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Samstag, 3. Februar 2018

Norweger für die Berge

Seit 10 Jahren wohne ich jetzt am Tegernsee.



Und das bringt es so mit sich, dass der sogenannte Winterschlussverkauf in den Niederungen mehr so ein Mittwinterverkauf für mich ist - vor April ist es in den Bergen selten Frühling, und selbst, wenn der Schnee direkt am See selten liegen bleibt, so sind doch die Höhen meistens weiss und Nachts steif gefroren. Ich habe mich in den letzten 10 Jahren unter dem Druck des Klimas massiv angepasst und gehe heute nicht mehr achtlos an Stiefeln vorbei, wenn sie gut und bezahlbar sind. Für meine Stiefel aus Verona bekam ich sogar Lob in Berlin, meine Schuhe wären die besten auf dem Podium gewesen (ich hoffe, die Damen lesen das hier nicht, ich habe keine Angst vor Mobs aus dem Netz und psychisch maroden Stalkerinnen aus der Drogenhändlerfreundeszene, aber bei gut angezogenen Frauen weiss man nie...)

Aber wie es nun mal mit den Stiefeln ist, sie sind mir eigentlich zu schade für schlechtes Wetter, mit dem Ergebnis, dass ich zwar einige Paare in verschiedenen Farben habe, aber die in aller Regel nicht trage. Die Neuesten hatte ich sogar in Berlin dabei, aber DAS wollte ich ihnen zum Auftakt nun wirklich nicht antun. Und weil das Wetter kalt bleibt und ich wieder in die Berge gehe und zufällig auf dem Weg vom Wochenmarkt bei einer Boutique vorbei kam, in der sich vor 40 Jahren die Schwulen einkleideten, und die heute auch HHochzeitskleidung für Herren und Damen führt, so ändern sich die Zeiten:



Konnte ich nicht ganz Nein sagen. Es ist schrecklich. Ich sage zwar immer, dass man nie genug Schuhe haben kann, aber ganz ehrlich, eigentlich brauche ich die Wohnung am Tegernsee allein schon, um den Schuhbesitz zu begründen: "In den Kofferraum passt nichts rein, ich kann nicht 4 Paar Schuhe mitnehmen, es müssen überall welche sein". So bedingt das eine das andere und das andere wiederum das eine.

Anfang/Mitte März machen unsere Trachtenvereine hier ihre Märkte. Ich sollte dann nach Italien reisen.

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Freitag, 2. Februar 2018

Brandenburger Frustration

Ich habe vor ein paar Monaten bei Ebay einen Rahmen gekauft, ohne nachzuschauen, ob der auch verschickt wird. Wurde er nicht. Und er war auch reichlich weit weg, nördlich von Berlin. Es dauerte also jetzt 4 Monate, bis ich die Gelegenheit hatte, ihn abzuholen: Ein Look KG131, mit 3 Rohren aus Carbon und der Rest aus Alu. Im Prinzip wie ein alter, geklebter Alan- oder Vitusrahmen, nur mit Carbon an den Stellen, wo es unkritisch ist. Einen KG 181 aus dieser Zeit habe ich schon, da ist die Carbongabel im Kopf gerissen. Und auch an anderen Stellen schaut es wüst aus. Hier nun sind 200 Gramm mehr auf den Rippen, für deutlich mehr Sicherheit: Alugabeln sind altbewährt und brechen fast nie, und der Rahmen ist in einem recht guten Zustand.



Die Idee war und ist nach dem Erwerb einer Shimano 105 3x9 Gruppe für lachhafte 50€ der Aufbau eines besonders billigen Alpenrades - vor dem Hintergrund, dass der Rahmen so viel gekostet hat, wie normalerweise Steuersatz, Sattelstütze, Cinelli-Lenker und Vorbau zusammen. Lenker und Vorbau gehen in ein anderes Projekt und sorgen dafür, dass diesews Rad unter der 300€-Grenze bleibt, und eigentlich war der Aufbau einfach. Bis ich versuchte, die Aussenhülle durch das Oberrohr zu fädeln. Da habe ich drei Tage immer wieder Züge eingeführt, gestochert, Züge geboben, weiter gestochert - es ging nicht. Letztlich musste ich die verklebte Abdeckkappe herausbrechen und feststellen, dass das Führungsrohr hinten nicht in die Öffnung führte. Man sollte denken, das wäre bei so einem Produkt besser gelöst, aber nein.

