... newer stories
Mittwoch, 1. Mai 2013
Das Bild und die Geschichte dazu
Eigentlich wollte ich hier noch einen Beitrag über Kamarina bringen, ein Strand, der mir trotz seiner Bebauung und Verschmutzung sehr gefallen hat, und wo ich vielleicht "das" Bild, meinen persönlichen Favoriten für diesen Urlaub geschossen habe:

Es sagt sehr viel über Sizilien, und am Anfang erlebt man natürlich ein gewisses Befremden - aber nach einer Weile gewöhnt man sich an vieles. Woran ich mich nicht gewöhnt habe, sind die Mauern und wie abweisend sie sind, und welche Bedeuttung sie aus Sicht einer gesellschaft bedeuten, denen das Soziale abhanden kommt. Und ganz ehrlich, ich finde den murmasslichen Steuerbetrug von Herrn Hoeness nicht im Mindesten so schlimm wie das Zukleistern udn Zuklatschen der Tat durch gewisse Bereiche des fussballjournalistischen Abschaums, der ihm alles vergibt, solange es nur diese verkommene Sportart nicht belastet und immer noch gern in Sportlern etwas Besseres sieht, obwohl der ihnen innewohnende Leistungsfaschismus mitsamt der Jubelindustrie für so einen Unsinn das Letzte ist, was diese Gesellschaft zu all dem anderen Irrsinn noch braucht.
Und deshalb habe ich, quasi zum 1. Mai, in der FAZ und im Kommentarblog etwas über gesellschaftliche Solidarität geschrieben, für das ich um freundliche Beachtung bitte.

Es sagt sehr viel über Sizilien, und am Anfang erlebt man natürlich ein gewisses Befremden - aber nach einer Weile gewöhnt man sich an vieles. Woran ich mich nicht gewöhnt habe, sind die Mauern und wie abweisend sie sind, und welche Bedeuttung sie aus Sicht einer gesellschaft bedeuten, denen das Soziale abhanden kommt. Und ganz ehrlich, ich finde den murmasslichen Steuerbetrug von Herrn Hoeness nicht im Mindesten so schlimm wie das Zukleistern udn Zuklatschen der Tat durch gewisse Bereiche des fussballjournalistischen Abschaums, der ihm alles vergibt, solange es nur diese verkommene Sportart nicht belastet und immer noch gern in Sportlern etwas Besseres sieht, obwohl der ihnen innewohnende Leistungsfaschismus mitsamt der Jubelindustrie für so einen Unsinn das Letzte ist, was diese Gesellschaft zu all dem anderen Irrsinn noch braucht.
Und deshalb habe ich, quasi zum 1. Mai, in der FAZ und im Kommentarblog etwas über gesellschaftliche Solidarität geschrieben, für das ich um freundliche Beachtung bitte.
donalphons, 11:34h
... link (14 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 1. Mai 2013
Über das Weglaufen
Mir ist natürlich bewusst, dass es weitgehend zwecklos ist, und die Vorstellung, erst mal raus zu kommen und alles andere wird sich dann schon finden, reichlich optimistisch ist. Aber vielleicht läuft man ja auch einfach nur weg um der Weglaufens willen, so wie ich all die Jahre ziemlich oft eine unschöne Statik gegen den Rausch der Bewegung eingetauscht habe. Das Instabile, das in sich aufrecht steht, gefällt einem um so besser, je mehr die klaren und unabänderlichen Entwicklungen unverrückbar in der felsenreichen Landschaft der Daseins stehen.

Im Übrigen bin ich nicht nur gelaufen, ich habe dabei auch das ein oder andere, das mir wichtig scheint, mitgenommen. Ich bin mehr wie ein Dieb oder ein Verräter gelaufen, denn als ein Flüchtender, und mit einer kleinen Bereicherung hier und da, die man unterwegs mehren kann, fühlt sich das auch gar nicht schlecht an, selbst falls es schlecht sein sollte.In unserer multimobilen Gesellschaft fällt es auch nicht weiter auf, es sind ja alle unterwegs nach irgendwohin, meist nach oben, da fällt so einer in Seitwärtsbewegung gar nicht auf, nur etwas, das die Drängler vorbei lässt und gaer nicht verlangt, dass sie sich entschuldigen. Ich möchte nicht nach vorne. Ich möchte an die Ränder, wo weniger Leute sind.

Sizilien war da grandios. Jemand hatte ein Navi dabei, das hochkompetent den Weg zu einer gesperrten Strada Interrotta führte, so gesperrt, dass das Gesperrtschild unlesbar verrostet war, und wenn ich den Berichten glauben schenken darf, dann waren da nur 3 Zentimeter zum Abgrund, in den die restliche Strasse gestürzt war. Und weil es eben eine Strada Interrotta zwichen zwei unbefahrenen Pässen und über ein unbewohntes Tal gewesen ist, war das Leben endlich einmal so unsicher, wie es vermutlich trotz allem ist. Wer weiss schon, was unsere Entscheidungen bewirken und warum, wen wir ins Glück stürzen und wer uns unabsichtlich, für ein Butterbrot den Dolch in den Rücken treiben würde, wären wir nicht längst an anderer Stelle, oder würden wir uns nicht ab und zu auch auflösen können in Ahnungen und Gerüchte.

