: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 3. Oktober 2015

Nette Leute mit begrenzten Zielen

Da wären wir also. Da, wo ich letztes Jahr war und jederzeit auch wieder sein würde, wenn ich in der Nähe von Siena bin. Es gibt viel Teures und viel Hässliches und viel Teuerhässliches und dann gibt es auch noch das hier, diesen kleinen Palazzo, 20 Minuten von Siena entfernt. Oh, und das Wetter ist nach dem Wolkenbruch gestern wieder schön.





Warum ich wieder da bin... weil die mittlere Strecke schöner ist als die kurze, an der ich vor genau fünf Jahren verzweifelte. Weil ich mich eingefunden habe und obendrein auch leistungsfähiger und schlanker bin. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, das Altern lässt sich nicht aufhalten und die Fortschritte sind entsprechend klein. Aber mein Wille ist zäh und ich möchte einfach wissen, ob es jetzt besser geht. Natürlich scheinen die weissen Strassen bei der Anfahrt hart zu sein. Aber dennoch. Da ist eine unerklärliche Vorfreude.





Es ist aber auch schön. Gut 7000 Menschen aus 70 Nationen kommen zusammen, um ein wenig radfahren zu gehen. Die Einschreibung ist lange offen, wer will, kann kommen, es gibt wirklich hübsche Geschenke, gutes Essen, viele Teile und eine enorm angenehme Stimmung. Es ist überhaupt nicht getrieben von Bestzeiten und Kampf um die Plätze, sondern vom guten Leben und vom Interesse am Rad.





Es ist nichts Schlechtes, die Stimmung ist phantastisch, und dass es morgen regnen soll, will keiner glauben. An meinem Rad löst sich die Kurbel und wird wieder montiert, ich kaufe ein absurd hässliches Trikot in Pink un Grün, das ich nur morgen tragen werde und auch nur, falls es regnet. Ein Ciocc ist billig, aber mir leider zu klein und als ich es stehen lasse, weiss ich, dass in ein paar Wochen jemand genau so etwas haben wollen wird, und dann werde ich mich verfluchen. Aber im Moment ist alles gut. 7000 gut gelaunte Menschen verbreiten einfach ein schönes Gefühl.





Am Ende habe ich dann noch einen Rossinrahmen zum Trikot gekauft. Den habe ich den ganzen Tag - ich stand mehrmals direkt davor - übersehen und erst auf dem Weg zum Bezahlen bemerkt. Meine Grösse. Hochgehoben und gefragt, was er mit Steuersatz, Innenlager, Kurbel und Umwerfer kostet. 70 gehört und bezahlt und dann davongelaufen, falls das eine falsche Ansage war. Etwas für den kommenden Winter, zum Basteln. Und für die Erinnerung an das gute Gefühl vor dem grossen Tag mit dem begrenzten Ziel.

Es geht mir gut. Richtig gut, so gut wie schon lange nicht mehr.

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Donnerstag, 1. Oktober 2015

Alles bereit

Fast alles. Der Wagen hat einen Xenonbrenner, den man wohl nicht so ohne Weiteres austauschen kann. Triumph der modernen Technik, aber das ist nicht so schlimm, denn ich fahre ohnehin bei Tageslicht über die noch immer unkontrollierte Grenze nach Österreich. Und eigentlich bin ich ja für etwas Vollmechanisches unterwegs.



Ich bin auf dem Weg zur L Eroica, mal wieder, das Schicksal herausfordern und eine einfangen. Dass ich die Trinkflaschen vergessen habe, hällt mir nach dem Stau in Rottach ein. Dass der Helm ebenfalls daheim liegt, wird mir beim Halt am Achensee klar. Das kommt davon, wenn man beim Schreiben denkt, da reicht die Kapazität dann nicht mehr für das, war wirklich wichtig wäre. Der Rasierapparat liegt om Bad recht gut neben den herausgelegten Karosportsocken. Aber es heisst nicht umsonst so schön: Vorwärts immer, rückwärts nimmer, es lebt sich gut so ohne Schimmer. Ausserdem gibt es am Brenner ein Radsportgeschäft, wo ich einiges nachkaufe. Aber nicht das Berma Professional im Schaufenster. Das ist nämlich etwas zu teuer, und ich fahre ja nach Italien auf einen grossen Marltt.