Anfänger wären mit solchen Problemen vermtlich völlig überfordert, und das kunstvolle Abbrechen von eigentlich nicht abbrechbaren Klebeteilen auf Carbon sollte man auch schon mal gemacht haben. Kauft euch Rahmen mit offen liegenden Zügen, da weiss man, was man hat, und man sieht, woran es fehlt. Jetzt ist die wilde Mischung mit vielen Teilen aus der Restekiste fast fertig, es fehlt eigentlich nur noch schönes Wetter.

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/Lauer

Als der frühere Piraten- und jetzige SPD-Anhänger Christopher Lauer im letzten Bundestagswahlkampf einen AfD-Wähler geoutet hat und dessen Identität ins Netz stellte, hatte ich ein Hintergrundgespräch mit einem relativ wichtigen, älteren Mann innerhalb der Bayern-SPD - wie es der Zufall will, kenne ich da ein paar Leute. Es war einer von denen, die kommen sahen, was dann tatsächlich bei der Wahl auch passiert ist, und der schon länger weiss, dass die Partei zunehmend den Kontakt zur Realität der Kernwähler verliert - speziell die eher linke, auf München und Nürnberg konzentrierte Bayern-SPD. Der Mann war von Lauers Aktivismus ziemlich entsetzt und meinte damals, der würde mit dieser Art in der Partei ganz sicher nicht nach oben kommen: Es sei ein Kardinalfehler, das Opfernarrativ der AfD zu füttern, indem man auch noch ihre kleinsten Wähler wie Kriminelle verfolge und versuche, sie beruflich zu beschädigen. O-Ton: Der werd bei uns nix meah.

Ich habe damals den geplanten Beitrag aufgrund der Geschwindigkeit der Ereignisse nicht geschrieben, aber nach dem, was man so hörte, hat sich Lauer tatsächlich den Weg zur parteiinternen Förderung verbaut. Wer weiss, vielleicht spielte damals auch der Wunsch mit, sich der Partei als tatkräftiger Macher zu zeigen - falls es so gewesen sein sollte, war es wenig hilfreich. Es sieht übrigens auch nicht so aus, als würde ein geschwächter Schulz irgendwelche GroKo-Wohltaten unter den Lobos dieser Nation mit der Sozispezi-Internetcharta verteilen können. Geld für Brüssel und Familiennachzug für "subsidiär Geschützte" waren der SPD wichtiger als irgendwelche Leute aus dem Netz.

Lauer hätte für die SPD vielleicht was tun können, wenn er nach der Outingnummer einen Rückzieher gemacht hätte, aber er spielte sich zumindest im Netz weiter in den Vordergtund, und gibt erst jetzt, nachdem er die Jugend im Tagesspiegel vergeblich zu einem Streik gegen die Alten aufgerufen hat, von sich aus auf.

Es will lieber studieren und promovieren, und er meint:

"Voraussetzung dafür wäre natürlich, eine entsprechende Förderung für diese Forschung zu erhalten."

Natürlich, aha, soso. Da schau an. Natürlich Förderung. Nun ja. Ausserdem wendet er sich dem Erwerbsleben zu:

"Aber auch mit einer Festanstellung hätte ich momentan kein Problem, wenn Aufgabenbereich und Rahmenbedingungen stimmig sind"

Mir ist das tatsächlich einmal in meinem Leben passiert, bei Frank Schirrmacher, der mir Honig ums Maul schmierte wie allen anderen auch, und mich behielt, weil ich das nicht wollte und bei den Blogs so malocht habe, dass ich nach 6 Monaten eine Mittelhandknochenentzündung vom Kommentieren und Editieren hatte. Ich bin noch da, weil Schirrmacher wusste, dass ich auch um 3 Uhr in der Früh noch erreichbar war und einen Hunger nach Rabatz und Debatten hatte. Ich habe nicht nach stimmigen Rahmenbedingungen gefragt,. sondern geschaut, was die anderen leisten, und versucht, doppelte und dreifache Leistung zu bringen. Lauer durfte auch ein paar Texte bei der FAZ abliefern, wie auch andere Piraten: Inzwischen macht er halt Videokolumnen beim Tagesspiegel.

