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Dienstag, 13. Juli 2004
Real Life 12.7.04 - Oversexed
Jemand hatte eine Idee: Ein Buch über Sex in Zeiten des Internets. Er hatte wohl nicht allein diese Idee; vermutlich wollen darüber fast so viele schreiben wie, sagen wir mal, den definitiven Berlin-Roman des neuen Jahrtausends.
Sex im Internet also. Berichte von Hurentestforen, raubkopiert, Bilder von Amateuren und Profis. Kontaktanzeigen, Chatmitschnitte, Fakes, Genderswapping, Terminologie, Erfahrungsberichte. Ein Sourcebook, eine Momentaufnahme, das Bild des prallen, irren Lebens im Internet. Das war im Herbst 2000.

Heute ist er, wie ich zufällig herausfand, bei einer erzkonsevativen Stiftung untergekommen. Und hat 20 Kilo mehr auf den Rippen. Und einen sehr treuen, aufrichtigen Blick.
Wahrscheinlich verwaltet er die Gelder für Untersuchungen zur Wirkung von Online-Andachten.
Aber das Buch wäre vielleicht wirklich keine schlechte Idee. Nicht unbedingt Hurentestforen, sondern Blogs. Aber wie grenzt man solche Foren gegen Sexblogs ab?
Sex im Internet also. Berichte von Hurentestforen, raubkopiert, Bilder von Amateuren und Profis. Kontaktanzeigen, Chatmitschnitte, Fakes, Genderswapping, Terminologie, Erfahrungsberichte. Ein Sourcebook, eine Momentaufnahme, das Bild des prallen, irren Lebens im Internet. Das war im Herbst 2000.

Heute ist er, wie ich zufällig herausfand, bei einer erzkonsevativen Stiftung untergekommen. Und hat 20 Kilo mehr auf den Rippen. Und einen sehr treuen, aufrichtigen Blick.
Wahrscheinlich verwaltet er die Gelder für Untersuchungen zur Wirkung von Online-Andachten.
Aber das Buch wäre vielleicht wirklich keine schlechte Idee. Nicht unbedingt Hurentestforen, sondern Blogs. Aber wie grenzt man solche Foren gegen Sexblogs ab?
donalphons, 01:58h
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Hat eigentlich irgendwer
die Love Parade vermisst?
gestern, 11 Uhr, Mitte. Ein Trümmergrundstück nahe der ehemaligen Mauer. Menschen drängen sich Richtung Wiese, auf der Suche nach Schnäppchen, Ablenkung, irgendwas, was man so auf den Trödelmärkten der Stadt findet. Es sind wor allem junge Menschen.
An einer Stelle knickt die Marktgasse ab; dahinter ist ein freies Areal mit einer niedrigen Hütte. Auf den Liegestühlen sind drei Raver, dazu bummert es laut. Das Ganze ist so eine Art ambulante Disco, schnell in die Brache geklatscht, vielleicht nur für diesen Sommer. Raver Area, so wie es früher war, gang ganz früher zu Beginn der 90er, als mal eben eine Fabrikhalle leergeräumt wurde, oder jemand anrief und sagte, auf einer Wiese irgendwo bei Pfaffenhofen ist was los. Ausser den drei Chillern ist das Gelände am mauerpark tot, leer, ausgestorben. Eigentlich sollte hier ein Love Week Special laufen. Eigentlich sollte hier Party sein, im hohen Gras sollte jemand auf Ex poppen, irgendswas.
Es ist nichts. Ausser drei Typen im Liegestuhl.
Es nennt sich Schönwetter. Am Nachmittag kommt der erste Regen.
gestern, 11 Uhr, Mitte. Ein Trümmergrundstück nahe der ehemaligen Mauer. Menschen drängen sich Richtung Wiese, auf der Suche nach Schnäppchen, Ablenkung, irgendwas, was man so auf den Trödelmärkten der Stadt findet. Es sind wor allem junge Menschen.
An einer Stelle knickt die Marktgasse ab; dahinter ist ein freies Areal mit einer niedrigen Hütte. Auf den Liegestühlen sind drei Raver, dazu bummert es laut. Das Ganze ist so eine Art ambulante Disco, schnell in die Brache geklatscht, vielleicht nur für diesen Sommer. Raver Area, so wie es früher war, gang ganz früher zu Beginn der 90er, als mal eben eine Fabrikhalle leergeräumt wurde, oder jemand anrief und sagte, auf einer Wiese irgendwo bei Pfaffenhofen ist was los. Ausser den drei Chillern ist das Gelände am mauerpark tot, leer, ausgestorben. Eigentlich sollte hier ein Love Week Special laufen. Eigentlich sollte hier Party sein, im hohen Gras sollte jemand auf Ex poppen, irgendswas.
Es ist nichts. Ausser drei Typen im Liegestuhl.
Es nennt sich Schönwetter. Am Nachmittag kommt der erste Regen.
donalphons, 15:31h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 11. Juli 2004
Der typische Berlin-Hasser-Eintrag
Da, wo ich herkomme, aus einer idyllischen, reichen Stadt in der Provinz, sind Blumen ein Anlass der Freude. Man kauft und schenkt sie, um das Leben, das dasein, die Liebe zu feiern.