Aber erst mal nach Südtirol zum Training an meinem meist geliebten und meist gefürchteten Pass. Ich hatte immer Angst davor und war mir ganz lange sicher, dass ich da nie hochkommen würde. Letztes Jahr musste ich hier einmal abbrechen, weil es finster wurde, und dieses Jahr ist es das gleiche Spiel. Nur mit dem Unterschied, dass ich nicht damit rechnete, über Kalch hinaus zu kommen. Tatsächlich war ich aber nach zwei Stunden schon knapp unterhalb des Jaufenhauses auf 2000 Meter. Dann wurde es deutlich zu dunkel und im Schnee - da oben liegt schon wirklich viel Schnee - auch zu kalt.



Wie unfassbar kalt so eine Abfahrt in der frühen Winternacht werden kann, wüsste ich vom letzten Jahr vor der erfolgreichen Verdrängung. Jetzt ist es mit wieder eingefallen. Ab Kalch ging es, bis Kalch war es schlimm. Ausserdem wird die schiere Angst in der Finsternis bei höheren Geschwindigkeiten zum begrenzenden Faktor. Ich komme jedes Jahr schneller hinauf, aber jedes Jahr mache ich mir auch mehr Sorgen wegen meines Treibens. Ich denke vorsichtiger.

Aber tun tue ich wie immer. Sorglos, leichtfüssig, vergessend und verdrängend. Das vergessene Brot wird im Kasten sicher auch Schimmel ansetzen.

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Montag, 13. Juli 2015

Fremdgehen

Man bekommt nie, was man will. München zum Beispiel hat einen Fluss, die Isar. Aber die Isar ist eher ein Flüsschen und reicht nicht weiter als in den Nordrand der Alpen.



Flösse können auf ihr fahren, aber keine Schiffe: Zu seicht, zu tückisch. Die Isar reicht allenfalls für Bauholz, Trinkwasser und Abwasser. Der Fluss jedoch, der die Alpen fast komplett durchzieht und in Silvaplana fast durchschlägt, entlang dem der Weg nach Mailand frei ist, ist der Inn. An dem jedoch liegt München nicht.



Da ist also diese Stadr an der Isar und 40 kilometer weiter östlich wäre der grosse Strom, über den der ganze Italienhandel laufen könnte. Alles kann der Inn ausspucken, was es südlich der Berge gibt, bevor er sich weiter nach Passau begibt, wo die Münchner wegen des Bischofs nichts mehr zu melden haben.



Also geht München fremd und baut mit Wasserburg einen eigenen Hafen am Inn. Die 40 Kilometer rein in die Stadt packt man auch noch, so wie man heute die Strecke zum Flughafen packt. Nur wird der nie so pittoresk wie Wasserburg sein.



Manche nennen München Italiens nördlichste Metropole. Viel mehr aber ist Wasserburg Italiens nördlichste Provinzstadt, selbst an einem regnerischen Tag wie diesem. Alles atmet schon die richtige Leichtigkeit, und es ist auch noch alles erhalten: Ein Kleinod für Freunde von Renaissance und Mittelalter.



Es ist wie so oft beim Fremdgehen: Es macht weitaus mehr Spass und ist weitaus weniger anstrengend. Vieles, was uns heute völlig normal erscheint, wurde hier zum ersten Mal ausgepackt: Seide und Gewürze, Fayence und Korallen, Pfirsiche und Brokat. Für den Menschen der früheren Zeit muss das ein Rausch der Sinne gewesen sein, was hier entladen und verkauft wurde.



Das ist natürlich lang vorbei, und so ist Wasserburg heute verschlafen. Verschlafen und ein wenig aus der Zeit gefallen, wie manche Dörfer, nur eben mit all der Schönheit einer kleinen, aber feinen Handelsstadt am Schnittpunkt zwischen Nord und Süd. Wirklich reizend.



Es ist nicht weit vom Tegernsee entfernt, und wenn das Wetter besser ist, komme ich nochmal. Ausserdem gibt es hier einen gut sortieren Buchladen.

