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Mittwoch, 8. Juni 2011
Der grosse Wald
Ich führe nicht gern Interviews. Ich denke, es gibt viel zu sagen, was keinen anderen braucht, und ausserdem hasse ich das Glätten und das Abnicken von aufgeblasenen Nichtsen, die sich toll vorkommen, weil sie es dem Journalisten jetzt mal richtig zeigen können. Feine Herren wie jener polnische Untergrundkämpfer, den ich vor über 10 Jahren einmal zwei Stunden erzählen lassen konnte, traf ich zu selten.
Aber dieser eine Mann war den ganzen Ärger mit den anderen wert. Es gab damals verschiedene Arten von Partisanen, die sich oft nicht grün waren; er selbst war ein Waldpartisan in der dünn bediedelten Gegend entlang der Grenze zu dem, was heute die Slowakei ist. Die Partisanen nutzten die unterschiedlichen deutschen Dienststellen aus, die sich wohl nie ausrecichend bei der Jagd auf den Untergrund absprachen.Mal wichen sie in die polnischen und mal in die slowakischen Wälder aus. Er selbst bedauerte, dass die Wälder in Polen so klein waren; in Russland hätte man eine Woche marschieren können, und hätte nie den Wald und die Sümpfe verlassen., In Polen seien die Wällder selten grösser als ein, zwei Tagesmärsche der gegnerischen Soldaten Trotzdem muss das gross sein, dachte ich. Und was soll ich sagen: Heute war ich dort. Es ist enorm gross.

Und unübersichtlich. Und auch undurchdringbar. Man verliert darin schnell jede Orientierung. Was immer hier verschwindet, taucht vermutlich nicht mehr so schnell auf. Ab und an findet man hier entlang der Strassen auch noch altes Krieggerät im Boden, Reste der Anschläge auf Versorgungskonvois. Im Herbst ist hier alles voller Steinpilze. Es riecht sehr gut. Es ist gross und menschenleer. Lange, gerade Strassen ins Nichts. Ab und zu ein kleiner Flecken, den zu halten in diesem grünen, die Feinde versteckenden Meer sicher kein Vergnügen war.
Der Mann hatte gute Erinnerungen an seine Zeit im Wald. Der Partisan, erklärte er mir, kommt von der einen Seite und geht auf der anderen, er geht niemals den gleichen Weg zweimal. Kein Wunder: Hier würde man den alten Weg nach 10 Schritten nicht mehr finden.
Er wirkte jung, als er vom Wald erzählte. Er war ein sehr feiner Herr. Und es ist wirklich ein enorm grosser, sehr beeindruckender Wald.
Aber dieser eine Mann war den ganzen Ärger mit den anderen wert. Es gab damals verschiedene Arten von Partisanen, die sich oft nicht grün waren; er selbst war ein Waldpartisan in der dünn bediedelten Gegend entlang der Grenze zu dem, was heute die Slowakei ist. Die Partisanen nutzten die unterschiedlichen deutschen Dienststellen aus, die sich wohl nie ausrecichend bei der Jagd auf den Untergrund absprachen.Mal wichen sie in die polnischen und mal in die slowakischen Wälder aus. Er selbst bedauerte, dass die Wälder in Polen so klein waren; in Russland hätte man eine Woche marschieren können, und hätte nie den Wald und die Sümpfe verlassen., In Polen seien die Wällder selten grösser als ein, zwei Tagesmärsche der gegnerischen Soldaten Trotzdem muss das gross sein, dachte ich. Und was soll ich sagen: Heute war ich dort. Es ist enorm gross.

Und unübersichtlich. Und auch undurchdringbar. Man verliert darin schnell jede Orientierung. Was immer hier verschwindet, taucht vermutlich nicht mehr so schnell auf. Ab und an findet man hier entlang der Strassen auch noch altes Krieggerät im Boden, Reste der Anschläge auf Versorgungskonvois. Im Herbst ist hier alles voller Steinpilze. Es riecht sehr gut. Es ist gross und menschenleer. Lange, gerade Strassen ins Nichts. Ab und zu ein kleiner Flecken, den zu halten in diesem grünen, die Feinde versteckenden Meer sicher kein Vergnügen war.
Der Mann hatte gute Erinnerungen an seine Zeit im Wald. Der Partisan, erklärte er mir, kommt von der einen Seite und geht auf der anderen, er geht niemals den gleichen Weg zweimal. Kein Wunder: Hier würde man den alten Weg nach 10 Schritten nicht mehr finden.
Er wirkte jung, als er vom Wald erzählte. Er war ein sehr feiner Herr. Und es ist wirklich ein enorm grosser, sehr beeindruckender Wald.
donalphons, 01:02h
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Die DDR ist nicht tot
Sie produziert heute nur etwas mehr an der Marktwirtschaft orientiert für Käufer, die den Faktor Coolness als wichtigen Fortschritt für den Sozialismus erkennen.