Und ich habe mir einige Aspekte seines Vortrags, die ähnlich realistisch wie seine Erwartung an die Erwerbsarbeit sind, jetzt einmal genauer angeschaut und mit etwas Erfahrung unterfüttert. Es war nämlich schon immer so, dass man für die Arbeit ein wenig mehr tun musste, als Forderungen zu stellen, und ich hoffe, der alte Bayernsozi liest diesen Beitrag. Leider ist es für die Partei zu spät, es gibt da zu viele, die auf ihren Posten kleben und ähnlich verächtlich über die denken, die wirklich arbeiten und nicht einfach nur erwarten, dass ihnen jemand das Angenehme präsentiert.

Vielleicht war's das von ihm. Aber ich fürchte, spätestens wenn es Die Linke zerlegt, wird er wieder auftauchen.

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Donnerstag, 1. Februar 2018

Blogs sind nicht gescheitert

Aber die Generation von 2004 ist es.

Es ist eine Szene, die durch das Befüllen einer bestimmten Software zusammen gehalten wird, und komplexen und sehr alten Beziehungen, kreiseind um gewisse Leute in Berlin, von denen manche ihren Weg gegangen sind.

Und andere nicht.

Aussenstehende - und Verlage sind voll davon - nähern sich immer wieder mal, schauen sich das an, und sind mitunter verstört, weil es da gleich von Anfang an so eine Aufteilung gibt, wen man besser gut finden sollte, und wen nicht. Neben den Hobbyblogs für was auch immer gibt es eben diese beiden Schichten, die Mittelerfolgreichen und die Wenigererfolgreichen, die aber seit vielen Jahren persönlich verbunden sind. Die einen zeigen ihr übermaltes Gesicht bei Medien dritter Ordnung wie Funk, die anderen realisieren, dass sie vom Kuchen kein Stück mehr bekommen werden - manche auch unverdient, weil die offene Giftigkeit der Szene alle Gutmeinenden wie Frank Schirrmacher abgeschreckt hat und nicht aufhört, sie abzuschrecken - es gab da letztes Jahr mal wieder so einen "Fall" verohersagbar enttäuschter Erwartungen in einem Wirtschaftsmedium. Dass Blogs von flachen Egoshows in Video und Instagram überholt wurden, liegt meines Erachtens auch daran, dass die neuen Formate weniger soziale Altlasten mit sich herum schleppen.

Und in einer sich dramatisch wandelnden Medienwelt sind die Erfolge, die letztlich vorzuweisen sind, gering. Die Erfahrung sagt, dass etwas, das je nach Jubiläen 15 oder 11 Jahre nicht wirklich funktioniert hat, auch nicht "vor seiner Zeit" gekommen ist. Das ist in anderen Ländern anders, aber in Deutschland werden der Öffentlichkeit zu dem Thema ein Rape-Hoax-Oktoberfestlügenkonstrukt und ein Werber in schlecht sitzenden Sakkos vorgeführt, und Letzterer hat immer noch nicht Amazon übernommen. Dich Mischung macht das Betongewicht, an dem alles nach unten gezogen wird. Eine Alternative zur Selbstreferenzialität hat es nie wirklich gegeben, man macht über, aber man macht nicht selbst. Man braucht aber diese Basis, um im Kampf um Aufmerksamkeit die eigene Relevanz attestieren zu lassen.

Insofern erinnern mich die Goldenen Blogger teilweise doch an eine Mumienausstellung, oder freundlicher gesagt. das Beste der 80er und 90er Jahre.

Ich glaube auch nicht, dass man sich in 10 Jahren noch an die heutigen Youtuber eiinnert, und es ist schon was, wenn man nicht wie StudiVZ geendet ist. Aber gestern war hier das Ensemble Amacord zu Gast, und das sang ein Madrigal von gehässigen alten Frauen, die sich zukrächzen, was alles wieder war und wie übel...