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Montag, 16. März 2015

Frei

Der Radweg nach Italien ist frei. Und wenn er hier am Achensee frei ist, ist er auch in Sterzing frei. Und wenn ich es hier aushalte, halte ich es auch zwischendrin aus.



Nur das Inntal wird die Hölle sein. Alles unter 700 Höhenmeter bis zum Alpenhauptkamm ist voll mit Pollen. Es sind nur 40 Kilometer und dann 400 Höhenmeter nach Lans. Aber die sind nicht zu überwinden.

Kommt schon noch. Ich bin gut durch den Winter gekommen.

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Sonntag, 15. März 2015

Ein Rad für die L Eroica

Dieses eine Rennen in der Toskana ist anders - eigentlich braucht man da drei Räder, ein Strassenrennrad für Asphalt, einen Crosser für Strade Bianche und ein MTB für die wirklich brutalen Strecken - die, auf denen man für 20 Kilometer selten weniger als 2 Stunden unterwegs ist. Zumindest als normaler, normal trainierter Mensch mittleren Alters. Beim ersten Mal bin ich mit einem normalen Rennrad von der Stange gefahren und hatte Probleme. Das zweite Mal hatte ich schon einen Spezialaufbau und es ging besser, und für das dritte Mal im Mai habe ich ein Rad gebaut, das noch ein klein wenig besser sein sollte:



Ein Hans Lutz aus den frühen 80er Jahren. Es sieht konsistent aus und könnte genau aus dieser Epoche stammen, ist aber genau ausgesucht und konzipiert. Um ehrlich zu sein, gab es damals solche Räder nicht, weil man damals nie auf die Idee gekommen wäre, eine L Eroica zu fahren. Allerdings ist es in allen Details echt und wäre damals wohl so gebaut worden, wenn man so ein Rennen hätte bestreiten wollen. Aber damals wollte jeder Asphalt und das MTB war in Deutschland noch nicht erhältlich.



Der Rahmen ist ein relativ früher Lutz, und wie man sieht, hat er Gewindeösen an den Ausfallenden. Das ist immer ein Zeichen für eine vergleichsweise lange und komfortable Geometrie. Gebaut wurde der dennoch vermustlich aus Columbus SL - vermutlich bei Romani in Italien - und zwar in vergleichsweise hoher Qualität, überhaupt kein Vergleich zu sonstigen Tourenrennrädern der damaligen Zeit. Ein langer Radstand ist in der Toskana sehr sinnvoll; kurze, nervöse Geometrien sind da eher weniger erbaulich.



Man sitzt lange. ein schmerzender Hintern kann einem den ganzen Spass verderben, deshalb ist hier ein schon weichgerittener Brooks Professional verbaut. Die sind nicht billig, aber es lohnt sich, wenn der Hintern dazu passt. Wenn nicht - teuer weiterverkaufen.



Gerade bergab auf Schotter ist eine hohe Handposition wichtig. Deshalb steckt hier ein ITM-Vorbau mit langem Schaft im Rahmen, so dass Lenker und Sattel gleich hoch sein können. Der vorbaui ist auch eher kurz, wie das früher so war - allzu gestreckt macht das Rennen keinen Spass. Der Lenker sollte lieber breiter gewählt werden.



Die Reifen sind der nächste Beitrag zum Komfort. Hier sind 28mm breite Barumreifen aus den 80ern verbaut, die zwar schwer sind, aber auch enorm robust. Wir hatten die auch letztes Jahr und mit originalen, dicken Schläuchen keine Panne. Sie brauchen weniger Luftdruck und haben eine gute Haftung auf losem Grund. Man sieht den grossen Abstand zum Gabelkopf. Da kann sich nichts verheddern, und auch am Hinterrad ist jede Menge Platz. Das verlangt eine langschenklige Bremse. Die hier kommt von CLB aus Frankreich und ist recht leicht, und bremst dennoch sehr gut.



Es sind harte Bedingungen, und dafür braucht man gute Laufräder. Hier sind die besten Stücke der Epoche verbaut: die ersten Dura-Ace-Kassettennaben mit breiten Lagern hinten, hohe und robuste Araya-Felgen, und vierfach gekreuzte DD-Speichen. Besser ging es Anno 82 nicht.



