vor drei Jahren sicher verwertbar gewesen, als alle den Hype wollten. Aber heute ist das sowas von durch, es gibt Dückers, Kaminer, Wetzel, Boehning, schiessmichtot, absolut kein USP, den die Verlage brauchen.
Wieder Stille. In den Köpfen der mir Unbekannten knattern Gedanken im Takt eines Maschinengewehrs. Der da redet von USP, hat ein Busiensshandy, trägt Anzug und Dufflecoat, liest täglich Dutzende von...
Bist Du Agent? platzt es gierig aus dem Mädchen heraus.
Nein, nur Journalist, sage ich. Hätte ich zugegeben, dass ich Herausgeber bin, wären sie über mich gekommen und hätten mich mit den Notizbüchern und CD-Roms voller Kunstliteraturprojekte vollgestopft, die in den Tiefen jeder zweiten Tasche dieser Gegend auf den Moment warten, dass man sie einem wichtigen Verlagsmenschen zustecken kann. Was in München die Stories vom VC am Nebentisch sind, der einem ein paar Millionen nach 5 Minuten Gespräch gibt, ist hier die Fama vom Agenten, der Jungautoren vom off-Kastanienbroadway aufsammelt.
Auf dem Weg zum Auto komme ich an einem halben Dutzend orange erleuchteter Kneipen vorbei, in der dritten oder vierten sitzt eine einsame Frau mit viel Haut und Intellektuellenbrille auf einem Barhocker und schreibt was in einen Notizblock.

Dann geht es weiter, einer nach dem anderen kommt vor, liest, haspelt, performed, und das Mädchen in der Runde sprudelt Mikrophonangst und Lampenfieber, bleibt an ihren Worten hängen und rudert mit der Stimme. "Unverbraucht" nannte man das früher in den späten 60ern, heute heisst sowas "authentisch".
Dann sind sie fertig, viel netter Applaus für houseliche Gemütskrankenpflege hier in Mitte, es war auch sehr nicht.comerziell, finden manche.
Besonders die Sparausgabe von Jana Pallaske, die sich den Hinterkopf an der Wand während der Lesung ordentlich verstrubbelt hat. Das sollten die Verlage doch mal bringen, statt dem ganzen blöden Scheiss, gellt sie in die Runde von Leuten, die sich alle nicht kennen, und die Töne zerbersten an den dicken Backsteinmauern, die wohl lieber die Fickgeschichten der Bierbrauer hören würden, die früher hier arbeiteten.
Von allen Seiten wird die Stille ein paar Sekunden zugebrabbelt, dann sage ich: Sorry, aber sowas lese ich jeden Tag ein paar Dutzend mal. Das wäre vor drei Jahren sicher verwertbar gewesen, als alle den Hype wollten. Aber heute ist das sowas von durch, es gibt Dückers, Kaminer, Wetzel, Boehning, schiessmichtot, absolut kein USP, den die Verlage brauchen.
Wieder Stille. In den Köpfen der mir Unbekannten knattern Gedanken im Takt eines Maschinengewehrs. Der da redet von USP, hat ein Busiensshandy, trägt Anzug und Dufflecoat, liest täglich Dutzende von...
Bist Du Agent? platzt es gierig aus dem Mädchen heraus.
Nein, nur Journalist, sage ich. Hätte ich zugegeben, dass ich Herausgeber bin, wären sie über mich gekommen und hätten mich mit den Notizbüchern und CD-Roms voller Kunstliteraturprojekte vollgestopft, die in den Tiefen jeder zweiten Tasche dieser Gegend auf den Moment warten, dass man sie einem wichtigen Verlagsmenschen zustecken kann. Was in München die Stories vom VC am Nebentisch sind, der einem ein paar Millionen nach 5 Minuten Gespräch gibt, ist hier die Fama vom Agenten, der Jungautoren vom off-Kastanienbroadway aufsammelt.