Ich bin natürlich zu faul für eine neue Adresse oder eine URL, oberflächlich bleibt alles gleich, aber ansonsten ziehe ich es vor, gerade keinen allzu festen Wohnsitz zu haben. Vielleicht Ferrara. Ferrara ist eine schöne, ruhige Stadt, viel zu ruhig für schnelles Durchreisen. Dort kennt mich keiner, was ein angenehmes Gefühl sein kann, so ganz ohne Verpflichtungen und Vorgeschichte und all dem, was ich imjmer wieder neu erklären muss, und was mich zwingt, Geschichten zu beobachten, die ich gar nicht mehr sehen möchte. Ich möchte vielleicht auch im Weglaufen meine Ruhe und Beständigkeit, am besten durch das Vergessen: Meines und das der anderen. Ich brauche keine Vergebung für nichts und will auch keine Einsichten hören; ich möchte einfach in der Erinnerung verblassen. An den Stellen, die ich auch gern vergessen würde.

Im Übrigen bin ich nicht nur gelaufen, ich habe dabei auch das ein oder andere, das mir wichtig scheint, mitgenommen. Ich bin mehr wie ein Dieb oder ein Verräter gelaufen, denn als ein Flüchtender, und mit einer kleinen Bereicherung hier und da, die man unterwegs mehren kann, fühlt sich das auch gar nicht schlecht an, selbst falls es schlecht sein sollte.In unserer multimobilen Gesellschaft fällt es auch nicht weiter auf, es sind ja alle unterwegs nach irgendwohin, meist nach oben, da fällt so einer in Seitwärtsbewegung gar nicht auf, nur etwas, das die Drängler vorbei lässt und gaer nicht verlangt, dass sie sich entschuldigen. Ich möchte nicht nach vorne. Ich möchte an die Ränder, wo weniger Leute sind.

Sizilien war da grandios. Jemand hatte ein Navi dabei, das hochkompetent den Weg zu einer gesperrten Strada Interrotta führte, so gesperrt, dass das Gesperrtschild unlesbar verrostet war, und wenn ich den Berichten glauben schenken darf, dann waren da nur 3 Zentimeter zum Abgrund, in den die restliche Strasse gestürzt war. Und weil es eben eine Strada Interrotta zwichen zwei unbefahrenen Pässen und über ein unbewohntes Tal gewesen ist, war das Leben endlich einmal so unsicher, wie es vermutlich trotz allem ist. Wer weiss schon, was unsere Entscheidungen bewirken und warum, wen wir ins Glück stürzen und wer uns unabsichtlich, für ein Butterbrot den Dolch in den Rücken treiben würde, wären wir nicht längst an anderer Stelle, oder würden wir uns nicht ab und zu auch auflösen können in Ahnungen und Gerüchte.

Ich bin natürlich zu faul für eine neue Adresse oder eine URL, oberflächlich bleibt alles gleich, aber ansonsten ziehe ich es vor, gerade keinen allzu festen Wohnsitz zu haben. Vielleicht Ferrara. Ferrara ist eine schöne, ruhige Stadt, viel zu ruhig für schnelles Durchreisen. Dort kennt mich keiner, was ein angenehmes Gefühl sein kann, so ganz ohne Verpflichtungen und Vorgeschichte und all dem, was ich imjmer wieder neu erklären muss, und was mich zwingt, Geschichten zu beobachten, die ich gar nicht mehr sehen möchte. Ich möchte vielleicht auch im Weglaufen meine Ruhe und Beständigkeit, am besten durch das Vergessen: Meines und das der anderen. Ich brauche keine Vergebung für nichts und will auch keine Einsichten hören; ich möchte einfach in der Erinnerung verblassen. An den Stellen, die ich auch gern vergessen würde.
donalphons, 01:38h
... link (11 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 29. April 2013
Die nächste Flucht
Inzwischen ist auch in Deutschland fast so etwas wie ein Vorfrühling spürbar. Trotzdem hat der Weis selten so spät getrieben. Und wirklich schön ist es auch nicht.
Also packe ich die inzwischen etwas angeschrammelte, schwere und robuste Reiseuhr wieder ein, denn ich werde sie brauchen. Es geht gleich wieder nach Italien, und hier hält mich iom Moment, wenn ich ehrlich bin, nichts.
Nicht für lang übrigens, es kommt die Zeitr der schznellen Sprünge über die Berge, eine Woche hier und eine Woche dart, weil hier so elende Sachen wie ein durchgeschnittenes Telefonkabel sind, das der Telekom gehört und von Vodafone genutzt wird. Eine Woche kafkaske Stunden in den Call Centern vor und nach Sizilien folgten, ein geplatzter Termin mit dem Handwerker, der dann drei Tage später doch vor der Tür stand: Deutschland ist unangenehm spannend. Und in Italien gäbe es so viel zum Ablichten.
In Sizilien war übrigens schon die Hälfte der Bilder mit manuellem Fokus geschossen, und jetzt - ich fahre nach Gardone Riviera - wird es vielleicht noch einmal mehr werden. Ich finde das gar nicht so schlimm, ersten komme ich vom Handeinstellen und zweitens denkt man mehr nach.
Und damit ich nicht fett und fau werde - Gardone ist ja eher was für Renter, die sich Bewegung nicht mehr antun müssen und ausgesorgt haben - nehme ich auch ein Rennrad mit. Langweilig wird es sicher nicht, aber erholsam nach all dem Ärger mit resistenten Damen vor allem in Ostdeutschland, die jeweils auf die andere Firma verweisen und jede verantwortung ablehnen.
Also packe ich die inzwischen etwas angeschrammelte, schwere und robuste Reiseuhr wieder ein, denn ich werde sie brauchen. Es geht gleich wieder nach Italien, und hier hält mich iom Moment, wenn ich ehrlich bin, nichts.
Nicht für lang übrigens, es kommt die Zeitr der schznellen Sprünge über die Berge, eine Woche hier und eine Woche dart, weil hier so elende Sachen wie ein durchgeschnittenes Telefonkabel sind, das der Telekom gehört und von Vodafone genutzt wird. Eine Woche kafkaske Stunden in den Call Centern vor und nach Sizilien folgten, ein geplatzter Termin mit dem Handwerker, der dann drei Tage später doch vor der Tür stand: Deutschland ist unangenehm spannend. Und in Italien gäbe es so viel zum Ablichten.
In Sizilien war übrigens schon die Hälfte der Bilder mit manuellem Fokus geschossen, und jetzt - ich fahre nach Gardone Riviera - wird es vielleicht noch einmal mehr werden. Ich finde das gar nicht so schlimm, ersten komme ich vom Handeinstellen und zweitens denkt man mehr nach.
Und damit ich nicht fett und fau werde - Gardone ist ja eher was für Renter, die sich Bewegung nicht mehr antun müssen und ausgesorgt haben - nehme ich auch ein Rennrad mit. Langweilig wird es sicher nicht, aber erholsam nach all dem Ärger mit resistenten Damen vor allem in Ostdeutschland, die jeweils auf die andere Firma verweisen und jede verantwortung ablehnen.
donalphons, 13:08h
... link (6 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 28. April 2013
Ramma damma
Ach Italien. Da muss ich einen extra Beitrag schreiben, über die Rückkehr des P2-Logen-Abschaums und all die Strippenzieher, die jetzt sagen, sie hätten den Grillo verhindert und dafür möchten sie jetzt wieder Geld an sich verteilen. Da ist Bayern dagegen ja noch richtig sauber.

