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Sonntag, 25. Januar 2004
Relikt
Content Syndication war eine Totgeburt. 2000 wurde sie noch als Rettung der New Economy gefeiert, als Revolution im Umgang mit Inhalten. Nichts wäre online besser zu verkaufen als Content. Information sollte endlich auch im Netz zur Ware werden; direkt als Bezahlinhalt oder indirekt als Lockmittel für User. Content is king. Sagten die Inhaltehändler, damals.
Dann gingen sie pleite, denn alle Analysen waren falsch. Niemand zahlte. Nur Napster boomte, und andere entwickelten eMule. Die Syndikatoren verbrannten nur ihr Geld, und wenn sie Glück hatten, verkauften sie die Reste ihrer Firmen an die Grossen der Verlagsszene, die sich auch eine blutige Nase holen wollten.
Von Tanto aus München bleibt nach 5 Jahren nur der Name übrig. Es gibt ein anderes Geschäftsmodell, andere Leute, und die Doppeldeutigkeit des Namens kennen sie nicht mehr. Natürlich kommt Tanto vom lateinischen Wort für "alles" - aber es setzte sich auch aus den ersten Silben der Vornamen der Gründer zusammen. Wo die heute sind? Keine Ahnung. Eigentlich schade drum. Die Frau mit dem "Tan" war eine Nette.
Aber auch die kleine, schmächtige Mercedes, nach der die Autos benannt sind, ist heute weitgehend vergessen. Ob es tanto aber je zum Weltkonzern schaffen wird, darf bezweifelt werden.
Dann gingen sie pleite, denn alle Analysen waren falsch. Niemand zahlte. Nur Napster boomte, und andere entwickelten eMule. Die Syndikatoren verbrannten nur ihr Geld, und wenn sie Glück hatten, verkauften sie die Reste ihrer Firmen an die Grossen der Verlagsszene, die sich auch eine blutige Nase holen wollten.
Von Tanto aus München bleibt nach 5 Jahren nur der Name übrig. Es gibt ein anderes Geschäftsmodell, andere Leute, und die Doppeldeutigkeit des Namens kennen sie nicht mehr. Natürlich kommt Tanto vom lateinischen Wort für "alles" - aber es setzte sich auch aus den ersten Silben der Vornamen der Gründer zusammen. Wo die heute sind? Keine Ahnung. Eigentlich schade drum. Die Frau mit dem "Tan" war eine Nette.
Aber auch die kleine, schmächtige Mercedes, nach der die Autos benannt sind, ist heute weitgehend vergessen. Ob es tanto aber je zum Weltkonzern schaffen wird, darf bezweifelt werden.
donalphons, 16:12h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 24. Januar 2004
Flame-nwerfer
cato, Freitag, 23. Januar 2004, 21:12
“Hi, I´m xyz from xyz.com, that´s cool, eh?”
“kam jemand auf mich zu und fragte, was ich von einer gewissen New Economy Firma halten würde”
Frage: was hast Du Mitte 1999 von der New Economy gehalten? Ehrliche Antwort bitte. Bitte nichts mit “Das habe ich alles schon vorher gewusst”.
1999, als alle nachts an strahlenden Monitoren die US-Hype-Onlinepostillen lasen, als die highways im SilValley mit jedweden .com-Plakaten zugepflastert waren, studentische Hausmeisterehepaare aus den nördlichen Stadtteilen vom “next big think” träumten und jeder einigermassen hype SilValley-Mensch einem am Telefon entgegen rülpste: “Hi, I´m xyz from xyz.com, that´s cool, eh?”
“Es war nur die Frage, auf welchem Deck des Schiffes man absaufen wollte.”
Seien wir ehrlich. Wenn denn schon, wollten wir alle möglichst weit oben auf den besten Decks absaufen. VC war cooler war als ein DB oder Coba-Bankkredit. -Und leichter zu bekommen.
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donalphons, Samstag, 24. Januar 2004, 12:35
He, Du alte Römerwursthaut,
der Du anonym in meinem Blog Forderungen aufstellst: Wieso sollte ich Dir antworten?
