Phantomschmerzen

Immer, wenn ich in der Schweiz bin, frage ich mich, wie eigentlich Deutschland aussehen würee, hätte es den 2. Weltkrieg nie gegeben.







Denn diese weitgehend intakten Innenstädte, wo niemand etwas wegbombte und danach auch kaum jemand grossflächig alte Gebäude abreissen liess, jedenfalls nicht allzu viel - diese Altstädte haben einen enormen Reiz. Da kann man über die Schweiz sagen, was man will: Es ist einfach sehr lebenswert hier.



Auch die Sache mit den Preisen muss ich relatvieren: Wenn Quark für 2,50 CHF enorm teuer ist, ist doch eine geflammte Biedermeierkommode in Kirschholz auch mit ein paar kleinen Schäden für weniger als 200 CHF geradezu nachgeschmissen. Aber auch hier: Zwei Weltkriege weniger lassen mehr überleben.

Freitag, 25. Juni 2010, 22:01, von donalphons | |comment

 
Wirklich hübsch und preiswert.
Aber wie bekommst du die in die Barchetta?

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Die Kommode ist wirklich... herrlich!

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So:


Und den Rest bei der nächsten Tour.

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...tja, das geht mir genauso. Deutschland hat halt keine Geschichte (mehr)... jedenfalls keine städtebaulich und architektonisch manifeste und also sichtbare...

Und btw: Ist es nicht erstaunlich, daß man in manchen deutschen Landen heute sogar noch die Nachwirkungen des Dreißigjährigen Krieges bemerken kann ?

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Trotzdem fehlt da was
Die Schweiz ist sicher hübsch, aber es fehlt was.
Ich frag mich immer, wie sie aussehen würde, wenn es diese lächerliche Revolte in den 1290ern nicht gegeben hätte.
Dann gäbe es hier oder dort vielleicht sowas wie eine gescheite Schloßanlage, eine römischkaiserliche oder sonnenkönigliche Residenz.
Aber so sind es nur peinliche HOtels und was dazu taugen könnte.
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Die Häuser auf den Bildern sind manierlich und praktisch, aber architektonisch belanglos. Und so ist die Schweiz insgesamt. Alles gediegen, alles hübsch, aber wenn man wirklich geniale Architektur sehen will, muss man weiterfahren nach Mafia-country.
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Weltkriege werden überschätzt. Die Häßlichkeit deutscher Städte kann mit den alliierten Bombenteppichen nicht hinreichend erklärt werden. Das kommt von innen.

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Prägnant und mit Orson Welles
klingt das dann so:
„In den dreißig Jahren unter den Borgias hat es nur Krieg gegeben, Terror, Mord und Blut, aber dafür gab es Michelangelo, Leonardo da Vinci und die Renaissance. In der Schweiz herrschte brüderliche Liebe, fünfhundert Jahre Demokratie und Frieden. Und was haben wir davon? Die Kuckucksuhr!“

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Lieber hansmeier,

Sie haben in Ihrem letzten Absatz das pointierteste und prägnanteste Architektur- Resümee der deutschen Nachkriegsgeschichte geschrieben.

Mit Verlaub, ich werde Ihnen dieses Zitat stehlen, in archtitektonischen Diskussionen mit Frankfurtern, Berlinern und vor allem Köllnern.

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sylter,

orson welles ist zwar prägnant, aber

der wesentliche schweizer ausführartikel waren lange zeit söldner, bis 1859 das reislaufen verboten wurde.
die kuckucksuhr kommt aus dem schwarzwald und ist dort eher der not als dem frieden und der brüderlichen liebe geschuldet.

man mag die bezeichnung klassenkämpfe in der schweiz lächerlich finden, aber es gab dort in den zwanziger und dreissiger jahren derartige auseinandersetzungen, bei denen es zur sache ging.

die verflechtungen zwischen banken, industrie und staat (auch bei der richter und sein henker angesprochen) fanden ihren ausdruck in der organisation der milizarmee, von der ein schweizer sagte, es sei gerade typisch, dass der militätische vorgesetzte auch im zivilleben der chef sei.

wer die abgründe schweizer bürgerlichkeit sehen will, dem sei die biografie und das werk von friedrich glauser empfohlen.

für den freund der gepflegten, bubble-gestützten wirtschaftsgesinnung: gottfried keller, martin salander.