Das hier sieht man, wenn man in den besseren, zentralen Teilen des Slums Berlin a.d. Spree, der grössten Ansammlung von zerfallenden Bauten und hoffnungslosen, artikulationsunfähigen Sozialfällen in der Bundesrepublik, eine Pflanze kaufen will. Selbst die Blumenhändler, sonst Anwälte des Lebens, geben sich leidlich Mühe, die Desaster Area lebensunfreundlich zu gestalten.
Die beste Gärtnerei in meiner Gegend befindet sich übrigens auf einem Trümmergrundstück, ein Ergebnis des letzten Krieges, der allenfalls Monate vorbei zu sein scheint. Wenn überhaupt.

Das hier sieht man, wenn man in den besseren, zentralen Teilen des Slums Berlin a.d. Spree, der grössten Ansammlung von zerfallenden Bauten und hoffnungslosen, artikulationsunfähigen Sozialfällen in der Bundesrepublik, eine Pflanze kaufen will. Selbst die Blumenhändler, sonst Anwälte des Lebens, geben sich leidlich Mühe, die Desaster Area lebensunfreundlich zu gestalten.
Die beste Gärtnerei in meiner Gegend befindet sich übrigens auf einem Trümmergrundstück, ein Ergebnis des letzten Krieges, der allenfalls Monate vorbei zu sein scheint. Wenn überhaupt.
donalphons, 23:32h
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Business Plan Wettbewerb Orga
Nette Mail: Ein BPW meldet steigende Teilnehmerzahlen und erhöhte Aktivität. Beim Blick auf die Website stellt sich heraus: Die Mitarbeiterzahlen haben überproportional abgenommen. 70% Mortalität bei der letzten Runde. Nur noch die Altgedienten sind da.
Die hatten früher schon kein geregeltes Leben mehr. Definierten "In der Arbeit aufgehen" neu. Heute wird man sagen müssen: "Lösen sich in Arbeit auf". Und man fragt sich, warum sie nicht einfach loslassen und irgend was anderes machen, fertig studieren, einen langweiligen 60-Stunden Job in der Old economy, was vielleicht noch einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft hat.
Aber nach diesem Auf und Ab der New Economy sind die Überlebenden jenseits von Gut und Böse. Es gibt nur noch eine Richtung: Vorwärts. Denn hinter ihnen ist schon das Nichts.
Die hatten früher schon kein geregeltes Leben mehr. Definierten "In der Arbeit aufgehen" neu. Heute wird man sagen müssen: "Lösen sich in Arbeit auf". Und man fragt sich, warum sie nicht einfach loslassen und irgend was anderes machen, fertig studieren, einen langweiligen 60-Stunden Job in der Old economy, was vielleicht noch einen anderen Stellenwert in der Gesellschaft hat.
Aber nach diesem Auf und Ab der New Economy sind die Überlebenden jenseits von Gut und Böse. Es gibt nur noch eine Richtung: Vorwärts. Denn hinter ihnen ist schon das Nichts.
donalphons, 06:14h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 11. Juli 2004
Revolutionsarchitektur
der 70er Jahre

Sie haben Zeichen hinterlassen. Hässlich, laut, dauerhaft. Die lichtgrauen Trennwänder der Cubicles der New Economy wird man aus den Lofts herausreissen und auf den Müll werfen.