Ich kann´s Dir schon sagen: Ich beschäftige mich seit 1997 mit dem Thema. Ich weiss, was die Prognosen für 98, 99 ff versprochen haben. In diesem geschäft, ganz gleich ob VC oder Kredit, hängt alles von der Richtigkeit der Prognosen ab. Nur wenn die Prognosen übertroffen werden, kann man sich ein drittklassiges Management leisten.
Allerdings zeigte sich schon 1998, dass die Prognosen (besonders im erwähnten Bereich) nicht stimmten. Die verantwortlichen Institute berechneten schnell ein noch grösseres Wachstum, um das in den Folgejahren zu kompensieren. Aber um so eine aus dem Ruder laufende Geschäftsentwicklung zu überstehen, braucht man erstklassige Leute, die die nicht hatten.
Ich hatte nie eine einzige Aktie. Ich war zwar mittendrin, aber auch nur dabei. Ich bin eigentlich Kulturhistoriker und wundere mich über gar nischt. Nur ein weiterer Hype, so what. Take the money and run before everything goes down in flames, war meine Devise.
Was ich mir hingegen nicht vorstellen konnte ist, dass die gesamte Kultur der New Economy ausgelöscht werden würde. Die Startups - da war 1999 klar, dass der Big Bang kommen würde. Aber die Einstellung der Leute? Das war unbegreiflich. Wo sind die heute alle hin? Was wurde aus den Träumen, der Ideologie, dem Glauben?
Deshalb auch dieses Blog. Nicht wegen so ein paar Startups.
“Hi, I´m xyz from xyz.com, that´s cool, eh?”
“kam jemand auf mich zu und fragte, was ich von einer gewissen New Economy Firma halten würde”
Frage: was hast Du Mitte 1999 von der New Economy gehalten? Ehrliche Antwort bitte. Bitte nichts mit “Das habe ich alles schon vorher gewusst”.
1999, als alle nachts an strahlenden Monitoren die US-Hype-Onlinepostillen lasen, als die highways im SilValley mit jedweden .com-Plakaten zugepflastert waren, studentische Hausmeisterehepaare aus den nördlichen Stadtteilen vom “next big think” träumten und jeder einigermassen hype SilValley-Mensch einem am Telefon entgegen rülpste: “Hi, I´m xyz from xyz.com, that´s cool, eh?”
“Es war nur die Frage, auf welchem Deck des Schiffes man absaufen wollte.”
Seien wir ehrlich. Wenn denn schon, wollten wir alle möglichst weit oben auf den besten Decks absaufen. VC war cooler war als ein DB oder Coba-Bankkredit. -Und leichter zu bekommen.
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donalphons, Samstag, 24. Januar 2004, 12:35
He, Du alte Römerwursthaut,
der Du anonym in meinem Blog Forderungen aufstellst: Wieso sollte ich Dir antworten?
Ich kann´s Dir schon sagen: Ich beschäftige mich seit 1997 mit dem Thema. Ich weiss, was die Prognosen für 98, 99 ff versprochen haben. In diesem geschäft, ganz gleich ob VC oder Kredit, hängt alles von der Richtigkeit der Prognosen ab. Nur wenn die Prognosen übertroffen werden, kann man sich ein drittklassiges Management leisten.
Allerdings zeigte sich schon 1998, dass die Prognosen (besonders im erwähnten Bereich) nicht stimmten. Die verantwortlichen Institute berechneten schnell ein noch grösseres Wachstum, um das in den Folgejahren zu kompensieren. Aber um so eine aus dem Ruder laufende Geschäftsentwicklung zu überstehen, braucht man erstklassige Leute, die die nicht hatten.
Ich hatte nie eine einzige Aktie. Ich war zwar mittendrin, aber auch nur dabei. Ich bin eigentlich Kulturhistoriker und wundere mich über gar nischt. Nur ein weiterer Hype, so what. Take the money and run before everything goes down in flames, war meine Devise.
Was ich mir hingegen nicht vorstellen konnte ist, dass die gesamte Kultur der New Economy ausgelöscht werden würde. Die Startups - da war 1999 klar, dass der Big Bang kommen würde. Aber die Einstellung der Leute? Das war unbegreiflich. Wo sind die heute alle hin? Was wurde aus den Träumen, der Ideologie, dem Glauben?