Auf dem Weg zum Auto komme ich an einem halben Dutzend orange erleuchteter Kneipen vorbei, in der dritten oder vierten sitzt eine einsame Frau mit viel Haut und Intellektuellenbrille auf einem Barhocker und schreibt was in einen Notizblock.
donalphons, 13:08h
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Verrat der Ideale
Eine Revolution für eine Frau zu verraten, ist immer gerechtfertigt.
Rainer Langhans, Kommune 1 1971
Die digitale Revolution hat zweifelsohne stattgefunden und mit ihr sind neue Wirtschaftsfelder entstanden, in denen kreative Menschen, potentielle Künstler unheimlich begehrt sind und plötzlich erfolgreich sein können.... Es gibt die reale Option, nicht mehr als Kellner jobben zu müssen, sondern in einem wesentlich naheliegenderen Bereich wie Design oder Gameentwicklung arbeiten zu können.
Gerfried Stocker, Ars Electronica 2001
Rainer Langhans, Kommune 1 1971
Die digitale Revolution hat zweifelsohne stattgefunden und mit ihr sind neue Wirtschaftsfelder entstanden, in denen kreative Menschen, potentielle Künstler unheimlich begehrt sind und plötzlich erfolgreich sein können.... Es gibt die reale Option, nicht mehr als Kellner jobben zu müssen, sondern in einem wesentlich naheliegenderen Bereich wie Design oder Gameentwicklung arbeiten zu können.
Gerfried Stocker, Ars Electronica 2001
donalphons, 01:34h
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Mittonized
in the very heart of the ruins following the german hypes 1933 - 2003.


donalphons, 01:03h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 31. Januar 2004
Alternativ: Regen über Berlin
So richtig fetter, triefnasser Regen, der die Ratten in den Kanälen ersäuft und die letzten, angerosteten Porsches ins Schliddern bringt, in Richtung Bauzaun, der viel zu dünn ist, um sie aufzuhalten, und dahinter gähnt der Abgrund hinunter zu stillgelegten Gleisen ins Nirgendwo. Die Nacht riecht nach Tod, Verderben und den in Pfützen schwimmen Akten, die ein Insolvenzverwalter verloren hat. Irgendwo da draussen weiss ein Ex-Neuökonomist noch nicht, wo er heute Nacht schlafen soll.
Vieles kann heute Nacht geschehen. Sie werden sich in Kneipen treffen und über eine Zukunft reden, die so nicht kommen wird und anders auch nicht. Sie werden über Vorbilder reden, die ihr Scheitern besser verkaufen, und sie werden dem Drang wiederstehen, sich hemmungslos zu betrinken, besaufen ohne Erinnerung, weil es selbst heute noch zu teuer ist in Mitte, im Gegensatz zu den verpantschten Drogen, die sie sich 5 Stunden später am U-Bahnhof kaufen, und danach sitzen sie an den Fenstern und starren hinaus zu den vorbeirasenden grauschlammgrünen Kacheln, die hier schon die Bombennächte 44 und 45 erlebt haben und immer noch dran kleben, wie der Dreck der Metropolengedärme an ihnen selbst.
Zumindest werden sie so zugedröhnt den Gestank in den Tunnels nicht mehr begreifen, und dass der Penner, der sie anmacht, nur sie selbst im Endstadium ist, werden sie nicht verstehen, weil alles in der zähen Flüssigkeit ihres aufgelösten Daseins ersäuft, und dann hinaustreibt unter die zerborstenen Eisschollen ihrer Personality , irrisierend grün und weiss wie der gefrorene Brei auf den Kanälen Berlins.