Eigentlich ist der Skandal um angestellte Familienangehörige eine Petitesse in Bayern, wo ein Oberbürgermeister auch schon mal sturzbesoffen vor dem Fenster der Zweitfrau Geschichten macht, dabei fällt, sich den Fuss verletzt und das Gastgeschenk der Partnerstadt ruiniert - der Zweitfrau, die ihn wohl nicht mehr so richtig wollte, nachdem er ihr das alternativlose Cafe im Krankenhaus zugeschanzt hat. Oder unser Miesbacher Landrat, der geguttenbergt hat und einfach so gut verfilzt ist, dass man ihn nicht einfach rausschneiden kann: Miesbach muss für die CSU sicher sein, da rührt der Horst keinen Finger.

Nun aber ist der Weg zwischen Cosi fan tutte und Das kann man nicht machen recht kurz geworden, und dass die CSU eine Dolchstechertruppe ist, bei der man schneller fällt, als dass man "Übergangsfrist" sagen kann, ist jetzt auch nicht neu. Wer denkt, dass der Horst da sonderlich brutal ist, mag an das Schicksal des Herrn Sauter denken, der von Stoiber damals auch behandelt wurde - grösserer Fehltritt, aber auch andere Zeiten, gleiche Methoden und so sind sie halt. Für den Horst geht es um alles, er kann sich keine erkennbare Filzokratie leisten, auch wenn es sicher schmerzt, dass der CSU-nahe Hoeness jetzt gegen die eigenen Staatsanwälte klagt und damit nochmal zumAusdruck bringt, wie er denkt, dass es in Bayern löuft: Sicher ist das nicht falsch gedacht, aber der Zeitpunkt, zusammen mit dem ausgesetzten Haftbefehl, ist selten dämlich. So schnell kriegt der keine Einladung zur CSU mehr.