Sie haben Zeichen hinterlassen. Hässlich, laut, dauerhaft. Die lichtgrauen Trennwänder der Cubicles der New Economy wird man aus den Lofts herausreissen und auf den Müll werfen.
donalphons, 00:13h
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Real Life 10.7.04 - Zeuginnen der Anfrage
Bei meinem täglichen Spaziergang durch die Blogosphäre sind mir drei werdene Trauzeuginnen über den Weg gelaufen. Das ist viel. Sehr viel.
Ich frage mich: Wieviele Erstschlagswaffen-Kinderwägen und Lenkgeschoss-Dreiräder vertragen der Zionskirchplatz, der Naschmarkt und die Leopoldstrasse noch? Warum gibt es bei vielen keinen Stolz mehr, ein Single zu sein? Was wird aus gesellschaftlichen Fortschritten wie Promiskuität, offenen Beziehungen und schnellem Sex im Auto vor der Haustür?
Was für ein trauriges Leben. Ich wurde einmal von einer Frau gebeten, auf ihre Hochzeit zu kommen. Ich sagte ihr, wenn ich käme, würde ich sie hinter das Gebüsch zerren. Aus Prinzip. Sie hat dann ohne mich geheiratet, aber nach der Scheidung waren wir ziemlich lange Cafe trinken.
Es wäre besser gewesen, sie hinter den Busch zu zerren. Ich hoffe, die Trauzeuginnen haben verstanden, was sie zu tun haben. Nicht nur an sich selbst denken, sondern an unsere Zivilgesellschaft. Danke.
Ich frage mich: Wieviele Erstschlagswaffen-Kinderwägen und Lenkgeschoss-Dreiräder vertragen der Zionskirchplatz, der Naschmarkt und die Leopoldstrasse noch? Warum gibt es bei vielen keinen Stolz mehr, ein Single zu sein? Was wird aus gesellschaftlichen Fortschritten wie Promiskuität, offenen Beziehungen und schnellem Sex im Auto vor der Haustür?
Was für ein trauriges Leben. Ich wurde einmal von einer Frau gebeten, auf ihre Hochzeit zu kommen. Ich sagte ihr, wenn ich käme, würde ich sie hinter das Gebüsch zerren. Aus Prinzip. Sie hat dann ohne mich geheiratet, aber nach der Scheidung waren wir ziemlich lange Cafe trinken.
Es wäre besser gewesen, sie hinter den Busch zu zerren. Ich hoffe, die Trauzeuginnen haben verstanden, was sie zu tun haben. Nicht nur an sich selbst denken, sondern an unsere Zivilgesellschaft. Danke.
donalphons, 02:16h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 10. Juli 2004
Vorgaben
Alles läuft nach Plan. man hat keine Kosten und Mühen gespart, um das Ding nach Plan umzusetzen. man hat die örtlichen Politiker plattgemacht, damit keiner was dagegen hat. Und die Bizz-Schickeria stand bei der Planung des Highlight Munich Business Towers schon Schlange. Roland "Rollkommando" Berger kommt wirklich.

Andere gibt es schon nicht mehr. Überhaupt, Twin Towers sind, ganz unverschuldet, nicht eben mit dem besten Ruf gesegnet. Aber Rückbau wäre jetzt etwas verfrüht - also geht es weiter in die Höhe, die Gläser werden gerade eingesetzt.
Sie sind verspiegelt. Niemand untern wird erkennen, wie viele Büros leer stehen.