Vieles kann heute Nacht geschehen. Sie werden sich in Kneipen treffen und über eine Zukunft reden, die so nicht kommen wird und anders auch nicht. Sie werden über Vorbilder reden, die ihr Scheitern besser verkaufen, und sie werden dem Drang wiederstehen, sich hemmungslos zu betrinken, besaufen ohne Erinnerung, weil es selbst heute noch zu teuer ist in Mitte, im Gegensatz zu den verpantschten Drogen, die sie sich 5 Stunden später am U-Bahnhof kaufen, und danach sitzen sie an den Fenstern und starren hinaus zu den vorbeirasenden grauschlammgrünen Kacheln, die hier schon die Bombennächte 44 und 45 erlebt haben und immer noch dran kleben, wie der Dreck der Metropolengedärme an ihnen selbst.
Zumindest werden sie so zugedröhnt den Gestank in den Tunnels nicht mehr begreifen, und dass der Penner, der sie anmacht, nur sie selbst im Endstadium ist, werden sie nicht verstehen, weil alles in der zähen Flüssigkeit ihres aufgelösten Daseins ersäuft, und dann hinaustreibt unter die zerborstenen Eisschollen ihrer Personality , irrisierend grün und weiss wie der gefrorene Brei auf den Kanälen Berlins.
donalphons, 19:36h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 30. Januar 2004
GodowninflamesUtopia
In allen Friseurbaracken, Kreativbruchbuden und sonstigen Slumlöchern der Kastanienallee im Prenzlauer Berg klebt das grüne Plakat an den Fenstern und quietscht Hoffnung in den öffentlichen raum: FlyUtopia! Gichtige alte Weiber schieben missmutig daran vorbei und denken, dass es das unter Hitler und Ulbricht nicht gegeben hätte. Was Transmediale ist, wissen sie nicht, und es ist ihnen auch egal. Nonlinear ist, wenn sie schon an der Kasse stehen und nochmal raus müssen, wenn sie das Schweinehack vergessen haben.
more2come
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donalphons, 20:30h
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Frustbücherei
Für den gepflegten Ausflug ins Jammertal empfiehlt sich die Mitnahme des geeigneten Kursbuchs.
Da sagen einem viele, dass es der richtige Weg ist, den man ins Nichts geht. Lobenswert.
Nur leider nicht lesenswert.
Da sagen einem viele, dass es der richtige Weg ist, den man ins Nichts geht. Lobenswert.
Nur leider nicht lesenswert.
donalphons, 01:30h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 30. Januar 2004
Budapester sind nicht out
auch wenn man im Bereich der Schuhmode noch den Zeiten der New Economy nachhängt. Halfbrokes finden durchaus noch ihre Freunde, gerade weil die Verknappung zu höheren Preisen führt.

Aber darum muss man sich keine Sorgen machen. Wer solche Schuhe trägt, läuft weich und sanft durch Leben. Kann sein, dass sich unter den Sohlen die Reste der Startup-Generation befinden, oder ein paar Praktikanten, die sich ausbeuten lassen müssen.
Die tragen dann gelbe Pumas, oder was der Markt sonst noch für Hungerleider produziert. Zumindest äusserlich sind sie noch immer voll auf neue Ökonomie eingestellt, auch wenn es der Stil der Verlierer ist.

Aber darum muss man sich keine Sorgen machen. Wer solche Schuhe trägt, läuft weich und sanft durch Leben. Kann sein, dass sich unter den Sohlen die Reste der Startup-Generation befinden, oder ein paar Praktikanten, die sich ausbeuten lassen müssen.
Die tragen dann gelbe Pumas, oder was der Markt sonst noch für Hungerleider produziert. Zumindest äusserlich sind sie noch immer voll auf neue Ökonomie eingestellt, auch wenn es der Stil der Verlierer ist.
donalphons, 00:33h
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McK kommt
oder auch nicht.
Change Management wird immer noch als grosses Wort verkauft. Da ist Speck. Da können wir noch was wegschneiden. Wir brechen die Strukturen auf und revolutionieren den Work Flow.
"Wir" tun das, weil sie längst keinen Boden mehr unter den Füssen haben. Das "Wir" ist heute nur noch der Versuch, eine nicht mehr existierende Gemeinschaft vorzutäuschen. Die Berater sind in den Augen vieler Menschen nackt, sie haben die Hosen runter, sie sind Witzfiguren.