(Ich war hinter Bautzen dann doch etwas müde. Und nochwas, liebe Vogtländer Billigmercedesfahrer: Wir haben Eucb nicht die Autobahnen und all die Förderung bezahlt, damit ihr uns anlichthupt, wenn euch dann eh die Kraft beim Überholen ausgeht. Nochmal sowas, und wir schicken Euch gleich wieder zum Mauerbau.)

(Ich war hinter Bautzen dann doch etwas müde. Und nochwas, liebe Vogtländer Billigmercedesfahrer: Wir haben Eucb nicht die Autobahnen und all die Förderung bezahlt, damit ihr uns anlichthupt, wenn euch dann eh die Kraft beim Überholen ausgeht. Nochmal sowas, und wir schicken Euch gleich wieder zum Mauerbau.)
donalphons, 00:57h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 6. Juni 2011
Ich war stets schlecht in Mathe
Deshalb wurde aus mir auch kein Autobauer, sondern ein Angehöriger der verfassenden Zunft, und weil bleibt, wer nicht rechnet, sondern schreibt, habe ich auch einen Beitrag über das bayerische G8 und seine übersteigerte Wertschätzung der mathenahen Fächer geschrieben.
donalphons, 21:06h
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Leben von der Substanz
Einerseits wird aus dieser Stadt nie mehr Italien, selbst wenn sie die Fussgängezone vielleicht bald mantuaisieren (Draussenlokale! Feinkostgeschäfte! Das wäre was!)

Andererseits ist es nicht Fukushima (ups, da war es plötzlich doppelt so viel Strahlung als bisher behauptet), sondern seit Neuestem der Vorreiter beim Ausstieg aus derAtomenergie. Da kann man seinem Herrgott langsan wirklich danken. Maria auch.

Vielleicht ist es ja ein guter Anfang, die italienischen Ecken zu bewahren; so zeichnet sich eine erhaltende Lösung für die Holzlegen ab. Ich werde sie - wenn ich mal Zeit habe - streichen und Fehlstellen ersetzen. Wobei, wenn es nach mir ginge, würde das verwitterte Holz so bleiben, wie es ist. Und es ist mir im Hof gerade etwas zu viel Grün.

Draussen dagegen zeigen die Weinstöcke, was sie können. Den strengen Winter haben sie bis auf einen Ast gut überstanden, und dieses jahr scheinen sie besonders üppig tragen zu wollen. Jetzt noch ein italienischer Sommer.

Dann lässt es sich, egal ob freiwillig oder alternativlos, ganz gut aushalten.

Andererseits ist es nicht Fukushima (ups, da war es plötzlich doppelt so viel Strahlung als bisher behauptet), sondern seit Neuestem der Vorreiter beim Ausstieg aus derAtomenergie. Da kann man seinem Herrgott langsan wirklich danken. Maria auch.

Vielleicht ist es ja ein guter Anfang, die italienischen Ecken zu bewahren; so zeichnet sich eine erhaltende Lösung für die Holzlegen ab. Ich werde sie - wenn ich mal Zeit habe - streichen und Fehlstellen ersetzen. Wobei, wenn es nach mir ginge, würde das verwitterte Holz so bleiben, wie es ist. Und es ist mir im Hof gerade etwas zu viel Grün.

Draussen dagegen zeigen die Weinstöcke, was sie können. Den strengen Winter haben sie bis auf einen Ast gut überstanden, und dieses jahr scheinen sie besonders üppig tragen zu wollen. Jetzt noch ein italienischer Sommer.

