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Dienstag, 29. Dezember 2009
Anzeigung
Ich schreibe gerade an einem längeren Text, in dem ein Auslöser der Geschichte Verhaltensweisen sind, die ich von mir selbst zwar nicht, aber doch von vielen anderen kenne: Die Unfähigkeit, die Arbeit mal loszulassen und lieber daran zu krepieren, als sich die Probleme einzugestehen und richtig zu handeln. Wenn ich sehe, dass in Deutschland nie weniger Krankmeldungen als zur Zeit anfallen, dann heisst das nur: Gearbeitet wird in der Arbeit, krank ist man im Urlaub.
Nun habe ich bekanntlich ein Leben, in dem das Vermietergeschäft und das Abfassen mehr oder weniger amüsanter Texte die Grundlagen meiner Einkünfte bilden; beides kann man angesichts meiner Neigungen schlecht als Beruf bezeichnen, und so habe ich eigentlich schon seit Jahren eigentlich nur Urlaub, und bin deshalb auch stets im Urlaub krank. Um jetzt nicht handelnden Personen meiner Geschichte nachzugeraten, werde ich die kommenden Tage bis London also meine Betätigung auf ein Minimum zurückfahren; ein Beitrag für die FAZ und kurze, sporadische Bespassungen täglich hier. Leider ist es für mich einfacher, auch unter Tablettenüberdosis, Erstickungsanfällen und 40 Grad Fieber noch erträgliche Texte selbst zu schreiben, aber was mir schwerer fällt, ist das Beantworten komplexer Mails und Kommentare, oder das Telefonieren. Ich habe jene Sexszene, an der ich seit Monaten kaue und nicht vorankam, mit grösster Leichtigkeit bei schweren Schmerzen und Schlaflosigkeit um 6 Uhr morgens einfach hingezuckert, als gäbe es nichts leichteres - aber das Erschliessen und Eingehen auf die Texte anderer Leute, das sei mir nun eine Weile nachgesehen. Blöd, ich weiss. Unhöflich auch. Aber wie gesagt: Ich möchte nicht das Problem bekommen, das meine Heldin zu haben nicht vermeiden konnte. Seit Tagen nun schon freue ich mich etwa über diesen Text.

Meine Mutter fragt, ob sie mir Kriminalromane bringen soll, aber die besten Erpressergeschichten und Steuerhinterzieherkriminellen finde ich gerade im Internet und in den Weltzentren des Finanzmarktterrorismus London und New York. Ganz ehrlich, wenn sich ein normaler Bürger beim Steuervermeiden so benehmen würden wie die Spitze von JP Morgan, dann hätte der in Nullkommenichts sowas von die Steuerfahndung daheim, dass er danach quieken würde. Angesichts der angesprochenen Personen würde es mich dann auch nicht überraschen, wenn sie es vor Gericht tun müssten. Und die Konstruktionen, mit denen Firmen Geld rausschmeissen, um ihren fetten Bankstern ohne Steuern an der Spitze noch mehr reinzuschieben - gegen die sollte man Beizeiten auch ein Gesetz erlassen. Verstehen Bankster eigentlich erst was, wenn der Mob ihre Bankeingänge verrammelt und anzündet?
Nun habe ich bekanntlich ein Leben, in dem das Vermietergeschäft und das Abfassen mehr oder weniger amüsanter Texte die Grundlagen meiner Einkünfte bilden; beides kann man angesichts meiner Neigungen schlecht als Beruf bezeichnen, und so habe ich eigentlich schon seit Jahren eigentlich nur Urlaub, und bin deshalb auch stets im Urlaub krank. Um jetzt nicht handelnden Personen meiner Geschichte nachzugeraten, werde ich die kommenden Tage bis London also meine Betätigung auf ein Minimum zurückfahren; ein Beitrag für die FAZ und kurze, sporadische Bespassungen täglich hier. Leider ist es für mich einfacher, auch unter Tablettenüberdosis, Erstickungsanfällen und 40 Grad Fieber noch erträgliche Texte selbst zu schreiben, aber was mir schwerer fällt, ist das Beantworten komplexer Mails und Kommentare, oder das Telefonieren. Ich habe jene Sexszene, an der ich seit Monaten kaue und nicht vorankam, mit grösster Leichtigkeit bei schweren Schmerzen und Schlaflosigkeit um 6 Uhr morgens einfach hingezuckert, als gäbe es nichts leichteres - aber das Erschliessen und Eingehen auf die Texte anderer Leute, das sei mir nun eine Weile nachgesehen. Blöd, ich weiss. Unhöflich auch. Aber wie gesagt: Ich möchte nicht das Problem bekommen, das meine Heldin zu haben nicht vermeiden konnte. Seit Tagen nun schon freue ich mich etwa über diesen Text.

Meine Mutter fragt, ob sie mir Kriminalromane bringen soll, aber die besten Erpressergeschichten und Steuerhinterzieherkriminellen finde ich gerade im Internet und in den Weltzentren des Finanzmarktterrorismus London und New York. Ganz ehrlich, wenn sich ein normaler Bürger beim Steuervermeiden so benehmen würden wie die Spitze von JP Morgan, dann hätte der in Nullkommenichts sowas von die Steuerfahndung daheim, dass er danach quieken würde. Angesichts der angesprochenen Personen würde es mich dann auch nicht überraschen, wenn sie es vor Gericht tun müssten. Und die Konstruktionen, mit denen Firmen Geld rausschmeissen, um ihren fetten Bankstern ohne Steuern an der Spitze noch mehr reinzuschieben - gegen die sollte man Beizeiten auch ein Gesetz erlassen. Verstehen Bankster eigentlich erst was, wenn der Mob ihre Bankeingänge verrammelt und anzündet?
donalphons, 00:16h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 28. Dezember 2009
Was heisst schon Wahrheit
Die Wahrheit ist so hässlich wie der Tag und so unhöflich wie ein Kommentarspammer, sie ist wahr, aber das war es dann aber auch schon. Sie ist nicht charmant, erfindungsreich, literarisch, und ausserdem zum Gebrauch in der besseren Gesellschaft extrem ungeeignet.