Man kann ja so einiges menschlich verstehen, und natürlich ist die eigene Ehefrau als Sekretärin viellleicht gar nicht so schlecht; man sieht ja in Berlin, was passiert, wenn die Fraun nicht nah und anderer Minister Mitarbeiterinnen nicht fern sind. Aber es ist wie es ist und jetzt erwischt es auch noch die Doro Bär. In meinen Augen ist es um diese schiache Giftspritze nicht schad weil 1. Medienprodukt und 2. Opportunistin in Sachen Frauenpolitik, der sie ihren Aufstieg verdankt und 3. sollen die arbeiten und nicht twittern. Dass aber nicht nur ich so denke, konnte man zuletzt auch im Münchner Merkur in einem von vielen Durchstechereien getränkten Portrait lesen, nach dem Motto, der Jungstar sei schon wieder auf dem Weg nach unten. Wenn das im Münchner Merkur steht, diesem knallschwarzen Dorfmistblatt aus'm Bahnhofsviertel gleich gegenüber von der Schmierfabrik des Bayerischen Staatsfunks, dann ist das fast schon amtlich.Und damit das dann nicht gar so nach eigenem Anschlag aussieht, sondern irgendwie nach "das haben die linken Medien entdeckt und wir waschen unsere Gierpfoten in Unschuld", hat man die Ausführung dann eben Spiegel Online entlassen, der Schleimspritze der Demokratie.
Den Mann finde ich noch ok, das Rausreden auf Privatsache ist widerlich, denn es sind öffentliche Gelder, und wer im Kleinen schon so agiert... die Sache mit der Lebensgfährtin des Vaters ist dann wirklich zu viel, und man wundert sich, dass die Todeskralle aus dem Ingolstädter Glasscherbenviertel nicht gleich wieder zugeschlagen hat. Vermutlich, weil der Durchstecher einer war, den der Horst selbst mal abserviert hat und dafür dann eben die Bärs der Partei bevorzugte. man darf daher vermuten, dass die Sache für die Bär furchtbar wird und für die Dolchstecher im Bundestag auch noch unerquicklich wird - das zielte nämlich auch auf den Horst nach dem Motto, wenn er die alten Kader gelassen hätte, dann hätten alle sauber dicht gehalten wie fast immer wenn es nichts zu holen gibt.
So ist diese Partei. In Sizilien gibt es einen Landeschef, der offen schwul lebt und viele, die aufräumen, und wenn die das hinkriegen, dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht auch in Bayern geht.
(Die Bilder sind mit einem 50mm f1.4 Objektiv von Porst aus den frühen 80er Jahren gemacht. Da geht so einiges, was früher nicht ging, 100mm Brennweiter auf der Pen und runter von 5.6 auf 1.4. Höhö.)

Eigentlich ist der Skandal um angestellte Familienangehörige eine Petitesse in Bayern, wo ein Oberbürgermeister auch schon mal sturzbesoffen vor dem Fenster der Zweitfrau Geschichten macht, dabei fällt, sich den Fuss verletzt und das Gastgeschenk der Partnerstadt ruiniert - der Zweitfrau, die ihn wohl nicht mehr so richtig wollte, nachdem er ihr das alternativlose Cafe im Krankenhaus zugeschanzt hat. Oder unser Miesbacher Landrat, der geguttenbergt hat und einfach so gut verfilzt ist, dass man ihn nicht einfach rausschneiden kann: Miesbach muss für die CSU sicher sein, da rührt der Horst keinen Finger.

Nun aber ist der Weg zwischen Cosi fan tutte und Das kann man nicht machen recht kurz geworden, und dass die CSU eine Dolchstechertruppe ist, bei der man schneller fällt, als dass man "Übergangsfrist" sagen kann, ist jetzt auch nicht neu. Wer denkt, dass der Horst da sonderlich brutal ist, mag an das Schicksal des Herrn Sauter denken, der von Stoiber damals auch behandelt wurde - grösserer Fehltritt, aber auch andere Zeiten, gleiche Methoden und so sind sie halt. Für den Horst geht es um alles, er kann sich keine erkennbare Filzokratie leisten, auch wenn es sicher schmerzt, dass der CSU-nahe Hoeness jetzt gegen die eigenen Staatsanwälte klagt und damit nochmal zumAusdruck bringt, wie er denkt, dass es in Bayern löuft: Sicher ist das nicht falsch gedacht, aber der Zeitpunkt, zusammen mit dem ausgesetzten Haftbefehl, ist selten dämlich. So schnell kriegt der keine Einladung zur CSU mehr.

Man kann ja so einiges menschlich verstehen, und natürlich ist die eigene Ehefrau als Sekretärin viellleicht gar nicht so schlecht; man sieht ja in Berlin, was passiert, wenn die Fraun nicht nah und anderer Minister Mitarbeiterinnen nicht fern sind. Aber es ist wie es ist und jetzt erwischt es auch noch die Doro Bär. In meinen Augen ist es um diese schiache Giftspritze nicht schad weil 1. Medienprodukt und 2. Opportunistin in Sachen Frauenpolitik, der sie ihren Aufstieg verdankt und 3. sollen die arbeiten und nicht twittern. Dass aber nicht nur ich so denke, konnte man zuletzt auch im Münchner Merkur in einem von vielen Durchstechereien getränkten Portrait lesen, nach dem Motto, der Jungstar sei schon wieder auf dem Weg nach unten. Wenn das im Münchner Merkur steht, diesem knallschwarzen Dorfmistblatt aus'm Bahnhofsviertel gleich gegenüber von der Schmierfabrik des Bayerischen Staatsfunks, dann ist das fast schon amtlich.Und damit das dann nicht gar so nach eigenem Anschlag aussieht, sondern irgendwie nach "das haben die linken Medien entdeckt und wir waschen unsere Gierpfoten in Unschuld", hat man die Ausführung dann eben Spiegel Online entlassen, der Schleimspritze der Demokratie.
Den Mann finde ich noch ok, das Rausreden auf Privatsache ist widerlich, denn es sind öffentliche Gelder, und wer im Kleinen schon so agiert... die Sache mit der Lebensgfährtin des Vaters ist dann wirklich zu viel, und man wundert sich, dass die Todeskralle aus dem Ingolstädter Glasscherbenviertel nicht gleich wieder zugeschlagen hat. Vermutlich, weil der Durchstecher einer war, den der Horst selbst mal abserviert hat und dafür dann eben die Bärs der Partei bevorzugte. man darf daher vermuten, dass die Sache für die Bär furchtbar wird und für die Dolchstecher im Bundestag auch noch unerquicklich wird - das zielte nämlich auch auf den Horst nach dem Motto, wenn er die alten Kader gelassen hätte, dann hätten alle sauber dicht gehalten wie fast immer wenn es nichts zu holen gibt.
So ist diese Partei. In Sizilien gibt es einen Landeschef, der offen schwul lebt und viele, die aufräumen, und wenn die das hinkriegen, dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht auch in Bayern geht.
(Die Bilder sind mit einem 50mm f1.4 Objektiv von Porst aus den frühen 80er Jahren gemacht. Da geht so einiges, was früher nicht ging, 100mm Brennweiter auf der Pen und runter von 5.6 auf 1.4. Höhö.)
donalphons, 22:27h
... link (3 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 28. April 2013
Trennungen jeder Art
Wie ist das eigentlich, wenn junge Dinger nicht vom Überziehungskredit gewürgt werden, sondern eher von der Gier, und den Hals nicht voll genug bekommen können? Auch nicht schön, habe ich während der letzten Tage in Sizilien erfahren, denn es ging ein klein wenig hin und her und letztlich weg, weit weg von etwas, das etwas Grosses hätte werden sollen. Sei nicht so profitlich, sagte meine Grossmutter immer, wenn jemand zu viel wollte, aber andere haben nur Eltern und optimierte Vorstellungen, wie das Leben zu laufen habe.
Ja, und dann passiert eben etwas Unvorhergesehenes, und man kennt nicht nur den Preis des Sex in diesen Kreisen, sondern auch die Probleme, Kunden zu halten. (Auch Kommentarblog)
Sizilien hätte mich länger halten können. Immerhin habe ich noch Sand in den Schuhen, viele hier fehlende Bilder, die ich noch nachtragen muss, ein paar analoge Objektive sind zu holen (recht viel wurde hier ohne Autofokus gemacht), dann habe ich auch einen Mohrenkopf, und einen Heimatschock, zusammengesetzt aus Kälte ud Heuschnupfen. Hier ist schon wieder die Heizung an.





