... newer stories
Samstag, 20. März 2004
Und dann sprach meine kleine Schwester
beim Warten auf das Essen in einem sehr guten indischen Restaurant:
Da hinten hat gerade einer die Pfanne ausgeleckt Sowas gibt´s aber auch nur hier in Berlin. Degoutant.
Da hinten hat gerade einer die Pfanne ausgeleckt Sowas gibt´s aber auch nur hier in Berlin. Degoutant.
donalphons, 00:25h
... link (19 Kommentare) ... comment
They´re B-Grrrl-Rockers

No literature agent was hurt for this picture.
donalphons, 00:20h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 18. März 2004
Brausegirls für Mädels
Danach alcopoppen für Jungs.
donalphons, 16:28h
... link (0 Kommentare) ... comment
In den nächsten Jahren
wird es solche Szenen auch in den reicheren Städten des Westens geben, sagt der Besucher. Die benutzen Berlin nur als Durchgangsstation und gehen dorthin, wo mehr zu holen ist. Müssen sie ja auch, denn wenn es nicht bald besser wird, gibts hier jar nüscht mehr.
Diese Stadt hier noch weiter von der Krise zerfressen? In den 80ern gab es 3 Kultfilme, die zeigen könnten, wie das dann aussieht.
1. Diva. Schöne Vorstellung, aber keine Chance, mal abgesehen von den Killern - der Rest der Besetzung hatte Charme. Charme, wie erkläre ich das in dieser Stadt ... Charme ist ein anderes Mittel als Geld, Literaturagentenvortäuschung oder Abfüllen, um Geschlechtspartner zu finden.
2. Blade Runner. Schon eher. Problem: Niemand hatte damals die Gentechnik auf der Agenda. Die gestylten 80er Replikanten sind out, die missglückten Kurzhaarclone mit Kinderskijacken sind in. Dolly rules.
3. Die Klapperschlange. Hmja. Wenn, dann das. Mauer um Gesamtberlin, das alles sich selbst überlassen. Neuzugängen den prophylaktischen Suizid anbieten.

Diese Stadt hier noch weiter von der Krise zerfressen? In den 80ern gab es 3 Kultfilme, die zeigen könnten, wie das dann aussieht.
1. Diva. Schöne Vorstellung, aber keine Chance, mal abgesehen von den Killern - der Rest der Besetzung hatte Charme. Charme, wie erkläre ich das in dieser Stadt ... Charme ist ein anderes Mittel als Geld, Literaturagentenvortäuschung oder Abfüllen, um Geschlechtspartner zu finden.
2. Blade Runner. Schon eher. Problem: Niemand hatte damals die Gentechnik auf der Agenda. Die gestylten 80er Replikanten sind out, die missglückten Kurzhaarclone mit Kinderskijacken sind in. Dolly rules.
3. Die Klapperschlange. Hmja. Wenn, dann das. Mauer um Gesamtberlin, das alles sich selbst überlassen. Neuzugängen den prophylaktischen Suizid anbieten.