Um so schlimmer, dass nun der ein oder andere Reingeschmeckte anfängt, mit dieser Wahrheit in meinem Umfeld rumzuzündeln. Das, sage ich in der FAZ, ist nicht fein.

Um so schlimmer, dass nun der ein oder andere Reingeschmeckte anfängt, mit dieser Wahrheit in meinem Umfeld rumzuzündeln. Das, sage ich in der FAZ, ist nicht fein.
donalphons, 00:59h
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Bild des Jahres
Ich habe gerade einiges am Hals; ein Strick ist nicht darunter, aber doch so manches, auf das ich gern verzichten würde. Für das Schreiben bin ich jedenfalls momentan definitiv nicht klug genug. Statt einer längeren Erzählung, warum ich heute Abend nicht mit Iris essen gehen kann, hier vielleicht das Ergebnis der Bildersichtung von 2009. Das hier ist von allen Bildern- und es waren enorm viele, man glaubt gar nicht, was so eine Digitalkamera mit dem photographischen Sehen macht - vielleicht, vermutlich mein Lieblingsbild, gerade weil, was bei mir in Sachen Veröffentlichung selten ist, darauf Menschen zu sehen sind:
Grossbild
Brescia am 14. Mai 2009, vor der Mille Miglia.
Genauso neugierig, interessiert und angetan möchte ich auch in das Jahr 2010 schauen, und auf der Millie Miglia werde ich natürlich auch wieder sein. Die ist diesmal fast 2 Wochen früher. Dann bleibt danach mehr Zeit für anderes.
Grossbild
Brescia am 14. Mai 2009, vor der Mille Miglia.
Genauso neugierig, interessiert und angetan möchte ich auch in das Jahr 2010 schauen, und auf der Millie Miglia werde ich natürlich auch wieder sein. Die ist diesmal fast 2 Wochen früher. Dann bleibt danach mehr Zeit für anderes.
donalphons, 20:43h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 26. Dezember 2009
Obama noch irrer als Bush und andere Absonderlichkeiten
Ein alte Weisheit im Nachrichtengeschäft geht so: Sage es zu Weihnachten, da kriegen es nur die wenigsten mit. Und von den USA über Japan bis zu den Deutschen scheint man sich daran zu halten. Stunden unangenehmer Halb- oder Viertelwahrheiten zu stiller Nacht, wo keine Rebellion zu erwarten ist.
In den USA hat man bekanntlich "Change" und Obama gewählt, um die Finanzkrise zu beenden. Nun rennen bei Obama ja so einige wallstreetnahe Figuren rum, und wie es aussieht, wissen die genau, wie die das Platzen der Immobilienblase aufhalten wollen: Mit dem Aufblasen der nächsten Immobilienblase. Die Kreditfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac können ab sofort Verluste in unbegrenzter Höhe beim Staat geltend machen. Unter Bush hat man diese Fässer ohne Boden wenigstens nur gerettet, wenn es "unumgänglich" war - etwa, um mit Krediten spekulierende Wallstreetbankster vor Verlusten zu schützen. So, wie es jetzt läuft, ist es eine Einladung für Bankster, Immobilienhaie und andere Finanzmarktkriminelle, wieder fröhlich auch an die Schwächsten Kredite zu vergeben, wertlose Häuser an Leute verkaufen, die es sich nicht leisten können, Prämien und Provisionen kassieren, die Risiken an die Finanzierer weiterreichen, und die wiederum lassen den Staat bluten. Ein Selbstbedienungsladen für all den Abschaum, der uns die aktuelle Krise eingebrockt hat, mit grenzenloser Sicherheit. Keine Risiken mehr, der Staat übernimmt alles. Das Kalkül dürfte wohl so aussehen: Dann steigen die Hauspreise, die Kredite auf Häuser können wieder steigen, die Konsumenten geben mehr Geld aus, die Firmen verdienen mehr, die Aktien steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt, alles wird wieder so, wie es war, die Blase ist tot, es lebe die Blase, und mit etwas Glück kommen dann auch gar nicht so viele Kreditausfälle... mit etwas Pech jedoch platzt auch diese Blase, und dann?