Und deshalb plane ich auch schon die nächste Abfahrt. das hier ist alles so sinnlos im Moment, als hätte sich die Malaise der Blogsoftware über die Himmel ausgegossen und Pollen gekriegt.
Ja, und dann passiert eben etwas Unvorhergesehenes, und man kennt nicht nur den Preis des Sex in diesen Kreisen, sondern auch die Probleme, Kunden zu halten. (Auch Kommentarblog)
Sizilien hätte mich länger halten können. Immerhin habe ich noch Sand in den Schuhen, viele hier fehlende Bilder, die ich noch nachtragen muss, ein paar analoge Objektive sind zu holen (recht viel wurde hier ohne Autofokus gemacht), dann habe ich auch einen Mohrenkopf, und einen Heimatschock, zusammengesetzt aus Kälte ud Heuschnupfen. Hier ist schon wieder die Heizung an.





Und deshalb plane ich auch schon die nächste Abfahrt. das hier ist alles so sinnlos im Moment, als hätte sich die Malaise der Blogsoftware über die Himmel ausgegossen und Pollen gekriegt.
donalphons, 00:57h
... link (21 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 26. April 2013
Nicht abschliessende Bemerkungen zu einer nicht abgeschlossenen Reise
Die Blogbeiträge aus Sizilien waren dem Internet und den Umständen geschuldet lausig.


Auch in Sizilien selbst ist einiges nicht gerade gut; trotz abgeschlossener Welt, in der ich schlief, war mir der Tag dann doch stets zu hart, zu arm und zu brutal. Es ist kein dauerndes Gefühl, aber jeden Tag passiert etwas, da sagt man sich: Das möchte ich nicht sehen.


Es ist ein sehr schönes und zumindest im April auch ein sehr grünes und sattes Land, und das hebt gewisse Mängel, die andere vielleicht mehr aus der Fassung bringen würden, mehr als auf. Es gab genug, dass ich sage, da will ich nochmal hin: Gerade in dieser Jahreszeit, wenn man noch relativ allein ist. Schmutzige Strände stören mich weniger als schmutzige Schulklassen.


Das Programm war dicht, aber natürlich nicht genug. Was mir wohl entgangen ist, und warum ich noch einmal hierher muss - das ist das Val di Noto. Ich war in Ragusa, und obwohl ich wusste, dass mich dort etwas Besonderes erwartet, hat das sizilianische Barock meine kühnsten Erwartungen spielend übertroffen. Was haben meine Füsse nach Ragusa weh getan: Das war es wert, und wird noch andere Reisen wert sein.


Aber: Es ist nicht das loand, in dem ich sein möchte. In Ragusa stünden noch so viele Häuser, die auf jemanden warten, der sie wachküssen möchte, und es gäbe jede Menge Barock zum Münchner Einzimmerwohnungspreis - aber da war nie auch nur der israelische Moment von wegen, ein halbes Jahr zur Langzeitbeobachtung am Bau. Das ist nicht fair und nicht gerecht, aber es berührte einfach nicht mein Herz.


Oder ich habe es nicht herangelassen, bei all dem Druck und Stresse? Man müsste es vielleicht noch einmal versuchen, sehr sicher sogar, oder öfters.