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hansmeier,

dafür durften die württemberger gut und blut für die ruhm- und bausucht ihrer fürsten opfern, wie in dem tendenzstück "kabale und liebe" dargestellt,

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hansmeier hat ja recht. Wenn man seht, wie nach dem 2. Weltkrieg die Städteplaenr z.B. in Hamburg gewütet haben oder wie heute noch in Kleinstädten, 300 Jahre und ältere Bausubstanz Verkehrskreiseln geopfert wird, dann erübrigt sich bei der Architekturkritik jeder Verweis auf die Folgen des Krieges.

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@strappato:
Ja, stimmt, in Mannheim wurde nach dem Krieg fast nochmal soviel alte Bausubstanz plattgemacht wie von den aliierten Bombern. Seit der Gründung 16irgendwas ist die Stadt viermal fast komplett zerstört worden, von daher hat sich da wohl eine gewisse "sch... drauf"-Haltung herausgebildet.

Ein bisschen "was wäre wenn" kann man übrigens im benachbarten Heidelberg sehen, das ja von den Bombern verschont wurde: eine weitgehend intakte Altstadt, aber ansonsten ist das Stadtbild auch durchaus nicht frei von Bausünden und Hässlichkeiten.

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zu heidelberg

buselmeier, der untergang von heidelberg

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wie Deutschland aussehen würde, wenn...
Die Antwort gibt Jörg Friedrich mit seinem Buch "Der Brand". Jdf. mir ist nicht bekannt, wo sonst so komprimiert die Architekturgeschichte Deutschlands dargestellt wäre. Friedrich schildert nicht nur die Zerstörung, die oft binnen weniger Minuten erfolgte, sondern mindestens genauso ausführlich die Entstehung, die oft Jahrhunderte dauerte. Man reist nach der Lektüre für immer mit anderen Augen durch Deutschland - und zwar unabhängig von persönlichen Ansichten über Ursache und Wirkung und sicher auch unabängig von nicht unbedingt geschmacksicheren Gotta-smoke-them-out-Witzchen. Die Revanchismus-Vorwürfe gegen diesen anerkannten Holocaustforscher sind ohnehin absurd und stehen in keinem vernünftigen Zusammenhang mit den in diesem Buch zusammengetragenen Fakten.

Sozusagen Pflichtlektüre für alle, die in Essen denken, dass sie dann lieber nicht Kotzen sehen und in Siegen gar nicht wissen wollen, wie verlieren aussieht.

Molinero, Köln ist da ein besonders gutes Bsp. Es gab diese Stadt praktisch nicht mehr; die Trümmer wurden jahrelang immer wieder umgepflügt. Nach dem Krieg mußte dann schnell neues Obdach geschaffen werden. Man hatte weder die Zeit noch die Mittel, auf die ästhetischen Vorstellungen pensionierter Altphilologen Rücksicht zu nehmen. Nebenbei: was Sie da für pointiertest und prägnantest halten, ist kaum mehr als die freie Übersetzung eines Ausspruchs Prince Charles´ über die moderne Architektur Londons. (Jedes Land hat halt seine mehr oder weniger berufenen und befähigten Architekturkritiker)

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komisch, das dachte ich neulich in den niederlanden.
aber das hängt wohl von dem jeweiligen deutschland ab, das man sich so vorstellen möchte.

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Danke, vert.
Die ganze Zeit überlege ich, wie sagen, was mich hier stört.
Sie sagen es.

