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Donnerstag, 9. Mai 2013

Rollende Steine und andere glückliche Menschen

die im Sonnenlicht durch die Altstad von Ferrara radeln, abgestiegen sind oder im Hintergrund telefonieren, und im dichtesten Gedränge trotzdem akrobatisches Geschick im Umgang mit moderner Telekommunikation beweisen. Eine trägt auch Perlenohrringe, andere kaufen ein, und das alles ist mit einem manuellen Objektiv aufgenommen.

















Ferrara ist in meinen Augen immer noch das Stadtmodell der Zukunft, und es wird so oder so kommen. Man sollte sich dager lieber heute damit beschäftigen, denn später, und dass man in London eine Milliarde Pfund für den Radverkehr ausgeben will, ist etwas, das deutscfhe Politiker beschämen sollte. Autos sind grossartig, aber sie gehören raus aus den Innenstädten, und unter 2 Kilometer Strecke sollte man sie nur unter Auflagen benutzen dürfen.

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Mittwoch, 8. Mai 2013

Die Ultras: Fussball ist ihr Leben

Und dafür sollte es nach meiner Mewinung auch schon mal lebenslänglich geben, sage ich verblümt in der FAZ und im Kommentarblog.

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Dienstag, 7. Mai 2013

Wie früher

In Brideshead Revisited gibt es die Figur des Antony Blanche, der viel mit seiner Verwandt- und Dienerschaft reist und nur ab und zu mal auftaucht, um zu sagen, was wirklich zu sagen ist; eigentlich ist er die einzig wirklich ehrliche Person im ganzen Buch und entsprechend fragwürdig und unsympathisch.





Momentan reise ich ein klein wenig wie er, und es ist eine Umstellung von der Umstellung; manchen Lesern wird aufgefallen sein, dass ich unterwegs so gut wie keinen Luxus brauche, und obendrein auch keine besondere Beziehung zu herausragenden Hotels habe, denn die Gemälde dort sind auch nicht wirklich echt und man merkt an allen Ecken und Enden, dass es ein Geschäft ist, bei dem man bei aller Verschwendung dennoch auf die Kosten achtet.





Ich hatte vor der FAZ mal mit solchen Geschäftsmodellen zu tun, das war ein wenig ernüchternd. Insofern bin ich auch jetzt reserviert, obwohl das Hotel wirklich schön, historisch korrekt und mit einer angenehmen Atmosphäre versehen ist. In Sizilien, inmitten von Verfall und Armut, war es gut, in einem richtigen Hotel zu sein; jetzt dagegen... ungewohnt. Weil ich ja eigentlich in dieser Region daheim bin.





Es ist übrigend noch recht kühl am See, man könnte nicht baden, auch wenn die Plakate aus den 20er Jahren in der Bar zeigen, dass oben noch Schnee lirgt, und unten bereits Bein und Arm gezeigt wird. Dafür ist es grün, sehr grün, man merkt in Gardona gar nicht, wo der eigene Park aufhört und der nächste beginnt. Es ist ein wenig aus der Zeit gefallen, wie ich auch, aber wie es eben so beim Fallen ist: Man rollt in verschiedene Richtungen, nimmt andere Macken mit -





und deshalb ist es zwar wie früher, aber ich fremdle noch sehr.

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Montag, 6. Mai 2013

Amazon dankt seinen bequemen Kunden

Verlassen wir Don Carlos. Don Carlos ist der Grandhotelkater, und wenn man glaubt, so etwas gäbe es nicht: Doch, hier schon. Niemand käme auf die Idee, Don Carlos zu verscheuchen. Don Carlos möchte einfach nur Gesellschaft und bewundert werden, also kommt er immer auf die Frühstücksterrasse und sieht gut aus. Nie nimmt er etwas zu Essen an. Es geht ihm nur darum, dabei zu sein.



Fahren wir nach Verona, und gehen wir auf öffentlichen Strassen auf bestem Marmor. Verona ist reich, steinreich, steht gewissermassen gleich neben einem Marmorberg, da kann man es sich leisten, die Strasse nicht zu betonieren, sondern zu marmorieren. Weshalb man in Verona auch den ganzen Tag andere Schuhe tragen kann als jene, die sich in Oberitalien sonst empfehlen.