Deshalb auch dieses Blog. Nicht wegen so ein paar Startups.
donalphons, 13:37h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 23. Januar 2004
Mitte 1999
kam jemand auf mich zu und fragte, was ich von einer gewissen New Economy Firma halten würde. Ich sagte meine Meinung, aber die hatte keinen erkennbaren Einfluss auf die Entscheidung der fragenden Person. Der Job war gut dotiert, verlockend und über alle Massen schick, in dieser Zeit. Und wurde natürlich angenommen. Er verliess seinen alten Arbeitgeber mit einem "Leck mich Chef Grinsen". Das Ganze endete in der totalen Katastrophe, wie es nun mal so üblich ist.
Gestern nun hatte ich ein langes Gespräch mit einer Person, die diese Firma und ihren Markt gut kannte und auch etwas mit deren Werden und Vergehen zu tun hatte. Nicht viel, nur am Rande, aber doch so viel, dass sie Einblicke in die realen Abläufe hatte.
Er erzählte mir, dass keiner der Gründe, die ich 1999 genannt hatte, entscheidend für den Niedergang war, und dafür, dass der Fragesteller 2 Jahre seines Lebens vor die Wand gesetzt hat, und heute sein Leben für verpfuscht hält. Es waren Eifersüchteleien der Leute im Hintergrund, ein Streit um Einflusssphären und Marktanteile, und, um die Ironie auf die Spitze zu treiben, ein Konflikt, bei dem auch sein alter Arbeitgeber letztlich geschluckt und ausgeweidet wurde. Das miserable Management, seine mangelnde Erfahrung und die Menschenverachtung waren zu keinem Zeitpunkt Kriterien der Entscheidungsfindung-
Es gab 1999 keine richtige oder falsche Entscheidung. Es war nur die Frage, auf welchem Deck des Schiffes man absaufen wollte.
Aber zumindest habe ich ihn in dieser Frage gut beraten, liess mich mein gestriger Gesprächspartner wissen, und wechselte das Thema.
Gestern nun hatte ich ein langes Gespräch mit einer Person, die diese Firma und ihren Markt gut kannte und auch etwas mit deren Werden und Vergehen zu tun hatte. Nicht viel, nur am Rande, aber doch so viel, dass sie Einblicke in die realen Abläufe hatte.
Er erzählte mir, dass keiner der Gründe, die ich 1999 genannt hatte, entscheidend für den Niedergang war, und dafür, dass der Fragesteller 2 Jahre seines Lebens vor die Wand gesetzt hat, und heute sein Leben für verpfuscht hält. Es waren Eifersüchteleien der Leute im Hintergrund, ein Streit um Einflusssphären und Marktanteile, und, um die Ironie auf die Spitze zu treiben, ein Konflikt, bei dem auch sein alter Arbeitgeber letztlich geschluckt und ausgeweidet wurde. Das miserable Management, seine mangelnde Erfahrung und die Menschenverachtung waren zu keinem Zeitpunkt Kriterien der Entscheidungsfindung-
Es gab 1999 keine richtige oder falsche Entscheidung. Es war nur die Frage, auf welchem Deck des Schiffes man absaufen wollte.
Aber zumindest habe ich ihn in dieser Frage gut beraten, liess mich mein gestriger Gesprächspartner wissen, und wechselte das Thema.
donalphons, 20:44h
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Donnerstag, 22. Januar 2004
Goldrausch
Sie ist vor zwei Jahren nach Berlin gezogen, als die Luft in München dünn wurde. München ist für Arbeitslose kein gutes Pflaster, und in Berlin hatte sie eine intakte Peergroup, in der sie sich resourcenschonend bewegen konnte. Mit ein paar kleinen Hängerjobs hat die es geschafft, sich bisher durchzuschlagen. Nicht gut, aber immerhin. Für die schlechten alten Zeiten, sagte sie, sollten wir ins Goldrausch gehen.
