: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 11. März 2004

Nachts unter der eisernen Brücke

Noch unbewohnt.



Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Andererseits, in Berlin gibt es so viel Leerstand, da wird sich immer irgendwo ein Zimmer finden. Wohnen ist billig. Und die mangelhaft ausgestattete Polizei kann wenig gegen den Drogenhandel tun, was die Preise niedrig hält.

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Meredes Volvo Mercedes

Die Barer Strasse in München Schwabing. Ziemlich genau dort, wo Zahnärzte ihren Kindern 34 Quadratmeter für 177.000 Euro kaufen, damit sie in Ruhe studieren können.



Eine übliche Abfolge von Automobilen. Kein Skoda, Twingo oder verrosteter Peugot stört den Anblick. Niemand wundert sich. Schliesslich sind hier die Zeiten noch golden, und vierziggejenseitigte, künstliche Blondinen mit Hermestüchern und cremefarbenen Stiefeln trinken Latte zu 4 Euro mit mittlerem Management.

Nur die Tatsache, dass in der Lücke nicht der früher unvermeidliche Boxter steht, zeigt, dass wir in der Krise sind.

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User generated Profit

"In wenigen Jahren werden die Top-Blogs Millionen wert sein." Träumt der Gründer von Weblog Inc.

Das träumten aber auch schon die Gründer von epinion, von Ciao, von Lycos und viele viele andere. Der Glaube, man könne mit quasi von selbst entstehenden Inhalten und einer gewissen Glaubwürdigkeit User binden, halten und ausschlachten.

Und übersehen das Grunproblem: Vor dem Internet gab es einen Haufen Flöhe, die man in einen Sack kriegen musste. Mit den Blogs gibt es keinen Sack mehr, sondern nur noch Flöhe, die mit anderen Flöhen rummachen. Schlechte Zeiten für Sackanbieter.

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Mittwoch, 10. März 2004

Help!

Sollte sich einer der Recken aus den Kämpfen des Jahres 1968ff, ganz gleich ob rot oder schwarz, in der Befindlichkeit sehen, Berlins Selbstmordrate in der kalten Spree zu erhöhen, findet sich an repräsentativer Stelle ein Hilfsmittel, um sie der Gesellschaft zu erhalten.



An den schlammigen Gewässern weiter draussen, an den Häfen und Kanälen, wo eher alleinstehende Mütter, arbeitslose Philosophiestudenten und Barpersonal ohne Zukunft der Wunsch nach Auslöschung überkommt, gibt es dergleichen nicht.

Es gibt ja so viele von denen, und nur so wenig wirklich verdiente Etappenkämpfer der grossen Zeit der kleinen Barrikädchen.

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Dienstag, 9. März 2004

Sick-o-blog

Lieber Joachim Bessing, wenn Du das liest (Und Du wirst es lesen, weil Du und alle Deine Kumpane laut Referrer und Mails täglich bei google schaut, wer was über Euch schreibt): Ich bin gerade krank. Und wenn ich krank bin, kann ich nicht nett. Nur Hass. Sorry.

Und jetzt noch viel Spass beim Lesen Deiner neuen Jünger beim Soundtrack Deiner Reinhard-Mey-Platten.

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Pop ist tot

und am besten pisst man auf den Kadaver, indem man Joachim Bessings neues Buch nicht kauft: "Bessings provokantes Fazit: Wir müssen uns besinnen auf den Wert der klassischen Familie, denn jedes Zugeständnis an die »Umstände« oder die »Gesellschaft« oder die »Zeit« treibt die Zerstörung weiter voran." quasselt die Presseabteilung.

"Eine kluge und längst überfällige Provokation" - was macht der eigentlich einen auf Rebell, nur weil er den Merkels und Stoibers nach dem Mund redet? Vielleicht sollte man dem armen Popliteraturkrepierer mal mitteilen, dass er mit sowas nicht mehr in die Harald Schmidt Show kommen kann.

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Aus Marketing-Gründen,

weil mich grad jemand zum Messias erkoren hat, sollte ich vielleicht anmerken, dass Journalisten attackieren ähnlich sinnvoll ist wie das Fischeabknallen im Fass. Deshalb haben wir das Buch erweitert und noch 15 Seiten Rechtsbelehrung reingetan, zur Frage, was man tut, wenn der Anwalt kommt.