Und da kam es wieder hoch, die heutigen Feministinnen, die sich vor 10 Jahren noch für einen Sprudelfrabrikanten in einer WG für eine Girls with Balls Lesung hergaben, der "Schwarzes Loch in Bezug auf Grace Jones"-Sager, dem man helfen musste, weil er ja einer von den Guten war, das zwangsweise Gutfinden von Projekten, bei denen gezielt aus allen Ecken Leute eingekauft wurden, damit deren Freunde nur ja den Mund hielten, und das kollektive Schweigen über die Ursachen des Scheiterns in Grossversuchen von Adnation über DerWesten und Blogwerk bis Krautreporter. Wir werden ja alle nicht jünger, ich selbst finde mich für die Arbeit, die ich tue, deutlich zu alt - geht das den anderen nicht so? Wollen die auch mit 70 noch erzählen, wer da 2004 über welche Kabel gestolpert ist?

Letztlich ist das alles ein kleines "Was wäre gewesen wenn". Nicht so wichtig. Es wird schon noch jemand kommen, der das richtig durchzieht. Da bin ich auch zuversichtlich.

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Mittwoch, 31. Januar 2018

Erst um 3 kamen die Wolken

Und selbst dann kamen sie nicht weit genug, um den guten Ort finster zu machen.



Genau deshalb bin ich hergezogen. Für die paar Stunden in der Sonne mehr. Klingt nach wenig, ist aber viel. Und nur gut gelaunte Menschen. Das ist grossartig.

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Dienstag, 30. Januar 2018

Ein Tegernseetag

erhöht die Sonnenausbeute im Januar um 20%. So schön ist das hier. So finster war es sonst.



(Man merkt das an der für das Land atypisch guten Laune hier.)

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Montag, 29. Januar 2018

Ich hatte einen Packen Geld dabei

Trotzdem hat mich in Berlin niemand beraubt. Vor dem Görlitzer Park dachte ich noch, ich sollte vielleicht das Geld wegtun, aber dann kam einer und sprach mich an, wir plauderten etwas, und so vergass ich das und trug so viele Scheine durch den Park, dass ich auch eine ganze Berliner Agentur für eine Woche hätte versorgen können. Aber wie man weiss, ich würde privat alles verbieten, was härter als Assamtee ist.

Die Scheine habe ich fast vollumfänglich wieder mitgebracht, weil, einfach gesagt, die Trödlerszene in Berlin tot ist. Das ist wirklich bitter, bei meinem Hotel war früher ein Auktionshaus mit ständigen Nachverkauf. Die Nachlassgeschäfte in der Flughafenstrasse sind entweder weg oder verrammelt, eines hat exakt die gleiche Auslage wie vor 9 Jahren, als ich das letzte Mal hier war, und die Scheiben wurden jahrelang nicht geputzt. Vielleicht ist im Hinterzimmer immer noch das impressionistische Gemälde von Grasse, das mir damals zu teuer war. Ich habe bei der Nummer angerufen, die an der Tür steht: Es gibt den Anschluss nicht mehr. Es gibt ansonsten Sozialberatung und islamische Hochzeitskleidung.



Die Altberliner Eckkneipe ist dagegen ein linker Szenetreff geworden, die alten Molli-Säufer mit der eher unpassenden Einstellung zu Revolution und Migration von damals sind vermutlich lange verdrängt.

Früher glich Berlin einem Kadaver, den man plündern und ausnehmen kann, und dessen Organe in zivilisierten Gegenden weiter funktionieren - ich habe meine Füsse gerade auf einem Berliner Perserteppich, der damals für 10 Euro verschleudert wurde, und der seit 10 Jahren am Tegernsee meine Füsse wärmt. Ich kenne ein paar Händler über ebay, die nur noch über das Netz verkaufen, weil sich Läden in Berlin nicht mehr lohnen. Die leicht steigenden Einkommen gehen vor allem, vermute ich, in die Mieten und die laufenden Kosten der neuen digitalen Lebensstile, Döner kostet jetzt hier auch 3 Euro, in meiner Zeit lag der Preis zwischen 99 Cent und 1,50. In dem Schnellrestaurant, in dem ich mal einem Jungen einen ausgab, sitzt ein junger Deutscher mit Mütze, beugt sich über den Tisch, stopft seinen Döner in den Mund und hat sein Smartphone hinter dem Teller an eine Packung Zigaretten gelehnt, und betrachtet es kauend. Das ist kein Ort für die prachtvollen Chinalackmöbel. die es hier früher einmal gab. Ich hin also fast erwerbslos nach Hause gekommen.