Das Goldrausch sieht so aus, wie Berliner denken, dass Münchner glauben, dass so ein Berliner Szeneschuppen aussehen sollte. Gold bepinselte, nachgemachte Rokoko-Möbel, Kronleuchter, und runde Metallpailetten an der Wand, und damit niemand sieht, wie versifft diese Möchtergern-Location ist, ist das Licht runtergedreht. Mittvierziger können ihre Falten verstecken, und frustrierte Creatifmädis in Mitteschlunzklamotten lehnen ihren Kopf gegen die dunkelrote Granatapfeltapete, in der vergeblichen Hoffnung, in ihrer depressiven Dünnheit wie eine quattrocento-Schönheit auszusehen. (mehr bei DCT)
Das Goldrausch sieht so aus, wie Berliner denken, dass Münchner glauben, dass so ein Berliner Szeneschuppen aussehen sollte. Gold bepinselte, nachgemachte Rokoko-Möbel, Kronleuchter, und runde Metallpailetten an der Wand, und damit niemand sieht, wie versifft diese Möchtergern-Location ist, ist das Licht runtergedreht. Mittvierziger können ihre Falten verstecken, und frustrierte Creatifmädis in Mitteschlunzklamotten lehnen ihren Kopf gegen die dunkelrote Granatapfeltapete, in der vergeblichen Hoffnung, in ihrer depressiven Dünnheit wie eine quattrocento-Schönheit auszusehen. (mehr bei DCT)
donalphons, 01:12h
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Mittwoch, 21. Januar 2004
Blog aus der Gruft
Morgenlektüre des Jahres 2000: sueddeutsche.de, spiegel.de, salon.com, thestandard.com, danach der Rest. The industry Standard musste man lesen, egal ob man an das Zeug glaubte oder respectfully disagreete, wie ich. ZDnet und Wired schafften den Spin aus Wirtschaft, Technologie und Entertainment nie so rund und glatt wie the Standard. Es schien eine neue, unschlagbare Wirtschaftszeitung zu werden. Was ganz anderes als die drögen Managerverehrer hier in Deutschland. The Standard war die Zukunft.
Dann kam die Krise, die Anzeigenkunden sprangen ab, der frühere 400-Seiten-Wälzer schrumpfte auf knapp 100 Blättchen zusammen. Leute wurden entlassen, nochmal, mehrfach, eine Notmannschaft versuchte es noch eine Weile, aber dann ging The Standard als eine der grössten Pleiten in der jüngeren Verlagsgeschichte in die an Versagen reichen Annalen der New Economy ein...Bis jetzt.
The Standard ist wieder da. Und blogt zurück. In Person von Jimmy Guterman, einem früheren Redakteur. Die Jungs wollen es nochmal wissen. Und nutzen die rebrandete Plattform. Es ist Zeit für einen neuen Hype, für eine neue Barrikade, scheint es.
Und natürlich gesehen bei Ben Schwan von der Netzeitung
Dann kam die Krise, die Anzeigenkunden sprangen ab, der frühere 400-Seiten-Wälzer schrumpfte auf knapp 100 Blättchen zusammen. Leute wurden entlassen, nochmal, mehrfach, eine Notmannschaft versuchte es noch eine Weile, aber dann ging The Standard als eine der grössten Pleiten in der jüngeren Verlagsgeschichte in die an Versagen reichen Annalen der New Economy ein...Bis jetzt.
The Standard ist wieder da. Und blogt zurück. In Person von Jimmy Guterman, einem früheren Redakteur. Die Jungs wollen es nochmal wissen. Und nutzen die rebrandete Plattform. Es ist Zeit für einen neuen Hype, für eine neue Barrikade, scheint es.