Und die Berater selbst würden eigentlich auch gern einen anderen Job mit weniger Hass und aufgesetztem "Wir" haben. Aber der Gerüch der Firmen wird an ihnen kleben bleiben - und die Seilschaften werden sie schön unten halten. Wenn sie so einen überhaupt nehmen.
Change Management wird immer noch als grosses Wort verkauft. Da ist Speck. Da können wir noch was wegschneiden. Wir brechen die Strukturen auf und revolutionieren den Work Flow.
"Wir" tun das, weil sie längst keinen Boden mehr unter den Füssen haben. Das "Wir" ist heute nur noch der Versuch, eine nicht mehr existierende Gemeinschaft vorzutäuschen. Die Berater sind in den Augen vieler Menschen nackt, sie haben die Hosen runter, sie sind Witzfiguren.
Und die Berater selbst würden eigentlich auch gern einen anderen Job mit weniger Hass und aufgesetztem "Wir" haben. Aber der Gerüch der Firmen wird an ihnen kleben bleiben - und die Seilschaften werden sie schön unten halten. Wenn sie so einen überhaupt nehmen.
donalphons, 11:43h
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Markt Mitte
Die Revolte kommt, rufen die bezahlten Auguren am Prenzelberg, am Alex und in Mitte. Die Revolte kommt, singen die Drähte des Netzes. Die Revolte kommt, glauben die Leute in Leipzig und Hamburg, nur weil man es ihnen sagt, und weil sie es glauben wollen.
Sie glauben nicht mehr an das Gute von früher, als das "Wir" noch Zukunft hatte und Kreativität nicht nur bei der Begründung von Entlassungen gefragt war. Aber sie wollen daran glauben, dass es wieder eine Revolte gibt und die Banner der Sorglosigkeit und des Caipi durch die Strassen wehen. Zaghaft summen sie das Lied der Revolte, kaum hörbar noch, aber es kribbelt ihren Rücken runter, wie beim Fick, fuck das war so lange her dass es sich so angefühlt hat, verdammt, und irgendwann werden sie es wieder rausschmetterm.
Und es wird hier sein, in Mitte, wo es am Schlimmsten ist und die Hoffnung verloren ist. Sie werden es aus Verzweiflung tun, aus Chancenlosigkeit und als einzige Alternative zu einem beschissenen kleinen Suizid als Ausweg von der Stütze. Sie werden es tun.
Oder so.
Sie glauben nicht mehr an das Gute von früher, als das "Wir" noch Zukunft hatte und Kreativität nicht nur bei der Begründung von Entlassungen gefragt war. Aber sie wollen daran glauben, dass es wieder eine Revolte gibt und die Banner der Sorglosigkeit und des Caipi durch die Strassen wehen. Zaghaft summen sie das Lied der Revolte, kaum hörbar noch, aber es kribbelt ihren Rücken runter, wie beim Fick, fuck das war so lange her dass es sich so angefühlt hat, verdammt, und irgendwann werden sie es wieder rausschmetterm.
Und es wird hier sein, in Mitte, wo es am Schlimmsten ist und die Hoffnung verloren ist. Sie werden es aus Verzweiflung tun, aus Chancenlosigkeit und als einzige Alternative zu einem beschissenen kleinen Suizid als Ausweg von der Stütze. Sie werden es tun.
Oder so.
donalphons, 03:48h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 28. Januar 2004
Real Life 27.1.04 - 13. Stock
Dass er die Fliegeruhr deutscher Bomberpiloten des 2. Weltkriegs trägt, hat nichts zu bedeuten. Die gleiche trage ich seit Jahren auch, denn es ist Krieg da draussen, in meiner New Economy und seiner inneren Sicherheit. Die Uhr passt zu uns, denn wir haben nicht viel Zeit. 20 Minuten bis zum Ziel.
