: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 23. Februar 2013

We got ways to make you dance

Freundlich gesagt, könnte man es so formulieren: Mit der Kommentarnichtansicht über Scripte, die das massive Klicken fördern sollten, ist bei den Stützen der Gesellschaft die Musik im Salon ausgegangen, und der Kronleuchter mit einem lauten Krachen der Kritik heruntergefallen. Mich hat von diesen Plänen vorher niemand informiert und wenn ich es gewusst hätte...

Ich bin finanziell nicht darauf angewiesen, ich arbeite zum Glück von daheim aus, ich habe das alles nur unter der Massgabe gemacht, dass ich nicht lügen und andere schlecht behandeln muss, und auf diese Art und Weise haben die Stützen auch funktioniert. Jetzt sind drei Tage (und ein angeblicher Neustart, der keine relevante Verbesserung brachte) vergangen, und ich merke, dass ich mit dem bestehenden System den Salon einfach nicht mehr betreuen kann. Ich habe in diesen drei Tagen versucht zu verstehen, warum das System ist, wie es ist, und warum es tut, was es auf keinen Fall soll: Das war viel Arbeit, und sie war umsonst. Im Backend ist es wahnsinnig unübersichtlich, gewisse Anforderungen des Systems machen das Administrieren zum russischen Roulette, und vorne rum muss ich dreimal klicken, wenn ich auf eine Kommentar antworten will, der aber nach 10 neuen Kommentaren sowieso auf die nächste Seite verschwindet. Das ist zumindest bei meinen Kommentarzahlen - Schnitt 200 - einfach nicht möglich. Möglich wird es erst wieder, wenn das Projekt an die Wand gekracht ist und nur noch 10 Leute etwas dazu sagen.

Ich will mich hier jetzt nicht mit der Ursachenforschung aufhalten; vermutlich erkennt jeder ausser denen, die das gemacht haben, dass es so nicht geht und kein Blog dieser Welt so funktionieren kann. Ich werde bei der FAZ für Texte bezahlt und die Kommentare, die man da unter dem geplatzten Stuck von Javascript und Begrenzungstrümmern begrub, sind mein Privatvergnügen. Das zahlt mir keiner. Meine Texte laufen auch so, ob ich mit 15k oder 10k Klicks rausgehe, ist für mich egal. Und es gibt natürlich auch immer wieder Bemerkungen aus dem Netz, das mit den Kommentaren sei doch nichts.

Das sehe ich anders. So, wie ich weiss, wie Wordpress zu sein hat, fühle ich auch, was so eine Kommentarstrang ist: Nicht eine Klickhurerei, sondern Konversation, und die FAZ hat, soweit ich das sehe, wirklich tolle Leser, die etwas Besseres als so eine Behandlung verdient haben.

Hier ist es:

https://stuetzendergesellschaft.wordpress.com/

Und am Montag werde ich weiter daran arbeiten, dass man die Probleme und Fehler erkennt und revidiert, und das am Ende - das hoffentlich bald kommt - so aussehen wird, wie es von mir geplant war. Solange bitte ich zum Plaudern in einen anderen Salon, bei der FAZ werde ich zwar freischalten, aber mich nicht inhaltlich beteiligen: Ich habe das versucht, es ist weder technisch noch sozial sinnvoll. Es kostet enorm viel Zeit und bringt niemandem etwas.

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Sonntag, 17. Februar 2013

Der Köckster

Das ist so eine der Geschichten, die man erzählen muss, wenn sie einem wieder erzählen, dass das Wissen der Menschen doch im Netz steht: Schmarrn. Man muss nur mal nach 5 Jahre alten Radmodellen suchen, oder bestimmten Gemälden mit Damen, die Perlenketten tragen. Ich wage zu sagen; wenn ich an den Bücherschrank gehe und drei Folianten zur Kostümgeschichte herausziehe, finde ich bessere Beispiele. Das Netz vergisst rasend schnell, das meiste, was über die New Economy geschreiben wurde, ist weg, und was nie drin stand, kommt auch nicht mehr hinein. Ausser natürlich, man tut es selbst. Und damit sind wir in Holzkirchen, dem kleinen, schmutzigen Geheimnis des Münchner Südens mit würfelförmigen Blocks. Nicht schön, aber bei Vaterstetten war so ein Schneesturm, dass man die Autobahn kaum ahnte: Da ist man auch froh um Holzkirchen.