Die marmorierte Strasse Via Giuseppe Mazzini - benannt nach einem Herren, der die Selbstbestimmung der Völker Europas forderte - verbindet in Verona die Piazza delle Erbe, wo man hin muss, mit der Arena, die auch jeder kennt. Das ist so etwas wie die gute Stube der Stadt, und als ich klein war, gab es hier alles. Heute hat sich das gewandelt, ausser von zwei Tabakgeschäften werden die Modegeschäfte nur noch von Banken unterbrochen. Es ist etwas eintönig geworden, mit den immer gleichen Menschen, die so auch in Paris oder München sein könnten, und die Frauen sind alle etwas zu dünn und wahrscheinlich nicht ganz unkompliziert.



Dass es so ist, verdankt man natürlich auch ein wenig dem Internet. Denn bis letztes Jahr gab es hier in der Strasse auch noch eine Bastion der Bildung, die den Passanten bedeutete: Es gibt noch etwas anderes. Ihr seid hier nicht in einer dummen Shapping Mall in Dubai, ihr seid in einem Weltkulturerbe und wenn ihr schon hier seid, dann benehmt Euch auch entsprechend. Gebt doch auch etwas Geld für Bildung aus. Oder lest wenigstens mal ein Buch. Nicht nur immer SMS oder Twitter.



Ghelfi & Barbato war also so etwas wie der Fels in der Brandung einer Entwicklung, die dafür sorgt, dass die Preisschilder auch in Russisch sind und ich von Leuten lese, die es für Bildung halten, eine Weltbibliothek ungelesener Ebooks ohne jedes Gewicht mit sich herumzutragen. Es ist nicht ganz so schlimm, wie es scheinen mag, Ghelfi und Barbato lebt, kann nur die Miete in dieser extrem teuren AAA-Lage nicht mehr bezahlen und zieht nur 30 Meter weiter in eine Seitenstrasse, aber an dieser Stelle eröffnet demnächst ein Laden für in Bangladesch genähte Damenunterwäsche.



Damit hat der Corso Anastasia nun entgültig der marmorgedeckten Via Mazzani den Rang abgelaufen. Und kluges Kerlchen, das ich bin, habe ich natürlich nachgefragt: Dieser Laden hier zum Beispiel ist nicht gemietet, sondern seit jeher in Besitz der Betreiber. Und sollte, was zu befürchten ist, wenn man die Lehren aus München betrachtet, Ghelfi & Barbato am neuen Standort schon wieder vertrieben werden, so ist am Corso auch noch eine grosse Buchhandelskette, von der bekannt ist, dass die Renditeziele nicht stimmen. Vielleicht kann man dann, wenn die weg sind, Ghelfi & Barbato mit genau dieser Fassade hier neu entstehen lassen. Der Rest kann gern weiter Texte auf das Mobilgerät laden.



Es ist nicht so, dass ich die Vorteile der Moderne nicht zu schätzen wüsste, aber ich hätte sie gern mit weniger negativen, vermeidbaren Folgen und ohne den Eindruck, dass jeder Amazonkunde, der sich auf Bequemlichkeit hinausredet, am Ende wiederum derjenige sein wird, der dann das internationale Kapital, Gentrifizierung, Arbeitsplatzverluste etc. bekrittelt. Wer das bekämpfen will, wer hier Einhalt gebieten will, kann sofort damit anfangen und dort seinen Account löschen. Es ist ganz einfach, eigentlich. Und wenn man erst mal weniger Geld für den ganzen Digikrempel ausgibt, kann man sich vielleicht auch mal in der Via Mazzani etwas anderes als Sklavenarbeit leisten.

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Sonntag, 5. Mai 2013

Gerecht in Stein

Natürlich kann man auch als Italienfreund Italien schreiendes Unrecht tun. Das ist nicht fein, und als Entschuldigung genügt es nicht, auf das Internet zu verweisen, wo aus Fanatikern Irre und aus Versagern Stalker werden - da hilft nur Einsicht in das eigene Fehlverhalten.