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die weggabelung war schon früher:

1848 verlief in der schweiz für die bürger erfolgreich.
1914-18 hielt man sich militärisch ´raus, wirtschaftlich war das hochprofitabel.

die preise für quark haben damit zu tun, dass dort die landwirtschaft noch mehr subventioniert wird.

die preise für biedermeierkommoden? ist da schon der künftige bruch des bankgeheimis eingepreist? oder gibt es auch dort eben leute, die rasch mal geld brauchen?
eine gute empfehlung für flucht in sachwerte, mal sehen, wie lange es braucht, dort die preise zu treiben. der euro verliert ja in letzter zeit gegenüber dem franken.

derzeit läuft es in der schweiz dorthin, dass sich alles auf die region zürich konzentriert. offenbar gibt es auch in der schweiz etliche modernisierungsverlierer, denen die ganze richtung nicht mehr passt, puppenstuben hin oder her. oder woher sonst sollen die populisten ihre unterstützung her haben? näheres dazu gibts bei der weltwoche.

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...ein glücklicher Zufall wollte es, daß sich Martin Mosebach heute im Feuilleton einer bekannten Frankfurter Zeitung sehr ausführlich und klug mit der hier behandelten Thematik befasst...
A nice little reading an einem schönen Samstagmorgen, an dem man sogar im Taunus das Frühstück im Garten einnehmen kann...

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der artikel in der faz von jürg altwegg "wir wollen deutschland" ist ebenfalls zu empfehlen.

zitat:
"Doch in den angesprochenen Gebieten, denen die SVP eine neue Heimat anbietet, ist das Echo weitgehend positiv. In Obersavoyen gibt es längst eine Unabhängigkeitsbewegung, die zur Schweiz möchte. In Como hat eine Zeitungsumfrage ergeben, dass vierundsiebzig Prozent den Anschluss gerne vollziehen würden. Auf „Vorarlberg online“ werden die Qualitäten der Schweiz unterstrichen: „Geordnete Staatsfinanzen, höherer Lebensstandard, Probleme werden gemeinsam mit dem Volk gelöst.“ Aus Baden-Württemberg tönt es ganz ähnlich: „Die Schweizer sind uns von der Mentalität her näher“, schreibt ein Leser des „Südkuriers“ in Konstanz: „Nichts wie weg von den Pleitegeiern aus Berlin.“

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Architekturabhängige Erweiterung ...
... Der Schweiz?

http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E8D0667B7609A41ABA04824F25CE15B53~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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Das Prinzip "Schweiz" ist keine Lösung
Den Grund konnte ein unlängst verstorbener bayerischer Staatsmann genau benennen: Deutschland kann sich eben nicht auf einen "Logenplatz in der Weltgeschichte" zurückziehen.
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Wir sind die Bühne, verdammt noch mal!
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Aus dem Ersten Weltkrieg sich heraushalten - Ihr seid ja lustig! Einfach zugucken, wie Engländer, Franzosen, Russen, und sogar Belgier (dz dz) die Welt unter sich aufteilen und selber nix abbekommen -- das geht nicht! Dagegen stehen eben nicht nur wirtschaftliche Notwendigkeiten, sondern auch sportlicher Ehrgeiz.
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Krieg ist, wie gesagt, eigentlich Sport, und wer sportlich denkt, darf sich dem Wettstreit nicht versagen. Wer kämpft, kann verlieren, aber wer nicht kämpft, hat schon verloren.
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Und da kann man den Deutschen nix vorwerfen. Sie haben es versucht, sie haben gekämpft, sie haben "alles gegeben", nicht nur Gold für Eisen. Sie haben sich mit drei bis vier Großmächten gleichzeitig angelegt, hatten zahlreiche gute Chancen und sind erst in der Nachspielzeit unglücklich untergegangen.
Man darf das alles nicht nur vom Resultat her betrachten. Es geht ums Dabeisein, nicht ums Gewinnen. (Wer immer nur gewinnen will, soll halt hilflose Naturvölker besiegen und sich darauf etwas einbilden).
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Wie schön zu wissen, dass auch unsere heutigen Politiker diese Lehre nicht vergessen haben. "Deutschland darf nicht abseits stehen", "Deutschland muß Verantwortung übernehmen", etc. pp.; Auch die "Bündnis"-Grünen bekennen sich längst zu diesem Dogma unserer politischen Klasse.
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Eher verzichten wir auf die Teilnahme an der Olympiade oder der Fußball-WM.