Dann geht es den USA vielleicht wie den Iren oder den Japanern mit Rekorddefiziten. Und während sich die Iren für ihre kriminellen Banken in die 70er Jahre zurücksparen, leihen sich die Japaner mal eben die Hälfte ihres Jahreshaushaltes zusammen. Was bleibt einem schon übrig, wenn die Steuereinnahmen wegbrechen, und nur ein paar Bankster mehr kassieren.
Aber wenn nun nach 8 Jahren Krieg in Afghanistan der Bundeskriegsminister auf die Idee kommt, es mal mit den "gemässigten Taliban" anstelle eines korrupten Wahlfälschers zu versuchen, und man sich fragt, gegen wen zum Teufel man da eigentlich all die Jahre die Freiheit, die Demokratie und die Frauenrechte verteidigt hat - dann muss man vielleicht gar nicht so weit gehen, um einen Eindruck von dem zu bekommen, was 2010 und 2011 nich alles an lustigen Verwerfungen bringen werden.
In den USA hat man bekanntlich "Change" und Obama gewählt, um die Finanzkrise zu beenden. Nun rennen bei Obama ja so einige wallstreetnahe Figuren rum, und wie es aussieht, wissen die genau, wie die das Platzen der Immobilienblase aufhalten wollen: Mit dem Aufblasen der nächsten Immobilienblase. Die Kreditfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac können ab sofort Verluste in unbegrenzter Höhe beim Staat geltend machen. Unter Bush hat man diese Fässer ohne Boden wenigstens nur gerettet, wenn es "unumgänglich" war - etwa, um mit Krediten spekulierende Wallstreetbankster vor Verlusten zu schützen. So, wie es jetzt läuft, ist es eine Einladung für Bankster, Immobilienhaie und andere Finanzmarktkriminelle, wieder fröhlich auch an die Schwächsten Kredite zu vergeben, wertlose Häuser an Leute verkaufen, die es sich nicht leisten können, Prämien und Provisionen kassieren, die Risiken an die Finanzierer weiterreichen, und die wiederum lassen den Staat bluten. Ein Selbstbedienungsladen für all den Abschaum, der uns die aktuelle Krise eingebrockt hat, mit grenzenloser Sicherheit. Keine Risiken mehr, der Staat übernimmt alles. Das Kalkül dürfte wohl so aussehen: Dann steigen die Hauspreise, die Kredite auf Häuser können wieder steigen, die Konsumenten geben mehr Geld aus, die Firmen verdienen mehr, die Aktien steigen, die Arbeitslosigkeit sinkt, alles wird wieder so, wie es war, die Blase ist tot, es lebe die Blase, und mit etwas Glück kommen dann auch gar nicht so viele Kreditausfälle... mit etwas Pech jedoch platzt auch diese Blase, und dann?

Dann geht es den USA vielleicht wie den Iren oder den Japanern mit Rekorddefiziten. Und während sich die Iren für ihre kriminellen Banken in die 70er Jahre zurücksparen, leihen sich die Japaner mal eben die Hälfte ihres Jahreshaushaltes zusammen. Was bleibt einem schon übrig, wenn die Steuereinnahmen wegbrechen, und nur ein paar Bankster mehr kassieren.
Aber wenn nun nach 8 Jahren Krieg in Afghanistan der Bundeskriegsminister auf die Idee kommt, es mal mit den "gemässigten Taliban" anstelle eines korrupten Wahlfälschers zu versuchen, und man sich fragt, gegen wen zum Teufel man da eigentlich all die Jahre die Freiheit, die Demokratie und die Frauenrechte verteidigt hat - dann muss man vielleicht gar nicht so weit gehen, um einen Eindruck von dem zu bekommen, was 2010 und 2011 nich alles an lustigen Verwerfungen bringen werden.
donalphons, 21:12h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 25. Dezember 2009
Das Einzige
was ich 2010 noch lieber als die globalen Risikobankster und ihre Spekulationsstrukturen zerschlagen sehen möchte, ist das Mörderregime der chinesischen Kommunisten. Immerhin, indem ich das Geld jenseits der Bank (ausser einer regional agierenden Bauernbank) habe und so wenig wie möglich Zeug aus China kaufe, kann ich ein wenig dazu beitragen, beide zu schädingen.
Alles andere kommt erst mit enormen Abstand.
Alles andere kommt erst mit enormen Abstand.
donalphons, 18:26h
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Donnerstag, 24. Dezember 2009
Das richtige Opfer.
Nur Idioten diskriminieren alles und jeden, um sich selbst besser darzustellen. Könner setzen Diskriminierung gezielt ein, um Machtbalancen zu erhalten und Grenzüberschreitungen abzuwehren. Natürlich würde man das nie, unter keinen Umständen zugeben.

Aber genau deshalb macht es ja auch Spass, darüber zu reden, wie es wirklich geht. Denn den Aufsteiger erkennt man daran, wie er diskriminiert, und folglich auch daran, wie man ihn dafür abstraft. Ein heikles Thema in der FAZ zu Weihnachten, da man nie weiss, wen man trifft.

Aber genau deshalb macht es ja auch Spass, darüber zu reden, wie es wirklich geht. Denn den Aufsteiger erkennt man daran, wie er diskriminiert, und folglich auch daran, wie man ihn dafür abstraft. Ein heikles Thema in der FAZ zu Weihnachten, da man nie weiss, wen man trifft.
donalphons, 14:26h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Das Ende der Rottacher Hundedecken.
Ich war jung und brauchte das Geld nicht besonders. Das muss 1992 gewesen sein, im Frühling. Damals war ich in der - inzwischen längst verschwundenen - Designerabteilung von Beck am Rathauseck und sah mir die neuen Kollektionen von Gaultier und Gaultier pour Gibo an. In einer Welt, in der Schwarz das mass aller Dinge war, hatte Gaultier offensichtlich seine Vorliebe für ältere Mathematiklehrer entdeckt. Anders konnten wir - Söhne von Eltern - uns nicht vorstellen, wieso er jetzt nach all den tollen, exzentrischen schwarzen Dingen mit Schalkrägen und Schlitzen Männer unseres Alters in braunbeigem Glenn Check sehen wollte. Wir begriffen, dass wir mit der Mode nicht mehr mitkamen, und fühlten uns plötzlich sehr alt. Zwei Jahre später gab es die Muster auch bei Boss und anderen Häusern, aber da kümmerten wir uns schon nicht mehr drum und hatten, auch wegen Techno und den andrängenden Turnschuhmassen, andere Interessen.
Dieser Tag vor der neuen Linie von Gaultier markierte das Ende meiner nicht gerade bescheidenen Kleidersammelwut. Von da an trug ich auf, kaufte ab und an etwas dazu, aber es war mir nicht mehr so wichtig. Hätte man mir aber an jenem fernen Tag gesagt, dass ich dereinst innerhalb von ein paar Wochen wieder 25 Jacketts erwerben würde, mehr als je zuvor, auch in meinen schlimmsten Zeiten zwischen Annas und Holy's, und davon ein Dutzend, die wir damals verächtlich als "Hundedecken" bezeichneten - ich hätte das nicht geglaubt. Aber ich hätte mir ja auch nicht vorstellen können, dass Umfragen für die CSU auf 40-x lauten könnten. Oder dass meine Freunde von damals als Familienväter Angst habem, ihre Kinder könnten mal so werden, wie wir damals. Wie auch immer:

