Montag, 12. Januar 2004
Ich war eine Werbeagentur
Nicht nur irgendeine.

Ich war Jung von Matt an der Isar. Ich habe immer noch einen grossen Parkplatz für schicke Wägen, hohe Räume mit viel Licht von oben, ich liege verkehrsgüntig in einem Areal, das mal sehr zukunftsorientiert werden sollte. Viele kleine, kreative Firmen. Leider kam dann das Jahr 2000, die Pleitewelle, und 2002 wurde JvM an der Isar aufgelöst.
Da, wo der Name in weiss an die grüne Metalltüre gemalt wurde, steht jetzt for sale. Und das schon etwas länger.

Ich war Jung von Matt an der Isar. Ich habe immer noch einen grossen Parkplatz für schicke Wägen, hohe Räume mit viel Licht von oben, ich liege verkehrsgüntig in einem Areal, das mal sehr zukunftsorientiert werden sollte. Viele kleine, kreative Firmen. Leider kam dann das Jahr 2000, die Pleitewelle, und 2002 wurde JvM an der Isar aufgelöst.
Da, wo der Name in weiss an die grüne Metalltüre gemalt wurde, steht jetzt for sale. Und das schon etwas länger.
donalphons, 04:08h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 3. Januar 2004
Fachhochschule
Die Stadt war jahrelang sehr umtriebig und hatte einen guten Draht zur Staatsregierung. Im Rahmen einer "Bildungsoffensive" ergatterte die Stadt eine Fachhochschule und die dazu gehörenden Mittel.
Es waren die fetten Jahre Mitte der 90er. man gönnte sich was. Zum Beispiel eine poststrukturalistisch tuende Architektur mit schiefen Mauern und viel Glas am Rand der Altstadt. Es erinnert nicht nur äusserlich an ein gewächshaus. Ohne aufwendige Klimatisierung und Sonnensegel wäre es die eine Hälfte des Jahres bitterkalt und die andere zu heiss.

Trotzdem: Für durchreisende Politprominenz machte das Dind was her. So sollte die zukünftige Bildung des Freistaates aussehen: Kleine Prestigeprojekte mit punktgenauer Förderung für die Elite in den tiefschwarzen Städten der Provinz, statt der Massenbetriebe in den roten Metropolen. Ganz ohne die Orchideenfächer, deren Studenten auf dem Arbeitsmarkt chancenlos waren.
Allerdings ist der Freistaat jetzt in der Bildungsdefensive. Es wird kräftig gekürzt, und zwar nach der Rasenmähermethode. Auch bei den Hätschelkindern. Hier geht es auch relativ leicht, denn die Studenten sind hier nicht so radikal wie in den Metropolen. Angst führt hier nicht zum Aufstand. Und auch weiterhin wird es im poststrukturalistischen Klotz besser sein als an vielen anderen Orten.
"Wissen schafft Bildung" steht an der Bushaltestelle vor dem Gebäude auf einem Plakat. Man sieht eine glückliche Blondine mit Laptop, die die hier ausgebildeten, offensichtlich dynamischen und erfolgsorientierten Menschen symbolisiert. Zumindest für eine Werbekampagne reichen die Mittel auch in der Krise noch.
Es waren die fetten Jahre Mitte der 90er. man gönnte sich was. Zum Beispiel eine poststrukturalistisch tuende Architektur mit schiefen Mauern und viel Glas am Rand der Altstadt. Es erinnert nicht nur äusserlich an ein gewächshaus. Ohne aufwendige Klimatisierung und Sonnensegel wäre es die eine Hälfte des Jahres bitterkalt und die andere zu heiss.