Und natürlich gesehen bei Ben Schwan von der Netzeitung
donalphons, 03:02h
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Dienstag, 20. Januar 2004
Real Life 20.1.04 - kurz vor der Brunnenstrasse
Neue Räume im Halogenlicht. Schwarze Flatscreens auf den Tischen, ausgerichtet wie eine Kompanie Fascisten beim Abmarsch. Vereinzelt ein paar Männer in dunklen Anzügen, oft mit bürobedingtem Fettbauch. Alles ausser ihnen ist neu, edel und teuer. Sie haben es für viel Geld kreieren lassen, aber jetzt stören sie. Sie sind schon viel zu lange im Geschäft, sie sind faltig und nicht mehr schön. Statt rauszugehen und das Büro in seiner kalten Eleganz allein zu lassen, werden sie es benutzen, herunterwirtschaften, und in ein paar Jahren, selbst erheblich gealtert, auf den Müll kippen. Die Halbwertszeit des Menschen ist noch nicht auf dem Niveau eines Monitors.
Sondern immer noch so hoch wie eines Freischwingers mit Kernlederbezug. Und das wird sich erst ändern, wenn man Menschen schneller steuerlich abschreiben kann.
Sondern immer noch so hoch wie eines Freischwingers mit Kernlederbezug. Und das wird sich erst ändern, wenn man Menschen schneller steuerlich abschreiben kann.
donalphons, 22:23h
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Real Life 20.01.2004 - Backfabrik
Am Prenzlauer Berg vorbei, Richtung Norden, auf der linken Seite: Die Backfabrik. Lofts in einer ehemaligen Grossbäckerei für Berlin. 2002 eröffnet, also viel zu spät. Die Wege und Treppen sind hell erleuchtet, aber niemand ist zu sehen.
Die grossartigen Pläne zur Restaurierung stammen aus den Jehren 1999/2000. Der Besitzer hat Geld, aber jeden Tag muss er bluten. Solang der Aufschwung nicht kommt und die Startups die Öffentlichkeit scheuen, wird es so bleiben. Und wohl auch noch länger, denn Berlin ist voller gecrashter Immobilienfonds und leerer Büroflächen. Gründen gilt als uncool und gefährlich für Hab und Gut.
Wahrscheinlich sitzen in Frankfurter Türmen und Müncher Vorstadtglashäusern Menschen in dezenten Anzügen und handgenähten Schuhen. Sie überlegen, wann das Window of Opportunity für die Übernahme des Objekt offen steht. Und ob so eine Fabrik ins Portfolio passt.
Die grossartigen Pläne zur Restaurierung stammen aus den Jehren 1999/2000. Der Besitzer hat Geld, aber jeden Tag muss er bluten. Solang der Aufschwung nicht kommt und die Startups die Öffentlichkeit scheuen, wird es so bleiben. Und wohl auch noch länger, denn Berlin ist voller gecrashter Immobilienfonds und leerer Büroflächen. Gründen gilt als uncool und gefährlich für Hab und Gut.
Wahrscheinlich sitzen in Frankfurter Türmen und Müncher Vorstadtglashäusern Menschen in dezenten Anzügen und handgenähten Schuhen. Sie überlegen, wann das Window of Opportunity für die Übernahme des Objekt offen steht. Und ob so eine Fabrik ins Portfolio passt.
donalphons, 04:23h
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Dienstag, 20. Januar 2004
Old teaching young
Damals, Berkeley, muss ihre grosse Zeit gewesen sein. Hey hey, LBJ, how many kids have you killed today. Sie waren ganz vorne mit dabei, und als Kissinger den Schwanz einzog und der Alptraum Vietnam endlich vorbei war, hatten sie ihre Mission erfüllt. Sie gingen in den Beruf, machten Karriere und wurden reich. Manche verliessen auch die USA, bildeten Expat-Gemeinden irgendwo in der Welt und waren mit dem Leben zufrieden. So zufrieden, wie es nur Amerikaner sein können.
George W. Bush stört diese Zufriedenheit. Er ist genau das, wogegen sie in Berkeley angetreten sind: Der Inbegriff des drögen Cowboys aus dem Mittelwesten. Bush stört sie. Bush inszeniert das neue Vietnam.
Und deshalb machen sich die inzwischen angegrauten Damen auf, um nochmal zu mobilisieren. Sie, nicht die jungen Leute, bringen die Expats dazu, sich als Wähler registrieren zu lassen. Die 68er sagen den Twens abroud, wie das geht. Sie machen American Voices Abroad Party. Draussen gibt es noch Bier, drinnen, nach der Registrierung dann Rotwein. Und die Jungen lernen mühsam, wie das geht, aktiv zu werden und sich nichts alles vom reaktionären Klüngel gefallen zu lassen.