Über die 30 Hemden reden wir erst besser gar nicht. Aber nun ist es eben endgültig, nach 80 Jahren schliesst die Firma, bei der schon mein Grossvater und mein Vater Masskonfektion einkauften, die einfach zur Stadt gehörte und über die man sie nie besondere Gedanken gemacht hat. "Es ist egal, welche Marke drin steht, solange es von uns gemacht ist", hiess der halb bescheidene, halb grosse Anspruch, und das Elend ist: Wenn man erst mal eine gewisse Qualität gewohnt ist, kann man unendlich schlecht wieder hinabsteigen. Dann lieber ein guter Vorrat an Rottacher Hundedecken von Loro Piano, lieber ein Karo mehr als eines zu wenig, denn mit dem heutigen Tag wird hier nichts mehr nachkommen. Es ist vorbei. Und es ist kein Platz mehr im Schrank. Am Tegernsee, da ist noch Platz.
Als wäre das ferne Hohnlachen von Jean Paul Gaultier über all meine Hundedecken nicht genug, war es dann ausgerechnet auch noch das Shooting Jacket, das mir - wie alles, was mit jagd zu tun hat - bestens gestanden hat. An dieser Stelle bitte das sonore Lachen meines tiereabknallenden Grossvaters vorstellen. Man kann so etwas nicht mal in Rottach tragen, höchsten auf Bergwanderungen und beim Rodeln, aber egal - entweder man greift zu, oder man steht nie mehr, zumindest in diesem Rahmen vor der Wahl, bei so einem Stück zuzugreifen.
Früher war es ein Rausch, solche Stücke zu kaufen und auszuführen. Heute dagegen endet die Geschichte. Ich werde noch 10 Jahre haben, die Stücke aufzutragen, das Leinen zu knittern und das Kaschmir frierenden Frauen um die Schultern zu legen, so exzentrisch wie mein Sunbeam zu wirken und immer noch eine Jacke extra haben - aber lieber wäre es mir gewesen, wenn ich einfach jede Saison zwei, drei Stücke hätte nachkaufen können. So biegt sich der Schrank unter der Last, es ist die beste und einzige Lösung - eine immer noch reichlich teure Lösung, aber das ist es nicht. Es ist das Ende der Tradition, das die beste aller möglichen Welten so schal und elend erscheinen lässt. Wie der Tag, als sie das letzte Hutgeschäft der Stadt geschlossen haben, weil die Sparkasse das Haus an einen Investor verkaufte, der den Inhabern nach drei Generationen sofort kündigte. Früher war Einkaufen Verschwendung. Die letzten Wochen war es Notwehr.
Ich brauche endlich einen Schneider. Immerhin habe ich ein paar Jahre Zeit, einen zu suchen - Rottacher Hundedecken waren nach Gaultier nicht mehr modern und werden auch nicht mehr veraltet sein.
Dieser Tag vor der neuen Linie von Gaultier markierte das Ende meiner nicht gerade bescheidenen Kleidersammelwut. Von da an trug ich auf, kaufte ab und an etwas dazu, aber es war mir nicht mehr so wichtig. Hätte man mir aber an jenem fernen Tag gesagt, dass ich dereinst innerhalb von ein paar Wochen wieder 25 Jacketts erwerben würde, mehr als je zuvor, auch in meinen schlimmsten Zeiten zwischen Annas und Holy's, und davon ein Dutzend, die wir damals verächtlich als "Hundedecken" bezeichneten - ich hätte das nicht geglaubt. Aber ich hätte mir ja auch nicht vorstellen können, dass Umfragen für die CSU auf 40-x lauten könnten. Oder dass meine Freunde von damals als Familienväter Angst habem, ihre Kinder könnten mal so werden, wie wir damals. Wie auch immer:

Über die 30 Hemden reden wir erst besser gar nicht. Aber nun ist es eben endgültig, nach 80 Jahren schliesst die Firma, bei der schon mein Grossvater und mein Vater Masskonfektion einkauften, die einfach zur Stadt gehörte und über die man sie nie besondere Gedanken gemacht hat. "Es ist egal, welche Marke drin steht, solange es von uns gemacht ist", hiess der halb bescheidene, halb grosse Anspruch, und das Elend ist: Wenn man erst mal eine gewisse Qualität gewohnt ist, kann man unendlich schlecht wieder hinabsteigen. Dann lieber ein guter Vorrat an Rottacher Hundedecken von Loro Piano, lieber ein Karo mehr als eines zu wenig, denn mit dem heutigen Tag wird hier nichts mehr nachkommen. Es ist vorbei. Und es ist kein Platz mehr im Schrank. Am Tegernsee, da ist noch Platz.
Als wäre das ferne Hohnlachen von Jean Paul Gaultier über all meine Hundedecken nicht genug, war es dann ausgerechnet auch noch das Shooting Jacket, das mir - wie alles, was mit jagd zu tun hat - bestens gestanden hat. An dieser Stelle bitte das sonore Lachen meines tiereabknallenden Grossvaters vorstellen. Man kann so etwas nicht mal in Rottach tragen, höchsten auf Bergwanderungen und beim Rodeln, aber egal - entweder man greift zu, oder man steht nie mehr, zumindest in diesem Rahmen vor der Wahl, bei so einem Stück zuzugreifen.
Früher war es ein Rausch, solche Stücke zu kaufen und auszuführen. Heute dagegen endet die Geschichte. Ich werde noch 10 Jahre haben, die Stücke aufzutragen, das Leinen zu knittern und das Kaschmir frierenden Frauen um die Schultern zu legen, so exzentrisch wie mein Sunbeam zu wirken und immer noch eine Jacke extra haben - aber lieber wäre es mir gewesen, wenn ich einfach jede Saison zwei, drei Stücke hätte nachkaufen können. So biegt sich der Schrank unter der Last, es ist die beste und einzige Lösung - eine immer noch reichlich teure Lösung, aber das ist es nicht. Es ist das Ende der Tradition, das die beste aller möglichen Welten so schal und elend erscheinen lässt. Wie der Tag, als sie das letzte Hutgeschäft der Stadt geschlossen haben, weil die Sparkasse das Haus an einen Investor verkaufte, der den Inhabern nach drei Generationen sofort kündigte. Früher war Einkaufen Verschwendung. Die letzten Wochen war es Notwehr.
Ich brauche endlich einen Schneider. Immerhin habe ich ein paar Jahre Zeit, einen zu suchen - Rottacher Hundedecken waren nach Gaultier nicht mehr modern und werden auch nicht mehr veraltet sein.
donalphons, 21:16h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Bankenlose Sparquote
Ich persönlich mag das Gefühl überhaupt nicht, Geld auf der Bank zu haben. Ich traue denen nicht, ich traue dem System nicht, ich traue den gekauften Politikern von Sausemerkel bis Wallstreetobama nicht. Im Ernst, für 10 lumpige Cent Wahlkampfschmierung würden die Robbenbabys totschlagen und Kinder in den Strassengraben schicken. Deshalb weiche ich auf alternative "alternative Investments" aus.

Laut werde ich dann lachen, wenn die Berufsverbrecher aus Banken und Politik bei der nächsten kommenden Krise einen Währungsschnitt machen, laut werde ich lachen, wenn es auch diemal wieder in den Graben geht, weil man es versäumt hat, die Räuber in Frankfurt, London und New York in jenes Guantanamo zu verfrachten, wo die anderen Terroristen sind. Laut aber lache ich schon jetzt, wenn ich an sich durchaus loyale Medien lese, die ich hier empfehlen möchte.
Einmal eine Abrechnung mit Obama in der Huffington Post mit knapp 4000 Kommentaren, die das tut, wozu andere zu feige sind.
Und dann bei Bloomberg die haarsträubende Geschichte der staatlichen Schmierung von Goldman Sachs, aufgemacht an einem krassen Einzelbeispiel der öffentlichen Förderung für deren neues Hauptquartier.
Bitte lesen. Es ist wichtig zu wissen, in welcher Welt wir leben, und mit was man offensichtlich zusammenleben muss.