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Der eine Grafiker aus dem Grafikbüro unten im Haus drückt Besuchern immer dieses Buch in die Hand.

Und München ist dabei noch gut weggekommen im Vergleich zu, sagen wir mal, Frankfurt...

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also hansmeier 555, der letzte Satz ihres Kommentars erscheint wie ein typisches Beispiel der ewigen deutschen Selbstzerfleischung. Er ist mir zu absolut und zu simpel. Denn die alliierten Bombenteppiche haben sehr wohl masiv dazu beigetragen, daß in diesem Land so ziemlich jede Ansiedlung mit mehr als 100000 Einwohnern zu dem wurde, was einem heute den Augenkrebs und die Herzschmerzen verursacht. In Berlin wurde in den zwanziger Jahren bereits damit begonnen, den Stuck der Fassaden abzuschlagen, es gab Neubauten über die man geteilter Meinung sein kann, aber das Ausmaß dessen, was wir heute an Häßlichkeit sehen müssen hat durchaus sehr viel zuerst einmal mit alliierten Bomben und danach dann mit der (Nachkriegs-) Mentalität zu tun.

http://www.amazon.de/Kriegsschicksale-Deutscher-Architektur-Nord-Bundesrepublik/dp/392664222X

http://www.amazon.de/Schicksale-Deutscher-Baudenkmale-2-Weltkrieg/dp/3926642246/ref=pd_sim_b_1

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Ja, aber wozu braucht eine Nicht-Weltmacht schöne Häuser?

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Sie sagen es, Frau Jott!
Wo in Europa gibt es denn Nachkriegsarchitektur in nenneswertem Umfang, von der der deutsche Rotweintrinker schwärmen würde? Ein bißchen in Spanien? Ja, aber erkauft mit Elendsvierteln. Hundertwasser? (war nur Spaß).
Tatsächlich sind diese unberufenen Kritiker doch immer nur von den Altstädten beeindruckt. Und schwadronieren dann von Hamburg-Steilshoop. Ausgerechnet Hamburg! In keiner echten Großstadt wurde das Dilemma aus Obdachlosigkeit und der Erhaltung der restlichen Bausubstanz so umsichtig, feinfühlig und klug gelöst.
Die, die so etwas wirklich interessiert, d.h. die nicht nur ihre peinlichen Floskeln aus dem Sozialkundeuntericht loswerden möchten (Deutschland ist kinderfeindlich und hat eine häßliche Architektur, weil sie von Deutschen stammt) sollten neben den von Ihnen angeführten Werken vielleicht mal in einen der zahlreichen Bildbände über die Operation Gomorrha schauen (ja, sogar in Farbe!) Ein Großteil dessen, was heute in Hamburg schön ist, bestand nur noch aus den Resten von Fassaden und sieht heute wieder so aus wie vor 1943. Die Verantwortlichen haben offenbar um jede Fassade gerungen und auf diese Weise das schöne Stadtbild erhalten.

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Man vergesse bei dem Thema nicht, dass nach dem Krieg dringend dringend dringend Wohnraum für die Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen benötig wurden, die mit Handkarren und ähnlichem aus den verlorenen Reichsgebieten kamen und untergebracht werden mussten. Da herrschte blanke Not und es interessierte erst einmal niemanden, ob eine Fassade gelungen ist.

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