Auch in Sizilien selbst ist einiges nicht gerade gut; trotz abgeschlossener Welt, in der ich schlief, war mir der Tag dann doch stets zu hart, zu arm und zu brutal. Es ist kein dauerndes Gefühl, aber jeden Tag passiert etwas, da sagt man sich: Das möchte ich nicht sehen.


Es ist ein sehr schönes und zumindest im April auch ein sehr grünes und sattes Land, und das hebt gewisse Mängel, die andere vielleicht mehr aus der Fassung bringen würden, mehr als auf. Es gab genug, dass ich sage, da will ich nochmal hin: Gerade in dieser Jahreszeit, wenn man noch relativ allein ist. Schmutzige Strände stören mich weniger als schmutzige Schulklassen.


Das Programm war dicht, aber natürlich nicht genug. Was mir wohl entgangen ist, und warum ich noch einmal hierher muss - das ist das Val di Noto. Ich war in Ragusa, und obwohl ich wusste, dass mich dort etwas Besonderes erwartet, hat das sizilianische Barock meine kühnsten Erwartungen spielend übertroffen. Was haben meine Füsse nach Ragusa weh getan: Das war es wert, und wird noch andere Reisen wert sein.


Aber: Es ist nicht das loand, in dem ich sein möchte. In Ragusa stünden noch so viele Häuser, die auf jemanden warten, der sie wachküssen möchte, und es gäbe jede Menge Barock zum Münchner Einzimmerwohnungspreis - aber da war nie auch nur der israelische Moment von wegen, ein halbes Jahr zur Langzeitbeobachtung am Bau. Das ist nicht fair und nicht gerecht, aber es berührte einfach nicht mein Herz.


Oder ich habe es nicht herangelassen, bei all dem Druck und Stresse? Man müsste es vielleicht noch einmal versuchen, sehr sicher sogar, oder öfters.
donalphons, 20:51h
... link (1 Kommentar) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 25. April 2013
Spätrömische Dekandenz
muss man sich in etwa so vorstellen, und es ist kein Wunder, dass sie nicht in Rom ist, sondern in der Villa Romana in Almerina, im Hinterland der Südküste von Sizilien.


Rom hatte damals, im späten 3. Jahrhundert, ein Versorgungeproblem: Die Staatskasse war wegen der Abwehrkriege leer, Rom selbst war ein gigantischer Moloch mit einem Mob, der stets zu Rebellionen aufgelegt war, und der Transport von Getreide aus Nordafrika war eine umfangreiche Operation mit logistischen Problemen, die schon früher an ihre Grenzen gestossen war. In dieser Zeit dann drohte die Versorgung des Mobs zusammenzubrechen, weshalb man sich nach neuen Lieferanten umsah, und sie in Sizilien auch fand. Das war vom geforderten Preis her zwar teurer, denn die Sizilianer waren Wucherer. Gleichzeitig aber auch billiger, weil der Transport erhblich einfacher war.


Es ist daher nicht ganz ohne Ironie, wenn sich der Besitzer der Villa den ganzen Boden mit Mosaiken hat auslegen lassen, die noch einmal jene Epoche feierten, die gerade wegen solcher Veränderungen im Niedergang begriffen war. Rom war immer noch reich, das Imperium hielt noch zusammen, aber es folgte ein langer, unaufhaltsamer Nidergang von jener Grösse, die da auf dem Fussboden zu sehen ist.


Echte Dekadenz eben. Gutes Leben, Jagden, Lieben, Sagen, Weinranken, PPutti, Dionysos und Amor im Zweikampf, Kinderspiele: Hier inmitten einer riesigen landwirtschaftlichen Produktionsstätte für Grundnahrungsmittel mag das alles noch fortgelebt haben, hier war die Welt noch in Ordnung, die Sklaven ackerten und die Herren waren so nett, sogar den Dienern ein einfaches Bad zu spendieren. Die Parther und Vandalen waren damals weit genug weg, um sie zu ignorieren; am Ende kam auch keine Kirche und zerstörte das Werk dieses Mosaikerotomanen: Es war ein natürlicher Erdrutsch.

Daher hat das alles die Zeiten überdauert und legt ein falsches Zeugnis der Epoche ab. Neureich? Sicher. Schon in dieser Zeit muss das ein wenig überzogen gewirkt haben, man kann auch die Nase rümpfen, aber dafür hat es gehalten, und irgendwo passt diese lässige Moral im Sommerhaus auch bestens zu unserer eigenen, hoffentlich klügeren Dekadenz.


Rom hatte damals, im späten 3. Jahrhundert, ein Versorgungeproblem: Die Staatskasse war wegen der Abwehrkriege leer, Rom selbst war ein gigantischer Moloch mit einem Mob, der stets zu Rebellionen aufgelegt war, und der Transport von Getreide aus Nordafrika war eine umfangreiche Operation mit logistischen Problemen, die schon früher an ihre Grenzen gestossen war. In dieser Zeit dann drohte die Versorgung des Mobs zusammenzubrechen, weshalb man sich nach neuen Lieferanten umsah, und sie in Sizilien auch fand. Das war vom geforderten Preis her zwar teurer, denn die Sizilianer waren Wucherer. Gleichzeitig aber auch billiger, weil der Transport erhblich einfacher war.