Journalisten - hey, es gibt kaum eine Berufsgruppe mit mehr Arbeitslosen. Das Netz macht aus den Medien, was die Elektrizität mit den Kerzenziehern gemacht hat.

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Der Tee schmeckt noch genau so,

wie damals als Kind, wenn ich krank war, und kommt aus der alten Glaskanne, die in den frühen 70ern entworfen wurde . Salzletten sind auch noch da, wo sie früher waren. Soweit ist nichts neu.

Nur der Laptop ist eine Veränderung, die nachweist, dass dieses Haus in der Privinz im frühesten dritten Jahrtausend angekommen ist. Allerdings: Die Adressenliste im Explorer ist noch genau so wie vor drei Wochen. Auch bei den Dokumenten hat sich nichts getan. Eigentlich braucht hier niemand dieses Ding; nur ich, wenn ich hier bin.

Aber auch dann ist das Internet hier nicht das gleiche wie in München oder Berlin. Internet findet im alten Arbeitszimmer statt, zwischen unbeliebten Historismusmöbeln und einem angegrauten Chefschreibtisch aus einer Firma, die in dieser Stadt seit Jahrzehnten Marktführer ist. Mag sein, dass das Netz eine eigene Welt ist, aber hier sieht man an der Position und der Nutzung des Interfaces, dass es eine Welt ist, die vielen Leuten am Arsch vorbei geht. Weil sie es nicht wollen und brauchen.

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Sonntag, 7. März 2004

Sie hat kein Volontariat

Noch nicht. Aber sie hat es in Aussicht. Immerhin gab es über 100 Bewerber. Niemand wurde genommen, aber sie hat wenigstens das Vorpraktikum gekriegt. Vorpraktikum ist ein halbes Jahr als Praktikantin arbeiten, bevor das Volontariat dann doch beginnt. Haben sie ihr versprochen.

Schriftlich hat sie nichts. Sie hat auch nicht danach gefragt. Sie denkt, wenn sie sie nehmen und jetzt schon an die Aufgaben ranführen, dann werden sie sich schon daran halten. Und sie arbeitet wirklich gut und viel.

Ich erzähle ihr nichts von den Realitäten des Daseins, obwohl ich den Konzern von innen erlebt habe. Es ist nicht meine Sache, und ändern könnte ich auch nichts.

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Samstag, 6. März 2004

Deathrow

Immer an der Linie entlang. Ein Medienvertreter hat es heute geschafft, sich rettungslos gegen Mittag zu betrinken. In weniger als einer Stunde. Ein Glas mit zweimal schlucken. Er war noch keine 30. Seine Hose hatte schon mal bessere Tage gesehen, sein Hemd war an den Ärmeln ausgefranst, aber der Mantel war früher teuer.



Er wollte ohnehin nichts über die Veranstaltung schreiben, sagte er schon vorher. Auf der ausgelegten Liste schrieb er sich als freier Journalist ein. Ohne Medium.

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Freitag, 5. März 2004

Wrapped

Als ich Wraps kennenlernte, war ich kein besonders glücklicher Mensch. Auf dem Papier war ich das, was die Szene um mich herum "erfolgreich" nannte. Erfolg wurde in Netzwerken, Einladungen, Jobs gemessen. Die New Economy hatte mich wie einen toten Delphin auf den Strand des exzellenten Lebens gespült. Ich hatte nichts dazu getan, mich aber auch nicht gewehrt. Alles war mir auf eine dumpfe, schmerzliche Art egal. Ich tat, was sie von mir wollten, ganz gleich wie falsch es war. Es gab damals kein Richtig.

Um mich war Dunkelheit und Niedergang. Meine Freunde fielen aus den Jobs, ihre Firmen klatschten in die Pleite, und bei den Jüngeren kam noch die übliche Orientierungslosigkeit dazu. Ein Mädchen verlor nach und nach den Halt am Arbeitsleben, zog sich zurück, hoffte nicht mehr, und verschwendete ihr Talent und ihre Begabung in langen Sommernachmittagen mit mir in einem kleinen Cafe in der Türkenstrasse. Über ihre Lippen kam pure Literatur, das Script zu Reality Bites Teil 2. Ich hatte als Hired Gun tagsüber viel Zeit zum zuhören, denn mein Arbeitstag begann damals erst mit Einbruch der Dunkelheit.