Andere gibt es schon nicht mehr. Überhaupt, Twin Towers sind, ganz unverschuldet, nicht eben mit dem besten Ruf gesegnet. Aber Rückbau wäre jetzt etwas verfrüht - also geht es weiter in die Höhe, die Gläser werden gerade eingesetzt.
Sie sind verspiegelt. Niemand untern wird erkennen, wie viele Büros leer stehen.
donalphons, 00:29h
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Real Life 9.7.04 - One more bad night
Strange. 14.000 Zeichen über den erfolgreichen IPO von Google schreiben. HullyGully. Yaga Yaga, sagen alle. Ich sage: Nur eine Story.
Keine Story, sondern Realität: Davor lesen, dass die Firma eines Bekannten pleite ist. Schuld ist offenbar die Panik bei einem staatlichen Investor. Kein blödes Startup mit hipper Gaga-Idee. Sondern ein kleines Biotech-Startup mit einem Produkt für Krebsfrüherkennung, speziell Gebärmutterkrebs. Das Produkt steht kurz vor Ende der Erprobungsphase.
Ich habe ihm vor eineinhalb Jahren geraten, den staatlichen Investor rauszutun und mit ein paar interessierten Leuten weiterzumachen, weil dieses Problem absehbar war. Die staatlichen Jungs wollten aber nicht. Am Geld sollte es nicht liegen. Biotech ist doch kein Internet. Sagten sie Anfang 2003.
Vielleicht können sie es zu einem Pharmakonzern rüberschieben, und zumindest die Idee retten. Ist ja nicht so, dass es nicht gebraucht wird, es gibt einen gottverdammten Bedarf dafür, auch wenn es dann sicher erheblich länger dauern wird, wegen Insolvenzverwaltung, Übergabe, Einarbeitung, und so.
Es ist so erbärmlich.
Keine Story, sondern Realität: Davor lesen, dass die Firma eines Bekannten pleite ist. Schuld ist offenbar die Panik bei einem staatlichen Investor. Kein blödes Startup mit hipper Gaga-Idee. Sondern ein kleines Biotech-Startup mit einem Produkt für Krebsfrüherkennung, speziell Gebärmutterkrebs. Das Produkt steht kurz vor Ende der Erprobungsphase.
Ich habe ihm vor eineinhalb Jahren geraten, den staatlichen Investor rauszutun und mit ein paar interessierten Leuten weiterzumachen, weil dieses Problem absehbar war. Die staatlichen Jungs wollten aber nicht. Am Geld sollte es nicht liegen. Biotech ist doch kein Internet. Sagten sie Anfang 2003.
Vielleicht können sie es zu einem Pharmakonzern rüberschieben, und zumindest die Idee retten. Ist ja nicht so, dass es nicht gebraucht wird, es gibt einen gottverdammten Bedarf dafür, auch wenn es dann sicher erheblich länger dauern wird, wegen Insolvenzverwaltung, Übergabe, Einarbeitung, und so.
Es ist so erbärmlich.
donalphons, 10:33h
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Donnerstag, 8. Juli 2004
Soziopathenlogik
Das Leben ist nur ein soziales Experiment mit ungewissem Ausgang.
donalphons, 06:59h
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Ohne Schlaf
Da sind sofort wieder diese Bilder. Die kaputten Strassen. Die türkischen Kids in den Surf Stations, wo sie ihr Geld verplempern, und draussen steht ein Mädchen auf Droge und wartet auf das Nichts. Später, nach Sonnenuntergang, kommt ein Notarzt, aber nicht wegen ihr. Eine Bekannte ruft an und erzählt, dass ihr Arbeitgeber nicht zahlt und auch nicht vorhat, zu zahlen. Im Briefkasten sind 10 Zentimeter glänzendes Prospektmaterial von Verlagen, die ihre Autoren ausbeuten. Und ein Promo-Prospekt einer Organisation, die kaum jemand kennt, aber ein erstklassiges Netzwerk hat, zu dem sie mich auch zählen durften, bis ich das Heft durchblättere und die Kotzfresse eines betrügerischen Young Leader Startuppers sehe, neben einem alten Schmiergeldempfänger.

Es ist Vollmond, alle Pflichten des Tages sind abgearbeitet, aber ich kann nicht schlafen. Es ist eine Nacht, in der etwas geschehen mus, so atemlos böse starren die Fassaden in die Finsternis, da ist etwas, das schief läuft, unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, es hat mit diesem Moloch zu tun, der wärmer geworden ist und voller Fliegen.
Selbst der Nachtwind riecht faulig. Vielleicht sind es auch nur zu viele Eindrücke, zu viele Orte in den letzten Tagen. Die Nerven. Tee hilft etwas. Aber schlafen kann ich für heute Nacht vergessen.

