Freitag, 15. Oktober 2004
the day the music died
MTV hatte einen guten Trick. Wenn man dort anrief und auf Warteschleife geschickt wurde, weil Viola oder Franzi gerade im Klo vielleicht ihren Nasescheidenwänden eine Schlankheitskur verpassten, dann liefen Blumfeld mit "Diktatur der Angepassten". Das Lied schwebt zwischen Aufstand und Resignation, und irgendwie erwartete man danach etwas bedonderes, eine kaputte Piepsstimme, klein und zerbrochen, oder das harte Keuchen einer Fanatikerin, die gerade Bohren und den Club of Gore in die Heavy Rotation gebracht hat. Das ist diese völlig irrsinnige Musik, die der kaputteste meiner drei Helden in Liquide dauernd hört, in der Hoffnung, es würde sein Leben irgendwie verlangsamen. Sowas in diesen Lilala-Sender zu bringen, mit 25 Beats pro Minute und Tracks, die die halbe Ewigkeit von hier bis ins Inferno dauern, das wäre ein Aufstand. Eine Rebellion.
Aber dann kommt die Liedzeile "Gebt endlich auf, es ist zu spät", und genau dann hoben Franzi oder Viola den Hörer ab und krähten immer gleich jung, gesund und lustig ihr Hallo , waren natürlich zu jeder Auskunft bereit, und es klang immer toll, grandios und einzigarig, und in ihren Augen keinen Brösel angepasst, auch wenn es nur um die Frage ging, wie sie eigentlich die Daten aus den "Ruft uns an und sagt wieviel Kohle ihr für den Urlaub ausgebt"-Aktionen verwerten. Wieso, ist doch alles im grünen Bereich, dann bieten wir den Leuten genau das an, was sie sich leisten können, echt kein Problem, ne?
So war das in den goldenen Zeiten in der Ostwerwaldstrasse, als sie sich noch verfluchten, dass sie nicht wie Viva einen IPO machen konnten. Inzwischen sind Franzi und Viola längst rausrotiert worden, Viva ist ein Teil von MTV und MTV geht nach Berlin, und bei der Gelegenheit, wie man heute erfährt, soll aus MTV wirklich ein Jugendsender werden; Videos sind ja Musik und der Musikmarkt ist tot. Statt dessen Gameshows, 9Live für geistig nicht ganz so Arme. Ein paar KW-Studentinnen müssen sich andere Traumberufe ausdenken, irgendeine halbstaatliche Schulungseinrichtung wird die Räume übernehmen, und ich werde mit dem Rennrad zum Eisbach fahren, wenn er kein Wasser mehr hat, und leise summen:
Männer, Frauen, Junge, Alte
in den Büros und den Fabriken
an den Schulen und zu hause
lassen sich für dumm verkaufen,
kaufen, kaufen, kaufen
und mich fragen, ob diese jungen Dinger heute noch irgendwo die Schuhe wegwerfen und tanzen wie damals auf den Wiesen in Schwabing, als alles noch möglich schien, als Musik ihre kaputte Seele retten konnte, oder ob sie inzwischen... es ist immer so eine Sache mit der Google-Suche, man findet sie nicht mehr, sie sind irgendwohin verschwunden, keiner weiss wo, und selbst die Überlebenden haben keinen Kontakt mehr, sie sagen nichts darüber und drehen sich lieber weg, wenn dann die Leute die Studios abbauen, sich noch einnmal vollaufen lassen und den letzten Zug zu einem anderen Standort nehmen, und sich wundern,
warum sie das überleben mussten
und nicht einfach sterben konnten,
vor dem letzten aller Tage,
als die komerzielle Musik starb
und Blumfeld aus der Warteschleife flog.
Aber dann kommt die Liedzeile "Gebt endlich auf, es ist zu spät", und genau dann hoben Franzi oder Viola den Hörer ab und krähten immer gleich jung, gesund und lustig ihr Hallo , waren natürlich zu jeder Auskunft bereit, und es klang immer toll, grandios und einzigarig, und in ihren Augen keinen Brösel angepasst, auch wenn es nur um die Frage ging, wie sie eigentlich die Daten aus den "Ruft uns an und sagt wieviel Kohle ihr für den Urlaub ausgebt"-Aktionen verwerten. Wieso, ist doch alles im grünen Bereich, dann bieten wir den Leuten genau das an, was sie sich leisten können, echt kein Problem, ne?