Die 68er machen aus ihren Überzeugungen keinen Hehl. Eine der Frauen trägt unter ihrem alteuropäischen, roten Pashmina-Poncho von Krizia eine Friedenstaube. Aus Silber, handgesschmiedet.
George W. Bush stört diese Zufriedenheit. Er ist genau das, wogegen sie in Berkeley angetreten sind: Der Inbegriff des drögen Cowboys aus dem Mittelwesten. Bush stört sie. Bush inszeniert das neue Vietnam.
Und deshalb machen sich die inzwischen angegrauten Damen auf, um nochmal zu mobilisieren. Sie, nicht die jungen Leute, bringen die Expats dazu, sich als Wähler registrieren zu lassen. Die 68er sagen den Twens abroud, wie das geht. Sie machen American Voices Abroad Party. Draussen gibt es noch Bier, drinnen, nach der Registrierung dann Rotwein. Und die Jungen lernen mühsam, wie das geht, aktiv zu werden und sich nichts alles vom reaktionären Klüngel gefallen zu lassen.

Die 68er machen aus ihren Überzeugungen keinen Hehl. Eine der Frauen trägt unter ihrem alteuropäischen, roten Pashmina-Poncho von Krizia eine Friedenstaube. Aus Silber, handgesschmiedet.
donalphons, 00:51h
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Eigentlich
wollte ich die verblichenen Geister meiner Vergangenheit, die wohlkonserviert in Regalen, Kisten und Hirnzellen schlummerten, schnell und still auf 192 Seiten pressen. Denn es gibt sie längst nicht mehr, sie sind durch die Zeit und die Veränderungen längst verblasen, aufgelöst, zerfallen.
Aber in den letzten Monaten tauchen sie da und dort wieder auf, mischen sich ein, wollen mehr sein als Objekte meines forschenden Interesses. Sie reden mich an, schrauben am Bild, sehen es anders. Hier kracht es, dort horxt wer.
Sie sind überall, und sie sind nah. Ich muss schneller schreiben. Keine Frage, sie sind hinter mir her, die Jungs der "Generation Tempo".
Aber in den letzten Monaten tauchen sie da und dort wieder auf, mischen sich ein, wollen mehr sein als Objekte meines forschenden Interesses. Sie reden mich an, schrauben am Bild, sehen es anders. Hier kracht es, dort horxt wer.
Sie sind überall, und sie sind nah. Ich muss schneller schreiben. Keine Frage, sie sind hinter mir her, die Jungs der "Generation Tempo".
donalphons, 05:30h
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Sonntag, 18. Januar 2004
Damals, 2000, Gründertreffen München
a, Absolventin der bayerischen Akademie für Marketing, macht Consulting für Seedphasen, und b, Agenturmensch vom Prenzlauer Berg, auf Besuch in der Munich Area fürs Networking.
a: Hier gibt es nicht mehr mal eine Besenkammer. Der Immobilienmarkt ist platt. Grausam, Maklerin hätte ich werden sollen.
b: In Berlin wird es auch langsam schwierig. Inzwischen werden schon Lofts im alten Stil nachgebaut.
a: Schon etwas degoutant, oder?
b: Mein Ding wär´s nicht, und viele andere weichen von Mitte inzwischen auch nach Norden aus, in den Wedding. Dort gibt es noch echte Art Deco Lofts.
a: Wow, Art Deco, das kommt sicher toll, wenn man da so Bauhausmöbel reinstellt, von dem Marcel Breker oder wie der heisst, so Stahlrohrmöbel halt, alles ganz klassich und gediegen.
b: Da muss man sich aber echt beeilen, weil sonst ist da alles bald weg. Ist aber auch gut für das Viertel weil da gibt es so viel türkisches Zeug und wenn wir da erst mal voll aufbauen, dann müssen die allein schon wegen der Mietpreise weg, cheers.
a: Cheers!

