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Mittwoch, 9. Januar 2008

Dirt Picture Contest - Keine Matratzengeschenke

Die leute, meinte die mir den Abend verschönernde Begleiterin gestern, die Laute haben zu Weihnachten oft neue matratzen bekommen und stellen ihre alten jetzt einfach auf die Strasse. bei Dunkelheit sah das nach einer logischen Erklärung aus. bei Lichte betrachtet jedoch, gibt es einen Haken:



Diese Matratzen hier sind schon so lange draussen, dass der Bezug durchgemodert ist. Selbst unter Berücksichtigung der hiesigen Matratzenqualität, die ungefähr so ausgeprägt wie die Freundlichkeit der Einheimischen und der Erfolg der Blogvermarkter ist: So schnell geht das mit dem Vermodern auch in Berlin nicht. Was nur bedeutet, dass diese Bettverweichung hier schon etwas länger steht. Vielleicht schon seit Herbst, oder noch länger. Manches modert in Berlin ja schon seit der Re:Publica vor sich hin. Wer kann schon sagen, seit wann es hier in Kreuzberg liegt. Zusammen mit einer Kleiderstange und einem Stuhl ohne Lehne.

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Donnerstag, 6. September 2007

Dirt Picture Contest - Münchner Interludium

Grosse Glasflächen sind anfällig für Verschmutzung. Deshalb sollte man sie ab und an putzen, will man den gepflegten Eindruck moderner Architektur erhalten. Wenn man es nicht macht, sieht es aus wie in Berlin, obwohl das hier die gefeierte Pinakothek der Moderne in München ist.



Im Betondach haben manche Lampen auch schon die Aabdeckungen verloren. Allerdings ist Versagen bei Prestigebauten fast schon traditionell; WAA, Transrapid und die Staatskanzlei geben Auskunft über den hiesigen Hang zum Grössenwahn. Traditionelles auch in der U-Bahn: Die Wiesn nähert sich mit billig in Fernorst zusammengenähten Minidirndln für Zuagroastntritschn.



Das ist der ewigee Kreislauf der Stadt. Der Münchenroman schlechthin heisst "Erfolg", wurde von einem nach Berlin exilierten Münchner namens Feuchtwanger geschrieben und wird noch lange aktuell bleiben - und um die versöhnlichen Momente beraubt, wäre es ein Abbild der Stadt Berlin a. d. Spree.

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Mittwoch, 20. Juni 2007

Dirt Picture Contest - Schutzanstrich

Das letzte Mal war ich vor drei Monaten in Berlin. Gleich neben der Haustür in einem der teuersten Viertel der Stadt - dem Helmholtzplatz - war ein dreiviertel voller, leicht zerknautschter Kanister mit Schutzanstrich aus Epoxybasis. Das Zeug ist giftig, in der Folge gesundheitsschädlich und sollte nicht einfach so rumstehen, also dachte ich, dass es vielleicht zur Baustelle ein paar Häuser weiter gehört. Und machte kein Bild davon für diesen Award. Was sehr schade ist. Denn heute ist es drei Monate später, die Flasche steht immer noch da, ein wenig Material hat sich verflüchtigt, vielleicht hat auch ein Schwabe ein kleines Drogenexperiment gemacht, sie ist ein wenig mehr verrottet und der Aufkleber ist inzwischen verwaschen.



Und wir sollten uns allesamt nicht wundern, wenn ein Gossenblatt demnächst etwas von einer durch das faksche Getränk entstandenen Kinderleiche am Helmholtzplatz textnuttet.

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Sonntag, 25. März 2007

Dirt Picture Contest: Brot trocken lagern

Nicht alle Hoffnung ist im Slum vergeben. Mitunter zeigen sich Reste guter Erziehung an Orten, wo man es am wenigsten erwarten würde: Etwa hier gegenüber der Kulturbrauerei. Natürlich sind hier elendigliche Dreckschweine am Werk, natürlich treten sie die Zivilisation mit Füssen, und natürlich stimmt jeder kultivierte Mensch hier überein, dass sie später mal, wenn sich das Prekariat als Arschlochkarte erweist, sie zurecht hungern werden. Aber etwas Gutes ist auch in solchen Kotzbrocken, die dergleichen hinterlassen:



Da muss es einen Moment die Erkenntnis gegeben haben, dass man ein angebissenes Brot immer trocken lagern muss. Also nicht auf den regennassen Boden damit, wo es der nächste in die Lücken zwischen den zerborstenen Platten tritt, sondern an einen Ort, wo es geschützt ist und vielleicht dereinst in der kommenden schlechten Zeit, die schon in wenigen Minuten beginnen kann, wenn der Geldautomat nichts mehr hergibt, nochmal der Verdauung zugeführt werden kann. Aber offensichtlich war das Konto noch nicht voll überzogen, deshalb blieb das Brot doh hier auf der Fensterbank liegen.

Kein Problem. Wenn man nach dem Säuberungszustand des Fensters geht, wird der innwändige Bewohner das Problem erst wahrnehmen, wenn die Schimmelflecke sich weiter empor gearbeitet haben.

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Samstag, 24. März 2007

Dirt Picture Content - Richtung Nirgendwo

Manchmal erkennt man sofort, was da die Strassen der Stadt verdreckt. Beim ersten Blick, Riechen, oder schlimmer, drauftreten, wird klar, welcher Mitbürger hier wie kein Verhältnis zu denen aufgebaut hat, die ihn als solchen bezeichnen. Und in der Art der Verantwortungslosigkeit gibt es durchaus Unterschiede. Manche versuchen beispielsweise, den Dreck so zu stellen, dass er den Weg nicht allzu sehr verstellt. Andere versuchen sogar, Sofas als Stadtmöblierung zu verkaufen. Der hier aber wollte vielleicht ein Rätsel aufgeben.