Trotzdem: Für durchreisende Politprominenz machte das Dind was her. So sollte die zukünftige Bildung des Freistaates aussehen: Kleine Prestigeprojekte mit punktgenauer Förderung für die Elite in den tiefschwarzen Städten der Provinz, statt der Massenbetriebe in den roten Metropolen. Ganz ohne die Orchideenfächer, deren Studenten auf dem Arbeitsmarkt chancenlos waren.
Allerdings ist der Freistaat jetzt in der Bildungsdefensive. Es wird kräftig gekürzt, und zwar nach der Rasenmähermethode. Auch bei den Hätschelkindern. Hier geht es auch relativ leicht, denn die Studenten sind hier nicht so radikal wie in den Metropolen. Angst führt hier nicht zum Aufstand. Und auch weiterhin wird es im poststrukturalistischen Klotz besser sein als an vielen anderen Orten.
"Wissen schafft Bildung" steht an der Bushaltestelle vor dem Gebäude auf einem Plakat. Man sieht eine glückliche Blondine mit Laptop, die die hier ausgebildeten, offensichtlich dynamischen und erfolgsorientierten Menschen symbolisiert. Zumindest für eine Werbekampagne reichen die Mittel auch in der Krise noch.
donalphons, 23:34h
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Dienstag, 30. Dezember 2003
Messe München
Ende der 90er Jahre setzte München alles daran, als internationaler Messestandort ernst genommen zu werden. Das neue Gelände in Riem war schon im ersten Entwurf gigantisch angelegt worden, aber mit der überhitzten Ökonomie der Jahrtausenwende wurde schnell klar, dass es dabei nicht bleiben konnte. Deshalb wurden eilig Erweiterungen auf den Weg gebracht.

Selbst die grössten Messe-Events sind heute nicht mehr in der Lage, auch nur die Hälfte der Fläche zu füllen. Es gibt gigantische Überkapazitäten, und die Konkurrenz in anderen Städten lässt sich auf ein ruinöses Preisdumping ein. Auch München macht da mit.
Und baut nebenher kräftig weiter. Weil es so beschlossen ist. Und die Bauleitung muss sich ja keine Gedanken darüber machen, wer warum mal durch diese leeren Gänge laufen soll.

Selbst die grössten Messe-Events sind heute nicht mehr in der Lage, auch nur die Hälfte der Fläche zu füllen. Es gibt gigantische Überkapazitäten, und die Konkurrenz in anderen Städten lässt sich auf ein ruinöses Preisdumping ein. Auch München macht da mit.
Und baut nebenher kräftig weiter. Weil es so beschlossen ist. Und die Bauleitung muss sich ja keine Gedanken darüber machen, wer warum mal durch diese leeren Gänge laufen soll.
donalphons, 03:26h
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Sonntag, 28. Dezember 2003
Das Denkmal für den unbekannten CEO
Das hier könnte es sein. Man beachte den Symbolgehalt: Eine lässig gekleidete Gestalt, im geistigen Tiefflug viel zu schnell unterwegs, wollte mit seinen sturen Kopf gegen eine Betonwand bestehen - und da klebt er nun, als Warnung und Mahnung an nachfolgende Gründergenerationen.

Leider ist es nur ein Marketing-Gag für eine Skateranlage im bayerischen Abensberg, nahe der Donau zwischen Ingolstadt und Regensburg gelegen. Aber wenn wir mal ein Denkmal für diese gescheiterte, verbrannte, kaputte Generation errichten, sollte es genau so aussehen.
Und am Fuss der Stele sollte eine zerbrochene Brille liegen, so eine schmale, rechteckige wie die, hinter der der Illies immer so hervorschleimt.

Leider ist es nur ein Marketing-Gag für eine Skateranlage im bayerischen Abensberg, nahe der Donau zwischen Ingolstadt und Regensburg gelegen. Aber wenn wir mal ein Denkmal für diese gescheiterte, verbrannte, kaputte Generation errichten, sollte es genau so aussehen.
Und am Fuss der Stele sollte eine zerbrochene Brille liegen, so eine schmale, rechteckige wie die, hinter der der Illies immer so hervorschleimt.
donalphons, 00:33h
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Donnerstag, 25. Dezember 2003
Bingo
Die bayerische Staatsregierung setzte grosse Hoffnungen auf das Internet. Die sogenannten Bürgernetze sollten ab 1998 den Bayer vermehrt in Netz locken, um elektronische Post zu lesen, Zukunftsfähigkeiten zu erlernen und auf den virtuellen Marktplätzen, dem anderen Hätschelkind besagter Regierung, einzukaufen.
Also gründeten die Kommunen Initiativen, stellten Räume zur Verfügung, holten Personal an Bord und bereiteten sich auf das grosse E-Zeitalter vor. Sogar offline, in Schaukästen, konnten sich die Kommunikationskrüppel der Neuen Zeit eines Besseren belehren lassen.