Dann lässt es sich, egal ob freiwillig oder alternativlos, ganz gut aushalten.
donalphons, 21:04h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 5. Juni 2011
Ehec
Auf die Hygiene kommt es an: Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Erreger die Verseuchung in meiner Küche überlebt.
Ansonsten - wenn man es vielleicht als Ihec oder my-Ehec rebrandet, findet man vielleicht in Berlin passende Abnehmer?
Ansonsten - wenn man es vielleicht als Ihec oder my-Ehec rebrandet, findet man vielleicht in Berlin passende Abnehmer?
donalphons, 18:56h
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Was zu erwarten war
Kaum zurück aus der italienischen Korrektionsanstalt, hatte der Zögling A. nichts Besseres zu tun, als baldigst zu alten Gewohnheiten zurückzukehren. Schon bald sah man ihn in jeder freien Minute beim Plündern anderer Leute Familienschätze.

Es ist kaum anzunehmen, dass dies ein gutes Ende zeitigen wird.
(Selten findet man Buttermesser, Käsemesser und die beiden Vorlegegabeln aus Silber in diesem Zustand noch als EInheit. Und dann auch nicht für 3 Euro)

Es ist kaum anzunehmen, dass dies ein gutes Ende zeitigen wird.
(Selten findet man Buttermesser, Käsemesser und die beiden Vorlegegabeln aus Silber in diesem Zustand noch als EInheit. Und dann auch nicht für 3 Euro)
donalphons, 14:33h
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Man möchte sie vom Fleck weg heiraten.
Diese junge Dame gefällt mir ausserordentlich gut.
donalphons, 13:48h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 4. Juni 2011
Handgeschriebene Nachrichten aus Ofleinistan
Ob man wirklich internetabhängig ist, merkt man erst, wenn es hart auf hart kommt. In Italien war es mir ohnehin eher egal, sicher, man macht auch was im Internet, aber das Leben ist draussen und vieles kommt auch einfach nicht ins Blog. Wie aber ist es, wenn da keine Seeuferstrasse ist, kein Palazzo neben dem anderen und keine Italienerin, die zu herrlichen Schnappschüssen anregt? Nun. Es geht so, Es gibt auch dort auf dem Land genug Unterhaltung.

Junge indische Laufenten zum Beispiel, ausserdem hat man auch was zu tun, eine Vielzahl von Aufgaben, und natürlich kam das alles etwas plötzlich, aber es is wias is, sagt man bei uns in Bayern. Diese Wurschtigkeit kann auch daran liegen, dass ich mir den Landaufenthalt mit einer nicht genehmigten Mischvergiftung mit diversen Heuschnupfenmitteln erkaufe; stets ist es so, dass die Allergie kommt, ich werfe ein, und dann schlafe ich erst mal weg. Aber mei. Solange ich nicht die Rasenflächen mähen muss, geht es. Immerhin soll Regen kommen, und die Erdbeeren kann ich schon holen und einlegen und vorher natürlich waschen.

Selbst wenn es nun wirklich so ist wie es zu erwarten war - alles Schlechte kommt aus dem Norden und den Hafenslums und den dort zusammengerotteten Menschen - weiss man es ja nie genau. Zuerst hat sich ja der Preusse hierher ausgebreitet, wer weiss, was mit ihm und so. Ich würde sofort bayerische Gurken essen, aber im Moment sicher keinen Preussen. Deshalb kaufen wir für die Erdbeeren auch keinen Magerquark, ab Halbfett könnte nämlich Norddeutsch drinnen sein.
Solcherlei Witze reisst man auf dem Lande, es plantschen die Entenkinder im Teich und die Eltern kopulieren dazu, ich tue, was getan werden muss und denke mir so, dass es scheusslichere Arbeitsorte gibt, selbst wenn alles unerwartet und schnell gekommen ist. Internet wäre sicher fein, aber irgendwie nicht so wichtig.

Junge indische Laufenten zum Beispiel, ausserdem hat man auch was zu tun, eine Vielzahl von Aufgaben, und natürlich kam das alles etwas plötzlich, aber es is wias is, sagt man bei uns in Bayern. Diese Wurschtigkeit kann auch daran liegen, dass ich mir den Landaufenthalt mit einer nicht genehmigten Mischvergiftung mit diversen Heuschnupfenmitteln erkaufe; stets ist es so, dass die Allergie kommt, ich werfe ein, und dann schlafe ich erst mal weg. Aber mei. Solange ich nicht die Rasenflächen mähen muss, geht es. Immerhin soll Regen kommen, und die Erdbeeren kann ich schon holen und einlegen und vorher natürlich waschen.