Hinten werkelt ein leicht modifiziertes Schrägparallelogramm-Schalterk der Suntour SV Serie, das auch grösste Ritzel schluckt. Der Zahnkranz geht hoch bis 28, und das braucht man auch für die steileren Anstiege. Die damaligen Suntourschaltungen waren die besten auf dem Markt, sie sind sehr leicht und leichtgängig. Hier habe ich noch einen langen Käfig hineingetrickst.



Vorne ist eine Stronglightkurbel aus Frankreich mit zwei Kettenblättern: 52 und 32. Ein grosser Sprung, aber der Suntourumwerfer packt das problemlos, und zusammen mit der Kassette findet man immer den richtigen Gang.



Die Schalthebel sind mit Retrofriktion von Simplex ausgerüstet - Federn drücken gegen die Federn der Schaltwerke, weshalb der Kraftaufwand beim Schalten gering ist. Das sind die beste ungerasterten Hebel, die man kaufen kann, und obendrein leicht und schön.



Ein gutes Dura-Ace-Innenlager übersteht auch härteste Belastungen, die Züge über dem Tretlager sind einfach zu warten und verhindern das Durchschlagen der Kette auf der Kettenstrebe. Alle relevanten Schraubem, die nicht Inbus sind, lassen sich auch mit dem normalen Schraubenzieher fixieren - die Mitnahme diverser Schlüssel ist nicht nötig.

Das sollte auf allen Untergründen gut und sicher laufen.

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Freitag, 3. Oktober 2014

In Chianti

Das Rad läuft wie geschmiert - die Tastatur dagegen gibt gerade den Geist auf, namentlich bei Zahlen und Sonderzeichen. Wenn ich den Rechner eine Weile ausschalte, wird es besser, aber auf Dauer ist das kein Zustand. nun hat die Kiste hier schon sehr viel mitgemacht und dass sie ansonsten immer noch läuft, ist toll. Trotzdem wüsste ich gerne, ob man da ad hoc etwas machen kann. Eigentlich hätte ich ja erwartet, dass die Buchstaben als erste aufgeben, aber es ist alles, was am Rand liegt. Rufe- und Fragezeichen gehen natürlich auch eher schlecht.





In Gaiole ist es warm, schön und jetzt schon proppenvoll, und das Angebot der Händler ist prima. Ich werde sofort vom Mitgründer in Empfang genommen und bekomme dadurch auch einen nicht ausgefüllten Rennpass -das heisst. ich kann auch einen anderen Namen reinschreiben und das Ding, wenn es abgestempelt ist, teuer bei Ebay an Schwächlinge verkaufen. Als ich 2010 hier war, waren es über 3000 Teilnehmer, dieses Jahr sind es 5600.





Deshalb wird die grosse Mehrheit - männliche Teilnehmer aus dem Ausland - ausgelost. Das halte ich für etwas unglücklich, weil es so zu Massenbuchungen kommt und inzwischen. jört man, fast schon eine Art Schwarzmarkt entstanden ist. Eie auch immer, die Veranstaltung kommt an ihre Grenzen. Frauen und Männer über 60 können sich dagegen dauernd anmelden, und auch ohne Limit. Im Ergebnis sind wirklich viele Frauen dabei, mehr als je zuvor, und das sieht man auch auf dem Teilemarkt.





Leider gibt es da inzwischen aber auch einige, ich sag mal, Modegestalten, die einfach von der Popularität angezogen werden: Hipster. Ganz grauslig, man könnte meinen, der mieseste Charakter von Bild trifft sich mit der Schande für die Eltern von Postprivacyspacken. Allerdings treffe ich dann vor allem altgediente Recken, die das alles schon etwas länger machen und mit den Rädern alt wurden. Für manche mag das "vintage" sein, für uns ist es unsere Jugend.





Ich kaufe ein paar Teile, die es daheim so eher nicht gibt, wie hellblaues Lenkerband, gestrickte Handschuhe und weisse Riemen für die Pedale. Es gibt wirklich tolle Dinge wie ein traumhadtes Hetchins, aber es ist viel zu teuer, selbst wenn es nicht wirklich überteuert ist. Ich habe mein Woodrup dabei und das muss erst einmal genügen. Und als ich Schuhe probiere und es abstelle, versuchen gleich mehrere, es dem Standbetreiber abzukaufen. Das ist natürlich schön, dass es begehrt und gleichzeitig nicht zu haben ist-

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Mittwoch, 10. September 2014

Der befreiende Faktor

Man muss auch einmal etwas bleiben lassen. Das Pener Joch zum Beispiel. Einerseits ist der Jaufenpass schöner und andererseits sollte man seine Gremzen kennen. Und Brixen ist ja auch sehr schön.