Zu keiner Stadt Italiens bin ich ungerechter als zu Florenz. Ich bin in den letzten Jahren so oft vorbeigefahfren, ich habe sogar über das Haus des exilierten Macchiavelli geschrieben, von dem aus man die Kuppel sieht, weil ich diese distanzierte Sehnsucht kenne - aber ich war nicht dort. Früher war Florenz das Ziel schlechthin, heute habe ich Angst, dass ich meine Jugend darin nicht mehr erkennen kann. Damals war 1 amerikanische Reisegruppe in den Uffizien, in die man einfach so gehen konnte, und diese Gruppe trug Kappen mit der Aufschrift "Road to Rome". Das waren noch Exoten. Heute könnte ich der Fremde in einer Vermarktungsmaschine sein, den sie beiseite drängen, wenn er im Giottokampanile photographieren will.





Ich muss da mal im November hin, wenn sonst keiner dort ist.

Zu Rom bin ich auch ungerecht. Rom ist grossartig, jeder Stein ist interessant, man könnte so viel machen, einen Beitrag auf den Spuren von Marcello aus La Dolce Vita etwa oder über die Höhlen am Stadtrand oder den Faschismus und dessen futuristische Formen - aber Rom ist mir zu gross. Es ist nicht zu gross, der Fehler liegt in mir. Ich kann nicht mehr mit solchen Städten, sie überfordern mich schnell. In Siena will ich bleiben, in Rom fahre ich mit der Mille Miglia weiter.





Sollte ich wirklich diesen Samstag nach Siena fahren, nicht wegen der Autos, eigentlich, sondern wegen der Stadt, der Krawatten und Tücher am Dom, und dann auf die magische Stunde warten, wenn der Himmel tiefblau und der Ziegel dunkelrot wird? Sollte ich danach wieder in die Pinakotheca gehen, wegen dieser einen Lorenzetti-Madonna, an der jeder Glaube zerbricht und die Profanität in Europa gewinnt, noch bevor die grosse Pest kommt? Zu Siena bin ich übergerecht.





Nein, die Stadt, die ich noch wirklich unangemessen schlecht behandle, ist Brescia. Eigentlich ist Brescia nämlich toll, grandios, bezaubernd, und vor allem weitgehend leer von Touristen. Ausser natürlich, wenn ich auch immer dort bin, zur Mille Miglia, die in diesem Jahr vermutlich noch ein wenig kaputtgerittener ist, als im letzten Jahr. Diese wunderbare Stadt ist für mich allenfalls ein verschwommener Hintergrund für Autobilder. Letztes Jahr nun habe ich eine Serie über das Eisen gemacht, das hier die Gärten einrahmt und eine Quelle des Reichtums der Stadt gewesen ist. Und dieses Jahr...





Dieses Jahr bin ich schon vor dem Gedröhne da und widme mich dem weissen Stein, auf dem und aus dem Brescia errichtet wurde. Der Ort steht ja geradezu auf dem Marmor, der hier aus der Erde bricht, hier wurde die erste Regelung zum Schutz antiker Inschriftensteine verabschiedet, und wann immer ich zwischen all dem Blech stand, kam der Moment, da ich den Blick hob und dachte: Hier müsste man mal mit einem Teleobjektiv her, und mit einem lichtstarken Portraitobjektiv.





Man müsste zeigen, was es sonst nich gibt, in dieser Stadt, wo der Cafe noch 80 Cent kostet und man den ganzen Nachmittag in einem Cafe auf dem Platz vor der Loggia sitzen kann, ohne dass man vom nächsten Schub Touristen verdrängt wird. Sonst komme ich doch auch immer, wenn sonst keiner kommt - nur in Brescia laufe ich mit mit geschmierter Journaille und Geschichtsvermarktern und des Deutschen nicht mächtigen Merceedesmitarbeitern ohne Tischmanieren. Das war ungerecht.





Und so bin ich jetzt gekommen, mit einem Teleobjektiv her, und mit einem lichtstarken Portraitobjektiv, und habe Bilder gemacht von Steinen und Menschen, die darin leben. Natürlich sollte man dort hin, wenn die Motoren brüllen. Und nochmal, wenn sie wieder weg sind.

Ja. Rom und Florenz, das werden noch harte Brocken.