Es ist nur ein halber Pfeil, ausgesägt aus dem Pressspan irgendeines lang vergangenen Möbelstücks, und er weist in der Lychenerstrasse nach Süden. Vielleicht ein halbherziger Versuch, einen Weg raus aus der Müllkippe zu finden? Ein Hinweis auf eine Party in irgendeinem Keller, weiter vorne?

Vielleicht findet sich eine Lösung während der kommenden Monate, da dieser halbe Pfeil weniger die Richtung als das Versagen der Stadt vor dem Müll zeigen wird.

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Dienstag, 20. Februar 2007

Dirt Picture Contest - Hartzwarze

oder auch VW Astra
oder auch Weicheikocher
oder auch Roadster für Hamburger
oder auch Das Schlechteste aus beiden Welten
oder auch Der feuchte Traum des Sachbearbeiters
oder auch Wenn die Schildkröte das Kamel schwängert
oder auch Das Auto zum Viraldrecksblog des Glotzenschleims



oder auch Rechts geht´s zum Sondermüll.

Wieso kommt sowas durch die TÜV?

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Montag, 12. Februar 2007

Dirt Picture Contest: Opa war Berliner

Nehme ich bei dem Verursacher dieses Trümmerhaufens an, der mich beim Verlassen des Taxis an der Olev Zion Street anlächelte.



Ja. Ich sage anlächelte. Das hier ist Jaffa, das ist der Nahe Osten, da mache ich zivilisatorische Abstriche. Ich kann hier drüber lächeln - oder vielleicht ist es auch nur der Umstand, dass der Mull im Februar bei 20 Grad plus (!) unter Palmen rumsteht. Um das Sideboard ist es etwas schade, nachdem "Inneneinrichtung" in Israel ohnehin nicht wirklich viel zu bieten hat. Der Umstand, dass jetzt, 20 Jahre nach dem Ende der Starck-Mode in Europa, Philippe Starck hier noch Hochhäuser baut und man das als Triumpf feiert, zeigt, wo wir sind. Mehr Jaffa gibt es hier

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Sonntag, 4. Februar 2007

Dirt Picture Contest - Nachtlager

Fremder, kommst Du nach Berlin und hast kein Hotel - alles kein Problem, direkt vor der Internetspätkaufklitsche mit den schmierigen Bierflaschen im Fenster wartet Dein Lager.



Nur das Laken, das musst Du noch selbst aufspannen, im hippen Szenebezirk Kreuzberg. Gute Nacht in Berlin.

Heute geht es heimwärts.

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Donnerstag, 1. Februar 2007

Dirt Picture Contest - In Situ

Ihr habt den zertrümmerten Fernseher im Schnee schon wieder vergessen, stimmt´s? Ihr habt kein Herz. Vermutlich lest Ihr deshalb dieses Blog. Jedenfalls, der schmutzfinkige Berliner als ein solcher hat das Leid der einsamen Technik erkannt und ihr eine ordentliche Gesellschaft verpasst, denn wo schon was ist, da soll auch was sein:



Zwei Plastikflaschen für destiliertes Wasser stehen links davon. Für welche Rauschmittelproduktion braucht man das eigentlich? Bei uns daheim füllt man das Wasser in Bügeleisen, aber wenn ich mir hier die Leute so anschaue, kann es das nicht gewesen sein. Und daneben steht jetzt seit zwei Tagen ein geklauter Einkaufswagen. Der ist besonders interessant, denn wie wir wissen, benutzt der Berliner wie jeder Angehörige primitiver Kulturen solche mobilen Gefässe zum Ablagern von Müll - Mülleimer dagegen gelten hier, sagt das Gerücht, als Basismaterial für Wohnungseinrichtungen.

In meinem Studium nun nutzt man solche Befunde, um Auskunft über das Leben der Leute zu erhalten. Hier ist alles in situ, was sich in den letzten 24 Stunden abgelagert hat, und es vermittelt doch einen recht guten Einblick in die Lebensgewohnheiten zwischen Diät und Krankheit, zwischen Deadline-Fastfood und Besäufnis, kurz, es ist so, wie dieses Viertel eben ist.



Danke für diese bestätigenden Befund, liebe Mitte-Berliner aka digitale Bohäme. So kennen wir Euch, und wenn Ihr demnächst folgerichtig aussterbt, wird zumindest die Erinnerung an Euren Müll bleiben.

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Mittwoch, 31. Januar 2007

Dirt Picture Contest - Wo die Sofas hingehen

Man sieht all die Sofas auf Berlins Strassen, die billigen und heruntergewirtschafteten Reste der Freizeitgestaltungsunterlagen, sei es nun für Glotze oder Begattung. Irgendwann sind sie durchgesessen; desto billiger, desto eher; und dann legt man sie auf der Strasse ab, wo sie bleiben, weil sie nicht in die Tönnchen passen. Soweit ist alles klar.

Aber dann? Wenn das jeder so macht und alle Sitzmöbel liegen lassen, müssten die Strassen bald überquellen von alten Sofas. Tun sie aber nicht. Warum das so ist, kann man an der Prenzlauer Allee anschauen, auf einem der idyllischen freigebombten Grundstücke, die an Berlins beste Zeit Mai/Juni 1945 erinnern:



Halb im Sand versunken, steht hier ein halbes Dutzend unterschiedlichster Sofas, in allen Farben, Formen und Verwesungszuständen. Was hier noch fehlt, ist ein Brlin-Mitte-Autor, der vor grölenden, viel zu kurzen StudiVZ-Mitarbeitern Texte über das Cool sein vorliest, weil er einen Job braucht und mal wieder den falschen Leuten aufgesessen ist.

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