Selbst wenn es nun wirklich so ist wie es zu erwarten war - alles Schlechte kommt aus dem Norden und den Hafenslums und den dort zusammengerotteten Menschen - weiss man es ja nie genau. Zuerst hat sich ja der Preusse hierher ausgebreitet, wer weiss, was mit ihm und so. Ich würde sofort bayerische Gurken essen, aber im Moment sicher keinen Preussen. Deshalb kaufen wir für die Erdbeeren auch keinen Magerquark, ab Halbfett könnte nämlich Norddeutsch drinnen sein.
Solcherlei Witze reisst man auf dem Lande, es plantschen die Entenkinder im Teich und die Eltern kopulieren dazu, ich tue, was getan werden muss und denke mir so, dass es scheusslichere Arbeitsorte gibt, selbst wenn alles unerwartet und schnell gekommen ist. Internet wäre sicher fein, aber irgendwie nicht so wichtig.
donalphons, 21:09h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 3. Juni 2011
Immer noch Italien
aber doch auch schon wieder Bayern - ich nähere moich ganz langsam meiner Heimat an, ohne die Fremde ganz aufzugeben.
Indem ich darüber schreibe, warum man nicht mehr von der Toskanafraktion spricht. In besseren Kreisen nicht, und auch nicht mehr bei unseren Hörigen der schreibenden Zunft.
Indem ich darüber schreibe, warum man nicht mehr von der Toskanafraktion spricht. In besseren Kreisen nicht, und auch nicht mehr bei unseren Hörigen der schreibenden Zunft.
donalphons, 17:18h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 3. Juni 2011
Nachgetragenes
Zur Post gehen. Fresspakete und schmale Umschläge verschicken. Der Globalisierung ein Schnippchen schlagen, weil es eben doch nicht überall alles gibt, sondern manches nur an einem Ort und jetzt, solange man es nicht verschickt. Man kann nicht alles behalten, manches geht eben früh auf die Reise, anderes dagegen bleibt.

Im Nachhinein fragt man sich ja immer, warum man nicht das noch und dies noch... man hätte jenes doch so gut... so reich kann die Beute nicht sein, dass man nicht noch mehr... zum Glück wächst das alles in Italien in ein paar Monaten wieder nach, erst für die Hauptsaisontouristen und dann ist immer noch genug Gelegenheit, die Reste mitzunehmen. Bleibt diesmal auch nichts anderes übrig: Ich habe einen neuen Job für 6 Wochen, den ich gern tue und der mich ziemlich in Beschlag nehmen wird. Erst mal schlecht für Italien. Aber solange gibt es ja noch Bücher.

Das eine, "Überleben mit Berlusconi", ist flott geschrieben, aber irgendwie ein wenig zu resigniert und obendrein von einer fatal an den Spiegel erinnernden Lockerheit. Da werden Vergleiche bemüht und Witzchen gerissen, da werden Sprünge gemacht und Thesen nicht abgeklopft - nett für Berlusconi-Einsteiger, aber nichts für Italienkenner.
Grandios ist dagegen "Streng Vertraulich" von Andrea Camilleri, das in Italien ein Bestseller war. Camilleri geht der Frage nach, wie der italienische Faschismus mitsamt seinem Beamtenapparat durchdreht, wenn er sich um das Wohlergehen eines schwarzen Prinzen kümmern muss, der ständig Probleme bereitet,. Man wird auf lange Zeit sicher keinen solchen Roman über das 3. Reich schreiben können, aber Camilleri, der seine Hauptfigur immer nur in den Augen der andern erscheinen lässt, führt sie gnadenlos vor, die eitlen Tröpfe jener Jahre, vom Duce bis zum Karrieristen, vom Priester bis zum Mitläufer, Eine saftige Opera Buffa, dieses Buch. Das schlechteste daran ist sein Schutzumschlag.

Im Nachhinein fragt man sich ja immer, warum man nicht das noch und dies noch... man hätte jenes doch so gut... so reich kann die Beute nicht sein, dass man nicht noch mehr... zum Glück wächst das alles in Italien in ein paar Monaten wieder nach, erst für die Hauptsaisontouristen und dann ist immer noch genug Gelegenheit, die Reste mitzunehmen. Bleibt diesmal auch nichts anderes übrig: Ich habe einen neuen Job für 6 Wochen, den ich gern tue und der mich ziemlich in Beschlag nehmen wird. Erst mal schlecht für Italien. Aber solange gibt es ja noch Bücher.