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Samstag, 4. Mai 2013

In einem anderen Sternenbild

Gardone ist dem Tegernsee nicht unähnlich; dort wäre ich wirklich überrascht - gar nicht entsetzt, einfach nur überrascht - würde mich dort ein Handtaschenverkäufer anhauen. Man fährt einfach von Limone ein paar Kilometer weiter, und die üblichen Erscheinungen der Armut hören auf. Statt dessen gibt es enorm gute Strassenreinigung. Und alle Gärten sind gepflegt. La Crisi hat hier keinen Platz, es gibt auch keine Sonderverkäufe oder andere Begleiterscheinungen des Niedergangs, über die noch zu sprechen sein wird. Dafür tanzen unten im Grand Hotel die Briten, man hört das kleine Jazzorchester durch die Nacht bis hinauf zu meiner sternenüberfunkelten Dachterrasse, die ich wohl als einziger der Gäste entdeckt habe. Oder bin ich der einzige, der sich die Türe zu öffnen traute? Der Deutsche macht öffentlich nur das, was ausdrücklich erlaubt ist.



Natürlich können sie auch anders, wenn sich etwa eine Möglichkeit bietet, das Nehmen in eigener Sache als hilfreich und sinnvoll darzustellen.Das geht allerdings nicht wirklich oft, was nach meinem Dafürhalten auch für die Neigung der Deutschen zu distanzierten Investitionen führt: Sparbuch, Festgeld, Aktie, aber weniger direkte Beteiligung an Firmen oder das Vermieten, wo die meisten durch Erbschaftsfälle dazu gekommen sind. Man muss diese Schutzfunktion der Anonymität vielleicht mit einrechnen, oder eben heraussubstrahieren, wenn man auf reale Werte kommen will.

Es fehlt oft ein wenig an der Dreistigkeit des Nehmen Wollens, auch wenn man ahnt, wie einem geschieht, wenn das kommt: Diese halb dreisten, halb vorsichtig absichernden Nachfragen, die einen in Sicherheit wiegen sollen, so schlimm sei das doch gar nicht - und dann kommt der schnelle Zugriff, das Einheimsen, und die Kontrolle, ob man das schluckt, weil Wiederholungen hier gefallen können. Hier könnte man lernen, aber nach meinen Erfahrungen neige ich eher dazu, mein Eigen festzuhalten und zu hoffen, im Dunklen übersehen zu werden, wie ein Gebälkträger in einer Kirche: Nehmt es von woanders her, ihr Anbieter in Investitionen und Chancen, die nicht die meinen sind, danke ich mir leise und mit mir vermutlich viele, von denen man nie etwas hört, weil sie sich versteckt halten und schweigen.



Der Gewinn? Wenig genug, ungestört frühstücken, eine Mauer von Palmen um einen herum und ein 10 Meter breiter Wassergraben, in den heute die ersten gegangen sind, vor die Jacuzzidüsen. Vielleicht ein Longdrink unten am See und der Blick auf unbeschwerte, obwohl, mitunter auch bauchbeschwerte Briten, die im Tanz vergessen, dass sie nicht mehr im Empire leben, sondern in einer Marktdiktatur, die ihnen lässt, was sie anderen nimmt. Jemand meinte mal, Mussolini hätte 1945 hier einfach bleiben und nicht fliehen sollen, sich ein paar Monate im Speicher einer Villa verstecken, bin das Schlimmste vorüber ist, dann hätte man ihn hier sicher wieder zum Bürgermeister gewählt, und er hätte helfen können, die DC aufzubauen. Man will in Ruhe gelassen werden und lässt in Ruhe. So ist Gardone. Das ist angenehm, alles in allem.

Trotzdem geht es die Tage ins Gebiet des Terremoto.

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Samstag, 4. Mai 2013

IUVENTUTI ERUDIENDAE

Das ist mit riesigen Abstand mein absolutes Lieblingsbild des ganzen Urlaubs: Die eine unterweist die andere in der Frage der angemessenen Luxuseinkäufe und dahinter steht dann auch über der Türe: Der zu erziehenden Jugend. Dazu watschelt ein Terrier achtlos durch eine Pfütze.



Dieses Land, man müsste es eigentlich schütteln und anschreien und fast ein wenig hassen, weil es so dumm ist. Aber ich sitze nur da und bin schwer verknallt.

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Auch kein Bestseller

Täusche ich mich, oder ist das hoch gehandelte und heiss begehrte Buch von Marina Weisband über Politik an der Kasse so erfolgreich gewesen, wie die Piraten mit Ponader? Irgendwie war da zwar viel Mediengeschnatter, aber bei Amazon sah das nicht gerade um Welten besser aus als die Erklärbücher der Journalisten, oder jener Versuch von Frau Schramm.