In Holzkirchen also hat jemand einen Köck Rodel angeboten. Angeblich fast neu, was nicht sein kann, denn Köck gibt es schon lang nicht mehr. Dabei war die Firma einmal eine Marke wie Uhu oder Tempo: In der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg und, das muss man zugeben, vor dem Alpinskiboom, war Köck die Firma für Rodel schlechthin. Auf Köck fuhren fast alle österreichischen Rennrodler, die Firma entwickelte auf Basis einer deutschen, nicht patentierten Idee flexible Rennmodelle mit speziellen Gelenken und Böcken aus Federstahl: In den 50er Jahren trug man damit die Weltmeisterschaften aus, und fuhr damit den alten Holzrodeln um die Ohren. Heute findet man noch manche dieser Rodel in Österreich, aber fast immer sind sie über die Jahre hinweg zu Schanden gefahren und oft genug verzogen. Der hier sollte laut Beschreibung anders sein. Natürlich brauche ich keinen mehr, aber wo er doch so eine hübsche Bezeichnung hat.





Favorit klingt in unseren egogestählten Zeiten, da jeder Hartz-Ponader seine Personality in die Flanke einer Partei rammt, doch irgendwie putzig. Noch nicht mal ein Hyperultrawinner, nur ein möglicher Favorit. Und dann noch diese Lettern. Und das zweifarbige Holtz. Das kann man nicht ernst nehmen, das sieht irgendwie verträumt und romantisch aus und gar nicht nach brutalem Wettkampf, aber das waren noch andere Zeiten. Und der Favorit war das Exemplar, mit dem man damals um die Medaillen und Pokale rang, gegen die Dopingwunder der DDR auf Germina und die anderen Nationen auf Köck, Köck, Köck und natürlich auf Köck. Bis in die 70er Jahre dauerten die guten Zeiten, dann sah man nicht mehr ein, schwere Böcke auf den Berg zu schleppen, wenn man doch ganz bequem mit dem Lift und den Ski jeden Berg bezwingen konnte. Und in Österreich waren manche normalen Rodel wie die von Bär aus Schwaz günstiger und andere von Gasser und Ebner schneller. Sehr viel schneller und flacher. Ich habe selbst drei Gasser Supersport aus jener Epoche: Bis zu 30 Jahre alt und immer noch so schnell, dass man sich nichts Schnelleres wünscht, wenn man noch seine Sinne beisammen hat. Ein guter Ruf allein macht nicht reich, und auch andere wie Bär oder Ebner mussten aufgeben: So war das eben in den 80er Jahren. Bis dahin baute Köck die alten Renner unverdrossen weiter. Dieser Favorit dürfte einer der spätesten sein.





Und ich glaube dem Vorbesitzer auch, dass er nur ein paar mal damit gefahren ist, denn auf den Kufen ist immer noch die Schutzlackierung weitgehend erhalten. Holzkirchen liegt halt nicht am Berg, da muss man hinfahren und wenn man das macht, nimmt man doch eher die Ski, und man braucht auch mehr Platz im Keller. Und so ist das gekommen; hätte ich so einen in Innsbruck gekauft und hätte ich bis dorthin fahren müssen, wäre es insgesamt teurer geworden als dieses nicht ganz billige, aber wunderbar erhaltene Exemplar mit zweierlei Holzfarben, Esche natur und mahagonifarben gebeizt. Viele Rodelbauer waren auch Möbelschreiner - Bär etwa gibt es bis heute - das erklärt, warum die Rodel manchmal von der ganzen Verarbeitung her an Wohnungseinrichtung erinnern. Eigentlich ist so ein Rodel ja auch nur eine Chaiselounge, nur eben mit Kufen und vorne einem Seil und nicht ganz optimal für, zugegeben, den Geschlechtsverkehr. Also, glaube ich. Probiert habe ich das auch noch nicht.