Das eine, "Überleben mit Berlusconi", ist flott geschrieben, aber irgendwie ein wenig zu resigniert und obendrein von einer fatal an den Spiegel erinnernden Lockerheit. Da werden Vergleiche bemüht und Witzchen gerissen, da werden Sprünge gemacht und Thesen nicht abgeklopft - nett für Berlusconi-Einsteiger, aber nichts für Italienkenner.
Grandios ist dagegen "Streng Vertraulich" von Andrea Camilleri, das in Italien ein Bestseller war. Camilleri geht der Frage nach, wie der italienische Faschismus mitsamt seinem Beamtenapparat durchdreht, wenn er sich um das Wohlergehen eines schwarzen Prinzen kümmern muss, der ständig Probleme bereitet,. Man wird auf lange Zeit sicher keinen solchen Roman über das 3. Reich schreiben können, aber Camilleri, der seine Hauptfigur immer nur in den Augen der andern erscheinen lässt, führt sie gnadenlos vor, die eitlen Tröpfe jener Jahre, vom Duce bis zum Karrieristen, vom Priester bis zum Mitläufer, Eine saftige Opera Buffa, dieses Buch. Das schlechteste daran ist sein Schutzumschlag.
donalphons, 01:54h
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Donnerstag, 2. Juni 2011
Die Poesie einfangen
In Hausnummer 50, da wohnt sie, die Poesie. Eine ganze Familie? Oder hat sich jemand einen amüsanten Scherz erlaubt, so fröhlich, wie da Poesia steht?

Ein paar Tage später bin ich kurz daheim, fahre auf den Autobahnring und denke mir, dass ich den grossen, schwarzen Laster erst mal vorfahren lasse, um dann dahinter herauszuziehen. Und während ich das auf dem Beschleunigungsstreifen so denke, kommt der LKW herüber. Rechts ist kein Haltestreifen, nur die Leitplanke, und weiter vorne verschwindet dann die Spur. Ich verstehe noch immer nicht, wie die Reifen so nah sein können, ohne das Auto berührt zu haben. Das wäre beinahe unpoetisch geworden.

Man wird geboren, man stirbt, geboren wird man manchmal am richtigen Fleck oder am falschen, aber nur selten ist so ein Todesumstand richtig erfreulich. Es wurde daheim in den zwei Monaten erheblich gestorben, man konnte über einen überlebten Herzinfarkt fast froh sein, und nochmal glücklicher, wenn man sich bei guter Gesundheit überlegen konnte, was das einem sagen will. Die Schrift auf dem Kunstkubus sagt: Du irgendwie auch, mein Bester. Zumindest wiedergeboren. Lass Dir Zeit, Andernorts gewinnst Du gar nichts.

Das mit dem Zeitlassen ist einfach, daheim habe ich meine Rolex vergessen, und eine andere Uhr hatte ich nicht dabei. Es hat nicht weiter gestört, ich habe in manches Schaufenster geschaut, durchaus überlegt, sicher, aber es war nicht zwingend. Ich hatte keine Verpflichtungen, keine Termine, ein grosses Kann und kein rechtes Muss. Mittag ist vorbei wenn es nicht mehr so heiss ist. Zeit zu schreiben ist, wenn mir etwas einfällt.

Italien macht es einem leicht. Ein wenig unangenehm ist der Gedanke, dass es nicht so leicht gewesen sein könnte; das wäre zusammen mit den Begleitumständen unschön gewesen. Ich denke, kaum jemand würde mir glauben, behauptete ich, dass ich die neuen Blogs bei der FAZ ganz grandios finde. Man sieht eigentlich sehr genau, was funktionieren kann, man muss nur mal die Zahlen nehmen und in Konzepten und Ziekgruppen denken. Die Zeit hat bei den Blogs kein allzu gutes Händchen, zieht dann aber doch auch mal den Stecker. Es klingt paradox, aber ich wäre sicher nicht nochmal eingestiegen und durch so viele Kurven gekommen, wenn ich nicht wissen würde: Ich kann das machen. Ich muss aber nicht.