b: Und der erste Coffee Shop ist auch schon in Planung. Das Zeug was es da im Wedding gibt kann man ja nicht essen, noch nicht mal anständige Bagels.
a: Naja, aber ein paar Türken dürften schon bleiben, sonst verliert das Viertel doch seinen Flair.
b: Von mir aus können die alle nach Marzahn, denn wenn es dort erst mal voll abgeht, haben die dort nichts mehr verloren. Wirkt auch nicht gut auf die Kunden. Hier ist jetzt etwas die Luft raus, oder? gehen wir noch wohin?
a: Da gibt´s nur eins: Das Pacha im Media Works Munich. Das sind unsere Lofts aus den 60ies und 70ies, die sind auch nicht schlecht.
a: Hier gibt es nicht mehr mal eine Besenkammer. Der Immobilienmarkt ist platt. Grausam, Maklerin hätte ich werden sollen.
b: In Berlin wird es auch langsam schwierig. Inzwischen werden schon Lofts im alten Stil nachgebaut.
a: Schon etwas degoutant, oder?
b: Mein Ding wär´s nicht, und viele andere weichen von Mitte inzwischen auch nach Norden aus, in den Wedding. Dort gibt es noch echte Art Deco Lofts.
a: Wow, Art Deco, das kommt sicher toll, wenn man da so Bauhausmöbel reinstellt, von dem Marcel Breker oder wie der heisst, so Stahlrohrmöbel halt, alles ganz klassich und gediegen.
b: Da muss man sich aber echt beeilen, weil sonst ist da alles bald weg. Ist aber auch gut für das Viertel weil da gibt es so viel türkisches Zeug und wenn wir da erst mal voll aufbauen, dann müssen die allein schon wegen der Mietpreise weg, cheers.
a: Cheers!

b: Und der erste Coffee Shop ist auch schon in Planung. Das Zeug was es da im Wedding gibt kann man ja nicht essen, noch nicht mal anständige Bagels.
a: Naja, aber ein paar Türken dürften schon bleiben, sonst verliert das Viertel doch seinen Flair.
b: Von mir aus können die alle nach Marzahn, denn wenn es dort erst mal voll abgeht, haben die dort nichts mehr verloren. Wirkt auch nicht gut auf die Kunden. Hier ist jetzt etwas die Luft raus, oder? gehen wir noch wohin?
a: Da gibt´s nur eins: Das Pacha im Media Works Munich. Das sind unsere Lofts aus den 60ies und 70ies, die sind auch nicht schlecht.
donalphons, 22:53h
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Alles für die Jugend!
Die modernen Technologien stärken unser wirtschaftliches Potential und bieten zugleich für viele Werktätige ein interessantes Feld schöpferischer Arbeit und persönlicher Entfaltung. Das gilt insbesondere für die junge Generation.
Erich Honecker, 7.10.1989
Jeder soll Zugang zu den Neuen Medien haben, jeder soll ihren Nutzen und ihre Grenzen kennen. Deshalb meinen wir es wörtlich, wenn wir dazu auffordern, unsere Kinder den Umgang mit Computern zu lehren: nicht nur die Technik, sondern mehr noch die Kultur dieser Form der Kommunikation.
Gerhard Schröder, 10.11.1998
Erich Honecker, 7.10.1989
Jeder soll Zugang zu den Neuen Medien haben, jeder soll ihren Nutzen und ihre Grenzen kennen. Deshalb meinen wir es wörtlich, wenn wir dazu auffordern, unsere Kinder den Umgang mit Computern zu lehren: nicht nur die Technik, sondern mehr noch die Kultur dieser Form der Kommunikation.
Gerhard Schröder, 10.11.1998
donalphons, 16:10h
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Mene Tekel Upharsin
Ich gehöre zu den Leuten, die ein modernes Buch nach dem Umschlag beurteilen. Das beruht auf langjährigen Erfahrungen als addicted customer der deutschen Verlagsbranche und ihrer ebenso deutschen Autoren.