Laut werde ich dann lachen, wenn die Berufsverbrecher aus Banken und Politik bei der nächsten kommenden Krise einen Währungsschnitt machen, laut werde ich lachen, wenn es auch diemal wieder in den Graben geht, weil man es versäumt hat, die Räuber in Frankfurt, London und New York in jenes Guantanamo zu verfrachten, wo die anderen Terroristen sind. Laut aber lache ich schon jetzt, wenn ich an sich durchaus loyale Medien lese, die ich hier empfehlen möchte.
Einmal eine Abrechnung mit Obama in der Huffington Post mit knapp 4000 Kommentaren, die das tut, wozu andere zu feige sind.
Und dann bei Bloomberg die haarsträubende Geschichte der staatlichen Schmierung von Goldman Sachs, aufgemacht an einem krassen Einzelbeispiel der öffentlichen Förderung für deren neues Hauptquartier.
Bitte lesen. Es ist wichtig zu wissen, in welcher Welt wir leben, und mit was man offensichtlich zusammenleben muss.
donalphons, 00:52h
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Die grosse GriechenEuroFrankenBalkanÖsiMalaise
geht in etwa so: Im ersten Schritt haben wir die Griechen. Korrupt, verschwenderisch, mit gefälschten Bilanzen seit Perikles und maroder Wirtschaft seit Homer. Griechenland hat ein enormes Defizit und gerade wieder eine Abwertung seiner Schulden kassiert.
Eine Abwertung der Schulden ist insofern schlecht, als es das Land weiter in die Schulden drückt, ohne dass klar wäre, wie es sie je zurück zahlen könnte, wenn sie doch das schöne Geld zum Schmieren ihrer Politikerkaste brauchen. Griechenland dümpelt weiter in Richtung Pleite, die aber kaum kommt, weil sie den Euro haben. Gut für die Griechen, schlecht für den Euro. Der wertet ab, denn wer will schon eine Währung mit solchen Pleitekandidaten an der Geldpresse. Der Euro verliert nicht unbedingt gegen den Dollar, denn die Amerikaner haben eigene Probleme mit geschönten, äh nach unten korrigierten Bilanzen (und sind, im Vertrauen, auch nur so eine Art korruptes Griechenland ohne Geschichte, aber mit Atombomben). Hier gibt es also ein Rattenrennen zur Apokalypse. Dagegen sieht es in der Schweiz besser aus.
Wir erinnern uns, mit der UBS und der CS stand die Schweiz an der Pleite, aber mit dem Erstarken der Börsen und dem Wiederaufblasen wertloser Papiere durch die Amigriechen schaut es wider besser aus, auch wenn die Schweiz inzwischen so tut, als würde sie keine Steuerhinterziehung anderer Leute mehr dulden. Die Geschäfte laufen wieder einigermassen, die Bilanzen sehen im internationalen Vergleich ganz gut aus, und man fährt gerne dort hin - also steigt der Franken gegenüber Dollar und Euro, und im Schlepptau auch gegenüber den Währungen in Osteuropa. Schlecht für amerikanische Urlauber, noch schlechter aber für den Balkan, die die meisten Kredite in Schweizer Franken über österreichische Banken bekamen.
Diese Leutchen müssen nun in ihren Währungen für diese sog. Carry Trades mit niedrigen Zinsen in ihrer Heimatwährung oder auch, wenn es Drogendealer, Politiker und andere Kriminelle sind, in der Schattenwährung Euro wieder mehr zahlen. Oder sie machen es wie die Kroaten, deren Yachten über die Hypo Alpe Adria finanziert und dann verschwunden wurden. Es ächzt der Balkanbewohner, und wenn er nicht mehr kann oder will, geht er pleite. Bei einer zumeist österreichischen Bank. Die wiederum muss trotzdem das in der Schweiz geliehene Geld für die Kredite zurückzahlen. Und zwar voll in Franken. Das geht Böse ins Eigenkapital der Ösibanken. Blöderweise ist es ohnehin so, dass die Ösis verdammt wenig Eigenkapital bei ihren Banken haben.
So weit, so schlecht, sollte man meinen. Die Schweizer tun ihr Möglichstes, den Euro bei 1,50 Franken zu stabilisieren, aber es ist nicht klar, wie lange das gut gehen kann. Den Ösis geht es solange trotzdem dreckig, und die Griechen kümmern sich nicht ernsthaft um den Euro. Man kann sich das wie eine Streckbank vorstellen, aber noch zerreisst es die Ösis nicht. Allerdings will ein gewisses Baselabkommen höheres Eigenkapital in den Banken sehen. Und das müsste man sich auf dem freien Markt beschaffen, wenn man eine Ösibank ist. Nur - wer zahlt in eine Bank ein, deren Eigenkapital gerade rausfliesst, weil der Franken nach oben geht und die Carry Trades platzen? Und das in Euro, die abrauchen, wenn Griechenland und vielleicht auch Österreich abrauchen, weil dort die Banken zu viele Probleme haben, die Löcher zu stopfen? Und das dortige Regime (mit griechischen Anleihen) auch schon aus dem letzten Loch pfeift?
Europa knirscht gerade mit dem österreichischen Rückenmark Richtung Balkan, wie schon 1914, nur anders, eher so wie 1929. Haben Sie also ein Auge auf den Schweizer Franken. Diese dumme, kleine Bergwährung kann durchaus Geschichte schreiben, und den ganzen Balkan anzünden - und den Euroraum damit gleich auch. Wenn der Euroraum eine Firma wäre, hätte er Griechenland und Österreich längst verkauft.
Eine Abwertung der Schulden ist insofern schlecht, als es das Land weiter in die Schulden drückt, ohne dass klar wäre, wie es sie je zurück zahlen könnte, wenn sie doch das schöne Geld zum Schmieren ihrer Politikerkaste brauchen. Griechenland dümpelt weiter in Richtung Pleite, die aber kaum kommt, weil sie den Euro haben. Gut für die Griechen, schlecht für den Euro. Der wertet ab, denn wer will schon eine Währung mit solchen Pleitekandidaten an der Geldpresse. Der Euro verliert nicht unbedingt gegen den Dollar, denn die Amerikaner haben eigene Probleme mit geschönten, äh nach unten korrigierten Bilanzen (und sind, im Vertrauen, auch nur so eine Art korruptes Griechenland ohne Geschichte, aber mit Atombomben). Hier gibt es also ein Rattenrennen zur Apokalypse. Dagegen sieht es in der Schweiz besser aus.
Wir erinnern uns, mit der UBS und der CS stand die Schweiz an der Pleite, aber mit dem Erstarken der Börsen und dem Wiederaufblasen wertloser Papiere durch die Amigriechen schaut es wider besser aus, auch wenn die Schweiz inzwischen so tut, als würde sie keine Steuerhinterziehung anderer Leute mehr dulden. Die Geschäfte laufen wieder einigermassen, die Bilanzen sehen im internationalen Vergleich ganz gut aus, und man fährt gerne dort hin - also steigt der Franken gegenüber Dollar und Euro, und im Schlepptau auch gegenüber den Währungen in Osteuropa. Schlecht für amerikanische Urlauber, noch schlechter aber für den Balkan, die die meisten Kredite in Schweizer Franken über österreichische Banken bekamen.