donalphons, 03:17h
... link (0 Kommentare) ... comment
Das Stelldichein
der gescheiterten Popautorinnen auf der Suche nach literarischem Nachruhm: Sybille Berg macht ein "polyphones Sprachkunstwerk".
Muss ein beschissenes Gefühl sein, jahrelang den immer gleichen Stil zu pflegen, immer die gleichen Klischhes zu bedienen, und dann gezwungen sein, sich vom Lektor eine veränderte Schreibe eintrichtern zu lassen, damit man das Buchprodukt in der Postpopära noch verkaufen kann. Schliesslich sind die Leser solcher Prosa auch älter geworden, und das muss berücksichtigt werden, wenn schon keine neuen Leser nachkommen.
Ein Lesepublikum, das man liften kann wie die eigenen Falten, das wär was für die Popabfälle im Busch heuer.
Muss ein beschissenes Gefühl sein, jahrelang den immer gleichen Stil zu pflegen, immer die gleichen Klischhes zu bedienen, und dann gezwungen sein, sich vom Lektor eine veränderte Schreibe eintrichtern zu lassen, damit man das Buchprodukt in der Postpopära noch verkaufen kann. Schliesslich sind die Leser solcher Prosa auch älter geworden, und das muss berücksichtigt werden, wenn schon keine neuen Leser nachkommen.
Ein Lesepublikum, das man liften kann wie die eigenen Falten, das wär was für die Popabfälle im Busch heuer.
donalphons, 03:02h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 17. März 2004
Wenn ich ein paar Tage netter zu Berlin bin
liegt das nicht am Wetter, am Sex, an schönen neuen Möbeln oder beruflichem Erfolg, sondern:
An der Anwesenheit meiner kleinen Schwester.
Dann wird Berlin 24 Stunden lang niedergemacht, wie beim Einmarsch der Russen 45. Da kann ich dann nicht auch noch. Die besten Quotes gibt es hier trotzdem.
An der Anwesenheit meiner kleinen Schwester.
Dann wird Berlin 24 Stunden lang niedergemacht, wie beim Einmarsch der Russen 45. Da kann ich dann nicht auch noch. Die besten Quotes gibt es hier trotzdem.
donalphons, 21:02h
... link (1 Kommentar) ... comment
Reichtum

donalphons, 02:59h
... link (0 Kommentare) ... comment
Armut

uceda, 01:38h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 16. März 2004
Real Life 15.03.04 - Buch wollen
Immer wieder gesehen, bei fast jedem Gang durch die Kastanienallee, fast idealtypisch, jetzt endlich Kamera dabei und abgelichtet. Kulturgut im Entstehen.
Sie hat den ganzen Ordner mit ins Cafe geschleppt, sich ans Fenster gesetzt und weitergeschrieben. Sie ist mit dem weissen Top kaum zu übersehen, so direkt an der Glasscheibe und über den Blättern gebeugt.

Im Ordner sind schon viele andere Blätter; 200, 300 oder auch mehr, vollgeschrieben mit all dem Prenzlzeug, von dem sich die abbrechenden Germanistikstudentinnen denken, dass man das doch mal aufschreiben muss, um daraus den endgültigen Berlinroman zu machen. Ausserdem kennen sie die Fräuleinwunderrezensionen, in denen sich hungerleidende Freie verbittert darüber auslassen, dass sich gutaussehendes Frischfleisch im Literaturbetrieb wunderbar verwursten lässt.
Der Rest wird nur von bezechtem Verleger zu gekokstem Agenten weitergetratscht: Dass heute wieder so viel Mist in der Post war, dass die letzten 10 literarischen Versuche über Berlin auf dem Buchmarkt echte Rohrkrepierer sind, und dann lacht man sich eins über die Lektorendeppen, die sich mit den Ergebnissen des letzten Open Mics rumschlagen müssen.
Sie schreibt weiter, bis der erhoffte Agent nicht kommt und sie entdeckt, sondern ihre Freundin aufkreuzt. Der liest sie ein paar Sachen vor. Beide finden das erstklassig, nur sind die Sätze mit 7 Worten noch zu lang.
Und Relativsätze macht man heute einfach nicht mehr.
Sie hat den ganzen Ordner mit ins Cafe geschleppt, sich ans Fenster gesetzt und weitergeschrieben. Sie ist mit dem weissen Top kaum zu übersehen, so direkt an der Glasscheibe und über den Blättern gebeugt.