Links neben uns geht das ssk ssk der Kamera los. Wir beide sind nach vorne gebeugt, niemand weicht dem Blick des anderen aus. Wer in Wackersdorf war, hat keinen Respekt vor Innenministern, und wer in Stammheim war, kennt seine Journaille. Fragen schwirren durch den Raum, gekürzt, abgehackt, schnell, der PR-Chef hat das so nicht besprochen, aber egal, es ist wenig Zeit, da wird gehobelt.
Die Quotes sitzen, er geht manchmal aus der Reserve, wie man das als Journalist mag. Wir schlagen ein paar Haken um das Thema Zuwanderung, irgendwann gibt er den ganz Harten, wie man das von ihm kennt: Er sagt es leise, und mit genau dem Blick, bei dem der Photograf den Film nur so durchjagt, ssk ssk ssk. Klasse Sache, wenn es so im Interview läuft. Jeder Satz ein Präzisionsabwurf, nur manchmal ist da etwas Unsicherheit, aber wenn man das Gespräch ernst meint, gehört das dazu.
Nach 21 Minuten 57 Sekunden sind wir fertig, und 5 Sekunden später platzt der Assisten rein - der Wagen wartet.
Komisch, meint mein 10 Jahre jüngerer Photograf, als wir unten an der Wache des Bundesgrenzschutz vorbeigehen, ich habe wirklich versucht mir vorzustellen, wie der mit den Leuten der RAF gesprochen hat, aber es geht nicht.
So sind sie nun mal geworden, die 68er, sage ich.
Warum eigentlich? Muss das immer so laufen?
Vielleicht. Entweder man stirbt als Rebell, oder der Rebell stirbt in einem.
Und dann verlassen wir Alt-Moabit. Irgendwo dahinten verlieren sich die Doppeltürme des Innenministeriums im dunkelgrauen Nebel des Berliner Nachmittags. Im 13. Stock brennt kein Licht mehr.
Links neben uns geht das ssk ssk der Kamera los. Wir beide sind nach vorne gebeugt, niemand weicht dem Blick des anderen aus. Wer in Wackersdorf war, hat keinen Respekt vor Innenministern, und wer in Stammheim war, kennt seine Journaille. Fragen schwirren durch den Raum, gekürzt, abgehackt, schnell, der PR-Chef hat das so nicht besprochen, aber egal, es ist wenig Zeit, da wird gehobelt.
Die Quotes sitzen, er geht manchmal aus der Reserve, wie man das als Journalist mag. Wir schlagen ein paar Haken um das Thema Zuwanderung, irgendwann gibt er den ganz Harten, wie man das von ihm kennt: Er sagt es leise, und mit genau dem Blick, bei dem der Photograf den Film nur so durchjagt, ssk ssk ssk. Klasse Sache, wenn es so im Interview läuft. Jeder Satz ein Präzisionsabwurf, nur manchmal ist da etwas Unsicherheit, aber wenn man das Gespräch ernst meint, gehört das dazu.
Nach 21 Minuten 57 Sekunden sind wir fertig, und 5 Sekunden später platzt der Assisten rein - der Wagen wartet.
Komisch, meint mein 10 Jahre jüngerer Photograf, als wir unten an der Wache des Bundesgrenzschutz vorbeigehen, ich habe wirklich versucht mir vorzustellen, wie der mit den Leuten der RAF gesprochen hat, aber es geht nicht.
So sind sie nun mal geworden, die 68er, sage ich.
Warum eigentlich? Muss das immer so laufen?
Vielleicht. Entweder man stirbt als Rebell, oder der Rebell stirbt in einem.
Und dann verlassen wir Alt-Moabit. Irgendwo dahinten verlieren sich die Doppeltürme des Innenministeriums im dunkelgrauen Nebel des Berliner Nachmittags. Im 13. Stock brennt kein Licht mehr.
donalphons, 00:10h
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