Sie nahm in der Regel einen Milchcafe und manchmal einen Muffin. Aber fast niemals einen Wrap. Die waren ihr zu teuer, und überhaupt. Sie fand sich zu dick. Und so gut sind die auch nicht. Wenn ich einen bestellte - was ich eigentlich jedesmal tat - wollte sie das Ding noch nicht mal kosten. Oder nur einmal einen kleinen Bissen. Nur auf gutes Zureden nam sie noch einen, behielt das Ding zufällig in der Hand, knabberte daran. Und weil das Gespräch hin zu den typischen leeren Träumen des Sommers 2000 wanderte, verschwand der Wrap in ihrer Hand beiläufig irgendwann, und bisweilen wollte sie dann auch einen haben, den ich ihr dann brachte.

Es war ein sehr verrückter Sommer, der durch seine bleierne Stille alle überraschte, die in den Jahren zuvor noch an den grenzenlosen Aufstieg geglaubt hatten. Manche krepierten sofort, andere brachen in blutigen Klumpen auseinander, viele waren äusserlich gesund und trugen die Ausrottung in sich. In diesem Sommer starb die Zuversicht, und sie starb beim ersten Anblick des Zweifels. Aber in diesen seltsamen Stunden im Cafe war ein Freiraum ohne zeitliche und räumliche Grenze, unschuldig und naiv, wie sich erst lange später zeigen sollten, als der gegenseitige Verrat alles zerstörte, was in diesem Sommer an eingebildetem Vertrauen und Nähe aufgebaut wurde, an einem kleinen dunklen Tisch mit einem Salat-Schafskäse-Wrap drauf.



Heute gab es sie wieder, bei einem offiziellen Empfang. Im Gegensatz zu den meisten meiner Freunde von damals bin ich noch immer im Geschäft und das, was man so landauf landab als erfolgreich bezeichnet - weil ich den Irrsinn der Jahre 2000/2001 nicht einfach vergessen, sondern zu einem Produkt gemacht habe. Don Alphonso, eine der wenigen Erfolgsgeschichten der New Economy, ein grausamer Treppenwitz der Geschichte für alle, die besser waren, zielstrebiger, und nach den gängigen Moralkriterien der Brokats und I-D Medias sauber gearbeitet haben, statt ihre Firma bei Dotcomtod zu verraten.

Ich bin nicht mehr in der Munich Area, sondern in der Hauptstadt. Es lässt sich nicht bestreiten, dass der Winter vorbei ist, und für the happy few wieder etwas mehr Essen aufgefahren wird. Aber es ist nicht mehr so wie 2000, dass man Wraps bei Gesprächen hübschen Mädchen essen kann, während draussen die Welt genau an der Grenze zwischen Hype und Downturn, zwischen Aufstieg und Vernichtung steht.

Es gibt noch das Essen, die Rezepte. Die Wraps haben es heute nebenbei auf die Platten der Ministerinnen, Staatssekretäre und Bundespräsidentengattinnen geschafft. Aber die Menschen, die damit etwas verbinden, sind nicht mehr das, was sie waren, und ihre Revolution, ihre Hoffnungen und Träume sind ausgelöscht.

Das Cafe, in dem ich damals war, hat schon den Herbst 2001 nicht überlebt.

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Donnerstag, 4. März 2004

Window of Oportunity

Suhrkamp geht es dreckig. Suhrkamp liegt im Sterben.

Wenn man Suhrkamp umbringen will, muss man sich also beeilen. Es ist nicht ruhmreich, einem komatösen Röchler im Krankenbett den Dolch ins Herz zu jagen.

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Real life 03.03.04 - The fine art of stealing sampling

Zwischen einem übergrossen Teeglas und einer Kirschwaffel habe ich mich gestern gegenüber den Minusvisionären dazu hinreissen lassen, das Neon Magazin zu verteidigen, nachdem die erste Nummer zumindest eine akzeptable Modestrecke hatte. Leute, die an einer Hausecke zusammenrumpeln - das hat was.