Heute spricht niemand mehr von diesen Einrichtungen. Das Internet hat sich ganz anders entwickelt, als die Staatsregierung wollte. Keine der hochgesteckten Erwartungen ist eingetreten. Wäre die Initative ein Startup, wäre sie schon im ersten Jahr Pleite gegangen.
Aber in der Politik denkt man anders. Langfristig. So schnell werden die Mittel nicht auf Null zurückgeführt. Deshalb gibt es sie noch.
Nur auf die Frage nach dem Sinn gibt es keine Antwort.
Also gründeten die Kommunen Initiativen, stellten Räume zur Verfügung, holten Personal an Bord und bereiteten sich auf das grosse E-Zeitalter vor. Sogar offline, in Schaukästen, konnten sich die Kommunikationskrüppel der Neuen Zeit eines Besseren belehren lassen.

Heute spricht niemand mehr von diesen Einrichtungen. Das Internet hat sich ganz anders entwickelt, als die Staatsregierung wollte. Keine der hochgesteckten Erwartungen ist eingetreten. Wäre die Initative ein Startup, wäre sie schon im ersten Jahr Pleite gegangen.
Aber in der Politik denkt man anders. Langfristig. So schnell werden die Mittel nicht auf Null zurückgeführt. Deshalb gibt es sie noch.
Nur auf die Frage nach dem Sinn gibt es keine Antwort.
donalphons, 22:59h
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Donnerstag, 25. Dezember 2003
Sushi
Der Siegeszug der japanischen Küche war lange Zeit unaufhaltsam. Wer sich in Kreativkreisen oder New Economy Netzwerken bewegte, bekam es zwangsläufig mit schleimgefüllten Reis zu tun, der in Spülwasser gekocht worden war. Wer das nicht mit Kennermiene genoss, galt schnell als der bayerische Dorfdepp, der niemand sein wollte, aber im Kern immer geblieben ist - ganz gleich, ob er nun den japanischen Namen des Fischzeugs korrekt aussprechen konnte oder das Zeug mit Schnapps runterspülte.
Der Siegeszug endete 2001. Er endete nicht, weil jemand den Mut gehabt hätte, einen japanophilen Veranstalter mit Sushi zu stopfen, bis dieser platzte. Die Ursache war hausgemacht, und im Niedergang der Sushifresser begründet.
Inzwischen bekommen auch die mangafreakigsten Medienmacher Maulsperre, weil die Preise heutzutage astronomisch sind. Das zahlen die Sender nicht mehr, Zeitungen auch nicht, und Produktionsgesellschaften knausern heute was geht. Und so gross ist die Liebe zu Sushi denn doch nicht.

Entsprechend chancenlos ist Sushi dann auch an Orten, wo die New Economy nie Einzug gehalten hat. Auch eine mystische Innenarchitektur hilft da nicht weiter. Vielleicht ist es aber auch gerade dieser modernistische Japan-Abklatsch, der die potentiellen Kunden in den Italiener gegenüber treibt. Dort hat man nicht den Eindruck, in einem Raumschiff zu speisen, auf dessen Klo Alien Teil 6 wartet.
Ein paar Mutige gibt es noch. Als das Photo entstand, waren gerade wieder ein paar Leute drinnen.
Eher die Ausnahme als die Regel. Die halbnackte Frau auf dem Bild links ist übrigens nur gemalt.
Der Siegeszug endete 2001. Er endete nicht, weil jemand den Mut gehabt hätte, einen japanophilen Veranstalter mit Sushi zu stopfen, bis dieser platzte. Die Ursache war hausgemacht, und im Niedergang der Sushifresser begründet.
Inzwischen bekommen auch die mangafreakigsten Medienmacher Maulsperre, weil die Preise heutzutage astronomisch sind. Das zahlen die Sender nicht mehr, Zeitungen auch nicht, und Produktionsgesellschaften knausern heute was geht. Und so gross ist die Liebe zu Sushi denn doch nicht.