Bedenkt man, dass der Tod am Ende keine Kompromisse macht, ist es reichlich sinnlis, sich dafür selbst auf schwachsinnige Kompromisse gegen seine Überzeugzung einzulassen. Wenn wir diese Ansicht in den letzten Stunden vertreten, dann doch auch in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren und Dekaden. Generell denke ich, dass die Leute nach all den Jahren des Heiapopeia die Schnauze voll haben von Scheinausgewogenheit und wortgenauen Absprachen, von Kabinettskriegen und ideologiefreier Wendehalsigkeit. Alle sind irgendwie grün und sozial und wirschaftsfreundlich, es gehen die Profile verloren und die Identitäten. All die fiesen Ratten des Atomausstiegskomplotts: Ich will nicht, dass die abschalten. Ich will, dass die das Abklingbecken in Ohu ausaufen, diw Ekelmerkel genaus wie der Feigling Seehofer, und wenn sie das mit ihren Kabinetten gepackt haben, gibt es zur Nachspeise Assesalz, dann dürfen sie auch die korrupten Wissenschaftler und die Pfeifen von der Presse mit invitieren, es ist genug für alle da, es gibt viel zu tun.

Es trifft leider zu oft die Falschen. Bei Fukushima, erzählte mir die Trüffelerbin, habe sie gemerkt, dass Italien dann relativ gesehen doch nicht so übel ist. Da hat sie wohl recht. Wobei auch hier gerüchteweise Giftmüllschiffe versekt wurden, und jeder Glaube an die Gestaltungsfähigkeit von Italienern geht verloren, wenn man nach Mailand hinenfährt. Man muss es aber nicht tun, man kann sich die erfreulichen Ecken heraussuchen, wo Milliardäre auf ihre Häuser schreiben, wie toll doch jene Arbeit jst, die sie hier gerade nicht verrichten.

Wie gesagt, die Poesie wohnt in Hausnummer 50 und also nicht hier und andernorts, vielleicht hätte ich anklopfen sollen und fragen, ob sie mich küssen möchte. Italien ist kein guter Ort zum Verfassen langer Texte, hier daheim jedoch habe ich Heuschnupfen und die Idee, dass ich das ein oder andere zurückstelle für das, was ich wirklich noch machen möchte, und das nicht ungeschrieben bleiben soll.

Wenn es fertig ist, schicke ich der Poesie ein Belegexemplar. Ihre Adresse habe ich ja.

Ein paar Tage später bin ich kurz daheim, fahre auf den Autobahnring und denke mir, dass ich den grossen, schwarzen Laster erst mal vorfahren lasse, um dann dahinter herauszuziehen. Und während ich das auf dem Beschleunigungsstreifen so denke, kommt der LKW herüber. Rechts ist kein Haltestreifen, nur die Leitplanke, und weiter vorne verschwindet dann die Spur. Ich verstehe noch immer nicht, wie die Reifen so nah sein können, ohne das Auto berührt zu haben. Das wäre beinahe unpoetisch geworden.

Man wird geboren, man stirbt, geboren wird man manchmal am richtigen Fleck oder am falschen, aber nur selten ist so ein Todesumstand richtig erfreulich. Es wurde daheim in den zwei Monaten erheblich gestorben, man konnte über einen überlebten Herzinfarkt fast froh sein, und nochmal glücklicher, wenn man sich bei guter Gesundheit überlegen konnte, was das einem sagen will. Die Schrift auf dem Kunstkubus sagt: Du irgendwie auch, mein Bester. Zumindest wiedergeboren. Lass Dir Zeit, Andernorts gewinnst Du gar nichts.

Das mit dem Zeitlassen ist einfach, daheim habe ich meine Rolex vergessen, und eine andere Uhr hatte ich nicht dabei. Es hat nicht weiter gestört, ich habe in manches Schaufenster geschaut, durchaus überlegt, sicher, aber es war nicht zwingend. Ich hatte keine Verpflichtungen, keine Termine, ein grosses Kann und kein rechtes Muss. Mittag ist vorbei wenn es nicht mehr so heiss ist. Zeit zu schreiben ist, wenn mir etwas einfällt.

Italien macht es einem leicht. Ein wenig unangenehm ist der Gedanke, dass es nicht so leicht gewesen sein könnte; das wäre zusammen mit den Begleitumständen unschön gewesen. Ich denke, kaum jemand würde mir glauben, behauptete ich, dass ich die neuen Blogs bei der FAZ ganz grandios finde. Man sieht eigentlich sehr genau, was funktionieren kann, man muss nur mal die Zahlen nehmen und in Konzepten und Ziekgruppen denken. Die Zeit hat bei den Blogs kein allzu gutes Händchen, zieht dann aber doch auch mal den Stecker. Es klingt paradox, aber ich wäre sicher nicht nochmal eingestiegen und durch so viele Kurven gekommen, wenn ich nicht wissen würde: Ich kann das machen. Ich muss aber nicht.