So war das in den goldenen Zeiten in der Ostwerwaldstrasse, als sie sich noch verfluchten, dass sie nicht wie Viva einen IPO machen konnten. Inzwischen sind Franzi und Viola längst rausrotiert worden, Viva ist ein Teil von MTV und MTV geht nach Berlin, und bei der Gelegenheit, wie man heute erfährt, soll aus MTV wirklich ein Jugendsender werden; Videos sind ja Musik und der Musikmarkt ist tot. Statt dessen Gameshows, 9Live für geistig nicht ganz so Arme. Ein paar KW-Studentinnen müssen sich andere Traumberufe ausdenken, irgendeine halbstaatliche Schulungseinrichtung wird die Räume übernehmen, und ich werde mit dem Rennrad zum Eisbach fahren, wenn er kein Wasser mehr hat, und leise summen:
Männer, Frauen, Junge, Alte
in den Büros und den Fabriken
an den Schulen und zu hause
lassen sich für dumm verkaufen,
kaufen, kaufen, kaufen
und mich fragen, ob diese jungen Dinger heute noch irgendwo die Schuhe wegwerfen und tanzen wie damals auf den Wiesen in Schwabing, als alles noch möglich schien, als Musik ihre kaputte Seele retten konnte, oder ob sie inzwischen... es ist immer so eine Sache mit der Google-Suche, man findet sie nicht mehr, sie sind irgendwohin verschwunden, keiner weiss wo, und selbst die Überlebenden haben keinen Kontakt mehr, sie sagen nichts darüber und drehen sich lieber weg, wenn dann die Leute die Studios abbauen, sich noch einnmal vollaufen lassen und den letzten Zug zu einem anderen Standort nehmen, und sich wundern,
warum sie das überleben mussten
und nicht einfach sterben konnten,
vor dem letzten aller Tage,
als die komerzielle Musik starb
und Blumfeld aus der Warteschleife flog.
donalphons, 20:29h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 12. Oktober 2004
Ein Neologismus
Exilblog, das (n.) Ein Exilblog ist ein Blog, das aus Gründen rassischer, politischer, religiöser, wirtschaftlicher oder sonstwie arschlöchriger Verfolgung ausserhalb der Wirkungsbereiches der Repressionsmassnahmen der jewiligen Verfolger angesiedelt ist.
Vermutlich wird das in 80 Jahren ein toller Forschungsgegenstand. Immerhin ist es dadurch zum ersten Mal möglich, im Exil zu schreiben, ohne körperlich im Exil zu sein. Und es ist problemlos möglich, diese Texte im realen Land des virtuell Exilierten zu lesen. Ausserdem kann man in 80 Jahren gefahrlos über verfolgende Interessengruppen forschen, deren reale Vertreter dann nur noch wenig wohlriechende Kadaver sind.
Vermutlich wird das in 80 Jahren ein toller Forschungsgegenstand. Immerhin ist es dadurch zum ersten Mal möglich, im Exil zu schreiben, ohne körperlich im Exil zu sein. Und es ist problemlos möglich, diese Texte im realen Land des virtuell Exilierten zu lesen. Ausserdem kann man in 80 Jahren gefahrlos über verfolgende Interessengruppen forschen, deren reale Vertreter dann nur noch wenig wohlriechende Kadaver sind.
donalphons, 22:38h
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Dienstag, 5. Oktober 2004
Meanwhile, in Frankfurt
Klaus M., Restmarkt- und Gossenabschöpfer, in einer internen Mail*:
"So ein geiles Thema! Das muss diesmal echt krachen, ja? Nur das Krasseste zu Anke. Ist mir scheissegal ob ihr keine Erlaubnis mehr kriegt, ich brauch möglichst krankes Zeug, Hass, Schadenfreude, etc., also her mit damit. Da muss das drin stehn, wozu die anderen zu feige sind."
*Literatur. Phantasie. Mehr oder weniger.
"So ein geiles Thema! Das muss diesmal echt krachen, ja? Nur das Krasseste zu Anke. Ist mir scheissegal ob ihr keine Erlaubnis mehr kriegt, ich brauch möglichst krankes Zeug, Hass, Schadenfreude, etc., also her mit damit. Da muss das drin stehn, wozu die anderen zu feige sind."
*Literatur. Phantasie. Mehr oder weniger.
donalphons, 18:13h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 3. Oktober 2004
Kann mal bitte jemand
das Wondergirl richtig fixieren? Einfach an Blogger.de im Japan-Style bondagieren. Ich muss schon wieder meine Bookmarks ändern.
donalphons, 17:05h
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Freitag, 17. September 2004
Manchmal frage ich mich
wann die anderen Gespenster und Verlierer wieder auftauchen, mit diesem gezwungenen Dauergrinsen und den grosskotzigen Bemerkungen, nur nicht mehr von wegen Welt erobern mit ihren Workern, wenn sie bald alle reich sind, sondern mit harter Arbeit für die wenigen Privilegierten, die noch arbeiten dürfen, und vielleicht, später mal, doch sowas wie den Tariflohn bekommen. Wenn sie 14 Stunden 6 Tage die Woche runterreissen, natürlich. Und wieviele es geben wird, die sich darauf einlassen.
Für die erste Rolle fallen mir ein paar Kandidaten ein. Peter Turi, zum Beispiel. Oder Peter Kabel. Um nur mal die Prominenteren zu nennen.
Immerhin, 3 Jahre sind seitdem vergangen. Vieles wurde aus dem Netz gelöscht, ist vergessen, vorbei, lässt sich weglügen. Und die Heerscharen, die damals in die Kreativberufe gingen, sind auch noch irgendwo und lauern auf die nächste Chance. Es sind mehr geworden. Die Unis spucken neue Generationen von Wettbewerbsverlierern aus, die 1999 die falschen Fächer gewählt haben, die mit bombensicherer Zukunft. Und dann sich dann noch die Pseudos, die sich trotzdem an diese Welt mit dem schnellen Geldverbrennen ranwanzen. Und den Älteren Konkurrenz machen, die ich noch von früher kenne. Irgendwo da draussen; Google spuckt zu meinen alten Visitenkarten nichts mehr aus, die Namen sind erloschen, aber sie sind als Personen noch da. Vielleicht nennen sie es dann soger die Post-New-Economy.
Und das alles hätte wenig Chancen, ohne diese seltsamen Erlebnisse: Letzte Woche hatte ich ein längeres Treffen mit einem Mann, der noch ein paar Millionen zum Investieren übrig hat. Der sucht wieder.
Für die erste Rolle fallen mir ein paar Kandidaten ein. Peter Turi, zum Beispiel. Oder Peter Kabel. Um nur mal die Prominenteren zu nennen.
Immerhin, 3 Jahre sind seitdem vergangen. Vieles wurde aus dem Netz gelöscht, ist vergessen, vorbei, lässt sich weglügen. Und die Heerscharen, die damals in die Kreativberufe gingen, sind auch noch irgendwo und lauern auf die nächste Chance. Es sind mehr geworden. Die Unis spucken neue Generationen von Wettbewerbsverlierern aus, die 1999 die falschen Fächer gewählt haben, die mit bombensicherer Zukunft. Und dann sich dann noch die Pseudos, die sich trotzdem an diese Welt mit dem schnellen Geldverbrennen ranwanzen. Und den Älteren Konkurrenz machen, die ich noch von früher kenne. Irgendwo da draussen; Google spuckt zu meinen alten Visitenkarten nichts mehr aus, die Namen sind erloschen, aber sie sind als Personen noch da. Vielleicht nennen sie es dann soger die Post-New-Economy.
Und das alles hätte wenig Chancen, ohne diese seltsamen Erlebnisse: Letzte Woche hatte ich ein längeres Treffen mit einem Mann, der noch ein paar Millionen zum Investieren übrig hat. Der sucht wieder.
donalphons, 18:12h
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Donnerstag, 16. September 2004
Auch nett
donalphons, 22:46h
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Samstag, 11. September 2004
Buchtipp
Ich knie nieder in den Staub unter meinem Schreibtisch, ich sage nie wieder new Journalism zu meinem Geschreibe, die Zeit steht still und ich werde nochmal viel lernem, denn der erste Roman von Hunter S. Thompson erscheint auf Deutsch. Hoffentlich hat der Übersetzer nicht geschlampt.
donalphons, 23:41h
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Montag, 6. September 2004
Will they ever...?
Die meisten meiner jungen Kollegen haben nach dem Studium mehr verbriefte Praxiserfahrung als ich nach jetzt mittlerweile 7 Jahren an den meisten Fronten dieses Jugendvernichtungskriegs, der die Medien geworden sind. Allein, Nahkampferfahrung und rücksichtsloses Marketing sind heute die Qualitäten, die letztlich zählen, und all der Dreck und die Verwüstungen, die ich mit angerichtet habe, sind die Orden, mit denen man befördert wird. Der hat diesen Deal gemacht und jene Geschichte angeleiert, der hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, vor dem haben die und jene Angst, nichts ist so übel, dass ihm nicht noch ein ironischer Spruch einfällt, say it with a smile, klasse, den nehmen wir. Sag uns mal, wo die Front verläuft und wen wir da ins Feuer schicken.
In diesem Sommer war ich mal in einem Seminar, wo die Leute dachten, ich beleidige sie, wenn ich ihnen sage, dass sie da draussen keinen Fuss auf den Boden kriegen werden. Dass die meisten, denen ich das Handwerk beigebracht habe, 2 Jahre nach dem Ende des Studiums immer noch Praktika machen, ist ihnen egal. Sie sehen die Chancen, durchzukommen und Karriere zu machen, und nicht die Wahrscheinlichkeit, sozial abzustürzen oder auf dem Hochzeitsstrich bei den Jahrgangsabschlussfeiern 2 Jahre später zu landen.
Es gibt welche, die viel zu weich sind. Da reichen ein paar Worte, um zu wissen, dass sie es vielleicht im Boom schaffen würden, wenn sich die Front rasend in Richtung Zukunft bewegt, aber nicht im Niedergang, der einem keiner andere Chance lässt, als auszuhalten und zu beten, dass es die Leute daneben erwischt. Diese Leute sind manchmal die wirklich Netten, Guten, die auch mal die Reissleine ziehen können, wenn sie merken, dass sie draufgehen, die hemmungslos weinen können, und sich nicht mit gelben Pillen aus dem Bett holen, aber genau deshalb braucht man sie da draussen nicht, und die Etappe gibt es nicht mehr. Aber manche schaffen es eben doch, trotz aller Verletzlichkeit und Schwächen, und wenn man sie wieder sieht, will man einen Moment doch an die Chancen glauben. Und nicht an die Wahrscheinlichkeit. Und daran, dass irgendwann über diesen Dreck wieder Gras wachsen wird.
2006, frühestens. Immerhin.
In diesem Sommer war ich mal in einem Seminar, wo die Leute dachten, ich beleidige sie, wenn ich ihnen sage, dass sie da draussen keinen Fuss auf den Boden kriegen werden. Dass die meisten, denen ich das Handwerk beigebracht habe, 2 Jahre nach dem Ende des Studiums immer noch Praktika machen, ist ihnen egal. Sie sehen die Chancen, durchzukommen und Karriere zu machen, und nicht die Wahrscheinlichkeit, sozial abzustürzen oder auf dem Hochzeitsstrich bei den Jahrgangsabschlussfeiern 2 Jahre später zu landen.
Es gibt welche, die viel zu weich sind. Da reichen ein paar Worte, um zu wissen, dass sie es vielleicht im Boom schaffen würden, wenn sich die Front rasend in Richtung Zukunft bewegt, aber nicht im Niedergang, der einem keiner andere Chance lässt, als auszuhalten und zu beten, dass es die Leute daneben erwischt. Diese Leute sind manchmal die wirklich Netten, Guten, die auch mal die Reissleine ziehen können, wenn sie merken, dass sie draufgehen, die hemmungslos weinen können, und sich nicht mit gelben Pillen aus dem Bett holen, aber genau deshalb braucht man sie da draussen nicht, und die Etappe gibt es nicht mehr. Aber manche schaffen es eben doch, trotz aller Verletzlichkeit und Schwächen, und wenn man sie wieder sieht, will man einen Moment doch an die Chancen glauben. Und nicht an die Wahrscheinlichkeit. Und daran, dass irgendwann über diesen Dreck wieder Gras wachsen wird.
2006, frühestens. Immerhin.
donalphons, 22:35h
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Samstag, 4. September 2004
Yahoo mit Gmail ficken
Liebe Leser,
danke für die Treue. Ich habe gerade 3 Gmail-Invitations zu vergeben. First serve, first get. Einfach die Mailadresse hier drunter in den Kommentaren posten. Yahoo- und sonstige Freemailer-Accounts sollten dann aufpassen - oft werden Gmail-Invitations als Spam gefiltert.
danke für die Treue. Ich habe gerade 3 Gmail-Invitations zu vergeben. First serve, first get. Einfach die Mailadresse hier drunter in den Kommentaren posten. Yahoo- und sonstige Freemailer-Accounts sollten dann aufpassen - oft werden Gmail-Invitations als Spam gefiltert.
donalphons, 15:51h
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Donnerstag, 2. September 2004
Yahooo!
Yahoo wird Gmail nicht überleben. Und das ist auch gut so.
donalphons, 03:17h
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