Diese Leutchen müssen nun in ihren Währungen für diese sog. Carry Trades mit niedrigen Zinsen in ihrer Heimatwährung oder auch, wenn es Drogendealer, Politiker und andere Kriminelle sind, in der Schattenwährung Euro wieder mehr zahlen. Oder sie machen es wie die Kroaten, deren Yachten über die Hypo Alpe Adria finanziert und dann verschwunden wurden. Es ächzt der Balkanbewohner, und wenn er nicht mehr kann oder will, geht er pleite. Bei einer zumeist österreichischen Bank. Die wiederum muss trotzdem das in der Schweiz geliehene Geld für die Kredite zurückzahlen. Und zwar voll in Franken. Das geht Böse ins Eigenkapital der Ösibanken. Blöderweise ist es ohnehin so, dass die Ösis verdammt wenig Eigenkapital bei ihren Banken haben.
So weit, so schlecht, sollte man meinen. Die Schweizer tun ihr Möglichstes, den Euro bei 1,50 Franken zu stabilisieren, aber es ist nicht klar, wie lange das gut gehen kann. Den Ösis geht es solange trotzdem dreckig, und die Griechen kümmern sich nicht ernsthaft um den Euro. Man kann sich das wie eine Streckbank vorstellen, aber noch zerreisst es die Ösis nicht. Allerdings will ein gewisses Baselabkommen höheres Eigenkapital in den Banken sehen. Und das müsste man sich auf dem freien Markt beschaffen, wenn man eine Ösibank ist. Nur - wer zahlt in eine Bank ein, deren Eigenkapital gerade rausfliesst, weil der Franken nach oben geht und die Carry Trades platzen? Und das in Euro, die abrauchen, wenn Griechenland und vielleicht auch Österreich abrauchen, weil dort die Banken zu viele Probleme haben, die Löcher zu stopfen? Und das dortige Regime (mit griechischen Anleihen) auch schon aus dem letzten Loch pfeift?
Europa knirscht gerade mit dem österreichischen Rückenmark Richtung Balkan, wie schon 1914, nur anders, eher so wie 1929. Haben Sie also ein Auge auf den Schweizer Franken. Diese dumme, kleine Bergwährung kann durchaus Geschichte schreiben, und den ganzen Balkan anzünden - und den Euroraum damit gleich auch. Wenn der Euroraum eine Firma wäre, hätte er Griechenland und Österreich längst verkauft.
donalphons, 19:59h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 21. Dezember 2009
Selbstruinierung für den Job
Normalerweise ist es ja so, dass man arbeitet, Geld verdient und vermögend wird. Gestern jedoch war ich in Pfaffenhofen, nach einer Nacht, in der ich schon wieder über einem Konzept eingeschlafen bin. Das Konzept lautet ungefährt "Diensturlaubsplanung mit der FAZ im Rücken für 2010" und basiert auf der losen Idee, in einem grossen Koffer das Beste des Alten Europa zusammenzutragen. Gewissermassen eine Reisefolge, beginnend bei Tuch und Trüffel bis was immer da kommen sollte. Und ich bin doch so schlecht im Konzeptschreiben. Also fuhr ich nach Pfaffenhofen, um mich abzulenken, und hob viel Geld ab, nur für den Fall, dass dort etwas Besonderes sei. Es war:
Das grösste Reisenecessaire, das ich je gesehen habe. Das "Ich fahre jetzt für drei Monate nach Afrika zum Elefantenschiessen"-Reisenecessaire mit - allem, einfach allem ausser der vierläufigen Elefantenbuchse (Achtung Literaturhinweis! Welches berühmte Werk der afrikanischen Hochliteratur ist hier gemeint?). 18 Kilo Leder, Elfenbein, Silber und Kristall. Ein absolut unverkäufliches Monstrum, weil zu teuer und wer kann das schon brauchen oder tragen. Ausser natürlich einem Autor, der einen Koffer braucht, um ihn im alten Europa zu füllen. Ein Koffer, der sich passgenau in alle Intentionen einfügt. Mit Ausnahme des Preises. Noch so ein paar Beiträge, und ich muss eine Wohnung verkaufen. Auf dem Heimweg musste ich mir bei der Copilotin Geld für Benzin leihen - ich war zu geschockt, um noch bei der Bank meine Geheimzahl aus dem Hirn zu pressen. Und all das nur, um den Lesern in der FAZ und auf diesem Blog weitere Möglichkeiten zu geben, mich zu weiteren sinnlosen Käufen anzustacheln.
Wenn das die Gewerkschaften wüssten. Grossen Koffer-Pr0n gibt es hier.
Das grösste Reisenecessaire, das ich je gesehen habe. Das "Ich fahre jetzt für drei Monate nach Afrika zum Elefantenschiessen"-Reisenecessaire mit - allem, einfach allem ausser der vierläufigen Elefantenbuchse (Achtung Literaturhinweis! Welches berühmte Werk der afrikanischen Hochliteratur ist hier gemeint?). 18 Kilo Leder, Elfenbein, Silber und Kristall. Ein absolut unverkäufliches Monstrum, weil zu teuer und wer kann das schon brauchen oder tragen. Ausser natürlich einem Autor, der einen Koffer braucht, um ihn im alten Europa zu füllen. Ein Koffer, der sich passgenau in alle Intentionen einfügt. Mit Ausnahme des Preises. Noch so ein paar Beiträge, und ich muss eine Wohnung verkaufen. Auf dem Heimweg musste ich mir bei der Copilotin Geld für Benzin leihen - ich war zu geschockt, um noch bei der Bank meine Geheimzahl aus dem Hirn zu pressen. Und all das nur, um den Lesern in der FAZ und auf diesem Blog weitere Möglichkeiten zu geben, mich zu weiteren sinnlosen Käufen anzustacheln.
Wenn das die Gewerkschaften wüssten. Grossen Koffer-Pr0n gibt es hier.
donalphons, 21:12h
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Der letzte frohe Mensch auf Erden
Um mich herum geht es Menschen schlecht. Egal wohin ich schaue, Frust, Ärger, schlechte Stimmung, als hätte sich dieses 2009 mit all seinen Schattenseiten in den Menschen festgesetzt. Das meistgehörte Wort der letzten Wochen lautet "Burnout", gesprochen von jenen, die dachten, dass sie sich schon wieder irgendwie regenerieren können. Das geht manchmal, aber wenn der Kürper ohnehin nur widerwillig in die Kälte geht, brauchen sie die Abwehrkräfte für etwas anderes.
Nun bin ich bekanntermassen nicht nur der höflichste Mensch der Erde, sondern gemeinhin auch der bestgelaunteste. Ich esse viel und schlafe fest, ich mache jede Arbeit gerne und lasse keine Katze ohne Begeisterungsrufe vorüber gehen. Meine innere Entflammbarkeit ist bei einer Grenztemperatur zu finden, wo bei anderen noch protestantische Ablehnung regiert. Viele sagen mir, meine Sorglosigkeit würde mir noch mal das Genick brechen, aber ich habe einen dicken Hals wie ein Baumstumpf, und seltsamerweise sind es stets die anderen, deren Köpfe haltlos herunter hängen.

