: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 17. November 2009

Rottach im Nebel

Man muss vielleicht vorausschicken, dass wir am See jetzt wieder allerbestes Wetter haben, ein Traum, echtes Kaiserwetter, um den alten Begriff zu bemühen:



Aber so war es am Sonntag nicht, als ich auf die dumme Idee kam, in Rottach einen Spaziergang zu unternehmen. Immerhin war es so deprimierend, dass mir dabei die Idee zu einem Beitrag über die Mittlebenskrise in Kreisen kam, die dergleichen eigentlich nicht kennen sollten. Zu lesen in der FAZ.

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In der grossen Stadt

Ich war am Sonntag in Rottach, und es war etwas viel. Das gefühl, hier nicht hinzugehören. Die Ahnung, dass es darauf trotzdem hinauslaufen wird, weil man in meiner Lage kaum andere Alternativen hat, und die Fremde, das Andere zum drin Leben auch nichts Gutes wäre. Es wird auf eine kleine Stadt im Süden hinauslaufen, Meran, Riva, Arco, Verona, Mantua. Ich kann und werde nicht nach Bochum, in den Kongo oder Israel gehen. Ich kann aber auch nicht zurück nach München. Obwohl ich dorthin zurück könnte.



Ich könnte dorthin zurück, weil ich dort eine Wohnung habe, und die beste aller Mieterinnen aufgrund persönlicher Veränderungen nach über drei Jahren auszieht. Meine Nachbarn dort machen es so; die kommen ein paar Mal im Jahr nach München, vor allem zu den Opernfestspielen, und sparen sich so das Hotel. den Rest des Jahres steht sie leer, aber wenn man erst mal drei Wohnungen bewohnt, ist das ohnehin praktisch überall so. Es wäre eigentlich ideal zum Ausgehen, um mal eine Nacht zu bleiben, oder ein paar Tage Ausstellungen zu besuchen. Allein: Ich könnte es nicht.



München geht mir extrem aufs Gemüt. Ich fahre in den Bergen nicht gerade langsam, ich mag schnell gefahrene Serpentinen und befinde mich dann, all den Herausforderungen zum Trotz, in einer Hochstimmung. München ist auch anstrengend. Viel anstrengender als italienische Städte, nur Rom kann da noch mithalten. Und es nervt. Man kann nicht am Abend nach München fahren, ohne an der Isar nicht aufgeladen zu sein. Der Münchner Autofahrer ist über weite Strecken immer noch das charakterlose Arschloch, das er immer war. Die Stadt ist nicht hässlich, aber wenn man vom Tegernsee kommt, mit Bergen und Almen gegenüber und Kühen als nachbarn und Pferden hinter dem Haus, ist man fast peinlich berührt, der jungen Frau, die sich für die Wohnung interessiert, die Aussicht als "schön" zu beschreiben. Sie ist für Münchner Innenstadtverhältnisse weit überdurchschnittlich, hell, weit, ja sogar mit Bäumen vor dem Fenster. Aber absolut gesehen immer noch scheusslich. In der kleinen, dummen Stadt an der Donau sieht man Baudenkmäler, am Tegernsee den Hirschberg und die Neureuth. Und Sonne den ganzen Tag.



In München gibt es keinen richtigen Sonnenuntergang, irgendwann verschwindet die Sonne hinter einem Haus. Die Maxvorstadt ist mir über die Jahre fremd geworden, nur die Raser sind noch da, alles andere wurde zwei, dreimal umgepflügt. Es gibt mehr Museen gegenüber und weniger Antiquariate hinten, die Lokale kann man fast nicht auseinander halten, und man muss schon etwas jünger sein, um die fraglos vorhandenen Vorzüge der Region voll nutzen zu können. Die neue Mieterin macht den Eindruck, als würde sie perfekt in die Umgebung reinpassen, und genau das erklärt auch mein Problem: München ist auch in seinen schöneren Ecken nichts für Leute, die vergessen und in Ruhe leben wollen. Das geht vielleicht in Schlafstädten, in Moosach oder Gräfelfing, aber dort würde ich auch nicht sein wollen.



Ich hoffe, die junge Frau nimmt die Wohnung, denn sie passt dort hinein, und mein Vermieterblut sagt mir ohne Kontoauszüge und andere Demütigungen, dass sie die Richtige ist. Genau das aber macht München schon von Beginn an so hässlich: Dass man hier normalerweise sofort zur Ader gelassen wird durch den Makler, dass Vermieter süchtig sind nach Nachweisen von Vermögen und Erfolg, dass man ünerall zu spüren bekommt, dass man vorne mit dabei sein muss, um etwas zu erlangen. Genauso fahren sie dann auch Auto. Es ist nicht immer so, November ist auch in München besonders schlimm, aber sollte ich es wirklich mal brauchen, kann ich in einer halben Stunde hinfahren. Mit der Haltung jedoch bin ich recht einsam; erstaunlicherweise kann man am Tegernsee immer noch billiger als in der Maxvorstadt mieten. Alle wollen dorthin. Ich früher auch. Aber heute bin ich froh, wenn ich wieder am See bin, ohne dass mir jemand ein Loch ins Auto geparkt hat, und es am Bahnhof beim Erwerb von "The Amuser" bei ein paar schrägen Blicken durch die Hasenbergljugend bleibt.

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Montag, 16. November 2009

Beste Lage im November

Die kleinen Hundehütten rechts im Bild am See - 5500 Euro der Quadratmeter. Liegt in Tegernsee. Was man dazu wissen muss: Laut bayerischer Verfassung ist der Zugang zum See frei zu halten. Darüber streitet man sich gerade in Tegernsee. Es kann also sein, dass irgendwann Touristenscharen in fünf Meter Abstand zur Terrasse vorbeigehen. Ist aber schon eingepreist



Die Hoffnung, dass die Aussicht wenig Spass am Vorbeigehen macht, dürfte vergebens sein, denn das Hotel gegenüber, das gerade aussieht wie der Leipziger Flughafen während eines Umbaus, ist weit genug entfernt. Man muss schon etwas näher gehen, um dieses exklusive Ding zu sehen. Übernachtungen ab 248 Euro. Wenn erst mal Schnee liegt, wird alles besser.



Für die paar Stunden, da Rottach nicht im Schatten der Berge liegt. Ich weiss schon, warum ich an einen Ort gezogen bin, dessen Gemarkung "Am Sonnenhang" heisst. Und nicht Rottach.

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Heisses Thema

Ich denke, deutsche Medien täten sich mit dem Internet sehr viel leichter, wenn sie erprobte Strategien der Blogs adaptieren würden. Nachdem es aber nicht so leicht ist, die Verlage zu überzeugen, bin ich heute selbst aktiv geworden, und habe in der FAZ einen Cat Content Beitrag verfasst.



Mit Holz, Garten, Familie und Apfelstrudel - ich sehe also dem Hochschnellen der Klickzahlen gelassen und selbstbewusst entgegen.

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Samstag, 14. November 2009

Vorwintersport

Ich bemerke die Änderung der Jahreszeit schon beim Packen für meine kleinen Wochenendreisen. Meine grosse, alte Reisetasche reicht im Sommer spielend für ein Paar Schuhe, ein paar Hemden, Wäsche, eine Hose und zwei Jacken. Im Winter werden die Jacken und Schuhe schwerer, der ein oder andere Pulli muss mit, und ein paar Bücher dürfen für die langen Abende auch nicht fehlen. Prompt ist die Tasche voll bis unter den Rand.



Das allerdings ist nicht mehr als weise Vorsorge, denn mit dem versprochenen Föhn in den Bergen ist es wie mit Godot: Man kann auf ihn warten, aber wenn er nicht gleich kommt, kann es länger dauern. Dann steht man draussen und fragt sich, warum man nicht gleich noch ein paar Schals mitgenommen hat, ein paar Bücher mehr und warme Winterdecken - die sind noch daheim, wo sie gut liegen. Derweilen liegt schiefergrau der See im Tal, und die Brise steift föhnlos von den eisigen Höhen herab.



Ja, es wird Winter, und im Keller träumen schon die Rodel von einer Handvoll Schnee unter den Kufen, um darauf erst gen Berg gezogen und danach ins Tal gerast zu werden. In zwei Wochen ist hier das, was sie "Winter Opening" nennen, aber da ist auch ein kleines Problem: Mag Rodeln auch eine dieser wunderbaren alten Sportarten sein, für die man keinen Lift und keine Karte, keinen Strom und vor allem keine Menschenansammlungen zu erdulden braucht, wie etwa beim Skifahren - so ist es doch nicht aller Gäste Sache, durch verwinkelte Kurven immer entlang des Abflugs in die wunderbare Botanik am See die Kufen in das Eis zu graben. Und ich gebe zu: Rodeln ist, wenn es richtig gemacht wird, ein Sport für harte Männer, mit allem, was Männern Spass macht, und nicht zuletzt auch der Möglichkeit, nette Tegernseerinnen ganz in Weiss in Arztpraxen kennenzulernen, wenn man aus dem Koma erwacht. Besucherinnen sind für solche Reize nicht immer empfänglich. Aber:



Trotz globaler Erwärmung ist der Sylvensteinspeicher hoch genug gelegen, um dortselbst in grosser Bergeinsamkeit vor grandioser Kulisse einen anderen Retrosport zu betreiben. Vor dem See geht es links ab zu den Skigebieten am Achensee, wo sich der Münchner mit Strohrum betrinkt und nicht auf die Idee kommt, hier zu stören. Und so kann man hier oben Schlittschuh laufen, über endlose Kilometer immer an den Ufern entlang. So man Schlittschuhe hat. Und das ist nicht so einfach, denn kaum eine Besucherin hat dergleichen noch in Zeiten der globalen Erwärmung, und auch, wenn ich genug Rodelkapazitäten für sieben Leute hätte - Schlittschuhe in allen Grössen kann ich kaum anschaffen. Wäre da nicht heute Flohmarkt am Tegernsee gewesen:



Früher war Eislaufen noch ganz anders, da hatte man ja nichts, und hätte sich wegen ein paar Tagen Sport keinesfalls neue Schuhe mit Kufen dran beschafft. Dafür hatte man weitaus bessere Schuhe als das, was heute so verklebt wird, und konnte bedenkenlos Kufen dranschrauben, wie man das eigentlich schon seit der letzten grossen Eiszeit getan hat. Dann aber kam das Wirtschaftswunder und die Konsumgesellschaft und so konnte jeder seine eigenen Schlittschuhe haben, und sich auf dem Weg vom Auto zum Eis stolpernd das Genick brechen, oder aber die Zehen abfrieren, wenn er die normalen Schuhe am Eis deponierte, was wiederum die Leute dazu brachte, zu lauter Popmusik in kleinen Eissporthallen Runden zu drehen und dabei Werbung anzuschauen. Alte Schittschuhe zum Schrauben an die Schuhe dagegen sind in der Grösse individuell anpassbar, und sehr schnell auf dem Eis mit einem kleinen Schlüssel zu befestigen. Und wie es der Zufall haben wollte, war da diese Frau, deren Grossvater alte Schlittschuhe gesammelt hatte. Und zwar nie benutzte Exemplare in der Originalverpackung. Leicht angerostet, aber immer noch scharf geschliffen.



An anderer Stelle hatte sich dann auch noch ein Schal gut 40 Jahre in der Originalverpackung erhalten. Man kennt das: Zu Weihnachten verschenkt, in den Schrank getan und seitdem nicht mehr angeschaut, der gute Wollschal mit Seide, die Erben tragen dann das Werk eines bekannten Münchner Traditionshauses so verpackt, wie es verschenkt wurde, auf den Flohmarkt und nehmen zwei Euro dafür. Oben um den Hals also der Schal, unten an den Füssen das Rennmodell "Flitzer" von Hudora - denn ich habe noch gute, genähte Stiefel aus schwarzem Leder, an die jene torpedobootförmigen Renneisen passen - und an den Händen feinste Handschuhe aus meiner Sammlung historischer Peccaryschweine, hier vermählt mit dunklem Ziegenleder an der Innenseite.



Warum eigentlich gibt es heute solche Handschuhe nicht mehr? Und für die Damen gibt es lange, feine Eisprinzessinnenhandschuhe. Eigentlich viel zu schade für den Sport und gedacht für den Auftritt im Ballsaal, aber wer ko, der ko, wie man in Bayern so schön sagt, und ausserdem stelle ich mir die Tage dort oben gar nicht kalt vor, sondern warm im gleissenden Höhenlicht. Und im grossen, erstarrten Eissaal der Berggeister sollte man ohnehin nicht schlecht angezogen erscheinen. Allein, in karierter Merinowolle, und ohne die neueste Popmusik in ständiger Gefahr, von einem überaktiven Balg umgenietet zu werden.

Rodeln macht natürlich mehr Spass. Aber man ist als Gastgeber dazu verpflichtet, die Gäste zu bespassen, und sie nicht gegen ihren Willen im Wald zu versenken.

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Freitag, 13. November 2009

Ich fahre an den See,

und Ihr, liebe Leser, fahrt mit Frau Damenwahl, einem Container und einem wirklich grandiosen Beitrag durch das dunkle Herz des Kongo.

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Andere Arbeit

Mitunter bin ich ganz froh, wenn ich mal eine Weile etwas tun kann, das nichts mit Internet/Computer zu tun hat. Computer ist nicht so schlimm, denn da tue ich was rein, sprich, ich baue mir eine kleine, angenehme Welt zusammen. Internet ist gerade etwas, also, wie soll ich sagen, sollte ich mal berühmt sein und sterben, dann möchte ich wenigstens die Gelegenheit haben, ein paar von den elenden Aasgeiern der Medien mitzunehmen, die momentan nichts besseres zu tun haben, als sich am Tod anderer Leute durch was auch immern zu ergötzen.



Aber ich habe ja auch etwas anderes zu tun, wie jedes Jahr, während drinnen in der Küche der Apfelstrudel entsteht (ganz für mich allein!), und immerhin hat sich die Süddeutsche Zeitung auch mal durchgerungen, online was anderes als Games, Klickstrecken und anderen Dreck der Medienwelt zu fabrizieren.

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Mittwoch, 11. November 2009

Winterzeit ist Schlachtzeit

Manche tragen geschlachtete Robben. Aber dann müssen sie damit leben, dass ich sie verbal eben auch schlachte. Ich bin da nicht eben tolerant, sondern gerne vorurteilsbehaftet. In der FAZ.

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Monoliner Modergeruch

Alles prima, kein Grund zur Beunruhigung, nur ein Monoliner, der eventuell bald kein Geld mehr hat, aber das ist alles kein Problem, Ben Bernanke, Timothy Geithner und Barak Obama, die drei Reiter der Postabpokalypse, werden auch das Problem lösen. Man kann für jeden realen Verlust ja einfach Geld nachdrucken. Und damit schön weiter die Versicherung für Banken mit riskanten Papieren bezahlen. Dann verdienen die Banken auch weiterhin Geld, müssen nichts abschreiben, und alles andere ist das Problem des Staates. Aber die Wirtschaftskrise ist damit vorbei! Und die Staatskrise wird dann sicher auch nicht kommen, wenn erst mal die Wirtschaft wieder läuft. Oder auch nicht.

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Mittwoch, 11. November 2009

Wir sind noch einmal davon gekommen.

Endlich einmal hat uns das allgegenwärtige Schlechte der Gegenwart, das in die Bevorzugung des Billigen und Schäbigen mündet und uns bis in die Gassen Sterzings verfolgt, nach einem anfänglichen Tiefschlag durch die Skandalbank GMAC nicht erwischt. Jubel herrscht bei den modefaulen Männern in den besseren Vierteln der kleinen, dummen Stadt an der Donau, denn mit etwas Glück kann man auch weiterhin die Frau dort einkaufen lassen, wo man es gewohnt ist, man muss nicht nach München in komische Boutiquen, wo nichts richtig passt und auch noch die Farben so modisch sind.



Denn offensichtlich ist der hiesige Kleiderfabrikant, der hier so banal wie eine Semmel zu sein scheint, andernorts so beliebt, dass man ihn aus der Insolvenz erlöst. Höchst erstaunlich, dass gerade die Briten, pesogeschwächt, krisengeschüttelt und ansonsten im Besitz vieler anderer guter Häuser, nun den Laden übernehmen wollen. Vielleicht war an der kleinen, dummen Stadt ja doch nicht alles so klein und dumm, wie man immer dachte. Die alten Männer jedenfalls überlegen, ob die nicht doch mal nachschauen sollen, was dieses komische Loro Piana Zeugs da ist, das ihnen ihre Frau rausgesucht hat, und auf das sie weiland mit "Is dös ah no wos" reagierten.

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Unvornehme Welt

Neben dem alten Vorteil, an einer "der beliebtesten und elegantesten Sommerfrischen der vornehmen Welt" - so zumindest 1899, vor Erfindung der Aeroplane - zu wohnen,



neben diesem unbestreitbaren Vorzug sieht man hier auch keine unzufriedenen Gesichter. Im Gegenteil. Die Leute hier sind ja nicht blöd. Die wissen genau, was es bedeutet, wenn das Übel aus der Uckermark heute von steigender Arbeitslosigkeit schwadroniert und den so Verschreckten einredet, dass die steigende Staatsverschuldung gut für sie sei - eine Staatsverschuldung, die durch Steuerausfälle entsteht, weil unsereins die Steuerberaterhonorare absetzen kann, und mit der Erbschaftssteuer noch ein wenig mehr begünstigt wird. So kann man das natürlich auch verkaufen, und die Griechen mit ihrer 12,5%-neuverschuldung sind natürlich noch eine Ecke mieser als das Bundesregime. Aber was tut es, ich habe sie nicht gewählt. Das Besondere an dieser Region ist ja, dass die einen zu feige sind, sich hier ranzutrauen, und die anderen hier gerne die Parteispendenkrümel sammeln.



Ich warte nur darauf, dass der erste Käufling der Wirtschaft schreibt, dass es angesichts der deutschen Staatsfinanzen und der Schulden an der Zeit sei, über andere Investitionschancen in anderen Ländern nachzudenken, und dass der Wirtschaft hier Zukunftsrisiken aufgebürdet werden, die es nur verständlich macht, wenn sie abwandert. Demnächst sicher auch im Schmierentheater der Schuldenkoalition der Lügen in Berlin.

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Montag, 9. November 2009

Ganz andere Mauern

Ja, Blabla, und so weiter, Faselblub, für alle, die die Schnauze voll haben vom Mauerhype -



als ich in Sterzing war, habe ich einige ganz andere Mauern besichtigt, die auch viel über unsere Zeit sagen. Und besprochen habe ich sie in der FAZ.

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Die Skalpe meiner Feinde: Specialized FSR 1998

gewidmet jener vz-mitarbeiterin, die dort gefeuert wurde und inzwischen für ein drittklassiges karriereportal als head of irgendwas um praktis für ein viertklassiges blog eines 2nulligen schinders wirbt - aus dir wird nie was, mädel, wenn du so weiterstöpselst

Wie ich Twitter entnehmen darf, ist es heute, gut 10 Jahre nach dem Höhepunkt der New Economy, in ähnlichen Klitschen schick ist, "Kickball" zu spielen - also einen kleinen Ball in die Tonne zu treten, was schon mal einen guten Vorgeschmack auf das gibt, was mit dem Ausscheiden der Investoren auch allen Mitarbeitern droht. Ja, der heutige Startup-Mitarbeiter ist schon eine arme Sau, aber das Gute ist: Er war nicht in der grossen Zeit dabei. Er weiss nicht, was auch hätte sein können. Damals, als man sich noch richtige Sportgeräte leisten konnte. Damals, als man Buffets abtrainieren musste.

Natürlich hatte das damals, in den Zeiten der High Speed Economy, als der Lejeune vortrug und der Späth nicht wie später grad keine Zeit hatte, mit schneller Bewegung zu tun. Da gab es die einerseits die Sklaven des Silicon Valley, die mit Tretrollern ihre Ambitionen auf grosse Büroräume und baldigen IPO als Young Professionals zum Ausdruck brachten - man sollte es nicht glauben, aber diese Tretrolldeppen wollten ernst genommen werden. Andererseits waren da die kleineren Gründer, die noch kreativer waren und erst mal Praktis ausbeuten wollten, um ihr Geschäftsmodell gross zu machen - also keine teuren Büros und langen Korridoren. Die traf man zur Präsi oft auf Rollerblades an.

Und dann gab es da noch die Champions. Die Jungs, die es ernst meinten. Ganz ernst. Nicht nur so ein wenig treten, sondern gleich richtig zur sache gehen. Over the Top. Gipfel erreichen. Marktführer werden und dabei alle Hindernisse niederwalzen. Die konnten keine Rollerblades nehmen. Die brauchten einen Panzer, und mit die besten Sportpanzer des Jahres 1998, brutal, avantgardistisch, extrem auffällig und voll gefedert - die baute Specialized, eine amerikanische Firma:



Zu dick, zu viel, zu laut, zu schau mich gefälligst an, zu ich kann mir das leisten. Es ist ein Glück, dass sich dieser Stil im Radbau mehr als durchgesetzt hat, weshalb dieses Rad heute nicht mehr gar so wie von einem anderen Stern wirkt. Es ist immer noch viel, aber heute geht es sehr viel krasser. Jedes Bauhausrad ist heute auffälliger gestaltet. Damals jedoch war es ein Statussymbol für Extremleister, nach dem Motto, heute im Büro und am Wochenende bis nach St. Anton. Ich schinde mich, ich quäle mich, ich gehe an Grenzen. Und, um ehrlich zu sein: Tretroller und Rollerblades sind noch etwas lächerlicher als der Anschein, den so ein Rad macht, wenn es vom Startup zur Tanke, zur Pizzeria und bestenfalls mal zum Venezia in Schwabing bewegt wird. Oder, und daher kenne ich dieses spezielle Modell, vom Chef eines gescheiterten Contentspezialisten, dem sie die Firma klein schossen, und der für ein paar Monate mit der Abwicklung beschäftigt war. In einem sehr grossen, sehr leeren Büro an der Prinzregentenstrasse. Der fuhr ab und zu ein paar Runden an den Stellen, wo früher seine Mitarbeiter waren.

Ich habe in meiner ganzen Zeit in der New Economy nur einen einzigen Mann kennengelernt, der so etwas nicht aus Showgründen besass. Alle anderen stellten die FSRs in die Büros, aber niemals auf einen Gipfel. Es musste das Beste und das Teuerste sein, um mitspielen zu können, aber gefahren wurde es, wenn überhaupt, auf Strecken, die man auch mit Rollerblades hätte zurücklegen können. Oder auf Tretrollern. Innendrin waren sie alle die gleiche Pampe. Nur Attitüde, keine Substanz. Man hätte Berge erklimmen und Rennen gewinnen können, oder wenigstens mal rauskommen aus dem Moloch, um die Gedanken zu ordnen - sie taten es nicht. Sie sassen in ihren Büros, die Räder, Rollerblades und Tretroller lagen rum, und arbeiteten sich in die Pleite. Immer nur gerollt, nie im Rennen gewesen. Die Grundlage, die Ausrüstung war da. Die Fahrer waren zu schwach.



Vorletzte Woche fragte mich jemand, ob ich helfen könnte, ein günstiges, aber gutes Rad bei Ebay für die Stadt und vielleicht auch mal raus nach Starnberg zu finden, und ich sagte zu. In die Kurzliste nahm ich, zwecks der Erinnerung an diese spassigen Zeiten, dann auch dieses FSR auf, damaliger Kostenpunkt 4000 Mark, kaum benutzt und fast kratzerfrei. So gut wie neu. Nie im harten Einsatz. Die Person fand es ganz schrecklich, sie wollte ein Rad und nicht so ein, naja, Ding. Andererseits brauchte ich ja noch ein Mountainbike für den Tegernsee, und dachte mir: Falls es weniger als 300 kostet, nehme ich es. zu meiner Überraschung - in meiner Jugend, als es noch über Dekaden die immer gleiche Campa Super Record gab, verloren Rennräder praktisch nicht an Wert - kostete es sogar weniger.

Man könnte jetzt wehklagen über den Verlust von 87% des Wertes in 11 Jahren, und ausrechnen, wie teuer dann ein Kilometer auf dem Rad war - der Hinterreifen ist vom Original und praktisch nicht abgefahren, mehr als 1000 Kilometer können es nach meiner Einschätzung nicht gewesen sein. Aber immerhin ist der Besitzer nicht damit zur Hölle gefahren und haftete nicht mit seinem Vermögen, und 13% des eingesetzten Kapitals ist etwas, das man mit Aktien des Nemax nie und nimmer zurückgekommen hätte. Und wenn ich damit mal oben auf den Neureuth bin, werde ich hinunter nach München schauen und an den Tag denken, da ich mit dem FSR auf ihren Gräbern herumwalzen werde.

10, schlimmstenfalls 7 Jahre ist es her. Aber ich kann nicht vergessen und nicht verzeihen.

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Sonntag, 8. November 2009

Die amerikanischen Rentner und die Finanzmarktsteuer

Gordon Brown, der englische Premierminister, der trotz der Korruption und moralischen Diskreditierung seiner thatcheristischen Gegner nichts mehr zu verlieren hat ausser den nächsten Wahlen - Gordon Brown will nun also auch eine Finanzmarktsteuer: So eine Art Absicherung der Akteure gegen die von ihnen verursachten Risiken beim Staat. Oder auch: Wer den Schaden anrichtet, soll auch dafür ein klein wenig zahlen. Meines Erachtens würde man besser fahren, wenn man den Finanzmarkt einfach auf das Notwendige eindämpft und beim Rest schaut, was in die Produktion darf und was man mit Rechtsmitteln in die Gefängnisse schickt. Vielleicht können ja die einen die Gefängnisse der anderen bauen - aber das kommt nicht. Wenn überhaupt, dann so eine Art Tobinsteuer, die einen Teil der globalen Spelulation eindämmen will. Wie allgemein bekannt sein dürfte, ist nur ein winziger Bruchteil des Handels an den Finanzmärkten durch die reale Wirtschaft nötig, der Rest ist Zockerei.



Wenn man sich die neueste Nachricht aus England vor Augen hält, versteht man schlagartig, warum Brown das fordert: Die Times berichtet über den tatsächlichen Umfang der Kosten, mit denen die Bank Lloyds gestützt werden musste: 165 Milliarden Pfund mussten allein an diese Krisenbank verliehen werden, um sie über Wasser zu halten. Mit solchen Summen kann man ganze Staaten zum Einsturz bringen - das ist mehr als doppelt so viel wie die geplante Rekordneuverschuldung des Bundes für 2009. Allein für eine einzige Krisenbank, von der noch immer nicht klar ist, ob sie langfristig allein überleben kann.

Nun hätte so eine Finanzmarktsteuer, käme sie global, einen gewissen Reiz darin, dass sie risikenminimierend wirkte - einfach, weil zusammen mit der Steuer riskante Transaktionen ein grösseres Verlustrisiko mit sich bringen, und gerade das extrem schnelle Handeln abgedämpft werden würde, zugunsten einer eher fundamentalen Analyse und Berücksichtigung mittelfristiger Erträge. Wer dennoch weiter Risiko fahren wollte, müsste eben genauer hinschauen, und vielleicht würden dann sogar die Ratingagenturen das ein oder ander Mal die Wahrheit schon sagen, bevor sie von selbst ans Licht kommt. Einfach, weil durch diese Stellschraube nicht nur Geld abgeführt werden, sondern auch der Profit nachhaltiger sein muss. Die USA haben in Form des Finanzministers und vermutlich in Absprache mit dem Präsidenten dieses Landes uhd dort wiederum mit Rücksicht auf die Wahlkampfspender von der Wahl oder Wall Street sofort und kategorisch nein gesagt.



Das liegt meines Erachtens vor allem an den Rentnern und der Art, wie sie in den USA ihre Rente bekommen: Durch Rentenfonds, die die Einnahmen anlegen und mit den Erträgen die Renten bezahlen. Das ist fein, wenn das, was man reinbekommt, dem entspricht, was man ausgibt. Das Problem ist aber, dass die öffentlichen amerikanischen Rentenversicherer nur ca. 2800 Milliarden Dollar an Vermögen haben, ihren Einzahlern aber 3600 Milliarden schulden. Da ist eine massive Lücke von rund 22%, und nach gängiger Praxis würde man eigentlich sagen: Entweder sind die pleite, oder die Anleger müssen verzichten. Oder aber, und das ist es, was getan wird, die Rentenfonds stecken das Geld in möglichst profitable Anlageformen und schaffen es, damit die Lücke zu schliessen. Rentenfonds können nicht alles in riskanten Anlagen verzocken, aber in den letzten Jahren gingen sie verstärkt in Hedge Fonds - wenn überhaupt, dann können die das enorme Loch schliessen. Auch das ist natürlich wieder eine Umverteilung durch Finanzmarktzockereien, zeigt aber auch den Unterschied zwischen Europa und den USA:

In Europa wird mit einer Finanzmarktsteuer letztlich nicht die Bank belastet, sondern der Anleger, an den die Kosten mutmasslich weitergereicht werden - vielleicht nicht komplett, manches kann man auch verschieben, aber zahlen werden vor allem jene, die das Rad des Finanzmarktes mit ihrem überschüssigen Geld antreiben. Diese Steuer wäre also gerade in Deutschland und anderen europäischen Ländern eher eine Reichensteuer, und für Brown vermutlich auch ein Ansatz, um den Hass auf die Bankster und Profiteure mit einem Ventil zu versehen.

In den USA dagegen müsste man sich nicht nur mit Einbussen beim letzten funktionierenden Wirtschaftszweig neben der Rüstung rumschlagen, man würde auch den Rentenfonds das Leben und die Jagd nach einer ausgeglichenen Bilanz stark erschweren. Gerade die riskanten, schnellen Geschäfte, die eine Finanzmarktsteuer trefen würde, wären dann nicht mehr so lukrativ, und eine Lücke über 0,8 Billionen schliesst man nicht mit mündelsicheren Papieren und normalen Ausschüttungen. Das geht nur mit Hebeln, Abwesenheit von Kontrolle und Verlagerung des Ponzi-Schemas der Rentenfonds auf andere Marktteilnehmer. An der Stelle mit steuernbedingter, genauer Prüfung und Entschleunigung die Bremse reinhauen, wäre höchst kontraproduktiv. Nicht nur für die Reichen und Goldman Sachs, sondern auch für die amerikanischen Renter, die sich vielleicht Gedanken machen würden, über dieses Loch von 800 Milliarden. Denn mit dem gefickt werden ist es so eine Sache: Es wird erst zum Problem, wenn man kapiert, was geschieht. Um das zu verhindern, muss das Kasino wieder eröffnet werden. Finanzmarktsteuern stören da nur.

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