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Freitag, 3. Mai 2013

Überflügeln

Diesmal geht es nicht mit meinem Auto nach Italien, sondern mit einem, das neu ist. Und viel Platz hat, aber dafür in ein Hotel aus der Tourismussteinzeit fährt, in dem die Zimmer so gross wie die Badezimmer sind. Es liegt in Gardone Riviera, das vor 100 Jahren ein Ort der Prominenz war, auch schon mit deutschen Beschreibungen für das Essen und dieser speziellen Abgeschiedenheit vom Rest, die entsteht, wenn um jede Villa ein Park und vor jedem Grand Hotel ein Privatstrand ist.



Normalerweise müsste ich nun an dieser Stelle wie immer darüber schreiben, dass ich am Tegernsee übernachtet habe und es überhaupt nicht verstehe, warum ich eigentlich von hier aus in einen Urlaub fahre, wo doch der Gewinn an Reiz und Schönheit alleinfalls marginal ausfallen kann. Allerdings gibt sich das Alpenvorland keine besondere Mühe, weshalb es am klassischen Ort für das passende Bild mit Blick auf Bad Wiessee, den Kampen und den Hirschberg über dem Blau des Wassers, exakt so aussieht - und den platschenden Regen muss man sich auch noch dazu vorstellen:



Nichts Besonderes also. Jemand fährt von einem verregneten See an einen See in ein Hotel, in dem die Berühmtheiten nur noch schale Erinnerungen sind, und das auch nur, weil er nicht allein ist und die Begleitung ordentlichen Komfort wünscht. Da muss ich mit meiner üblichen, von mir sehr geschätzten Bleibe in Mantua nicht gross anfangen, da muss ich mitmachen, und an und für sich ist das kein Problem: Ich kenne das alles ja. Die langen und dafür günstigen Reisen meines Blogzeitalters entsprechen meinen Wünschen, aber davor und jetzt war und wird das ganz anders. Das ist, so dumm es klingen mag, durchaus auch meine Welt. Nur war ich da schon länger so nicht mehr, weil die Prioritäten in meinem Leben nicht Hotels sind, mit denen man sich darstellen kann. Ich hatte das letztes Jahr schon in Monte Carlo und fühlte mich unwohl, und hier ist es auch nicht anders: Das ist gebuchter und gemieteter Luxus, der nicht mir gehört, und den ich hergeben muss, wenn ich gehe. Das kann also ruhig klein und günstig sein. So ein Hotel ist auch nur wie eine Mietwohnung, und am Tag der Abreise wird man von allen Privilegien entkleidet. Es ist ein Nichts, fast so etwas wie ein früher Tod.



In München eröffnet die Tage ein Geschäft für gutes Gepäck mit der Einladung von Modebloggeschmeiss, was nicht sonderlich zum Klientel passt; und bei Twitter lese ich, wie das eine wuschig macht, die sonst Ikea besucht und Sonderangebote von Nespresso schätzt. Aber hier wird dann sofort versucht, ein Stück kommerzieller Grösse zu angeln. Mit Hotels ist das ähnlich, sie sind eine Art Kleingeld unter der Repräsentanz des grossen Geldes in dieser Welt, denn auch Heiligendamm war schon im Ramsch und ausser der Saison kann man in Dubai billig Skorpione in der Dusche sammeln. Das Elend des Tourismus ist seit jeher das Halbseidene; in meinem Hotel waren es vielleicht Spieler, Heiratsschwindler und Diebe, heute muss man damit rechnen, dass am Nebentisch Reisejournaille sitzt, eine gerade passende Busladung aus Botropp oder Leute, bei denen ein Goldkettchen am Arm die Rolex darunter zerkratzt. Und sicher kommt auch die LV-IKEA-Nespressotante aus einem Kaff in Niederbayern ins Schwärmen, wenn sie es mal aus ihrer 1-Zimmer-Wohnung dorthin schafft, wo auf Villeroy serviert wird nicht bedenkend, dass die auch Hotelservice und Sanitär machen. Und es darüber hinaus noch so einiges gibt, was auch hübsch ist.