Es ist daher nicht ganz ohne Ironie, wenn sich der Besitzer der Villa den ganzen Boden mit Mosaiken hat auslegen lassen, die noch einmal jene Epoche feierten, die gerade wegen solcher Veränderungen im Niedergang begriffen war. Rom war immer noch reich, das Imperium hielt noch zusammen, aber es folgte ein langer, unaufhaltsamer Nidergang von jener Grösse, die da auf dem Fussboden zu sehen ist.


Echte Dekadenz eben. Gutes Leben, Jagden, Lieben, Sagen, Weinranken, PPutti, Dionysos und Amor im Zweikampf, Kinderspiele: Hier inmitten einer riesigen landwirtschaftlichen Produktionsstätte für Grundnahrungsmittel mag das alles noch fortgelebt haben, hier war die Welt noch in Ordnung, die Sklaven ackerten und die Herren waren so nett, sogar den Dienern ein einfaches Bad zu spendieren. Die Parther und Vandalen waren damals weit genug weg, um sie zu ignorieren; am Ende kam auch keine Kirche und zerstörte das Werk dieses Mosaikerotomanen: Es war ein natürlicher Erdrutsch.

Daher hat das alles die Zeiten überdauert und legt ein falsches Zeugnis der Epoche ab. Neureich? Sicher. Schon in dieser Zeit muss das ein wenig überzogen gewirkt haben, man kann auch die Nase rümpfen, aber dafür hat es gehalten, und irgendwo passt diese lässige Moral im Sommerhaus auch bestens zu unserer eigenen, hoffentlich klügeren Dekadenz.
donalphons, 23:41h
... link (1 Kommentar) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 24. April 2013
Die leichten Leutchen von Agrigent
Nüchtern betrachtet ist die Ausgrabung von Agrigent ein schönes Beispiel für die Richtigkeit des Zynismus bei der eigenen Aussendarstellung – wer repräsentiert und Prunkt, der wird liebevoll aufgerichtet und gepflegt, ja man kann sagen dass Agrigent der Altbundeskanzler und NATO-Doppelbeschluss-Schmidt der Antike ist. Hätte man die Erbauer der Tempel im 6. Jahrhundert gefragt, wie das alles 2500 Jahre später aussehen sollte, wenn es denn Ruine werden muss, dann hätten sie sich vermutlich so einen Anblick gewünscht. Schon damals hat man die Kette der üppigen, repräsentativen Kultgebäude direkt an die Felskante gebaut, dass jeder, egal ob von Land oder See kommend, die Grösse und Bedeutung der Stadt sofort erkennt. Und Agrigent, das darf man so sagen, hatte in seiner Blütezeit viel von einem Las Vegas oder Macao der Antike.



Damit war dann im 4. Jahrhundert Schluss, Agrigent war militärisch auf der falschen Seite und zahlte den Preis der legendären Orte, die in der Niederlage zu Provinznestern herabgesunken sind, Berlin, Karthago und Ferrara sind andere Beispiele dafür. Im Prinzip war das spätere Agrigent ein Kaff mit zu vielen und zu grossen Tempeln, so dass niemand auf die Idee kam, die Anlage zu vergrössern und mit römischen Säulenkapitellen aufzubohren. Rom ging unter, es kamen die Araber, man floh vor ihnen auf die höheren Berge, und so kam es dann, dass der Ort der Siedlung nicht von dem Moloch überbaut wurde, der heute Agrigent ist. Eine sagenhafte Verkettung glücklicher Umstände. Es steht weiterhin „the real shit“ in der Landschaft, um es modern zu sagen.



Und es ist natürlich noch immer beeindruckend. Trotzdem bleibt Zeit für vergleichende Erziehungswissenschaften, und ich bin der Meinung, dass italienische Schulklassen auch den erhabensten Moment mit ihrem blossen Auftauchen ruinieren. Die Lehrer haben das auch nicht unter Kontrolle und wollen auch gar keine Ordnung, egal ob schulisch oder dorisch. Wenig erbaulich ist auch das Benehmen der britischen Klassen, aber kein Schatten ohne Licht: Da war auch eine französische Klasse. Interessiert, aufmerksam, keine dumme Blödelei, kein Geplärre, nur freundliches Geschnatter beim Ablichten – und auch da keine dummen Witzbilder. Ich habe österreichische Klassen in Schönbrunn gesehen und deutsche Klassen in der Müncher Residenz: Vielleicht ist ja doch was an den französischen Erziehungsmethoden dran.



Abgang Franzosen, Eintritt amerikanische Rentner, und eigentlich kann ich noch froh sein, dass ich so früh hier bin. Später im Jahr ist noch mehr und enorm amerikanisch mehr los, denn Agrigent gehört nun mal wie Neuschwanstein unverzichtbar zum Kulturprogramm des alten Kontinent. Es kommt ein Polizeiwagen, und dir diversen Schwarz- und Fälschungshändler bleiben einfach sitzen: Es lohnt sich wohl noch nicht, davonzulaufen. Vorsaison. Mit etwas Glück hat man einen Tempel ein paar Minuten für sich alleine. Von der Siedlung, in der es damals hoch hergegangen sein muss, sieht man natürlich fast gar nichts. Das muss man sich alles dazu denken, und vielleicht war es hier oben gar nicht mal so bukolisch, und die eigentliche Feierzone lag unten am Hafen. Wovon sich natürlich auch nichts erhalten hat.