Jedenfalls, so also sah das Topmodell der damals berühmtesten Marke aus, sehr flach, 1,25 meter lang und 9 Kilo schwer. Genau das, was man gern in der Hütte oder im Chalet herumstehen hat, immer griffbereit, um auf den Berg zu gehen. Mit Skiausrüstung würde man das nicht machen, aber so ein Köckster hat auch eine gewisse künstlerische, dynamische Form, die den Brettln einfach abgeht. Draussen pfeift der Wind, und der Schnee saust auf den Berg, drinnen dampfen der Tee und der Strudel, alles ist gut. Wer wissen will, ob er so einen Köck Favorit kaufen soll: Neue Rodel sind wendiger. Aber nicht so elegant. Aber er ist schneller als ein Rokokoportrait mit Perlen, und eine bessere Anlage als eine Pixelparkaktie: Im Winter wird sich immer ein Käufer finden, zumal in Deutschland, wo man von den Ski wieder abkommt und feststellen muss, dass es hierzulande gar nicht so viele alte, feine Renner gibt.

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Beleidigender Erstschlag

Normalerweise sollte man ja warten, aber bei den Nichtkollegen der Welt habe ich schon mal vorher geschrieben, was ich von dem halten werde, was sie nachher so pseudokonservativ rülpsen werden.

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Samstag, 16. Februar 2013

Die grosse Katastrophe im Kleinen

Früher waren es 6 oder 8 Ster, und dann zogen sich die Holzstösse am ganzen Haus entlamg, bis vor zur Terrasse. Das war in der Zeit, als zuverlässig jedes Jahr das Land im Schnee versank, Woche für Woche, manchmal von November bis März. Da brauchten wir das Holz, und es war natürlich schön, vom Schlittschuhlaufen heimzukommen, und an der warmen Ofenbank zu sitzen. Einen Tag war man mit dem Holz, halb Buche und halb Fichte, gut beschäftigt, ein Spass für die ganze männliche Familie.







Dann kamen die Winter des späten 20.und frühen 21. Jahrhunderts, und die Klimaerwärmung. Man muss nicht drum herum reden: Es kamen Winter wie Frühling, und manchmal bliesen Stürme am ersten Januar die Eisschicht auf dem See weg, so dass wir surfen gingen. Das waren die Winter, in denen manchmal 1, 2 Ster übrig blieben und dann im nächsten Herbst wie Papier wegbrannten. Man macht das dreimal in Folge mit, und dann bestellt man weniger. Manchmal reicht es, manchmal muss man nachbestellen. 2008 war ein Jahr, in dem von den 4 Ster etwas übrig blieb. Diesmal kommen nochmal zwei Ster dazu.Denn es ist trotz des globalen Temperaturanstiegs ein richtiger Winter, auch im Flachland. Man kann wieder von zu Hause aus losloipen, wenn man will. Ich dagegen habe anderen Sport.







Vielleicht wird das später mal so sein, wie die sinnlosen Pelzmäntel in Italien, die auch bei 20 Grad um Ostern herum noch getragen werden: Eine Tradition, etwas, das man so macht, weil man es gern knistern hört, und weil ein Kachelofen da ist. Aber man braucht es nicht mehr unbedingt, wenn draussen alles matschig braun und feuchtkalt ist. Das wird dann so eine sinnlose Tradition wie die Knöpfe an den Jackenärmeln sein, und die Älteren werden dann erzählen, wie das war, als man hier am Damm noch Schlitten fahren konnte: Damals war dort Schnee und dahinter kein alljährliches Jahrhundertfluthochwasser. Und man wird nicht mehr so entsetzlich viel essen, denn man hat auch nicht mehr so viel zu tun, wenn die Seen nicht gefrieren, und zwei Stern für den ganzen Winter reichen.







Wie all die Ster von Fichte und Buche werden sich dann auch die Erinnerungen auflösen und verschwinden, man wird sich arrangieren und hier, fern der Meere, wird nicht viel passieren. Die Bauern, die heute noch jammern, werden vielleicht gentechnisch verändertes Getreide bekommen, das keinen Schnee als Isolierung vom Frost braucht, die Äpfel blühen eher und sind lange schon reif, überreif, wenn das Restholz kommt. Die alte Welt ächzt in den Fugen und die neue Welt wird sie vermörteln, damit alles wieder gut aussieht. Es gibt keine Gründe, bewusst zu leben, wenn man bewusst Probleme vermeiden und die Folgend es eigenen Handelns anderen aufbürden kann. Für ein paar Euro würde man auch einen Bulgaren finden, der einem das Holz trägt, und auch ohne Apfelstrudel.

Aber wir sind nun einmal so, wie wir sind. Und wenn es doch bis März dauern sollte, kommen eben nochmal zwei Ster. Hauptsache, es brennt im Herbst nicht weg wie Papier.

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Donnerstag, 14. Februar 2013

Ein perfekter Tag auf 24+3 Bildern

Freizügigkeit



Wohltaten



Schönes Wetter



Frühstück



Arbeit



Unabhängigkeit



Angenehme Menschen



Beständigkeit



Zeit



Licht



Weite



Struktur



Liebe



Blau



Spass



Himmel



Ahnung



Zärtlichkeit



Ankommen



Freiheit



Italien



Fernsicht



Kuchen und Tee



Staunen



Ewigkeit



Feuer



Erlösung



Leben. Alles andere ist nur Existenz.

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Mittwoch, 13. Februar 2013

Fastenspeise

Es gibt immer einen, der sich denkt: Das kann es doch noch nicht gewesen sein. Und einen anderen, der denkt: Oh bitte, das muss es jetzt gewesen sein. Es sei denn, der Zweite denkt gar: Hoffentlich kommt da nicht mehr allzu viel. Oder auch noch: Naja, das ist so wenig, da habe ich eh keine Chancen - und rodeln geht. Das habe ich dann auch gemacht, als ich einen erfahrungsmässig viel zu geringen Betrag eingegeben habe. Ich nehme das hin und wieder auch leicht, ich verliere oft, und auf einmal mehr oder weniger kommt es auch nicht an. Man kann nichts tun, ausser warten. Man darf nicht sein Herz an Dinge erschenken, die einem anderen gehören werden. Wenn ich daheim bleibe, mache ich es übrigens so, dass ich eine Minute vor Ablauf mein Limit eingebe und mich dann auf meine Hände setze, das geht fast immer gut, und ich bewahre Haltung, auch wenn ich dann meistens in den letzten 3 Sekunden untergepflügt werde. Aber so ist das nun mal. Tragik, Komik, das alles liegt nur eine Wimpernschlag auseinander.





Am Faschingsdienstag habe ich dann bei dem Mann angerufen, der zuerst dachte, dass es das nicht gewesen sein kann, und danach viellicht hoffte, der Anruf würde nicht kommen. Denn mein hoffnungsloses Limit lag bei marktunüblichen 176% dessen, was es letztlich dann gekostet hat - vielleicht war gerade der grosse Faschingsball der Zahnärzte, oder Fasching ist einfach nicht die Zeit für Fastenspeisen. Im Übrigen finde ich es durchaus in Ordnung, in so einer Situation mit einer Mischung aus Herablassung (da ist keine Signatur auf dem Bild) und leichter Unzufriedenheit (das nächste Bild geht wieder zu Neumeister) empfangen zu werden; mich würde so etwas auch sauer wie eine Essiggurke aufstossen. Vielleicht lag es aber auch an den Bildern? Daran, dass der Rahmen beim Verkäufer zurückblieb, weil er dafür andere Verwendung hatte? Für mich ist das nicht so schlimm, ich muss mich deshalb nicht betrinken, der "Original"rahmen aus dem 19. Jahrhundert war ohnehin zu breit und zu auffällig. So ist das eben. Nach einem erfolgreichen Bietergefecht bei Hampel, wenn man zu spät realisiert, wie hoch das Aufgeld ist, und innerlich verblutet, umkreisen einen rührend die immer sehr blonden Hostessen und bekunden den Respekt vor dem Sieger. Hier wissen nun beide Seiten: Das war enormes Pech für einen und der andere sollte da keine zusätzlichen Kekse erwarten. Ich kann das verstehen. Der Preis war unverschämt, aber ich habe ihn nicht gemacht.





Es passt - ohne Rahmen - gerade mal so in die Barchetta, dass ich schräg sitzend noch an den Schalthebel komme, und sogar den Scheibenwischer bedienen kann (es gab Fälle, da war ich froh, dass es nicht regnete). Es ist schon recht gross und eine Herausforderung bei der Suche nach einem Platz. Und es ist für mich atypisch, denn es ist mit toten Meerestieren, was ich ansonsten nicht mag; allerdings gefallen mit Krabben und Langusten, so als Tiere, durchaus, und es sieht nicht so scheusslich wie ein toter Fisch oder ein erschossener Hase aus. Gekauft habe ich es übrigens auch nicht wegen der Seladonflasche im Hintergrund oder der Messingschale mit den Kundschafter und der Weintraube aus dem gelobten Land, und auch nicht wegen des frühen (und die Chose auf 1700/20 datierenden) goldgrundigen Pseudoimari mit dem Amor drauf. Sondern wegen der Bücher.





Nichts signiert, sagte der Verkäufer. Das ist halt so eine Sache, wenn die Leute an der falschen Stelle suchen. Rechts unten, links unten, die üblichen Orte halt. Bei Stillleben ist das etwas anders, da muss man bedenken, dass der Maler seinen Namen auch versteckt haben könnte; manche setzen sogar ein Selbstportrait in die Lichtreflektion. Beachtenswert sind also Metallgegenstände, die manchmal Inschriften tragen, Wappen auf Keramik und besonders alles, worauf geschrieben werden kann. Und deshalb kann ich hier zu diesem Tag der Trauer und Fastenspeisen auch bemerken, dass es wenigstens unleserlich ist, was da an der Glosse des aufgeschlagenenen Buches steht. Aber mit wtwas Vergleichen könnte man vermutlich auch da herausbekommen, wer so etwas gern gemacht hat, und in seiner Werkstatt Spezialisten für solche Meerestiere hatte. Aber es muss auch nicht sein. Zuerst mal begründe ich das lediglich mit dem Aschermittwoch und dem Umstand, dass man da besser keine Krapfen mehr zeigen sollte.

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Dienstag, 12. Februar 2013

Die Maske

Und dann wendet sich alles noch etwas weiter zum Schlechteren, nur für eine Stunde reicht das Licht wirklich aus, und die Sonne kommt durch. So ein See kann bei schlechtem Wetter, wenn man ohnehin zu wenig geschlafen hat, auf das Gemüt schlagen. Da ist keine Weite mehr, die ablenken könnte, nur noch ein Grau mit Goldahnung, das kalt wie eine Kröte auf den Betrachter zurückblickt.





Zum Ende vom Fasching sollen wir ja alle unsere Masken heben, und es gibt da dieses Märchen von der alten Frau, die immer an diesem Tag in die Berge ging, um allein zu sein. Einmal kam der Teufel ihres Weges, und sie schlossen eine Wette: Wenn der Teufel beim Kartenspiel verlieren würde, dann würde er ihr sein wahres Gesicht zeigen. Die Alte betrog ihn beim Spiel, und der Teufel entwich ihr lachend, nachdem er seine Maske nur ein klein wenig angehoben hatte. Dann wurde es Mitternacht, und die alte Frau hob auch ihre Maske an, und darunter war der Teufel.





Manche sagen, ich hätte 2012 ziemlich die Maske fallen lassen, und was unter dem freundlichen, korrekten Menschen zum Vorschein kam, habe ihnen allenfalls so mittelgut bis gar nicht gefallen. Für sie war es eine brutale Erfahrung, für mich dagegen eigentlich nur eine zwingende Notwendigkeit, ein unvermeidliches Aufräumen lange mitgeschleppter Probleme, die nur Kraft und Zeit kosten, und im Gegenzug nichts bringen. Ich bin ziemlich schlecht darin geworden, anderer Leute Probleme zu meinen eigenen zu machen. Das führt zur amüsanten Situation, dass jene, die immer gerne nahmen, nun den Eindruck haben, ich würde ihnen etwas vorenthalten. Sicher, gern geschehen. Ich habe nicht wirklich viel davon, Leute aus einem pomadigen Dasein in eine Form zu heben, in der sie so mittelprächtig erträglich sind. Sie denken, es ist schade, dass es so ist. Als wäre "es" etwas, das einfach so passiert. Als müsste man Leute, die alles nehmen, auch noch sonderlich hätscheln und ihre Neurosen und Minderwertigkeitskomplexe füttern. Ich bin abgestumpft, wenn ich lese, dass Menschen mit Drogenkonsum Probleme mit dem Leben und der Finanzierung haben. Und der Selbstverwirklichungstrip unter Nutzung aller Nettigkeit anderer Menschen und dummer Systeme kotzt mich auch an. Als da wäre ein blogweit bekannter Schlechtzahler in Berlin, der seine Beiträge und seine Firma so machen kann, weil es unter anderem eine Mitarbeiterin durch Arbeitsamtzuschüsse quersubventionieren kann.





Kein Verständnis. Kein Verständnis für Leute, die sich daran hochziehen, wenn andere sich betroffen fühlen, mit Schlitzern und den "Oh guckt mal ich hab Suizid probiert"-Angebern; das sind so Sachen, die schockieren einen sicher noch mit 20 nach einer schönen Jugend, aber heute teile ich die Welt in Leute ein, die den Schnee vor ihrem Haus räumen und jene, die sich über das Glatteis beschweren; man komme also bitte nicht zu mir, wenn sich das ganze Leben als eine Kette von Rutschereien darstellt, da habe ich schon genug, um die ich mich kümmern muss. Man kann nicht alle retten und schon gar nicht jene, die einen runterziehen wollen, weil sie einen Hau haben. Armut finde ich nicht schön, aber eure selbstinszenierte Kaputtness kotzt mich an. Vielleicht könnte ich etwas tun, aber ich lasse es dann doch öfters bleiben; da ist einfach zu viel anderes, das mir wichtig ist. Und das mache ich dann, aber nach Möglichkeit immer, ohne dabei anderen zur Last zu fallen.

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Montag, 11. Februar 2013

Tage des Mietschocks

Ich lese das so, wie ich PR-Nachrichten über die Nützlichkeit von Gentechnik lese: Mit dem Gefühl, dass mich das alles nur peripher betrifft und ich schon weiss, wie man dem Problem aus dem Weg geht. Sicher, man hat viel Stress mit Wohnungen, aber dafür hat man keinen Stress damit, sich eventuell eine Wohnung nicht mehr leisten zu können. Und ziemlich viele junge Leute wissen heute nicht, ob man sie morgen noch brauchen wird - da ist das schon auch ungemütlich.







Über Nacht ist das Wetter schlechter geworden, eine variable Wolkenschicht beendet das satte Blau, aber weil es morgen noch schlechter sein wird, geht es auch heute gleich wieder auf den Berg. Ausserdem sind erheblich weniger Leute unterwegs: Der Münchner feiert dann doch lieber in seiner Stadt, statt sich hier Frostbeulen zu holen, mit denen man dann als Amundsen oder Shackelton auftreten könnte. Ja, bescheiden und sparsam sind wir hier in den Bergen.







Aber der Ordner, in dem hier alle Bilder liegen, heisst nun mal "Bergwinter" und solange Winter ist, bin ich dann auch auf den Bergen. Es hält schlank und fit und man darf nebenbei trotzdem eigentlich alles essen, worauf man Lust hat, denn 500 Höhenmeter im Eis und Schnee mit 15 Kilo Rodel hinten dran ist wie 800 Meter im Sommer. Das schafft so ein normaler Stadtbewohner kaum, auch nicht im Fitnessstudio, und ganz ehrlich: Die Aussicht und die Luft, das alles ist da auch nicht so gut. Und trotzdem teuer.







Es gibt also viele Gründe, in der Stadt schockiert, verärgert, genervt und wenig zufrieden zu sein. Hier ist es mehr die gefühllose Hand, die das Leben erschwert, denn es pfeift ein eisiger Wind von den Blaubergen herüber, und hinten türmen sich schon die Schneeberge: Da wird das Ablichten zur schmerzvollen Erfahrung, wenn dann noch der Fahrtwind danach über den Körper tobt.







Aber, wie gesagt: Alles besser als der Mietschock, Hier schickt keiner jedes Jahr eine neue Mietpreiserhöhung, mein Eigenbedarf ist mein Eigenbedarf, und bald bin ich wieder in München: Dann weiss ich wieder, was ich hier habe. Schock nur, wenn so ein alter Mann die Kurve nicht kriegt, mich beinahe umnietet und kurz vor dem Abgrund zu Stehen kommt.