Es ist Vollmond, alle Pflichten des Tages sind abgearbeitet, aber ich kann nicht schlafen. Es ist eine Nacht, in der etwas geschehen mus, so atemlos böse starren die Fassaden in die Finsternis, da ist etwas, das schief läuft, unterhalb der Wahrnehmungsgrenze, es hat mit diesem Moloch zu tun, der wärmer geworden ist und voller Fliegen.
Selbst der Nachtwind riecht faulig. Vielleicht sind es auch nur zu viele Eindrücke, zu viele Orte in den letzten Tagen. Die Nerven. Tee hilft etwas. Aber schlafen kann ich für heute Nacht vergessen.
donalphons, 06:12h
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Flüchtig
Die FAZ will nichts dazu sagen, obwohl sie beste Kontakte zu Fischer hat. Die TAZ macht noch schnell Schleichwerbung für ihren Mitte-Autor Martin Schacht, der einen Flop hingelegt hat. Der Spiegel verzichtete darauf, es macht keinen Sinn mehr, Reinhard Mohrs Versuch einer Generation Z ist schon längst aus dem Rennen. Man muss schnell mitnehmen, was man kriegen kann, oder schweigen, weil man betroffen ist.
Argon war beliebt, weil sie immer offen waren für Autoren der üblichen Qualitätsmedien. Argon hatte eine klar definierte Zielgruppe, und mit den Rechten an Generation Golf auch ein nicht endend wollendes Geschäftsmodell. Egal, was sie brachten, es war immer irgendwie Generation.
Und Hype. Bestseller war ein Standardbegriff. Bestseller war alles, was die PR auf Lager hatte. Es genügte eine positive Besprechung von einem Zeitungskumpel der Autoren, dann schallte dieses Wort hektisch aus dem Telefon der Kulturredaktion; Argon machte schnelle Bücher, Massenartikel für die Einmalnutzung, immer trendy so wie im Januar 2000, als die Börsenkurse durch die Decke gingen und Illies der erträglichen Leichtsinnigkeit dieser seltsamen Jugend ohne Gott und Göttlichkeit ein kleines Denkmal aus Autointerieurplastik und Blattgold setzte.
Es hatte einmal geklappt. Warum sollte es nicht wieder klappen. Also her mit den jungen Leuten von RTLFAZSpiegelSternSZTAZ, am besten in Berlin wohnend und bitte nicht allzu anspruchsvoll, ok? Immer nett, immer wohlerzogen, nie extrem und gehässig. Immer lächeln. Kein - böses - Wort, bitte.

Dann letztes Jahr nochmal ein Buch in die Listen geprügelt. Und dieses Jahr der Nachfolger. Spitzentitel. 50.000 Startauflage. Inserate. Aber es zog nicht mehr. Offenbar hatte man zwar ein Jahr zuvor den neuen Star gekauft, aber nicht gemocht.
Oder vielleicht kein Geld mehr? Argon machte immer ein Programm, als wäre es Januar 2000. Als gäbe es noch all diese optimistischen leute, deren einzige Sorge der richtige Hemdkragen ist. Ende letzten Jahres kreuzte ein Agent bei mir auf, der mir tolle Sachen vomn Argon erzählte, da würde ich doch optimal reinpassen, und er kennt jemanden der ganz begeistert sei von mir.
In vier Wochen erscheint das nächste Buch. Bei S&S. Wo sonst. Und bei Argon gehen die Lichter aus, und in einer Ecke kotzt sicher gerade der Agent, der jetzt auf einem Haufen unvermittelbarer Mitteautoren sitzt. Den alten Katalog werde ich mir behalten. Zur Mahnung.
Argon war beliebt, weil sie immer offen waren für Autoren der üblichen Qualitätsmedien. Argon hatte eine klar definierte Zielgruppe, und mit den Rechten an Generation Golf auch ein nicht endend wollendes Geschäftsmodell. Egal, was sie brachten, es war immer irgendwie Generation.
Und Hype. Bestseller war ein Standardbegriff. Bestseller war alles, was die PR auf Lager hatte. Es genügte eine positive Besprechung von einem Zeitungskumpel der Autoren, dann schallte dieses Wort hektisch aus dem Telefon der Kulturredaktion; Argon machte schnelle Bücher, Massenartikel für die Einmalnutzung, immer trendy so wie im Januar 2000, als die Börsenkurse durch die Decke gingen und Illies der erträglichen Leichtsinnigkeit dieser seltsamen Jugend ohne Gott und Göttlichkeit ein kleines Denkmal aus Autointerieurplastik und Blattgold setzte.
Es hatte einmal geklappt. Warum sollte es nicht wieder klappen. Also her mit den jungen Leuten von RTLFAZSpiegelSternSZTAZ, am besten in Berlin wohnend und bitte nicht allzu anspruchsvoll, ok? Immer nett, immer wohlerzogen, nie extrem und gehässig. Immer lächeln. Kein - böses - Wort, bitte.

Dann letztes Jahr nochmal ein Buch in die Listen geprügelt. Und dieses Jahr der Nachfolger. Spitzentitel. 50.000 Startauflage. Inserate. Aber es zog nicht mehr. Offenbar hatte man zwar ein Jahr zuvor den neuen Star gekauft, aber nicht gemocht.
Oder vielleicht kein Geld mehr? Argon machte immer ein Programm, als wäre es Januar 2000. Als gäbe es noch all diese optimistischen leute, deren einzige Sorge der richtige Hemdkragen ist. Ende letzten Jahres kreuzte ein Agent bei mir auf, der mir tolle Sachen vomn Argon erzählte, da würde ich doch optimal reinpassen, und er kennt jemanden der ganz begeistert sei von mir.
In vier Wochen erscheint das nächste Buch. Bei S&S. Wo sonst. Und bei Argon gehen die Lichter aus, und in einer Ecke kotzt sicher gerade der Agent, der jetzt auf einem Haufen unvermittelbarer Mitteautoren sitzt. Den alten Katalog werde ich mir behalten. Zur Mahnung.
donalphons, 03:37h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 7. Juli 2004
Endzeit.
Sichere Jobs, sagten sie. Keine Frage, der Standort bleibt. Man steht zur Corporate Citizenship. Bis München doch noch etwas Förderung locker machte, gerade so viel, dass Berlin nicht mithalten kann. Da drüben werden ein paar Leute bald New Economy Feelings bekommen, Abteilung Endzeit. Über den Stadtring davor preschen schlecht gepflegte Wägen vorbei, wie verstaubte Kampfmaschinen auf einem Flugzeugträger. Die Luft ist schon wieder kalt.

So ist das nun mal in der Klassengesellschaft; in der Vorstadt gibt es auf der Terasse eine Heizung. Ich habe dort heute mit einem Mann gesprochen, der an einem Tag so viel verdient hat, wie ein Arbeiter da drüben in einem Jahr. Der meinte, dass man erhebliche menschliche Qualitäten mitbringen müsse, wenn man mit Schulden ein Vermögen erwirtschaften will. Was er übrigens seines Erachtens nicht hat.

So ist das nun mal in der Klassengesellschaft; in der Vorstadt gibt es auf der Terasse eine Heizung. Ich habe dort heute mit einem Mann gesprochen, der an einem Tag so viel verdient hat, wie ein Arbeiter da drüben in einem Jahr. Der meinte, dass man erhebliche menschliche Qualitäten mitbringen müsse, wenn man mit Schulden ein Vermögen erwirtschaften will. Was er übrigens seines Erachtens nicht hat.
donalphons, 04:39h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 6. Juli 2004
Aventiner
Er ist gross, blond, kantig und lässt einen unwillkürlich an gewisse Filmrollen der späten 40er denken, in denen solche Gestalten schwarze Uniformen trugen und am Ende sehr tot waren, nach Beschuss seitens guter amerikanischer GIs.
Er trägt keine Uniform, zumindest keine schwarze. Aber ein weisses Hemd, bei dem der Kragen hochgestülpt ist. "Aventiner" ist hinten im Kragen eingestickt. Auf seiner Brusttasche prangt eine Lilie. Das sind die besten hier an dieser Uni, sagen sie. Die grossen Networker. Die Bilder ihrer Website wurden erstellt mit PhotoThumb 1.0 (Unregistered Trial Version).
Er sieht mich verächtlich an, weil ihm nicht bekannt ist, dass Leinen edel knittert und die Beule an der Sakkotasche von einer Kamera kommt, die er sich erst in ein paar Jahren leisten können wird.
Das macht ihn, wie soll ich sagen, ein wenig lächerlich und dünkelhaft. Verachtenswert wird er erst dann, als er in die "Studenten-Appartments am Münster" geht; ein vollkommen überteuertes Renditeobjekt auf dem Gelände einer Wäscherei, das eine Dekade dekontaminiert werden musste, bevor man darauf Studenten mit zu viel Geld und zu wenig Ahnung vom Immobilienmarkt ansiedelte.
Ein Mietbewohner eines Renditeobjekts, finanziert durch den lokalen Geldvierteladel. Anständige Leute sind da nicht investiert. So sieht die Wirtschafts-Elite aus, blond und keine Ahnung, dass sie sich dumm und dämlich zahlen. Naja. Ich gehe hoch zu unserem Stadtpalast, und denke, ich müsste wirklich mal zählen, wieviele Zimmer wir hier in der Stadtmitte haben. Sicher mehr als 20, glaube ich.
weitaus nettere, vollkommen unaventinische Fortsetzung hier
Er trägt keine Uniform, zumindest keine schwarze. Aber ein weisses Hemd, bei dem der Kragen hochgestülpt ist. "Aventiner" ist hinten im Kragen eingestickt. Auf seiner Brusttasche prangt eine Lilie. Das sind die besten hier an dieser Uni, sagen sie. Die grossen Networker. Die Bilder ihrer Website wurden erstellt mit PhotoThumb 1.0 (Unregistered Trial Version).
Er sieht mich verächtlich an, weil ihm nicht bekannt ist, dass Leinen edel knittert und die Beule an der Sakkotasche von einer Kamera kommt, die er sich erst in ein paar Jahren leisten können wird.
Das macht ihn, wie soll ich sagen, ein wenig lächerlich und dünkelhaft. Verachtenswert wird er erst dann, als er in die "Studenten-Appartments am Münster" geht; ein vollkommen überteuertes Renditeobjekt auf dem Gelände einer Wäscherei, das eine Dekade dekontaminiert werden musste, bevor man darauf Studenten mit zu viel Geld und zu wenig Ahnung vom Immobilienmarkt ansiedelte.
Ein Mietbewohner eines Renditeobjekts, finanziert durch den lokalen Geldvierteladel. Anständige Leute sind da nicht investiert. So sieht die Wirtschafts-Elite aus, blond und keine Ahnung, dass sie sich dumm und dämlich zahlen. Naja. Ich gehe hoch zu unserem Stadtpalast, und denke, ich müsste wirklich mal zählen, wieviele Zimmer wir hier in der Stadtmitte haben. Sicher mehr als 20, glaube ich.
weitaus nettere, vollkommen unaventinische Fortsetzung hier
donalphons, 15:36h
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Sundowner
Ein Account ist in München; nur in München. Kein Wunder, dass ich die Nachricht nicht bekommen habe. Jemand hat sie dort abgerufen und mitgebracht.
Sie heissen jetzt anders. Gar nicht blöd, die erste Domain war dämlich, und sie wollten sie schon vor einem Jahr ändern. Jetzt also ein Kunstname, aber alles andere bleibt, wie es ist. Draussen vor dem Fenster schmilzt sich die Sonne in die Erde; das späte Licht macht die Wolken finster.

Sonst alles wie gewohnt, sagen sie. Aber ich wundere mich, warum das von jemandem kommt, den ich nicht kenne. Die waren doch ganz klein. Sind sie immer noch, sagt das Internet. Aber die Vision ist neu. Die Software, die sie machen, kenne ich nicht. Die Adresse riecht nach Home Office. Wen ich da mal kannte, ist nicht mehr da.
Sie sind nicht pleite. Sie haben so lang überlebt. Aber jetzt haben sie den AG-Mantel verkauft, und wohl auch den Verteiler. Sie konnten nicht präsentieren, sie wollten einfach nur eine gute, leise Geschichte machen.
Sie wurde leise. Gut eher nicht. Warum ausgerechnet sie.
Sie heissen jetzt anders. Gar nicht blöd, die erste Domain war dämlich, und sie wollten sie schon vor einem Jahr ändern. Jetzt also ein Kunstname, aber alles andere bleibt, wie es ist. Draussen vor dem Fenster schmilzt sich die Sonne in die Erde; das späte Licht macht die Wolken finster.

Sonst alles wie gewohnt, sagen sie. Aber ich wundere mich, warum das von jemandem kommt, den ich nicht kenne. Die waren doch ganz klein. Sind sie immer noch, sagt das Internet. Aber die Vision ist neu. Die Software, die sie machen, kenne ich nicht. Die Adresse riecht nach Home Office. Wen ich da mal kannte, ist nicht mehr da.
Sie sind nicht pleite. Sie haben so lang überlebt. Aber jetzt haben sie den AG-Mantel verkauft, und wohl auch den Verteiler. Sie konnten nicht präsentieren, sie wollten einfach nur eine gute, leise Geschichte machen.
Sie wurde leise. Gut eher nicht. Warum ausgerechnet sie.
donalphons, 03:07h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 5. Juli 2004
911 Targa
Die Zeiten, in denen hier noch Startups gegründet wurden, sind lang vorbei. Inzwischen haben sich hier Computerschrauber, Werkstätten, Casting-Agenturen und zwielichtige TV-Zulieferer breit gemacht. Beim grossen Verrecken in der Munich Area muss der tuxedoblaue 911 Targa hier irgendwie vergessen worden sein. Vielleicht wollte ein Jungmanager das Teil restaurieren, um dann später mal die Leopold runterzuheizen.
Vielleicht hatte er irgendwann keine Zeit mehr dafür, weil es in den Abgrund ging. Solche Typen schaffen dann locker 18 Stunden panische Unproduktivität am Tag, da sollte sich so ein AStA-Vorstand auf der schiefen Ebene" mal ein Beispiel dran nehmen. Der Targa blieb jedenfalls über ein Jahr liegen, angespachtelt, neu gerostet, aber ohne Scheinwerfer und Nummernschild.
Jetzt hat das Facility Management einen orangen Aufkleber drauf gemacht: Entweder das Ding kommt weg, oder in den Schrott. Der Besitzer wird es nicht mehr wahrnehmen.

Aber so ganz tot ist der Wunsch nach Aufmerksamkeit, der Traum vom ´75 Porsche Targa heading south through the alps down to Italia noch nicht. Das Ding ist ein Wrack, da stecken hunderte von Stunden Arbeit drin, aber jemand von den überlebenden Multimedia-Klitschen hat einen Zettel reingemacht, dass er ihn sofort nimmt, man soll ihn einfach anrufen.
Vielleicht hat er noch die nötige Zeit. Vielleicht will er einfach nur auf den zerschlissenen Ledersitzen Cola trinken und von der Zukunft träumen, und mit den Fingern über die Haifischkiemen an der B-Säule streicheln. Vielleicht ist es der Beginn einer wunderbaren Beziehung, der Motor wird wieder donnern, und die Zukunft ist unendlich gross, und all die toten Startups werden aus ihren Gräbern auferstehen. Denn ein Wunder ist diese Area, und wer sie nicht kennt, soll kommen und hier gründen, wo die Porsches zum Mitnehmen einfach so am Strassenrand stehen.
Vielleicht hatte er irgendwann keine Zeit mehr dafür, weil es in den Abgrund ging. Solche Typen schaffen dann locker 18 Stunden panische Unproduktivität am Tag, da sollte sich so ein AStA-Vorstand auf der schiefen Ebene" mal ein Beispiel dran nehmen. Der Targa blieb jedenfalls über ein Jahr liegen, angespachtelt, neu gerostet, aber ohne Scheinwerfer und Nummernschild.
Jetzt hat das Facility Management einen orangen Aufkleber drauf gemacht: Entweder das Ding kommt weg, oder in den Schrott. Der Besitzer wird es nicht mehr wahrnehmen.

Aber so ganz tot ist der Wunsch nach Aufmerksamkeit, der Traum vom ´75 Porsche Targa heading south through the alps down to Italia noch nicht. Das Ding ist ein Wrack, da stecken hunderte von Stunden Arbeit drin, aber jemand von den überlebenden Multimedia-Klitschen hat einen Zettel reingemacht, dass er ihn sofort nimmt, man soll ihn einfach anrufen.
Vielleicht hat er noch die nötige Zeit. Vielleicht will er einfach nur auf den zerschlissenen Ledersitzen Cola trinken und von der Zukunft träumen, und mit den Fingern über die Haifischkiemen an der B-Säule streicheln. Vielleicht ist es der Beginn einer wunderbaren Beziehung, der Motor wird wieder donnern, und die Zukunft ist unendlich gross, und all die toten Startups werden aus ihren Gräbern auferstehen. Denn ein Wunder ist diese Area, und wer sie nicht kennt, soll kommen und hier gründen, wo die Porsches zum Mitnehmen einfach so am Strassenrand stehen.
donalphons, 15:31h
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