Wenn sowas auf dem Cover ist:

dann sieht das im ersten Momentziemlich bombastisch aus, verspricht aber wenig Nachdenken beim Verlag: Es handelt sich um den Bahn Tower am Potsdamer Platz in der Marzahner Vorstadt Berlin a. d. Spree. Eine luftige Architektur, die nicht im Mindesten zu den realen Heizungsdämpfen passt, mit denen dieser Konzern im Winter seine Kunden vergiftet.
Nun hat der Fischerverlag aber genau dieses Gebäude auf den Umschlag von Lukas Hammersteins "Die 120 Tage von Berlin" gesetzt. Und zwar so, dass die DB-Leuchtreklame nicht zu sehen ist. Man war sich wohl des Problems bewusst: Die Bahn passt auch nicht zum Inhalt des Buches, das sich mit dem Scheitern der New Economy Generation auseinandersetzt - ad majorem gloriam des Verlages und der dummdreisten Provinler, die gerne was Schlechtes über Leute lesen, die nicht im Kaff bei des gammligen Zügen geblieben sind.
So unehrlich beginnt also das Buch eines Autors, der dieses Jahr den Bachmanpreis so gerechtfertigt nicht bekam, wie ihn auch sonst alle anderen nicht verdient hätten, inclusive der späteren Siegerin mit ihrer Betroffenheitsprosa. Das Cover soll sagen: Boh, Berlin Mitte - und ist doch nur eine Fassade, ein potemkinsches Dorf eines übersubventionierten Provinzskandals mit stinkender Heizung.
Ich lasse mich nicht gerne anlügen. Weshalb ich mir das Buch nicht gekauft habe, wie viele andere auch. Zumal allein der Titel eine Anmassung ist. Man würde beim Lesen nur Sehnsucht nach De Sade bekommen.
Und so bleit der Hammerstein in den Regalen vor sich hin. Das Buch ist in etwa so erfolgreich wie die Bahnreform, und für den Fischer Verlag ist es ein Debakel, wie ein geplatztes Startup für einen Venture Capitalisten. Das klappte nicht mit dem "Schlüsselroman", als der das Buch angekündigt wurde.
Wenn sowas auf dem Cover ist:

dann sieht das im ersten Momentziemlich bombastisch aus, verspricht aber wenig Nachdenken beim Verlag: Es handelt sich um den Bahn Tower am Potsdamer Platz in der Marzahner Vorstadt Berlin a. d. Spree. Eine luftige Architektur, die nicht im Mindesten zu den realen Heizungsdämpfen passt, mit denen dieser Konzern im Winter seine Kunden vergiftet.
Nun hat der Fischerverlag aber genau dieses Gebäude auf den Umschlag von Lukas Hammersteins "Die 120 Tage von Berlin" gesetzt. Und zwar so, dass die DB-Leuchtreklame nicht zu sehen ist. Man war sich wohl des Problems bewusst: Die Bahn passt auch nicht zum Inhalt des Buches, das sich mit dem Scheitern der New Economy Generation auseinandersetzt - ad majorem gloriam des Verlages und der dummdreisten Provinler, die gerne was Schlechtes über Leute lesen, die nicht im Kaff bei des gammligen Zügen geblieben sind.
So unehrlich beginnt also das Buch eines Autors, der dieses Jahr den Bachmanpreis so gerechtfertigt nicht bekam, wie ihn auch sonst alle anderen nicht verdient hätten, inclusive der späteren Siegerin mit ihrer Betroffenheitsprosa. Das Cover soll sagen: Boh, Berlin Mitte - und ist doch nur eine Fassade, ein potemkinsches Dorf eines übersubventionierten Provinzskandals mit stinkender Heizung.
Ich lasse mich nicht gerne anlügen. Weshalb ich mir das Buch nicht gekauft habe, wie viele andere auch. Zumal allein der Titel eine Anmassung ist. Man würde beim Lesen nur Sehnsucht nach De Sade bekommen.
Und so bleit der Hammerstein in den Regalen vor sich hin. Das Buch ist in etwa so erfolgreich wie die Bahnreform, und für den Fischer Verlag ist es ein Debakel, wie ein geplatztes Startup für einen Venture Capitalisten. Das klappte nicht mit dem "Schlüsselroman", als der das Buch angekündigt wurde.
donalphons, 04:30h
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