Ich tue etwas für die Popularität des Sports. Ich würde auch gern etwas dazu beitragen, dass es gesund bleibt. Fahrt also vorsichtig. Der Berg kennt kein Erbarmen.

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Sonntag, 10. Februar 2013

Logistik am Berg und an der Torte

Es ist nicht mehr ganz so wie früher, mit all dem Sport: Damals hätte man einfach zu Kaffee und Kuchen eingeladen, fertig. Vielleicht auch noch die Katze mit dazu geholt. Man wäre am Strand entlag gelaufen, um etwas Bewegung zu haben, und hätte vielleicht noch ein weiteres Cafe aufgesucht. So war das früher, als der Tegernsee noch wirklich schick und St. Moritz zu weit entfernt war. Und Pralinen hätte man mitgebracht.







Heute ist es wieder schick, aber vor das Herumsitzen hat die Gegenwart die Bewegung gestellt, und die wiederum stellt einen vor ganz neue, den Vorfahren unbekannte Herausforderungen. Die Logistikherausforderung ist nicht mehr, für 10 Leute zu decken, sondern für vier Personen die Rodel an die Strecke zu bringen. Denn dort gibt es - schönes Wetter, Fasching, Wochenende - nur einen völlig überfüllten Parkplatz. Besteck für 12 Leute wäre hier, Porzellan auch, aber die neue Beweglichkeit verlangt eine Umgehung des von Münchnern verursachten Chaos. Also bringe ich die Rodel vorher an die Strecke. Und danach zeigt sich dann, warum es gut ist, fünf Bergräder am See zu haben. Die nachkommenden Münchner suchen panisch nach einem Parkplatz. Und wir radeln hin und sind eher auf dem Berg.







Und man muss auch ehrlich sagen: Nur unten am See oder in der Wohnung sitzen, das wäre eine Verschwendung. Denn die Sonne meint es gut mit uns, und ich fühle, wie ich langsam durch die dünne Höhenluft angeröstet werde. Wäre da oben nicht dieser fiese, kalte Wind über den überfüllten Tischen: Man könnte es hier gut länger und bis zum Sonnenuntergang aushalten.







Statt dessen geht es bergab, nach einer kurzen und von Skrupeln geprägten Einweisung. Das sind keine Kinderschlitten und und die 400 Höhenmeter sind auch kein Bahndamm, und ich schicke da völlige Neulinge hinunter, aber andererseits: Das ist Darwin und ausserdem gibt es nur eine Art, das zu lernen, indem man es macht und ansonsten früh genug bremst. Eigentlich macht man das alles intuitiv richtig. Ich fahre also voran, die anderen rutschen hinterhet, und am Ende sind alle unten, ohne Sturz, botanische Studien oder Holzfällarbeiten mit Knochen, Holz und Stahl gegen Stämme.







(Links auf dem Weg zwei Besucher. Postprifaschismus total!)

Ja, es ist eine neue Welt, in der wir leben, aber wenigstens ist das alles noch so zu bewältigen, dass es Spass macht. Wie das wäre, ginge es um Skifahren oder Snowboarden oder noch komplexere Sportarten - Lifte, Skipässe. lange Anfahrten - will ich gar nicht wissen. So, wie es ist, mit einer kleinen Gruppe vom See auf den Berg und dann zurück zum Teetisch: Das ist anders als vor 40 Jahren, aber auch kein Problem. Somdern angenehm. Kein Stress.





Und nachdem das Kampfgewicht mit Torten auf das richtige Niveau gebracht wurde, könnte man am kommenden Samstag ja beim grossen Preisrodeln vom Hirschberg mitmachen. Wenn nicht die Startnummernausgabe um 7,30 Uhr wäre. Es gibt immer noch Logistik, die ich nie im Leben packe.

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Geschäftliches

Die nächste Wohnung ist fertig, 29 m² München absolute Bestlage, ab sofort - allerdings nicht meine, ich kümmere mich nur drum. Trau keinem Makler!



Trau dem Blogger.

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