Und an dem Tag, da sie es aus der Villa hinunter in den langgezogenen Schuppen an der Gardesana geschafft hat, mit Privatzugang zum Wasser und kostenlosem Lärm und keinem Park, aber jede Menge Wellness für Extrakosten, da wird sie vermutlich auf alles herabschauen, was nicht hier ist, sondern in den Parks weiter oben ist. Immerhin wohnte hier schon Churchill! Und würde sie 60 Kilometer nach Roverbella fahren, sähe sie auch das verfallende Schloss, in dem Napoleon lebte. Oder oben in Riva die schimmelnde Villa, in der Kafka lebte.Kann man mit dem Schlafsack für eine Nacht auch machen. Bevor uns alle die grosse Nichtigkeit allen Strebens am Ende einholen wird, machen wir so viele Torheiten, aber kaum etwas scheint mir angesichts des kommenden Untergangs dümmer, als ein Selbstwertgefühl, das sich aus geliehenen oder gemieteten Möglichkeiten ergibt. Zumal man die meiste Zeit darin ohnehin verschläft. Im besten Fall bringt Reisen den Menschen weiter, aber vielleicht verführt es auch nur dazu, die inneren Brüche und Abgründe noch weiter aufzureissen. Fern der Heimat, für eine Woche, der König, um den sie alle scharwenzeln. Deheim dann wieder Mietwohnung, Kaserne, Trott, Kantine, U-Bahn. Natürlich will man da raus. Aber ein Hotel ist da eine teure Sackgasse (meines hat wenigstens eine Hauskatze namens Pedro, das wiegt vieles auf).



Ich mache mir da vermutlich Gedanken, die ich mir nicht machen müsste, denn das Hotel an sich ist immer ein Rückschritt: Ich weiss schon, warum ich stets eigenes Porzellan, eigenen Tee und eine eigene Silberkanne mitnehme. Es ist halt unvermeidlich, wenn man der Sonne entgegen fliehen will, man muss sich umleben und man ist dort nur auf Zeit, die man geniessen sollte, aber mehr auch nicht. Das ist wie ein Kinderspiel, das man irgendwann durch hat, dann müsste mehr kommen als das Packen und Gehen, und wenn man darauf keine Antwort und kein passendes Leben hat: Dann ist das vielleicht etwas wenig für ein Dasein. Zumal niemand jünger wird und auch all die lackierten Durchschnittsfressen unter Dutt und unter Stiefeln der Modeblogs mit jedem Tag etwas kaputter gehen. Man kann Vergänglichkeiten austauschen, oder sich fragen, was bleiben mag.

Mal mehr, mal weniger. Grand Hotels sind nur Durchgangsstationen. Hübsch, gelungen manchmal, fast eine Theaterkulisse. Aber nicht umsonst wandelt man sie mehr und mehr in Wohnungen um: Weil es eine Klientel gibt, für die der Schein nicht reicht, und die sich das banale Dasein unter guten Bedingungen leisten kann.

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Das Totladen der Kommentare

Nun ja.

Es gibt in Gardone Riviera Internet.

Aber keine neuen Beiträge der Stützen.

Weil die handgestrickte Kommentaradminfunktion in Italien aus was für Gründen auch immer beim Laden abröchelt. Ich habe den Verantwortlichen gesagt: Fasst die Datenbanken nicht an, das ist was für Experten und nicht einfach. Aber sie haben Javascript drübergekleistert und Überschriften drangeschraubt, und das hat jetzt eben Folgen. Vielleicht ist es so, dass es ordentlich lädt, wenn man direkt auf den Server zugreifen kann, aber mit normalen Internetverbindungen in Italien habe ich es jetzt in drei Regionen versucht: Bis zu 10 Minuten Wartezeit. Eine kleine Wartezeit auf das Jüngste Gericht.



Ja, ich finde das auch nicht lustig. Wie ich inzwischen jede Menge mit dieser Technik nicht mehr lustig finde. Im Prinzip passiert bei den FAZ-Blogs nicht, was man schreiben und kommentieren könnte, sondern das, was man gegen die Technik auf die Seite presst.

Ich bedaure das sehr. Ich bin nicht faul, ich habe nur im Moment keine besondere Lust auf die Bloggerei, und werde einfach Urlaub ohne aktuelles Bloggen machen und den Rest dann bei Gelegenheit irgendwann nachtragen.

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