Bedenkt man, dass der Tod am Ende keine Kompromisse macht, ist es reichlich sinnlis, sich dafür selbst auf schwachsinnige Kompromisse gegen seine Überzeugzung einzulassen. Wenn wir diese Ansicht in den letzten Stunden vertreten, dann doch auch in den letzten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren und Dekaden. Generell denke ich, dass die Leute nach all den Jahren des Heiapopeia die Schnauze voll haben von Scheinausgewogenheit und wortgenauen Absprachen, von Kabinettskriegen und ideologiefreier Wendehalsigkeit. Alle sind irgendwie grün und sozial und wirschaftsfreundlich, es gehen die Profile verloren und die Identitäten. All die fiesen Ratten des Atomausstiegskomplotts: Ich will nicht, dass die abschalten. Ich will, dass die das Abklingbecken in Ohu ausaufen, diw Ekelmerkel genaus wie der Feigling Seehofer, und wenn sie das mit ihren Kabinetten gepackt haben, gibt es zur Nachspeise Assesalz, dann dürfen sie auch die korrupten Wissenschaftler und die Pfeifen von der Presse mit invitieren, es ist genug für alle da, es gibt viel zu tun.

Es trifft leider zu oft die Falschen. Bei Fukushima, erzählte mir die Trüffelerbin, habe sie gemerkt, dass Italien dann relativ gesehen doch nicht so übel ist. Da hat sie wohl recht. Wobei auch hier gerüchteweise Giftmüllschiffe versekt wurden, und jeder Glaube an die Gestaltungsfähigkeit von Italienern geht verloren, wenn man nach Mailand hinenfährt. Man muss es aber nicht tun, man kann sich die erfreulichen Ecken heraussuchen, wo Milliardäre auf ihre Häuser schreiben, wie toll doch jene Arbeit jst, die sie hier gerade nicht verrichten.

Wie gesagt, die Poesie wohnt in Hausnummer 50 und also nicht hier und andernorts, vielleicht hätte ich anklopfen sollen und fragen, ob sie mich küssen möchte. Italien ist kein guter Ort zum Verfassen langer Texte, hier daheim jedoch habe ich Heuschnupfen und die Idee, dass ich das ein oder andere zurückstelle für das, was ich wirklich noch machen möchte, und das nicht ungeschrieben bleiben soll.

Wenn es fertig ist, schicke ich der Poesie ein Belegexemplar. Ihre Adresse habe ich ja.
donalphons, 01:10h
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Browserfrage
Welchen Nicht-IE-Browser installiere ich am besten auf einer SD-Karte zum Dabeihaben, wenn ich auf den Rechnern sowohl unter diversen Windows 7-Versionen als auch unter XP arbeiten muss und vorher nicht weiss, an welchem Rechner ich lande?
donalphons, 14:49h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 31. Mai 2011
Noch einmal thematisch zugreifen
Italien ist ein schlechter Platz für etwaige Schreibblockaden.

Alles fällt mir hier zu, ich muss nur die Hand ausstrecken und eine schöne Strecke fahren und ein paar Schals kaufen, und schon habe ich das Material für eine grosse Abschreifung über Tennislehrer, Familienplanung, Immoibilienerwerb und Sehnsüchte. Für die FAZ.

Alles fällt mir hier zu, ich muss nur die Hand ausstrecken und eine schöne Strecke fahren und ein paar Schals kaufen, und schon habe ich das Material für eine grosse Abschreifung über Tennislehrer, Familienplanung, Immoibilienerwerb und Sehnsüchte. Für die FAZ.
donalphons, 16:48h
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Und was,
wenn der Wagen sich geweigert hätte, dieses Land, das ihm so gut bekommt, zu verlassen, wenn er nicht angesprungen wäre?

Oder wenn er unterwegs einfach den Dienst eingestellt hätte, weil er verstand, dass dies der beste Platz ist, um zu bleiben und auf den See zu schauen?

Was, wenn ich den Schlüssel nicht mehr gefunden hätte, den ich aus Versehen oben auf der Brüstung vergessen habe? Hätte ich ihn in das Wasser geworfen, ich hätte ihn nie mehr gefunden.

Dann hätte ich bleiben müssen, ich hätte bei Sara angerufen, ein Taxi genommen, auf den Ersatzschlüssel aus Deutschland gewartet, so etwas kann dauern, und nicht weiter nach Torbole gefahren.

Oberhalb des Ortes ist eine Steilkurve, und immer, wenn wir hier ankamen, sagten wir unserem Vater, er sollte bitte ganz weit hinausfahren, wo die schwarzen Gummistreifen über der weissen Warnfarbe Geschichten von Freiheit und Glück erzählen. Heute tasten sich die ankommenden Touristen durch das Geschlängel.

Ich trödle in die andere Richtung, ruhe mich ein paar Stunden auf einem Parkplatz aus, was nicht sehr stilsicher, aber wenigstens sicher ist, und bin beim ersten Licht der Sonne schon fast wieder daheim.

Schön ist es gewesen. So Blau, so Gold in den Nächten und so Rot und Silber am Tag, den Mietvetrag für 2012 habe ich schon unterschrieben, und so wird es nun immer sein. Es ist das erste Mal seit 37 Jahren, dass ich fast einen ganzen Frühling keinen Heuschnupfen hatte. Es war seitdem das erste Mal überhaupt, dass ich diese Jahreszeit umfassend draussen, in der Stadt und der Natur geniessen konnte, und zum ersten Mal war es kein Fluch. Mag ja sein, dass wir alle an Darmviren sterben, aber so richtig Leben waren April und Mai bei mir lange Zeit auch nicht. Als ich in München und Berlin lebte, war es nicht so schlimm, aber das waren Städte und der Zwang, sie in dieser Zeit nicht zu verlassen. Es gab die Wahl zwischen der engen Wohnung und der verstopften Atmung, und mit meiner Rückkehr in die Provinzen kam beides zusammen. Die Bäume, die Gräser, die Pollen, sie waren einfach zu nah. Jedes Jahr war ich deshalb ein wenig länger in Italien. Ab heute bin ich dann Teilzeititalienbewohner, nicht mehr nur Tourist, mit gemieteter Drittwohnung bei Bedarf.
Und das ist ein erhebendes Gefühl.

Oder wenn er unterwegs einfach den Dienst eingestellt hätte, weil er verstand, dass dies der beste Platz ist, um zu bleiben und auf den See zu schauen?

Was, wenn ich den Schlüssel nicht mehr gefunden hätte, den ich aus Versehen oben auf der Brüstung vergessen habe? Hätte ich ihn in das Wasser geworfen, ich hätte ihn nie mehr gefunden.

Dann hätte ich bleiben müssen, ich hätte bei Sara angerufen, ein Taxi genommen, auf den Ersatzschlüssel aus Deutschland gewartet, so etwas kann dauern, und nicht weiter nach Torbole gefahren.

Oberhalb des Ortes ist eine Steilkurve, und immer, wenn wir hier ankamen, sagten wir unserem Vater, er sollte bitte ganz weit hinausfahren, wo die schwarzen Gummistreifen über der weissen Warnfarbe Geschichten von Freiheit und Glück erzählen. Heute tasten sich die ankommenden Touristen durch das Geschlängel.

Ich trödle in die andere Richtung, ruhe mich ein paar Stunden auf einem Parkplatz aus, was nicht sehr stilsicher, aber wenigstens sicher ist, und bin beim ersten Licht der Sonne schon fast wieder daheim.

Schön ist es gewesen. So Blau, so Gold in den Nächten und so Rot und Silber am Tag, den Mietvetrag für 2012 habe ich schon unterschrieben, und so wird es nun immer sein. Es ist das erste Mal seit 37 Jahren, dass ich fast einen ganzen Frühling keinen Heuschnupfen hatte. Es war seitdem das erste Mal überhaupt, dass ich diese Jahreszeit umfassend draussen, in der Stadt und der Natur geniessen konnte, und zum ersten Mal war es kein Fluch. Mag ja sein, dass wir alle an Darmviren sterben, aber so richtig Leben waren April und Mai bei mir lange Zeit auch nicht. Als ich in München und Berlin lebte, war es nicht so schlimm, aber das waren Städte und der Zwang, sie in dieser Zeit nicht zu verlassen. Es gab die Wahl zwischen der engen Wohnung und der verstopften Atmung, und mit meiner Rückkehr in die Provinzen kam beides zusammen. Die Bäume, die Gräser, die Pollen, sie waren einfach zu nah. Jedes Jahr war ich deshalb ein wenig länger in Italien. Ab heute bin ich dann Teilzeititalienbewohner, nicht mehr nur Tourist, mit gemieteter Drittwohnung bei Bedarf.
Und das ist ein erhebendes Gefühl.
donalphons, 15:38h
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