"Bruder Leichtfuss" nennt man das in Familienkreisen, vermutlich ein Erbe eines Grossvaters, der die angenehmen Seiten des Daseins immer für sich zu entdecken wusste, und nachdem ich im Gegensatz zu ihm kein schwerer Raucher bin, sehe ich auch gute Chancen, bis ins hohe Alter so zu bleiben. Es wäre nur ganz nett, wenn andere um mich herum aufhören könnten, sich selbst kaputt zu machen. Nicht dass es auf mich abfärbt. Aber die Welt dreht sich von selbst, und es komt, wie es kommt, und es ist, wie es ist. Mei. Lasst es halt krachen, sage ich, und werde nicht erhört.

Es sind enorm sinnesunlustige Zeiten, es wird schnell dunkel und die Nächte sind bitterkalt, und wenn man nach dem Frieren auch noch eine kalte Dusche überflüssiger Problee abbekommt, nebst einer Ablehnung der Angebote, das tatkräftig zu beheben - fragt man sich eben, wie es wäre, wäre es denn anders. Seit Jahr und Tag geht man mir auf Nerven, ich sollte doch mal eine Liebesgeschichte - all diese vergeudeten, sinnlos vergeudeten Leben schaffen das, was andere nicht schaffen: Dass ich phantasiere, wie es denn wäre, wenn es nur ein klein wenig anders wäre. Ein ganz klein wenig anders, von mir aus auch mit Burnout, aber ohne das Verkriechen in Löcher und weitermachen.

Ja, es schneit, ja, es ist kalt, und ja, es könnte bsser sein. Ja, ich muss sogar um 12 noch raus und Schnee schippen. Irgendwie kann ich dem auch etwas abgewinnen, wenn ich hoch zu meinem Haus schaue. Der Kaschmirpulli ist warm, die Arbeit tut ein übriges, ich summe eine lustige Rossiniweise, nachher mache ich eine Suppe, es geht mir gut. Ich bin vielleicht der letzte gut gelaunte Mensch auf dieser Erde. Muss es auch geben. Einen, der brennt, und nicht ausbrennt.
Nun bin ich bekanntermassen nicht nur der höflichste Mensch der Erde, sondern gemeinhin auch der bestgelaunteste. Ich esse viel und schlafe fest, ich mache jede Arbeit gerne und lasse keine Katze ohne Begeisterungsrufe vorüber gehen. Meine innere Entflammbarkeit ist bei einer Grenztemperatur zu finden, wo bei anderen noch protestantische Ablehnung regiert. Viele sagen mir, meine Sorglosigkeit würde mir noch mal das Genick brechen, aber ich habe einen dicken Hals wie ein Baumstumpf, und seltsamerweise sind es stets die anderen, deren Köpfe haltlos herunter hängen.

"Bruder Leichtfuss" nennt man das in Familienkreisen, vermutlich ein Erbe eines Grossvaters, der die angenehmen Seiten des Daseins immer für sich zu entdecken wusste, und nachdem ich im Gegensatz zu ihm kein schwerer Raucher bin, sehe ich auch gute Chancen, bis ins hohe Alter so zu bleiben. Es wäre nur ganz nett, wenn andere um mich herum aufhören könnten, sich selbst kaputt zu machen. Nicht dass es auf mich abfärbt. Aber die Welt dreht sich von selbst, und es komt, wie es kommt, und es ist, wie es ist. Mei. Lasst es halt krachen, sage ich, und werde nicht erhört.

Es sind enorm sinnesunlustige Zeiten, es wird schnell dunkel und die Nächte sind bitterkalt, und wenn man nach dem Frieren auch noch eine kalte Dusche überflüssiger Problee abbekommt, nebst einer Ablehnung der Angebote, das tatkräftig zu beheben - fragt man sich eben, wie es wäre, wäre es denn anders. Seit Jahr und Tag geht man mir auf Nerven, ich sollte doch mal eine Liebesgeschichte - all diese vergeudeten, sinnlos vergeudeten Leben schaffen das, was andere nicht schaffen: Dass ich phantasiere, wie es denn wäre, wenn es nur ein klein wenig anders wäre. Ein ganz klein wenig anders, von mir aus auch mit Burnout, aber ohne das Verkriechen in Löcher und weitermachen.

Ja, es schneit, ja, es ist kalt, und ja, es könnte bsser sein. Ja, ich muss sogar um 12 noch raus und Schnee schippen. Irgendwie kann ich dem auch etwas abgewinnen, wenn ich hoch zu meinem Haus schaue. Der Kaschmirpulli ist warm, die Arbeit tut ein übriges, ich summe eine lustige Rossiniweise, nachher mache ich eine Suppe, es geht mir gut. Ich bin vielleicht der letzte gut gelaunte Mensch auf dieser Erde. Muss es auch geben. Einen, der brennt, und nicht ausbrennt.
donalphons, 14:15h
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