Ich werde in Südtirol gemeinhin milder, und würde manches hier gar nicht mehr so unbedingt wie nördlich der Alpen ausschliessen. Der Besitz eines Gartens zum Beispiel, denn hier muss man nichts machen, das wächst alles von allein. Samen in die Erde, nach ein paar Jahren steht da eine Palme oder Olive.



Ich kann hier auch mit dem demonstrativ freien Umgang mit Fleisch besser umgehen, vielleicht, weil es hier noch normaler als in Deutschland ist. Letzthin bemerkte eine Besucherin, dass es am Tegernsee noch gar kein veganes/vegetarisches Restaurant gäbe, und dass sich hier eine Lücke auftun würde. Ich gehe dort oft einkaufen und ich sehe auch, dass Fischhändler und Supermärkte mehr und mehr Platz für Käse haben, oder gar für vegane Dinge. In Südtirol ist man davon noch weit entfernt.



Aus bestimmten Gründen habe ich diesmal aber ein bestimmtes, sagen wir mal. Mitbringverbot, und so kaufe ich nur Nudeln für mich. Ich komme, das ist klar, demnächst ja nochmal hier durch und dann werden richtig Wintervorräte angelegt. So etwaa braucht Zeit und eine Einkaufsliste, also, Öl, Caccioricotta, Scamorza aus Parma -ich werde da einmal durch das Land fahren und alle Wünsche befriedigen.



Und deshalb kann ich Brixen einfach als das anschauen, was es ist: Schön. Wirklich schön. Meran ist schöner, aber das ist hier unter dem Himmel, der einem geschenkt wird, vollkommen egal.

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Montag, 8. September 2014

Eine eisige und eine warme Dusche

Komm, wir nutzen den Spätsommer, nehmen die schönsten Räder und fahren ins nahe Österreich, und schauen fast bis nach Italien hinüber.















Soweit also die Fahrt nach Tirol. Richtuing Süden verschwinden die Wolken udn die Kieferschmerzen vom letzten Freitag., als es gen Norden ging. In Tirol ist das Wasser grün, die Sonne funkelt und der Kaiserschmarrn ist kaiserlich auch vom Umfang her. Er macht rund und warm und die Heimfahrt verlangt danach, denn sie wird kalt und feucht und bietet leichten Regen, beständigen Regen, Platzregen, Gewitter und Hagel und durch letzteren hindurch eine rasende Fahrt entlang der Weissach, die sich zum Tegernsee stürzt. Da ist es dann wieder schön.



Und es gibt eine heisse Badewanne. Das schönste Gewässer dieser 3-Seen-Runde mit genau 100 Kilometern.

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Dienstag, 24. Juni 2014

Landesausstellung Ludwig der Bayer

Drinnen herrscht Photoverbot. Und ich habe mch daran gehalten, weil, ehrlich gesagt, die Objekte sind etweder nichts Besonderes, oder es sind Repliken, oder es ist zu finster.



Das hier ist St. Ulrich und im zweiten Stock der Kirche steht normalerweise das Regensburger Schatzkästchen, ein Höhepunkt der burgundischen Hofkunst um 1400. Das ist jetzt weg, weil die an sich helle und freundliche Kirche für einen Film verdunkelt ist. Ein Film, der die Problematik des Konflikts zwischen den Päpsten in Avignon und dem deutschen Kaiser am Beispiel des Regensburger Bischofs erklären soll, der zwischen den Froten stand.