Wie immer, wenn man sich für jemanden einsetzt, wird man enttäuscht: Wie ich heute morgen entdecken musste, hat neon die Idee geklaut.

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Location

Warum nicht die Backfabrik? Die Backfabrik ist als Investitionsruine idealtypisch für diese Stadt.



Aber diese Stadt oder auch nur ihr Namen soll nicht vorkommen in den Texten. Es geht um eine Stadt, die überall sein könnte, Bangkok, Austin, Coventry, Bukarest, Berlin, Madrid. Überall, wo die Menschen dumm und borniert sind und wenig Zukunft haben.

Deshalb vielleicht ein Gebäude, das austauschbar ist. Ohne stilistische Heimat und falschen Glanz. Vielleicht etwas kaputtes, leeres, das auf die Eroberung wartet, so wie die Worte, die es zu gewinnen gilt. UUnd keine falsche Lebendigkeit.

Zu geleckt ist das hier, das alles.



Aber darin liegt dann auch das Grauen, das Sterben in Sauberkeit, das vegitieren in Luxus, Gebacken werden bei lebendigem Leib, die Hitze lässt einen nicht schreien, bis alles verkohlt ist. Vielleicht doch kein schlechter Ort, dieses Krematorium für Schrippen und Semmelgesichter..

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Mittwoch, 3. März 2004

Geschäftsmodelle

Es gibt auch in Mitte immer noch Geschäftsmodelle, die Profit versprechen. Passendes marketing vorrausgesetzt. Sogar, wenn es mit Firmen wie der Wall AG Semimonopolisten gibt.



Andere Ideen sind dagegen weniger sinnvoll. Das Vermieten von schicken Imobilien zum Beispiel. Berlin ist voller leerer Ladenlokale, die schön hergerichtet sind, aber noch nicht mal mit Nachlass an noch eine Dönerbude vermietet werden können.

Ganz egal, in welches blau-mystisches Licht die Räume getaucht werden. 6 Monate mietfrei, vermute ich, könnte man in jedem Fall rausschlagen.



Allein schon, weil Miete verschenken für Investoren immer noch billiger ist, als die Wartung der leerstehenden Räume zu bezahlen.

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Chancenlos

Sie war sehr schnell. Sie hat zielstrebig studiert und ist in einem Alter fertig, in dem ich daran dachte, vielleicht doch mal nach dem Ladenschluss der Wunderbar in so ein Proseminar zu gehen. Trotzdem habe ich mehr Jobangebote, als ich brauchen kann, und sie hat nichts.

Es gibt ein paar tausend wie sie. Allein hier in Berlin, vielleicht sogar nur auf der Strecke von hier bis runter zum Alex, und dann 500 Meter in die tristen Strassenzüge rein. Sie sind keine 25, haben keine Jobs und erklären H&M für Kult, weil sie sich nichts anderes leisten können und es Kult sein muss. Im Sommer wäre es leichter, mit T-Shirts und Slogans, aber jetzt bleibt nur H&M. Und das schwierige Zurechtzimmern der eigenen Lebenswelt, für die es keinen Inbus und Standardschrauben gibt, wie bei Ikea.

Sie ist genau so. Es gibt einen Unterschied: Sie sieht, was passiert, sie erkennt die Probleme, sie kann es erklären, sie spricht ihre Sprache. Sie könnte zumindest die Bauanleitung schreiben. Es gibt einen Markt dafür. In der Krise wollen die Leute Hilfe und Ablenkung. Und die Markteintrittshürden sind niedrig wie nie zuvor. Sie weiss auch, wie das Layout aussehen sollte, sie kennt Typen, die sich eine Weile reinknien würden. Und es wäre besser als das Praktikum bei einer normalen Zeitung, aus dem sie jeden Tag mit dem Gefühl herausgeht, dass man da drin ihren Kopf unter Wasser hält und ihr Talent grausam erstickt.

Etwas besseres als den Tod finden wir überall, sagten die Bremer Stadtmusikanten. Wenn es einen Markt gibt, müssen wir ihn besetzen, bevor das jemand anderes tut, sagten meine Freunde vor 5 Jahren.

Vielleicht studiere ich nochmal und mache Lehramt, sagt sie heute.

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