Nur ein Laden hatte offen, und der hatte einen Wäschekorb mit Porzellan vor der Tür, und darin war das kleine Blumenkind aus Volksstedt. Für 1 Euro, und so haben meine Kronacher Gärtner Nachwuchs bekommen.

Eine cisheterosexuelle, patriarchalische Kleinfamilie ist heute im Eingangsbereich ja schon fast eine revolutionäre Grosstat wider den Zeitgeist. Nicht dsss ich das für mich will. Aber jetzt sind sie halt da.

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Sonntag, 28. Januar 2018

Und dann noch was zu Alf Frommer & Cie.

Der ist noch so ein Berlinbewohner - genauer, aus dem Kiez, über den ich hier schreibe.

Also, der Frommer, der ist Werber. Ich habe nichts gegen Werber, ich bin mir sicher, wenn ich Werber kennen würde, wären einige Werber meine besten Freunde, nur der Frommer ist in Berlin und das wird wegen des Abstandes dann natürlich schwierig, und mögen tut er mich auch nicht, und fordert, dieser gute Deutsche, der keine anderen Meinungen verträgt, mit Verweis auf Frank Schirrmacher üble Konsequenzen für mich.

Und Nils Minkmar, früher Feuilletonchef und Kollege bei der FAZ. heute Spiegel, wo er antrat, um etwas Besonderes zu machen, verbreitet das auch. Hunting Season.

Ja, nun gut. Ich habe schallend gelacht.

Also, der Witz an der Sache ist, dass tatsächlich Minkmar den heutigen Wunsch von Frommer schon mal teilweise erfüllt hat. Das war im November 2012, da hat er Knall auf Fall und ohne vorherige Debatte über die Gründe das Blog Deus Ex Machina abschalten lassen. Wie sich dann bei einem Einspruch bei eben jenem Herausgeber, dessen Namen Frommers Werberfinger in die Tastatur eingaben und der sich gegen so eine Berliner Figur nicht mehr wehren kann, herausstellte, war das etwas voreilig, da gab es ein Missverständnis, jemand hatte da wohl eine Liste gemacht und es wurde nicht genau geschaut und sowas, sagte dieser Mann in seinem Ledersessel, als ich kam, um die Sache zu klären. Damit war es bereinigt, niemand wollte die Lage weiter eskalieren lassen, und Schirrmacher wollte das Blog weiterhin behalten. Es blieb allerdings der ungute Eindruck, dass der damals neue Chef des Feuilletons seine Sache schon durchzog - vermutlich muss man das in der Position machen, aber so aus meiner Warte war das... man kann es nicht anders sagen, ohne Rücksicht hinter meinem Rücken. Dass es exakt im ersten Urlaub nach einer menschlich sehr schwierigen Phase passierte, machte den Vorgang auch nicht schöner. Dass er davon ausging, dass ich den anderen Blogmitarbeitern das Ende, das er mir nicht erklärte, erklären sollte... nun, letztlich war es egal, ist ist ja ganz anders ausgegangen. Es gab kein Ende. Nur einen Irrtum.

Vidi nihil permanere sub sole, habe ich bei der Streiterei mal geschrieben. Wie unschön richtig das leider war, hätte ich mir selbst nicht vorstellen können, denn nur anderthalb Jahre später starb Schirrmacher, und alle Wege trennten sich. Wie gesagt, die Abschaltung war öffentlich und wurde bei diversen Leuten aus eben jenem heutigen Jagdumfeld schon gefeiert - ich begehe da keine grössere Indiskretion, wenn ich nach der Verjährungsfrist berichte, wie es nach meinem Erleben und Blick in die alten Mails dazu kam.

Schirrmacher jedenfalls war jemand, dem es völlig egal war, ob man seine Meinung schrieb, oder nicht. Es sollte klug und gut begründet sein, und nicht langweilen. Schirrmacher praktizierte selbst, dass es nicht eine Wahrheit gibt, sondern viele Perspektiven, und die beste Debatte aus eben diesen vehement vertretenen Perspektiven besteht. Ich würde mein Schaffen nicht alleine stehen lassen wollen, ich fordere Leibeigenschaft als Kontrast zu sozialen Versprechungen, die ebenfalls Menschen in Abhängigkeit bringen, und ich weiss natürlich auch, dass man die Migrationskrise anders sehen kann. Wenn ich jede andere Sichtweise diffamieren würde, hätte ich viel zu tun. Ich weiss nicht, ob ich recht habe oder ob es in dieser komplexen Lage das eine Recht haben überhaupt gibt, ich zweifle auch, und deshalb fahre ich auch hin und schaue mir das an. Schirrmacher meinte immer, das Haus des Vaters habe viele Zimmer, und zu meinem eigenen Erstaunen habe ich diese beiden von ihm gegebenen Zimmer weiterhin, obwohl die Blogs viele Wechsel bei der Verantwortung gesehen haben, und so viele andere Zimmer leer wurden. Ich habe selbst nie gadacht, dass ich das länger als ein Jahr machen würde. Es kam ganz anders. Nur eben einmal, ein einziges Mal, November 2012, wurde eines dieser Blogs ausgeknipst. Kurz und beiläufig. Und dann ging es weiter. Aber für ein paar Tage machte Minkmar Träume vieler heutiger Jäger wahr.

Es gibt in meinen Kreisen immer Debatten darum, was gewesen wäre wenn... und es ist kein Geheimnis, dass Minkmar einer der denkbaren Nachfolger von Schirrmacher gewesen ist. Normalerweise ist es müssig zu spekulieren, aber doch, ich denke, ich weiss seit gestern, was mit mir passiert wäre, wenn Minkmar Herausgeber geworden wäre. Dank Minkmars Verbreitung von Alf Frommer, der so absolut keine Ahnung hat von einem Menschen, dessen Andenken er mit seiner Existenz und Masche beleidigt. Man berufe sich nicht auf Menschen, die man nicht kannte, und nicht auf Menschen, die einen vielleicht nicht hätten kennen wollen. Und niemals auf jene, die sich nicht mehr gegen so eine Vereinnahmung wehren können.

Ich habe nicht die geringste Ahnung, was Schirrmacher heute zu mir sagen würde. Ich weiss es nicht. Ich war letzte Woche in Sacrow. Es hilft nichts. Es gibt keine Antwort.

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Samstag, 27. Januar 2018

/Gastautorenprogramm

Andreas Schäfer kannte ich nicht, als er für das Blogs-Buch 2003 vorgeschlagen wurde. Aber so war das eben, es war eine Zeit der grossen Offenheit. Ich habe ihn bei der Lesung in Berlin 2015 ein einziges Mal getroffen, da war er eher still und irgendwie halt dabei, mit den anderen.

Irgendwann danach maulte er mich dann an, und seitdem rennt er durch das Netz und versucht immer mal wieder etwas über mich anzubringen. Wie gesagt, es ist gut 13 Jahre her, dass er echten Kontakt unter vielen anderen hatte. Ich habe so gut wie keine Erinnung an ihn, ich weiss, wie er damals aussah, er hat heute noch das gleiche, beschönigende Bild wie damals als Avatar. Ich weiss nicht, was er tut und wo und wie er lebt - er dient sich dagegen gerade mit abfälligen Bemerkungen Leuten wie Leo G.Fischer von der Titanic und dem Neuen Deutschland an.Ich kann nichts Negatives über ihn als Person sagen, weil ich von ihm nichts Persönliches weiss. Es gibt sicher Hunderte von Menschen mit denen ich so einen "Kontakt" hatte, es ist mir auch egal. Ihm nicht.

Das ist wohl ein Hinweis auf eine gewisse erreichte Halbprominenz im Netz, aber auch auf das, was man sich im Netz so alles eintreten kann. Irgendwelche Leute, die bei den Shitstorms hervorgekrochen kommen und sich über Äusserlichkeiten lustig machen, weil sie über Innerlichkeiten nichts wissen.

Andreas Schäfer, aus München, glaube ich, zumindest damals, ist nur einer, es gibt von der Sorte so einige. Aus der Ecke kennen mich nur zwei Personen richtig gut, da habe ich bis vor ein paar Jahren einen klaren Fehler gemacht. Der Rest: Vielleicht mal am Rande einer Veranstaltung getroffen. Eine Frau, die sich Journelle nennt und mir gerade meine Privilegien vorwirft, war m.W. 20o4 oder so mal in einem Raum mit mir und ging, ohne mit mir gesprochen zu haben, falls ich sie nicht verwechsle. Klar, ich habe Privilegien, aber was meint diese Person von einem Abend vor 14 Jahren aus 10 Meter Entfernung von mir zu wissen? Ich sass mal mit einer heute halbbekannten Grünenpolitikerin am Tisch, die sich ab und zu über meine Texte beschwert und nebenbei mal mein Testprofil bei OKCupid durchwühlte: Ich weiss persönlich überhaupt nichts von ihr und habe völlig vergessen, was sie an diesem Abend sagte, aber am nächsten Tag überliess ich ihr ein Ticket. Fast alle, die sich heute zu meiner Person einlassen und sich als Kenner geben, sind nicht mal Bekannte gewesen, sondern irgendwelche über den Weg Gelaufene.

Niggemeier habe ich einmal zufällig nach seinem Abgang beim Spiegel an der Treppe n der FAZ getroffen, und auf 2 Diskussionsveranstaltungen. Treffen im Sinne von "Er stand da auch irgendwo rum". Mit Lauer war ich mal in einem Saal, durch den er seine damalige Freundin zog und mich ignorierte, was ich ihm nicht verüble. Sein Wissen hat er über einen Dritten. Ich kenne die alle nicht. Sie mich auch nicht.

Praktisch alle kommen aus Berlin oder hängen mit den Zirkeln zusammen, alle sind enorm viel im Netz und empfinden das nicht als Bürde. Ich sehe die nie in der Landschaft, es gibt kaum Bilder von Spaziergängen, Wochenmärkten, was man halt als normaler Mensch so macht. Ich denke, die verwechseln einfach Webpräsenz mit Identität, und tindern sich bhalt so ihre Peergroups zurecht, mal so, mal so. Und denken, sie wüssten schon ausreichend Bescheid.

In dem Bereich, in dem man sich ausreichend auskennt, angefangen bei der Marktfrau vom Hofladen im Moos, die meine sozialen Interaktionen an meinem Einkaufsverhalten genau beurteilen kann, wäre das extrem atypisch, man hat ja Jahrzehnte miteinander zu tun. Da gibt es natürlich keinerlei Wünsche, mit mir zu arbeiten, meine Tätigkeit mag im Netz normal sein, in meinem Leben an sich ist sie wöllig ausserhalb des Rahmens. Genauso kenne ich beruflich Leute, denen ich blind vertrauen kann. Wir mailen, aber wirklich kennen tun wir uns real. Es gibt da eine Menge Leute, die ich jederzeit einladen würde, etwas zu schreiben oder ein Projekt zu machen. Da ist einfach das Vertrauen da, manchmal kommt das auch recht schnell. Aber die andere Seite, XY macht was im Netz und nach enem kurzen Treffen oder Gespräch kann man was zusammen machen - das hat sich, vorsichtig gesagt, nicht bewährt. Es gibt euin paar echte Volltreffer. In ein paar Fällen muss ich heute heilfroh sein, dass es zu keinem realen Treffen kam. Und mitunter bin ich fassungslos, wie die abgedriftet sind.

Auf der Lesung, auf der auch Andreas Schäfer war, hatte ich Kontakt zu einem Mann, der über seine Erlebnisse in Bordellen schrieb. Das war ein tolles, interessantes und überlegt formuliertes Blog. Er kam, setzte sich in einen roten Plüchsessel, und wurde von Frauen umlagert. So war das damsls. Ganz offen, ganz einfach, tolerant und geistreich. Heute würde man den Mann vermutlich aus dem Saal jagen, Letzte Woche in Berlin habe ich von vielen das Gleiche gehört: Verlust von Freunden an politischen Fragen und Einstellungen zum Leben, und zwar in Punkten, die früher vollkommen irreal waren. Wer hätte 2005 an Migration gedacht? Ich kenne Feministinnen, die noch 2012 über Critical Whiteness lachten und heute selbst intersektionell ihre Unterwerfungsrolle in der Benachteiligungshierarchie suchen. Einfach, weil sie sonst nicht den ideologischen Vorgaben entsprechen.

Ich bin da inzwischen abgehärtet; Freundschaften, die an politischen Fragen zerbrechen, weil jemand die Unterschiede in der Auffassung nicht erträgt, waren keine, sondern einfach nur Fehleinschätzungen. Speziell Twitter ist ein Sammelbecken für Awareness-Junkies, die Bewunderung suchen: Ich husche da nur durch. Man kann sich da auf nichts, wirklich gar nichts verlassen. Finger weg. Mag ja sein, dass jemand Hilfe bräuchte, einen Einstieg, was auch immer: Man kann nie wissen, wie es ausgeht. Warum sollte man sein gutes, echtes Leben riskieren, nur weil man ene falsche Entscheidung im Netz getroffen hat?

Mir ist das heute klar geworden, als ich die Dreckskampagne gegen Hilary Clinton las: Sie hatte 2008 mehrere hundert Mitarbeiter in ihrer Kampagne, einer davon soll angeblich eine Frau an der Schulter berührt, an der Stirn geküsst und ihr suggestive Mails geschrieben haben. Keine Vergewaltigung, nichts Justiziables, dumm, unpassend, sicher, wenn es stimmt, aber allenfalls ungebührliches Verhalten. Clinton war damals voll im Stress und entschied sich gegen die empfohlene Entlassung des Mitarbeiters. Es ist eine aus der Situation nachvollziehbare Entscheidung, und es macht sie nicht zur Täterin, sondern allenfalls zur Getriebenen der Umstände. Das wird jetzt aber von mehreren anonymen Quellen der New York Times zugesteckt. Denn es ist MeToo, und da wird erwartet, dass man sich schon 2008 wie die Reinsten der Reinen 2018 zu verhalten gehabt hätte. Es ist ein kafkaesker Albtraum auf zwei Zeitebenen.

So läuft das aber im realen Leben nicht. Einer von denen, die mit meiner Bekanntschaft hausieren gehen, ist inzwischen so ein Reiner. Als wir mal durch Berlin fuhren, erzählte er, dass Berliner Polizisten gern mal nach Brandenburg fahren, um "zufällig" in Konfikte mit Kriminellen zu geraten, denen man sonst nicht beikäme, und sie zu verprügeln. Er fand das damals gut. Er fand damals vieles gut, gegen das er sich heute vehement ausspricht, uind der Witz ist: Er konnte beide Haltungen wirklich gut begründen- Das kann man meistens, es gibt immer Arguemnte für und wider einen Standpunkt, nichts macht einen deshalb gleich zum schlechten Menschen. Pardon, machte. Heute macht es das natürlich, denn der 2005er Klops ist 2018 in sich geschlossen und weiss genau, was richtig ist, udn was falsch und was man mit dem Falschen tun darf. 2005 war schön, aber brauche ich 2018?

Und, was habt Ihr so am 27. Januar getan? #Weremember getwittert und als gute Deutsche gefordert, dass jemand mit einer abweichenden Haltung seinen Job verliert. Ja prima. Voll aus der Geschichte gelernt

Also, so läuft das, und ich bin da wahrlich kein Einzelfall. Es gibt eine elende, widerlich dogmatische Repolitisierung des Netzes, das macht es so toxisch, und deshalb werfe ich meine Netze lieber woanders aus. Es gibt gute Leute, nur halt ohne Netzrisiko, durch das sie gleichgeschaltet werden. Reden kann man immer, aber die Impuslivität des "Lass uns was machen", die ist heute falsch. 2005 war sie richtig, aber wer hätte schon wissen können, wie sieh so ein Eckensteher 2018 benimmt? Die Zeiten ändern sich, die Menschen ändern sich, man passt sich halt an. So einfach. Schade. Blöd. Ist so. Werden sie damit glücklicher, als sie sind?

Mir geht es gut, ich bin halt weit, weit weg von dem allem. Das ist ein Privileg.

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