Entsprechend chancenlos ist Sushi dann auch an Orten, wo die New Economy nie Einzug gehalten hat. Auch eine mystische Innenarchitektur hilft da nicht weiter. Vielleicht ist es aber auch gerade dieser modernistische Japan-Abklatsch, der die potentiellen Kunden in den Italiener gegenüber treibt. Dort hat man nicht den Eindruck, in einem Raumschiff zu speisen, auf dessen Klo Alien Teil 6 wartet.
Ein paar Mutige gibt es noch. Als das Photo entstand, waren gerade wieder ein paar Leute drinnen.
Eher die Ausnahme als die Regel. Die halbnackte Frau auf dem Bild links ist übrigens nur gemalt.
donalphons, 00:40h
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Samstag, 20. Dezember 2003
Grabmal der unbekannten Mitarbeiter
In letzter Zeit vermehrt aufgetreten, zumal hier bei Blogger: Leute am Rande der Kündigung. Downsizing, Shutdowns. Personalanpassungen. Alles in schönster Offenheit.
Es heisst immer, noch schlimmer kann es nicht werden. Irgendwann muss es wieder aufwärtsgehen. Kann schon sein. Für die Älteren, für die Neueinsteiger. Für die Altersklasse zwischen 1965 und 1975 sieht es schlecht aus: Nicht mehr neuwertig, aber für Gebrauchte viel zu teuer. Und die aktuellen Modelle von den Unis sind sagenhaft günstig.
Es heisst immer, noch schlimmer kann es nicht werden. Irgendwann muss es wieder aufwärtsgehen. Kann schon sein. Für die Älteren, für die Neueinsteiger. Für die Altersklasse zwischen 1965 und 1975 sieht es schlecht aus: Nicht mehr neuwertig, aber für Gebrauchte viel zu teuer. Und die aktuellen Modelle von den Unis sind sagenhaft günstig.
donalphons, 13:04h
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Freitag, 19. Dezember 2003
Kultig
Etwas Besonderes sollte es werden. Ein Sprössling einer Unternehmerfamilie wollte sich ein Denkmal setzen. Ein Eck an der Stadtperipherie, das vor zwanzig Jahren nicht mehr weiter entwickelt wurde, würde ein neues, postmodernes Zentrum bilden. So zumindest das Versprechen. Viel Glas, dunkelrot, orange, blau und pastell. Mit Geschäften für Unterhaltungselektronik, High End Audio und teuren Lokalen, verkehrsgünstig in Autobahnnähe.
Die passenden Menschen für das Retortenviertel konnten natürlich nicht von den umliegenden Blocks, Kleinbürger-Doppelhaushälften, Coutry-Saloons und Gebrauchtwagenhändlern kommen. Das einheimische, kaufkräftige Publikum für dieses Zentrum wohnte leider am anderen Ende der Stadt und blieb dort unter sich. Das war dem Sprössling wohl klar. Deshalb holte er sich seine Kundschaft von aussen, und stellte dafür ein Hotel in die Landschaft, wie die Stadt noch keines gesehen hatte.

Quietschorange, viel geheimnisvoll tuendes Licht und Schatten, mit Filmstills als Deckengemälden in den Zimmern. Kult sollte das Hotel werden, um die enormen Preise zu rechtfertigen. Eben mal was ganz anderes in dieser piefigen Provinzstadt, die alle Angehörigen der Generation des Sprösslings verabscheuten.
Das Hotel hat entgegen der Hoffnungen keinen Markt. Die jeunesse doree anderer Städte denkt nicht daran, in dieser Provinzstadt zu bleiben, und fährt weiter nach München. Die älteren Herrschaften sind von den Fratzen an der Decke irritiert und bevorzugen das frisch restaurierte Erste Haus am Platz in der Innenstadt, wo es auch noch was anderes als japanisches Essen gibt.
So dominiert der typisch postmoderne Horror Vacui im neuen Zentrum. Deshalb werden die Lichter in den leeren Zimmern eingeschaltet, um Leben vorzugaukeln. Das strahlende Nichts schreit die Erbärmlichkeit dieses Zustands heraus, aber noch schlimmer ist es bei Tag. Da ist das Hotel nur ein oranger Klotz an einer lauten Ausfallstrasse in einem schlechten Viertel der Stadt.
Und ein zweifelhaftes Denkmal einer Fehleinschätzung in einer Provinz, die den propagierten Lifestyle weder braucht noch will.
Die passenden Menschen für das Retortenviertel konnten natürlich nicht von den umliegenden Blocks, Kleinbürger-Doppelhaushälften, Coutry-Saloons und Gebrauchtwagenhändlern kommen. Das einheimische, kaufkräftige Publikum für dieses Zentrum wohnte leider am anderen Ende der Stadt und blieb dort unter sich. Das war dem Sprössling wohl klar. Deshalb holte er sich seine Kundschaft von aussen, und stellte dafür ein Hotel in die Landschaft, wie die Stadt noch keines gesehen hatte.

Quietschorange, viel geheimnisvoll tuendes Licht und Schatten, mit Filmstills als Deckengemälden in den Zimmern. Kult sollte das Hotel werden, um die enormen Preise zu rechtfertigen. Eben mal was ganz anderes in dieser piefigen Provinzstadt, die alle Angehörigen der Generation des Sprösslings verabscheuten.
Das Hotel hat entgegen der Hoffnungen keinen Markt. Die jeunesse doree anderer Städte denkt nicht daran, in dieser Provinzstadt zu bleiben, und fährt weiter nach München. Die älteren Herrschaften sind von den Fratzen an der Decke irritiert und bevorzugen das frisch restaurierte Erste Haus am Platz in der Innenstadt, wo es auch noch was anderes als japanisches Essen gibt.
So dominiert der typisch postmoderne Horror Vacui im neuen Zentrum. Deshalb werden die Lichter in den leeren Zimmern eingeschaltet, um Leben vorzugaukeln. Das strahlende Nichts schreit die Erbärmlichkeit dieses Zustands heraus, aber noch schlimmer ist es bei Tag. Da ist das Hotel nur ein oranger Klotz an einer lauten Ausfallstrasse in einem schlechten Viertel der Stadt.
Und ein zweifelhaftes Denkmal einer Fehleinschätzung in einer Provinz, die den propagierten Lifestyle weder braucht noch will.
donalphons, 03:14h
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Dienstag, 16. Dezember 2003
4 Fenster
1999 spuckte der Münchner Business Plan Wettbewerb nur Sieger in die Lofts und Büros der Stadt. Manche hatten gleich den Weltmarkt im Visier, andere setzten auf langsames Wachstum. Will sagen: Marktfüherschaft in Deutschland in etwa 6 Monaten, oder wenn es schlecht läuft, in einem Jahr. Wer mit so reduzierten Ansprüchen begann, bekam nur Business Angels. Und musste sich für die ersten Wochen mit einem Gemeinschaftsbüro begnügen, zusammen mit anderen führenden Startups.

Dafür war es im Zentrum, nahe der Uni, gut erreichbar, und man konnte die Server teilen, die im Gang in einem Glaskasten vor sich hinsummten. Es gab eine Gemeinschaftsküche, und den Besprechungsraum konnte man sich auch teilen. Spart Kosten beim Weg in die Marktführerschaft. Und ist ja nur für die ersten Wochen, sagten sie sich.
Nach einem halben Jahr wurden an die Tür doch ordentliche, bunte Schilder geschraubt, mit witzigen Corporate ID´s, und dem alles verheissenden Kürzel AG. Es lief nicht ganz so gut, die Räume reichten gerade noch, und jetzt umziehen hätte nur gestört, beim Aufstieg zum Erfolg. War aber auch nicht schlimm, dass es noch etwas dauerte. Der IPO-Kanal war gerade zu, also konnte man in Ruhe erst mal das Geschäftsmodell modifizieren.
In Richtung B2B, zum Beispiel. Gut, dass man sich dabei mit den anderen bereden konnten, die auch über neuen Strategien nachdachten. Wie sie dem Typen helfen konnten, der sein Startup vor die Wand setzte, wussten sie aber auch nicht. Immerhin war dadurch mehr Platz, den sie laut aktualisiertem Businessplan gebraucht hätten.
Heute wären die Überlebenden froh, wenn sie einen Untermieter finden würden. Damit hinter diesen 4 Fenstern voller falscher Erwartungen wieder etwas Leben einkehrt. Gerne auch so was Solides wie ein Office Outsourcer.

Dafür war es im Zentrum, nahe der Uni, gut erreichbar, und man konnte die Server teilen, die im Gang in einem Glaskasten vor sich hinsummten. Es gab eine Gemeinschaftsküche, und den Besprechungsraum konnte man sich auch teilen. Spart Kosten beim Weg in die Marktführerschaft. Und ist ja nur für die ersten Wochen, sagten sie sich.
Nach einem halben Jahr wurden an die Tür doch ordentliche, bunte Schilder geschraubt, mit witzigen Corporate ID´s, und dem alles verheissenden Kürzel AG. Es lief nicht ganz so gut, die Räume reichten gerade noch, und jetzt umziehen hätte nur gestört, beim Aufstieg zum Erfolg. War aber auch nicht schlimm, dass es noch etwas dauerte. Der IPO-Kanal war gerade zu, also konnte man in Ruhe erst mal das Geschäftsmodell modifizieren.
In Richtung B2B, zum Beispiel. Gut, dass man sich dabei mit den anderen bereden konnten, die auch über neuen Strategien nachdachten. Wie sie dem Typen helfen konnten, der sein Startup vor die Wand setzte, wussten sie aber auch nicht. Immerhin war dadurch mehr Platz, den sie laut aktualisiertem Businessplan gebraucht hätten.
Heute wären die Überlebenden froh, wenn sie einen Untermieter finden würden. Damit hinter diesen 4 Fenstern voller falscher Erwartungen wieder etwas Leben einkehrt. Gerne auch so was Solides wie ein Office Outsourcer.
donalphons, 17:18h
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Samstag, 13. Dezember 2003
Highspeed Vergänglichkeit
Die Hausverwaltungen sind zu langsam. Als in diesem Gebäude in der Theresienstrasse ein Incubator einzog, gab es keine Möglichkeit, ein Schild anzubringen. Die Leitung zögerte nicht lange und druckte einen Zettel mit einem orangen @ und dem Firmennamen aus. Der wurde in eine Klarsichthülle gesteckt an die Tür geklebt. Über die Glasfläche mit den Namen seltsamer Verbände; Relikte einer vergangenen Epoche. Es war das Jahr 2000.
In diesem Sommer knirschten die Märkte. VCs liefen aufgeregt glücklich durch die Büros und freuten sich, dass Startup-Beteiligungen jetzt wieder billig zu haben waren. Die beginnende Krise heizte den Gründerhype nochmal an. Jeder Exit in Richtung Insolvenz machte ein Stück Markt frei. Incubatoren, wie der in diesem Haus, jagten die Firmen in wenigen Monaten zur Marktreife. Für Schilder hatten sie einfach keine Zeit, zwischen Notartermin und Pizza spät Nachts.

Es war also nur ein einziger Handgriff nötig, um Anfang 2001 das Schild wieder abzunehmen. Die Fensterreinigung, die langsam, aber zuverlässlich ist, besorgte den Rest. Der Incubator war, wie fast alle anderen auch, vom nicht existierenden Markt gefegt worden. Die Verbände und die Hausverwaltung haben jetzt wieder Ruhe in ihrem Gebäude.
Und der Pizzaabend, der auf einem der anderen aufgeklebten Schilder angekündigt wird, hat nichts mit mehr New Economy zu tun.
In diesem Sommer knirschten die Märkte. VCs liefen aufgeregt glücklich durch die Büros und freuten sich, dass Startup-Beteiligungen jetzt wieder billig zu haben waren. Die beginnende Krise heizte den Gründerhype nochmal an. Jeder Exit in Richtung Insolvenz machte ein Stück Markt frei. Incubatoren, wie der in diesem Haus, jagten die Firmen in wenigen Monaten zur Marktreife. Für Schilder hatten sie einfach keine Zeit, zwischen Notartermin und Pizza spät Nachts.

Es war also nur ein einziger Handgriff nötig, um Anfang 2001 das Schild wieder abzunehmen. Die Fensterreinigung, die langsam, aber zuverlässlich ist, besorgte den Rest. Der Incubator war, wie fast alle anderen auch, vom nicht existierenden Markt gefegt worden. Die Verbände und die Hausverwaltung haben jetzt wieder Ruhe in ihrem Gebäude.
Und der Pizzaabend, der auf einem der anderen aufgeklebten Schilder angekündigt wird, hat nichts mit mehr New Economy zu tun.
donalphons, 03:37h
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