Im Ordner sind schon viele andere Blätter; 200, 300 oder auch mehr, vollgeschrieben mit all dem Prenzlzeug, von dem sich die abbrechenden Germanistikstudentinnen denken, dass man das doch mal aufschreiben muss, um daraus den endgültigen Berlinroman zu machen. Ausserdem kennen sie die Fräuleinwunderrezensionen, in denen sich hungerleidende Freie verbittert darüber auslassen, dass sich gutaussehendes Frischfleisch im Literaturbetrieb wunderbar verwursten lässt.
Der Rest wird nur von bezechtem Verleger zu gekokstem Agenten weitergetratscht: Dass heute wieder so viel Mist in der Post war, dass die letzten 10 literarischen Versuche über Berlin auf dem Buchmarkt echte Rohrkrepierer sind, und dann lacht man sich eins über die Lektorendeppen, die sich mit den Ergebnissen des letzten Open Mics rumschlagen müssen.
Sie schreibt weiter, bis der erhoffte Agent nicht kommt und sie entdeckt, sondern ihre Freundin aufkreuzt. Der liest sie ein paar Sachen vor. Beide finden das erstklassig, nur sind die Sätze mit 7 Worten noch zu lang.
Und Relativsätze macht man heute einfach nicht mehr.
donalphons, 23:58h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 15. März 2004
Real life 15.03.2004 - Post Graduate
Sie war heute zum ersten Mal in ihrem Leben bei der Arbeitsagentur, erzählte sie, und vielleicht ist das der Grund, warum sie etwas bleich erschien, und ihre Lippen nicht richtig rot waren; eher in einem bläulichen Rosa. Nein, besonders schön war es nicht, weil vor ihr lauter Herren und Damen Doktor dran waren. Sie hat sich nur mal vorsorglich gemeldet, um keine Lücke in der Bio zu haben, bevor es in ein paar Wochen zum Praktikum geht. Und als freie Mitarbeiterin wird sie schon was machen können, manchmal. Hoffte sie am Ende des Tages, als die Erinnerung nicht mehr ganz frisch war.
.
Wenn ich nicht noch ein paar Stunden zu tun hätte, wäre es vielleicht ein guter Moment gewesen, was mit ihr in den Sonnenuntergang zu fahren, irgendwo zu halten, etwas quatschen und trinken zu gehen. So viel, dass sie zu Hause einfach umkippen würde und schlafen könnte. Wenn sie das Besäufnis heute allein macht, kriegt sie wahrscheinlich Depressionen. In Berlin sind die Gänge der Arbeitsagentur besonders trist, sagen die, die es erlebt haben.
.Wenn ich nicht noch ein paar Stunden zu tun hätte, wäre es vielleicht ein guter Moment gewesen, was mit ihr in den Sonnenuntergang zu fahren, irgendwo zu halten, etwas quatschen und trinken zu gehen. So viel, dass sie zu Hause einfach umkippen würde und schlafen könnte. Wenn sie das Besäufnis heute allein macht, kriegt sie wahrscheinlich Depressionen. In Berlin sind die Gänge der Arbeitsagentur besonders trist, sagen die, die es erlebt haben.
donalphons, 23:58h
... link (0 Kommentare) ... comment
5000 Zeichen
Auftragsarbeit. Ich stelle einen Bezug zwischen der Vermüllung der Stadt und dem Niedergang der Immobilienfonds her. These: Es entsteht ein Abwärtssog. Vermüllung auf Freiflächen senkt die Mieten, zieht schlechte Kunden an, die wirtschaften frisch restaurierte Häuser runter, den Fonds fehlt das Geld, Häuser werden baufällig, Projekte werden nicht beendet, statt dessen mit Müll gefüllt, weiterer Niedergang der Investoren, Rückbau wegen Einsturzgefahr, neue Freiflächen für neuen Müll.
Schliesslich muss das Zeug von Ikea irgendwo hin.
Schliesslich muss das Zeug von Ikea irgendwo hin.
donalphons, 18:37h
... link (0 Kommentare) ... comment
Denn sie wissen, was sie werden sollen:
"Studentin (Germanistik und Journalismus) und bald arbeitslos." Von hier. Abteilung: Unnützes Wissen, um im Neon-Bild zu bleiben.
donalphons, 18:16h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 14. März 2004
Das Ende der Revolte
Es ist ein grosser Steinbrocken, den das Proletariät in Händen hielt.
Auf der anderen Seite war nur das fragile Glas des Kapitalismus.
Aber es war stark genug, um das Proletariat aufzuhalten.

Gewonnen hat niemand. Selbst, wenn das Proletariat aufgespürt, verhaftet, verklagt und zu einer Jugendstrafe verdonnert wird. Das System ist negativ, und es ist so stabil wie Panzerglas. Und dem Proletariat fehlt der Mut, der Hass und die ideologische Verblendung, den ganzen Weg zu gehen.
Was man schon daran sieht, dass sie es bei einer Drogerie haben bewenden lassen. Und die Banken, Parteien und Lobbyorganisationen, die ein paar Kilometer Luftlinie entfernt sind, geschont haben.
Am nächsten Morgen geht eine Mutter geht vorbei und hält ihr Kleinkind davon ab, etwas anzufassen.
Auf der anderen Seite war nur das fragile Glas des Kapitalismus.
Aber es war stark genug, um das Proletariat aufzuhalten.

Gewonnen hat niemand. Selbst, wenn das Proletariat aufgespürt, verhaftet, verklagt und zu einer Jugendstrafe verdonnert wird. Das System ist negativ, und es ist so stabil wie Panzerglas. Und dem Proletariat fehlt der Mut, der Hass und die ideologische Verblendung, den ganzen Weg zu gehen.
Was man schon daran sieht, dass sie es bei einer Drogerie haben bewenden lassen. Und die Banken, Parteien und Lobbyorganisationen, die ein paar Kilometer Luftlinie entfernt sind, geschont haben.
Am nächsten Morgen geht eine Mutter geht vorbei und hält ihr Kleinkind davon ab, etwas anzufassen.
donalphons, 22:06h
... link (6 Kommentare) ... comment
Erster Frühlingsabend
Morgen wird in den Berlinern Krankenhäusern, Polizeistationen und Pathologien Bilanz gezogen, und alle werden vielleicht überrascht feststellen, dass es heute kein einziger junger Mensch für nötig erachtet hat, freiwillig aus dem Dasein abzuhauen.

Was definitiv am Wetter liegt. Nicht an der Stadt.

Was definitiv am Wetter liegt. Nicht an der Stadt.
donalphons, 21:47h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 13. März 2004
Real Life 13.03.04 - Wie im Buch
Der Verursacher, Typ junger Kreativer, steht am Strassenrand und starrt die Polizisten an. Viel scheint ihm nicht passiert zu sein. Aber sein Z3 kann wertberichtigt werden, wie auch der gesamte Abend. Nichts mehr mit Loungen im Cafe Moskau und danach ab ins Kurvenstar. Kann man knicken, wenn man noch nicht mal die Gerade beherrscht.

Es sieht so aus, als ob er die Geschwindigkeit überschätzt hätte. Die Feuerwehr hat über 30 Meter Sand auf die Strasse geschüttet, angefangen beim Lieferwagen, dessen hintere Stossstange verbeult ist, bis zu der Stelle, wo sich der Wagen nach einer Rutsch- und Schleifpartie entlang der abgestellten Autos zum Stehen gekommen ist. Auf der Beifahrerseite ist der Z3 einen halben Meter verkürzt.
Vielleicht war es auch nur Mamas Z3.
Glitschige Berliner Strassen können sehr tückisch sein.

Es sieht so aus, als ob er die Geschwindigkeit überschätzt hätte. Die Feuerwehr hat über 30 Meter Sand auf die Strasse geschüttet, angefangen beim Lieferwagen, dessen hintere Stossstange verbeult ist, bis zu der Stelle, wo sich der Wagen nach einer Rutsch- und Schleifpartie entlang der abgestellten Autos zum Stehen gekommen ist. Auf der Beifahrerseite ist der Z3 einen halben Meter verkürzt.
Vielleicht war es auch nur Mamas Z3.
Glitschige Berliner Strassen können sehr tückisch sein.
donalphons, 23:00h
... link (0 Kommentare) ... comment
Ausblick
Irgendwo da oben ist vielleicht Leben, sagte man den Besuchern der Starnwarte. Ansonsten sagte man ihnen, dass sie die Schnauze zu halten hatten, wie in der DDR üblich.

Und irgendwann in der Zukunft wird es wieder wie 1999. Aber bis dahin werden noch viele kommen und verlangen, dass wir uns unterordnen sollen, Praktika für lau machen und auf die hören, die mit ihren fetten Ärschen und ihrem Sicherheitsdenken alles Neue zerstören. Wie im Kapitalismus üblich.

Und irgendwann in der Zukunft wird es wieder wie 1999. Aber bis dahin werden noch viele kommen und verlangen, dass wir uns unterordnen sollen, Praktika für lau machen und auf die hören, die mit ihren fetten Ärschen und ihrem Sicherheitsdenken alles Neue zerstören. Wie im Kapitalismus üblich.
donalphons, 19:48h
... link (0 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 13. März 2004
"alternde Nischenkultur"
eine Herabwürdigung der New Economy in der Zeit über Minusvisionen - so lange ist es noch gar nicht her. Von 1997 bis 2000 war es ein unaufhaltsamer Aufstieg, mit einem furiosen Finale im Frühling des Jahres. Bis Ende 2000 hiess es, das Einknicken des Neuen Marktes sei Konsolidierung. 2001 sagten die VCs, endlich könne man wieder günstig in Startups einsteigen. An einem Frühsommertag 2001 sass ich mit ein paar Gründern und Professoren im Cafe der Glyptothek in München, und sprach über neue Geschäftsmodelle. Nebenbei liess einer fallen, es wären noch nie so viele Startups gegründet wurden wie im ersten Halbjahr 2001. Die grossartigsten Parties, die besten Buffets sind noch keine drei Jahre her. Bis zum 11. September 2001 war die Hypemachine noch in voller Fahrt, und nur die Betroffenen litten unter den Pleiten - der Rest stürmte weiter vorran ins Nichts. Kurse und Workshops zur Krisenbewältigung wurden erst vor etwa zwei Jahren ins Leben gerufen.
Anders gesagt: Wir leben im Jahr 2 nach der Katastrophe, oder maximal Ende des vierten Jahren, wenn man den Crash 2000 zugrunde legt. Für den Holtzbrinck-Konzern, in dem die Zeit erscheint, ist es noch immer nicht vorbei. Denn auf jeder Seite ist Mr. Check und erinnert an das eigene Versagen.
Mr. Check ist pure New Economy. Es ist eine Corporate-VC-Gründung, von einer Firma namens Holtzbrinck Networx - man betrachte das x am Ende. Mr. Check gehörte zum Content Syndicator Xipolis, dessen Chef eines schönen Herbsttages des Jahres 2001 in München verkündete, seine Firma sei profitabel. Was er nicht sagte, war, dass der Zwangsvertrieb von Mr. Check auf den Websites des Holtzbrinck-Konzerns das Geld einbrachte. Wer nicht musste, nahm das Programm natürlich nicht. Die Zeit muss wohl bis heute, und steckt noch knöcheltief in einer Vergangenheit, die hässlicher kaum sein kann: Xipolis wurde letztlich zerschlagen, und der erfolgsverwöhnte Chef sass eineinhalb Jahre später zufällig an einem Nebentisch in einem typischen New-Eco-Cafe und hatte ganz neue Zukunftspläne.
Und das alles soll jetzt Vergangenheit sein. Geschichte. Hätten sie gerne. Denn Geschichte ist vorbei, abgeschlossen, belästigt kaum mit den eigenen Fehlern im eigenen Konzern, und zum Glück sind die Business Developer im eigenen Haus zu feige, ihre Fehler in einem Buch zu versammeln. Und darüber zu reden, dass in der Holtzbrinck-Networx-Geschichte auch eine halbstaatliche Bank Geld verloren hat.
Anders gesagt: Wir leben im Jahr 2 nach der Katastrophe, oder maximal Ende des vierten Jahren, wenn man den Crash 2000 zugrunde legt. Für den Holtzbrinck-Konzern, in dem die Zeit erscheint, ist es noch immer nicht vorbei. Denn auf jeder Seite ist Mr. Check und erinnert an das eigene Versagen.
Mr. Check ist pure New Economy. Es ist eine Corporate-VC-Gründung, von einer Firma namens Holtzbrinck Networx - man betrachte das x am Ende. Mr. Check gehörte zum Content Syndicator Xipolis, dessen Chef eines schönen Herbsttages des Jahres 2001 in München verkündete, seine Firma sei profitabel. Was er nicht sagte, war, dass der Zwangsvertrieb von Mr. Check auf den Websites des Holtzbrinck-Konzerns das Geld einbrachte. Wer nicht musste, nahm das Programm natürlich nicht. Die Zeit muss wohl bis heute, und steckt noch knöcheltief in einer Vergangenheit, die hässlicher kaum sein kann: Xipolis wurde letztlich zerschlagen, und der erfolgsverwöhnte Chef sass eineinhalb Jahre später zufällig an einem Nebentisch in einem typischen New-Eco-Cafe und hatte ganz neue Zukunftspläne.
Und das alles soll jetzt Vergangenheit sein. Geschichte. Hätten sie gerne. Denn Geschichte ist vorbei, abgeschlossen, belästigt kaum mit den eigenen Fehlern im eigenen Konzern, und zum Glück sind die Business Developer im eigenen Haus zu feige, ihre Fehler in einem Buch zu versammeln. Und darüber zu reden, dass in der Holtzbrinck-Networx-Geschichte auch eine halbstaatliche Bank Geld verloren hat.
donalphons, 00:21h
... link (0 Kommentare) ... comment
Pailetten
Immer wieder mal werden Pailetten hochgeschwemmt. Immer dann, wenn eine Revolte kommt. Zumindest seit der vorvorletzten Boom. Da machten Pailetten mit den 68ern Furore. Seitdem haftet den Metallplättchen etwas Aufrührerisches an.
Insofern war es kein Wunder, dass die rebellischen Grossmeister des Pret-a-Porter der späten 80er wieder darauf zurückgriffen. Pailetten konnten sich bei Byblos (längst pleite), Gibo (bedeutungslos), Gaultier (Survivor) und Montana (dank Parfum überlebt) neben dem obligatorischen Schwarz behaupten - sonst nichts.

Danach, als Yohi Yamamüde wurde und die Garcons nicht mehr commen, begannen die 90er mit dem Cocooning und schluffiger Mode. Pailetten wurden wieder ein Outfit für den Christopher Street Day und den Jahresempfang der Geiselhartinger CSU. Dann begann die New Economy, und plötzlich waren die Pailetten wieder da. Nicht an den Kleidern, aber an den Wänden der In-Locations, an denen sich das Licht brach und die Pupillen in irren Reflexen funkeln liess.
Ein paar Ecken weiter von diesem Bild war noch ein anderes Beispiel für schimmernde, leise klimpernde Funkelwände. Es hiess Goldrausch. Es sieht seit ein paar Wochen sehr tot aus.

Heute waren die Rolläden kurz oben. Die Pailetten sind rausgerissen.
In der Post lag eine Einladung zu einem Ball von Liz Mohn.
Insofern war es kein Wunder, dass die rebellischen Grossmeister des Pret-a-Porter der späten 80er wieder darauf zurückgriffen. Pailetten konnten sich bei Byblos (längst pleite), Gibo (bedeutungslos), Gaultier (Survivor) und Montana (dank Parfum überlebt) neben dem obligatorischen Schwarz behaupten - sonst nichts.

Danach, als Yohi Yamamüde wurde und die Garcons nicht mehr commen, begannen die 90er mit dem Cocooning und schluffiger Mode. Pailetten wurden wieder ein Outfit für den Christopher Street Day und den Jahresempfang der Geiselhartinger CSU. Dann begann die New Economy, und plötzlich waren die Pailetten wieder da. Nicht an den Kleidern, aber an den Wänden der In-Locations, an denen sich das Licht brach und die Pupillen in irren Reflexen funkeln liess.
Ein paar Ecken weiter von diesem Bild war noch ein anderes Beispiel für schimmernde, leise klimpernde Funkelwände. Es hiess Goldrausch. Es sieht seit ein paar Wochen sehr tot aus.

Heute waren die Rolläden kurz oben. Die Pailetten sind rausgerissen.
In der Post lag eine Einladung zu einem Ball von Liz Mohn.
donalphons, 01:00h
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories



