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Freitag, 18. Dezember 2009
Zwangsweise mit alten Traditionen brechen
Zum Verreisen gehört das Kofferpacken, und zum Kofferpacken die Erkenntnis, dass man noch dies und jenes brauchen könnte. Also zieht man los und kauft es - wenn es etwas zum Anziehen sein sollte, eine Lederjacke etwa für das cabrio, ein Kaschmirsakko für die empfindlich kalten Frühjahrsabende am Gardasee, ein paar Hemden, falls man doch ein paar Tage länger bleibt, gab es da immer jene Verkaufsstelle des hiesigen Qualitätsherrenbekleider. Man fuhr hin, suchte sich etwas Urlaubsames heraus, und packte es zuoberst in den Koffer. Mochte man auch in der Fremde fündig werden, so wusste man daheim doch, woran man war. Die Fremde hat viel zu bieten, aber dort findet man selten gezielt; man stolpert, aber vielleicht nicht über das, was man noch gebraucht hätte. Meinen Schuster in Verona etwa fand ich, da ich definitiv zu wenig autotaugliche Sakkos dabei hatte. Von den sieben Hemden, die ich bei meinem letzten Krankheitsurlaub und dessen Verlängerunge erstand, waren drei famos und vier nicht so, wie ich das von daheim gewohnt bin.
Nun fliege ich nach London. Zu kurz, um mir dort etwas schneidern zu lassen, mit zu wenig Zeit, um sie in Geschäften zu verschwenden. Normalerweise hätte ich mir am Tag davor gedacht: Oh, britische Wolle wäre nicht schlecht, so in der Art, dass meine Frau Mama von Hundedecken spricht, so richtig englisch eben - ich schaue da mal raus. Allerdings sieht es so aus, dass die Käufer jenes dank der Sparsamkeit des amerikanischen Kreditgebers insolventen Ausstatters die Geschäfte verlagern; die schlechtere Firma geht in die Nähe von München und die bessere an einen Ort namens "Herford", der angeblich in Deutschland und hier wiederum in Regionen liegen soll, die ich nicht kenne und denen ich auch nicht vorgestellt werden möchte. Die dritte, ebenfalls feine Marke ist schon wieder zurück in Paris, wo sie hergekommen ist. Und das all das passiert recht zeitnah. Ob überhaupt etwas hier bleibt, ist mehr als fraglich. Wodurch ich nicht nur gezwungen bin, mein übliches Verhalten um Wochen vorzuziehen. Ich muss es danach vermutlich auch begraben.

Andere reden vielleicht gierig von Schnäppchen und Gelegenheiten, ich dagegen wäre dankbar, wenn ich mich nicht umstellen müsste und auch in Zukunft einfach das bekäme, was ich gerne hätte. Da die meisten hier nur das Zeug für Büros und Besprechungen haben wollen - Schwarz, Grau, Blau, Anthrazit, Uni, Langweilig, Öde - bleibt mir praktisch die komplette Auswahl an allem, was Fischgrät, Punkte, Glen Check und Hahnentritt aufweist, alle warmen Farben und alles, was nach Literat und Schriftsteller aussieht. Bergeweise könnte ich mich eindecken, genug für eine Weltreise kaufen, mein Kleiderschrank daheim ist voll und der am Tegernsee wird sich auch bald biegen, vielleicht fange ich auch an, mich dreimal täglich im Urlaub umzuziehen - im Sunbeam ist ja Platz - aber es ändert nichts daran, das ich bald, sehr bald von der Versorgung und den behäbigen Wurzeln abgeschnitten sein werde. Ich werde den Koffer füllen und losfahren, auf viele Jahre, denn die Schnitte bleiben und Stoffe halten ewig. Genug Zeit, um Alternativen zu finden.
Auf die ich zugunsten der urlaubsverlängernden Tradition aber gerne verzichtet hätte. Nun habe ich alles, was ich für London brauche. Ausser Gummistiefel, natürlich.
Nun fliege ich nach London. Zu kurz, um mir dort etwas schneidern zu lassen, mit zu wenig Zeit, um sie in Geschäften zu verschwenden. Normalerweise hätte ich mir am Tag davor gedacht: Oh, britische Wolle wäre nicht schlecht, so in der Art, dass meine Frau Mama von Hundedecken spricht, so richtig englisch eben - ich schaue da mal raus. Allerdings sieht es so aus, dass die Käufer jenes dank der Sparsamkeit des amerikanischen Kreditgebers insolventen Ausstatters die Geschäfte verlagern; die schlechtere Firma geht in die Nähe von München und die bessere an einen Ort namens "Herford", der angeblich in Deutschland und hier wiederum in Regionen liegen soll, die ich nicht kenne und denen ich auch nicht vorgestellt werden möchte. Die dritte, ebenfalls feine Marke ist schon wieder zurück in Paris, wo sie hergekommen ist. Und das all das passiert recht zeitnah. Ob überhaupt etwas hier bleibt, ist mehr als fraglich. Wodurch ich nicht nur gezwungen bin, mein übliches Verhalten um Wochen vorzuziehen. Ich muss es danach vermutlich auch begraben.

Andere reden vielleicht gierig von Schnäppchen und Gelegenheiten, ich dagegen wäre dankbar, wenn ich mich nicht umstellen müsste und auch in Zukunft einfach das bekäme, was ich gerne hätte. Da die meisten hier nur das Zeug für Büros und Besprechungen haben wollen - Schwarz, Grau, Blau, Anthrazit, Uni, Langweilig, Öde - bleibt mir praktisch die komplette Auswahl an allem, was Fischgrät, Punkte, Glen Check und Hahnentritt aufweist, alle warmen Farben und alles, was nach Literat und Schriftsteller aussieht. Bergeweise könnte ich mich eindecken, genug für eine Weltreise kaufen, mein Kleiderschrank daheim ist voll und der am Tegernsee wird sich auch bald biegen, vielleicht fange ich auch an, mich dreimal täglich im Urlaub umzuziehen - im Sunbeam ist ja Platz - aber es ändert nichts daran, das ich bald, sehr bald von der Versorgung und den behäbigen Wurzeln abgeschnitten sein werde. Ich werde den Koffer füllen und losfahren, auf viele Jahre, denn die Schnitte bleiben und Stoffe halten ewig. Genug Zeit, um Alternativen zu finden.
Auf die ich zugunsten der urlaubsverlängernden Tradition aber gerne verzichtet hätte. Nun habe ich alles, was ich für London brauche. Ausser Gummistiefel, natürlich.
donalphons, 23:28h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 18. Dezember 2009
Ein paar Vorhersagen für 2010
1. Die goldenen Zeiten des Einkaufs mit einem teuren Euro werden zu Ende gehen. Spätestens im Herbst. Im Sommer nämlich sehe ich zwei Möglochkeiten: Entweder der Dollar fällt, und die Touristen aus Fremdwährungsländern besuchen wieder die kranken Männer Europas: Italien, Spanien, Österreich, Griechenland, Portugal und Irland. Oder der Dollar bleibt stark, und der sommerliche Geldsegen bleibt aus. Dann knallen diese Länder im Herbst in grösste Haushaltsnöte. Dann gibt es eben Staatsbankrotte, Krisen und anderes Zeug, was den Euro schwächt.
2. Obwohl es normalerweise sinnvoll wäre, die miserablen Euroländer von der Eurozone abzuspalten und einen Euro 2. Klasse einzuführen, wird man sich auch 2010 um diese durch die Kriterien diktierte Notwendigkeit herumlügen.
3. Osteuropa wird extrem instabil bleiben und über Österreich und gewisse deutsche und italienische Banken das Einfallstor der Krise schlechthin bleiben. Was man in den letzten paar Tagen sehen konnte, war ein Ansatz, aus der Rohstoffblase die Luft rauszulassen - damit wackelt Russland. Deutsche Medien haben ja die Berichterstattung zur Wirtschaft in Osteuropa praktisch aufgegeben, in einem Akt der Realitätsverleugung. Da wird es noch üble Überaschungen geben.

4. Trotz diverser deutscher Desaster wird Deutschland nach der Schweiz, Südfrankreich und der autonomen Region Südtirol vermutlich immer noch der beste Ort sein, um die Krise zu überstehen. Hier besonders: Oberbayern.
5. Natürlich nur, solange man nicht in den Medien ist. In den Medien sein wird 2010 durch die Bank hässlich sein. Eine ganze Reihe von Medienhäusern haben enorme Schulden, und das wird sich rächen. Andere haben weniger Schulden und werden trotzdem versuchen, die nächste Sparrunde durchzuziehen. Gerade bei Süddeutscher Zeitung, der Holtzbrickgruppe und Springer sehe ich da weitere Potenziale. Was wir nicht sehen werden, sind kluge, neue Entwicklungen, Leserbindungsmechanismen im Internet, kluge Texte.
6. Ich glaube nicht, dass wir eine Hyperinflation wie in den 20er Jahren erleben werden - einfach weil zu viel von dem neu gedruckten Geld dieser Erde in Investments ging, die es wieder in Luft auflösen werden, siehe Rohstoffblase. Ich wäre aber gar nicht überrascht, wenn 2010 die ersten Anzeichen einer massiven Inflation von 10 bis 15% erkennbar würden, sicher auch getrieben durch neue Blasen. Meines Erachtens sind die Kursgewinne praktisch wertloser Bankaktien im Jahr 2009 die erste inflationäre Erscheinung. Weshalb sich einige Leute gerade bis Unterkante Oberlippe bei Minimalzinsen verschulden.
7. 2010 wird ein höchst unruhiges Jahr. Die schlimmsten Banksterschmierer heissen Obama und Brown und stehen Regierungen vor, die angeblich links der Mitte ihrer Heimatländer sind. Das hinterlässt verbrannte Erde in den eigenen Kernwählerschichten, und das verlangt nach politischen Alternativen. Nachdem beide Länder mit einem Mehrheitswahlrecht und enormen Verkrustungen keine parlamentarische Opposition haben, wird sich das vermutlich anderweitig äussern.
8. Das Übel aus der Ückermark wird alles mit dem Hintern auf kriecherischen Medien aussitzen. (OK, das war die leichteste Vorhersage)
2. Obwohl es normalerweise sinnvoll wäre, die miserablen Euroländer von der Eurozone abzuspalten und einen Euro 2. Klasse einzuführen, wird man sich auch 2010 um diese durch die Kriterien diktierte Notwendigkeit herumlügen.
3. Osteuropa wird extrem instabil bleiben und über Österreich und gewisse deutsche und italienische Banken das Einfallstor der Krise schlechthin bleiben. Was man in den letzten paar Tagen sehen konnte, war ein Ansatz, aus der Rohstoffblase die Luft rauszulassen - damit wackelt Russland. Deutsche Medien haben ja die Berichterstattung zur Wirtschaft in Osteuropa praktisch aufgegeben, in einem Akt der Realitätsverleugung. Da wird es noch üble Überaschungen geben.

4. Trotz diverser deutscher Desaster wird Deutschland nach der Schweiz, Südfrankreich und der autonomen Region Südtirol vermutlich immer noch der beste Ort sein, um die Krise zu überstehen. Hier besonders: Oberbayern.
5. Natürlich nur, solange man nicht in den Medien ist. In den Medien sein wird 2010 durch die Bank hässlich sein. Eine ganze Reihe von Medienhäusern haben enorme Schulden, und das wird sich rächen. Andere haben weniger Schulden und werden trotzdem versuchen, die nächste Sparrunde durchzuziehen. Gerade bei Süddeutscher Zeitung, der Holtzbrickgruppe und Springer sehe ich da weitere Potenziale. Was wir nicht sehen werden, sind kluge, neue Entwicklungen, Leserbindungsmechanismen im Internet, kluge Texte.
6. Ich glaube nicht, dass wir eine Hyperinflation wie in den 20er Jahren erleben werden - einfach weil zu viel von dem neu gedruckten Geld dieser Erde in Investments ging, die es wieder in Luft auflösen werden, siehe Rohstoffblase. Ich wäre aber gar nicht überrascht, wenn 2010 die ersten Anzeichen einer massiven Inflation von 10 bis 15% erkennbar würden, sicher auch getrieben durch neue Blasen. Meines Erachtens sind die Kursgewinne praktisch wertloser Bankaktien im Jahr 2009 die erste inflationäre Erscheinung. Weshalb sich einige Leute gerade bis Unterkante Oberlippe bei Minimalzinsen verschulden.
7. 2010 wird ein höchst unruhiges Jahr. Die schlimmsten Banksterschmierer heissen Obama und Brown und stehen Regierungen vor, die angeblich links der Mitte ihrer Heimatländer sind. Das hinterlässt verbrannte Erde in den eigenen Kernwählerschichten, und das verlangt nach politischen Alternativen. Nachdem beide Länder mit einem Mehrheitswahlrecht und enormen Verkrustungen keine parlamentarische Opposition haben, wird sich das vermutlich anderweitig äussern.
8. Das Übel aus der Ückermark wird alles mit dem Hintern auf kriecherischen Medien aussitzen. (OK, das war die leichteste Vorhersage)
donalphons, 00:09h
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Die neue Bedeutung des Anstandsstücks
Im Gegensatz zum Glauben, dass sich die besseren Kreise den Hintern auf ihren Prinzipien wund sitzen, ändert sich auch dort über ein, zwi Generationen so gut wie alles. Nehmen wir nur mal das Anstandsstück:

Das durfte man früher nicht nehmen. Heutige Kinder jedoch, im Überfluss aufgewachsen, bekommen Kindergärten teurer als manches Hotel, aber nicht mal die Gelegenheit, auch nur in die Nähe eines Anstandsstücks zu kommen.
Vollkommen irre, diese Welt. In der FAZ.

Das durfte man früher nicht nehmen. Heutige Kinder jedoch, im Überfluss aufgewachsen, bekommen Kindergärten teurer als manches Hotel, aber nicht mal die Gelegenheit, auch nur in die Nähe eines Anstandsstücks zu kommen.
Vollkommen irre, diese Welt. In der FAZ.
donalphons, 11:59h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Dahin gehen, wohin der Wagen nicht mehr geht
Ich habe heute einen Pullunder erstanden, elfenbeinfarben mit Zöpfchenmuster und V-Kragen, von einer Marke, die das Pech hat, auch von Menschen mit wenig erfreulicher politischer Gesinnung getragen zu werden - englische Marke, aber wie so oft italienische Herstellung. So ähnlich wird es auch dem Sunbeam ergehen, einerseits die Herkunft aus dem Norden, andererseits die Verwendung für südlichere Gefielde. Man soll nie nie sagen, aber den Pullunder habe ich für eine Flugreise gekauft. Eben dorthin, wo der Sunbeam vermutlich nicht mehr hinkommen wird.

Es sei denn, es wird alles anders, und die Briten können dereinst ihre klassischen Fahrzeuge wieder vom Kontinent zurückkaufen - wer weiss schon, ob die Erben damit noch etwas anfangen können. Momentan jedoch sieht es anders aus. Die Besitzerin des Ladens jedenfalls hat eine Bekannte, deren Mann einen Golfplatz im Süden Londons betreibt - die muss zur Zeit mit Rabattmarken wirtschaften, weil das Geschäft zusammengebrochen ist. Und gerade vorhin, nach getaner Arbeit, steigerte ich auf 400 Gramm britisches Silber - und bekam es für den Preis von 320 Gramm. Es kann also dort drüben nicht zum Besten stehen.
Also mische ich mich unter andere deutsche Touristen, die nur zum Preis der Gebühren fliegen - mein Flieger ist übrigens noch fast leer - mache mir Gedanken über den Irrsinn des Krisenkaufens und besuche die Silver vaults und das ein oder andere Museum. Es sind ja nur ein paar Tage, aber nachdem ich so viel über die Lage auf der Insel schrieb, meine ich auch die Pflicht zu haben, dort zu sein - wenngleich nicht zu essen. Ein wenig Rausch, ein wenig Postapocalypse - übrigens pflegen Banken gern in den Weihnachtsferien Leute zu entlassen, vielleicht mache ich auch eine Geschichte über die City.
Empfehlungen werden an dieser Stelle übrigens auch gern angenommen.

Es sei denn, es wird alles anders, und die Briten können dereinst ihre klassischen Fahrzeuge wieder vom Kontinent zurückkaufen - wer weiss schon, ob die Erben damit noch etwas anfangen können. Momentan jedoch sieht es anders aus. Die Besitzerin des Ladens jedenfalls hat eine Bekannte, deren Mann einen Golfplatz im Süden Londons betreibt - die muss zur Zeit mit Rabattmarken wirtschaften, weil das Geschäft zusammengebrochen ist. Und gerade vorhin, nach getaner Arbeit, steigerte ich auf 400 Gramm britisches Silber - und bekam es für den Preis von 320 Gramm. Es kann also dort drüben nicht zum Besten stehen.
Also mische ich mich unter andere deutsche Touristen, die nur zum Preis der Gebühren fliegen - mein Flieger ist übrigens noch fast leer - mache mir Gedanken über den Irrsinn des Krisenkaufens und besuche die Silver vaults und das ein oder andere Museum. Es sind ja nur ein paar Tage, aber nachdem ich so viel über die Lage auf der Insel schrieb, meine ich auch die Pflicht zu haben, dort zu sein - wenngleich nicht zu essen. Ein wenig Rausch, ein wenig Postapocalypse - übrigens pflegen Banken gern in den Weihnachtsferien Leute zu entlassen, vielleicht mache ich auch eine Geschichte über die City.
Empfehlungen werden an dieser Stelle übrigens auch gern angenommen.
donalphons, 23:49h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 16. Dezember 2009
Change! der Steuergeschenke
In jenen düsteren Zeiten, da auf dem Balkan jenes bayerische Geld verprasst wird, dass die Staatsparteiversager dorthin über den Haider pumpten, in dieser Zeit des Politdrecks, den wegzuwaschen man nicht einem banalen Kärcher überlassen sollte, in Zeiten der Staatskriminalität in den Bergen tut es gut zu sehen, dass sie auch anderswo Leute wählen, die sie verarschen - und der weltgrösste amtierende Verarscher eines demokratischen Landes heisst: Obama.
Dieser Typ, der massig lustige Phrasen vorgetragen hat, den Krieg in Afghanistan aber intensivierte und der Wall Street Abermilliarden überliess, als er sie hätte entmachten können. Richtig, dieser Herr in Washington, der sich letzte Woche öffentlich wütend über Banker äusserte, von denen dann einige angeblich wegen Verkehrsprobleme nicht kommen konnten, als er mit ihnen reden wollte. Wie auch immer: Die Regierung dieses Herrn entlässt die Citigroup aus dem banksterprofitverkleinernden Bankenrettungsfond nicht, ohne ihr nochmal ein paar Milliarden an Steuererlassung hinterher zu werfen. Ist doch geil, oder? Die Citigroup leiht sich Geld bei der FED (also wiederum dem Staat), um sich freizukaufen, und bekommt dafür auch noch Steuerabschreibungsmöglichkeiten. So kann man auch beim schlimsten Portfolio noch Gewinne machen - der Staat drückt denen das Geld zu allen Löchern rein.

Und hey, das ist kein abgewrackter CSU-Pinscher und kein schmieriger Alpennaziführer, das ist kein bestechokroatischer Privatjetmafiosi und kein Landesbankfreunderl mit Abzocklizenz. Das ist die Hoffnung der freien Welt! Das ist der Mann, das ist die Regierung, von denen manche hofften, sie würden ernsthaft etwas an den Auswüchsen des Kapitalismus ändern: Blöderweise kann nichts so kriminell fahrlässig und moralisch verdorben sein, dass man ihnen nicht noch mehr in die fetten Ärsche schieben würde - nur ein Giftzäpf chen, das ist nicht dabei.
Und aus Basel kommen neue Eigenkapitalregeln, so gegen 2012 - und eine Dekade Zeit, sich als Bank daran zu gewöhnen. Eigentlich sollte man in so einer Welt sofort sein Geld von der Bank nehmen und in Bankaktien anlegen: Auch ohne einen Cent Anlegervermögen würde die Regierungsbandenkriminalität schon dafür sorgen, dass es denen auch weiterhin gut geht: Ist ja die freie, soziale Marktwirtschaft.
Dieser Typ, der massig lustige Phrasen vorgetragen hat, den Krieg in Afghanistan aber intensivierte und der Wall Street Abermilliarden überliess, als er sie hätte entmachten können. Richtig, dieser Herr in Washington, der sich letzte Woche öffentlich wütend über Banker äusserte, von denen dann einige angeblich wegen Verkehrsprobleme nicht kommen konnten, als er mit ihnen reden wollte. Wie auch immer: Die Regierung dieses Herrn entlässt die Citigroup aus dem banksterprofitverkleinernden Bankenrettungsfond nicht, ohne ihr nochmal ein paar Milliarden an Steuererlassung hinterher zu werfen. Ist doch geil, oder? Die Citigroup leiht sich Geld bei der FED (also wiederum dem Staat), um sich freizukaufen, und bekommt dafür auch noch Steuerabschreibungsmöglichkeiten. So kann man auch beim schlimsten Portfolio noch Gewinne machen - der Staat drückt denen das Geld zu allen Löchern rein.

Und hey, das ist kein abgewrackter CSU-Pinscher und kein schmieriger Alpennaziführer, das ist kein bestechokroatischer Privatjetmafiosi und kein Landesbankfreunderl mit Abzocklizenz. Das ist die Hoffnung der freien Welt! Das ist der Mann, das ist die Regierung, von denen manche hofften, sie würden ernsthaft etwas an den Auswüchsen des Kapitalismus ändern: Blöderweise kann nichts so kriminell fahrlässig und moralisch verdorben sein, dass man ihnen nicht noch mehr in die fetten Ärsche schieben würde - nur ein Giftzäpf chen, das ist nicht dabei.
Und aus Basel kommen neue Eigenkapitalregeln, so gegen 2012 - und eine Dekade Zeit, sich als Bank daran zu gewöhnen. Eigentlich sollte man in so einer Welt sofort sein Geld von der Bank nehmen und in Bankaktien anlegen: Auch ohne einen Cent Anlegervermögen würde die Regierungsbandenkriminalität schon dafür sorgen, dass es denen auch weiterhin gut geht: Ist ja die freie, soziale Marktwirtschaft.
donalphons, 00:01h
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von und zu Warmduscher, fränkischer, freiherrlicher
Der Bundeskriegsminister soll sich mal nicht so gschamig anstellen mit dem Rücktritt, wenn er gelogen hat. Der letzte Kriegsminister der CSU, der wegen sowas erwischt wurde und seinen Hut nehmen musste, wurde später immer noch bayerischer Ministerpräsident. So verlogen, als dass man dieses Amt nicht bekleiden könnte, kann man auf dieser Welt gar nicht sein. Wenn man bei der CSU ist.
donalphons, 23:54h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 15. Dezember 2009
Westviertel vs. das Internet
Meine Mutter fragt mich ab und zu, wer dieser runtergekommene Punk ist, den man ab und zu im TV zujm Thema Internet sieht, und ob ich den kenne. Und eas ich von dem halte, wo der immer im Internet ist und so komisch (unser Wort für nicht gesellschaftsfähig), allen immer zu sagen, was er gerade tut. Ich erkläre ihr dann, dass es so ist wie überall und die Bezeichnung "Blogger" auf jden Deppen angewendet werden kann, und dass ich nichts von dem halte und er im Übrigen davon lebt, sein Gesicht in Kameras zu halten. Meine Mutter ist davon nur mässig angetan und erwartet, dass ich so etwas nicht tue. Ich glaube, es ist besser, ihr das Ganze hier draussen und die durchgeknallten Evangelisten einfach nicht vorzustellen.
Wie auch immer, für solche Freaks gehört es ja zum Rüstzeug, allen und jedem die Fähigkeit zur Beziehungspflege abzusprechen, wenn sie nicht in die sozialen Medien gehen und sich komplett daueronlinen. Lustigerweise kam ich gestern an einem der lustigsten und gastfreundlichsten Häuser im Viertel vorbei, das von Leuten bewohnt wird, die nun wirklich keine sozialen Probleme haben und allseits wohl gelitten sind - und was haben die an ihrem Zaun?

So ist das bei uns. Denken Sie daran, wenn Sie den nächsten Fasler was von Geocaching, augumented reality oder mobile social Media reden hören.
Wie auch immer, für solche Freaks gehört es ja zum Rüstzeug, allen und jedem die Fähigkeit zur Beziehungspflege abzusprechen, wenn sie nicht in die sozialen Medien gehen und sich komplett daueronlinen. Lustigerweise kam ich gestern an einem der lustigsten und gastfreundlichsten Häuser im Viertel vorbei, das von Leuten bewohnt wird, die nun wirklich keine sozialen Probleme haben und allseits wohl gelitten sind - und was haben die an ihrem Zaun?

So ist das bei uns. Denken Sie daran, wenn Sie den nächsten Fasler was von Geocaching, augumented reality oder mobile social Media reden hören.
donalphons, 00:28h
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Klassisches Thema
für einen Journalisten: Gehn Se raus, Herr Porcamadonna, zu den Betroffenen und bringen Se mir ein paar knackisge Statements mit -
das geht vielleicht bei Strassenumfragen und anderen journalistischen Kleinthemen, aber in meinen Kreisen kann das nicht jeder. Man kann ja nicht einfach klingeln und sagen: Guten Tag, ich komme von einer bekannten Zeitung, jetzt erzählen Sie mir mal, wie Sie sich vom Staat nach diesem Debakel entsolidarisieren. Allerdings bin ich embedded und silverspooned reporter, und mir geht das absolut flockig von der Hand, diese Frage für die FAZ, wie man verhindert, dass die einem alles nehmen.
das geht vielleicht bei Strassenumfragen und anderen journalistischen Kleinthemen, aber in meinen Kreisen kann das nicht jeder. Man kann ja nicht einfach klingeln und sagen: Guten Tag, ich komme von einer bekannten Zeitung, jetzt erzählen Sie mir mal, wie Sie sich vom Staat nach diesem Debakel entsolidarisieren. Allerdings bin ich embedded und silverspooned reporter, und mir geht das absolut flockig von der Hand, diese Frage für die FAZ, wie man verhindert, dass die einem alles nehmen.
donalphons, 16:13h
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Sonntag, 13. Dezember 2009
Endlich wieder Österreich ablehnen!
Es war ja nicht zum aushalten, diese elende Busserlpolitik der Schwarzen in Bayern mit allem, was über der Grenze an den Bergen klebte und den braunen Dreck wählte. Es war nicht auszuhalten, die Hundsfottkleckserei zwischen Bayern und Österreich, als der Haider in Wien einmarschierte, und die Heckenschützenhilfe vom Stoiber, der auch gern so ein schneidigbraunes Bürscherl gewesen wäre, nur war er halt ein armer Schlucker, seine Familie hat sich bei der Arisierung nicht bereichert - aber der reiche Jörgl, der war fei fesch. Und der Schüssel, der hatte Handschlagqualitäten. Überhaupt waren die Alpenländer schon immer beisammen, tönte es aus München, die Nähe zu Innsbruck und Wien viel grösser als nach Bonn oder Berlin. Das alles machte das besondere Verhältnis aus, die Nähe zwischen den letzten vollverfilzten Gerontokratien in Grossarschkriechien am Alpenhauptkamm, Gleiches verstand sich mit Gleichem, da passt die Hypo Alpe Adria vom Haider auch zur bayern LB vom Stoiber, der eine grosskotzt ein Luxusressort auf dem Hitler seinen Obersalzberg, das nicht läuft, und der andere knallt das Schlosshotel Velden in die Landschaft, das passt doch pfeigrod, und den Osten, den rollt man zusammen mit der neuen Global Player Bank in der Champions League auf, hatte man schon bei den Türkenkriegen und 1914, 1940, 2007, Österreich und Bayern, krrrrreutzkattolisch machen wir die, wir, die Politikgötter aus dem Bärental und dem Isartal. Am Alpenwesen soll die Welt genesen.

Da gibt es jetzt ja einige, die meinen, der Mossad hätte den Jörgl besoffen an den Betonpfosten geschoben. Wenn man sieht, was für ein elender Schluderverein die Hypo Alpe Adria war, würden einem auch noch andere einfallen, die ihn nicht mehr hätten wollten, und manche von denen sitzen sicher im Landtag und sind froh, dass der fesche Braungebrannte nicht mehr aussagen kann, wie er und seine Buberlpartie die alten Männer der CSU ausgschmiert haben. Wie sie all das gemacht haben, wovor immer gewarnt wurde von jenen, die die Alpenpotentaten als Vernaderer hingestellt haben. So war er, der Jörgl. Und die letzte Ladung kriegt jetzt der Seehofer rein, der plötzlich die Ösis doch nuicht mehr so mag, wenn sie ihn und das Bayernland 6 Milliarden kosten. 6 Milliarden ist viel Geld, um den Balkan zwischen Vorarlberg bis Albanien zu finanzieren. Und für 6 Milliarden darf man denen schon auch sagen, dass man nie wirklich deren Freund war. Weil es Österreicher sind. Das ist kein Fremdenhass und keine Rassismus, das kennt der Bayer in Ermangelung von BZÖ, ÖVP und FPÖ gar nicht und wenn doch, dann nicht so wie die da drüben. Der Österreicher hat uns noch nie geschmeckt, im 30-jährigen Krieg hat er uns verheizt und danach gab es nur noch Streitereien bis Anno 14, und dann haben uns die Deppen schon wieder verheizt, wie jetzt unsere 6 Milliarden.
Da haben wir aber sauber einen zweiten Bundesfinanzausgleich bezahlt, an unsere Stammesbrüder auf dem Balkan. Iich wär ja dafür, dass wir auch noch was drauflegen: Alle Verantwortlichen bei der CSU, ohne Rückgabemöglichkeit. Die finden bei Euch sicher ein Pösterl in der Staatsverwaltung und passen auch sonst rein. Eure Freunderln. Aber nicht meine.

Da gibt es jetzt ja einige, die meinen, der Mossad hätte den Jörgl besoffen an den Betonpfosten geschoben. Wenn man sieht, was für ein elender Schluderverein die Hypo Alpe Adria war, würden einem auch noch andere einfallen, die ihn nicht mehr hätten wollten, und manche von denen sitzen sicher im Landtag und sind froh, dass der fesche Braungebrannte nicht mehr aussagen kann, wie er und seine Buberlpartie die alten Männer der CSU ausgschmiert haben. Wie sie all das gemacht haben, wovor immer gewarnt wurde von jenen, die die Alpenpotentaten als Vernaderer hingestellt haben. So war er, der Jörgl. Und die letzte Ladung kriegt jetzt der Seehofer rein, der plötzlich die Ösis doch nuicht mehr so mag, wenn sie ihn und das Bayernland 6 Milliarden kosten. 6 Milliarden ist viel Geld, um den Balkan zwischen Vorarlberg bis Albanien zu finanzieren. Und für 6 Milliarden darf man denen schon auch sagen, dass man nie wirklich deren Freund war. Weil es Österreicher sind. Das ist kein Fremdenhass und keine Rassismus, das kennt der Bayer in Ermangelung von BZÖ, ÖVP und FPÖ gar nicht und wenn doch, dann nicht so wie die da drüben. Der Österreicher hat uns noch nie geschmeckt, im 30-jährigen Krieg hat er uns verheizt und danach gab es nur noch Streitereien bis Anno 14, und dann haben uns die Deppen schon wieder verheizt, wie jetzt unsere 6 Milliarden.
Da haben wir aber sauber einen zweiten Bundesfinanzausgleich bezahlt, an unsere Stammesbrüder auf dem Balkan. Iich wär ja dafür, dass wir auch noch was drauflegen: Alle Verantwortlichen bei der CSU, ohne Rückgabemöglichkeit. Die finden bei Euch sicher ein Pösterl in der Staatsverwaltung und passen auch sonst rein. Eure Freunderln. Aber nicht meine.
donalphons, 23:16h
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Sonntag, 13. Dezember 2009
Ururgrossmutters Küchenschrank vs. der von meiner Mutter
Meine Mutter hat eine Qualitätseinbauküche, die vor 33 Jahren sehr teuer war. Trotzdem sind inzwischen, nach dieser relativ langen Zeit, die unteren Scharniere der Türen kaputt: Die Drehachsen wurden von den Federn so tief in das Metall der Halterung gedrückt und dadurch gelockert, so dass sie sich verschieben, aus der Halterung fallen und dem Federmechanismus keinen Halt mehr geben. Die Türen hängen dann schief, gehen nicht mehr richtig zu, und knarzen unschön - nach 33 Jahren.

Folglich muss ich ab und an die Türen und Gelenke ausbauen, um die Achsen - ein idiotisches Pfinnigteil, das aber schwer im Ersatz zu bekommen ist - wieder einzubauen. Ich dagegen habe den Küchenschrank von meiner Ururgrossmutter, rund 120, 130 Jahre alt, kein Pressspan, sondern Massivholz. Auch dieser Schrank hat Türen und Lager. Nach all den Generationen geht der Schrank problemlos auf und zu, alle Lager laufen leicht, nichts knarzt, nichts fällt heraus, nichts muss repariert werden.

Meine Mutter überlegt, ob sie nicht eine neue Kücher braucht. So eine moderne Küchenzeile, vielleicht mit Furnier, die gut in das Haus passt. Nun ja. Das ist dann wohl der Fortschritt.

Folglich muss ich ab und an die Türen und Gelenke ausbauen, um die Achsen - ein idiotisches Pfinnigteil, das aber schwer im Ersatz zu bekommen ist - wieder einzubauen. Ich dagegen habe den Küchenschrank von meiner Ururgrossmutter, rund 120, 130 Jahre alt, kein Pressspan, sondern Massivholz. Auch dieser Schrank hat Türen und Lager. Nach all den Generationen geht der Schrank problemlos auf und zu, alle Lager laufen leicht, nichts knarzt, nichts fällt heraus, nichts muss repariert werden.

Meine Mutter überlegt, ob sie nicht eine neue Kücher braucht. So eine moderne Küchenzeile, vielleicht mit Furnier, die gut in das Haus passt. Nun ja. Das ist dann wohl der Fortschritt.
donalphons, 00:26h
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Kurzform von Digital Native
@ffe
donalphons, 23:22h
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Freitag, 11. Dezember 2009
Real Life Sommer 1983 - Warmes Wasser
Zwischen den Mahlzeiten beim Lesen wieder eingefallen: Ein Tag unter feinen Kindern.
Eigentlich fühlt es sich an, als wären wir damals noch Kinder gewesen, aber es kann nicht stimmen. Denn J. hatte bereits den weissen Porsche, und war nur ein, zwei Jahre älter als ich und V. und E.. Wir waren also keine Kinder mehr, Jugendliche vermutlich. Vielleicht liegt das gefühl, noch Kind gewesen zu sein, am Surfboard, denn als E.s Vater das kaufte, fuhr ich mit, und an jenem Tag radelte ich über die Wiese zu ihnen. Es war einer der letzten Tage mit diesem Rad für Jüngere, bald danach begannen die Sommerferien, und meine Eltern hatten keine Bedenken, mich damit nach Südfrankreich fahren zu lassen, wo auf der Anreise die Speichen hinten brachen und mit jenem Zoooing-Geräusch meine Liebe zu richtigen Rennrädern und allem, was schnell und gefährlich ist, begann. Mit Schutzblechen ist man ein Kind, mit Tempo 90 den Monte Baldo runter ist man erwachsen.
Das Desaster des Jugendrades zwischen Bourg und Belfort kündigte sich schon bei diesem Radweg an, denn die Kette sprang heraus, ich musste sie wieder einfädeln, schnell nach Hause und die Hände waschen - es wäre vollkommen undenkbar gewesen, zu E.s Vater mit schmutzigen Händen zu kommen - und meine Mutter rief dort an und entschuldigte mein Zuspätkommen. Dann fuhr ich hin, und alle mit Ausnahme von E.s Mutter, die nicht vollkommen von diesem für ihre musischen Töchter eher unpassenden Sport angetan war, gelangten wohlbehalten im Geschäft an.

Von da an hatte E. wie alle anderen im Viertel am See ein Surfboard. Wenn Wind war, gingen wir surfen, und wenn nicht, lagen wir an der einzigen Stelle des Sees mit Sandstrand an jener Stelle, wo früher der Förderturm für Kies und Sand gestanden hatte, in den alten Betonfundamenten, und überlegten uns, was die Zukunft bringen würde. Abitur, Studieren, und dann... Wir wussten es auch nicht. E. und ihre kleine Schwester wurden durchaus umgarnt, von jenen, die nichts über sie wussten, nichts von dem rosa Zimmer, das E. bewohnte und vom hellblauen Zimmer, das ihrer ausnehmend schönen Schwester überlassen blieb. Wir hingegen wussten es ja, wir waren ihnen nah, weil wir es wussten, und hätten wir es nicht gewusst, dann hätte man uns erst gar nicht so nah kommen lassen. Ihr Vater war (und ist übrigens auch heute noch) der Inbegriff des korrekten Bankdirektors, und wenn wir mit E. zur Schule radelten, konnte er und wir genau vorhersagen, wo wir ihn überholen würden: Ziemlich genau am gelben Porsche 911 Targe von Frau P., und nie hinter der Strasse, in der V. wohnte, und der uns ab dort begleitete.
Weil ihr Vater so überkorrekt war - übrigens im deutlichen Gegensatz zu ihrer offenherzigen und sagenhaft freundlichen Mutter - wussten wir auch, dass es sich nicht lohnen würde, hier zarte Bande zu knüpfen. Man konnte mit E. schönes Briefpapier kaufen und über Bücher sprechen, aber man lässt sich ja immer auch mit einer ganzen Familie ein, die wiederum die eigene Familie schon aus Zeiten kennt, da die Grosseltern noch Kinder waren. Wir waren uns alle zu ähnlich, viel zu ähnlich, und neugierig ist man stets auf das Unbekannte. Ausserdem hielt man uns - unzutreffenderweise - für Verwandte, und man weiss ja, was alles so gerdet wird.
E. hatte, und damit begann das Unglück, auf dem Bankenball im Stadttheater J. kennengelernt, den Sohn einer anderen Dynastie der Stadt, die in den kommenden Jahrzehnten wirtschaftlich expandieren und ansonsten typisch für diese Region bleiben sollte. J. selbst hatte damit wenig zu tun, der Konzern ist eigentlich einem leitenden Mitarbeiter und weniger der Familie selbst zu verdanken, und damals waren sie schon etwas reicher. So reich, dass sie J. einen Porsche 924 in Weiss zum 18. Geburtstag schenkten. Seine plötzliche Anwesenheit empfanden wir als Provokation, denn J. tauchte nicht nur am See mit lautem Motor auf - seine Eltern wohnten aus mir unbekannten Gründen nicht im einzig richtigen Viertel der Stadt, sondern nur bei den Ärzten - er wollte auch unseren Standort verlegen. Weg von der sandigen Bucht hinter einem Erdwall zu einer anderen Bucht, von wo aus man seinen weissen Porsche sah. Uns mit unseren bunten Brettern war das nicht recht, denn es war der beste Platz, und schon immer hatten wir ihn besessen. J. allerdings legte wenig Anwesenheit auf uns, allein die E. wollte er mitnehmen. Wir waren, das liess er uns merken, ohnehin nur störend.

Es war im späten Sommer, und die ersten Blätter trieben schon im Wasser, die grossen Ferien gingen zu Ende, da wurde E. mitsamt Brett und Schwester von ihrem Vater zu uns gebracht, auch meine Eltern und die von V. brachten uns an den See, und weil es windstill blieb, legten wir uns auf die Bretter und paddelten nach draussen: E. und V. auf E.s Brett, ihre kleine Schwester und ich auf meinem Brett. Es war nochrecht früh am Morgen, und wir sassen auf dem Wasser und redeten über die Schule, die bald wieder drohte, über Bekannte, über nichts. Vom Parkplatz hörten wir das bekannte Motorengeräusch, J. ging an den See herunter, sah uns und rief E..
Ich weiss nicht mehr, was E. sagte, aber es waren keine freundlichen Worte, während J. nach vergeblichem Rufen ins Wasser ging und zu uns heraus schwamm. Zu wenig Platz sei auf den Brettern, riefen wir ihm zu, er solle wegbleiben, er störte uns in dem Frieden, den es nur gibt, wenm Kinder reicher Leute sorglos am See sind, aber das nahm er nicht zur Kenntnis. Unerträglich fanden wir ihn, und V., dessen Mutter den 924 nicht einfach in Silber so geschenkt bekommen hatte, machte aus seiner Abneigung gegen J. keinen Hehl. So paddelten wir weiter, wenn J. näher kam, liessen immer ein paar Meter zwischen J. und uns, hofften, er würde umkehren, aber J. war jung, schlank und keinesfalls schwach. Irgendwann hörte V. zu rundern auf, stellte sich auf das Brett, liess J. herankommen, bis der zu schwimmen aufhörte und E. ansprach. Dann sprang V. vom Brett herab auf seine Schultern.
Und drückte ihn unter Wasser. J. war verschwunden, von V. war nur noch der Kopf über dem funkelnden, stillen See. Es dauerte etwas, bis J. auftauchte, schrie, Dinge schrie, die wir nie gesagt oder auch nur gedacht hätten, und sich mit V. eine kurze Schlägerei im Wasser lieferte. Dann schwamm er zurück und verschwand mit seinem Porsche. Er hätte auch tot sein können, aber das verstanden wir erst viel, viel später. Wir bewahrten das Geheimnis, nur V. gab damit in der Schule an, auch gegenüber der Apothekerstochter A., die sagte es ihren Eltern, und das Gerede nahm seinen Lauf.
V. und E. jedoch waren im Winter ein Paar, und ich küsste zu jener Zeit den Hals der Tochter des Chefs von E.s Vater in deren S-Klasse. J. baute später in der Stadt wenig schöne Hochhäuser, und die Ehen von E. und J., natürlich mit anderen Partnern, sind nur begrenzt glücklich, die von V. sicher mehr als die von E.. Ihre Kinder gehen nicht in die gleiche Schule, sie wohnen auch nicht im gleichen Viertel. Niemand von uns wohnt noch in diesem Viertel, und die Schwester von E. ist auch weggezogen.
Eigentlich fühlt es sich an, als wären wir damals noch Kinder gewesen, aber es kann nicht stimmen. Denn J. hatte bereits den weissen Porsche, und war nur ein, zwei Jahre älter als ich und V. und E.. Wir waren also keine Kinder mehr, Jugendliche vermutlich. Vielleicht liegt das gefühl, noch Kind gewesen zu sein, am Surfboard, denn als E.s Vater das kaufte, fuhr ich mit, und an jenem Tag radelte ich über die Wiese zu ihnen. Es war einer der letzten Tage mit diesem Rad für Jüngere, bald danach begannen die Sommerferien, und meine Eltern hatten keine Bedenken, mich damit nach Südfrankreich fahren zu lassen, wo auf der Anreise die Speichen hinten brachen und mit jenem Zoooing-Geräusch meine Liebe zu richtigen Rennrädern und allem, was schnell und gefährlich ist, begann. Mit Schutzblechen ist man ein Kind, mit Tempo 90 den Monte Baldo runter ist man erwachsen.
Das Desaster des Jugendrades zwischen Bourg und Belfort kündigte sich schon bei diesem Radweg an, denn die Kette sprang heraus, ich musste sie wieder einfädeln, schnell nach Hause und die Hände waschen - es wäre vollkommen undenkbar gewesen, zu E.s Vater mit schmutzigen Händen zu kommen - und meine Mutter rief dort an und entschuldigte mein Zuspätkommen. Dann fuhr ich hin, und alle mit Ausnahme von E.s Mutter, die nicht vollkommen von diesem für ihre musischen Töchter eher unpassenden Sport angetan war, gelangten wohlbehalten im Geschäft an.

Von da an hatte E. wie alle anderen im Viertel am See ein Surfboard. Wenn Wind war, gingen wir surfen, und wenn nicht, lagen wir an der einzigen Stelle des Sees mit Sandstrand an jener Stelle, wo früher der Förderturm für Kies und Sand gestanden hatte, in den alten Betonfundamenten, und überlegten uns, was die Zukunft bringen würde. Abitur, Studieren, und dann... Wir wussten es auch nicht. E. und ihre kleine Schwester wurden durchaus umgarnt, von jenen, die nichts über sie wussten, nichts von dem rosa Zimmer, das E. bewohnte und vom hellblauen Zimmer, das ihrer ausnehmend schönen Schwester überlassen blieb. Wir hingegen wussten es ja, wir waren ihnen nah, weil wir es wussten, und hätten wir es nicht gewusst, dann hätte man uns erst gar nicht so nah kommen lassen. Ihr Vater war (und ist übrigens auch heute noch) der Inbegriff des korrekten Bankdirektors, und wenn wir mit E. zur Schule radelten, konnte er und wir genau vorhersagen, wo wir ihn überholen würden: Ziemlich genau am gelben Porsche 911 Targe von Frau P., und nie hinter der Strasse, in der V. wohnte, und der uns ab dort begleitete.
Weil ihr Vater so überkorrekt war - übrigens im deutlichen Gegensatz zu ihrer offenherzigen und sagenhaft freundlichen Mutter - wussten wir auch, dass es sich nicht lohnen würde, hier zarte Bande zu knüpfen. Man konnte mit E. schönes Briefpapier kaufen und über Bücher sprechen, aber man lässt sich ja immer auch mit einer ganzen Familie ein, die wiederum die eigene Familie schon aus Zeiten kennt, da die Grosseltern noch Kinder waren. Wir waren uns alle zu ähnlich, viel zu ähnlich, und neugierig ist man stets auf das Unbekannte. Ausserdem hielt man uns - unzutreffenderweise - für Verwandte, und man weiss ja, was alles so gerdet wird.
E. hatte, und damit begann das Unglück, auf dem Bankenball im Stadttheater J. kennengelernt, den Sohn einer anderen Dynastie der Stadt, die in den kommenden Jahrzehnten wirtschaftlich expandieren und ansonsten typisch für diese Region bleiben sollte. J. selbst hatte damit wenig zu tun, der Konzern ist eigentlich einem leitenden Mitarbeiter und weniger der Familie selbst zu verdanken, und damals waren sie schon etwas reicher. So reich, dass sie J. einen Porsche 924 in Weiss zum 18. Geburtstag schenkten. Seine plötzliche Anwesenheit empfanden wir als Provokation, denn J. tauchte nicht nur am See mit lautem Motor auf - seine Eltern wohnten aus mir unbekannten Gründen nicht im einzig richtigen Viertel der Stadt, sondern nur bei den Ärzten - er wollte auch unseren Standort verlegen. Weg von der sandigen Bucht hinter einem Erdwall zu einer anderen Bucht, von wo aus man seinen weissen Porsche sah. Uns mit unseren bunten Brettern war das nicht recht, denn es war der beste Platz, und schon immer hatten wir ihn besessen. J. allerdings legte wenig Anwesenheit auf uns, allein die E. wollte er mitnehmen. Wir waren, das liess er uns merken, ohnehin nur störend.

Es war im späten Sommer, und die ersten Blätter trieben schon im Wasser, die grossen Ferien gingen zu Ende, da wurde E. mitsamt Brett und Schwester von ihrem Vater zu uns gebracht, auch meine Eltern und die von V. brachten uns an den See, und weil es windstill blieb, legten wir uns auf die Bretter und paddelten nach draussen: E. und V. auf E.s Brett, ihre kleine Schwester und ich auf meinem Brett. Es war nochrecht früh am Morgen, und wir sassen auf dem Wasser und redeten über die Schule, die bald wieder drohte, über Bekannte, über nichts. Vom Parkplatz hörten wir das bekannte Motorengeräusch, J. ging an den See herunter, sah uns und rief E..
Ich weiss nicht mehr, was E. sagte, aber es waren keine freundlichen Worte, während J. nach vergeblichem Rufen ins Wasser ging und zu uns heraus schwamm. Zu wenig Platz sei auf den Brettern, riefen wir ihm zu, er solle wegbleiben, er störte uns in dem Frieden, den es nur gibt, wenm Kinder reicher Leute sorglos am See sind, aber das nahm er nicht zur Kenntnis. Unerträglich fanden wir ihn, und V., dessen Mutter den 924 nicht einfach in Silber so geschenkt bekommen hatte, machte aus seiner Abneigung gegen J. keinen Hehl. So paddelten wir weiter, wenn J. näher kam, liessen immer ein paar Meter zwischen J. und uns, hofften, er würde umkehren, aber J. war jung, schlank und keinesfalls schwach. Irgendwann hörte V. zu rundern auf, stellte sich auf das Brett, liess J. herankommen, bis der zu schwimmen aufhörte und E. ansprach. Dann sprang V. vom Brett herab auf seine Schultern.
Und drückte ihn unter Wasser. J. war verschwunden, von V. war nur noch der Kopf über dem funkelnden, stillen See. Es dauerte etwas, bis J. auftauchte, schrie, Dinge schrie, die wir nie gesagt oder auch nur gedacht hätten, und sich mit V. eine kurze Schlägerei im Wasser lieferte. Dann schwamm er zurück und verschwand mit seinem Porsche. Er hätte auch tot sein können, aber das verstanden wir erst viel, viel später. Wir bewahrten das Geheimnis, nur V. gab damit in der Schule an, auch gegenüber der Apothekerstochter A., die sagte es ihren Eltern, und das Gerede nahm seinen Lauf.
V. und E. jedoch waren im Winter ein Paar, und ich küsste zu jener Zeit den Hals der Tochter des Chefs von E.s Vater in deren S-Klasse. J. baute später in der Stadt wenig schöne Hochhäuser, und die Ehen von E. und J., natürlich mit anderen Partnern, sind nur begrenzt glücklich, die von V. sicher mehr als die von E.. Ihre Kinder gehen nicht in die gleiche Schule, sie wohnen auch nicht im gleichen Viertel. Niemand von uns wohnt noch in diesem Viertel, und die Schwester von E. ist auch weggezogen.
donalphons, 23:29h
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