Natürlich kann man aus dieser spätromanischen Pracht auch ein Kino machen, warum nicht. Man kan sich auch ganz tief zum unkundigen Besucher neigen, einen vergessenen Bischof herauskramen, und den vielleicht wichtigsten Aspekt des Kaisers, die damals unerhörten Ansprüche eines säkularen Staates, klein darstellen. Jedenfalls, wer mehr über Marsilius von Padua wissen will, oder von Ockham, der ist in der Ausstellung hier nicht so gut informiert wie jener, der sich für Durchschlagsleistungen von Hakenbüchsen interessiert. Auf Marsilius ruht unsere Grundordnung. Wer benutzt heute noch Hakenbüchsen? Vielleicht muss man die radikalen Ansätze wirklich etwas kleiner darstellen, wenn man diese Ausstellung im katholischen Regensburg macht, vielleicht braucht es Filme mit Scherzen, um die Wucht des Konflikts abzumildern, der damals tobte.

Und wenigstens ist diesmal auch der Kreuzgang geöffnet, der in seiner morbiden Schäbigkeit einer der letzten ist, die noch den Eindruck vergangener Jahrhunderte erwecken. So war das früher - und wenn man es sich diesen Sommer nicht anschaut, wird man es nach 8 Jahren Restaurierung nicht mehr so vorfinden, sondern gesäubert und gereinigt.



Gelernt - habe ich wenig, aber ich habe das auch studiert und da kann man keine bahnbrechenden Erkenntnisse erwarten. Die Landesausstellung, so scheint es mir, gefällt auch Laien und hat ein Kinderprogramm, das nicht aus Käfigen besteht.

Aber irgendwie... es ist die Epoche des Codex Manesse, man weiss, wie prunkvoll das Mittelalter damals sein konnte und nicht umsonst ist es auch die Zeit, da jene lebten, die im Decamerone auftreten. Da ist die Ausstellung so steif, so lustlos, so regierungsfixiert, und übersieht dabei, dass Ludwig nicht nur kein Pfaffenknecht war, sondern zurecht in Avignon wegen seiner lockeren Sitten gehasst wurde. Einmal - bei Margarete Maultausch - wird das ganz sachte gestreift, aber auch hier geht es nur um die Hausmachtspolitik. Die Frau verscheuchte den Hallodri, der ihr Mann war, und setzte sich selbst als Chefin eines Landes ein - und verspielt wird diese Umwälzung in der Ausstellung durch die Darstellung des Konflikt zwischen Wittelsbachern und Luxemburgern.

Seltsam unbefriedigt - und das nicht zum ersten Mal bei Bayerischen Landesausstellungen - zog ich von dannen. Es ist eine gute Ausstellung und trotzdem, ich fremdle sehr.

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Donnerstag, 29. Mai 2014

Wilde Männer

Es gibt so Tage, die sollten schön sein, aber sie beginnen im Regen, verlaufen im Regen und enden im Regen, und dazwischen gibt es Sturzbäche an Alpenpässen und blockierte Strassen. So ein Tag ist es also gewesen und trotzdem war er schön.



Wir kamen nämlich genau rechtzeitig zum Mittagstisch zum Wilden Mann in Aldrans und egal wie viel Wasser den Berg herunter kam: Einzig wichtig ist doch nur der zarte Buttersee, in dem die hausgemachten Schlutzkrapfen parmesanbekrönt ihre Schwimmübungen machen.



Und da kommt man natürlich auf dumme Gedanken wie eine Extraportion. Oder man denkt an den Umstand, dass der Wilde Mann eigentlich genau in der Mitte zwischen Tegernsee und Meran liegt, weshalb man am ersten Tag noch ein Schlussanstieg hier hoch mitnehmen könnte, weil man eh nichts mehr fühlt. Und am zweiten Tag dann den Brenner noch frisst, weil das am Morgen ist und am Nachmittag folgt, nach dem Schwarzen Adler in Sterzing, der Rest.



Das klingt dann auch schön heldenhaft und man muss auch sehen: Die nötige Distanz und die nötigen Höhenmeter haben wir diesmal schon erkurbelt. Es ist also technisch machbar und andere fahren von Garmisch nach Torbole - wie schwer kann es schon sein, noch dazu mit diesem Ziel vor Augen?



So also überlegen wir und die Sonne strahlt buttrig auf den Tellern, die auf pässeniederringende Helden warten, während draussen jene Sturzfluten niedergehen, die uns dann hoffentlich verschonen werden, wenn wir das Grosse wagen.

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