Zu den Ironien von Sizilien gehört natürlich auch, dass die Ruinen der Antike weitaus besser gepflegt und erhalten werden, als das neue Agrigent daneben, das nicht umsonst als ärmste Region Italiens gilt. Wie so oft in Sizilien sind die Ausgrabungen eine Parzelle und zur nächsten Parzelle führt eine Strasse, von der man kaum abweichen möchte. Ich bin da natürlich etwas anders eingestellt, aber die Busse rollen gleich weiter Richtung Palermo oder Syracus. Man will ja noch mehr echt griechische Ruinen, man ist im Urlaub oder auf Klassenfahrt, das muss man alles gesehen haben, und es ist auch wirklich beeindruckend.



Eine grandiose Kulisse. Man möchte sich aber bitte merken, dass auch die Antike wusste, wie man mehr aus sich machte, und was heute hellrot leuchtet, war früher mit weissem Kalk überzogen, um Marmor zu imitieren. Wie gesagt, es war das Las Vegas der Antike, schnell, skrupellos und gierig und was die Französinnen da über Säulenstellungen und Cellaeinteilung lernen, ist schön und gut. Aber man sollte ihnen vielleicht auch sagen, dass es der Montmatre von Magna Graecia war, und das eigentlich kein guter Ort für brave Mädchen mit Polkapunktkleider gewesen wäre.



Damit war dann im 4. Jahrhundert Schluss, Agrigent war militärisch auf der falschen Seite und zahlte den Preis der legendären Orte, die in der Niederlage zu Provinznestern herabgesunken sind, Berlin, Karthago und Ferrara sind andere Beispiele dafür. Im Prinzip war das spätere Agrigent ein Kaff mit zu vielen und zu grossen Tempeln, so dass niemand auf die Idee kam, die Anlage zu vergrössern und mit römischen Säulenkapitellen aufzubohren. Rom ging unter, es kamen die Araber, man floh vor ihnen auf die höheren Berge, und so kam es dann, dass der Ort der Siedlung nicht von dem Moloch überbaut wurde, der heute Agrigent ist. Eine sagenhafte Verkettung glücklicher Umstände. Es steht weiterhin „the real shit“ in der Landschaft, um es modern zu sagen.



Und es ist natürlich noch immer beeindruckend. Trotzdem bleibt Zeit für vergleichende Erziehungswissenschaften, und ich bin der Meinung, dass italienische Schulklassen auch den erhabensten Moment mit ihrem blossen Auftauchen ruinieren. Die Lehrer haben das auch nicht unter Kontrolle und wollen auch gar keine Ordnung, egal ob schulisch oder dorisch. Wenig erbaulich ist auch das Benehmen der britischen Klassen, aber kein Schatten ohne Licht: Da war auch eine französische Klasse. Interessiert, aufmerksam, keine dumme Blödelei, kein Geplärre, nur freundliches Geschnatter beim Ablichten – und auch da keine dummen Witzbilder. Ich habe österreichische Klassen in Schönbrunn gesehen und deutsche Klassen in der Müncher Residenz: Vielleicht ist ja doch was an den französischen Erziehungsmethoden dran.



Abgang Franzosen, Eintritt amerikanische Rentner, und eigentlich kann ich noch froh sein, dass ich so früh hier bin. Später im Jahr ist noch mehr und enorm amerikanisch mehr los, denn Agrigent gehört nun mal wie Neuschwanstein unverzichtbar zum Kulturprogramm des alten Kontinent. Es kommt ein Polizeiwagen, und dir diversen Schwarz- und Fälschungshändler bleiben einfach sitzen: Es lohnt sich wohl noch nicht, davonzulaufen. Vorsaison. Mit etwas Glück hat man einen Tempel ein paar Minuten für sich alleine. Von der Siedlung, in der es damals hoch hergegangen sein muss, sieht man natürlich fast gar nichts. Das muss man sich alles dazu denken, und vielleicht war es hier oben gar nicht mal so bukolisch, und die eigentliche Feierzone lag unten am Hafen. Wovon sich natürlich auch nichts erhalten hat.



Zu den Ironien von Sizilien gehört natürlich auch, dass die Ruinen der Antike weitaus besser gepflegt und erhalten werden, als das neue Agrigent daneben, das nicht umsonst als ärmste Region Italiens gilt. Wie so oft in Sizilien sind die Ausgrabungen eine Parzelle und zur nächsten Parzelle führt eine Strasse, von der man kaum abweichen möchte. Ich bin da natürlich etwas anders eingestellt, aber die Busse rollen gleich weiter Richtung Palermo oder Syracus. Man will ja noch mehr echt griechische Ruinen, man ist im Urlaub oder auf Klassenfahrt, das muss man alles gesehen haben, und es ist auch wirklich beeindruckend.



Eine grandiose Kulisse. Man möchte sich aber bitte merken, dass auch die Antike wusste, wie man mehr aus sich machte, und was heute hellrot leuchtet, war früher mit weissem Kalk überzogen, um Marmor zu imitieren. Wie gesagt, es war das Las Vegas der Antike, schnell, skrupellos und gierig und was die Französinnen da über Säulenstellungen und Cellaeinteilung lernen, ist schön und gut. Aber man sollte ihnen vielleicht auch sagen, dass es der Montmatre von Magna Graecia war, und das eigentlich kein guter Ort für brave Mädchen mit Polkapunktkleider gewesen wäre.
donalphons, 10:18h
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories



